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Full text of "Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie and Paläontologie"

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Neues  Jahrbuch 

für 


Mineralogie,  Geoloiie  am  Palaeontoloeie. 

Gegründet  von 
K.  C.  von  Leonhard  und  H.  G.  Bronn, 

und  fortgesetzt  von 

G.  Leonhard  und  H.  B.  Geinitz, 

Professoren  in  Heidelberg  and  Dresden. 

Jahrgang  1873. 

Mit  V  Tafeln  und  5  Holzschnitten. 


Stattgsirt^ 

E.  Schweizerbart'sclie  Verlagshandlung  (E.  Koch). 
1873, 


Inhalt. 


I.  Original-Abhandlungen. 


Seite 


Eichwald,  E.  v.:  Ein  paar  Worte  über  Trilobiten-Füsse, 

Fühler  und  Taster  (Mit  Taf.  I)  .    .   1 

Geinitz,  H.  B. :  über  Inoceramen  der  Kreideformation    .  7 

Frenzel,  A.:  Mineralogisches  23 

Jentzsch.  Alfr. :  über  die  Ursachen  der  Eiszeit  ...  28 
Streng,  A.:  über  den  Kreislauf  der  Stoffe  in  der  Natur  33 
Rath,  G.  vorn:  über  das  Krystallsystem  des  Leucits.  (Mit 

Taf.  II)    ...    .  113 

Lasaulx,  A.  v.:  über  den  Ardennit  124 

Höf  er,  Hanns:  Studien  aus  Kärnten.    III.  Die  Eiszeit  in 

Mittelkärnten  128 

Streng,  A.:  Mikroskopische  Untersuchung  einiger  Porphy- 

rite  und  verwandter  Gesteine  aus  dem  Nahe-Gebiete  225 
Wibel,  F.:  Mineralogische  Mittheilungen  .  .  .  242,  366 
Zeiger:   Terebratula  vulgaris  im  Gipskeuper  der  Trias 

Frankens  352 

Rom  er,  Ferd.:  Geologische  Reisenotizen  aus  der  Sierra 

Morena  256 

Loretz,  H.:  Geognostische  Beobachtungen  in  der  alpinen 
Trias  der  Gegend  von  Niederdorf,  Sexten  und  Cor- 

tina  in  Süd-Tirol    271,  337 

Petersen,  Th.:  Notiz  über  den  Basalt  und  Hydrotachylyt 

bei  Darmstadt  385 

Möhl,  H. :  Mikromineralogische  Mittheilungen     ....  449 
Burkart:  über  das  Vorkommen  verschiedener  Tellur-Mi- 
nerale in  den  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika  .  476 
Frantzius,  A.  v. :  die  warmen  Mineralquellen  in  Costa- 

rica   496 

Schröder,  H.:  Untersuchung  über  die  Volumconstitution 

einiger  Mineralien   561,  932 


IV 


Seite 

Dölter,  C:  Bemerkungen  über  die  TufFbildungen  in  Süd- 
Tirol   569 

Sand  berger,  F.:  die  Gliederung  der  Miocän-Schichten 

im  schweizerischen  und  schwäbischen  Jura  ....  575 

Scheerer,  Th. :  über  die  Genesis  der  Granulite,  mit  be- 
sonderer Beziehung  auf  die  sächsische  Granulit-For- 
mation  673 

Geinitz,  Eugen:  Versteinerungen  aus  dem  Brandschiefer 
der  unteren  Dyas  von  Weissig  bei  Pillnitz  in  Sachsen 
(Mit  Taf.  III)  691 

Frenze  1,  A.:  Mineralogisches  785 

Naumann,  C:  über  den  jüngeren  Gneiss  bei  Frankenberg 

in  Sachsen  (mit  zwei  Holzschnitten)  803 

Möhl,  H.:  Mikroskopische  Untersuchung  einiger  Basalte 

Badens  (Mit  Taf.  IV)  824 

Geinitz,  H.  B. :  Blicke  auf  die  Wiener  Weltausstellung 

im  Jahre  1873    897 

Behrens,  H. :  über  das  Spectrum  des  Edelopals  (Mit  Tf.  V)  920 

II.  Briefwechsel. 

A.  Mittheilungen  an  Prof,  G.  Leonhard, 

Cohen,  E. :  geologische  Mitteilungen  aus  Griqualand-West  ...  52 

Kenngott,  A.:  Berichtigung  über  Manganophyll  56 

Pichler,  Ad.:  Spinell  im  Glimmerschiefer  von  Sterzing    ....  56 
Sandberger,  Fr.:  über  seine  Herbstreise  und  Studien  des  Tertiär- 
Gebirges;  oberdevonische  Petrefacten  aus  Armenien;  Mineralo- 
gisches über  Wittichen  und  Bieber  57 

Pich ler,  Ad.:  neues  Vorkommen  von  Sphen  in  Tyrol  60 

Zirkel,  Ferd. :  Bemerkung,  die  nadeiförmigen  Kryställchen  in  den 

Dachs  chiefern  betreffend  60 

Zirkel,  Ferd.:  kündigt  sein  Werk  „die  mikroskopische  Beschaffen- 
heit der  Mineralien  und  Felsarten"  an  60 

Rosenbusch,  H.:  kündigt  sein  Werk  „Plrysiographie  der  petro- 

graphisch  wichtigen  Mineralien"  an  61 

Naumann,  C.:  Nachtrag  zu  seiner  Abhandlung  über  den  Granu- 

lit-Gang  bei  Auers walde     .  149 

Cohen,  E. :  weitere  Mittheilungen  aus  Griqualand-West;  Vorkom- 
men der  Diamanten  150 

Pichler,  Ad.:  Entdeckung  von  Resten  der  Steinzeit  in  Tyrol   .    .  155 
Laspeyres,  H. :  über  die  von  ihm  in  den  Jahren  1866  bis  1869 
bearbeiteten  Blätter  der  geologischen  Karte  von  Preussen  und 
Thüringen;  über  Krystall-  und  Constitutions- Wasser;  über  Ot- 

trelit,  Ardennit,  Mangangranat,  Psilomelan  155 

Vrba,  K. :  über  den  Syngenit  166 

Laspeyres,  H. :  über  den  Maxit  292 

Weisbach,  A.:  neue  Uranerze  von  Schneeberg  296 


V 


Seite 

Cohen,  E. :  geologische  Mittheilungen  aus  der  Transvaal-Republik  391 

Naumann,  C:  die  Pseudomorphosen  von  Malachit  nach  Atakamit  393 
Kenngott,  A.:  Untersuchungen  an  Dünnschliffen  des  isländischen 

Obsidian   394 

Do  elter,  C. :  die  Augit-Andesite  und  Perlite  des  Tokaj-Eperieser 

Gebirges;  Eintheilung  der  ungarischen  Trachyte   397 

Ottmer,  E.  J.:  Entdeckung  des  Struvit  bei  Braunschweig  .  .  .  400 
Gümbel,  C.  W.  C:  Fr.  v.  Kobell's  Stauroskop  auch  bei  Dünn- 
schliff-Untersuchungen nützlich   400 

Cohen,  E.:  geologische  Mittheilungen  über  die  Goldfelder  bei  Ma- 

rabastad   511 

Dräsche,  R.  v. :  geologische  Mittheilungen  über  die  Umgebungen 

von  Christiania   515 

Rath,  G.  vom:  ein  Ausflug  nach  den  Schwefelgruben  von  Girgenti  584 
Mühl,  H. :  kleine  Beiträge  zum  Vorkommen  des  Tridymits,  Breis- 

lakits  und  Sodaliths   603 

Pich ler,  Ad.:  Diluvial-Torf  bei  Innsbruck   612 

Loretz,  H.:  zur  Geognosie  der  Gegend  von  Niederdorf,  Sexten  und 

Cortina  in  Südtyrol   612 

Rath,  G.  vom:  das  Erdbeben  von  Belluno  am  29.  Juni  1873    .    .  705 

Cohen,  E. :  die  Goldfelder  von  Leydenburg   718 

Dräsche,  R.  v.:  Geologisches  über  Spitzbergen   722 

Kenngott,  Ad.:  Skolezit,  Calcit  und  Apophyllit  bei  der  Fellinen  Alp, 

Maderaner  Thal   725 

Petersen,  Th.:  Apatit  im  Osteolith;  Skolezit  von  Poonah    .    .    .  852 

Doelter,  C:  die  jüngeren  Eruptivgesteine  Siebenbürgens  .  .  .  853 
Loretz,  H. :  geologische  Mittheilungen  über  Cadore,  Fiorentinathal, 

Caprile  und  Zoldothal,  Südtyrol   854 

Pichler,  Ad.:  Geologisches  aus  Tyrol   940 

Laspeyres,  H. :  Quarz-Stalactiten  mit  Quarz-Krystallen  ....  941 

Kenngott,  Ad.:  einige  Berichtigungen,  Analysen  betreffend     .    .  944 

Schar  ff,  Fr.:  Quarz-Krystalle  von  Poonah   944 

Nies,  Fr. :  Photographie  von  Cestracion                                .   .  945 


B.   Mittheilungen  an  Professor  H.  B.  Geinitz. 

Marcou,  Jules:  über  seine  geologische  Kartenskizze  der  Erde  und 

geologische  Karte  der  Vereinigten  Staaten  und  von  Canada  .    .  63 

Messikommer,  J. :  Erfunde  in  Pfahlbauten  63 

Weisbach,  A.:  Arsenkupfer  von  Zwickau  64 

Heer,  0. :  die  arktische  fossile  Flora  65 

Feistmantel,  Ottokar:  die  Kohlen  Österreichs  auf  der  Weltaus- 
stellung  167 

0 oster,  A. :  die  Faunen  der  Gegend  am  Thuner  See  und  der  Ral- 

ligstöcke    .    .  167 

Schmidt,  Fr.:  Notiz  über  die  Silurformation  am  Dniester  in  Podo- 

lien  und  Galizien  und  über  Pteraspis  Kneri  im  Besondern   .    .  169 
Zepharovich,  V.  v. :  kündigt  den  zweiten  Band  seines  mineralogi- 
schen Lexicons  für  das  Kaiserthum  Österreich  an  172 

Römer,  Ferd.:  Nachruf  an  Ewald  Becker  172 

V  e  r  b  e  e  k :  Nummuliten  auf  Java  297 

Zimmermann,  K.  G.:  über  die  alten  Harzgeschiebe  bei  Wernige- 
rode 297 


VI 


Seite 

G  um  bei,  C.  W.:  Coccolithen  im  Eocänmergel ;  fehlen  dem  Tiefsee- 
schlamm  der  bayerischen  Alpen;  Untersuchung  dichter  Kalk- 
steine; Arten  der  Oolith-Bildung  299 

Schmid,  E.  E.:  Mammuth-Skelet  im  Süsswasserkalk  von  Taubach; 

über  Aspidura  scutellata  .  401 

Laspeyres,  H.:  über  das  Rothliegende  der  Provinz  Sachsen  und 

dessen  marinen  Ursprung  402 

Römer,  Ferd. :  Bericht  über  eine  Reise  nach  Spanien     ....  517 
B  a  1 1  z  e  r ,  A. :  Replik ,  betreffend  eine  Hypothese  über  den  natür- 
lichen Verkohlungs-Process  und  die  Constitution  der  Kohlen    .  626 
Dana,  J.  D:  Expedition  von  Marsh  in  die  Rocky  Mountains ;  über 

die  Vertebraten  aus  den  Fort  Bridger  Schichten  629 

Stoliczka,  Ferd.:  Reise  in  den  Himalaya  629 

B  o  x  b  e  r  g ,  Ida  v. :  Erdbeben  bei  St.  Paulien,  Hte.-Loire    .    .    .  ( .  630 
Stelzner,  Alfr.:  über  seine  Reise  durch  die  argentinischen  Provin- 
zen San  Juan  und  Mendoza  und  die  Cordillere  zwischen  dem  31. 

und  33.°  s.  Br  726 

Stelzner,  Alfr.:  über  die  Genesis  des  sächsischen  Granulit     .    .  744 

Eck,  EL:  über  Aspidura  scutellata  746 

Frenzel,  A.:  über  den  Fundort  der  Pseudomorphosen  von  Wismuth- 

spath  nach  Scheelspath  946 

Mitteilungen  des  oberrheinischen  geologischen  Vereins  L 

Knop,  A.:  über  die  Nickelerze  von  Horbach  bei  St.  Blasien  im 

Schwarzwald  521 

Knop,  A. :  über  das  Vorkommen  von  Petroleum  bei  Reichartshau- 

sen  im  Odenwald  529 

Platz,  Ph.:  über  Petrefacten  im  bunten  Sandstein  533 

IIIc    Neue  Literatur. 
A,  Bücher. 

1870:  Eberl  ing,  K.  ......  408 

1871:  Heer,  0.;  Newberry,  J.  S  174 

Hayden,  F.  V   408 

Baily,  W.  H.;  Cox,  E.  T  949 

1872:  Barrande,  J.:  Brandt,  AI.;  Feistmantel,  0;  Fric,  A.; 
Göppert;  Issel,  Art.;  Koenen,  v.;  Köninck,  de;  Ma- 
renzi;  Parker,  Quenstedt;  Ramsay;  Reichardt;Reiss 
und  Stübel;  Richter,  R.;  Sadebeck,  A.;  Schmidt,  Fr.; 

Senfter,  R.;  Stoliczka,  F  ,   .  66 

Arzruni;  Bauer,  Max;  Bertrand,  E.;  Göppert;  Hauer, 
Fr.  v.;  Hilgard;  Hilger  und  Nies;  Hochstetter,  F.  v.; 
Kravogl,  H.;  Loriol,  de;  Marsh;  Nies,  Fr.;  Sandber- 
ger,  F.;  Stoliczka,  F.;  Stiehler;  Studer,  B.:  Vrba, 

K.;  Vogelgesang;  Wiik   175 

Bryce,  J.;  Dames,  W.;  Daubree;  Feistmantel,  0.;  Fuchs, 


VII 


Seite 

C.  W.  C;  Göppert;  Halenke;  Hebert;  Hyatt;  Kayser, 
Em.;  Marsh,  0.;  Schlüter;  Stoppani  305 

Baltzer,  A.;  Hayden,  F.  V.;  Lossen,  K.  A;  Sexe;  Shea- 
ver  

Favre,  E.;  Hantken,  M.  v.;  Heer,  0.;  Hofmann,  K.  . 

Artope;  Brandt,  J.  F.;  Feistmantel,  Ot.;  Steenstrup, 
J. ;  d'Aoust,  Virlet  

Frantzius,  A.  v.;  Nathorst,  A.  G  

1873:  Hessenberg,  Fr.;  Hull,  Ed.;  Innstädten,  v. ;  Knop,  A. 
Leonhard,  G.;  Mayer,  K  

Asten,  H.  v.;  Dewalque,  G.;  Dieffenbach,  Ferd.;  Fi- 
scher, Ferd.;  King,  W.;  Köhler,  Ernst;  Marsh;  Runge, 
W.;  Würtenberger,  Leop  

Barrande,  J.;  Boricky;  Cope,  Ed.;  Cotta,  B.  v;  Cred- 
ner,  Herrn.;  Dawson;  Feistmantel;  Geinitz,  H.  B. 
Grassmann,  Rob.;  Hull,  Ed.;  Jones,  R.;  Kobell,  Fr.  v. 
Kornhuber,  A.;  Laube,  G.;  Leonhard,  G.;  Platz,  Ph.: 
Sandberger,  F.;  Schmidt,  Fr.;  Scrope,  Poulett;  Streng, 

A.  u.  Zöppritz,  K.;  Tyndall,  J.;  Weisbach,  A.;  Will- 
komm, M.;  Winkler,  CL;  Zepharovich,  V.  v.     .  . 

Berendt,  G.;  Boricky;  Brezina,  A.;  Burchardi,  P.  v. 
Cope,  Ed.;  Dana,  J.  D.;  Doelter,  C;  Dräsche,  R.  v. 
Eberling,  C;  Feistmantel,  Ot.;  Gaudry,  Alb.;  Hei- 
land, A.  u.  Münster,  E.;  Key  serling,  AI.;  Nöggerath, 
J.;  Novak,  Ot.;  Orth,  Alb.;  Schalen,  Ferd.;  Scheerer, 
Th.  u.  Drechsel,  E.;  Schrauf,  Albr.;  Schreiber;  Strü- 
ver;  Törnebohm;  Tschermak,  G.;  Vogt,  C.    .    .  . 

Bachmann,  Is.;  Bertrand,  E.;  Blum,  R.;  Cope,  Ed. 
Dana,  J.  D.;  Daubree;  Dechen,  H.  v.;  Engelhardt 
H.;  Favre,  E.;  Gaudry,  A.;  Heer,  0.;  Hintze,  C;  Korn- 
huber, A.;  Manzoni,  A.;  Mayer,  K.;  Müller,  Albr.;  Old- 
ham;  Pavay,  A.  v.:  Ramsay;  Schlotke,  J.;  Stelzner, 
Alfr.;  Suess;  Woodrow,  J.;  Würtenberger,  Leop.;  Ze- 
pharovich, V.  v  

Baltzer,  A.;  Brauns;  Cotta,  B.  v.;  Chavannes;  Cope. 
Ed.:  Erdmann,  E. ;  Ehrenberg;  Gosselet  et  Bertaut: 
Groddeck,  A.  v.;  Hofmann,  Alfr.;  Lundgren,  B.;  Moi- 
sisovics,  E.  v.;  Perry,  J.;  Quenstedt,  F.  A.;  Rosen- 
busch, H.;  Sandberger,  F.;  Seebach,  K.  v.;  Silliman, 

B.  ;  Stoll,  K.;  Süss,  E.;  Williamson;  Winkler,  T.  C. 
J.  van  Binckhorst  van  den  Binckhorst;  Fuchs,  C.  W. 

C;  Leonhard,  G.;  Lyell,  Ch.;  Neidig,  W.;  Barkas. 
Pallister;  Sadebeck,  AI.;  d'Aoust,  Virlet;  Wolf,  Th.; 

Zirkel,  F.;  Zaengerle,  M  

Blanford,  W.;  Böttger,  0.;  Brandt,  J.  F.;  Cope,  Ed. 
Dawson;  Dechen,  H.  v.;  Desor,  E.;  Forsyth-Major; 
Fresenius,  R.;  Fritzgärtner,  R. ;  Fuchs,  Th.;  Haar- 
mann; Haushofer,  K.;  Heim,  Alb.;  Karsten,  G.;  Kö- 
ninck, de;  Leeds,  Alb.:  Linnarson;  Mojsisovics,  E. 
v.;  Löwig,  Fr.;  Redtenbacher,  A.;  Reuss,  A.  v.;  Sa- 
debeck, AI.;  Rütimeyer,  L.;  Stäche,  G.;  Steenstrup. 
J.;  Strehle,  A.;  Stübel,  Alf.;  Weiss,  E.;  Zepharovich, 
V.  v  


vni 

Seite 

Boeckh,  Job.;  Cope,  E.  D.;  Dechen,  H.  v.;  Feistmantel, 
Ot. ;  Frantzius,  A.  v.;  Genth,  F.  A.;  Hantken,  M.  v.  u. 
Madarasz,  S.  E.V.;  Hofmann,  K.;  Lasaulx,  A.  v.;  Mix- 
ter,  W.  G.  u.  Dana,  E.  S.;  Möhl,  H. ;  Nathorst,  Alfr.; 
Nies,  Fr.;  Pfaff,  Fr.;  Richthofen,  Ferd.  v.;  Sandber- 
ger,  F.;  Wiebel,  K.  W.  M.;  Wiik,  F.  J  949 


B.  Zeitschriften, 

a.   Mineralogische,  Geologische  und  Paläontologische. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Keich sanstalt.  Wien.  8°. 
[Jb.  1872,  VI.] 

1872,  XXII,  No.  4,  S.  331—400   177 

1873,  XXIII,   „    1,  „     1-116,  Taf.  I— IV   538 

XXIII,  „    2,  „  117-248,    „    V-VI   864 

Mineralogische  Mittheilungen.    Ges.  von  G.  Tschermak. 
Wien.  8°.    [Jb.  1872,  VI.] 

1872,  Heft  4,  S.  199—265,  Taf.  VI   177 

1873,  „    1,  S.     1-51,     „I   411 

„    2,  „    51-140  .  ;   633 

Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 
Wien.    8°.    [Jb.  1872,  VI.] 

1872,  No.  15,  S.  303—322    68 

„    16,  „  323—338    68 

„    17,  „  339—358    178 

1873,  No.    1,  S.     1—24    178 

„     2,  „     25-  44    308 

„     3,  „     45—  60    308 

„     4,  „    61—  78   .308 

„     5,  „     79—102   308 

'  „     6,  „   103—118   410 

„     7,  „   119—140   410 

„     8,  „   141—158     .   539 

„     9,  „   159—174   632 

.,    10,  „   175—194   '   633 

„    11,  „   195—214    .748 

.,    12,  „   215—230    864 

„    13,  „   231—246   951 

Palaeontographica.  Beiträge  zur  Naturgeschichte  der 
Vor  weit.  Herausgeg.  von  W.  Dunker  u.  K.  Zettel.  Cassel  8°. 
[Jb.  1872,  VII.] 

1872,  20.  Bd   71 

1873,  22.  Bd.,  1.  Lief.   412 

22.  Bd.,  2.-3.  Lief.   864 

Zeitschrift  der  Deutschen  geologischen  Gesellschaft. 
Berlin  8".    [Jb.  1872,  VI.] 

1872,  XXIV,  3,  S.  419—603,  Tf.  XVI-XXI    176 

XXIV,  4,  „  604-817,    „  XXII-XXVIII   411 

1873,  XXV,  1,  „      1—116,   „       I— IV    539 

XXV,  2,  „  117-355,   „      V— VIII                              .  74S 


IX 


Seite 


Bulletin  de  la  Societe  geologique  de  France.    Paris  8°. 
[Jb.  1872,  VII.] 

1872,  No.  6,  XXIX,  p.  385—480    72 

„    7,  XXIX,  p.  481-583    179 

1873,  „    1,     XXX,  p.     1—117  310 

„    2,     XXX,  p.  117—164  413 

„    3,     XXX,  p.  165—260    750 

Annales  des  sciences  geologiques.    Red.  par  Hebert  et 
Milne  Edwards.   Paris  8°. 

1871—  1872.  II,  3   541 

The  Quarterly  Journal  of  the  Geological  Society.  London 
8°.    [Jb.  1872,  VII.] 

1872,  XXVIII,  No.  112,  Novb.,  p.  381—510  73 

1873,  XXIX,    „    113,  Febr.,  „      1—96  311 

XXIX,   „    114,  May,  „     97-317    541 

XXIX,  „    115,  Aug.,  „   317—492    863 

The  Geological  Magazine,  by  H.  Woodward,  J.  Morris  a. 

R.  Etheridge.    London  8°.    [Jb.  1872,  VII.] 

1872,  Novb.,    No.  101,  p.  481—576   75 

Decb.,     „    102,  „   529—576    181 

1873,  Jan.,       „    103,  „      1—48   312 

Febr.,     „    104,  „     49—  96    414 

March,        105,  „     97—144   541 

April,     „    106,  „   145—192    541 

May,       „    107,  „   193—240    635 

June,      „    108,  „   241—288    751 

July,       „    109,  „   289—336    866 

b.   Allgemeine  naturwissenschaftliche. 

Sitzungs- Berichte  der  Kais.  Akademie  der  Wissenschaf- 
ten.   Wien  8°.    [Jb.  1872,  VIII.] 

1871,  LXIV,  1  u.  2,  S.  1—281  67 

1872,  LXV,  1—5,  S.  1—427   410 

Sitzungs  -  B  er ichte  der  K.  Bayerischen  Akademie  d  er  Wis- 
senschaften.   München  8°.    [Jb.  1872,  VIII.] 

1872,  2,  S.  107—259   .    .  307 

Sitzungs-Berichte  der  naturwissenschaftlichen  Gesell- 
schaft Isis  in  Dresden.    Dresden  8°.    [Jb.  1872,  VIII.] 

1872,  No.    7—  9,  S.    97—135    70 

„    10—12,  „  136—190  .    .    .   309 

1873,  „      1-  3,  „      1—  75   543 

Leopoldina.  Amtliches  Organ  der  kais.  Leopoldino-Caro- 

linischen  deutschen  Akademie  der  Naturforscher. 
Dresden.  4°. 

1872,  Heft  VII  u.  VIII  71 

1872—  1873,  VIII,  No.  4—8  412 

1873,  VIII,  No.    9—12  634 

VIH,    „   13-15  951 

IX,     „     1-  4  ......  951 

Annalen  der  Physik  und  Chemie.    Red.  von  J.  C.  Poggen- 
dorff.    Leipzig  8°.    [Jb.  1872,  VIII.] 
1872,  No.  11-12,  CXLVII,  S.  321—635     .........  68 


X 


Seite 

1873,  No.  1,  CXLVIII,S.     1-176  a  177 

„    2,  CXLVIII,  „  177-336    309 

„    3,  CXLVIII,  „  337-496     •  412 

„    4,  CXLVIII,  „  497-660    539 

„     5,  CXLIX,    „     1—128    634 

Journal  für  practische  Chemie,  Red.  von  H.  Kolbe.  Leip- 
zig 8  '.    [Jb.  1872,  VIII.] 

1872,  VI,   No.  14—16,  S.  145—257    68 

VI,  „    17-20,  „   257-480    178 

1873,  VII,    „  1,  „      1—  48    309 

VII,  „  2,   „     49—  96    412 

VII,    „       3-4,  „     97-192    540 

VII,    „       5—6,  „   193—288    634 

VII,    „  7,  „  289-395    749 

VII,    „  8,  „  864 

Verhandlungen  des  n at urhistorischen  Verein s  derPreus- 
sischen  Rheinlande  und  Westphalens.  Herausgegeben 
von  C.  A.  Andrae.    Bonn.    8".    [Jb.  1872,  69.] 

1871,  XXVIII,  1-2.  Abhandl.  S.  1-263.  Corr.-Bl.:  1-124;  Sitz.- 
Ber.  1  —  156   69 

1872,  XXIX,  1.  Abhandl.  S.  1—98;  Corr.-Bl.  S.  1—47.  Sitz.-Ber. 

S.  1—80   179 

Abhandlungen  der  schlesischen  Gesellschaft  für  vater- 
ländische Cultur.    Breslau  8°.    [Jb.  1872,  71.] 

1871,  S.  1—77   71 

Neunundvierzigster  Jahresbericht  der  schlesischen  Ge- 
sellschaft für  vaterländische  Cultur.  Breslau  8°.  [Jb. 
1872,  VIII.] 

1871,  S.  1—356    71 

Jahresbericht  des  Nassauischen  Vereins  für  Naturkunde. 

Wiesbaden  8°.  [Jb.  1870,  619.] 

1872,  S.  1—496    72 

Schriften  der  physikalisch-ökonomischen  Gesellschaft 

in  Königsberg.    Königsberg  8°. 

1872.   Dreizehnter  Jahrg.    S.  1—88  179 

Schriften  der  naturforschenden  Gesellschaft  in  Danzig. 
Danzig.  8°. 

1872,  III,  1,  S.  1—226   179 

Verhandlungen  des  naturforschenden  Vereins  in  Brünn. 
Brünn  8°.   [Jb.  1872,  TX.] 

1872,  X,   S.  1—239    309 

1873,  XI,  S.  1—212  951 

Correspondenz-Blatt  des  zoologisch-mineralogischen 

Vereines  zu  Regensburg.    26.  Jahrg.   Regensburg  8°. 
[Jb.  1872,  VIII.] 

1872,  S.  1—194    309 

Notizblatt  des  Vereins  für  Erdkunde  und  verwandte  Wis- 
senschaften   und    des    mittelrheinischen  geologi- 
schen Vereins.    Darmstadt  8°.    [Jb.  1872,  IX.] 
1872,  III.  Folge,  11.  Heft,  No.  121-132.  S.  1-192  412 


XI 


Seite 

Drei  und  zwanzigster  Jahresbericht  der  Natur  histori- 
schen Gesellschaft  zu  Hannover.    Hannover  8". 
[Jb.  1872,  IX.] 

1871—1872,  S.  1—71  634 

Protokolle  des  Sächsischen  Ingenieur-  und  Architek- 
ten-Vereins.   Dresden  8°. 

1873,  S.  1—98   .   634 

Verhandlungen  der  naturforschenden  Gesellschaft  in 
Basel.   Basel  8".    [Jb.  1872,  VIII.] 

1873,  V,  4.  S.  527-703   749 

Jahrbuch  des  naturhistorischen  Landesmuseum  sin  Kärn- 
then.   Klagenfurt  8°. 

1873,  11.  Heft.    S.  1-218  und  I-XLVIII   749 

Bulletin  de  la  Societe  Imp.  des  Naturalistes  de  Moscou. 
Mose.  8°.    [Jb.  1872,  IX.] 

1872,  2,  XLV,    p.  225—449    72 

3,  XLVI,  „      1-241  311 

4,  XLVI,  „  242-427    413 

1873,  1,  XLVI,  „      1—172   .  749 

Comptes  rendus  hebdomadaires  des  seances  de  l'Acade- 

mie  des  sciences.   Paris  4°.    [Jb.  1872,  IX.] 

1872,  28.  Oct.     —    2.  Dec,  No.  18—23,  LXXV,     p.    973—1564  73 

9.  Dec.    -  30.  Dec,    „    24-27,  LXXV,     „   1565—1848  180 

1873,  6,  Janv.  —  24.  Fevr.,  „     1—8,  LXXVI,   „        1—  508  310 
3.  Mars  —    5.  Mai,    „     9—18,  LXXVI,   „     509—1152  413 

12.  Mai    -    2.  Juin,    „    19-22,  LXXVI,   „   1153-1372  540 
9.  Juin    —  30.  Juin,    „    23-26,  LXXVI,   „  1373-1423  750 
7.  Juill.  —  21.  Juill.,  „     1—  3,  LXXVII,  „        1—  224  750 
28.  Juill.  -  25.  Aout,  „     4-8,  LXXVII,  „     225-  544  869 
L'Institut.   I.  Sect.    Sciences  mathematiques,  physiques 
et  naturelles.    Paris  4°.    [Jb.  1872,  IX.] 

1872,  20.  Nov.  —  25.  Dec,  No.  1986—1991,  p.  369—416    ...  180 

1873,  1.  Janv.  —  30.  Avr.,    „        1—    18,  „      1  —  144    ...  414 
7.  Mai   —  25.  Juin,    „       19—       ,  „   145—208    ...  751 

Revue  des  sciences  naturelles.  Red.  par  E.  Dubreuil  et  E. 
Heckel.    Montpellier  et  Paris  8°. 

1872,  tome  I,  No.  1,      p.     1-116  180 

„    2-3,  „   117-444    311 

1872,  tome  II,  „    1,       „      1—168   ,    .    .  865 

Archives  du  Museum  d'histoire  naturelle  de  Lyon. 
Lyon  8°. 

1872,  tome  I,  p.  1—35  311 

The  London,  Edinburgh  a.  Dublin  Philosophical  Maga- 
zine and  Journal  of  Science.    London  8".    [Jb.  1872,  IX.] 

1872,  Oct.,  No.  293,  p.  241-320    •  74 

Nov.— Dec,    „    294—296  „   321—480   .181 

1873,  Jan.— Febr.,    „    297—298  „      1—160  312 

March,    „    299,  „   161—240    414 

April-May,    „    300—301  „  241—400    542 

June,    „    302,  „  401—472    635 

July,    „    303,  „       1-  88    866 

Transactions  of  the  Edinburgh  Geological  Society. 
Edinburgh  8°. 

1872,  vol.  II,  p.  1-147   .  74 


XII 


Seite 


Natural  History  Transactions  of  Northumberland  and 
Durhara.    London  8". 

1872,  IV,  p.  305—588   635 

Memoirs  of  the  Boston  Society  of  Natural  History. 

1871—1872    635 

The  American  Journal  of  science  and  arts,  byB.  Silliman 
and  J.  D.  Dana.   New  Häven  8°.    [Jb.  1872,  X.] 

1872,  Nov.,     IV,  No.        23,  p.  345—424    75 

Dec,     IV,    „  24,  „   425-506    181 

1873,  Jan.    March,    V,    „    25—27,  „      1—242    312 

Apr.— May,      V,    „    28-29,  „  243-410    414 

June,     V,    „  30,  „  411—494    636 

July,     VI,    „  31,  „      1—  80    542 

Aug.,     VI,    „  32,  „    81—160    754 

Sept.,     VI,    „  33,  „   161—240    867 

Oct.       VI,    „  34,  „  241—320    954 

The  American  Naturalist.    Salem.  Mass.  8.    [Jb.  1871,  171.] 

1871,  V,  No.  2—12,  p.  88—779    532 

1872,  VI,  No.  1  —  11,  p.    1—720    751 

Proceedings  of  the  Academy  of  Natural  Science  of  Phi- 
ladelphia.   Philad.  8°. 

1871,  I— III  636 

1872,  I— III  954 

Report  of  the  42.  Meeting  of  the  British  Association  for 

the  Advancement  of  Science,  held  at  Brighton  in  Au- 
gust 1872    952 


IV.  Auszüge. 

A,    Mineralogie,  Krystallographie,  Mineral-Chemie, 


Hessenberg,  Fr.:  über  Perowskit  von  Wildkreuzjoch,  Pfitschthal  77 
Rath,  G.  vom:  über  die  Zwillings-Gesetze  des  Anorthits   ....  78 
Kobell,  Fr.  v. :  die  Mineralien-Sammlung  des  bayerischen  Staates  79 
Sadebeck,  A.:  über  Fahlerz  und  seine  regelmässigen  Verwach- 
sungen  80 

Des  Cloizeaux:  Memoire  sur  une  nouvelle  localite  d'amblygonite 
et  sur  la  montebrasite,  nouveau  phosphate  d'alumine  et  de  li- 

thine  hydrate   82 

Brezina,  Ar.:  Entwickelung  der  Hauptsätze  der  Krystallographie 

und  Krystallophysik  ;   83 

Hessenberg,  Fr.:  Kalkspath  vom  Rödefjord  auf  Island  ....  87 

Rath,  G.  vom:  über  zwei  Kalknatron-Feldspathe  aus  dem  Ural  .  88 
Vrba:  Analysen  des  Syngenit  von  Kalusz  und  Identität  des  Kaluszit 

mit  dem  Syngenit   88 

Schrauf,  Albr. :  Aragonit  von  Sasbach   89 

Ludwig,  E. :  über  die  chemische  Formel  des  Epidot     .    .    .    .    .  89 

Cleve:  über  das  Vorkommen  von  Cuban  in  Schweden   90 

Weiss:  über  Quarz-Krystalle  aus  dem  Wallis   90 

Laube,  G.:  eine  Pseudomorphose  von  Dolomit  nach  Granat  ...  91 


XIII 

S.nte 


Sehr  auf,  Albr:  zur  Charakteristik  der  Mineralspecies  Rittingerit  92 

Hessenberg,  Fr.:  Sphen  von  der  Eisbruckalp,  Tyrol   182 

Schrauf,  A.:  über  Beryll   183 

Websky,  M.:  über  die  Krystallformen  des  Pucherit  von  Schnee- 
berg   183 

Arzruni:  über  den  Cölestin  von  Rüdersdorf  und  Mokkatam  .  .  184 
Arzruni:  über  den  Einfluss  isomorpher  Beimengungen  auf  die  Kry- 

stallgestalt  des  Cölestins   185 

Hessenberg,  Fr.:  Axinit  von  Botallack  in  Cornwall   186 

Rath,  G.  vom:  über  einige  Leucit-Auswürflinge  vom  Vesuv  .    .    .  188 

Bauer,  Max:  Hemimorphismus  beim  Kalkspath   190 

Vrba,  K. :  Tridymit  als  Einschluss  in  Bergkrystall   190 

Pisani:  über  Silberamalgam  von  Kongsberg   191 

Laube,  G. :  arseniksäarehaltiger  Uranglimmer  (Zeunerit)  von  Joa- 
chimsthal  191 

Tschermak,  G.?  die  Glimmerkugeln  von  Hermann  schlag  in  Mähren  191 

Weisbach,  A.:  neue  Uranerze  von  Neustädtel  bei  Schneeberg  .  314 
Kobell,  Fr.  v. :  über  den  neuen  Montebrasit  von  Des  Cloizeaux 

(Hebronit)  .    .   317 

Nies,  Fr.:  über  ein  Kobalt-haltiges  Bittersalz   318 

Weiss:  über  Vorkommen  von  Zeolithen  im  Basalt  des  Limperich- 
kopfes bei  Asbach   319 

Köninck,  L.  de:  über  einige  belgische  Mineralien   319 

Hamm,  P.  v. :  Analyse  des  Pennin  von  Rympfischwäng  bei  Zermatt  320 

Rath,  G.  vom:  Tridymit  im  neapolitanischen  Vulkan-Gebiet  .    .    .  320 

Nies,  Fr.:  über  Aphrosiderit   320 

Zepharovich,  V.  v. :  „Mineralogisches  Lexicon  für  Österreich"  II  416 
Kobell,  Fr.  v. :  „Tafeln  zur  Bestimmung  der  Mineralien  mittelst  ein- 
facher chemischer  Versuche  auf  trocknem  und  nassem  Wege." 

10.  Aufl   417 

Rath,  G.  vom:  Nephelin  in  dem  niederrheinischen  Vulkan-Gebiet  .  417 
Schrauf,  Albr.:  Atlas  der  Krystallformen  des  Mineral-Reiches.  4. 

Lief.   418 

Schrauf,  Albr.:  Krystallformen  des  Bleiglanz   418 

Pusirewsky,  P. :  Nefediewit,  ein  neues  Mineral    420 

Leuchtenberg,  N.  v.:  über  zwei  neue  Formen  an  russischen  Broo- 

kit-Krystallen   420 

Kokscharow,  N.  v.:  über  ein  merkwürdiges  Exemplar  von  Gedie- 
gen Kupfer   421 

Jeremejew,  P. :  über  die  Kry stalle  des  Wolframs  im  Vergleich  zu 

denen  des  Columbits   421 

Kokscharow,  N.  v. :  Malachit-Pseudomorphosen  aus  den  Turjin- 

schen  Kupfergruben   421 

Kokscharow,  N.  v. :  über  einige  Formen  des  Berylls   422 

Muschketow,  J. :  über  den  Wolynit   422 

S adeheck,  A. :  Vorkommen  des  Scheelits  bei  Graupen  in  Böhmen  423 
Dana,  Edw. :  über  einen  Andalusit-Krystall  von  Delaware,  Pennsyl- 
vania   423 

Vrba,  K.:  Calcit-Stalaktiten  von  Nierntschitz   423 

Vrba,  K. :  Calcit  vom  Erzberg  in  Steiermark   426 

Rath,  G.  vom:  über  den  Mikrosommit   544 

Kobell,  Fr.  v. :  über  den  Kjerulfin,  eine  neue  Mineral-Species  von 

Bamle  in  Norwegen   546 

Kobell,  Fr.  v. :  über  den  Wagnerit   547 

Hessenberg,  Fr.:  Kalkspath  von  Andreasberg   549 


XIV 


Seite 

Brezina,  Arist. :  krystallographische  Studien  über  Albit  ....  550 
Strüver:  italienische  Uebersetzung  von  Pokorny's  illustrirter  Ge- 
schichte des  Mineralreiches   550 

Zepharovich,  V.  v. :  über  den  Syngenit,  ein  neues  Mineral  der 

Salzlagerstätten   638 

Tschermak,  G.:  Kalisalz  aus  Ostindien   642 

Brezina,  A. :  Bergkrystall  von  Nächling  bei  Waidhofen  an  der  Thaya, 

Niederösterreich   642 

Hilger:  über  ein  Titaneisen  von  abnormer  Zusammensetzung   .    .  643 

Pisani:  Analyse  des  Jeffersonit  von  Franklin   644 

Sipöcz,  L. :  Analyse  des  Jordanit  von  Imfeid  im  Binnenthal     .    .  644 

Pisani:  Analyse  des  Arit  vom  Berge  Ar   645 

Brezina,  A. :  Anatas  und  Brookit  vom  Pfitscher  Joch  in  Tyrol     .  645 

Sehr  auf,  A.:  Kry  stall-Form  des  Lanarkit  von  Leadhills  ....  645 

Schrauf,  A. :  Schröckingerit ,  ein  neues  Mineral  von  Joachimsthal  646 

Sehr  auf,  A. :  die  Krystallform  des  Pharmakoliths   646 

Schrauf,  A. :  die  Krystallgestalt  des  Pseudomalachits   646 

Rosenbusch,  H. :  „Mikroskopische  Physiographie  der  petrogra- 

phisch  wichtigen  Mineralien"                             .  •   753 

Schrauf,  Albr. :  über  Brookit   754 

Scheerer,  Th.  und  Drechsel,  E. :  künstliche  Darstellung  von 

Flussspath  und  Schwerspath   755 

Haushofer,  K. :  über  eine  mechanische  Trennung  zusammenkry- 

stallisirter  Körper   759 

Bo  ri  cky:  über  neue  Mineral-Vorkommen  in  der  Gegend  von  Waltsch  762 
Sadebeck,  Alex.:  Gustav  Rose's  Elemente  der  Krystallographie. 

3.  Aufl.    Berlin  1873    868 

Zirkel,  Ferd. :  die  mikroskopische  Beschaffenheit  der  Mineralien  und 

Gesteine.    Leipzig  1873   869 

Wink ler,  Cl. :  über  die  chemische  Constitution  einiger  Uran-Minera- 
lien   870 

Friedel,  C. :  Delafossit,  ein  neues  Mineral   872 

Exner,  Fr.:  Untersuchungen  über  die  Härte  an  Krystall-Flächen  .  872 
Hofmann,  Alfr. :  über  das  Chromerz- Vorkommen  in  Ungarn  und 

dessen  Aufschliessen                                                           .  873 

Genth,  F.  A.:  Korund,  dessen  Umwandelungen  und  vergesellschaf- 
tete Mineralien   956 

Dräsche,  R.  v.:  über  eine  pseudomorphe  Bildung  nach  Feldspath  957 
Fuchs,  C.  W.  C. :  guide  pratique  pour  la  determination  des  mine- 

raux,  traduit  de  l'allemand  par  Aug.  Guerout    959 

Schrauf,  Albr.:  Mineralogische  Beobachtungen  V   959 

Schrauf,  Albr.,  Krystallformen  des  Binnit   960 

Schrauf,  Albr.:  Krystallformen  des  Boracit     ........  960 

Quenstedt,  Fr.  Aug.:  Grundriss  der  bestimmenden  und  rechnen- 
den Krystallographie  nebst  einer  historischen  Einleitung  .    .    .  960 


B,  Geologie. 

Knop,  A.:  Studien  über  Stoffwandlungen  im  Mineralreiche,  besonders 

in  Kalk-  und  Amphiboloidgesteinen  93 

Fuchs,  Th. :  über  eigentümliche  Störungen  in  den  Tertiärbildungen 
des  Wiener  Beckens  und  über  eine  selbständige  Bewegung  loser 
Terrainmassen  96 


XV 


Seite 


Daubree:  Untersuchung  der  Gesteine  mit  gediegenem  Eisen  von  Grön- 
land  97 

Stäche,  G.:  der  Gneiss  von  Bruneck  im  Pusterthal  und  über  den 

Begriff  Centralgneiss  98 

Senoner,  Ad.:  General-Register  der  Bände  XI— XX  des  Jahrbuches 
und  der  Jahrgänge  1860 — 1870  der  Verhandlungen  der  geologi- 
schen Reichsanstalt  99 

Gätzschmann,  M.  F.:  „die  Aufbereitung"  99 

Dana,  J.  D. :  Corals  and  Coral  Islands  99 

Washingtoner  Meteorologische  Berichte  103 

King,  Clarence:  United  States  Geological  Exploration  of  the  40. 

parallel.  III  103 

Diefenbach,  Ferd. :  Plutonismus  und  Vulkanismus  in  der  Periode 
von  1868—1872  und  ihre  Beziehungen  zu  den  Erdbeben  im  Rhein- 
gebiet  192 

Kravogl,  Herrn.:  Zusammensetzung  und  Lagerung  des  Diluviums 

um  Innsbruck  193 

Marschall,  Carl  v. :  über  die  allmähliche  Verbreitung  und  Entfal- 
tung der  Organismen  auf  der  Erde  194 

Marenzi,  Franz:  Fragmente  über  Geologie  oder  die  Einsturzhypo- 
these  198 

Rath,  G.  vom:  der  Ätna  200 

Whitney:  The  Owens  Valley  Earthquake  200 

Stäche,  Dr.  G.:  Notizen  über  das  Erdbeben  in  Wien  am  3.  Jan. 

1873    200 

Poulett  Scrope,  G.:  über  Vulkane  201 

Hauer,  Franz  R.  v. :  Geologische  Übersichtskarte  der  österreichisch- 
ungarischen Monarchie   .  201 

Beust,  Const.,  Freih.  v. :  die  Zukunft  des  Metallbergbaues  in  Öster- 
reich  202 

Tietze,  Dr.  Em.:  Geologische  und  paläontologische  Mittheilungen 

aus  dem  südlichen  Theil  des  Banater  Gebirgs Stockes  ....  204 
Tietze,  Dr.  Em.:  das  Gebirgsland  südlich  Glina  in  Croatien    .    .  205 

Geologische  Karte  von  Schweden  205 

Geologische  Karte  von  Preussen  und  den  Thüringischen  Staaten     .  206 
Karten  und  Mittheilungen  des  Mittelrheinischen  Geologischen  Vereins  206 
Laspeyres,  H.:  Geologische  Mittheilungen  aus  der  Provinz  Sach- 
sen   ,    .  206 

Maw,  George:  Bemerkungen  zur  Geologie  der  Ebene  von  Marocco 

und  des  grossen  Atlas   208 

Trautschold,  H.:  das  Gouvernement  Moskau  209 

0 

Hummel,  David:  Apercu  de  la  Geologie  du  Hallands  As  ...  .  211 
Erdmann,  E.:  Beiträge  zur  Frage  von  den  Niveauveränderungen 

Schonens   212 

Jentzsch,  Alfr.  C. :  über  das  Quartär  der  Gegend  von  Dresden  und 

über  die  Bildung  des  Löss  im  Allgemeinen   212 

Haidinger,  W.  v.:  des  Herrn  Joachim  Barrande  Systeme  Silurien 

du  Centre  de  la  Boheme   212 

Untchj,  G.:  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Basalte  Steyermarks     .    .  321 

Meyer,  E.  v.:  über  die  in  Steinkohlen  eingeschlossenen  Gase   .    .  322 

Mauthner,  J.:  Analyse  des  Eklogit  von  Eibiswald  in  Steyermark  323 

Schröckens. t  ein,  Fr.:  vom  Czipka-Balkan   323 

Gurlt,  Ad.:  Übersicht  über  das  Tertiär-Becken  des  Niederrheins  .  324 

Gümbel,  C.  W.  C:  Gletscher-Erscheinungen  aus  der  Eiszeit    .    .  324 

Richthofen,  Ferd.  v.:  über  den  chinesischen  Löss   326 


XYI 

Seite 


Baltzer,  A. :  über  den  natürlichen  Verkohlungs-Process  ....  326 
Köhler,  J. :  die  Eruptivgesteine  des  sächsischen  Voigtlandes  .  .  327 
Dijk,  van  et  Ermeling:  Kapport  sur  le  sondage  ä  vapeur  pour 

la  recherche  d'eau  potable  ä  Grisee,  Ile  de  Java  327 

Orth,  Alb. :  Geognostische  Durchforschung  des  Schlesischen Schwemm- 
landes zwischen  dem  Zobtener  und  Trebnitzer  Gebirge    .    .    .  328 
Streng,  A.  und  Zopp  ritz,  K.:  über  den  basaltischen  Vulkan 

Aspenkippel  bei  Climbach  unweit  Giessen  427 

Volkmar,  0.:  Analyse  des  Andesit  von  Czibles   im  Gutiner  Ge- 
birge im  n.  Siebenbürgen   428 

Fuchs,  C.  W.  C:  die  Insel  Ischia  429 

Vogelgesang:  geologische  Beschreibung  der   Sectionen  Triberg 

und  Donaueschingen  431 

Geikie,  James:  über  Wechsel  des  Klima's  während  der  Glacial- 

Epoche  436 

Hitchcock:  die  Steinkohlengebiete  in  den  Vereinigten  Staaten  Nord- 
amerika^  438 

Hull,  Edw. :  the  Coal-Fields  of  Great  Britain,  their  history,  struc- 
ture  and  ressources  with  notices  of  the  Coal-Fields  of  other 

parts  of  the  world  439 

Nies,  Fr.:  der  Kalktuff  von  Homburg  am  Main  und  sein  Salpeter- 
Gehalt   551 

Sc  ha  Ich,  Ferd.:  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Trias  am  s.ö.  Schwarz- 
wald 552 

Hilgard,  Eug.:  on  the  geology  of  lower  Louisiana  and  the  Salt- 

Deposit  on  Petite  Anse  Island  553 

H  a  y  d  e  n ,  F.  v. :  final  Report  of  the  U.  St.  geological  survey  of  Ne- 
braska and  portions  of  the  adjacent  territories  554 

Daubree:  über  den  Ursprung  der  sedimentären  Gebirgsschichten  .  554 
Hayden,  F.  v.:  preliminary  report  of  the  U.  St.  geological  survey 

of  Montana  and  portions  of  the  adjacent  territories  ....  555 
Sand  berger,  F.:  Weitere  Mittheilungen  über  den  Buchonit  .  .  647 
Doelter,  C:  über  das  Muttergestein  der  böhmischen  Pyropen  .  .  648 
Grassmann,  Rob. :  „die  Erdgeschichte  oder  Geologie"  ....  651 
Strüver:  eine  Besteigung  der  Torre  d'Ovarda  im  Aug.  1872  .  .  654 
Hochstetten  F.  v.:  die  geologischen  Verhältnisse  des  ö.  Theiles 

der  europäischen  Türkei  655 

Gibson,  J. :  die  Salz- Ablagerungen  des  w.  Ontario  656 

Mack,  G.  A. :  geologische  Skizze  der  Argentinischen  Republik  .    .  656 

Dali,  W.  H. :  geologische  Bemerkungen  über  Alaska  657 

Hebert:  Documens   relativs   au  terrain   cretace   du  midi  de  la 

France  657 

Törnebohm:  über  die  Geognosie  der  schwedischen  Hochgebirge  .  657 
S  c  h  r  e  i  b  e  r,  A. :  die  Boden-Verhältnisse  Magdeburgs  und  der  Strecken 

Magdeburg-Eilsleben-Helmstedt  659 

Koenen,  v.:  über  die  Phosphorite  der  Magdeburger  Gegend      .    .  660 
Karten  und  Mittheilungen  des  mittelrheinischen  geologischen  Ver- 
eins.   Section  Worms  von  R.  Ludwig  •  660 

Waltenberger,  A. :  Orographie  der  Algäuer  Alpen  661 

Poulett-Scrope:  die  Bildung  der  vulkanischen  Kegel  und  Krater  662 
Boricky:  über  die  Anthracide  des  oberen  Silur-Gebietes  in  Böhmen 

und  über  den  Tachylyt  von  Klein-Priesen  663 

Platz,  Ph. :  das  Steinsalz-Lager  von  Wyhlen  766 

Dräsche,  R.  v. :  zur  Kenntniss  der  Eruptivgesteine  Steyermarks  .  768 
Doelter,  C. :  zur  Kenntniss  der  quarzführenden  Andesite  in  Sieben- 
bürgen und  Ungarn  772 


XVII 


Seite 


Studer,  B. :  Gneiss  und  Granit  in  den  Alpen   774 

Baltzer,  A. :  der  Glärnisch,  ein  Problem  alpinen  Gebirgsbaues     .  775 
Lossen,  K.  A. :  über  den  Spilosit  und  Desmosit  Zincken's,  ein  Bei- 
trag zur  Contact-Metamorphose   874 

Müller,  Albr. :  über  Gesteins-Metamorphismus   875 

Dana,  Edw. :  über  die  Zusammensetzung  der  Labradorit-Gesteine 

von  Waterville,  New-Hampshire   877 

Boricky:  über  die  Alters-Verhältnisse  und  Verbreitung  der  Basalt- 
Varietäten  Böhmens   877 

Berendt,  G. :  Vorarbeiten  zum  Bernstein-Bergbau  im  Samlande    .  880 

Berendt,  G.:  Unreifer  Bernstein   880 

Dana,  J.  D. :  über  einige  Resultate  der  Contraction  der  Erde  durch 
Abkühlung,  über  den  Ursprung  der  Gebirge  und  die  Natur  des 

Erdinnern   881 

Seebach,  K.  v. :  das  mitteldeutsche  Erdbeben  vom  6.  März  1872  .  886 
Nöggerath,  J.:  die  Erdbeben  im  Rheingebiet  in  den  Jahren  1868, 

1869  und  1870   886 

Platz,  Ph.:  Geologie  des  Rheinthaies   962 

Fuchs,  C.  W.  C. :  Bericht  über  die  vulkanischen  Ereignisse  des 

Jahres  1872  *   962 

Stäche,  G. :  Notizen  über  das  Erdbeben  in  Wien  am  3.  Jänner 

1873   964 

Suess:  Erdbeben  in  Niederösterreich   964 

Sexe:  über  die  Hebung  des  Landes  in  Scandinavien   965 

Daintree:  Bemerkungen  über  die  Geologie  der  Colonie  Queens- 
land  .965 

Bluhme,  R.:  über  die  Brunnenwasser  der  Gegend  von  Bonn  .  .  968 
Perry,  J. :  the  „eozoon"-limestones  of  eastern  Massachusetts  .  .  969 
Burbank:  über  die  eozonalen  Kalksteine  des  ö.  Massachusetts  .  969 
Gintl:  Beiträge  zur  Kenntniss  böhmischer  Braunkohlen  ....  970 
Stur,  D.:  H.  Ritt ler 's  Skizzen  über  das  Rothliegende  der  Umge- 
gend von  Rossitz   970 

Burchardi:  das  Meuselwitzer  Braunkohlen -Revier  und  die  Alten- 

burg-Zeitzer  Eisenbahn   971 

Sheafer:  Fortschritt  des  Anthracit- Verbrauches  in  Pennsylvanien  .  971 

Schreiber:  der  Untergrund  der  Stadt  Magdeburg   972 

Orth,  Alb.:  der  Untergrund  und  die  Bodenrente  mit  Bezug  auf  ei- 
nige neuere  geologische  Kartenarbeiten  .   972 

Delesse  et  de  Lapparent:  Revue  de  Geologie  pour  les  annees 

1870  et  1871    973 


C,  Paläontologie. 


Loven,  S.:  Om  Echinodeernas  bygnad   108 

Desor,  E.:  l'evolution  des  Echinides  dans  la  serie  geologique  et 

leur  role  dans  la  formation  jurassique  108 

Etheridge,  R.:  eine  neue  Art  fossiler  Scutella- artiger  Echinoder- 

men  von  Saffe,  N.-Afrika  109 

Meek,  F.  B.:  Report  of  the  Paleontology  of  Eastern  Nebraska  .  109 
Walker,  Rob.:  über  eine  neue  Art  Anibhjpterus  und  andere  fossile 

Fische  von  Pitcorthie,  Fife  112 

Köninck,  L.  G.  de:  Nouvelles  recherches  sur  les  animaux  fossiles 

du  terrain  carbonifere  de  la  Belgique  214 


XVIII 


Seite 


Hicks,  Henry:  über  einige  unbeschriebene  Fossilien  der  Menevian- 

Gruppe  ,    .    .    .    .  215 

Tor  eil,  0.:  Bidray  tili  Sparagmitetagens  geognosi  och  paleontologie  215 

Stäche,  G. :  Entdeckung  von  Graptolithen-Schiefern  in  den  Süd- 
alpen  218 

Stäche,  G. :  neue  Fundstellen  von  Fusulinenkalk  zwischen  Gail- 

thal  und  Canalthal  in  Kärnthen  218 

Stur,  Dr.:  vorläufige  Notiz  über  die  dyadische  Flora  der  Anthracit- 

Lagerstätten  bei  Budweis  in  Böhmen  218 

Stur,  D.:  Inoceramus  aus  dem  Wiener  Sandsteine  des  Leopoldsberges 

bei  Wien  219 

Farge:  über  einen  mit  Einschnitten  versehenen  Halitherium -Kno- 
chen  219 

Karr  er,  Felix:  Dinotherium-Rest  aus  einem  Stollen  der  Wiener 

Wasserleitung    .    .  ".  220 

Marsh,  0.  C:  Bemerkung  über  einige  neue  tertiäre  und  postter- 
tiäre  Vögel  220 

Schlüter,  Cl. :  über  die  Spongitarien-Bänke  der  oberen  Quadraten- 

und  unteren  Mukronaten-Schichten  des  Münsterlandes  .  ".    .    .  332 

Marsh:  über  eine  neue  Unterklasse  fossiler  Vögel  (Odontornitlies)  334 

Marsh:  über  die  gigantischen  fossilen  Säugethiere  aus  der  Ordnung 

Dinocerata  334 

Loriol,  P.  de:  Description  de  quelques  Asterides  du  terrain  neo- 

comien  des  environs  de  Neuchatel  335 

Dawkins:  über  die  Hirsch-artigen  Thiere  des  Forest-bed  von  Nor- 
folk und  Suffolk  444 

Dawkins:  über  Trochocyathus  anglicus,  eine  neue  Art  der  Madre- 

pöraria  aus  dem  rothen  Crag  444 

Fox,  Lane:  über  die  Entdeckung  paläolithiseher  Werkzeuge  mit  Ele- 

phas  primigenius  zusammen  in  dem  Themsethal  bei  Acton   .    .  444 

B  r  i  s  t  o  w :  Entdeckung  eines  Menschen-Skeletes  in  einer  Höhle  Ita- 
liens  445 

L artet  und  Christy:  Reliquiae  Aquitanicae  445 

Dawson:  Eindrücke  und  Fährtenspuren  von  Wasserthieren  in  car- 
bonischen Gesteinen  445 

Woodward:  über  eine  neue  Spinne  aus  der  Steinkohlen-Formation 

von  Lancashire  446 

Carter,  J. :  über  Orithopsis  Bonneyi,  einen  neuen  fossilen  Krebs  .  446 

Davidson,  Th.  und  King,  W.:  Bemerkungen  über  die  Gattungen 

TrimereUa,  Dinobolus  und  MonomereUa  557 

Barrande,  J. :  Systeme  silurien  du  centre  de  la  Boheme.  I.  part. 
Recherches  paleontologiques.  Suppl.  au  Vol.  I.  Trilobites.  Cru- 
staces  divers  et  Poissons  557 

Woodward:  Bemerkungen  über  einige  britische  paläozoische  Cru- 

staceen  aus  der  Ordnung  der  Merostomata  560 

Scudder,  Sam.  H.:  Beschreibung  eines  neuen  fossilen  Schmetter- 
lings aus  tertiären  Schichten  von  Aix  in  Provence  560 

Marsh  und  Cope:  die  neuen  fossilen  Wirbelthiere  in  den  Rocky 

Mountains   665 

Gaudry,  A. :  Betrachtungen  über  die  Säugethiere,  welche  in  Europa 

gegen  das  Ende  der  Miocänzeit  gelebt  haben  667 

Scudder:  fossile  Insecten  aus  den  Rocky  Mountains  668 

Kayser,  Eman. :  Studien  aus  dem  Gebiete  des  rheinischen  Devon. 

III.  Die  Fauna  des  Rotheisensteins  von  Brilon  in  Westphalen  .  668 

Dewalque,  G. :  ein  neuer  Spongit  aus  dem  Eifelkalk  von  Prüm    .  669 

Dam  es,  W. :  die  Echiniden  der  nordwestdeutschen  Jurabildungen  .  669 


XIX 


Seite 

Dames,  W. :  Notiz  über  ein  Diluvial-Geschiebe  cenomanen  Alters 

von  Bromberg    .    .  670 

Ford,  S.  W.:  über  einige  neue  Arten  Fossilien  aus  der  Primordial- 

zone  oder  unteren  Potsdam-Gruppe  von  Rensselaer  County,  N.-Y.  671 
Brandt,  J.  F.:  über  einen  krankhaft  veränderten  Mammuth-Schädel  671 
Major,  Forsyth:  Materiali  per  la  Microfauna  dei  Mammiferi  qua- 

ternari  671 

Sandberger,  Fried.:  die  Land-  und  Süsswasser-Conchylien  der 

Yorwelt  777 

F  ritsch,  Ant. :  über  Palaemon  exul,  eine  neue  Crustacee  aus  dem 

Polirschiefer  von  Kutschlin  bei  Bilin  777 

Schmidt,  Fr.:  über  die  neue  Gattung  Lopatinia  und  einige  andere 
Petrefacten  aus  den  mesozoischen  Schichten  am  unteren  Jenis- 

sei  778 

Jeitteles:  die  vorgeschichtlichen  Alterthümer  der  Stadt  Olmütz 

und  ihrer  Umgebung  778 

Gümbel,  C.  W.:  die  sogen.  Nulliporen  (Lithothamnium  und  Dactylo- 
para)  und  ihre  Betheiligung  an  der  Zusammensetzung  der  Kalk- 
gesteine.   IL  Die  Nulliporen  des  Thierfeiches   779 

Oldham,  Th. :  Memoirs  of  the  geological  survey  of  India.  Palaeon- 
tologia  Indica.    Cretaceous  Fauna  of  Southern  India.    IV.  The 

Echinodermata  by  F.  Stoliczka  781 

Kornhuber,  A. :  über  einen  neuen  fossilen  Saurier  aus  Lessina  .  783 
Stur,  D.:  Vorkommen  einer  Palmenfrucht-Hülle  im  Kreide-Sandstein 

der  Peruzer  Schichten  bei  Kaunitz  in  Böhmen  783 

Mayer,  Karl:  Systematisches  Verzeichniss  der  Versteinerungen  des 

Helvetian  der  Schweiz  und  Schwabens  887 

Stur,  D. :  Beiträge  zur  genaueren  Deutung  der  Pflanzen-Beste  aus 

dem  Salzstock  von  Wieliczka  888 

Novak,  0.:  über  eine  neue  Isopoden-Gattung  aus  dem  tertiären  Süss- 

wasserkalk  von  Waltsch  889 

Memoirs  of  the  Geological  Survey  of  India.  Palaeontologia  Indica. 
Cretaceous  Fauna  of  Southern  India  IV.  1.    The  Brachiopoda 

by  F.   Stoliczka  889 

Schmidt,  Fr.:  über  die  Petrefacten  der  Kreide-Formation  von  der 

Insel  Sachalin  890 

Dawkins:  Classification  der  pleistocänen  Schichten  Britanniens  und 

des  Continents  mit  Hülfe  der  Säugethiere  891 

Feistmantel,  0.:  über  Fruchtstadien  fossiler  Pflanzen  aus  der  böh- 
mischen Steinkohlen-Formation  893 

Loriol,  P.  de:  Description  des  Animaux  invertebres  fossiles  con- 

tenus  dans  l'etage  neocomien  moyen  du  Mont  Saleve  ....  893 
Loriol*  P.  de  et  Gillieron,  V.:  Monographie  paleontologique  et 

stratigraphique  de  l'etage  urgonien  inferieur  du  Landeron  .  .  895 
Woodward,  H. :  über  eocäne  Crustaceen  von  Portsmouth  .  .  .  895 
Wood  ward,  H.:  über  einige  fossile  Reste  von  Arachniden  und  My- 

riapoden  aus  der  englischen  Steinkohlen-Formation  896 

Butler:  ein  fossiler  Schmetterling  aus  dem  Schiefer  von  Stones- 

field   896 

Stebbing:  Bemerkungen  über  Calceola  sandalina  896 

Ehrenberg:  Mikrogeologische  Studien  als  Zusammenfassung  sei- 
ner Beobachtungen  des  kleinsten  Lebens  der  Meeres-Tiefgründe 

aller  Zonen  und  dessen  geologischen  Einfluss  974 

Parker  und  Rupert  Jones:  über  die  Nomenclatur  der  Foramini- 

feren  975 

Agassiz,  AI.:  Revision  of  the  Echini  978 


XX 


Seite 

Carruthers,  W.:  über  Halonia  Lindl,  und  Hutt.  und  Cyclocla- 

dia  Goldf  980 

Feistmantel,  0.:  Analogie  der  drei  Steinkohlen-Harze  Anthra- 
koxen,  Middletonit  und  Tasmannit  und  ihre  vermuthliche  Ab- 
stammung  980 

Göppert:  zur  Geschichte  des  Elenthiers  in  Schlesien  981 

Sandberger,  F.:  über  Unio  sinuatus  Lam.  und  seine  archäolo- 
gische Rolle  981 

Binney:  observations  on  the  structure  of  fossil  plants  found  in  the 

Carboniferous  Strata.    III.  Lepidodendra  982 

Williams  on:  on  the  Organization  of  the  fossil  plants  of  the  coal 

measures.    I.  Calamites  982 

Quenstedt,  Fr.  Aug.:  Petrefactenkunde  Deutschlands  I.  3.  Echi- 

nodermen  983 

Desor,  E.:  über  den  Höhlenmenschen,  den  tertiären  Menschen  und 

die  Abstammung  der  Troglodyten  983 


Miscellen, 

Das  Gesammtausbringen  an  Steinkohlen  in  Sachsen    .    .    .    .    .    .  220 

Meteoreisen  von  Neuntmannsdorf  in  Sachsen   221 

„The  Murchison  Geological  Fund"  ,  221 

Prestwich,  Jos.:  Address  delivered  at  the  Anniversary  Meeting  of 

the  Geological  Society  of  London,  on  the  16.  Febr.  1872  .    .    .  221 

Mammuth-Skelet  bei  Thale   222 

Brandt,  Alex.:  über  ein  grosses  fossiles  Vogelei  aus  der  Umgegend 

von  Cherson  m   222 

Hauer,  Franz  R.  v.:  Geologische  Übersichtskarte  der  österreichischen 

Monarchie   225 

Dechen,  v.:  Geologische  und  mineralogische  Literatur  der  Rheinpro- 
vinz und  der  Provinz  Westphalen  sowie  einiger  angrenzenden 

Gegenden  .223 

Grosser  Diamant   335 

Pierodactylus  von  Eichstädt  (Jb.  1872,  861)  kommt  nach  Newhaven  335 

Californische  Akademie  der  Wissenschaften   335 

Agassiz,  L. :  gründet  eine  Schule  für  Zoologie   335 

Angelegenheiten  der  kais.  Leop.-Carol.  Akad.  d.  Naturforscher  .    .  446 

Bhamphorhynchus  von  Eichstädt  in  Dresden  erworben  .  '.  .  .  .  447 
Mc'Kenny  Hughes  zum  Woodwardian  Professor  der  Geologie  in 

Cambridge  erwählt    448 

Schloenbachstiftung   672 

Gaudry,  Alb.:  Museum  d'histoire  naturelle   672 

Willkomm,  M.  in  Dorpat  zum  Professor  der  Botanik  in  Prag  er- 
nannt, v.  F ritsch  in  Frankfurt  zum  Prof.  der  Mineralogie  in 

Halle   784 

Ehrlich,  K.  F. :  Ober-Österreich  in  seinen  Natur- Verhältnissen    .  984 


Nekrologe, 

Somerville,  Mary;  Sedgwick,  Adam;  Becker,  Ewald;  Kind, 

Karl  Gotthelf  224 


XXI 


Seite 


Liebig,  J.  v.;  Bens ted,  W.  H.;  Leun is   33G 

Stimpson,W.;Verneuil,E.  de    448 

Rose,  G. 

Breithaupt,  A   784 

Naumann,  Dr.  Carl  Friedrich;  Reuss,  Dr.  Aug.  Emil  v.  .    .    .  984 


Versammlungen, 

Die  46.  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Ärzte  in  Wies- 
baden vom  18.  bis  24.  Sept  448 

Association  francaise  pour  l'avancement  des  sciences  vom  21. — 28. 

Aug.  in  Lyon  448 

British  Association  for  the  advancement  of  science  am  17.  Sept.  in 

Bradford  448 

Geologische  Gesellschaft  von  Frankreich  am  31.  Aug.  in  Roanne    .  448 


Mineralien-Handel. 

Dünnschliff-Präparate  bei  Voigt  und  Hochgesang  in  Göttingen, 

E.  Neu  mann  in  Freiberg,  R.  Fuess  in  Berlin    672 

Wenzel,  J.  in  Freiberg:  Krystall-Modelle   672 

Blitzröhre  zu  verkaufen   784 


Ein  paar  Worte  über  TrUobitcn-Fusse,  Fühler  und  Taster. 

Von 

Herrn  Eduard  v.  Eicliwald. 

(Hierzu  Taf.  I.) 

Die  vor  2  Jahren  gemachte  Entdeckung  von  Billings  der 
festsitzenden  Füsse  und  Taster  an  einem  Asaphus  in  der  unteren 
Grauwacke  von  Canada  hat  uns  einen  bedeutenden  Schritt  weiter 
geführt,  um  die  zoologische  Stellung  der  Trilobiten  zu  beurtheilen. 

Der  durch  seine  zahlreichen  Untersuchungen  über  die  Tri- 
lobiten Canada's  rühmlichst  bekannte  Paläontologe  E.  Billings  hat 
im  J.  1870  einen  Asaphus  platycephalus  Stokes  mit  8  festsitzen- 
den hornigen  Füssen  und  ausserdem  die  Taster  beschrieben  und 
abgebildet  *  und  dadurch  genügend  bewiesen,  dass  die  Annahme 
der  Zugehörigkeit  der  Trilobiten  zu  der  Ordnung  der  Phyllopo- 
den  völlig  unstatthaft  ist,  wie  ich  diess  auch  früher  schon  anzu- 
nehmen gesucht  habe. 

Die  Abbildungen,  die  Billings  auf  den  beiden  Tafeln  gibt, 
sind  sehr  lehrreich  und  lassen  keinen  Zweifel  aufkommen,  dass 
die  8  Füsse  oder  vielmehr  Beine  (legs)  aus  5  oder  6  hornigen 
Gliedern  bestanden,  die  an  ihren  Enden  etwas  verdickt  waren; 
sie  liegen  in  regelmässigen  Entfernungen  von  2lj2  Lin.  von  ein- 
ander, sind  nach  vorn  gebogen  und  entspringen  wahrscheinlich 
in  der  Mitte  der  Brustsegmente  in  gleicher  Entfernung  von  2l/2 
Lin.,  obgleich  die  Ansatzpunkte  nicht  bemerkt  werden,  da  sie 

*  E.  Billings,  Notes  on  some  specimens  of  loiver  Silurian  Trilobites. 
I.  Asaphus  platy  cephalus  tvith  some  of  the  legs  preserved,  in  the 
Quart.  Journ.  of  the  Geological  Soc.  London,  Vol.  XXVI.  Nov.  I.  1870, 
p.  479,  Tab.  31—32.  Taf.  I,  Fig.  1,  2. 

Jahrbuch  1873.  1 


von  den  ersten  Gliedern  der  Beine  selbst  bedeckt  sind.  Ganz 
so  sind  die  7  Fusspaare  der  Ligia  oceanica  gegen  die  Mitte  jedes 
Brustsegmentes  befestiget,  bestehen  aus  4  langen,  an  den  Enden 
etwas  verdickten  Gliedern,  die  wahrscheinlich  noch  in  ein  fünftes 
Nagelglied,  wie  im  Asaphus,  auslaufen. 

Es  ist  übrigens  nicht  ganz  deutlich,  ob  die  Beine  des  Asa- 
phus platycephalus  sich  nach  aussen  verschmälern  und  ihre  Glie- 
der da  feiner  werden,  wie  in  der  Ligia ,  und  ob  sie  wirklich 
nach  der  innern  Seite  dicker  waren  und  an  der  gewölbten  Mitte 
der  Brustsegmente  festsassen.  Die  Beinglieder  dieses  Asaphus 
scheinen  deutlich  drehrund  zu  sein  und  auch  darin  den  Beinen 
der  Ligia  zu  gleichen,  da  sie  an  anderen  Isopoden,  wie  an  der 
Idotkea,  Serolis,  Sphaeroma  etwas  zusammengedrückt  oder  ver- 
flacht-rund  erscheinen,  wie  auch  das  von  mir  beobachtete  und  in 
der  Lethaea  rossica  abgebildete  Trilobitenbein  sich  darstellt. 

Dieses  Bein,  das  ich  in  dem  sehr  harten,  dichten  Grauwacken- 
kalkstein  von  Wesenberg  in  Esthland  fand,  ist  in  meiner  Lethaea 
auf  Taf.  LH,  Fig.  21  a  und  vergrössert  in  Fig.  2i  b  abgebildet; 
ich  lasse  jetzt  eine  neue  Zeichnung  auf  Taf.  I,  Fig.  3*  folgen,  da 
ich  die  Versteinerung  besser  blossgelegt  habe ;  die  Glieder  sind 
etwas  verflacht,  wie  diess  die  vergrösserte  Fig.  4  und  der  Durch- 
schnitt Fig.  5  deutlich  zeigen;  sie  sind  breit,  in  der  Mitte  der 
Seiten  etwas  vertieft  oder  eingedrückt  und  gehen  nach  unten  an 
der  äusseren  Seite  in  ein  zugespitztes  Ende  aus:  sie  verschmä- 
lern sich  nach  dem  oberen  Ende  immer  mehr  und  scheinen  der 
Zahl  nach  aus  6  Gliedern  zu  bestehen;  in  der  Form  gleichen  sie 
den  Beinen  der  oben  erwähnten  Gattungen  der  Isopoden  und 
können  in  dieser  Hinsicht  nur  zu  ihnen  und  keinesweges  zu  den 
Phyllopoden  gehören,  da  wie  im  Asaphus  platycephalus  die  dreh- 
runden oder  etwas  verflachten  Fussglieder  ganz  gleich  sind, 
was  auch  die  Veranlassung  gab,  sie  Isopoden  (i.  e.  Gleich- 
füssige)  zu  benennen,  während  die  Phyllopoden  wegen  ihrer 
breiten  häutigen  Füsse  Blattfüsser  genannt  wurden;  sie  unter- 
scheiden sich  dadurch  von  den  Amphipoden  und  Laemodipoden, 
die  der  Gestalt  nach  ungleiche  Beine  besitzen.    Was  die  Be- 


*  S.  Taf.  I,  Fig.  3  in  natürlicher  Grösse  und  Fig.  4  sechsmal  ver- 
grössert. 


3 


festigung  der  Füsse  des  Asaphus  an  den  Brustringen  betrifft,  so 
ist  es  an  dem  BnxiNGs'schen  Exemplare  undeutlich,  ob  sie  wirk- 
lich jederseits  von  der  Mittellinie  der  Brustringe  {the  sterual 
groore  of  the  ventral  surface  Bill.)  wie  in  der  Ligia,  oder  ob 
sie,  wie  in  der  Serolis  und  dem  Asaphus  von  Esthland,  in  einer 
runden  Öffnung  festsassen,  die  sich  an  der  Unterseite  der  Brust- 
ringe und  ihrer  Seitenlappen  (lobi  laterales,  pleurae)  für  ihre 
Aufnahme  findet.  Ich  habe  diese  Öffnungen  oder  Ansatzpunkte 
der  Trilobitenbeine  schon  1855  gekannt  und  beschrieben  *  In 
der  Serolis  sieht  man  diese  Öffnungen  an  der  Unterseite  des 
Körpers  sehr  deutlich,  und  zwar  da,  wo  sich  die  Seitenlappen 
der  einzelnen  Brustringe  mit  ihren  Mittelstücken  vereinigen,  aber 
durch  die  Naht  deutlich  getrennt  sind.  So  habe  ich  sie  auch 
auf  Taf.  LH,  Fig.  24  a  auf  der  linken  Seite  des  Asaphus  Schlot- 
heimi  abbilden  lassen:  etwas  verschieden  davon  habe  ich  1.  c.  in 
Fig.  24  b  eine  kleine  runde  Öffnung  auf  dem  Abdrucke  eines 
hakenförmig  gebogenen,  aus  concentrischen  Schichten  bestehenden 
Seitentheiles  (appendix  lateralis),  der  vielleicht,  wie  bei  der  Ido- 
thea  die  hornigen  Brutbehälter  des  Weibchens  befestigte,  da  diese 
zugespitzten  Seitentheile  ganz  und  gar  von  den  längsgefurchten 
Seitenlappen  verschieden  und  von  ihnen  getrennt  sind.  Ich  habe 
diese  Abbildung  zu  Fig.  24  gezogen,  bin  aber  überzeugt,  dass 
sie  ihres  verschiedenen  Baues  wegen  nicht  vom  Asaphus,  sondern 
von  einer  anderen  besonderen  Gattung  herrührt.  Auch  wird  wohl 
die  Fig.  20  auf  derselben  Tafel  LH  der  Lethaea  als  sehr  spitzes, 
gebogenes  Nagelglied  nicht  zu  Asaphus  gehören,  da  die  Ähnlich- 
keit der  Füsse  der  Anüoera  vom  Cap  der  guten  Hoffnung  mit 
ihr  sehr  gross  ist. 

Was  nun  den  von  mir  Taf.  I,  Fig.  3  neu  abgebildeten  Fuss 
betrifft,  so  ist  diess  ohne  Zweifel  ein  Trilobitenschreitfuss,  der 
aus  6  Gliedern  besteht,  die  wie  in  den  Isopoden  nach  dem  oberen 
Ende  allmählich  feiner  werden;  die  ersten  Glieder  sind  etwas 
länger  als  breit  und  endigen  nach  der  vorderen  Seite  in  eine 
feine  Spitze. 

Billings  nimmt  in  seiner  Abhandlung  4  Längsreihen  von 


*  Bull,  de  la  Soc.  des  Nat.  de  Moscou,  bes.  Abdr.  f.  1855—1857, 
p.  203—204.  —  H.  Billings  nennt  sie  Panderian  organs. 

1  * 


4 


Sehreitfüssen  an;  ich  glaube,  dass  an  den  Brustringen,  ebenso 
wie  an  den  Bauchringen  (die  man  unnützer  Weise  Pygidium  nennt) 
nur  2  Reihen  von  Füssen,  jederseits  nur  eine  Längsreihe,  wie 
bei  allen  Isopoden  überhaupt,  vorkommen;  sie  befestigen  sich  in 
der  Serolis  da,  wo  die  Seitenanhänge  (appendices  laterales)  mit 
der  Unterseite  der  Brustringe  die  Öffnung  zu  ihrer  Aufnahme 
bilden,  woran  Billings  (1.  c.  p.  483)  mit  Unrecht  zweifelt, 

Herr  Billings  hat  (1.  c.  p.  487,  f.  !.)  auch  deutliche,  ge- 
gliederte Taster  (palpi)  am  Asaphus  platycephalus  beobachtet  und 
sie  in  Verbindung  mit  der  Maxille  abgebildet.  Der  etwas  nach 
aussen  gebogene  Taster  besteht  aus  7  oder  8  kleinen  Gliedern, 
die  an  einer  dreieckigen  Maxiila  der  linken  Seite  festsitzen  und 
diess  ihrer  Seits  wieder  an  der  Oberlippe  (labium  oder  mit  Un- 
recht als  hypostoma  bezeichnet)  befestiget  ist.  Die  Mundöffnung 
zeigt  sich  mithin  zwischen  den  beiden  Ästen  der  Oberlippe,  den 
beiden,  jederseits  liegenden  Kinnladen  (Maxillae)  und  der  Unter- 
lippe,  liegt  also  im  Kopfschilde,  wodurch  alle  Ähnlichkeit  mit 
dem  Limulus  moluccensis  verschwindet,  dessen  Mundöffnung  von 
den  stacheligen  Schenkeln  der  5  Paar  Brustfüsse  als  stellvertre- 
tende Kinnladen  (Maxillae)  und  der  Ober-  und  Unterlippe  ge- 
bildet wird  und  daher  auch  keine  gegliederte  Taster  zeigt,  aber 
statt  deren  ein  sechstes  Paar  Scheerenfüsse  an  sich  sitzen  hat. 

Durch  die  Entdeckung  der  Taster  am  Asaphus  platycephalus 
von  Billings  sind  die  Trilobiten  dieser  Gattung  noch  genauer  als 
zu  den  Isopoden  gehörig  bestimmt. 

Endlich  muss  ich  noch  der  Fühler  (Antennae)  der  Trilobi- 
ten gedenken;  ich  habe  einen  derselben  auf  der  Insel  Dago  bei 
Hohenholm  in  einem  harten  Grauwackenkalkstein  mit  verschie- 
denen Trilobitenresten  beobachtet,  jedoch  nur  lose,  so  dass  ich 
nicht  weiss,  welcher  Gattung  das  in  der  Lethaea  auf  Taf.  LH, 
Fig.  23  a,  b  abgebildete  Exemplar  angehört.  Ich  lasse  es  in 
einer  neuen  Abbildung  auf  der  hier  beiliegenden  Taf.  I,  Fig.  6 
in  nat.  Gr.  und  Fig.  7  achtmal  vergrössert  noch  einmal  folgen, 
da  ich  das  Stück  etwas  besser  gereiniget  und  es  Fig.  8  von  der 
Seite,  sowie  noch  stärker  vergrössert  Fig.  9  im  Durchschnitt  dar- 
gestellt habe. 

Der  Fühler  ist  etwas  flach,  nicht  ganz  drehrund,  besteht  aus 
6  Gliedern,  die  längsgefurcht  und  der  Quere  nach  in  der  Mitte 


5 


mit  einer  unbedeutenden,  glatten  Erhöhung  versehen  sind;  die 
Glieder  stossen  nicht  ganz  dicht  an  einander  und  sind  an  ihren 
Rändern  wellig  gebogen ,  was  offenbar  von  den  Längsfurchen 
herrührt,  die  sich  als  wellenförmige  Vertiefungen  an  den  Rändern 
darstellen.  Am  meisten  gleichen  diese  Fühler  denen  einiger 
Sphaeromen,  die  nur  sehr  allmählich  an  Grösse  nach  dem  Ende 
hin  abnehmen  und  sich  da  in  feine  Cirren  verwandeln:  ihre  Füsse 
sind  ebenfalls  mit  spitzen  Nagelgliedern  bewaffnet,  wie  diess  von 
mir  in  der  Lethaea  abgebildete  Nagelglied.  Auch  ist  der  von 
mir  soeben  beschriebene  Fühler  an  seiner  Spitze  cirrenartig 
verschmälert,  wie  an  den  Stenosomen,  was  noch  viel  häufiger 
unter  den  Amphipoden  an  der  Amphithoe  und  selbst  am  Garn- 
marus  beobachtet  wird,  in  denen  die  Cirren-artigen  Glieder  an 
viel  grösseren  Basalgliedern  festsitzen. 

So  wie  die  lebenden  Crustaceen  in  viele,  sehr  verschiedene 
Ordnungen,  Familien  und  Gattungen  zerfallen,  so  war  es  auch 
mit  den  ausgestorbenen  Krebsen  der  Fall;  nur  besitzen  wir  ihre 
Reste  nicht  so  vollständig,  dass  wir  sie  gehörig  in  Ordnungen, 
Familien  und  Gattungen  unterzubringen  im  Stande  sind;  es  fehlen 
an  ihren  Resten  meist  die  Fresswerkzeuge,  Füsse,  Taster  und 
vor  Allem  die  Beine  und  Kiemen,  wodurch  ihre  Systematik  sehr 
erschwert  und  fast  unmöglich  gemacht  wird.  Daher  müssen  wir 
auf  künftige  Beobachtungen  in  Canada  rechnen,  da  schon  der 
erste  Anfang  dafür  mit  so  grossem  Erfolge  von  Billings  gemacht 
worden  ist. 

Es  ist  merkwürdig,  dass  so  selten  gut  erhaltene  vollständige 
Exemplare  von  Asaphus  in  Canada  beobachtet  werden,  wenn  auch 
der  Asaphus  platycephalus  dort  überaus  häufig  ist;  Billings  hat 
während  der  langen  Zeit,  wo  er  nach  ihnen  suchte,  nur  5  Exem- 
plare mit  dem  Kopfe,  dem  Brust-  und  Bauchschilde  gefunden, 
und  auch  diese  haben  nur  ein  paar  Mal  ansitzende  Füsse  gezeigt. 
Die  Füsse  und  Fühler,  die  ich  hier  aus  dem  Grauwackenkalk- 
steine  von  Esthland  abbilde,  sind  immer  nur  lose,  vom  Körper 
der  Trilobiten  getrennt  von  mir  aufgefunden  worden.  Das  war 
auch  die  Ursache,  dass  sie  nur  mit  grossem  Zweifel  als  ihre 
Füsse  und  Fühler  angesehen  wurden;  aber  seitdem  die  Paläonto- 
logen Englands  die  verschiedenen  Ansatzpunkte  am  Kopfe  und 
an  der  Unterseite  der  Brustringe  beobachteten,  ist  es  unzweifel- 


6 


haft,  dass  die  Trilobiten  Fiisse  und  Fühler  hatten,  und  jetzt  haben 
sich  die  Füsse  sogar  festsitzend  an  beiden  Seiten  des  Körpers 
in  derselben  Zahl  8,  wie  die  Brustringe,  gefunden  und  dadurch 
allen  Zweifel  an  Trilobitenfüssen  für  immer  aufgehoben.  Ich  habe 
die  gegliederten  Fiisse  der  Trilobiten  schon  1825  in  einem  Grau- 
wackenkalksteine  der  Insel  Gotland  beschrieben  {Geognosüco- 
zoologicae  de  Trilobüis  observationes.  Casani,  1825,  p.  40)  und 
ihr  Vorkommen  auch  da  ausser  Zweifel  gesetzt. 


Erklärung  der  Figuren  auf  Tafel  I. 

Fig.  V.    lÄsaphus  platycephalus  mit  8  Paar  Füssen.  Copie  aus  The  Quart. 
Journ.  of  the  Geol.  Soc.  of  London,  Vol.  XXVI. 
„    2.    Oberkinnlade  desselben  mit  einem  Taster  an  der  Maxiila  fest- 
sitzend. 

.,    3.    Der  Trilobit enfu ss  in  natürlicher  Grösse. 

„    4.    Derselbe,  6fach  vergrössert. 

.,    5.    Derselbe,  im  Durchschnitt. 

„    6.    Der  Tr ilobitenfühler  in  natürlicher  Grösse. 

„    7.    Derselbe,  8fach  vergrössert. 

„    8.    Ein  Glied  desselben  noch  stärker  vergrössert. 

„    9.    Durchschnitt  desselben. 


tlber  Inoceraraeii  der  Kreideformatlon. 

Von 

Dr.  H.  B.  Heinitz. 


Unsere  Arbeiten  über  das  Elbthalgebirge  in  Sachsen  haben 
vor  Kurzem  zu  neuen  Untersuchungen  der  Inoceramen  geführt, 
über  die  wir  schon  1844,  S.  148  in  diesem  Jahrbuche  berichtet 
hatten.  Seit  dieser  Zeit  ist  das  damals  zur  Verfügung  stehende 
Material  durch  die  Sammlungen  des  Königlichen  Mineralogischen 
Museums  in  Dresden  bedeutend  vergrössert  „worden  und  es  haben 
die  verschiedenen  Publikationen  über  die  organischen  Reste  der 
Kreideformation  unsere  Kenntnisse  dieser  Gattung  wesentlich  er- 
weitert. Wir  haben  mit  besonderer  Vorliebe  diese  Gattung  seit 
einem  Menschenalter  fast  ununterbrochen  verfolgt  und  stellen  hier 
das  Endresultat  unserer  neuesten  Untersuchungen  darüber  zu- 
sammen. Eine  grosse  Reihe  von  Abbildungen,  worauf  hier  Be- 
zug genommen  ist,  wird  in  den  nächst  erscheinenden  Heften  des 
Elbthalgebirges  I,  Taf.  46  und  II,  Taf.  11—14  veröffentlicht  wer- 
den, wo  gleichzeitig  auch  die  uns  bekannten  Fundorte  der  Arten 
genauer  angeführt  werden  sollen. 

1.    Inoceramus  striatus  Mantell. 
1822.  I.  Websteri  u.  I.  striatus  Mant.  Geol.  of  Sussex,  p.  216,  217.  Tab. 
27,  f.  2,  5. 

1828.  Sowerby,  Min.  Conch.    Tab.  582,  f.  3,  4. 

1834—40.    Goldfuss,  Petr.  Germ.  II,  p.  115.    Taf.  112,  f.  2. 

I.  concentricus  Goldf.  ib.  p.  111  z.  Th.    Taf.  109,  f.  8  d  e. 

I.  cordiformis  Goldf.  ib.  p.  113  z.  Th.    Taf.  110,  f.  6  a. 
1841.  I.  concentricus  z.  Th.  u.  I.  striatus, 


8 


A.  Römer,  nordcl.  Kr.  p.  61,  62.  —  ?   I.  Decheni  Rom.  ib.  p.  60. 
Taf.  8,  f.  10. 

1843.  d'ORBiGNY,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III,  p.  508  z.  Th.  PI.  405. 

1844.  I.  concentricus  Geix.,  im  Jahrb.  f.  Min.  p.  149  z.  Tb. 
1846.  Desgl.  Gein.,  Grimdr.  d.  Verst.  p.  462  z.  Tb.    Taf.  20,  f.  9. 

I.  conc.  u.  I.  striatus  Reuss,  böbm.  Kr.  If,  p.  24,  25. 
1849.  Gein.,  Quad.  Deutschi.,  p.  174  (excl.  I.  pictus  Sow.). 
1863.  Kunth  in  Zeitscbr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  p.  727  (excl.  I.  propin- 

quus). 

1865—68.   ?  I.  propinquus  v.  Eichwald,  Letb.  Rossica  II,  p.  487.  PI.  21, 
f.  5. 

1868.  Gümbel,  Geogn.  Beschr.  d.  Königr.  Bayern,  II,  p.  700  u.  756. 

Die  Schale  ist  oval-dreiseitig,  hoch  gewölbt  und  mit  einem 
massig  grossen,  gegen  die  Axe  fast  rechtwinkeligen  hinteren 
Flügel  versehen.  Die  linke  Schale  ragt  mit  ihrem  spitzen,  nie- 
dergebogenen Wirbel  über  den  kleineren  der  rechten  Schale 
merklich  hervor.  Die  vordere  Seite  der  Schalen  ist  unter  dem 
Wirbel  stark  eingedrückt,  nach  unten  hin  aber  gerundet  und  durch 
ihre  Rundung  mit  dem  Unterrande  verbunden,  wodurch  sich  diese  ' 
Art  im  Allgemeinen  von  /.  Brongniarti  unterscheidet. 

Ihre  Oberfläche  ist  mit  ringförmigen  Anwachsstreifen  dicht 
bedeckt,  welche  entweder  ziemlich  gleichartig  oder  auch  zu  un- 
regelmässigen Wülsten  vereiniget  sind.  Eine  von  dem  Wirbel 
nach  der  Mitte  des  Unterrandes  gezogene  Linie  oder  Axe  steht 
ziemlich  senkrecht  gegen  sämmtliche  Anwachsstreifen.  Nicht 
selten  machen  sich  auf  der  Oberfläche  noch  einzelne  ausstrahlende 
Linien  bemerkbar,  was  auch  bei  einigen  anderen  Arten,  wie  na- 
mentlich /.  latus,  der  Fall  ist. 

Es  kommen,  wie  bei  allen  Arten  der  Gattung,  schmälere  und 
breitere  Abänderungen  vor:  die  ersteren  sind  meist  stärker  ge- 
wölbt, als  die  letzteren.  Als  eine  der  schmälsten  Abänderungen 
dürfte  I.  Decheni  A.  Rom.  aus  cenomanem  Grünsande  von  Essen 
a.  d.  Ruhr  zu  betrachten  sein. 

Vorkommen:  In  ihren  typischen  Formen,  oft  von  6—12  cm. 
Grösse  überall  in  dem  unteren  Quader  und  zum  Theii  auch  im 
unteren  Pläner,  was  ihrem  Vorkommen  in  cenomanen  Schichten 
Frankreichs  und  anderer  Länder  sehr  wohl  entspricht.  Verein- 
zelt begegnet  man  ihnen  noch  im  Mittelquader  des  Elbthales  und 
selbst  noch  in  dem  Plänerkalke.    Hier  sind  es  indess  nur  meist 


9 


kleine,  spärliche  Exemplare,  oft  Sowerby's  Abbildung  gleichend. 
Ebenso  citirt  Reuss  diese  Art  aus  den  verschiedenen  Etagen  der 
böhmischen  Kreideformation :  Gümbel  führt  sie  als  leitend  für  den 
Regensburger  (Jrünsand  an,  welcher  zum  unteren,  cenomanen 
Quader  gehört;  F.  Römer  fand  sie  in  Schichten  von  gleichem 
Alter  in  Oberschlesien,  Kunth  bei  Schmottseifen  in  Schlesien:  A. 
Römer  citirt  sie  aus  dem  Planer  von  Sarstedt,  Liebenburg  und 
Halberstadt;  Goldfuss  hat  Exemplare  aus  dem  unteren  Quader 
von  Roschütz  bei  Dresden  zu  i".  concentricus  gestellt,  die  Exem- 
plare von  Mantell  und  Sowerby  gehören  der  unteren  kreide  an, 
und  Exemplare,  wie  die  von  Strehlen,  kommen  mit  Ämmonites 
pcramplus  zusammen  im  Plänerkalke  bei  Colorado  City  in  New- 
Mexico  vor.  Ob  I.  propinquus  v.  Eichwald  von  Khoroschöwo, 
wie  man  nach  der  Abbildung  vermuthen  kann,  zu.  /.  striatus  ge- 
hört, kann  ohne  Einsicht  der  Exemplare  nicht  sicher  entschieden 
werden. 

2.  I.  striato- concentricus  Gümbel,  1868. 
Geogn.  Beschr.  d.  Königreichs  Bayern,  II,  p.  766. 

Nach  Gümbel  schliesst  sich  diese  Art  an  /.  concentricus  und 
I.  striatus  am  nächsten  an,  ist  jedoch  schmäler,  dabei  viel  höher, 
d.  h.  aufgeblasener,  mit  spitzerem,  stärker  übergebogenem  Wirbel 
versehen,  als  letztere,  von  schmalen,  regelmässig  enggestellten, 
spitz  zulaufenden  concentrischen,  wulstigen  Erhöhungen  und  fei- 
nen Streifen  bedeckt  und  nur  mit  sehr  schmalem  Flügel  seitlich 
verlängert.  Von  /.  concentricus  unterscheidet  sich  diese  Art 
durch  weniger  spitzen  Wirbel,  der  nicht  seitlich  ausgebogen  ist, 
durch  grössere  Breite  und  regelmässigere  concentrische  Wlüste. 

Vorkommen:  Nach  Gümbel  in  Schichten  bei  Regensburg, 
welche  dem  Plänerkalke  entsprechen,  und  in  dem  Baculitenmergel 
von  Luschitz  in  Böhmen.  Obige  Beschreibung  entspricht  Exem- 
plaren aus  den  Gosausehichten  am  Glanecker  Schlossberge  in 
Oberbayern,  die  Dr.  0.  Schneider  dort  gesammelt  hat,  und  aus 
dem  oberen  Quadersandsteine  des  gläsernen  Mönchs  bei  Halber- 
stadt. 

3.  I.  Geinitzianus  Stoliczka. 

Pal.  Indica,  Cret.  Fauna  III,  Pelecijpoda,  p.  407.    PI.  27,  f.  4,  5. 

Die  von  uns  1843  von  Kieslingswalda  (Nachtr.  z.  Char.  p.  15. 


10 


Taf.  3,  f.  12)  als  L  concentricus  beschriebene  Form,  welche  von 
Stoliczka  als  identisch  mit  J.  Geinitzianus  aus  der  südindischen 
Kreideformation  betrachtet  wird,  bildet  eine  Mittelstufe  zwischen 
/.  striatus  und  J.  latus.  Sie  unterscheidet  sich  von  dem  ersteren 
durch  ihre  geringere  Wölbung  und  die  fast  gleiche  Grösse  ihrer 
beiden  Wirbel,  von  dem  letzteren  aber  dadurch,  dass  ihre  vordere 
Seite  in  der  Nähe  des  Wirbels  mehr  eingedrückt  und  eine  grös- 
sere Strecke  weit  abgestutzt  ist.  Ähnliche  Formen  kommen  auch 
in  den  Gosauschichten  am  Schlossberge  von  Glaneck  in  Ober- 
bayern vor. 

4.    /.  Brongniarti  Sowerby. 

1768.  Austern-Art  Walch,  d.  Naturg.  d.  Verst.  II.  1,  p.  142.  Tab.  D.  I  **. 
1822.  I.  Lamarcki  Mant.    Geol  of  Süss.  p.  214.    Tab.  27,  f.  1. 

I.  Cuvieri  Mant.  ib.  p.  213.    Tab.  28,  f.  1,  4. 

I.  Brongniarti  Mant.  ib.  p.  214.    Tab.  28,  f.  3. 
?  I.  undulatus  Mant.  ib.  p.  217.    Tab.  27,  f.  6. 
1828.  I.  cordiformis  und  I.  Brongniarti  Sow.    Min.  Conch.  PI.  440,  441, 

f.  2—4. 

1835.   Catülus  Cuvieri  Al.  Brongniart,  descr.  geol.  d.  eno.  de  Paris,  3. 

ed.,  p.  628.   PI.  L,  f.  A,  E,  F,  G,  H,  I. 
1839—40.    Goldfuss,  Petr.  Germ.  II,  p.  115.    Taf.  111,  f.  3. 

1.  alatus  Goldf.,  p.  116.    Taf.  112,  f.  3. 

I.  cordiformis  Goldf.,  p.  113.    Taf.  110,  f.  6  b. 

I.  annulatus  Goldf.,  p.  114.    Taf.  110,  f.  7. 

I.  undulatus  Goldf.,  p.  115.    Taf.  112,  f.  1. 
1850.  v.  Strombeck,  Zeitsclir.  d.  Deutsch,  geol.  G.  XV,  p.  121. 
1865—68.  I.  Humboldti  v.  Eichwald,  Leth.  Eossica  II,  p.  495.  PI.  21,  f.  9. 

Die  Schale  ist  (ohne  Flügel)  verlängert-dreiseitig  oder  oval- 
dreiseitig, je  nachdem  ihr  Vorderrand  mehr  oder  minder  weit 
abgestutzt  ist.  In  der  Regel  erscheint  sie  längs  ihrer  ganzen 
vorderen  Seite  steil  abschüssig,  oder  senkrecht  abgeschnitten, 
zuweilen  sogar  eingebogen,  nicht  selten  verbindet  sich  aber  der 
Vorderrand  durch  eine  Rundung  mit  dem  Unterrande,  was  den 
Varietäten  I.  annulatus  und  I.  undulatus  Goldf.  entspricht  und 
die  Verwandtschaft  mit  /.  striatus  Mant.  beurkundet.  Der  oft 
sehr  grosse  Flügel  ist  in  der  Regel  rechtwinkelig  und  wird  durch 
eine  meist  schnell  abfallende  Bucht  von  der  Rückenkante  der 
Schale  geschieden;  namentlich  tritt  diess  sehr  an  den  Steinker- 
nen hervor,  weniger  an  jungen  Exemplaren  des  Plänerkalkes« 


11 


Auf  die  relative  Grösse  des  Flügels  ist  jedoch  kein  zu  grosses 
Gewicht  zu  legen.  In  der  Wölbung  der  Schale  zeigt  sich  eine 
grosse  Veränderlichkeit,  was  auch  hier  zu  breiteren  und  schmä- 
leren Formen  Veranlassung  gibt.  Schmale  und  hochgewölbte 
Formen  kommen  neben  breiten  und  flachgewölbten  vor.  Sie  wird 
von  dicken  wulslförmigen  Anwachsringen  bedeckt,  auf  welchen 
fast  blätterige  Anwachsschichten  regelmässig  entfernte  Linien 
hinterlassen.  Die  faserige  Schale  wird  bei  dieser  grossen  Art 
oft  mehrere  Centimeter  dick,  besonders  in  der  Nähe  des  Schloss- 
randes, so  dass  man  oft  Bruchstücken  von  ihr  in  Mineralien- 
sammlungen als  Faserkalk  begegnet.  Ad.  Brongniart's  Abbildun- 
gen des  Catillus  Cmrieri  können  sich  füglich  nur  auf  1.  Brong- 
niarti  beziehen.  d'ORBiGNY  gibt  hierüber  keinen  Aufschluss,  in- 
dem er  Pal  fr.  ierr.  er  et.  III,  p.  5'20  ausspricht,  dass  er  von 
jener  Art  nur  Bruchstücke  kenne  und  sie  daher  nicht  abbilden 
könne;  v.  Strombeck  hat  sie  mit  zu  /.  Cuvieri  gestellt. 

An  I.  cordiformis  Sow.  u.  Goldf.  nimmt  man  auch  ausstrah- 
lende Linien  wahr;  die  Abbildung  Taf.  110,  f .  6  a  bei  Goldfuss 
weist  mehr  auf  /.  striatus  hin,  womit  d'ORBiGNY  den  I.  cordifor- 
mis vereiniget  hat. 

/.  Humholdti  v.  Eichw.  ist  ein  ganz  typisches  Exemplar  für 
/.  Brongniarti.  Junge  Exemplare  mit  dicken  Anwachsringen 
entsprechen  dem  I.  undulatus,  andere  sind  oft  mit  weit  schwä- 
cheren Streifen  bedeckt. 

Vorkommen:  /.  Brongniarti  ist  in  dem  oberen  Pläner  oder 
Plänerkalke  und  dem  oberen  Quadersandsteine  des  Elbthales  un- 
gemein verbreitet  und  erreicht  hier  zuweilen  0,5  m  Grösse. 
Wir  kennen  ihn  aus  keinen  älteren  Schichten,  er  reicht  auch 
nach  anderen  Erfahrungen  von  dem  oberen  Turon  an  noch  in 
die  senonen  Kreideablagerungen  hinein,  wie  sein  Vorkommen  in 
dem  Kreidemergel  von  Osterfeld  bei  Essen  etc.  beurkundet.  Aus 
dem  Plänerkalke  von  Colorado  City  in  New-Mexico  wurde  er  mit 
Ammonites  perampkis  etc.  zusammen  gefunden. 

5.    I.  latus  Mantell. 

a.    breite  Form. 
1822.  Mantell,  Geol.  of  Süss.  p.  216.    Tab.  27,  f.  10. 
1828.  Sowerby,  Min.  Conch.    Tab.  582,  f.  1,  2. 
1834—40.    Goldffss,  Petr.  Germ.  II,  p.  117.    Taf.  112,  f.  15. 


12 


?  I.  planus  Golüf.    Taf.  113,  f.  1  a. 
1841.  L  latus  u.  I.  tenuis  A.  Kömer,  nordd.  Kr.,  p.  61,  62.  Taf.  8,  f.  11. 

1843.  d'ORBiGNY,  Pal  fr.  terr.  cret.  III,  p.  513.    PI.  408,  f.  1,  2. 

1844.  Gein.  in  Jahrb.  f.  Min.  p.  150  (fälschlich  alatus  gedruckt). 
1849.  Gein.,  Quad.  Deutschi.,  p.  176  (excl.  I.  planus). 

1866.  Zittel,  d.  Bivalven  d.  Gosaugeb  in  d.  nordöstlichen  Alpen,  p.  24 
(100).    Taf.  13,  f.  7. 

b.    schmale  Form. 
1829.  I.  pictus  Sowerby,  Min.  Conch.    Tab.  604. 
1843.  I.  tegulatus  Gein.,  Nachtr.  z.  Char.  p.  16.    Taf.  6,  f.  11. 

I.  striatus  d'ORBiGNY,  Pal.  fr.  t.  er.  III,  p.  509  z.  Th. 

I.  cuneiformis  cI'Orb.  ib.  p.  512.   PI.  407. 
1846.  I.  pictus  Gein.,  Grundr.,  p.  463. 
1849.  I.  striatus  Gein.,  Quad.  Deutschi.,  p.  174  z.  Th. 
1870.  I.  latus  F.  Kömer,  Geol.  v.  Oberschles.,  p.  316.    Taf.  34,  f.  12. 

Das  Auszeichnende  liegt  in  der  gleichen  Grösse  beider  Scha- 
len, ihren  niedrigen,  bei  der  breiten  Abänderung  kaum  vorragen- 
den Wirbeln,  unter  welchen  die  Schale  an  ihrem  Vorderrande 
nur  wenig  eingezogen  ist,  wodurch  sich  diese  Art  von  I.  striatus 
unterscheidet,  mit  dem  sie  die  Regelmässigkeit  der  Biegungen 
ihrer  concenträschen  Anwachsringe  gemein  hat.  Wie  bei  dem 
letzteren  ist  ihre  ganze  Oberfläche  mit  gleich-  oder  ungleich- 
förmigen, schwächeren  oder  stärkeren  Anwachsstreifen  bedeckt, 
über  die  nicht  selten  auch  ausstrahlende  Linien  nach  der  Mitte 
des  Unterrandes  hinlaufen  (vgl.  Zittel's  Abb.). 

Wie  eine  jede  Art  der  Gattung  Inocerarnus,  tritt  auch  diese 
in  einer  breiteren  und  schmäleren  Varietät  auf.  Die  erstere 
wird  gewöhnlich  für  sie  typisch  erachtet.  Der  Schalenumfang  ist 
bei  ihr  kreisrund- rhomboidal,  meist  eben  so  breit  als  lang,  ihre 
Oberfläche  ist  von  der  Mitte  aus  ziemlich  gleichmässig-  und 
schwach-gewölbt  und  von  dem  grösseren  oder  kleineren,  stumpf- 
winkeligen Flügel  nur  durch  eine  sehr  flache  Bucht  geschieden. 
Exemplare  mit  einem  sehr  kleinen,  wenn  nicht  verbrochenen 
Flügel  erscheinen  in  der  von  Goldfuss  als  I.  planus  Mün.  Taf. 
113,  f.  1  a  (nicht  1  b)  abgebildeten  Form. 

Die  schmale  Form  des  /.  latus,  deren  richtige  Stellung 
zuerst  F.  Roemer  erkannt  hat,  besitzt  einen  mehr  ovalen  Umriss 
und  ihre  Breite  verhält  sich  zur  Länge  nahezu  wie  2  :  3.  Ein 
mit  der  Längs axe  der  Muschel  spitzwinkeliger  Schlossrand  be- 


13 


grenzt  einen  schmalen  hinteren  Flügel.  Sie  ist  etwas  starker 
gewölbt  als  die  breite  Form  und  lässt  zuweilen  längs  ihrer  Mitte 
eine  flach-wulstförmige ,  längsgestreifte  Erhöhung  wahrnehmen. 
Es  schliessen  sich  an  diese  Form  I.  pictus  Sow.  und  Gein.  sowie 
I  cuneiformis  d'ORB.  wohl  am  besten  an. 

Vorkommen:  /.  planus  scheint  nach  Exemplaren  aus  dem 
Grünsande  von  Essen  und  dein  unteren  Pläner  von  Plauen  ihren 
Ausgangspunkt  schon  in  cenomanen  Schichten  zu  haben,  häufiger 
ist  sie  erst  in  dem  oberturonen  Piänerkalke  und  in  verwandten 
Bildungen  in  Deutschland,  Frankreich  und  England,  man  begegnet 
ihr  nicht  selten  in  dem  oberen  Quadersandstein  un(\  Quadermer- 
gel von  Kreibitz  in  Böhmen  und  in  den  senonen  blauen  Mergeln 
des  Marterberges  bei  Passau. 

Soweit  man  nach  Abbildungen  urtheilen  kann,  würden  sich 
auch  die  von  W.  A.  Ooster  in  Protozoe  Helvetica^  L  Bd.  1869, 
p.  2,  3t)  u.  f.  als  jurassische  Inocerainen  der  Schweizer  Alpen 
beschriebenen  und  Taf.  1,  2,  12  und  13  als  I.  Brunneri^  I.  Fal- 
geri,  I.  undulatus  und  /.  fuscus  unterschiedenen  Arten  auf  brei- 
tere und  schmälere  Abänderungen  des  I.  latus  zurückführen 
lassen,  ohne  hiermit  ihre  Identität  befürworten  zu  wollen. 

6.    I.  labiatus  Schloth.  sp. 

1768.  Ostracit  Walch,  d.  Naturg.  d.  Verst.  II.  1,  p.  84.    Tab.  B.  II. 

b  **  f.  2;  p.  152.    Tab.  D.  X.  f.  1,  2. 
1813.  Ostracites  labiatus  u.  Pinnites  diluvianus  Schlotheim  in  Leonhard's 

min.  Taschenb.   VII,  p.  93. 
1820.  Mytulites  problematicus  Schloth.,  Petrefactenkunde,  p.  302. 

Pinnites  diluvianus  Schl.  eb.  p.  303. 
1822.  I.  mytiloides  Mantell,  Geol.  of  Sussex,  p.  215.  Tab.  27,  f .  3 ;  Tab. 

28,  f.  2. 

1827.  Catülus  Schlotheimi  Nilsson,  Petr.  Suec,  p.  19. 

1828.  I.  mytiloides  Sow.,  Min.  Conch.    Tab.  442. 

1834—40.    I.  mytiloides  Goldf.,  P.  G.  II,  p.  118.    Taf.  113,  f.  4. 

I.  propinquus  Goldf.  ib.  p.  112.    Taf.  109,  f.  9. 
1835.  Mytiloides  labiatus  Ad.  Brongniart,  descr.  geol.  d.  env.  de  Paris, 

3.  ed.,  p.  151,  622.    PI.  K,  f.  4. 
1843.  I.  problematicus  d'ORBiGNY,  Pal  fr.  t.  er.  III,  p.  510.    PI.  406. 

I.  angulosus  d'ORB.,  ib.  p.  515.    PI.  408,  f.  3,  4. 

(I.  angulatus.) 

1844—49.  I.  mytiloides  Gein.  im  Jahrb.  f.  Min.,  p.  151;  Quad.  Deutschl., 
p.  176. 


14 


1863.  Hebert  im  Bull,  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.,  t.  XX,  p.  620. 

v.  Strombeck  in  Zeitschr.  d.  D.  geol.  Ges.  XV,  p.  119. 

I.  problematicus  Dana,  Manual  of  Geology,  p.  475,  487. 
1865—68.  ?  I.  amUguus  v.  Eichwald,  Leih.  Boss.  II,  p.  493.  PI.  21,  f.  8. 
1866.  I.  mytüoides  Schlüter,  in  Zeitschr.  d.  D.  geol.  Ges.,  p.  61. 

Gümbel,  in  Sitzb.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  in  München,  II,  p.  169. 

U.  Sghloenbach,  im  N.  Jahrb.  f.  Min.,  p.  311. 
1871.  Stoliczka,  Pal.  Lid.,  Cret.  Fauna,  Pelecijpoda.  p.  408.  PL  29,  f.  1. 

?  I.  eximius  v.  Eichwald,  geogn.-pal.  Bern,  über  d.  Halbinsel  Man- 

gischlak,  p.  192.    Taf.  18,  f.  1—4;  Taf.  19,  f.  3,  4. 

?  I.  porrectus  v.  Eichw.  eb.  p.  191.    Taf.  19,  f.  2. 

?  I.  ambiguus  v.  Eichw.  eb.  p.  189.    Taf.  20,  f.  1  -  5. 

Geinitz,  in  Sitzungsb.  d.  Isis  in  Dresden,  p.  195. 

Oval  bis  zungenförmig  mit  gleichgrossen  Wirbeln,  die  über 
den  kurzen  und  sehr  schiefen  Schlossrand  weit  vorragen,  unter- 
scheidet sich  diese  Art  im  Allgemeinen  leicht  durch  die  fast 
spirale  Drehung  des  Wirbels  und  die  sich  deutlich  aussprechende 
Biegung  der  ganzen  Schale  nach  hinten.  Ihre  ganze  vordere 
Seite  ist  gerundet  und  stark  gewölbt,  nach  hinten  dacht  sich  die 
Schale  allmählicher  ab,  bis  sie  in  den  kleinen  stumpfwinkeligen 
Flügel  verläuft.  Ihre  Oberfläche  ist  mit  zahlreichen  Anwachs- 
ringen und  Streifen  bedeckt,  gegen  welche  die  Axe  der  Schale 
deutlich  gekrümmt  ist. 

Die  Form  dieser  Art  unterliegt  übrigens  vielen  Schwankun- 
gen, da  sowohl  breitere  als  schmälere  Abänderungen  gewöhnlich 
sind,  der  Wirbel  bald  spitzer,  bald  abgestutzt  erscheint,  und  bald 
mehr  nach  vorn,  bald  mehr  zurück  tritt.  Diess  gilt  besonders 
für  junge  Exemplare,  die  in  der  Regel  eine  grössere  Breite  als 
die  älteren  besitzen  und  zuweilen  in  der  als  /.  angulosus  (I. 
angulatus}  d'ORB.  beschriebenen  Form  auftreten. 

I.  propinquus  Mün.,  bei  Goldfuss  Taf.  109,  f.  9,  kann  gegen- 
über der  Ansicht  von  Kunth*  doch  nur  mit  I.  labiatus  vereiniget 
werden  und  scheint  aus  dem  Mittelquader  von  Schönau  zu  stam- 
men, nicht  von  Schandau  selbst.  Es  kommt  nicht  selten  vor, 
dass  durch  Verschiebung  der  Schalen  der  eine  Wirbel  über  den 
anderen  etwas  hervorragt. 

Am  nächsten  verwandt  mit  I.  labiatus  ist  die  schmale  Form 


*  Über  die  Kreidemiüde  von  Lähn,  in  Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges. 
1863,  p.  727. 


15 


des  I.  latus,  von  dem  er  sich  durch  stärkere  Entwickelung  des 
Wirbels  und  die  deutliche  Biegung  der  Schale  nach  hinten  unter- 
scheidet, und  mit  /.  Cuvieri,  von  welchem  /.  labiatus  durch  ge- 
ringere Breite,  stärkere  Wölbung  und  seine  weit  mehr  hervor- 
tretenden oft  buckelartigen  Wirbel  unterscheidet. 

Vorkommen:  /.  labiatus  ist  das  gemeinste  Fossil  in  dem 
Mittelquader  und  Mittelpläner  oder  unterturonen  Ablagerungen, 
welche  Hebert  u.  A.  nach  ihm  als  „ Labiatus-Schichten"  bezeich- 
net haben;  vereinzelt  zeigt  er  sich  noch  in  dem  oberturonen 
Plänerkalke,  wo  er  jedoch  schon  mehr  durch  I.  Cuvieri  vertreten 
wird.  Wie  in  Deutschland,  so  bezeichnet  er  in  Frankreich  ganz 
vorzugsweise  die  im  Liegenden  der  Schichten  mit  Micraster  cor 
testudinarium  befindliche  Zone.  Diesen  Horizont  hält  er  gleich- 
falls bei  Colorado  City  in  Neu-Mexico  inne,  Stoliczka  erkannte 
ihn  in  der  Ootatoor-Gruppe  der  südindischen  Kreideformation, 
nachdem  er  durch  Dana  u.  A.  schon  früher  im  W.  von  Missouri 
erkannt  worden  war.  Die  von  v.  Eichwald  als  I.  ambigmis,  J. 
eximius  und  /.  porrectus  beschriebenen  Arten  kommen  in  einem 
von  ihm  zum  Neokom  gerechneten  grauen  oder  schwarzen  Kalk- 
steine von  Aläska  und  in  dem  Sandsteine  von  Wytkrino  bei 
Moskau  vor. 

7.    I.  Cuvieri  Sowebby. 

1828.  So  werbt,  Min.  Conch.    Tab.  441,  f.  1. 
1834-40.    Goldfuss,  Petr.  Germ.  II,  p.  114.    Taf.  111,  f.  1. 
1844.  Geinitz  im  Jahrb.  f.  Min.,  p.  150  (excl.  I.  planus). 
1849.  Gein.,  Quad.  Deutschi.,  p.  176  desgl. 

1863.  v.  Strombeck  in  Zeitschr.  d.  D.  geol.  G.  XV,  p.  124  z.  Th. 
Nicht:  Catillus  Cuvieri  Al.  Brongniart,  descr.  geol.  des  env.  de  Paris, 
3.  ed.  1835,  p.  628.    PI.  L,  f.  A,  E,  F,  G,  H,  I. 

Die  Schale  ist  schief-eiförmig-rhoinboidal  und ,  wie  bei  I. 
labiatus,  deutlich  nach  hinten  gekrümmt,  jedoch  ist  sie  weit  fla- 
cher gewölbt  und  besitzt  einen  kleinen  niedergedrückten  Wirbel. 
Ihre  vordere  Seite  ist  gerundet,  die  hintere  mit  einem  schmalen 
stumpfwinkeligen  Flügel  versehen,  der  mit  der  gebogenen  Längs- 
axe  einen  spitzen  Winkel  bildet.  Ihre  ganze  Oberfläche  ist  con- 
centrisch  gestreift  und  gefaltet. 

I.  Cuvieri  bei  Brongniart  ist  auf  I.  Brongniarti  Sow.  zu- 
rückzuführen, während  d'ORBiGNY  weder  von  I.  Cuvieri  noch  von 


16 


/.  Brongniarti  eine  Abbildung  gibt.  Der  Auffassung  v.  Strom- 
beck's  bezüglich  des  1.  Cuviexi  lässt  sich  in  ihrer  ganzen  Aus- 
dehnung nicht  beistimmen,  da  von  diesem  Autor  gleichfalls  Exem- 
plare des  /.  Brongniarti^  sowie  auch  des  /.  Lamarcki  dazu- 
gezogen  werden. 

Vorkommen:  Die  Exemplare  aus  dem  Plänerkalke  von 
Strehlen  zeigen  deutlich  den  Typus  der  von  Sowerby  und  Gold- 
fuss beschriebenen  Art.  Ähnliche  kommen  schon  in  dem  Pläner 
des  Kahnsteines  und  Steinkuhlenbergs  bei  Langelsheim  im  Harze 
vor.  Nach  Goldfuss  ist  diese  Art  häufig  in  der  weissen  und 
grauen  Kreide  in  Westphalen  und  bei  Quedlinburg,  nach  Sowerby 
ist  sie  gemein  in  der  Kreide  von  England. 

8.  I.  planus  Münster. 

1834—1840.  Goldfuss,  Petr.  Germ.  II,  p.  117.  Taf.  113,  f.  lb  (nicht 
1  a,  der  zu  I.  latus  zu  gehören  scheint). 

Der  /.  planus  aus  dem  senonen  Kreidemergel  von  Halden 
und  Lemförde  in  Westphalen  bildet  einen  förmlichen  Übergang 
von  /.  Cucieri  zu  /.  Cripsi  ^  schliesst  sich  jedoch  durch  seine 
regelmässigere  und  stärkere  Wölbung  noch  mehr  an  den  letz- 
teren an,  wie  auch  schon  A.  Roemer  geltend  macht,  dass  /.  la- 
tus als  eine  sehr  flache  und  weniger  breite  Form  des  /.  Cripsi 
aufgefasst  werden  könne. 

9.  /.  Cripsi  Mantell. 

1822.  Mantell,  Geol  of  Sussex,  p.  133.    Tab.  27,  f.  11. 
1834—40.    Gollfitss,  Petr.  Germ.  II,  p.  116.    Taf.  112,  f.  4. 

1843.  I.  impressus,  I.  regularis  und  I.  Goldfitssianus  cI'Orbigny,  Pal.  fr., 
terr.  cret  III,  p.  515,  516,  517.    PI.  409-411. 

1844.  Geinitz  im  Jahrb.  f.  Min.,  p.  151. 

1848—50.    I.  Goldfussianus,  1.  impressus  und  ?  I.  Cuvieri  Kner,  in  Hai- 

dinger's  naturw.  Abli.  III,  p.  28.    Taf.  5,  f.  2. 
1849.  I.  Cripsi  und  I.  impressus  Gein.,  Quad.  Deutschi.,  p.  178. 
1854.  F.  Römer,  in  Verb.  d.  naturh.  Ver.  für  Rheinl.  und  Westph.  XI. 

p.  146. 

1856.  I.  sublaevis,  I.  convexus,  I.  tenuilineatus  und  I.  fragüis  Hall  und 
Meek,  Deser.  of  New.  Spec.  of  Foss.  from  the  Cret.  Form,  of  Ne- 
braslta,  p.  386  -  388.    PI.  2,  f.  1,  2,  3,  6. 

1863.  v.  Strombeck,  Zeitschr.  d.  D.  geol.  Ges.  XV,  p.  152. 

1866.  Zittel,  die  Bivalven  der  Gosaugebilde  in  den  nordöstlichen  Alpen, 
p.  19  (95).    Taf.  14,  f.  1-5;  Taf.  15,  f.  1—5. 


17 


1871.  I.  Cripsianus  Stoliczka,  Pal.  Ind.,  Cret.  Fauna  III,  Pelecypoda, 
p  405.    PI.  27,  f.  1-3. 

I.  Goldfussianus  Gein.  in  Sitzungsb.  d.  Ges.  Isis  in  Dresden,  1871, 
p.  195. 

Mit  Goldfuss,  F.  Roemer,  v.  Strombeck  und  Zittel  fassen 
wir  unter  dieser  Art  Formen  zusammen,  die  sich  durch  ihre 
grössere  Breite  oder  ihre  quer-ovale  Form,  die  vordere  Rundung 
ihrer  Schale,  einen  massig  langen  Schlossrand,  der  an  den  eben- 
falls gerundeten  Hinterrand  stumpfwinkelig  anschliesst,  auszeich- 
nen und  die  mit  ziemlich  regelmässigen  dicken  Anwachsringen 
bedeckt  sind.  Die  fast  gleichgrossen  niedrigen  Wirbel  pflegen 
mehr  oder  weniger  von  dem  vorderen  Ende  der  Schale  zurück- 
zutreten, liegen  aber  zuweilen  auch  ganz  vorn,  ähnlich  wie  bei 
I.  angulosus  d'ORB.  Die  Schale  ist  in  ihrer  Mitte  und  nach  vorn 
hin  stark  und  ziemlich  regelmässig  gewölbt  und  verflacht  sich 
allmählich  über  eine  sehr  flache  Bucht,  oder  eine  von  der  hinteren 
Seite  des  Wirbels  nach  dem  Unterrand  laufende  Furche  hinweg 
(var.  impressus  d'ORB.)  nach  hinten. 

Durch  ihren  Umriss  tritt  diese  Art  zunächst  in  Verbindung 
mit  I.  Cuvieri  Sow.  und  I.  planus  Mün.,  woraus  sie  sich  viel- 
leicht entwickelt  hat;  im  Allgemeinen  sind  die  Formen  des  /. 
Cripsi  breiter  und  stärker  gewölbt  als  jene. 

Eine  gleich  nahe  Verwandtschaft  mit  I.  Cripsi  zeigt  aber 
auch  I.  Lamarcki  in  seiner  breiteren  Abänderung  bei  d'ORBiGNY 
PI.  412,  der  sich  von  /.  Cripsi  fast  nur  noch  durch  stärkere 
Wölbung  und  durch  eine  deutliche  Eindrückung  unter  dem  Wir- 
bel an  der  vorderen  Seite  der  Schale  unterscheidet,  worauf  eine 
Verwandtschaft  des  /.  Lamarcki  mit  I.  striatus  beruhet. 

Unter  den  von  Hall  und  Meek  aus  Nebraska  beschriebenen 
Formen  ist  I.  convexus  dem  normalen  I.  Cripsi  am  ähnlichsten, 
während  I.  tenuilineatus  einem  dünnschaligen  Exemplare  der 
Muschel  mit  weiter  vorn  liegendem  Wirbel  entspricht,  so  dass 
er  wiederum  dem  I.  angulosus  d'ORB.  ähnlich  wird. 

Sowohl  junge  Exemplare  des  I.  labiatus  als  auch  des  I. 
Cripsi  können  nach  den  uns  vorliegenden  Belegstücken  in  der 
Form  des  /.  angulosus  erscheinen  und  müssen  auf  die  damit  zu- 
sammen vorkommenden  ausgewachsenen  Exemplare  zurückgeführt 
werden. 

Jahrbuch  1873.  2 


18 

Vorkommen:  Seinen  Ausgangspunkt  nimmt  I.  Cripsi  aus 
dem  unterturonen  Mittelquader  oder  Mittelpläner.  Mantell  be- 
schrieb ihn  aus  dem  grey  Chalk  Marl  von  Ringmer,  Hainsey  und 
Offham  in  England,  nicht  aus  dem  Gault,  wie  von  einigen  Au- 
toren angenommen  wird.  Mit  Ausnahme  sehr  vereinzelter  Exem- 
plare sind  ähnliche  breite  Formen  in  Sachsen  neuerdings  nicht 
beobachtet  worden,  wohl  aber  kommen  sie  häufiger  in  dem  oberen 
Qüadermergel  des  benachbarten  Kreibitz  in  Böhmen  vor,  womit 
die  senone  Etage  beginnt.  In  Ablagerungen  von  senonem  Alter 
ist  überhaupt  das  Hauptniveau  für  diese  Art  zu  suchen,  und  sie 
wird  hier  von  den  oft  blasenförmig  aufgetriebenen  Abänderungen 
des  I.  Lamarcki  begleitet,  so  bei  Nagorzany  unweit  Lemberg, 
nach  F.  Römer  mit  Belemnitella  mucronata  zusammen  bei  Zarno- 
wiec,  Karniowiee  bei  Krakau,  nach  v.  Eichwald  in  der  Krim,  bei 
Ssimbirsk  etc.,  nach  v.  Hagenow  in  der  Kreide  von  Rügen,  ferner 
in  dem  Kreidemergel  von  Ilseburg,  Blankenburg  und  Vienenburg 
im  Harz,  in  dem  oberen  Quadersandstein  des  gläsernen  Mönchs 
bei  Halberstadt,  in  den  westphälischen  Kreidemergeln  von  Dül- 
men, Haldem  und  Osterfeld  bei  Essen  und  nach  d'ORBiGNY  in 
senonen  Gebilden  Frankreichs.  Nach  Zittel  ist  es  eine  der  ver- 
breitetsten  Arten  in  den  Gosaugebilden  der  nordöstlichen  Alpen, 
Stoliczka  erkannte  sie  in  der  Arrialoorgruppe  der  südindischen 
Kreideformalion,  Beyrich  in  Schichten  von  Afrika,  F.  Römer  in 
Texas.  Wie  ihr  Vorkommen  in  Nebraska  aus  den  Abbildungen 
von  Hall  und  Meek  erhellt,  so  Jässt  sich  dasselbe  nach  den  uns 
vorliegenden  Exemplaren  auch  für  die  Umgegend  von  Colorado 
City  in  Neu- Mexico  verbürgen,  wo  I.  Cripsi  mit  Baculites  gran- 
dis  Hall  u.  Meek  und  anderen  Baculiten  zusammen  durch  Herrn 
A.  Dittmarsch-Flocon  entdeckt  worden  ist. 

10.    i".  Lamarcki  Parkinson. 

1822.  I.  Brongniarti  Mantell,  Geol.  of  Sussex,  p.  214.    Taf.  27,  f.  8. 
1835.   Catülus  Lamarcki  Al.  Brongniart,  descr.  geol.  des  env.  de  Paris, 

3.  ed.,  p.  630.    PI.  L,  f.  10.  B. 
1834—40.    ?  Goldfüss,  Petr.  Germ.  II,  p.  114.    Taf.  111,  f.  2. 
1843.  cI'Orbigny,  Pal  fr.  terr.  cret.  III,  p.  518.    PL  412. 
1844—49.    Geinitz  im  Jahrb.  für  Min.,  p.  150;  Quad.  Deutschi,,  p.  174 

(excl.  L.  Decheni).  $ 
1850.  Dixon,  Geol  a.  Foss.  of  Sussex,  p.  355.    Tab.  28,  f.  29. 
1866.  Zittel,  d.  Bivalven  der  Gosaugeb.  der  nordöstl.  Alpen,  p.  23  (99). 

Taf.  15,  f.  6. 


19 


Die  etwas  schief-ovale  Schale,  welche  theils  länger  als  breit, 
theils  aber  auch  breiter  als  lang  und  mehr  oder  minder  schief 
ist,  zeichnet  sich  namentlich  durch  ihre  bauchige  Wölbung  aus, 
wodurch  sie  oft  blasenfürmitr  aufgetrieben  erscheint.  Sie  ver- 
läuft  in  einen  mehr  oder  weniger  vorragenden  und  niedergebo- 
genen Wirbel,  an  dessen  beiden  Seiten  sie  steil  abfällt  und  etwas 
eingedrückt  ist.  Ihr  oft  unverhältnissmässig  kleiner  Schlossrand 
begrenzt  einen  kleinen  stumpfwinkeligen  hinteren  Flügel,  welcher 
oft  gänzlich  zurücktritt.  Die  Oberfläche  ist  mit  dicken,  wulst- 
förmigen  Anwachsringen  und  coneentrisehen  Streifen  bedeckt,  wie 
bei  /.  Brongniarfi,  womit  sie  häufig  verwechselt  worden  ist.  zu- 
mal dessen  als  /.  annulatus  Goldf.  beschriebene  Varietät  ihrer 
Form  sich  nähert.  Von  diesen  unterscheidet  sich  I  Lamarcki 
durch  die  mehr  ausgesprochene  Rundung  der  Schale,  weiche  nur 
in  der  Nähe  des  Wirbels  gestört  und  aufgehoben  wird,  und  durch 
seine  weit  höhere  Wölbung. 

Ebenso  verwandt  ist  I.  Lamarcki  mit  /.  Cripsi.  der  oft  einen 
gleichen  Umriss  zeigt  und  in  starkgewölbten  Abänderungen  an- 
getroffen wird.  In  beiden  Arten  spricht  sich  aber  sehr  deutlich 
eine  entgegengesetzte  Richtung  des  Wirbels  und  der  Anwachs- 
ringe aus,  welche  bei  dem  ersteren  deutlich  nach  vorn,  bei  dem 
letzteren  deutlich  nach  hinten  gewendet  sind.  Die  Eindrückung 
der  vorderen  Seite  unter  dem  Wirbel  des  i".  Lamarcki  und  die 
verhältnissmässig  stärkere  Wölbung  längs  der  hinteren  Fläche 
dieser  Art  weichen  wesentlich  ab  von  der  stärkeren  Wölbung 
der  vorderen  und  weit  schwächeren  der  hinteren  Fläche  bei  /• 
Cripsi. 

Vorkommen:  Diese  für  obere  oder  senone  Ablagerungen 
der  Kreideformation  bezeichnende  Art  liegt  uns  in  charakteristi- 
schen Exemplaren  aus  dem  Kreidemergel  von  Nagorzany,  Oster- 
feld bei  Essen,  als  Feuersteingeschiebe  von  St.  Acheul  bei  Amiens, 
aus  dem  Grünsandsteine  von  Kieslingswalda  im  Glatzischen,  aus 
dem  oberen  Quadersandsteine  von  Waldau  bei  Görlitz,  Tanne- 
berg in  Böhmen  (durch  Herrn  Apotheker  B.  Kinne  in  Herrnhut 
gefunden)  und  einigen  Brüchen  des  Elbthales  vor.  wie  von  Postel- 
witz und  an  dem  Schandau  gegenüber  liegenden  Ufer.  Zu  ihr 
mögen  auch  Exemplare  aus  dem  senonen  Mergel  des  Marter- 
berges bei  Passau  gehören,  welche  unser  K.  Mineralogisches 


20 


Museum  Herrn  Baron  v.  Stockheim  schon  seit  1851  verdankt. 
Früher  von  uns  zu  I.  Lamarcki  gestellte  Exemplare  von  Strehlen 
sind  auf  andere  Arten,  wie  I.  striatus  und  L  Brongniarti  zurück- 
geführt worden.  Die  aus  England  beschriebenen  Exemplare,  von 
welchen  Dixon  die  beste  Abbildung  gibt,  wurden  in  der  Kreide 
von  Norfolk  und  Sussex  gefunden.  Das  von  den  Abbildungen 
bei  d'ORBiGNY  und  Dixon  ziemlich  abweichende  Exemplar  bei  Gold- 
fuss fand  sich  in  der  grauen  Kreide  zu  Sindinkhausen  in  West- 
phalen.  Es  erinnert  einigermassen  an  I.  striatus.  Ebenso  bildet 
I.  Lamarcki  aus  dem  Hofergraben  im  Gosauthale,  bei  Zittel, 
eine  eigenthümliche  Varietät  dieser  vielgestaltigen  Art,  die  nach 
allen  Modificationen  sich  endlich  noch  in  den  I.  involutus  Sow. 
umgestaltet  zu  haben  scheint. 


Rückblick  auf  die  hier  beschriebenen  Inoceramen. 

Betrachtet  man  die  Inoceramen  der  Kreideformation  im  Geiste 
der  Theorie  von  der  Veränderlichkeit  der  Arten,  so  reicht  ihr 
Stammbaum  bis  in  den  Lias  zurück.  Ohne  auf  diese  älteren 
Formen  hier  eingehen  zu  wollen,  finden  wir  den  nächsten  An- 
knüpfungspunkt für  unsere  Inoceramen  in  dem  I.  concentricus 
Sow.  des  Gault.  Er  ist  offenbar  ein  naher  Verwandter  des  7. 
striatus,  jener  in  cenomanen  Schichten,  oder  im  unteren  Quader 
vorherrschenden  Art.  Hier  bedurfte  es  nur  einer  Verkürzung 
des  Wirbels  und  einer  grösseren  Ausdehnung  des  Schlossrandes, 
um  jene  in  diese  Art  umzuwandeln.  Beides  scheint  in  der  That 
hier  nach  jüngeren  Schichten  hin  stattgefunden  zu  haben,  denn 
I.  striatus  des  oberturonen  Plänerkalkes  hat  in  der  Regel  die 
kürzesten  Wirbel  und  den  breitesten  Flügel.  Dagegen  haben 
sich  in  dem  /.  striato-concentricus  Gümbel  die  ursprünglichen 
Charaktere  der  Stammart  weit  besser  erhalten. 

Von  I".  striatus  aus  entwickeln  sich  2  verschiedene  Reihen 
in  den  Formen  des  I.  Brongniarti  und  des  I.  latus. 

Der  erstere  stellt  die  vollkommenste  Entwicklung  der  Gat- 
tung in  oberturonen  Ablagerungen  dar,  welche  noch  weit  in  die 
senonen  Bildungen  hineinragt. 

I.  latus  aber,  der  durch  I.  Geinitüanus  Stol.  mit  I.  striatus 


21 


sehr  eng  verbunden  ist,  wird  zur  Basis  für  2  neue  Entwicke- 
lungsreihen,  deren  eine  durch  breite  Form,  die  andere  durch 
schmale  Form  ausgezeichnet  ist. 

An  die  breite  Form  des  I.  latus  schliesst  sich  I.  Cuvieri, 
an  die  schmale  Form:  /.  labiatus  unmittelbar  an.  Der  letztere 
bildet  wieder  in  seinen  breiteren  Abänderungen  einen  förmlichen 
Übergang  nach  dem  ersteren  hin.  Immerhin  bleibt  aber  /.  la- 
biatus in  seiner  typischen  Form  das  Hauptfossil  für  unterturone 
Schichten  oder  den  Mittelquader  und  Mittelpläner  des  Elbthaies; 
in  dem  oberturonen  Plänerkalke  von  Strehlen  finden  sich  von  ihm 
nur  noch  spärliche  Exemplare.  Dagegen  hat  er  sich  noch  einige 
Geltung  in  den  Kieslingswaldaer  Schichten  verschafft,  während 
er  in,  diesen  analogen  Schichten  von  Kreibitz  in  Böhmen  und 
Marterberg  bei  Passau  nur  durch  die  schmale  Varietät  des  I.  la- 
tus vertreten  wird. 

Es  ist  vorher  gezeigt  worden,  wie  sich  I.  Cuvieri  Sow.  zu 
/.  planus  Mün.  und  I.  Cripsi  Mant.  verhält,  woraus  jedenfalls 
erhellt,  dass  sich  der  erstere  in  den  letzteren  umwandeln  konnte. 
I.  Cripsi  bezeichnet  aber  mit  seinen  Varietäten,  wie  /.  Goldfus- 
sianus  und  I.  impressus  d'ORB.  ganz  vorzugsweise  senone  Kreide- 
bildung. Der  ihn  hier  begleitende  /.  Lamarcki  und  die  letzten 
Nachkömmlinge  des  I.  Brongniarli  bilden  mit  /.  involutus  Sow. 
eine  Reihe  von  Arten,  welche  auf  mannigfache  Weise  eng  mit 
einander  verknüpft  sind,  und  mit  Entschiedenheit  wieder  auf  /. 
concentricus  zurückweisen.  Ihre  Beziehungen  zu  einander  lassen 
sich  annähernd  in  dem  folgenden  Schema  veranschaulichen: 


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CO 
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Mineralogisches. 

Von 

Herrn  Assistent  August  Frenzel 

in  Freiberg. 


Auf  Wunsch  des  Herrn  Geh.  Coinmerzienrathes  Ferber  in 
Gera  wurden  die  nachstehenden  chemisch-mineralogischen  Bear- 
beitungen einiger  Nummern  seiner  reichhaltigen  und  schönen 
Sammlung  unternommen.    Wir  beginnen  mit  dem 

Beraunit. 

Dieses  Mineral  wurde  bekanntlich  bis  jetzt  nur  in  Pseudo- 
morphosen  nach  Vivianit  von  der  Eisensteingrube  Hrbek  bei  Set. 
Benigna  im  Berauner  Kreise  in  Böhmen  bezogen.  Herr  Ferber 
hat  indess  ein  sehr  schönes  Vorkommen  von  Beraunit  aus  Sach- 
sen ,  Vater  Abraham  bei  Scheibenberg,  erworben ,  und  zwar  von 
Dr.  Krantz.  Letzterer  hatte  das  Stück  aus  der  SÄMANN'schen 
Sammlung  in  Paris  mit  angekauft  und  dem  Stücke  lag  eine  alte 
Etiquette  bei,  wahrscheinlich  von  Freiesleben  geschrieben,  welche 
besagt:  „Fasricher  brauner  Eisenrahm  mit  braunem  Eisenstein, 
aus  dem  Scheibenberger  Bergamtsrevier. '  Ist  nun  diese  Angabe 
richtig,  wogegen  irgend  welche  Zweifel  nicht  vorliegen,  so  dürfte 
die  bei  Scheibenberg  befindliche  und  auf  Brauneisenstein  bauende, 
jetzt  aber  auflässige  Grube  Vater  Abraham  der  Fundort  sein. 

Das  Stück  enthält  ziemlich  viel  Beraunit,  welcher  auf  und  in 
Brauneisenerz  sitzt,  und  wenig  Kraurit.  Der  Beraunit  bildet  blätt- 
rige und  concentrisch-strahlige  Partien  und  einzelne  Blättchim 


24 


und  Stengel  laufen  in  Krystallspitzen  aus,  welche  die  Gypsform 
erkennen  lassen.  Das  Mineral  hat  ein  sehr  gutes  Ansehen,  be- 
sitzt hyacinthrothe  bis  röthlichbraune  Farbe  und  Perlmutter-  bis 
Seidenglanz;  das  Strichpulver  ist  gelb.  Spec.  Gewicht  2,983 
(Temp.  21,0  C). 

Plattner  hatte  schon  als  Bestandteile  Eisenoxyd,  Phosphor- 
säure und  Wasser  angegeben;  eine  Analyse  ergab  dieselbe  Zu- 
sammensetzung und  zwar  procental : 

Eisenoxyd  ....  54,50 
Phosphorsäure  .  .  28,65 
Wasser  16,55 

99,70. 

Aus  dieser  Zusammensetzung  berechnet  sich  nach  der  Reci- 
prokenmethode  ein  Atomverhältniss  von  5,1  :  3,0  :  13,8,  wofür 
man  setzen  kann  5  :  3  :  14,  so  dass  also  die  Formel  öFe^Ch 
.  3P205  +  14FLO  vorgeschlagen  werden  könnte;  diese  Formel 
verlangt: 

5Fe,03  .  .  800  54,13 
3P,Ö5  .  .  .  426  28,82 
14H20     .    .    252  17,05 

1478,  100,00, 

was  also  ziemlich  gut  mit  dem  Gefundenen  übereinstimmt.  •  Es 
war  schwierig,  den  Beraunit  völlig  rein  zu  erhalten,  indem  ein 
schwarzer  Körper  beigemengt  war,  doch  wurde  selbstverständlich 
so  gut  als  möglich  reines  Material  zu  erlangen  gesucht.  Bei 
dem  Trocknen  des  Pulvers  bei  100°  entwich  nur  eine  sehr  ge- 
ringe Menge  hygroscopisches  Wasser;  längere  Zeit  bis  nahe  zum 
Siedepunkte  des  Quecksilbers  erhitzt,  verlor  das  Mineral  13,20 
Proc.  Hydratwasser  und  das  Pulver  behielt  noch  seine  schöne 
rothbraune  Farbe  bei,  bei  stärkerem  Glühen  erlitt  das  Pulver 
noch  3,35  Proc.  Verlust,  und  zwar  gingen  bei  dem  Glühen  im 
Porzellantiegel  2,12  Proc.  fort  und  das  Pulver  wurde  schmutzig- 
braun; im  Platintiegel  endlich  entwichen  noch  1,23  Proc,  wobei 
das  Pulver  theilweise  schmolz,  ohne  den  Tiegel  anzugreifen.  Zwrei 
in  dieser  Richtung  angestellte  Versuche  ergaben  absolut  gleiche 
Resultate.  Berücksichtigt  man  dieses  Verhalten,  so  ergeben  sich 
durch  Rechnung  1 1  Aeq.  Hydratwasser,  während  3  Aeq.  als  ba- 


25 


sisch  gebundenes  (Constitutionswasser)  gedacht  werden  können, 
und  es  Hesse  sich  demzufolge  ein  Ausdruck  formuliren,  wie  folgt: 
(3Fe203  .  P20Ä  +  2Fe,0„,  3H20  .  2P205)  +  1  1H20, 
Wenn  auch  unzweifelhaft  der  Beraunit  von  Set.  Benigna  eine 
Pseudomorphose  nach  Vivianit  ist  —  Breithaupt  beobachtete  Kry- 
stalle,  die  zur  Hälfte  roth  und  zur  anderen  Hälfte  blau  gefärbt 
waren  — ,  so  lässt  sich  unser  Vorkommen  schwerlich  für  eine 
Pseudomorphose  ansprechen,  vielmehr  hat  es  ganz  den  Anschein, 
als  ob  es  —  gleichwie  Kraurit  —  wohl  ein  secundäres,  doch 
selbstständiges  Gebilde  sei. 

Arsenglanz. 

Unter  diesem  Namen  begreift  man  zweierlei  Mineralien,  beide 
von  der  Grube  Palmbaum  bei  Marienberg  in  Sachsen;  einmal  die 
von  Kersten  analysirte  Varietät  mit  97  Arsen  und  3  Wismuth, 
durch  lebhaften  Metallglanz  und  vollkommene  monotome  Spalt- 
barkeit ausgezeichnet  und  zum  Anderen  unregelmässig  gestaltete 
Platten  und  Knollen,  welche  letztere  noch  in  neuerer  Zeit  von 
der  Freiberger  Mineralien-Niederlage  aus,  als  Arsenglanz  unter 
das  mineralogische  Publikum  gelangten. 

Die  letztere  Varietät  zeigt  ebensogut  als  die  erstere  die 
Eigenthümlichkeit  des  Fortglimmens  nach  dem  Entzünden,  ist  je- 
doch nur  ein  unreines  Arsen,  wie  sich  nach  einer  Analyse  her- 
ausstellte, welche,  nach  Abzug  eines  unlöslichen  Rückstandes, 
ergab: 

Arsen     ......  92,80 

Antimon      ....  2,28 

Eisen  1,60 

Nickel  0,26 

Schwefel     ....  1,06 

98,00. 

v.  Kobell  wies  schon  nach,  dass  jedes  feinzertheilte  Arsen 
nach  dem  Entzünden  das  Fortglimmen  zeigte  und  vermuthet  da- 
her, dass  der  Arsenglanz  keine  besondere  Species  bilde.  Letztere 
Vermuthung  dürfte  jedoch  nicht  Grund  genug  haben  und  im  Ge- 
gen th  eil  wahrscheinlich  werden,  dass  dem  ausgezeichneten  Mi- 
neral eine  andere  chemische  Zusammensetzung  zukomme,  wofür 
schon  das  verhältnissmässig  niedrige  spec.  Gewicht  5,3  spricht, 


26 


gegenüber  dem  spec.  Gewicht  des  Arsens  5,7  und  des  Wismuths 
9,7.    Leider  stand  uns  ächter  Arsenglanz  nicht  zur  Verfügung. 

Arsenkupfer. 

Anlässlich  eines  Vorkommens  von  Arsenkupfer  in  Sachsen 
sendete  Herr  Ferber  zur  näheren  Untersuchung  drei  Varietäten, 
die  von  dem  Verkäufer  als  Domeykit,  Algodonit  und  Whitneyit 
etiquettirt  waren. 

Als  Fundorte  waren  angegeben: 

I.  Domeykit,  Grube  San  Antonio  bei  Copiapo,  Chile. 

II.  Algodonit,  Lake  superior,  Vereinigte  Staaten. 

III.  Whitneyit,  Cerro  las  Paracatas,  Cigazuala,  Mexico. 
Die  Untersuchung  ergab,  dass  alle  drei  Varietäten  einer  Spe- 
eres, dem  Domeykit  angehörten-  es  wurde  nämlich  gefunden: 

n.  III. 

7,207  7,547 

72,02  72,99 
28,29  27,10 


100,31  100,09. 

Der  Domeykit,  dessen  Zusammensetzung  der  Formel  CusAs 
entsprechend  gefunden  wurde,  soll  hiernach  bestehen  aus: 

3Cu  .  .  190,2  71,72 
As     .    ,     75,0  28,28 

265,2  100,00 

Das  gefundene  Arsen  von  I  verlangt  65,66  Proc.  Kupfer,  so  dass 
also  ein  Überschuss  von  4,5  Proc.  Kupfer  bliebe;  möglicherweise 
enthält  aber  dieser  Domeykit  Beimengungen  von  Arseneisen,  ge- 
diegen Kupfer  und  einer  Schwefelverbindung.  Auch  III  zeigt  eine 
etwas  abweichende  Mischung  und  möglicherweise  ist  auch  dieser 
Varietät  etwas  gediegen  Kupfer  beigemengt:  eine  Wiederholung 
der  Analyse  ergab  kein  besseres  Resultat. 

Die  Farbe  der  drei  Varietäten  ist  auf  frischem  Bruche  zinn- 


Spec.  Gewicht  (Temp.  22°) 

Kupfer  . 
Arsen 
Eisen 
Mangan 
Schwefel  . 
Rückstand 


I. 

6,700 

70,16 

25,89 


0,49 
0,45 


100,49 


27 


weiss  bis  silberweiss,  das  lebhaft  metallisch  glänzende  Pulver  von 
II  (der  reinsten  Varietät)  hellgrau,  von  III  dunkelgrau  und  von  I 
grauschwarz.  Binnen  24  Stunden  laufen  sie  mit  gelber  Farbe 
an.  Als  Begleiter  fanden  sich  gediegen  Kupfer,  Rothkupfererz, 
Malachit,  Quarz  und  geringe  Partien  eines  reichen  radialfasrigen 
Minerals,  vielleicht  Wavellit. 


tlber  die  Ursachen  der  Eiszeit. 

Von 

Herrn  Dr.  Alfred  Jentzsch 

in  Leipzig. 


Herr  Professor  Pfaff  hat  kürzlieh  (N.  Jahrb.  1872,  Heft  7) 
Betrachtungen  veröffentlicht  über  die  Veränderung  des  Klima's 
durch  gewisse  astronomische  Ursachen,  insbesondere  über  die 
Eiszeit,  und  dadurch  die  Discussion  dieses  so  hochwichtigen  Ge- 
genstandes von  Neuern  angeregt.  So  möchten  denn  auch  mir 
einige  Bemerkungen  vergönnt  sein,  die  vielleicht  dazu  dienen 
können,  die  Natur  der  hier  zu  lösenden  Fragen  näher  zu  fixiren. 

Bisher  hat  man  sich  oft  bemüht,  lediglich  Kälte  zu  schaffen. 
So  sollte  das  ganze  Sonnensystem  durch  eine  besonders  kalte 
Region  des  Weltraumes  gekommen  sein,  eine  Annahme,  die 
eigentlich  schon  in  Poisson's  Theorie  der  Erdwärme  enthalten  ist. 
Vor  Allem  aber  hob  man  hervor,  dass  wegen  des  Vorrückens 
der  Nachtgleichen  bald  die  eine,  bald  die  andere  Hemisphäre 
einen  längeren  Sommer  und  kürzeren  Winter  habe,  demnach  auch 
mehr  erwärmt  werde.  Gegen  die  letztere,  von  Adhemar  her- 
rührende Hypothese  wendet  sich  nun  Herr  Pfaff,  indem  er  nach- 
zuweisen versucht,  dass,  da  die  Wärmestrahlung  der  Sonne  mit 
dem  Quadrat  der  Entfernung,  die  Geschwindigkeit  des  Planeten 
aber  nur  mit  der  Quadratwurzel  derselben  abnähme,  das  Verhält- 
niss  gerade  das  umgekehrte  von  demjenigen  sei,  welches  Adhe- 
mar behauptete,  demnach  diese  ganze  Erklärung  fallen  müsse. 
Leider  beruht  der  eine  Vordersatz  des  Herrn  Pfaff  auf  einem 
Versehen.    Die  lineare  Geschwindigkeit  der  Erde  nimmt  nämlich 


29 


umgekehrt  mit  der  Entfernung  von  der  Sonne,  die  Winkel-Ge- 
schwindigkeit, auf  die  es  hier  lediglich  ankommt,  aber  umgekehrt 
mit  dem  Quadrat  der  Entfernung  ab,  so  dass  der  Betrag  der 
Sonnenstrahlung  für  beide  Hemisphären  vollständig  gleich 
ist,  ein  Resultat,  welches  den  Astronomen  schon  seit  längerer 
Zeit  bekannt  war.  Auf  der  nördlichen  Halbkugel  sind  gegen- 
wärtig die  Sommer  etwas  zu  lang  und  in  gleichem  Maasse 
zu  kalt,  die  Winter  zu  kurz  und  in  gleichem  Maasse  zu  warm. 

Dann  hob  man  hervor,  dass  eben  dieses  Verhältnisses  wegen 
die  nördliche  Halbkugel  jetzt  weniger  Nachtstunden  besässe  als 
die  südliche,  resp.  als  sie  selbst  vor  12000  Jahren,  und  dass  sie 
demnach  früher  mehr  Wärme  durch  nächtliche  Strahlung  verlor. 
Dein  ist  einfach  entgegen  zu  halten,  dass,  einen  gleich  klaren 
Himmel  vorausgesetzt,  am  Tage  ebensoviel  Wärme  ausgestrahlt 
wird  als  in  der  Nacht,  ja  streng  genommen  sogar  etwas  mehr, 
der  grösseren  Wärmedifferenz  zwischen  Erdoberfläche  und  Welt- 
raum wegen.  Wirkliche  Differenzen  in  der  Gesammtwärme  einer 
Hemisphäre  sind  somit  noch  nicht  nachgewiesen.  Sie  würden 
auch  dem  geforderten  Zwecke  gar  nicht  entsprechen.  Ist  doch, 
wie  Tyndall  so  treffend  gezeigt  hat,  zur  Vermehrung  der  Glet- 
scher eine  recht  beträchtliche  Quantität  Wärme  nöthig,  um  die 
dazu  erforderlichen  Wasserdampfmengen  herbeizuschaffen.  Um 
die  Vergletscherung  der  Schweiz  zu  erklären,  hat  man  vielmehr 
nur  einen  mächtigen  Condensator  nöthig,  und  diesen  findet  man 
einzig  und  allein  in  einer  andern  geographischen  Vertheilung  der 
Wärme. 

Mussten  schon  aus  diesem  Grunde  die  bisher  erwähnten  Er- 
klärungsversuche als  verfehlt  betrachtet  werden,  so  sind  sie  es 
aus  einem  andern  Grunde  noch  weit  mehr.  Die  europäische  Eis- 
zeit besteht  nämlich  keineswegs  blos  aus  einer  Vergletscherung 
gewisser  Theiie  Europa's.  Gleichzeitig  fand  eine  Senkung  Nord- 
deutschlands, ja  des  grössten  Theiles  von  Nordeuropa  unter  den 
Meeresspiegel  statt.  Genau  zur  selben  Zeit,  als  Norddeutschland 
eine  mit  dem  Eismeer  zusammenhängende  Wasserfläche  bildete,  * 
und  als  arktische  Strömungen  bis  in  unsere  Gegenden  drangen, 
genau  zu  dieser  Zeit  musste  Skandinavien  vergletschert  sein  — 
NB.  trotz  einer  Senkung  von  mindestens  600  Fuss  — ,  um  die 
von  jenen  Strömungen  nach  Deutschland  geführten  Eisberge  lie- 


30 

fern  zu  können.  Und  noch  mehr:  wie  in  den  Alpen  die  Gletscher 
zweimal  vorrückten,  und  sich  zweimal  zurückzogen,  so  gilt  das- 
selbe vom  Meere  in  Norddeutschland;  zweimal  drang  es  bis  an 
die  deutschen  Mittelgebirge  hin  vor  und  zweimal  sank  es  wieder 
zurück.  Dies  kann  kein  Zufall  sein.  Es  weist  unzweideutig  dar- 
auf hin:  Ein  Zusammenhang  besteht  zwischen  dem  Untertauchen 
Deutschlands  und  der  Vergletscherung  der  Alpen  ;  eine  dieser 
Erscheinungen  hängt  von  der  anderen  ab,  oder  beide  sind  die 
Wirkung  einer  gemeinsamen  Ursache.  Die  Art  des  Zusammen- 
hanges liegt  auf  der  Hand.  Wenn  man  bedenkt,  dass  jeder  skan- 
dinavische Gneissblock  im  Minimum  das  iÖfache  Volum  Eis  zum 
Transport  beanspruchte  —  ungerechnet  die  Mengen  eiskalten 
Wassers,  welche  die  Bewegung  der  Eisberge  vermittelten  — , 
und  wenn  man  die  wahrhaft  enormen  Massen  von  Blöcken,  Kies 
und  anderem  nordischen  Gesteinsmaterial  betrachtet,  welche  über 
unsere  Ebene  verstreut  sind,  so  wird  man  zugeben,  dass  diese 
Zufuhr  nordischer  Blöcke  eine  ganz  gewaltige  Abkühlung  Mittel* 
europa's  bewirken  musste.  Und  diese  Wirkung  vertheilte  sich 
nicht  etwa,  wie  jetzt  auf  der  südlichen  Halbkugel,  auf  weite  Ge- 
biete, im  Gegentheil:  quer  durch  Europa  hindurch  lief  von  Ost 
nach  West  die  Grenze  des  Meeres;  hier  strandeten,  wenigstens 
in  der  ersten,  daher  auch  härteren  Eiszeit,  die  Eismassen,  um 
ihren  Gesteinsschutt  als  Kies  abzulagern;  hier  blieben  sie  liegen, 
bis  Sonnenstrahlen  und  warme  Winde  sie  zu  Wasser  auflösten. 
Ein  Theil  derjenigen  Wärmequellen,  die  das  besorgten,  konnte 
nun  nicht  mehr  verwendet  werden,  um  den  Schnee  und  das  Eis 
der  Alpen  zu  schmelzen,  dieses  musste  also  mehr  und  mehr  an- 
wachsen. Wichtiger  aber  als  dieser  negative  Einfluss  war  der 
positive  auf  die  Vermehrung  der  Niederschläge.  In  den  südlich 
resp.  südwestlich  von  Europa  gelegenen  Gebieten  fand  dieselbe 
Wärmestrahlung  statt,  wie  jetzt,  und  gleiche  Mengen  von  Wasser- 
dämpfen wurden  daher  von  den  S-.-  und  SW. -Winden  herbeige- 
führt. Jetzt  gelangen  dieselben  auf  einem  weiten  Gebiete  zum 
Niederschlage;  damals  musste  sie  ihr  grösster  Theil  in  einer 
schmalen  Zone  am  Südrande  des  europäischen  Eismeeres  con- 
densiren.  Hier  und  da  mochte  dies  in  Form  von  Regen  geschehen, 
und  so  wässerreiche  Flussgebiete  entstehen :  in  Deutschland  war 
dies  anders.    Die  Alpen  entzogen  hier  schon  damals  den  über 


31 


sie  hinziehenden  Winden  einen  grossen  Theil  ihrer  Feuchtigkeit. 
Gleichzeitig  waren  die  NO. -Winde  kalt  und  mit  Feuchtigkeit  ge- 
sättigt, sie  wären  ja  über  eine  Wasser-  und  Eis-Fläche  von  0°  R. 
hinweggegangen.  In  den  Alpen  inussten  sich  daher  unter  der 
Einwirkung  dieser  beiden  Factoren  die  ohnehin  schon  bedeuten- 
den Niederschläge  noch  vermeinen  und  während  eines  grossen 
Theiles  des  Jahres  zu  Schnee  gestalten. 

Die  Eisberge  der  norddeutschen  Ebene  bildeten  also  jenen 
Condensator.  welchen  Tyndall  verlangt.  Dieses  meteorologische 
Verhältniss  ist  so  klar  und  selbstverständlich;  dass  man  es  als 
einen  wesentlichen  Factor  der  Eiszeit  für  immer  wird  festhalten 
müssen.  Man  wird  diesen  gewaltigen  Factor  sogar  als 
den  einzigen  zu  betrachten  haben,  so  lange  nicht  ent- 
weder seine  Unzulänglichkeit  durch  Zahlen  bewiesen, 
oder  so  lange  nicht  noch  ein  anderer  unwiderlegbar 
erkältender  E  i  n  f  1  u  s  s  namhaft  gemacht  wird. 

Eine  andere  Frage  ist  die  nach  der  Ursache,  die  das  Sinken 
des  Landes  bewirkte.  Hier  sind  zunächst  von  Schmick  kosmische 
Anziehungen  geltend  gemacht  worden,  welche  eine  Art  von  sä- 
culärer  Ebbe  und  Fluth  zu  Wege  bringen  sollten.  Pilar  hat  die- 
ser Hypothese  den  Boden  entzogen  (Verh.  d.  k.  k.  geol.  Reichs- 
anst.  1872,  Heft  V.).  Derselbe  stellt  eine  neue  auf,  wonach  die 
Anhäufang  von  Eisrnassen  an  einem  Pole  1)  die  Wassermassen 
anziehen  und  so  zum  Steigen  bringen,  2)  die  Erdrinde  nieder- 
drücken soll.  Die  Wirkung  1)  scheint  mir  mit  den  Gesetzen  der 
Gravitation  nicht  vereinbar;  die  Wirkung  2)  müsste  allerdings 
eintreten,  sobald  local  mächtige  Aufschüttungen  gebildet  würden. 
Pilar  denkt  sich  eine  Polarvereisung  dadurch  entstanden,  dass 
in  den  kurzen  aber  heissen  Sommern,  die  jetzt  auf  der  südlichen 
Halbkugel  stattfinden,  die  Wasserdünste  weiter  nach  dem  Pole 
vordringen,  dort  als  Schnee  niederfallen  und  so  diesen  vereisen 
müssten.  Indess  würde  durch  die  Wasserdünste  das  Klima  des 
Poles  zu  einem  milderen  gestaltet  und  so  die  ganze  Wirkung 
wieder  aufgehoben  werden. 

Diese  und  ähnliche  Hypothesen,  weiche  eine  allgemeine  Zu- 
nahme des  Wassers  am  Nordpol  zu  erklären  suchen,  fussen  wohl 
stillschweigend  auf  der  Thatsache ,  dass  ebenso  wie  in  Europa 
auch  in  Nordamerika  die  Eiszeit  Spuren  hinterlassen  hat,  und  dass 


32 


auch  in  Nordasien  sich  eine  Senkung  nachweisen  lässt.  Eine  der- 
artige zonenweise  vertheilte  Senkung  und  Hebung  würde  aller- 
dings einen  kosmischen  Einfluss  fast  zur  Gewissheit  erheben. 
[NB.  einen  kosmischen  Einfluss  auf  die  Vertheilung  des  Wassers, 
nicht  eine  allgemeine  Abkühlung,  die  beispielsweise  mit  dem  Auf- 
treten des  Mammuths  in  Sibirien  doch  gewiss  nicht  vereinbar  ist]. 
Allein  welcher  Beweis  liegt  denn  vor,  dass  alle  Länder  der  nörd- 
lichen Hemisphäre,  in  denen  wir  das  erratische  Phänomen  beob- 
achten, ihre  Eiszeit  zugleich  hatten?  Es  fehlt  zur  Zeit  noch 
jeder  Anhalt  zur  Parailelisirung  nordamerikanischer  und  europäi- 
scher Verhältnisse.  Und  betrachten  wir  nur  Europa,  so  finden 
wir  schon  hier  Beweise  gegen  jene  Annahme.  Während  Deutsch- 
land 2  S  enkun  gs  perioden  hatte,  folgert  Lyell  aus  geognosti- 
schen  und  pflanzengeographischen  Gründen  für  Grossbritanien  2 
Perioden  der  Erhebung  des  Landes  über  die  jetzige  Lage  und 
eine  Periode  der  Senkung.  Ferner  scheint  die  Senkung  ver- 
schiedener Punkte  Deutschlands  von  gleicher  Breite  eine  ungleiche 
gewesen  zu  sein.  Vor  Allem  aber  muss  geltend  gemacht  wer- 
den, dass  die  Verbindung  der  xWeere  über  die  Finländische  Seen- 
kette, wie  Loven  nachgewiesen,  nur  gegen  den  Schluss  der  Eis- 
zeit (resp.  während  der  zweiten  Senkungsperiode)  stattfand.  Es 
scheint  somit  mehr  eine  Art  Klappenbewegung  um  eine  ungefähr 
von  NO.  nach  SW.  gehende  Linie  erfolgt  zu  sein.  Auf  alle  Fälle 
aber  sind  die  Veränderungen  in  der  Configuration  der  Continente 
nicht  derart,  um  sie  kosmischen  Einflüssen  zuzuschreiben;  sie 
rühren,  mindestens  zum  Theil,  von  tellurischen  Kräften  her.  Es 
erscheint  dringend  wünschenswerth,  dass  gerade  diese  jugend- 
lichen Veränderungen  der  Erdoberfläche  möglichst  genau  er- 
forscht, demnach  auch  möglichst  sicher  parallelisirt  werden.  Man 
würde  dann  nicht  allein  die  Bedingungen,  unter  denen  so  viele 
Länder  der  Erde  nach  und  nach  jener  wunderbaren  Eiszeit  ver- 
fielen, klarer  erkennen,  sondern  man  würde  auch  vielleicht  das 
Gesetz  auffinden,  welchem  die  grossartigen  säculären  Hebungen 
und  Senkungen  der  Continente  folgen,  und  somit,  so  paradox 
dies  klingen  mag,  durch  das  Studium  der  Eiszeit  einen  nicht  un- 
wichtigen Beitrag  zur  Theorie  des  Vulkanismus  gewinnen. 
Leipzig,  am  3.  December  1872. 


Iber  den  Kreislauf  der  Stoffe  in  der  Natur.  * 

Von 

Herrn  Prof.  A.  Streng. 


In  der  Geologie  herrscht  seit  langer  Zeit,  seitdem  dieselbe 
überhaupt  eine  Geschichte  hat,  der  Gegensatz  zweier  Ansichten, 
des  Neptunismus  und  des  Plutonismus.  Dieser  Kampf  hat  lange 
Zeit  die  Wissenschaft  beherrscht  und  abwechselnd  hat  die  Eine 
oder  die  andere  Richtung  das  Uebergewicht,  ja  unter  Umständen 
die  Alleinherrschaft  an  sich  gerissen.  So  war  zu  Werner's 
Zeit  der  Neptunismus,  in  der  Zeit  Humboldt's  und  Buch's  da- 
gegen der  Plutonismus  herrschend.  Als  in  der  neueren  Zeit, 
besonders  unter  dem  Einflüsse  von  Gustav  Bischof  und  durch 
die  Einführung  des  chemischen  Experiments  in  die  Geologie  die 
neptunischen  Anschauungen  von  der  Entwicklungsgeschichte  un- 
serer Erde  einen  neuen  Aufschwung  nahmen,  gipfelte  der  Streit 
vorzugsweise  in  einer  Frage,  die  mit  der  Frage  des  Plutonismus 
und  Neptunismus  nicht  in  einer  notwendigen  Verbindung  stand, 
in  der  Frage  nämlich,  ob  die  Perioden  der  Entwicklungsgeschichte 
der  Erde,  in  deren  Verlauf  sich  die  geschichteten  Formationen 
mit  ihren  thierischen  und  pflanzlichen  Resten  abgelagert  haben, 
von  einander  getrennt  worden  seien  durch  grosse  epochemachende 
Revolutionen,  in  denen  das  gesammte  Thier-  und  Pflanzenleben 
vernichtet  und  die  vorher  abgelagerten  horizontalen  Schichten 


*  Eine  am  9.  Juni  1872  zu  Giessen  gehaltene  akademische  Festrede, 
welche  wir  mit  des  Verfassers  Erlaubniss  hier  bringen.  D.  Red. 

Jahrbuch  1873.  3 


34 


gehoben,  gebogen  und  gefaltet  wurden,  oder  ob  im  Gegentheil 
die  Schichten  in  einem  Einzigen  ununterbrochen  fortschreitenden 
Ablagerungsprocesse  von  den  ältesten  Zeiten  bis  in  die  Gegen- 
wart sich  abgesetzt  hätten,  ohne  durch  allgemeine  Erdrevolutionen 
gestört  worden  zu  sein. 

Die  erstgenannte  Ansicht  war  gegründet  auf  die  discordante 
Lagerung  gewisser,  als  Formationen  zusammengefasster  Schich- 
tensysteme und  die  Verschiedenheit  der  Fauna  und  Flora  in  den- 
selben. Das  setzt  voraus,  dass  an  denjenigen  Stellen,  wo  diese 
Erscheinung  stattfindet,  die  älteren  ursprünglich  horizontal  abge- 
lagerten Schichten  durch  gewaltsame  Ereignisse  aus  ihrer  hori- 
zontalen Lage  gedrängt  und  aufgerichtet  wurden,  ehe.  das  jüngere 
Schichtensystem  auf  jenem  sich  ablagerte  und  dass  in  der  Zwi- 
schenzeit eine  Änderung  der  Fauna  und  Flora  stattfand.  Indem 
man  diese  Änderungen  als  ein  plötzlich  auftretendes  und  schnell 
sich  vollendendes  Ereigniss  auffasste  und  die  durchaus  lokale, 
auf  gewisse  Länder  beschränkte  discordante  Lagerung  verallge- 
meinerte ,  entstanden  jene  Anschauungen  von  den  periodisch  wie- 
derkehrenden allgemeinen  Erdrevolutionen,  der  plötzlichen  Erhe- 
bung der  Gebirge  und  einer  damit  verbundenen  Vernichtung  alles 
thierischen  und  pflanzlichen  Lebens ,  dem  dann  jedesmal  neue 
Schöpfungsacte  folgen  mussten. 

Diese  Ansicht,  die  auf  einer  mangelhaften  Kenntniss  der 
^eognostischen  Verhältnisse  beruhte ,  musste  in  dem  Maasse  an 
Boden  verlieren,  als  durch  sorgfältige  und  eingehende  Arbeiten 
das  Gebiet  unserer  Kenntnisse  immer  mehr  erweitert  wurde  und 
gegenwärtig  kann  sie  als  ein  gänzlich  überwundener  Standpunkt 
bezeichnet  werden. 

Ganz  allgemein  hat  sich  jetzt  die  Meinung  geltend  gemacht, 
dass  der  Absatz  der  Schichten  im  Meere  ein  ununterbrochen  fort- 
dauernder Process  ist,  der  nur  hie  und  da  gestört  werden  kann 
durch  allmählich  vor  sich  gehende  locale  Hebungen  und  Senkungen 
der  Erdoberfläche,  dass  demnach  auch  das  einmal  vorhandene 
organische  Leben  sich  ununterbrochen  fortgesetzt  hat  bis  auf  die 
Gegenwart  •  dass  zwar  stets  alte  Geschlechter  aussterben  und 
neue  an  ihre  Stelle  treten,  dass  aber  auch  dieser  Process  der 
Umwandlung  einer  Fauna  und  Flora  in  eine  andere  ein  ganz  all- 
mählich vor  sich  gehender  ist. 


35 


Aus  dieser  durch  sorgfältige  und  zahlreiche  Lokalstudien 
gewonnenen  Erkenntniss  ging  nun  die  Ansicht  von  der  allmäh- 
lichen Entwicklung  unserer  Erde  von  dem  Unvollkommenen  nach 
dem  Vollkommneren  hervor.  Gleichzeitig  machte  sich  unter  dem 
Einflüsse  des  Neptunismus  noch  in  anderer  Beziehung  eine  Än- 
derung der  Ansichten  geltend  ,  wodurch  die  weitere  Kluft  zwi- 
schen Neptunismus  und  Plutonismus  zum  grossen  Theile  erfüllt 
wurde.  Während  man  vordem  geglaubt  hatte,  an  die  Intensität 
der  in  früheren  Zeiten  der  Entwicklung  thätiger  Kräfte  müsse 
ein  anderer  weit  grösserer  Maasstab  gelegt  werden,  wie  an  die 
in  der  Gegenwart  wirkender,  d.  h.  in  früheren  Zeiten  seien  die 
verändernd  wirkenden  Kräfte  mit  einer  alle  unsere  Vorstellungen 
weit  überschreitenden  Stärke  aufgetreten,  so  macht  sich  jetzt 
immer  mehr  die  Ansicht  geltend ,  dass  bei  Erklärung  früherer 
Zustände  und  Veränderung-en  wenn  möglich  derselbe  Maasstab 
angelegt  werden  müsse,  wie  bei  den  gegenwärtigen  Naturerschei- 
nungen, dass  aber  an  die  Stelle  ungemessener  Kräfte  sehr  wohl 
ungemessene  Zeiten  gesetzt  werden  könnten,  in  denen  schwach 
wirkende  Kräfte  grosse  Veränderungen  hervorzubringen  ver- 
möchten. 

Kaum  war  nun  die  Geologie  der  Revolutionen  beseitigt  und 
die  neue  Ansicht  hatte  begonnen,  sich  Bahn  zu  brechen,  so  wurde 
sie  auch  wieder  einer  der  Zielpunkte  der  neptunischen  Angriffe 
gegen  die  plutonische  Idee.  Gerade  die  allmähliche  Fortentwick- 
lung unserer  Erde  ist  eine  natürliche  Folgerung  der  plutonischen 
Hypothese:  denn  diese  geht  davon  aus,  dass  unsere  Erde  ehe- 
mals ein  feurigflüssiges  Sphäroid  war,  dass  dieses  sich  langsam 
abkühlte  und  eine  feste  Rinde  erhielt,  die  von  der  unterliegenden 
flüssigen  Masse  oftmals  zerrissen  und  zersprengt,  nach  und  nach 
immer  dicker  wurde  und  dadurch  den  plirtonischen  Eruptionen 
immer  grössere  Widerstände  entgegensetzte,  so  dass  erstere 
immer  kleinere  Dimensionen  annahmen  und  oreffenwärticr  nur  noch 

CO  ö 

in  Formen  vulkanischer  Eruptionen  sich  geltend  machen.  Dies 
ist  der  allgemeine  Verlauf  einer  Entwicklung,  mit  welcher  viele 
andere  Erscheinungen,  wie  z.  B.  die  Änderung  der  Temperatur 
und  des  Klima's  der  Oberfläche  und  die  daraus  folgende  Ände- 
rung in  den  Lebensbedingungen  der  Pflanzen  Hand  in  Hand 
gehen. 

3* 


36 


Eine  solche,  der  plutonischen  Hypothese  entsprechende  Ent- 
wicklung musste  bei  den  Neptunisten  den  entschiedensten  Wider- 
spruch hervorrufen.  Anfangs  setzten  sie  dieser  Entwicklung  eine 
andere  in  neptunischem  Sinne  gehaltene  entgegen,  später  wurde 
jede  Entwicklung  in  Abrede  gestellt  und  der  Satz  aufgestellt,  alle 
Vorgänge  auf  unserer  Erde  bildeten  einen  seit  Ewigkeit  bestehen- 
den und  bis  in  alle  Ewigkeit  fortdauernden  Kreislauf,  der  zwar 
beständig  Veränderungen  der  Erdoberfläche  im  Gefolge  habe, 
aber  Veränderungen  derselben  Art,  die  sich  also  fortwährend 
wiederholten. 

Dass  ein  Kreislauf  der  Veränderungen  auf  der  Erdoberfläche 
vorhanden  ist,  kann  nicht  in  Abrede  gestellt  werden,  es  fragt 
sich  nur,  ob  derselbe  immer  genau  in  sich  zurückkehrt  oder 
nicht,  d.  h.  ob  der  Kreis,  gleich  einem  Ringe,  ein  völlig  geschlos- 
sener ist,  oder  ob  die  sich  wiederholenden  Veränderungen  einem 
an  sich  kleinen  ,  aber  nach  und  nach  immer  grösser  werdenden 
Wechsel  unterworfen  sind,  so  dass  der  Kreis  der  Erscheinungen 
und  Veränderungen  sich  als  eine  Schraubenlinie  darstellen  würde. 
In  dem  letzteren  Falle  würde  mit  dem  scheinbaren  Kreislauf  eine 
sehr  allmähliche  Entwicklung  der  Verhältnisse  auf  unserer  Erde 
verbunden  sein  können. 

Es  kann  hier  nicht  die  Absicht  sein,  einer  Entscheidung  der 
Frage,  ob  Kreislauf  oder  allmähliche  Entwicklung,  vorzugreifen; 
dieselbe  ist  noch  nicht  spruchreif.  Ich  habe  es  mir  vielmehr  nur 
zur  Aufgabe  gestellt,  an  einer  Reihe  von  Beispielen  den  Kreis- 
lauf der  Stoffe  auf  unserer  Erde  zu  schildern. 

Zu  den  bekanntesten  der  hier  aufzuführenden  Erscheinungen 
gehört  der  Kreislauf  des  Sauerstoffs  und  des  Kohlenstoffs.  Der 
erstere,  ein  Gemengtheil  der  atmosphärischen  Luft,  kommt  durch 
den  Athmungsprocess  der  Land-  und  Meeresthiere ,  sowie  durch 
den  Verbrennungs-  und  Verwesungsprocess  in  Verbindung  mit  dem 
Kohlenstoffe  der  organischen  Substanz,  und  bildet  damit  die  Koh- 
lensäure der  atmosphärischen  Luft.  Dadurch  gelangt  also  auch 
der  Kohlenstoff  in  den  gasförmigen  Zustand.  Durch  den  Ath- 
mungsprocess der  Pflanzen  wird  nun  der  Kohlenstoff  der  atmos- 
phärischen Kohlensäure  wieder  in  organische  Form  übergeführt, 
wird  ein  Bestandtheil  der  Pflanzen,  während  der  Sauerstoff  wie- 
der im  freien  Zustande  in  die  atmosphärische  Luft  zurückkehrt. 


37 


Aus  der  Pflanze,  die  dem  Thiere  zur  Nahrung  dient,  gelangt  der 
Kohlenstoff  in  den  Organismus  der  letzteren  und  wird  hier  theils 
durch  den  Athrnungs-,  theils  durch  den  Verwesungsprocess  der 
atmosphärischen  Luft  als  Kohlensäure  wieder  zugeführt.  Hier- 
durch entsteht  ein  Kreislauf  des  Kohlenstoffs  aus  der  Atmosphäre 
durch  Pflanzen  und  Thiere  wieder  zurück  in  die  Atmosphäre, 
ein  Kreislauf,  der  uns  zeigt,  wie  in  dem  Haushalte  der  Natur 
Thier  und  Pflanze  sich  gegenseitig  bedingen.  Soviel  Sauerstoff 
durch  das  Thierreich  verbraucht  wird,  ebensoviel  wird  auch  wie- 
der durch  die  Pflanzen  hervorgebracht.  Hieraus  erklärt  sich  auch 
zunächst  der  im  Allgemeinen  gleichbleibende  Gehalt  der  atmo- 
sphärischen Luft  an  Sauerstoff. 

Indessen  greifen  noch  einige  andere  Processe  in  diese  Verhält- 
nisse in  verschiedenem  Sinne  ein,  wodurch  unter  Umständen  eine 
sehr  langsame  Änderung  in  dem  Gehalte  der  atmosphärischen 
Luft  eintreten  könnte.  So  wird  ein  Theil  der  Kohlensäure  der 
Luft  und  damit  auch  ein  namhafter  Theil  ihres  Sauerstoffs  durch 
den  Verwitterungsprocess  der  Kalk-Silikate  in  Anspruch  genom- 
men, indem  hieraus  unter  Abscheidung  der  Kieselerde  kohlen- 
saurer Kalk  entsteht,  der  sich  in  den  Gesteinen  ablagert  und 
dauernd  der  Luft  entzogen  wird.  Dieser  Kohlensäure-Verlust, 
der  ein  sehr  bedeutender  ist,  wie  die  mächtigen  Ablagerungen 
von  kohlensaurem  Kalk  lehren,  die  wohl  zum  überwiegend  grössten 
Theile  dem  ebengenannten  Processe  ihre  Entstehung  verdanken, 
wird  aber  ergänzt  und  ersetzt  durch  die  aus  der  Erde  an  vielen 
Stellen  hervortretenden  Kohlensäure-Exhalationen  und  die  kohlen- 
säurereichen Quellen,  die  diese  Säure  wahrscheinlich  dem  in  tie- 
feren Regionen  vorhandenen  kohlensauren  Kalke  entnehmen. 
Ferner  wird  ein  Theil  des  Sauerstoffs  ununterbrochen  verbraucht 
zur  Oxydation  der  Eisenoxydul-Verbindungen  in  den  Gesteinen. 
Aber  auch  diesem  Processe  steht  der  Process  der  Reduction  des 
Eisenoxyds  und  anderer  Sauerstoff-Verbindungen  in  den  Gesteinen 
durch  organische  Substanzen  gegenüber,  wodurch  Sauerstoff  in 
Form  von  Kohlensäure  aus  den  Gesteinen  der  atmosphärischen 
Luft  zugeführt  wird.  Übrigens  wird  eine  namhafte  Menge  Koh- 
lenstoff in  Form  von  Braun-  und  Steinkohle  in  den  Schichten  der 
Erdrinde  vergraben  und  dadurch  dem  Kreislauf  der  Stoffe  ent- 
zogen.   Halten  sich  alle  diese  in  entgegengesetztem  Sinne  wir- 


38 


kenden  Kräfte  das  Gleichgewicht,  dann  haben  wir  es  hier  mit 
einem  vollständigen  immerwährenden  Kreislaufe  zu  thun  und  die 
Zusammensetzung  der  Luft  ist  seit  ewigen  Zeiten  eine  gleiche 
gewesen  und  wird  es  auch  in  aller  Zukunft  bleiben.  Ist  aber 
irgend  einer  der  Processe,  von  denen  der  Gehalt  der  atmosphä- 
rischen Luft  abhängig  ist,  etwas  überwiegend  über  den  ihm  ent- 
gegenstehenden, dann  wird  eine  sehr  langsame  und  allmähliche 
Änderung  in  ihrer  Zusammensetzung  eintreten. 

Einen  ähnlichen  Kreislauf,  wie  Kohlenstoff  und  Sauerstoff, 
erleidet  auch  der  Wasserstoff  und  Stickstoff,  während  eine  Reihe 
anderer  Stoffe,  wie  Kalk,  Phosphor,  Schwefel,  Kalium,  Natrium 
u.  s.  w.  einen  Kreislauf  zwischen  der  Ackererde,  dem  Pflanzen- 
und  dem  Thierreiche  zu  durchwandern  haben,  welches  ja  nach 
dem  Absterben  durch  Verwesung  wieder  zu  Staub  und  Asche 
wird. 

Noch  bekannter  als  der  Kreislauf  des  Sauerstoffs  und  Koh- 
lenstoffs ist  derjenige  der  atmosphärischen  Luft  und  der  Ge- 
wässer. Die  aus  den  äquatorialen  Meeren  verdunsteten  Wasser- 
massen gelangen  mit  der  Luft  in  Dampfform  auf  die  nördlich  und 
südlich  vom  Äquator  gelegenen  Continente:  indem  hier  die  Luft 
bis  unter  ihren  Thaupunkt  abgekühlt  wird,  vermag  sie  den  ihr 
beigemengten  Wasserdampf  nicht  gelöst  zu  erhalten ;  derselbe 
scheidet  sich  in  Folge  dessen  in  Form  von  Wolken  aus,  die  dann 
ihre  Niederschläge  über  die  Continente  ergiessen.  Die  Regen- 
massen dringen  nun  theils  in  die  Erde  ein,  theils  fliessen  sie 
direct  in  die  Bäche  und  Flüsse  und  mit  diesen  wieder  dem  Meere 
zu.  Das  in  die  Erde  einsickernde  Wasser  durchdringt  langsam 
die  das  Wasser  überhaupt  durchlassenden  Schichten,  füllt  sie  an 
und  entweicht  langsam  auf  Spalten  und  Klüften,  welche  an  tiefer 
liegenden  Punkten  der  Erdoberfläche  ausmünden.  So  entstehen 
die  Quellen,  deren  Wasser  die  Bäche  und  Flüsse  speist.  Dem- 
nach gelangt  alles  Wasser,  welches  durch  die  Regen-  und  Schnee- 
massen dem  Lande  zugeführt  worden  ist,  durch  die  Flüsse  wie- 
der zurück  in  das  Meer,  dem  es  in  Form  von  Wasserdampf  ent- 
nommen war.  Dieser  Kreislauf  des  Wassers  findet  ununterbro- 
chen statt  und  erstreckt  sich  über  die  ganze  Erde.  Er  steht  in 
Verbindung  mit  dem  Kreislaufe  der  atmosphärischen  Luft,  die  ja 
ununterbrochen  von  dem  Äquator  nach  den  Polen  und  von  diesen 


39 


wieder  zum  Äquator  strömt.  Dieser  sich  stets  gleich  bleibende 
Kreislauf  ist  auch  die  Ursache,  dass  das  Niveau  der  Meeresober- 
fläche stets  ein  Gleiches  bleibt,  dass  die  Masse  des  Meerwassers, 
so  weit  unsere  Beobachtungen  reichen,  anscheinend  unveränder- 
lich ist. 

Aber  der  Kreistauf  des  Wassers  ist  doch  nicht  ein  so  ganz 
einfacher,  als  es  auf  den  ersten  Blick  scheint.  Würde  man  näm- 
lich den  vom  Meere  aufsteigenden  Wasserdampf  untersuchen,  so 
würde  man  finden,  dass  er  fast  absolut  rein  und,  abgesehen  von 
atmosphärischer  Luft,  unvermischt  ist.  Daher  enthält  auch  der 
Regen  nur  die  Bestandtheile  der  atmosphärischen  Luft  gelöst. 
Untersucht  man  aber  das  Wasser  der  Flüsse,  die  dieses  Regen- 
wasser dem  Meere  wieder  zuführen,  so  sieht  man  zunächst,  dass 
es  aufgeschlämmte  Theile  in  bedeutender  Menge  enthält  und  wenn 
man  es  chemisch  untersucht,  so  findet  man  namhafte  Mengen 
fester  Stoffe  in  ihm  gelöst.  Während  also  reines  Wasser  von 
dem  Meere  fortgenommen  wird,  kehrt  unreines  Wasser  in  das- 
selbe zurück,  d.  h.  mit  dem  Wasser  werden  Jahr  aus,  Jahr  ein 
grosse  Mengen  von  festen  Stoßen  theils  suspendirt,  theils  in  Lö- 
sung dem  Meere  zugeführt  und  es  fragt  sich  zunächst,  wie  kom- 
men diese  Stoffe  in  das  Wasser  und  dann:  was  wird  im  Meere 
aus  ihnen. 

Untersuchen  wir  zunächst  die  mechanisch  in  dem  Wasser 
der  Bäche  und  Flüsse  aufgeschlämmten  festen  Massen,  so  sind 
dies  Produkte  der  mechanischen  Zerkleinerung  der  Gebirgsarten, 
über  welche  die  Gewässer  geflossen  sind  und  die  sie  nun  mit 
sich  fortführen.  Dahin  gehören  grobe  Gerölie  und  Sand,  die  am 
Boden  der  Flüsse  fortbewegt  werden,  und  sehr  feine  feste  Theile, 
die  im  Wasser  suspendirt  sind  und  ebenfalls  dem  Meere  zuströ- 
men. Das  so  mit  fortgeführte  Material  besteht  theils  aus  Kiesel- 
erde, theils  aus  Thonerdesilikat.  Selbstverständlich  ist  die  Masse 
der  mechanisch  mit  fortgeführten  Theile  abhängig  von  der  Masse 
und  von  der  Schnelligkeit  der  Bewegung  des  Wassers.  Daher 
wird  auch  zu  Zeiten  der  Hochfluth  die  Masse  der  fortbewegten 
festen  Theile  grösser  sein,  wie  zu  gewöhnlichen  Zeiten.  So 
führte  nach  Versuchen  von  Bischof  der  Rhein  bei  Bonn  nach  auf- 
fallend trockner  Witterung  in  100000  Theilen  Wasser  1,73,  im 
angeschwollenen  Zustande  über  20,5  suspendirte  Theile  mit  sich. 


40 


Das  Wasser  des  Missisippi  führt  in  100000  Theilen  etwa  59  Ge~ 
wichtstheile.  in  einem  Jahre  etwa  3702  Millionen  Cubikfuss  fester 
Stoffe  dem  Meere  zu.  Der  gelbe  Strom  in  China  enthält  in 
100000  Theilen  angeblich  die  ungeheure  Menge  von  500  Ge- 
wichtstheilen  fester  Stoffe  und  man  hat  berechnet,  dass  er  in 
Einer  Stunde  etwa  2  Million  Cubikfuss  feste  Substanz  in  das 
Meer  führt. 

Gelangen  nun  diese  festen  Stoffe  mit  dem  sie  tragenden 
Wasser  in  das  Meer,  dann  hört  die  Bewegung,  durch  die  sie 
suspendirt  erhalten  wurden,  auf  und  es  beginnt  allmählich  der 
mechanische  Absatz  theils  unmittelbar  an  der  Flussmündung, 
theils  in  grösserer  Entfernung  davon.  Das  sichtbare  Resultat 
dieser  Abscheidung  ist  die  Bildung  des  Flussdeltas.  deren  allmäh- 
liches Fortschreiten  wir  beobachten  können,  denn  es  sind  in  hi- 
storischer Zeit  an  vielen  Flüssen  ausgedehnte  Landstrecken  dem 
Meere  abgewonnen  worden. 

Die  Flüsse  führen  aber  auch  eine  grosse  Menge  fester  Stoffe 
in  gelöstem  Zustande  dem  Meere  zu.  ja  die  .Menge  der  gelösten 
Theile  übertrifft  in  vielen  Fällen  die  Menge  der  nur  mechanisch 
suspendirten.  Die  Hauptmasse  der  in  gelöster  Form  im  Fluss- 
wasser enthaltenen  Stoffe  besteht  aus  kohlensaurem  und  schwe- 
felsaurem Kalk  und  etwas  kohlensaurer  Magnesia :  sehr  unterge- 
ordnet ist  dagegen  der  Gehalt  an  Kochsalz,  der  nur  etwa  1  io 
bis  l/iou  von  dem  Gehalte  an  Kalksalzen  beträgt.  Die  Zusam- 
mensetzung der  gelösten  Salzmenge  ist  übrigens  bei  verschie- 
denen Flüssen  sehr  verschieden,  ja  sie  wechselt  selbst  bei  Einem 
Flusse  je  nach  Ort  und  Zeit.  So  sinkt  meist  während  der  Hoch- 
fluth  der  Gehalt  an  gelösten  Stoffen  sehr  bedeutend,  während  die 
Menge  der  mechanisch  aufgeschlämmten  wächst.  Um  nur  von 
der  Menge  der  auf  solche  Weise  fortgeführten  Stoffe  eine  Vor- 
stellung zu  geben,  will  ich  beispielsweise  anführen,  dass  in 
100000  Theilen  das  Nilwasser  14  Theile.  das  Rheinwasser  17 
Theile.  das  Mainwasser  24  Theile.  das  Themsewasser  40  Theile 
und  das  Wasser  der  Bievre  bei  Paris  51  Theile  fester  gelöster 
Stoffe  enthält,  Die  Menge  fester  Substanz,  die  der  Rhein  in  ge- 
löster Form  alljährlich  dem  Meere  zuführt,  übersteigt  100  Mil- 
lionen Cubikfuss. 

Es  fragt  sich  nun  zunächst .  woher  diese  gelösten  festen 


41 


Stoffe  kommen.  Wie  schon  erwähnt,  dringt  ein  grosser  Theil 
des  auf  die  Erde  niederfallenden  Regenwassers  in  diese  ein  und 
kommt  an  tiefer  liegenden  Stellen  als  Quelle  wieder  zu  Tage. 
Auf  diesem  Wege  durch  die  Gesteine  wirkt  es  lösend  auf  den 
in  gewissen  Gesteinen  vorhandenen  Gyps  und  durch  seinen  Ge- 
halt an  atmosphärischer  Kohlensäure  verändernd  und  zersetzend, 
vor  Allem  aber  auflösend  auf  den  durch  die  Zersetzung  der  Kalk- 
silikate entstandenen  kohlensauren  Kalk  und  dieser  ist  es  vor- 
zugsweise, der  vom  Wasser  aufgenommen  wird.  Ungeheure 
Massen  dieses  Körpers  werden  auf  diese  Weise  in  einem  lang- 
sam und  allmählich  wirkenden  Frocesse  der  festen  Erde  entzogen 
und  dem  Meere  zugeführt. 

Wenn  nun  auf  diese  Weise  grosse  Quantitäten  gelöster 
Stoffe  durch  Einen  Fluss  dem  Meere  zuströmen,  wie  ungeheuer 
gross  mag  die  Menge  der  gelösten  Stoffe  sein,  die  alljährlich 
durch  sämmtliehe  Flüsse  der  Erde  dem  Meere  zugeführt  werden. 
Freilich  ist  die  Masse  des  jährlich  dem  Meere  zufliessenden 
Wassers  gering  gegen  die  ganze  Masse  des  Meerwassers;  wenn 
man  aber  in  Erwägung  zieht,  dass  dieses  Zufliessen  Jahr  aus 
Jahr  ein  stattfindet,  class  es  stattgefunden  hat  nicht  nur  seit  den 
historischen  Zeiten,  die  man  auf  etwa  10000  Jahre  zurückdatiren 
kann,  sondern  seitdem  es  einen  Gegensatz  zwischen  Festland  und 
Meer  gab,  also  in  Zeiträumen,  die  Millionen  von  Jahren  umfassen, 
so  wird  man  sich  eingestehen  müssen,  dass  die  ganze  Masse  des 
auf  der  Erde  befindlichen  Wassers  schon  viele  Male  den  Kreis- 
lauf der  Gewässer  durchlaufen  und  jedesmal  ungeheure  Mengen 
gelöster  Stoffe  dem  Meere  zugeführt  haben  muss. 

Aus  diesen  Betrachtungen  ergibt  sich,  dass  in  dem  Meere 
ein  beständiger  Concentrationsprocess  stattfindet,  da  ihm  bestän- 
dig gelöste  Stoffe  zugeführt  werden,  während  reines  Wasser  als 
Wasserdampf  entweicht.  Die  gelösten  Stoffe  müssen  also  zurück- 
bleiben und  sich  nach  und  nach  immer  mehr  anreichern.  Das 
Meerwasser  müsste  sich  also  hiernach  als  eine  concentrirte  Lö- 
sung derjenigen  Stoffe  darstellen,  die  in  den  Flusswassern  vor- 
zugsweise vorhanden  sind,  es  müsste  eine  möglichst  concentrirte 
Lösung  von  kohlensaurem  Kalk  und  von  Gyps  sein.  Statt  dessen 
finden  wir,  wenn  wir  das  Meerwasser  chemisch  untersuchen,  dass 
es  weit  davon  entfernt  ist,  eine  concentrirte  Lösung  von  Kalk- 


42 


salzen  darzustellen,  ja  es  ist  geradezu  arm  an  kohlensaurem  Kalk 
und  auch  der  Gyps  ist  nur  in  kleinen  Mengen  darin  vorhanden ; 
dagegen  erweist  es  sich  als  eine  vergleichsweise  concentrirte 
Lösung  von  Kochsalz.  Wohin  kommen  nun  die  grossen  Massen 
von  kohlensaurem  und  schwefelsaurem  Kalk,  die  alljährlich  durch 
die  Flüsse  dem  Meere  zugeführt  werden  und  wie  ist  der  hohe 
Chlornatrium-Gehalt  desselben  zu  erklären?  Eine  directe  Abschei- 
dung  des  Kalks  durch  den  Verdunstungsprocess  des  Wassers  ist 
nicht  möglich ,  weil  eine  solche  nur  aus  einer  völlig  gesättigten 
Lösung  stattfinden  könnte.  Auch  durch  Verdunstung  der  den 
Kalk  gelöst  enthaltenden  Kohlensäure  ist  eine  Abscheidung  nicht 
denkbar,  weil  das  Meerwasser  stets  freie  Kohlensäure  enthält. 
Es  müssen  also  andere  Processe  vorhanden  sein,  durch  welche 
dem  Meere  kohlensaurer  und  schwefelsaurer  Kalk  in  demselben 
Maasse  entzogen  werden ,  wie  ihm  diese  beiden  Stoffe  durch  die 
Flüsse  zugeführt  werden.  In  der  That  gibt  es  solche  Processe, 
aber  sie  gehören  nicht  in  das  Gebiet  der  unorganischen  Natur, 
sondern  hängen  auf  das  Innigste  mit  der  Entwicklung  des  orga- 
nischen Lebens  im  Meere  zusammen. 

Wenn  wir  nämlich  sehen,  dass  die  grossen  Korallenbänke, 
deren  Material  wesentlich  aus  kohlensaurem  Kalk  besteht,  seit 
unvordenklichen  Zeiten  stets  gewachsen  sind  und  noch  heute 
wachsen,  wenn  wir  sehen,  wie  Tausende  und  Millionen  von  Thieren 
mit  kalkiger  Hülle  beständig  entstehen  und  vergehen,  so  müssen 
wir  schon  hier  fragen,  woher  nehmen  diese  Thiere  den  zu  ihrer 
Schaale  nöthigen  Kalk?  Die  Antwort  wird  sich  nun  leicht  aus 
dem  Vorhergehenden  ergeben:  es  ist  ein  Theil  des  Kalks,  der 
ununterbrochen  dem  Meere  zugeführt  wird.  Die  alten  Muscheln 
sterben  ab  und  werden  vorn  Meeresschlamm  begraben,  eine  neue 
Generation  entnimmt  das  zu  den  Kalkhüllen  nöthige  Material  di- 
rekt oder  indirekt  dem  kohlensauren  Kalke,  welcher  dem  Meere 
durch  die  Flüsse  zugeführt  wird. 

Untersucht  man  den  eigentlichen  Bodensatz  des  Meeres,  d.  h. 
die  am  Boden  des  Meeres  sich  abscheidenden  Sedimente,  so  findet 
man  diese  an  vielen  Stellen,  ganz  besonders  in  den  grössten 
Tiefen  vorzugsweise  zusammengesetzt  aus  kohlensaurem  Kalk  in 
Form  eines  ausserordentlich  feinen  Schlammes.  Bringt  man  diesen 
unter  das  Mikroskop,  so  findet  man,  dass  er  in  seiner  Hauptmasse 


43 


aus  sehr  kleinen  Körnern  bestellt,  die  durchgehends  organischen 
Ursprungs  sind,  d.  h.  Organismen  sehr  niederer  Art  ihre  Ent- 
stehung verdanken.  Es  sind  vorwaltend  sogenannte  Coccolithen, 
d.  h.  eigentümlich  geformte,  mit  organischer  Substanz  innig  ge- 
mengte Kalkkörner;  dann  ferner  Polythalamien  ,  und  zwar  vor- 
zugsweise Globigerinen,  zerriebene  Reste  grösserer  Schaalthiere 
u.  s.  w.  Hieraus  ergibt  sich,  dass  durch  den  Lebensprocess  un- 
endlich zahlreicher  mikroskopisch  kleiner  Thierchen,  sowie  durch 
denjenigen  aller  grösseren  Thiere  mit  kalkiger  Hülle  dem  Meere 
ununterbrochen  kohlensaurer  Kalk  entzogen  und  auf  dem  Boden 
desselben  abgelagert  wird.  Da  viele  dieser  Kalkschaalen  Mag- 
nesia-haltig sind,  so  wird  hierdurch  auch  der  Gehalt  an  kohlen- 
saurer Magnesia  im  Meerwasser  beständig  niedergeschlagen  und 
eine  Ansammlung  desselben  in  ihm  verhindert. 

Nun  hat  man  in  den  kalkigen  Absätzen  aller  älteren  For- 
mationen, die  früher  ebenfalls  Meeresablagerungen  waren,  jetzt 
aber  durch  Hebung  in  Festland  verwandelt  worden  sind ,  nicht 
nur  kalkige  Muscheln  und  Korallen,  sonderen  auch  jene  Cocco- 
lithen und  andere  kleine  kalkige  organische  Formen,  zu  den  Po- 
lythalamien etc.  gehörig,  gefunden,  die  vorwaltend  den  Meeres- 
schlamm bilden.  Derselbe  Process  der  Abscheidung  des  Kalkes 
durch  organische  Thätigkeit,  den  wir  noch  heute  beobachten,  hat 
also  auch  stattgefunden,  seitdem  überhaupt  sedimentäre  Bildungen 
vom  Meere  abgeschieden  worden  sind,  also  seit  Millionen  von 
Jahren.  Damit  ist  die  vorher  erwähnte  merkwürdige  und  auf 
den  ersten  Blick  räthselhafte  Erscheinung  erklärt,  dass  ununter- 
brochen dem  Meere  Kalksalze  zugeführt  werden,  ohne  dass  eine 
Zunahme  des  Kalkgehalts  im  Meerwasser  bemerkbar  wäre. 

Es  ist  vorhin  mitgetheilt  worden,  dass  die  Flüsse  ausser  den 
Kalk-  und  Magnesia-Salzen  dem  Meere,  wenn  auch  nur  in  ver- 
hältnissmässig  kleinen  Mengen,  Kochsalz  zuführen.  Da  wir  keinen 
Process  kennen,  durch  welchen  das  Chlornatrium  ebenso  unun- 
terbrochen abgeschieden  wird,  wie  die  Kalk-  und  Magnesia-Salze, 
so  müsste  dieser  Körper  im  Meerwasser  einer  beständigen  Con- 
centration  unterworfen  sein.  War  also  ursprünglich  das  Meer 
salzfrei,  so  müsste  im  Laufe  der  Jahrtausende  durch  den  bestän- 
digen Process,  der  Verdunstung  und  die  stetige  Zuführung  neuen 
Materials  eine  Anreicherung  an  Kochsalz  erfolgt  sein  und  das 


44 


Meer  müsste  sich  als  eine  verhältnissmässig  reiche  Kochsalzlösung 
darstellen,  was  auch  in  der  That  der  Fall  ist. 

Kann  nun  aber  unter  solchen  Verhältnissen  die  beständige 
Verdunstung  des  Meerwassers  und  die  Rückkehr  des  verdampften 
Wassers  durch  die  Flüsse  als  ein  reiner,  sich  stets  unverändert 
wiederholender  Kreislauf  betrachtet  werden?  Für  das  Wasser  mag 
dies  der  Fall  sein,  aber  dieser  Kreislauf  hat  Erscheinungen  in 
seinem  Gefolge,  die  sich,  auf  den  ersten  Blick  wenigstens,  nicht 
als  ein  besonderer  Kreislauf  betrachten  lassen,  die  vielmehr 
langsame  aber  beständig  fortschreitende  Veränderungen  der  Erd- 
oberfläche hervorrufen.  Vergegenwärtigen  wir  uns  nochmals  die 
Wirkung  der  atmosphärischen  Niederschläge  auf  die  Erdoberfläche 
und  die  oberste  Erdrinde,  so  besteht  sie  darin,  dass  ununterbro- 
chen feste  Stoffe  theils  in  suspendirter,  theils  in  gelöster  Form 
dem  Meere  zugeführt  und  zum  grössten  Theil  dort  abgelagert 
oder  im  Wasser  angereichert  werden.  Die  hierdurch  bewirkten 
Veränderungen  sind  zwar  für  unser  Auge  kaum  wahrnehmbar, 
sie  sind  auch  noch  unbedeutend  innerhalb  der  Lebensdauer  eines 
Menschen  •  da  aber  solche  Vorgänge  in  ungemessenen  Zeiträumen 
stattgefunden  haben,  so  muss  auch  ihre  Wirkung  in  diesen  Zeiten 
eine  ganz  ungeheure  gewesen  sein. 

Man  hat  berechnet,  dass  die  Summe  fester  Substanz,  die  der 
Rhein  theils  in  gelöster,  theils  in  suspendirter  Form  seinem  Ver- 
breitungsgebiet seit  15000  Jahren  entzogen  hat,  soviel  beträgt, 
dass  sie,  auf  dieses  gleichmässig  ausgebreitet,  eine  Schicht  von 
Einem  Meter  Höhe  bilden  würde:  in  P  Million  Jahren  würde 
dies  gleich  einer  Schicht  von  100  Metern  Höhe  sein.  Durch  die 
Erosion  des  Wassers,  welches  dem  Rheine  zugeführt  wird,  müsste 
also  in  dieser  Zeit  von  anderthalb  Million  Jahren  das  ganze  Land 
im  Durchschnitt  um  100  Meter  erniedrigt  worden  sein.  Da  die 
abnagende  Wirkung  des  Wassers  um  so  grösser  ist,  je  rascher 
es  fliesst,  seine  Geschwindigkeit  aber  unter  übrigens  gleichen 
Umständen  von  der  Neigung  des  Untergrundes  abhängig  ist,  so 
werden  im  Allgemeinen  die  steiler  geneigten  gebirgigen  Theile 
des  Rheingebiets  vorwaltend  dieser  Abnagung  unterworfen  sein, 
die  ebeneren  Theile  aber  nur  sehr  wenig.  Es  wird  sich  also  die 
erodirende  Wirkung  des  Wassers  concentriren  in  den  Gebirgen: 
d.  h.  nicht  die  ebenen  Gegenden  des  Flussgebiets,  sondern  vor- 


45 


waltend  die  Gebirgsgegenden  werden  in  bedeutend  verstärktem 
Maasse  Airch  die  Erosion  erniedrigt;  und  wenn  wir  vorhin  sagten, 
das  ganze  Flussgebiet  des  Rheins  sei  in  i\  Million  Jahren  um 
100  Meter  erniedrigt  worden,  so  gibt  dies  kein  richtiges  Bild  des 
Vorganges.  Wäre  das  Rheingebiet  zu  l\z  von  Gebirgen  ,  zu  2/3 
von  Ebenen  gebildet,  dann  würde  in  I  V2  Million  Jahren  der  ge- 
birgige Theil  vielleicht  um  300  Meter,  das  ist  um  ungefähr 
1000  Fuss,  im  Durchschnitt  erniedrigt  worden  sein.  Die  Erosion 
in  den  Gebirgen  ist  aber  noch  weit  bedeutender,  weil  ein  grosser, 
ja  vielleicht  der  grösste  Theil  der  Zerkleinerungsprodukte  eines 
Gebirges  schon  in  der  nächsten  Ebene  abgelagert  wird,  so  dass 
diese  sich  allmählich  erhöht,  während  das  Gebirge  sich  erniedrigt. 
Wir  werden  daher  die  vorhergenannte  Zahl  von  300  Metern  ver- 
doppeln ,  ja  vielleicht  verdreifachen  können.  In  der  That  finden 
wir  auch  fast  in  allen  Gebirgen  die  uuzweifelhaftesten  Zeugnisse, 
dass  ihre  Oberfläche  durch  Abnagung  erniedrigt  worden  ist. 

Auf  der  andern  Seite  muss  aber  durch  die  festen  Stoffe,  die 
der  Rhein  dem  Meere  zuführt,  der  Boden  desselben  sich  mit 
Niederschlägen  bedecken  derart,  dass  eine  dem  ganzen  Rheinge- 
biete gleichkommende  Bodenfläche  in  IV2  Million  Jahren  sich  um 
100  Meter  im  Durchschnitt  erhöhen  würde.  Da  aber  auch  hier 
die  Wirkung  sich  concentrirt  auf  die  der  Flussmündung  nahe  ge- 
legenen Theile  des  Meeres,  so  wird  hier  die  Erhöhung  des  Mee- 
resbodens eine  weit  raschere  sein. 

Ueberblicken  wir  die  Wirkung  der  Gewässer,  so  ergibt  sich, 
dass  sie  eine  im  Wesentlichen  nivellirende  ist.  Die  Erhöhungen 
des  Festlandes,  die  Gebirge,  werden  abgenagt,  die  Ebenen  wer- 
den erhöht,  die  Meerestiefen  mit  dem  fortgeführten  Materiale  er- 
füllt und  so  die  Gegensätze  zwischen  Gebirgshöhe  und  Meeres- 
tiefe nach  und  nach  ausgeglichen.  In  dem  Maasse,  wie  der 
Meeresboden  durch  abgelagerte  Sedimente  erhöht  wird  ,  müsste 
auch  der  Meeresspiegel  steigen  und  die  Tiefländer  überflutheil, 
die  Gebirge  müssten  immer  mehr  sich  abflachen,  kurz  die  Ober- 
fläche der  Erde  müsste  sich  immer  mehr  der  Form  eines  idealen 
Sphäroids,  ohne  Hervorragungen  und  ohne  Vertiefungen  nähern. 
Hier  wäre  also  anscheinend  kein  Kreislauf  vorhanden ,  sondern 
eine  sehr  langsam  fortschreitende  Veränderung  in  Einem  Sinne, 


46 


durch  welche  eine  vollständige  Umwälzung  aller  Verhältnisse  auf 
unserer  Erdoberfläche  herbeigeführt  werden  müsste.     *  - 

Indessen  die  eben  geschilderten  Natur-Erscheinungen  stehen 
nicht  vereinzelt  da,  sie  befinden  sich  in  innigster  Verbindung  mit 
Andern  und  mit  Kräften,  die  in  einem  ganz  andern  Sinne  wirk- 
sam sind  wie  die  nivellirend  wirkenden  Kräfte  des  Wassers. 

Da,  wo  man  den  Stand  des  Meeres  seit  langen  Jahren  sorg- 
fältig beobachtet  hat,  fancr  man  häufig,  dass  derselbe  sich  im 
Laufe  der  Zeit  verändert  hat:  an  dem  Einen  Orte  fand  man  ein 
allmähliches  Zurücktreten  des  Meeres,  an  einem  andern  aber  ein 
langsames  Vordringen  desselben  in  das  Festland.  Man  hat  Be- 
weise dafür,  dass  die  Ursache  dieser  Erscheinung  darin  liegt, 
dass  an  der  Einen  Stelle  das  Festland  sich  sehr  langsam  und 
allmählich  hebt,  an  der  andern  Stelle  aber  sich  ebenso  langsam 
und  allmählich  senkt.  Man  hat  nun,  indem  diese  Beobachtungen 
auf  viele  Küsten  ausgedehnt  wurden,  gefunden,  dass  dies  keine 
lokalen,  sondern  dass  es  ganz  allgemein  verbreitete  Erscheinungen 
sind.  Zu  den  allmählich  sich  hebenden  Landstrichen  gehören 
Norwegen  und  das  nördliche  Schweden,  die  in  einem  Jahrhundert 
um  einige  Fuss  sich  gehoben  haben,  die  Westküste  von  England, 
Irland,  ein  grosser  Theil  von  Frankreich,  Syrien,  die  Ostküste 
von  Afrika,  die  Sunda-Inseln,  Neu-Guinea,  Neu-Holland.  Zu  den 
allmählich  sinkenden  Landstrichen  gehört  der  südliche  Theil  von 
Schweden,  die  Ost-  und  Südseite  von  England,  die  Normandie 
und  Bretagne,  Dalmatien,  Grönland,  die  Nilmündungen,  die  Inseln 
des  stillen  Oceans.  Finden  solche  Hebungen  und  Senkungen 
innerhalb  langer  Zeiträume  statt,  dann  entstehen  aus  den  Hebungen 
Gebirge,  aus  den  Senkungen  Vertiefungen,  die  vom  Meere  be- 
deckt werden.  Finden  die  ersteren  am  Meeresboden  statt,  so 
verwandelt  sich  dieser  in  Festland,  während  an  anderen  Stellen 
das  Festland  durch  Einsenkungen  vom  Meer  bedeckt  wird. 

Wenn  wir  nun  sehen,  dass  das  Material,  aus  welchem  die 
meisten  unserer  Gebirge  bestehen,  ursprünglicher  Meeresboden 
war,  dass  viele  Tausend  Fuss  mächtige  Schichtensysteme,  das 
Produkt  des  mechanischen  Niederschlags  der  Meere  längst  ent- 
schwundener Erdperioden,  mit  Einschlüssen  unzähliger  Reste  ech- 
ter Meeresthiere,  viele  Tausend  Fuss  emporgehoben  sind  und 
unsere  jetzigen  Gebirge  bilden,  dann  müssen  wir  zu  der  Erkennt- 


* 


47 


niss  kommen,  dass  die  Hebungen  und  Senkungen  zu  allen  Zeiten 
der  Erdgeschichte  stattgefunden  haben.  Alle  unsere  Continente 
sind  einstmals  Meeresboden  gewesen,  ja  ein  und  dieselbe  Gegend 
war  abwechselnd  das  Eine  und  das  Andere. 

Während  also  die  hoch  erhobenen  Gebirge  durch  die  Ero- 
sion der  Gewässer  abgetragen  und  dem  Meere  zugeführt  werden, 
heben  sich  andere  Landstriche  oder  hebt  sich  Meeresboden  nach 
und  nach  so,  dass  neue  Gebirge  entstehen.  Wahrend  der  Meeres- 
boden durch  Ablagerung  fester  Stoffe  sich  hebt,  tritt  an  andern 
Stellen  eine  Senkung  ein,  wodurch  von  Neuem  Vertiefungen  im 
Meeresboden  oder  auf  dem  Festlande  gebildet  werden.  Der  Ni- 
vellirungsprocess  der  Gewässer,  von  dem  wir  vorhin  sagten,  er 
würde  die  Erde  allmälig  in  ein  regelmässiges  Sphäroid  verwan- 
deln, wird  also  stets  durchkreuzt  durch  die  beständig  stattfinden- 
den Hebungen  und  Senkungen.  Was  uns  vorhin  als  eine  stetige 
Veränderung  in  Einem  Sinne  vorkam,  stellt  sich  uns  jetzt  etwas 
anders  dar.  denn  die  festen  Stoffe,  welche  durch  Vermittlung  der 
Gewässer  dem  Meere  zuströmen,  werden  dort  abgelagert:  dann 
tritt  eine  Hebung  des  Meeresbodens  ein,  wodurch  dieser  in  Fest- 
land verwandelt  wird,  und  nun  fängt  derselbe  Process  von  Neuem 
an;  die  Gewässer  beginnen  ihre  abnagende  Wirkung  an  dem  neu 
entstandenen  Festlande,  an  den  neu  erhobenen  Gebirgen:  kurz 
die  wichtigsten  festen  Stoffe,  Kalk,  Kieselerde,  Thonerde,  sind 
einem  beständigen  Kreislaufe  unterworfen.  Einmal  sind  sie  Be- 
standteile eines  Gebirges,  werden  durch  die  Wirkung  der  Ge- 
wässer fein  zertheilt  oder  gelöst  und  dem  Meere  zugeführt,  bil- 
den dann  nach  ihrer  Ablagerung  lange  Zeit  den  Meeresboden, 
bis  dieser  sich  hebt,  dann  werden  sie  Bestandteile  eines  Fest- 
landes, eines  Gebirges,  von  wo  sie  den  Kreislauf  von  Neuem 
beginnen.  Je  höher  die  Schichten  gehoben  werden,  um  so  stär- 
ker wird  auch  das  Gefälle  der  das  entstandene  Gebirge  durch- 
strömenden Gewässer  sein,  um  so  rascher  wird  also  auch  die 
Erosion  wirken  und  bestrebt  sein,  das  Gebirge  nach  und  nach 
abzuschleifen  und  zu  erniedrigen. 

Beiläufig  sei  hier  bemerkt,  dass  der  Kreislauf  des  Kalks  in 
der  innigsten  Verbindung  steht  mit  demjenigen  des  Kohlenstoffs, 
denn  aus  dem  abgelagerten  kohlensauren  Kalke  entwickelt  sich 
durch  gewisse  physikalische  oder  chemische  Einflüsse  freie  Koh- 


48 


lensäure,  die  in  die  atmosphärische  Luft  übergeht  und  dort  ent- 
weder in  Sauerstoff  und  organische  Substanz  verwandelt  oder 
durch  Zersetzung  von  Kalksilicaten  in  Form  von  kohlensaurem 
Kalke  dem  Meere  zugeführt  und  dort  abgelagert  wird. 

Wenn  nun  auch  für  die  im  Flusswasser  mechanisch  aufge- 
schwemmten Stoffe,  sowie  für  die  gelösten  Kalk-  und  Magnesia- 
salze, die  durch  organische  Thätigkeit  im  Meere  zum  Absätze 
kommen,  ein  solcher  Kreislauf  nachgewiesen  ist,  so  ist  das  doch 
nicht  der  Fall  für  diejenigen  Stoffe,  für  welche  wir  keinen  fort- 
während thätigen  Abscheidungsprocess  kennen,  welche  daher  im 
Meerwasser  gelöst  bleiben.  Dies  gilt  vorzugsweise  für  das  Koch- 
salz, welches  sich  demnach  in  dem  Meere  seit  den  ältesten  Zei- 
ten der  Erdgeschichte  angereichert  haben  müsste.  Hier  wäre  dann 
doch  eine  stetige  Veränderung  in  Einem  Sinne  vorhanden,  hier 
wäre  kein  Kreislauf  erkennbar.    Dieser  Einwand  hat  seine  Be- 
rechtigung, indessen  tritt  hier  an  die  Stelle  eines  stetig  fort- 
dauernden, ein  nur  von  Zeit  zu  Zeit  stattfindender  Abscheidungs- 
process des  Kochsalzes.    Das  Studium  der  jüngsten  Vergangen- 
heit unseres  Erdbalis  lehrt  uns  nämlich,  dass  wahrscheinlich  durch 
die  Hebung  einzelner  Theile  des  Meeresbodens  öfters  grössere 
oder  kleinere  Theile  des  Meeres  von  diesem  abgetrennt  werden. 
Dies  war  z.  B.  mit  dem  kaspischen  und  wahrscheinlich  auch  mit 
dem  Aral-See  der  Fall.    Das  erstere,  sowie  die  in  seinem  Nord- 
westen zahlreich  vorhandenen  kleineren  Salzseen  standen  in  einer 
von  der  Gegenwart  noch  nicht  sehr  entfernt  liegenden  Vergangen- 
heit mit  dem  schwarzen  Meere  in  Verbindung.    Haben  solche 
abgetrennten  Theile  eines  älteren  Meeres  nur  geringe  Zuflüsse, 
die  nicht  im  Stande  sind,  die  verdunstenden  Wassermengen  zu 
ersetzen,  dann  tritt  ziemlich  rasch  eine  solche  Concentration  des 
Seewassers  ein,  dass  eine  Abscheidung  desselben  in  Form  von 
Steinsalz  stattfindet.    Beispiele  hierfür  sind  das  todte  Meer  und 
die  kleinen  Salzseen  nordwestlich  vom  kaspischen  Meere.  Ähn- 
liche Abscheidungen  des  Kochsalzes  aus  Meerestheilen ,  die  von 
dem  Weltmeere  abgeschnitten  worden  waren,  haben  fast  in  allen 
Perioden  der  Erdgeschichte  stattgefunden  und  sind  die  Veran- 
lassung zur  Ablagerung  der  mächtigen  und  ausgedehnten  Stein- 
salzlager gewesen,  die  wir  gegenwärtig  kennen  und  von  denen 
Eines  eine  Mächtigkeit  von  etwa  3000  Fuss  besitzt.  Ungeheure 


49 


Mengen  von  Kochsalz  sind  dadurch  seit  den  ältesten  Zeiten  dem 
Meere  entzogen  worden  und  werden  ihm  noch  gegenwärtig  ent- 
zogen. Dieser  Verlust  wird  langsam  aber  stetig  gedeckt  durch 
die  beständig  dem  Meere  zufliessenden  kochsalzhaltigen  Flüsse. 
Ob  hier  Gewinn  und  Verlust  sich  vollkommen  ausgleichen,  ist 
weder  durch  Rechnung  noch  durch  Beobachtung  zu  entscheiden. 
Halten  sich  beide  Processe  nicht  ganz  vollkommen  das  Gleich- 
gewicht, überwiegt  der  Eine  den  Andern  um  nur  Weniges,  dann 
muss  während  des  scheinbaren  Kreislaufs  eine  beständige  Ände- 
rung in  Einem  Sinne  stattfinden,  d.  h.  der  Kochsalzgehalt  des 
Meeres  muss  in  sehr  langen  Zeiträumen  allmälich  steigen  oder 
fallen.  Dann  hätten  wir  auch  hier  keinen  eigentlichen  Kreislauf, 
sondern  eine  spiralförmig  fortschreitende  Veränderung,  eine  sehr 
allmäliche  Entwicklung. 

Man  beruft  sich,  um  zu  beweisen,  dass  der  Kochsalzgehalt 
des  Meeres  zu  allen  Zeiten  ein  gleicher  gewesen  sei,  auf  die 
Thatsache,  dass  in  den  ältesten  Schichten,  die  überhaupt  thierische 
Reste  enthalten,  nur  solche  Thiere  gefunden  werden,  die  in  sal- 
zigem Meerwasser  gedeihen;  man  schliesst  hieraus,  dass  auch 
die  Meere  jener  alten  Zeiten  salzig  gewesen  seien.  So  berechtigt 
dieser  Schluss  im  Allgemeinen  ist,  so  wenig  begründet  ist  die 
Behauptung,  dass  der  Kochsalzgehalt  der  damaligen  Meere  ebenso 
gross  gewesen  sei,  wie  derjenige  der  heutigen;  er  konnte  viel- 
mehr namhaft  grösser  oder  kleiner  gewesen  sein,  wie  heute  und 
hätte  doch  völlig  genügt,  um  die  Meeresthiere  zu  erhalten,  die 
wir  jetzt  in  den  Ablagerungen  jener  Meere  finden. 

Ahnlich  dem  Kreislaufe  des  Kochsalzes  ist  wahrscheinlich 
auch  derjenige  des  Gypses,  denn  mit  ersterem  werden  stets  be- 
deutende Mengen  des  letzteren  aus  abgetrennten  Meerestheilen 
abgeschieden,  in  Festland  verwandelt  und  später,  durch  Gewässer 
gelöst,  dem  Meere  wieder  zugeführt.  Doch  erleidet  der  Gyps 
auf  seinem  Wege,  sowohl  im  Meere,  als  auch  auf  dem  Festlande, 
die  mannigfaltigsten  Veränderungen,  so  dass  es  noch  nicht  mög- 
lich ist  den  Kreislauf,  den  er  durchwandert,  mit  Klarheit  zu  über- 
blicken. 

Aber  auch  der  Kreislauf  der  Gewässer  selbst  ist  mit  einer 
stetigen  Veränderung  verknüpft,  die  innerhalb  kurzer  Zeiträume 

Jahrbuch  1873.  4 


50 


so  unbedeutend  ist,  dass  sie  in  keiner  Weise  durch  Beobachtung 
gefunden  werden  könnte;  diese  Veränderung  beruht  nämlich  auf 
einer  langsamen  Verringerung  des  auf  der  Erdoberfläche  circu- 
lirenden  Wassers  durch  einen  in  grossem  Maassstabe  vor  sich 
gehenden  chemischen  Vorgang.  Dies  ist  der  Process  der  Um- 
wandlung wasserfreier  Gesteine,  wie  Granit,  Gneiss,  quarzführen- 
der Porphyr,  in  wasserhaltige,  nämlich  vorzugsweise  in  Thon, 
der  aus  der  Verwitterung  jener  Gesteine  hervorgeht  und  Wasser 
chemisch  gebunden  enthält.  Dass  die  auf  solche  Weise  dem 
Kreislauf  sich  entziehenden,  so  zu  sagen  erstarrenden  und  erhär- 
tenden Wassermassen  im  Laufe  der  Zeit  sehr  bedeutend  werden 
können,  lehren  uns  die  ungeheuren  Thonmassen,  die  einen  gros- 
sen Theil  der  geschichteten  Gesteine  zusammensetzen  und  den 
siebenten  Theil  ihres  Gewichtes  chemisch  gebundenes  Wasser 
enthalten.  Es  sind  also  schon  namhafte  Mengen  von  Wasser  auf 
diese  Weise  chemisch  gebunden  und  in  fester  Form  abgeschieden 
worden.  Der  umgekehrte  Process,  die  Umwandlung  wasserhalti- 
ger Gesteine  in  wasserfreie  unter  Abscheidung  von  Wasser  findet 
zwar  auch  statt,  aber,  soweit  wir  es  übersehen  können,  bei  Wei- 
tem nicht  in  dem  Maasse,  wie  der  vorher  erwähnte. 

Die  angeführten  Beispiele  mögen  zeigen,  zunächst,  dass  die 
Frage,  ob  die  einen  Kreislauf  bestimmenden  einander  entgegen- 
wirkenden Kräfte  sich  vollständig  neutralisiren  oder  nicht,  bis 
jetzt  noch  nicht  entschieden  werden  kann,  dann  aber  auch,  dass 
nicht  jeder  Kreislauf  eine  in  sich  geschlossene  unabhängig  von 
andern  sich  entwickelnde  Erscheinung  ist,  sondern  dass  Ein  Kreis- 
lauf mit  einem  oder  mehreren  andern  in  der  innigsten  Verbin- 
dung steht.  So  bildet  das  organische  Leben  den  Knotenpunkt, 
in  welchem  der  Kreislauf  des  Kohlenstoffs  und  Sauerstoffs  einer- 
seits, und  derjenige  des  Kalks  andererseits  wie  die  Glieder  einer 
Kette  in  einander  greifen.  Es  zeigt  sich  hier,  welchen  hervor- 
ragenden, ja  geradezu  bestimmenden  Einfluss  die  organische  Na- 
tur auf  die  Entwicklung  unserer  Erde  nimmt,  dass  also  das  Thier- 
und  Pflanzenleben  nicht  nur  als  ein  blos  zufälliger  oder  beiläufi- 
ger Theil  des  Erdganzen  in  seiner  Entwicklung  von  derjenigen 
der  Erde  abhängig  ist ,  sondern  dtiss  im  Gegentheil  die  letztere 
von  der  Entwicklung  des  Thier-  und  Pflanzenlebens  bedingt  wird. 
Organisches  Leben  und  unorganische  Natur  stehen  also  in  den 


51 


innigsten  Wechselbeziehungen  und  bedingen  sich  gegenseitig  in 
ihrer  Entwicklung. 

Aus  dem  Angeführten  ist  zu  ersehen,  dass  es  bei  dem  heu- 
tigen Stande  unserer  Kenntnisse  noch  nicht  möglich,  die  Frage, 
ob  ewiger  Kreislauf  oder  allmäliche  Entwicklung,  zu  beantworten, 
ohne  den  Boden  der  Thatsachen  unter  den  Füssen  zu  verlieren. 
Nur  unermüdliche  Forschung  wird  hier  zum  Ziele  führen ,  nur 
das  redliche  Streben,  an  der  Hand  der  Thatsachen,  ohne  vorge- 
fasste  Meinung  das  Gebäude  der  theoretischen  Anschauungen  auf- 
zurichten, wird  uns  dahin  führen,  auch  in  der  Geologie  den  Ge- 
gensatz der  Ansichten  und  Meinungen  auszugleichen  und  ein  Bild 
von  der  Entwicklungsgeschichte  unserer  Erde  zu  entwerfen,  wel- 
ches der  Wahrheit  möglichst  nahe  steht. 


V 


Briefwechsel. 


A.    Mittheilungen  an  Professor  G.  Leonhard. 

Klipdrift.  Griqualand-West,  den  4.  December  1872. 

In  meinem  letzten  Briefe  theilte  ich  Ihnen  mit  *,  dass  ich  bei  Absen- 
dung  jener  Zeilen  gerade  mit  den  Vorbereitungen  zu  einer  Reise  per 
Ochsenwagen  längs  eines  Theiles  des  Orange-  und  des  Vaalflusses  be- 
schäftigt gewesen  sei.  Diese  Reise  habe  ich  jetzt  beendet,  und  es  wird 
Sie  interessiren,  Einiges  über  die  in  jenen  Gegenden  auftretenden  Gesteine 
und  deren  muthmassliches  Alter  zu  erfahren.  —  Sobald  man  sich  dem 
Yaal  oder  dem  mittleren  Theil  des  Orange  in  der  Gegend  von  Hopetown 
nähert,  wird  man  durch  einen  vollständigen  Formationswechsel  überrascht. 
Eine  ganz  neue  Gruppe  von  Gesteinen  tritt  auf,  welche  meist  ein  so  feines 
Korn  besitzen,  dass  man  ihnen  am  Besten,  bis  genaue  Untersuchungen  ihre 
mineralogische  Zusammensetzung  mit  Sicherheit  erweisen,  den  Namen 
„Vaalgesteine"  beilegt,  da  sie  in  dem  Flussgebiet  des  Yaals  ihre  grösste 
Entwickelung  finden.  Sie  zeigen  meist  graulichgrüne  Farbennüancen,  sind 
gewöhnlich  feinkörnig  bis  dicht  und  gehen  häufig  in  Mandelsteine  über. 
Die  Mandeln  bestehen  aus  verschiedenen  Kieselsäure-Varietäten,  Kalkspath 
oder  Grünerde,  von  welchen  Mineralien  bald  nur  eines  allein,  bald  mehrere 
oder  alle  zusammen  auftreten.  Obgleich  die  Mannigfaltigkeit  der  Ausbil- 
dung durch  Wechsel  der  Structur,  Farbe  und  accessorische  Bestandmas- 
sen eine  sehr  bedeutende  ist,  so  stehen  doch  die  verschiedenen  Varietäten 
durch  Übergänge  in  einem  so  innigen  Zusammenhang,  dass  sich  wohl  spä- 
ter auch  eine  Zusammengehörigkeit  nach  der  mineralogischen  Constitution 
ergeben  wird.  Nur  in  der  Nähe  von  Klipdrift  tritt  eine  hinreichend  grob- 
körnige Varietät  auf,  um  die  Bestandtheile :  Hornblende,  Plagioklas,  Ti- 
taneisen und  äusserst  wenig  Quarz  sicher  erkennen  zu  lassen.  Diese 
Felsart  sieht  manchen  Dioriten  des  Elsasses  und  Odenwaldes  täuschend 
ähnlich,  ist  aber  ebenfalls  durch  Übergänge  mit  den  dichten  Gesteinen 


*  Vergl.  Jahrb.  1812,  S.  857. 


53 


verbunden.  Man  kann  demnach  vermuthen,  dass  die  „Vaalgesteine"  zum 
grossen  Theil  wenigstens  in  die  Gruppe  der  Hornblende-Plagioklas-Ge- 
steine  gehören.  Ihr  Auftreten  scheint  meist  ein  deckenförmiges ,  seltener 
ein  gangförmiges  zu  sein.  Adern  und  Nester  von  Kieselsäure-Varietäten 
sind  sehr  häufig.  Mit  diesen  Gesteinen  zusammen  finden  sich  Quarzpor- 
phyre in  sehr  mannigfaltigen  Varietäten.  Obgleich  es  mir  nie  gelang, 
dieselben  unzweifelhaft  anstehend  zu  beobachten,  so  erscheint  es  mir  doch 
sehr  wahrscheinlich,  dass  sie  in  Gängen  auftreten.  Sicher  ist  dies  der 
Fall  bei  einer  anderen  ausserordentlich  schönen  Felsart  von  vorwiegend 
rother  oder  grüner  Farbe,  welche  in  manchen  Varietäten  nur  aus  rosen- 
rothem  Feldspath  und  lichtgrünem  Epidot,  in  anderen  nur  aus  Epidot  und 
Quarz  oder  Feldspath  und  Quarz  zu  bestehen  scheint  und  hie  und  da 
Grünerde-,  Epidot-  oder  Quarz-Mandeln  aufnimmt.  Die  „Vaalgesteine" 
bilden  meist  flache  Höhenzüge  und  niedrige  Plateau's  von  so  charakteri- 
stischer Form,  dass  man  sich  wohl  selten  aus  der  Ferne  über  ihre  Natur 
täuscht;  besonders  unterscheiden  sie  sich  scharf  von  den  Tafelbergen  und 
Spitzkopjes  der  Karooformation. 

An  sedimentären  Gesteinen  sind  in  dem  von  mir  durchreisten  Gebiet, 
abgesehen  von  sehr  recenten  Bildungen,  folgende  zu  erwähnen:  Quarzit- 
sandstein,  Schieferthon  und  Conglomerate ,  Kalkstein  mit  eingelagerten 
Bänken  von  Nagelkalk,  Kalkmergelschiefer,  kieseliger  Kalkstein  und  ein 
eigenthümliches  schiefriges  Quarzgestein,  welches  man  Jaspisschiefer  nen- 
nen kann.  Da  in  keinem  der  Sedimente  bisher  Petrefacten  entdeckt  wor- 
den und  hinreichende  Aufschlüsse  selten  sind,  so  ist  es  nicht  leicht,  die 
Lagerungsverhältnisse  sicher  zu  erkennen;  auch  musste  ich  häufig  wün- 
schenswerthe  Excursionen  unterlassen,  um  nicht  den  Zweck  meines  Auf- 
enthaltes in  Süd-Atrika  zu  weit  aus  dem  Auge  zu  verlieren.  Ich  glaube 
für  die  erwähnten  Gesteine  folgende  relativen  Altersverhältnisse  annehmen 
zu  müssen.  Einen  Theil  der  „Vaalgesteine"  haben  wir  als  die  ältesten 
Bildungen  in  diesen  Gegenden  anzusehen,  da  sie  an  einigen  Punkten  von 
Quarzitsandstein ,  an  anderen  von  Schieferthon  und  Conglomeraten  über- 
lagert werden,  welche  vollständig  abgerundete  Blöcke  jener  einschliessen. 
Da  die  Schieferthone  und  Conglomerate  zuweilen  im  gleichen  Horizont 
vorkommen,  auch  etwa  5  Meilen  oberhalb  Klipdrift  in  einander  übergehen, 
so  muss  man  sie  als  gleichalterige  Bildungen  auffassen,  welche  je  nach 
den  localen  Verhältnissen  zur  Ablagerung  gelangten.  Die  im  Schieferthon 
eingeschlossenen  Blöcke,  petrographisch  genau  mit  den  „Vaalgesteinen" 
übereinstimmend,  sprechen  nicht  sehr  für  die  Ansicht  von  G.  W.  Stow 
(Zuschrift  an  die  Diamond  News  vom  5.  November  1872),  es  seien  letz- 
tere metamorphisirte  Sedimente;  denn  es  müsste  die  Metamorphose  schon 
eine  vollendete  gewesen  sein,  als  sich  die  unmittelbar  aufruhenden  Schie- 
fer absetzten.  Bei  den  häufig  sehr  verwickelten  Verhältnissen  würde  aller- 
dings eine  solche  Annahme  nicht  selten  die  bequemste  Art  der  Lösung 
sein,  aber  wenn  auch  wahrscheinlich  viele  Gesteine  durch  spätere  Infiltra- 
tionen mannigfach  verändert  sind,  so  scheinen  mir  doch  erst  eingehendere 
Beobachtungen  in  einem  so  ausgedehnten  Gebiet  vorliegen  zu  müssen, 


54 


bevor  eine  definitive  Ansicht  ausgesprochen  werden  kann.  Vor  allem  sind 
jedoch  bisher  vollständig  fehlende  petrographische  Untersuchungen  abzu- 
warten. 

Der  Quarzitsandstein  liegt  entweder  direct  auf  den  „Vaalgesteinen" 
oder  auf  den  Schiefern,  fehlt  jedoch  an  vielen  Punkten  ganz.  Da  eine 
Überlagerung  nirgends  von  mir  beobachtet  wurde,  so  ist  mir  dessen  Stel- 
lung nicht  ganz  klar.  Nach  freundlichen  Mittheilungen  von  G.  W.  Stow 
wird  er  wiederum  von  Schiefern  bedeckt  und  zeigt  einen  Fall  der  Schich- 
ten, welcher  auf  muldenförmige  Lagerung  schliessen  lässt.  Ist  diese  Be- 
obachtung richtig,  so  lassen  sich  die  isolirten  Höhenzüge  von  Quarzitsand- 
stein am  unteren  Yaal  und  am  mittleren  Orange  leicht  erklären,  zwischen 
denen  es  sonst  schwierig  wäre,  einen  Zusammenhang  zu  finden.  Jeden- 
falls muss  man  annehmen,  dass  der  Sandstein  früher  von  grösserer  Ver- 
breitung gewesen  ist  und  vor  Ablagerung  der  jüngeren  Schichten  schon 
theilweise  wieder  zerstört  wurde.  Dort  wo  derselbe  fehlt,  folgen  den  Schie- 
fern dunkelgraue,  mergelige  Plattenkalke  mit  Einlagerungen  von  Nagel- 
kalk, ebenfalls  vereinzelte  grosse  Gerölle  der  „Vaalgesteine"  einschliessend. 
Diese  Sedimente  besitzen  nirgends  eine  bedeutende  Mächtigkeit  und  sind 
vorzugsweise  in  der  Nähe  des  Vaals  aufgeschlossen.  In  inniger  Beziehung 
zu  den  bisher  beschriebenen  geschichteten  Gesteinen  stehen  wahrscheinlich 
die  Hauptmassen  der  krystallinischen  Vaalgesteine,  welche  jünger  sind  als 
die  oben  erwähnten,  wenn  sie  auch,  nach  der  gleichen  petrographischen 
Ausbildung  zu  urtheilen,  wohl  derselben  grösseren  Periode  angehören. 
Ganz  klar  sind  die  Verhältnisse  der  mangelhaften  Aufschlüsse  wegen  nicht. 
Jedenfalls  habe  ich  beobachtet,  dass  „Vaalgesteine"  oberhalb  Klipdrift 
theils  Conglomerate  gangförmig  durchsetzen,  theils  Schiefer  bedecken  und 
bei  Eskdale  am  Orange  unter  und  über  mächtigen  Bänken  von  Quarzit- 
sandstein liegen.  Vielleicht  verhält  sich  ein  Theil  der  „Vaalgesteine"  zu 
den  älteren  Schiefern  und  Sandsteinen  wie  der  in  meinem  letzten  Briefe 
erwähnte  „Ironstone"  zu  den  jüngeren  der  Karooformation ,  d.  h.  bildete 
ursprünglich  intrusive  Lager,  welche  später  durch  die  Erosion  im  Vaal- 
Gebiet  entblösst  wurden.  —  Verlässt  man  den  oberen  Vaal  und  schreitet 
in  westlicher  Richtung  fort,  so  erreicht  man  ein  steil  ansteigendes  Plateau, 
welches  sich  bis  Griquastadt  hinzieht.  Dasselbe  erhebt  sich  mindestens 
1200'  über  dem  Vaal,  während  der  Steilrand  mehr  als  150  englische  Mei- 
len weit  mit  dem  Vaal-  und  Hartfluss  parallel  läuft.  Die  unteren  Schich- 
ten bestehen  aus  Mergelschiefern,  die  oberen  aus  kieseligem  Kalkstein. 
Die  Hauptschichten  des  letzteren  sind  licht  bläulichgrau  oder  dunkelgrau, 
meist  feinkrystallinisch  bis  dicht  und  führen  in  der  Nähe  von  Griquastadt 
reichlich  Nester  und  Lagen  von  Quarz,  Hornstein  oder  Chalcedon.  Wäh- 
rend die  Schiefer  und  Plattenkalke  horizontal  oder  annähernd  horizontal 
liegen,  senken  sich  die  Schichten  des  Kieselkalks  um  ein  Geringes  nach 
West-Nord-West.  Das  Plateau  ist  vom  Vaal  durch  ein  Vorland  getrennt, 
welches  mit  mächtigen  KalktufFablagerungen  und  recenten  Conglomeraten 
bedeckt  ist,  so  dass  auch  hier  die  untere  Grenze  nicht  aufgeschlossen  ist. 
Uber  diesem  Plateau  erheben  sich  bei  Griquastadt  die  Jaspisschiefer  mit 


55 


discordanter  Lagerung  und  bilden  die  Griquastadt-Hügel,  eine  Fortsetzung 
der  durch  das  schöne  Vorkommen  von  Krokydolith  bekannten  Asbestos- 
Mountains.  Die  Jaspisschiefer  sind  von  rothbrauner,  kaffebrauner  oder 
ockergelber  Farbe  und  enthalten  reichlich,  durchschnittlich  kaum  1  Milli- 
meter starke  Einlagerungen  von  Eisenglanz  und  Magneteisen,  von  welchen 
ersterer  wahrscheinlich  aus  letzterem  entstanden  ist.  Ausserdem  finden 
sich  sehr  häufig  Bänder  von  faserigem  Quarz,  1—40  Millimeter  breit,  von 
weisser  oder  gelber  Farbe,  die  Fasern  senkrecht  zur  Schieferung  stehend. 
Es  scheint,  als  ob  hier  eine  Pseudomorphose  von  Quarz  nach  Krokydolith 
vorliegt,  da  das  Auftreten  des  fasrigen  Quarzes  genau  dasselbe  ist,  wie 
das  des  Krokydoliths.  Leider  konnte  ich  die  Punkte  nicht  besuchen,  wo 
letzteres  sich  findet.  Der  Jaspisschiefer  ist  häufig  sehr  dünn  geschichtet, 
die  Lagen  sind  theils  ebenflächig,  theils  mannigfach  gekrümmt  oder  regel 
mässig  wellenförmig  gebogen.  Durch  die  feinen  Einlagerungen  von  Eisen- 
erzen entstehen  dann  sehr  zierliche  Zeichnungen.  Berücksichtigt  man  die 
Pseudomorphosen  (?)  nach  Krokydolith,  den  verschiedenartigen  Fall  der 
Schichten,  welche  sich  in  jeder  Lage  zwischen  der  horizontalen  und  ver- 
ticalen  finden,  die  mannigfachen  Faltungen,  so  ist  man  wohl  zu  der  An- 
nahme berechtigt,  den  Jaspisschiefer  für  ein  im  Laufe  der  Zeit  vollständig 
umgewandeltes  Sediment  zu  halten.  Alle  die  bisher  erwähnten  Gesteine 
mit  Ausnahme  des  Jaspisschiefers  sind  fast  überall,  wo  sie  das  Oberflächen- 
gestein bilden  mit  Kalktuff  oder  rothem  Sand  bedeckt,  ein  Umstand,  der 
die  sichere  Erkennung  der  Lagerungsverhältnisse  so  ausserordentlich  er- 
schwert. Sehr  häufig  gehen  die  Kalktuffe  in  Kalktuff-Conglomerate  über, 
welche  aus  abgerollten  Blöcken  der  meisten  der  angeführten  Gesteine  be- 
stehen, verkittet  durch  Kalktuff.  In  dem  von  Griquastadt  bis  nach  dem 
Orange  sich  erstreckenden  breiten  Thal  schwellen  sie  zu  hohen  und  aus- 
gedehnten Plateau's  mit  steilem  Abfall  an.  Wittern  die  Blöcke  aus,  so 
bedecken  sie  die  Oberfläche  oft  in  so  grosser  Menge,  dass  man  sicher 
unter  ihnen  anstehendes  Gestein  annehmen  würde,  wenn  nicht  von  Zeit  zu 
Zeit  ein  Wasserriss  Aufschluss  gewährte.  Der  Sand  variirt  etwas  an  Korn 
und  Farbe  und  enthält  häufig  mehr  oder  minder  abgerundete,  seltener 
scharfkantige  Fragmente  verschiedener  Kieselsäure-Varietäten,  deren  Ur- 
sprung zuweilen  schwierig  nachzuweisen  ist.  Ich  werde  hierauf  vielleicht 
in  einem  späteren  Briefe  zurückkommen. 

Die  im  Vorhergehenden  in  weiten  Umrissen  beschriebenen  Gesteine, 
äusserst  verschieden  von  denjenigen,  welche  die  ausgedehnten  Hochebenen 
des  Orange-Freistaates  und  des  nördlichen  Theiles  der  Cap-Colonie  bilden, 
scheinen  mir  nun  weit  ältere  Formationen,  als  die  Karooformation  zu  re- 
präsentiren.  Ich  glaube,  dass  sie  sich  an  die  Granite  und  metamorphischen 
Schiefer  anlehnen,  die  in  der  Transvaal-Republik  und  in  den  Gegenden 
nördlich  von  Karuman  so  weit  verbreitet  sein  sollen,  und  dass  sie  den 
Rand  jenes  grossen  Beckens  gebildet  haben,  in  welchem  die  Karooforma- 
tion sich  absetzte.  Dr.  Shaw  ist  geneigt,  diese  älteren  Gesteine  als  die 
ursprüngliche  Lagerstätte  der  Diamanten  anzusehen,  aus  welchen  sie  aus- 
gewittert und  in  tiefer  gelegene  Pfannen  und  Flüsse  hinabgewaschen  seien. 


56 


Diese  Ansicht  halte  ich  für  eine  irrige;  es  wird  vielmehr  das  Muttergestein 
der  Diamanten  in  weit  tiefer  gelegenen  Gesteinen  zu  suchen  sein,  welche 
in  den  von  mir  besuchten  Gegenden  wenigstens  nicht  an  die  Oberfläche 
treten. 

Griqualand-West  ist  ein  reichhaltiges  Gebiet  für  spätere  eingehende 
Untersuchungen  und  gewährt  durch  die  Mannigfaltigkeit  der  Felsarten  ein 
weit  interessanteres  Feld,  als  die  einförmigen  Hochebenen  der  Karoofor- 
mation.  Leider  erlaubte  mir  meine  beschränkte  Zeit  nur  eine  flüchtige 
Reise  durch  einen  sehr  kleinen  Bruchtheil  jener  ausgedehnten  Länder,  und 
Zeit,  sehr  viel  Zeit  ist  das  erste  Erforderniss  bei  geologischen  Unter- 
suchungen in  Süd-Afrika.  Immerhin  ist  es  mir  gelungen,  ein  ansehnliches 
Material  für  petrographische  Arbeiten  zu  sammeln. 

E.  Cohen. 


Zürich,  den  14.  Dec.  1872. 

Bei  dem  Interesse,  welches  die  Analysen  von  Glimmer- Arten  haben, 
um  endlich  zu  wahrscheinlichen  Formeln  zu  gelangen,  welche  die  Ver- 
wandtschaft in  das  richtige  Licht  stellen  sollen,  erlaube  ich  mir  darauf 
aufmerksam  zu  machen,  dass  bei  der  neuen  Species  Manganophyll, 
welche  L.  J.  Igelström  in  diesem  Jahrbuche  (1872,  S.  296)  beschrieb,  ein 
Berechnungsfehler  vorliegt,  welcher  auf  die  berechnete  Formel  Einfluss 
hat.  Es  wurde  nämlich  bei  der  Analyse  3,78  Eisenoxydul  gefunden  und 
als  berechneter  Sauerstoff  desselben  2,64  angegeben,  was  nicht  richtig  ist, 
da  3,78  Eisenoxydul  nur  0,84  Sauerstoff  enthalten.  Dadurch  wird  natür- 
lich die  weitere  Berechnung  fehlerhaft  und  eine  andere  Formel  nöthig. 
Nur  in  dem  Falle  könnte  der  Sauerstoff  der  Kieselsäure  dem  der  gesamm- 
ten  Basen  gleich  gesetzt  werden,  wenn  man  den  Glühverlust  als  Wasser 
berechnet  und  dasselbe  zu  den  Basen  zählt,  ausserdem  auch  noch  Natron 
neben  Kali  in  der  gefundenen  Menge  5,51  Alkalien  annimmt.  Wird  nur 
Kali  berechnet,  so  ergeben  die  Zahlen  der  Analyse  6,42  SiO.,,  3,75  MgO, 
0,57  CaO,  3,01  MnO,  0,52  FeO,  1,07  A1203,  0,59  K.O  und  0,89  H20  oder 
6  Si02,  7,34  HO,  1  Ah03,  0,55  K20  und  0,83  H2Ö.  Hieraus  folgt  der 
Sauerstoff  aller  Basen  =  11,72  und  könnte  durch  Natron  neben  Kali  noch 
ein  Wenig  höher  ausfallen,  um  dem  der  Kieselsäure  gleich  gesetzt  zu 
werden.  A.  Kenngott. 


Innsbruck,  den  17.  December  1872. 

Aus  dem  Glimmerschiefer  bei  Sterzing,  welcher  schon  so  viele  Mine- 
ralien lieferte,  habe  ich  von  einem  Bauern  ein  Stück  eines  thonigen  Braun- 
eisenerzes erhalten,  welches  zahlreiche  kleine  Lamellen  weissen  Glimmers 
und  Partien  eines  von  Eisenoxydhydrat  braungefärbten  Quarzes  enthält. 
Eingewachsen  sind  Oktaeder  von  Spinell,  deren  Durchmesser  1—2  Linien 
beträgt.    Die  Oktaeder  sind  combinirt  mit  einem  Triakisoktaeder ,  dessen 


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Flächen  durch  oscillirende  Combination  stark  gestreift  sind.  Es  sieht  aus 
als  wären  gleichseitige  Dreiecke,  den  Flächen  des  Oktaeders  entsprechend, 
jedes  kleiner  als  das  darunterliegende,  treppenweise  übereinandergelegt. 
Hie  und  da  lässt  sich  auch  eine  Fläche  von  ooO  erkennen.  Die  O-Flächen 
zeigen  den  lebhaftesten  Glasglanz  in  den  Diamantglanz  geneigt.  Die  Kry- 
stalle  sind  im  auffallenden  Lichte  prächtig  schwarz;  kleine  Splitter  sind 
halbdurchsichtig  bis  durchscheinend ,  von  ölgrüner  Farbe.  Reaction  auf 
Chrom  war  nicht  zu  bemerken.  Dieses  schöne  Vorkommen  ist  für  die 
Gegend  ganz  neu;  weitere  Nachforschungen  wären  jedenfalls  wünschens- 
werth. 

Adolph  Pichler. 


Würzburg,  den  22.  December  1872. 

Seitdem  ich  Sie  in  Heidelberg  gesehen,  habe  ich  meine  projectirte 
Reise  nach  Kleinkems  und  Basel  fortgesetzt  und  dort  in  Gesellschaft  von 
A.  Müller  und  Rütimeyer  sehr  angenehme  und  belehrende  Stunden  ver- 
bracht. Ebenso  kann  ich  nur  aus  bester  Überzeugung  in  das  Lob  ein- 
stimmen, welches  von  anderer  Seite  den  wissenschaftlichen  Anstalten  dar- 
gebracht worden  ist,  die  der  Fürst  von  Fürstenberg  unter  der  trefflichen 
Leitung  des  Hrn.  Geh.  Hofr.  Rehmann  zu  Donaueschingen  gegründet  hat 
und  welche  vielen  seiner  Standesgenossen  als  voranleuchtendes  Beispiel 
dienen  könnten.  So  viel  Schönes  und  Unerwartetes  ich  aber  auch  dort 
gesehen  habe,  so  fand  ich  doch  für  die  Untersuchung  der  Schwarzwälder 
Erzgänge  kein  neues  Material  und  habe  die  Gewissheit,  dazu  die  besten 
überhaupt  vorhandenen  Stücke  benutzt  zu  haben. 

Von  Donaueschingen  wurde  die  Reise  nach  Messkirch  und  Mengen 
fortgesetzt,  wo  die  Hrn.  Caplan  Dr.  Miller  und  Pfarrer  Probst  aus  Essen- 
dorf zu  mir  stiessen  und  mir  und  meinem  Begleiter,  Hrn.  v.  Gerichten 
aus  Landau  die  Profile  der  Tertiärschichten  am  Tautschbuch  und  Hoch- 
sträss  vorführten,  welche  Hr.  Dr.  Miller  (Württemb.  Jahreshefte,  1871. 
Das  Tertiär  am  Hochsträss)  absolut  naturtreu  geschildert  hat  und  welche 
die  Gliederung  des  schwäbischen  Tertiärs  völlig  klar  stellen.  Ich  besuchte 
dann  Thalfingen,  Steinheim  und  andere  wichtigere  Localitäten  der  Alb, 
sah  wiederholt  Wetzler's  schöne  Sammlung  in  Günzburg  und  schliesslich 
in  Begleitung  des  um  diese  Gegend  so  sehr  verdienten  Hrn.  Frickhinger 
die  Umgebungen  von  Nördlingen.  Da  ich  bereits  in  einem  halben  Jahre 
die  Resultate  dieser  Untersuchungen  in  meiner  Monographie  dem  Publicum 
werde  vorführen  können,  so  unterlasse  ich  heute  weitere  Mittheilungen, 
obwohl  die  paläontologische  Bearbeitung  der  von  den  erwähnten  Herrn 
gemachten  Sammlungen,  welche  mir  mit  grösster  Liberalität  anvertraut 
wurden,  fast  vollendet  ist.  Soeben  ist  endlich  der  durch  widrige  Umstände 
verzögerte  Druck  der  Abtheilung  meiner  Arbeit,  welche  das  Eocän  be- 
handelt, bis  zum  Galcaire  de  St.  Quen  beendigt,  und  wird  diese  alsbald 
ausgegeben  werden,  Oligocän  und  Untermiocän  sind  im  Manuscript  fertig 
und  werden  nicht  lange  auf  sich  Avarten  lassen. 


58 


Fortwährend  gehen  noch  reiche  Beiträge  für  Obermiocän,  Pliocän  und 
Diluvium  ein,  welche  nach  Möglichkeit  berücksichtigt  werden  sollen.  Yon 
ganz  besonderem  Interesse  ist  die  von  meinem  trefflichen  Freunde  Hrn. 
Dr.  Bleicher,  seit  kurzer  Zeit  medecin  major  in  Oran,  gesammelte  Suite 
der  Schichten  von  Montpellier,  welche  durch  Bldnoceros  megarhinus  und 
Mastodon  brevirostris  charakterisirt  werden,  ich  hätte  kaum  geglaubt, 
dass  in  so  hohem  Niveau  noch  tropische  Formen  neben  Süd-Europäern  so 
stark  vertreten  sein  würden,  als  es  in  der  That  der  Fall  ist.  Soweit  ich 
die  Fauna  bis  jetzt  kenne,  ist  sie  jener  von  Hauterive  (Drome)  am  Ähn- 
lichsten, aber  viele  dort  vorhandene  Formen,  welche  Diluvialen  ganz  nahe 
stehen,  fehlen  bei  Montpellier  und  ist  also  die  Kluft  zwischen  dieser  Ab- 
lagerung und  den  Diluvialen  weit  grösser.  Herr  Bleicher  hat  auch  Stücke 
einer  sehr  hübschen,  wie  es  scheint,  obercenomanen  Süsswasser-Bildung 
bei  Connaux  (Gard)  eingesendet,  in  welchen  ein  Paludomus  neben  Valvata 
und  Chara-Kapseln  liegt  und  der  neuen  Arten  aus  Etage  de  Rognac  und 
Calcaire  de  Provins  sind  so  viele,  dass  ich  nicht  alle  in  meine  Monogra- 
phie aufnehmen  konnte.  Die,  wie  man  glauben  möchte,  unerschöpfliche 
Gegend  von  Montpellier,  in  welcher  alle  Formationen  dicht  an  einander 
vertreten  sind,  hat  auch  sehr  schöne  devonische  Formen  geliefert,  Die 
mir  von  Hrn.  Bleicher  von  Cabrieres  zugesendeten  repräsentiren  vorzugs- 
weise das  Niveau  meines  Cypridinenschiefers  und  zwar  zwei  Abtheilungen 
desselben.  Die  unteren  Schichten  mit  verkiesten  Goniatiten,  namentlich 
G.  retrorsus  in  4  Varietäten,  von  welchen  amblylobus  vorherrscht,  führen 
noch  Bactrites  carinatus,  Orthoceras  subflexuosum,  Camarophoria  subreni- 
forrnis,  CardioJa  retrostriata  u.  s.  w.,  und  sind  völlig  ununterscheidbar  von 
den  gleichalten  Bänken  von  Weilburg,  Nehden  bei  Brilon  und  Büdesheim 
in  der  Eifel.  Eine  schwärzliche  Kalkbank  mit  Goniatiten,  Orthoceras  sub- 
flexuosam,  Gypridina  und  zahlreichen  Foraminiferen  erinnert  dagegen  leb- 
haft an  die  Kalke  von  Altenau  am  Harze  (ebenfalls  reich  an  Foramini- 
feren) und  Kirschhofen  bei  Weilburg. 

Auch  hier  tritt  wieder  jene  merkwürdige,  wiederholt  von  mir  hervor- 
gehobene Beständigkeit  der  petrographischen  und  paläontologischen  Cha- 
raktere des  Devons  zu  Tage,  die  in  den  Flaserkalken  der  Pyrenäen,  des 
Fichtelgebirgs,  Thüringer  Waldes  und  des  Rheingebiets  so  sehr  auffällt. 

Da  ich  doch  einmal  von  Oberdevon  rede,  so  will  ich  nicht  unterlassen 
anzuführen,  dass  mir  auch  oberdevonische  Arten  aus  den  Schichten  des 
Spirifer  calcarätus  und  der  Bhynclionella  cuboides  aus  dem  Arpatschai- 
Thale  (Armenien)  zugegangen  sind,  welche  mein  früherer  Zuhörer  Hr.  Dr. 
Sievers  auf  seinen  kaukasischen  Keisen  dort  gesammelt  hat.  Abich  (Ver- 
gleichende Grundzüge  der  Geologie  des  Kaukasus,  S.  78)  hat  bereits  viele 
dort  vorkommende  Brachiopoden  erwähnt  und  z.  Th.  sehr  schön  abgebil- 
det, spricht  aber  nicht  von  den  zahlreichen  Ostracoden,  die  Herr  Sievers 
einsendete,  meist  Cypridinen  (Entomis),  welche  nicht  mit  solchen  aus  dem 
Cypridinenschiefer  stimmen,  aber  auch  eine  Beyrichia.  Auch  Kichter  hat 
bereits  Ostracoden  aus  gleichem  Niveau  in  Thüringen  beschrieben  und  die 
Kluft,  welche  bisher  zwischen  der  Fauna  der  Schichten  der  Bhynchonella 


59 


cuboides,  wo  sie  als  Korallen-Facies  entwickelt  ist,  und  jener  der  Cypri- 
dinenschiefer  zu  bestehen  schien,  wird  durch  diese  Funde  immer  mehr 
überbrückt.  Auch  aus  Nassau  würde  ich  noch  manches  nicht  Uninteres- 
sante in  Bezug  auf  Devon  mitzutheilen  haben,  will  es  aber  lieber  für  spä- 
tere Zeit  aufsparen. 

Unterdessen  gehen  petrographische  und  mineralogische  Untersuchun- 
gen ihren  Gang  weiter.  Eine  grosse  Zahl  vulkanischer  Gesteine,  beson- 
ders aus  Nassau  und  der  Rhön  ist  neuerdings  geschliffen  worden  und  wer- 
den auch  die  Analysen  fortgesetzt.  Von  mineralogischen  Dingen  möchte 
die  nachträgliche  Entdeckung  von  Acanthit  in  fast  zolllangen  Individuen, 
dann  jene  von  Polybasit  neben  Sprödglaserz  von  Wolfach  Interesse  ver- 
dienen. Auch  die  s.  Z.  (Jahrb.  1869,  S.  320  f.)  von  dort  beschriebenen, 
mir  räthselhaft  gebliebenen  Pseudomorphosen  haben  sich  in  soweit  aufge- 
klärt, als  ich  mich  von  der  Identität  derselben  mit  dem  von  Breithaupt 
als  Pseudomorphose  von  Braunspath  nach  Anhydrit  aufgefassten  sächsi- 
schen Vorkommen  überzeugt  habe.  Ich  verdanke  diese  Aufklärung  Hrn. 
Professor  Weisbach,  welcher  mich  hier  besuchte. 

Von  Kobaltmineralien  ist  neuerdings  der  reguläre  Speiskobalt  von 
Bieber  und  das  rhombische  Arsenkobalteisen  von  demselben  Fundorte  von 
Hrn.  v.  Gerichten  analysirt  worden.  Specif.  Gewicht  und  Zusammensetzung 
sind  ganz  verschieden,  wie  sich  das  auch  früher  (Jahrb.  1868,  S.  403  u. 
410  f.)  für  die  analogen  Körper  von  Wittichen  herausgestellt  hatte.  Das 
Auftreten  des  rhombischen  Minerals  in  eigenthümlichen  quirlförmigen 
Zwillings-Aggregaten  veranlasst  mich,  es  mit  dem  Namen  Spathiopyrit  zu 
bezeichnen,  da  der  provisorische  Name,  rhombisches  Arsenkobalteisen, 
denn  doch  auf  die  Länge  nicht  anwendbar  ist.  Sehr  überrascht  wurde 
ich  bei  der  Untersuchung  des  schönen  weissen  Glimmers,  welcher  zwischen 
dem  dunkelen  des  Habachthaies  in  Salzburg  dünne  Zonen  bildet,  in  diesem 
einen  bedeutenden  Barytgehalt  zu  finden,  wie  ihn  s.  Z.  Oellacher  zum 
erstenmale  in  einem  Tyroler  Glimmer  nachgewiesen  hat.  Die  quantitative 
Analyse  wird  zeigen,  ob  das  schöne  rhombische  Mineral  des  Habachthals 
identisch  mit  dem  Tyroler  Barytglimmer  ist.  Der  Smaragd  und  die  schö- 
nen kleinen  braunen  Turmalme  des  Habachthaies  sitzen  meist  im  braunen 
Glimmer,  doch  auch  hier  und  da  im  weissen  oder  in  einem  grünlichen 
Glimmer  oder  Chlorit,  den  ich  noch  nicht  untersucht  habe.  Eine  Menge 
anderer  Dinge  muss  ich  liegen  lassen,  bis  meine  Monographie  beendigt 
ist,  auch  die  vielen  neuen  Beobachtungen,  welche  sich  auf  Exemtionen  im 
Sommer  und  Herbst  für  die  fränkische  Trias  ergaben.  Die  verwüstenden 
Gewitterregen  des  Juli  haben  manche  neue  Aufschlüsse  geliefert  und  be- 
sonders die  Gelegenheit  verschafft,  die  zwischen  Muschelkalk  und  dem 
Hauptsandstein  der  Lettenkohle  gelegenen  Schichten  Bank  für  Bank  zu 
studiren,  was  bisher  so  genau  auszuführen  nicht  möglich  war.  Das  ab- 
gelaufene Jahr  war  also  für  mich  reich  an  interessanten  und  belehrenden 
Erfahrungen,  und  ich  habe  nur  zu  bedauern,  dass  sie  nur  allmälich  der 
Öffentlichkeit  übergeben  werden  können. 

F.  Sandberger. 


60 


Innsbruck,  den  8.  Januar  1873. 

Der  Sphen  kommt  an  verschiedenen  Orten  Tyrols  in  Glimmerchlorit- 
oder  Hornblendeschiefern  vor.  Einen  neuen  Fundort  und  ein  neues  Mut- 
tergestein kann  ich  jetzt  angeben,  nachdem  ich  die  im  Laufe  des  Sommers 
gesammelten  Stücke  des  Granitgneisses  vom  Brenner  durchgemustert.  Es 
ist  sogenannter  Centralgneiss,  oder  wie  ich  ihn  bezeichnete:  Gneiss  des 
Phyllites.  Er  bildet  den  Kamm  des  Gebirges  zwischen  dem  Brennerpass 
und  dem  Thale  Pfitsch.  Die  Kryställchen  des  Sphen  wurden  bisher  wohl 
nur  ihrer  Kleinheit  wegen  übersehen,  obschon  sie  nicht  gar  selten  vor- 
kommen. Ich  konnte  mit  Sicherheit  die  Flächen  (23^2)  und  oP  erkennen; 
die  Krystalle  sind  wohl  flächenreicher,  man  kann  sie  jedoch  wegen  ihrer 
Zerbrechlichkeit  nicht  ausscheiden.  Sie  sind  braun,  halbdurchsichtig,  von 
lebhaftem  Glasglanz. 

Adolph  Pichler. 


Leipzig,  den  IL  Januar  1873. 

In  den  im  8.  Hefte  Ihres  Jahrbuchs  v.  1872  aufgenommenen  Beiträgen 
zur  Mikromineralogie  erwähnt  Herr  Dr.  v.  Lasaulx  S.  852  die  kleinen, 
braunen,  nadeiförmigen  Kryställchen,  welche  von  mir  in  den  Dachschiefern 
als  constantester  und  hervorragender  Bestandtheil  aufgefunden  wurden 
(Poggend.  Ann.  144,  319),  und  fügt  hinzu,  dass  er  zwar  meine  Beobach- 
tungen bestätigen,  aber  sich  der  Deutung  jener  Kryställchen  als  Horn- 
blende nicht  anschliessen  könne;  ebenso  heisst  es  S.  838,  dass  ich  die- 
selben „für  Hornblende  ansehe."  Da  es  darnach  den  Anschein  gewinnen 
muss,  als  ob  ich  diese  Gebilde  in  der  That  ohne  Weiteres  für  Hornblende 
ausgegeben  hätte,  so  sei  es  mir  vergönnt,  für  diejenigen  Leser  Ihres  Jahr- 
buchs, welchen  etwa  die  betreffende  Abhandlung  aus  Poggend.  Annal.  nicht 
zur  Hand  ist,  die  darauf  bezügliche  Stelle  mitzutheilen.  „Wenn  es  ge- 
stattet ist,  diese  Mikrolithen  mit  einem  makroskopisch  bekannten  Mineral 
zu  identificiren,  so  möchte  vielleicht  die  Annahme,  sie  gehörten  der  Horn- 
blende an,  am  nächsten  liegen ;  doch  muss  dies  vorläufig  eine  Vermuthung 
bleiben,  welche  durch  keinerlei  wesentliche  Gründe  gestützt  erscheint." 
Übrigens  finden  sich  in  der  ganzen  Abhandlung  die  Kryställchen  absicht- 
lich und  aus  guten  Gründen  niemals  als  Hornblende  bezeichnet. 

Ich  bedaure  es,  dass  die  starke  Zurückhaltung,  welche  in  den  citirten 
Ausdrücken  liegt,  doch  immer  noch  nicht  kräftig  und  deutlich  genug  ge- 
wesen ist,  um  dem  Missverständniss  des  Hrn.  Dr.  v.  Lasaulx  vorzubeugen. 

F.  Zirkel. 


Leipzig,  den  23.  Januar  1873. 

In  Ihren  freundlichen  Zeilen  vom  15.  d.  fordern  Sie  mich  unter  an- 
derem auf,  Ihnen  bald  wieder  einmal  einen  Beitrag  für  Ihr  Jahrbuch  zu 
senden.    Gestatten  Sie  mir,  Ihnen  zu  berichten,  dass  ich  seit  Ende  1871 


61 


mich  fast  lediglich  damit  beschäftigt  habe,  alles  das,  was  überhaupt  über 
die  mikroskopische  Structur  und  Zusammensetzung  der  Mineralien  und 
Felsarten  bekannt  geworden  ist  und  sich  in  sehr  zahlreichen  Abhandlun- 
gen und  Einzelwerken  zerstreut  findet,  zu  sammeln,  systematisch  zu  ver- 
arbeiten und  daraus  ein  Werk  unter  dem  Titel:  „Die  mikroskopische  Be- 
schaffenheit der  Mineralien  und  Felsarten"  zu  gestalten.  Dies  Buch  wird 
im  Frühjahr,  mit  vielen  Holzschnitten  ausgestattet,  im  Verlag  von  W. 
Engelmann  hierselbst  erscheinen.  Ich  habe  versucht,  das  vorliegende  Ma- 
terial, welches  sich  als  unvermuthet  umfangreich  herausstellt,  in  eine  lehr- 
buchsmässige  Form  zu  bringen,  da  es  sich  hier  um  einen  Zweig  unserer 
Wissenschaften  handelt,  welcher  in  der  That  mit  der  makroskopischen 
Mineralogie  und  Petrographie  vollständig  äquivalent  scheint.  Neben  den 
vorgefundenen  Ergebnissen  dürfte  ich  auch  mancherlei  noch  nicht  ver- 
öffentlichte Resultate  meiner  eigenen  letztjährigen  Studien  einflechten.  Der 
Structur  sowohl  der  Mineralien  als  der  Felsarten  ist  ein  allgemein  zu- 
sammenfassender Abschnitt  gewidmet,  der  gewissermassen  das  Destillat 
der  bisherigen  Untersuchungen  enthält.  Bei  der  speciellern  Behandlung 
der  einzelnen  Mineralien  wurde  ein  Hauptgewicht  auf  die  mikroskopische 
Kennzeichenlehre  und  Diagnostik  der  häufigem  und  namentlich  der  ge- 
steinsbildenden gelegt,  um  auch  dem  beginnenden  Forscher  eine  Anleitung 
zur  Erkennung  an  die  Hand  zu  geben.  Für  diesen  ist  auch  das  Ver- 
fahren zur  Präparation  der  Objecte  und  die  ganze  Untersuchungsmethode 
zur  Sprache  gebracht.  Ausser  der  Anatomie  wurde  auch  die  pathologische 
Histologie,  die  moleculare  Umwandlung  der  Mineralkörper  und  Gesteine 
berücksichtigt.  Mancher  könnte  vielleicht  meinen,  die  Zeit  «ur  Abfassung 
eines  solchen  Werkes  sei  noch  nicht  gekommen;  aber  schon  jetzt  haben 
sich,  Dank  der  vielen  fleissigen  Arbeiter  auf  diesem  Bereich,  die  Resultate 
so  gehäuft,  dass  selbst  dem  eingeweihten  Forscher  die  Übersicht  über  das 
nirgendwo  systematisch  verarbeitete  Material  immer  schwerer  fällt,  und 
der  Lernende  in  Verlegenheit  ist,  wo  und  wie  der  Anfang  gemacht  wer- 
den soll.  Bei  der  versuchten  Zusammenstellung  springen  die  zahlreichen 
und  bedeutenden  Lücken  unserer  Kenntnisse  in  die  Augen,  und  auch  die- 
ser stumme  Hinweis  auf  dasjenige,  was  der  Erforschung  werth  und  be- 
dürftig ist,  mag  die  Ausarbeitung  vielleicht  rechtfertigen.  Nur  ungern 
gibt  man  eine,  Arbeit  über  ein  Gebiet  aus  Händen,  worauf  noch  tausend 
Fragen  vorläufig  unerledigt  sind,  von  denen  man  noch  immer  weitere  zu 
lösen  trachten  möchte ;  wollte  man  aber  blos  dem  eigenen  Behagen  folgen^ 
so  würde  ein  solches  Unternehmen  eben  nie  fertig  werden. 

F.  Zirkel. 


Freiburg  i  B.  den  24.  Januar  1873. 

Die  Methode  der  Gesteinsuntersuchung  bei  durchfallendem  Lichte  hat 
im  Verlaufe  der  letzten  Jahre  einen  ganz  ausserordentlichen  Aufschwung 
genommen,  und  der  Gewinn^  den  die  Wissenschaft  daraus  gezogen  hat,  ist 
wahrlich  nicht  zu  unterschätzen.   Indessen  hat  sich  mir  in  demselben 


62 

Maasse,  wie  ich  selbst  gleichen  Studien  oblag  und  denen  Anderer  folgte, 
auch  die  Überzeugung  aufgedrängt,  dass  die  mikroskopische  Diagnose  der 
Gesteine  erst  dann  auf  durchaus  sicherem  Boden  stehen  kann,  wenn  wir 
eine  solche  für  die  Mineralien  haben  werden.  Ich  habe  dieser  Über- 
zeugung schon  vor  Jahren  Ausdruck  gegeben  und  die  Berechtigung  der- 
selben wird  Jedermann  anerkennen,  der  die  früheren  Arbeiten  auch  der 
bedeutendsten  Forscher  auf  diesem  Gebiete  mit  den  jüngeren  Arbeiten  der- 
selben Forscher  vergleicht.  Um  nur  ein  Beispiel  zu  geben,  weise  ich  auf 
die  Unsicherheit  hin,  mit  welcher  man  früher  der  Frage:  Augit  oder  Horn- 
blende? gegenüberstand  und  die  relative  Sicherheit,  womit  die  Entschei- 
dung heute  zu  geben  ist,  seitdem  Tschermak  auf  die  dichroitischen  Ver- 
hältnisse beider  Substanzen  aufmerksam  machte.  Die  Besorgniss,  welche 
einer  der  weitaus  bedeutendsten  mineralogischen  Mikroskopiker  vor  10 
Jahren  aussprach,  das  Mikroskop  werde  wohl  über  die  Structur,  nicht 
aber  über  die  Gemen gtheile  der  Gesteine  aufklären,  hat  sich  glück- 
licherweise rasch  genug  als  eine  unbegründete  erwiesen. 

Es  schien  mir  daher,  dass  der  Versuch  gemacht  werden  müsste ,  mit 
Benutzung  aller  der  makroskopischen  Mineralogie  zu  Gebote  stehenden 
Hülfsmittel  eine  mikroskopische  Diagnose  der  Mineralien  zu  ermöglichen. 
Ganz  besonders  aber  wurde  mir  die  Notwendigkeit  eines  solchen  Ver- 
suches fühlbar,  als  ich  in  der  Lage  war,  vor  einem  kleinen  Kreise  von 
Zuhörern  über  diesen  Gegenstand  lesen  zu  können,  eben  um  dieselben  in 
das  mikroskopische  Studium  der  Gesteine  einzuführen.  Diese  Lehrthätig- 
keit  war,  wenn  auch  nicht  die  innere  Ursache,  so  doch  die  äussere  Ver- 
anlassung dazu,  eine  „mikroskopische  Physiographie  der  für  die  Petro- 
graphie  der  gemengten  krystallinischen  Gesteine  wichtigen  Mineralien"  zur 
Veröffentlichung  durch  den  Druck  auszuarbeiten.  Dieselbe  befindet  sich 
bei  E.  Schweizerbart  (E.  Koch)  unter  der  Presse,  und  wenn  nicht  unvor- 
hergesehene Verzögerungen  in  der  Anfertigung  der  Holzschnitte  und  bei- 
gegebenen Farbentafeln  eintreten,  werde  ich  sie  bis  Ostern  der  wohlwol- 
lenden Kritik  der  Fachgenossen  empfehlen  können. 

In  einem  allgemeinen  Theile  werden  die  Methoden  besprochen,  wie 
man  die  morphologischen,  physikalischen  (besonders  optischen)  und  che- 
mischen Eigenschaften  der  Diagnose  unter  dem  Mikroskop  dienstbar  machen 
kann;  diesem  folgt  alsdann  in  einem  speciellen  Theile  die  mikroskopische 
Physiographie  der  einzelnen  Species. 

Bei  diesem  Versuche  verhehle  ich  mir  von  vornherein  nicht,  dass  Man- 
ches lückenhaft  und  mangelhaft  ausfallen  muss.  Im  Allgemeinen  mag  es 
auch  wohl  noch  zu  früh  für  eine  derartige  Arbeit  sein,  bei  welcher  man 
so  sehr  auf  vorhergehende  Specialarbeiten  angewiesen  ist;  aber  dennoch 
hoffe  ich,  zumal  den  jüngeren  Kräften,  die  eben  mit  hieher  einschlagenden 
Studien  beginnen,  ein  nicht  ganz  unwillkommenes  Hülfsbuch  zu  bieten, 
schon  auch  deshalb,  weil  ich  auf  die  genaueste  Angabe  der  betreffenden 
Literatur  allenthalben  eine  besondere  Sorgfalt  verwendet  habe.  Sollte 
nicht  auch  in  dem  alten  Spruche  „bis  dat  qui  cito  datil  eine  Art  Entschul- 
digung für  die  Unzulänglichkeit  des  Darbietens  liegen?  -  Ganz  vorzüg- 


63 


lieh  ist  es  auch  mein  Bestreben  gewesen,  in  dem  allgemeinen  Theile  die 
optischen  Eigenschaften  und  Untersuchungsmethoden,  soweit  sie  sich  auf 
das  Mikroskop  übertragen  lassen,  in  übersichtlicher  und  anschaulicher 
Weise  zu  behandeln  und  darzustellen;  —  und  gerade  auf  diesem  Gebiete 
pflegt  der  Anfänger  die  meisten  Schwierigkeiten,  der  Geübtere  die  schön- 
sten Erfolge  zu  finden. 

H.  Rosenbusch. 


ß.    Mittheilungen  an  Professor  H.  B.  Geinitz. 

Cambridge,  Massachusetts,  den  10.  December  1872. 

Seit  meiner  Rückkehr  nach  Amerika  habe  ich  an  einer  zweiten  Aus- 
gabe meines  Versuches  einer  geologischen  Kartenskizze  der  Erde  und 
ebenso  an  einer  geologischen  Karte  der  Vereinigten  Staaten  und  von  Ca- 
nada  gearbeitet.  Diese  zwei  Karten,  deren  eine  8  Blätter  und  die  andere 
4  Blätter  umfasst,  schreiten  so  weit  vor,  dass  ich  hoffe,  sie  im  nächsten 
März  beendet  zu  haben,  um  sie  zur  Ausstellung  nach  Wien  schicken  zu 
können,  wie  ich  Herrn  Director  v.  Hauer  versprochen  habe. 

Agassiz  ist  von  seiner  Reise  wohlerhalten  zurückgekehrt  und  hat  unter 
anderen  auch  Fossilien  von  der  Magellanstrasse  mitgebracht,  die  jedoch 
noch  nicht  ausgepackt  sind. 

Eine  grosse  militärische  Expedition  von  800  Soldaten  unter  dem  Be- 
fehl meines  Freundes  General  Stanley  hat  die  Ingenieure  begleitet,  welche 
beauftragt  waren,  Pläne  für  die  nördliche  Pacific-Eisenbahn  aufzustellen; 
sie  haben  das  Land  zwischen  dem  Missouri  und  Yellowstone  river  erforscht 
und  der  General  hat  mir  eine  Kiste  der  während  dieser  Reise  gesammel- 
ten Fossilien  überschickt.  Die  merkwürdigste  Localität  ist  am  Ufer  des 
Cabin  creek,  eines  Nebenflusses  des  Yellowstone  river,  wo  zahlreiche  cre- 
tacische  Fossilien  vorkommen.  Ich  erhielt  von  dort:  Nautilus,  Ammonites, 
Scapliites,  Baculites  und  Inoceramus ,  deren  Schale  noch  ebenso  gut  er- 
halten ist,  wie  bei  den  jurassischen  Fossilien  von  Moskau. 

Jules  Marcou. 


Wetzikon-Zürich,  den  13.  December  1872. 

Ich  habe  dieses  Jahr  meiner  Lieblingsarbeit  auf  den  Pfahlbauten  so 
viel  es  die  Zeit  und  das  Wetter  erlaubte,  bestmöglichst  obgelegen.  So 
fand  ich  auch  wieder  sehr  seltene  Gegenstände,  z.  B.  ganze  Töpfe  von 
5—6  Maass  Inhalt,  prächtige  Werkzeuge  u.  s.  w. ,  wie  ich  denn  in  allen 
Pfahlbaugegenständen  gegenwärtig  gut  assortirt  bin.  Ich  sehne  mich  wie- 
der nach  der  besseren  Jahreszeit,  um  meine  Arbeit  wieder  aufnehmen  zu 
können. 

Jacob  Messikommer, 
Antiquar. 


64 


Freiberg,  den  3.  Januar  1873. 
Arsenkupfer  von  Zwickau. 

Vor  einigen  Monaten  erhielt  ich  durch  Herrn  Bergdirector  Menzel  in 
Zwickau  einige  Stücke  des  sogenannten  Thonsteinporphyrs  zugeschickt, 
der  im  dortigen  unteren  Rothliegenden  eine  mehrere  Meter  mächtige  Schicht 
bildet.  Gedachter  Porphyr  ist  derselbe,  in  welchem  schon  zu  wiederholten 
Malen  Bleche  gediegenen  Kupfers  vorgekommen  sind. 

Die  mir  zugeschickten  Stücke  des  Porphyrs  Hessen  nun  eingewachsene 
Massen  eines  metallglänzenden  grauen  Minerals  erkennen,  welches  dem 
Ansehen  nach  etwa  für  Kupferglanz  oder  Fahlerz  gehalten  werden  konnte; 
doch  erschien  es  nach  Untersuchung  mit  dem  Messer  für  Kupferglanz  ent- 
schieden zu  hart  und  für  Fahlerz  zeigte  es  zu  viel  Neigung  in's  Milde. 
Diese  Wahrnehmung  veranlasste  mich,  meinen  Collegen,  Herrn  Prof.  Th. 
Richter  zu  bitten,  eine  Probe  vor  dem  Löthrohr  zu  untersuchen,  welche 
Untersuchung  zu  der  Überzeugung  führte,  dass  man  es  mit  Arsenkupfer 
zu  thun  habe  und  zwar,  wie  eine  quantitative  Analyse  lehrte,  mit  dem 
Domeykit,  der  nach  der  Formel  Cu;tAs  zusammengesetzt  ist  und  ihr 
entsprechend  enthält 

71,7  Kupfer 
28,3  Arsen. 

Da  die  verschiedenen  Arten  des  natürlichen  Arsenkupfers  bis  jetzt 
nur  in  England  und  Amerika  gefunden  worden  sind,  so  ist  dieses  neue 
Vorkommen  somit  als  das  erste  auf  dem  europäischen  Continent  bekannt 
gewordene  zu  bezeichnen. 

Das  Zwickauer  Arsenkupfer  weicht  übrigens  in  einigen  Stücken  von 
dem  ächten  chilenischen  ab,  und  desshalb  erlaube  ich  mir,  die  Charakte- 
ristik desselben  in  dem  Folgenden  mitzutheilen. 

Glanz:  metallisch,  im  Strich  lebhafter. 

Farbe:  stahlgrau;  oberflächlich  auch  broncegelb,  messinggelb,  stahl- 
blau und  eisenschwarz  und  ebenso  auf  frischen  Bruchflächen  anlaufend. 
Strich:  schwarzgrau. 
Härte:  5  (Apatithärte). 

Gewicht:  6,81—6,91;  im  Mittel  von  drei  Wägungen  6,84  bei  20°  C. 

Tenacität :  spröd,  doch  mit  entschiedener  Neigung  zum  Milden,  indem 
nicht  nur  beim  Pulverisiren  im  Achatmörser  einzelne  glänzende,  dünne 
Blättchen  entstehen,  sondern  auch  diese  durch  Hämmern  auf  dem  Ambos 
sich  noch  stärker  ausplatten  lassen. 

Bis  jetzt  kennt  man  vom  Zwickauer  Arsenkupfer  nur  derbe  und  ein- 
gesprengte Massen  dichten  oder  sehr  feinkörnigen  Bruches,  welche  bei 
guter  Beleuchtung  eine  entschiedene  Anlage  zur  Spaltbarkeit,  also  Kry- 
stallinität  erkennen  lassen.  Rings  um  einen  Arsenkupfer-Einsprengling  ist 
das  sonst  theils  chocoladebraune ,  theils  lavendelblaue  Gestein  bis  zum 
Röthlichweiss  gebleicht,  gerade  so,  wie  es  vom  gediegenen  Kupfer  von 
ebendort  genugsam  bekannt. 

Die  Fundstätte  selbst  liegt  im  Gebiet  des  Steinkohlenwerks  Brücken- 
berg am  rechten  Muldenufer,  unweit  Zwickau.    Der  Thonsteinporphyr  ist 


65 


liier  reichlich,  4  Meter  mächtig  und  wurde  1872  beim  Absinken  des  Julius- 
schachtes in  einer  Teufe  von  416  Metern  angefahren. 

Was  endlich  die  erwähnten  Abweichungen  des  Zwickauer  Domeykit 
vom  chilenischen  betrifft,  so  beziehen  sich  dieselben  namentlich  auf  Farbe 
und  H*ärte,  indem  für  den  letzteren  zinnweisse  Farbe  und  ein  zwischen 
Kalkspath  und  Flussspath  stehender  Härtegrad  angegeben  wird  (siehe 
Zincken  1837  und  Domeyko  1843). 

Worin  diese  Verschiedenheiten  begründet,  vermag  ich  nicht  zu  sagen, 
doch  steht  soviel  nach  Prof.  Rjchter's  Untersuchungen  fest,  dass  andere 
Stoffe  als  Arsen  und  Kupfer  nicht  im  Zwickauer  Erze  enthalten  sind ;  so 
ist  insbesondere  von  Eisen  kaum  eine  Spur  vorhanden. 

A.  Weisbach. 


Zürich,  den  22.  Januar  1873. 

Es  ist  Ihnen  wohl  schon  bekannt,  dass  Nordenskiöld  im  letzten  Herbst 
wieder  eine  schöne  Entdeckung  gemacht  hat,  indem  er  im  Eisfiord  Spitz- 
bergens in  einem  tieferen  Horizonte,  als  die  miocänen  Schiefer,  eine  ziem- 
lich reiche  Flora  entdeckt  hat,  die,  wie  er  glaubt,  zur  Kreide  gehört.  Zur 
Zeit  habe  ich  sie  aber  noch  nicht  untersuchen  können.  Auch  in  Grönland 
wurde  letzten  Sommer  wieder  viel  gesammelt,  so  dass  die  arktische  fossile 
Flora  immer  mehr  an  Bedeutung  gewinnen  wird. 

Oswald  Heer. 


Jahrbuch  1873. 


5 


Neue  Literatur. 


Die  Redaktoren  melden  den  Empfang  an  sie  eingesendeter  Schriften  durch  ein  deren  Titel 

beigesetztes  *.) 

A.  Bücher. 

1872. 

*  J.  Barrande:   Crustaces  divers  et  Poissons  des  depöts  süuriens  de  la 

Boheme.    Praque  et  Paris.    8°.  127. 

*  J.  Barrande  :  Systeme  Silurien  du  Centre  de  la  Boheme.    Schreiben  von 

W.  v.  Haidinger  an  Ed.  Döll.  (Sep.-Aßdr.  aus  der  „Realschule" 
No.  4  u.  5.)  8°. 

*  Al.  Brandt:  über  ein  grosses  fossiles  Vogelei  aus  der  Umgegend  von 

Cherson.  (Met.  biolog.  du  Bull,  de  VAc.  imp.  des  sc.  de  St.  Peters- 
burg, T.  VIII.) 

*  0.  Feistmantel  :  über  Pflanzenreste  aus  dem  Steinkohlenbecken  von 

Merklin.    (Verh.  d.  k.  b.  Ges.  d  Wiss.    Prag.    8°.    15  S.) 

*  A.  Fric  :  über  Palaemon  exul,  eine  neue  Crustacee  aus  dem  Polirschiefer 

von  Kutschlin  bei  Bilin  in  Böhmen.  (Verh.  der  k.  b.  Ges.  d.  Wiss.) 
Prag.    8°.    3  S. 

*  Göppert:  über  das  Verhältniss  der  Pflanzenwelt  zu  der  gegenwärtigen 

Witterung.    (Breslau,  11.  Dec.)    8°.    4  S. 

*  Art.  Issel  :  Gli  esperimenti  vulcanici  del  Prof.  Govini.    Genova.  8°. 

25  p. 

*  v.  Könen  :  über  die  Phosphorite  der  Magdeburger  Gegend.  (Sitzb.  d.  Ges. 

z.  Bef.  d.  ges.  Naturw.  zu  Marburg.    No.  10.) 

*  Xi.  G.  de  Köninck  :  Nouvelles  recherches  sur  les  animaux  fossiles  du  ter- 

rain  carbonifere  de  la  Belgique.  I.  partie.  Bruxelles.  4°.  178  p., 
15  PI. 

*  Fr.Marenzi:  Fragmente  über  Geologie  oder  die  Einsturzhypothese.  Fünfte 

Aufl.    Erster  Theil.    Triest.    8°.    S.  188. 

*  The  Ov  erland  Monthly  devoted  to  the  Development  of  the  Country. 

San  Francisco.    8°.    Vol.  9.   No.  2  u.  3. 


67 


W.  K.  Parker  a.  T.  R.  Jones:  on  Nomenclature  of  the  Foraminifera. 
(Ann.  a.  Mag.  of  Nat.  Hist.  vols.  9  a.  10. 

F.  A.  Quenstedt:  Petrefactenkunde  Deutschlands.  I.  3.  Bd.  Echino- 
dermen.    1.  Hft.   Leipzig.  8°.    112  S.    Taf.  62—65. 

Ramsay:  the  physical  geology  and  geography  of  Great  Britain.  With  a 
geological  map  printed  in  colours.    London.    8°.    Pg.  349. 

E.  Reichardt:  wie  muss  ein  gutes  Trinkwasser  beschaffen  sein?  Jena, 
Oct.   8°.    10  S. 

W.  Reiss  y  A.  Stübel:  Alturas  tomadas  en  la  republica  de  Columbia  en 

los  mos  de  1868  y  1869.    Quito,    gr.  8°.    Pg.  29. 
R.  Richter:  Pro  memoria.    Saalfeld.    15  S. 

A.  Sadebeck:  über  Fahlerz  und  seine  regelmässigen  Verwachsungen.  Mit 
4  Taf.  (Abdr.  a.  d.  Zeitschr.  d.  Deutsch,  geolog.  Gesellsch.  S.  427 
-464.) 

M.  Fr.  Schmidt:  über  die  neue  Gattung  Lopatinia  u.  ein.  and.  Petre- 
facten  aus  den  mesozoischen  Schichten  am  unteren  Jenissei.  St.  Pe- 
tersburg. 8°. 

R.  Senfter:  zur  Kenntniss  des  Diabases,  insbesondere  des  Nassauischen. 

Inaug.-Dissert.    Frankfurt  a.  M.    8°.    S.  55. 
Ferd.  Stoliczka:  Palaeontologia  Indica,  Cretaceous  Fauna  of  Southern 

India,  Vol.  IV,  1.    The  Brachiopoda.    Calcutta.    4°.    32  p.    7  PI. 

1873. 

*  Fr.  Hessenberg:  Mineralogische  Notizen.  No.  11.    (Zehnte  Fort- 

setzung.) Mit  3  Tf.  (Aus  den  Abhandlungen  der  SENCKENBERG'schen 
Naturforschenden  Gesellschaft  in  Frankfurt  a  M.  Bd.  VIII.  4°.  S.  35. 

*  Edw.  Hüll  :  The  Coal-Fields  of  Great  Britain,  their  History,  Structure 

and  Besources ,  with  Notices  of  the  Coal-Fields  of  other  Parts  of  the 
ivorld.    London.    8°.    499  p.  with  Maps  and  Illustrations. 
C.  S.  v.  Innstädten:  allgemeine  Orographie.    Die  Lehre  von  den  Relief- 
Formen  der  Erdoberfläche.    Mit  57  Holzschnitten.  Wien.  8°.  S.  254. 

*  A.  Knop:  Studien  über  Stoffwandelungen  im  Mineralreich,  besonders  in 

Kalk-  und  Amphibol-Gesteinen.    Mit  5  Tf.    Leipzig.    8°.    S.  144. 

G.  Leonhard:  Grundzüge  der  Geognosie  und  Geologie.  3.  Auflage.  1.  Lief. 
Leipzig  u.  Heidelberg.    8°.    144  S. 

*  Karl  Mayer:  Systematisches  Verzeichniss  der  Versteinerungen  des  Hel- 

vetian  der  Schweiz  und  Schwabens.    Zürich.    4°.    35  S. 

B.  Zeitschriften. 

1)   Sitzungs-Berichte  der  Kais.  Akad.  der  Wissenschaften. 

Wien.    8°.    [Jb.  1872,  941.] 

1871,  LXIV,  1  u.  2;  S.  281. 
Simonowitsch  :  über  einige  Asteroiden  der  rheinischen  Grauwacke  (mit  3 

Tf.):  71—123. 


68 


Schraüf:  Mineralogische  Beobachtungen  III.    (Mit  4  Tf.):  123—206. 

v.  Reuss:  vorläufige  Notiz  über  zwei  neue  Foraminiferen-Gattungen :  277-281. 


2)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Wien. 
8°.    [Jb.  1872,  942.] 

1872,  No.  15.    (Sitzg.  am  19.  Nov.)    S.  303—322. 
Jahresbericht  des  Directors  Fr.  v.  Hauer:  303—313. 

Eingesendete  Mittheilungen. 
A.  Pelz:  aus  der  europäischen  Türkei:  313—314. 

Vorträge. 

E.  v.  Mojsisovics:  über  die  Entdeckung  von  Ammoniten  in  der  carboni- 
schen Formation  Indiens:  314—316. 
G.  Stäche:  über  neue  Characeen-Reste  aus  der  oberen  Abtheilung  der  li- 

burnischen  Stufe  bei  Pisino  in  Istrien:  316—317. 
Literaturnotizen  u.  s.  w.:  317—322. 

1872,  No.  16  (Sitzung  am  3.  Dec).    S.  323—338. 
Vorträge. 

G.  Stäche:  über  die  Graptolithen  der  schwarzen  Kieselschiefer  am  Oster- 
nig zwischen  Gailthal  und  Fellathal  in  Kärnthen:  323. 
E.  Tietze:  Notiz  vom  Sulzberge  bei  Kaltenleutgeben:  324—325. 
—    —    Bemerkung  über  die  Kalke  von  Saybusck  in  Galizien:  325—326. 
K.  Paul:  geologische  Notiz  aus  Bosnien:  326 — 329. 
Einsendungen  für  die  Bibliothek  u.  s.  w.;  329—338. 


3)    J.  C.  Poggendorff:  Annalen  der  Physik  und  Chemie.  Leipzig 
8°.    [Jb.  1872,  942.] 

1872,  No.  11,  CXLVH,  S.  321—480. 
Meteorstein-Fall  im  Deport.  Loire  et  Cher:  480. 

1872,  No.  12,  CXLVn,  S.  481—635. 
Keusch:  zur  Lehre  von  den  Krystall-Zwillingen:  569-  590. 
J.  Müller:  über  die  optischen  Eigenschaften  des  Gletschereises:  624-627. 


4)    H.  Kolbe:  Journal  für  pr  actis  che  Chemie.    (Neue  Folge.) 
Leipzig.    8'.  [Jb.  1872,  943.] 

1872,  VI,  No.  14  u.  15,  S.  145—240. 
Th.  Petersen:  Untersuchungen  über  die  Grünsteine:  197—227. 
R.  Senfter:  zur  Kenntniss  des  Diabases:  227—240. 

1872,  VI,  No.  16,  S.  241—288. 
R.  Senfter:  zur  Kenntniss  des  Diabases  (Schluss):  241—256. 


69 


5)  Verhandlungen  des  naturhistoris chen  Vereins  derPreus- 
sischen  Rheinlande  und  Westphalens.  Herausgegeben  von 
C.  A.  Andrae.   Bonn.    8°.    [Jb.  1871,  925.] 

1871,  XXVIII,  1—2.  Abhandl.  S.  1-263.  Corr.-BL:  1-124.  Sitz.- 
Ber.  1—156. 

Abhandlungen.' 

Sp.  Simonowitsch  :  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Bryozoen  des  Essener  Grün- 
saades  (mit  Tf.  I— IV):  1—71. 

R.  Bluhme:  über  die  Brunnenwasser  der  Unigegend  von  Bonn:  233—256. 

H.  Heymann  :  Beobachtungen  von  Grundwasser-Bewegungen  in  den  wasser- 
durchlassenden Schichten  des  Rheinthaies  bei  Bonn  (mit  Tf.  V— VIII): 
256—263. 

Correspondenzblatt. 
Angelegenheiten  der  Gesellschaft:  1—8;  Nekrologe  von  Wirtgen  und  von 
W.  Haidinger:  8—22:  L.  Erkmann:  über  Erdbeben:  22—24.  Bericht 
über  die  28.  General- Versammlung  des  Vereins  zu  Witten  a.  d.  Ruhr ; 
v.  der  Marck:  über  fossile  Coccolithen  und  Orbulinen  der  oberen 
Kreide  in  Westphalen :  60 — 63 ;  Gallus  :  über  das  Galmei- Vorkommen 
im  Gebiet  des  Elberfelder  Kalkdistrictes :  63—65.  G.  vom  Rath:  über 
die  letzte  Eruption  des  Vesuvs  und  über  Erdbeben  zu  Cosenza:  66 — 
81.  H.  v.  Dechen:  über  die  Höhlen  in  Rheinland- Westphalen :  81— 
88.  Nöggerath  :  über  Kupfererze  von  Corrorero  in  Peru-Bolivia ;  über 
Weissbleierz  von  Ibbenbühren  in  Westphalen :  88 — 89.  Schlüter  :  über 
westphälische  Kreide-Ammoniten :  91.  G.  vom  Rath:  über  den  Meteo- 
riten von  Ibbenbühren :  95.  Zirkel  :  über  die  mikroskopische  Zusam- 
mensetzung des  gewöhnlichen  Dachschiefers  und  Thonschiefers:  95 
—96.  Mohr:  über  die  Oberflächen-Bildung  der  Schweiz:  96—99.  H. 
v.  Dechen:  über  die  Ausgrabungen  in  der  Höhle  bei  Balve:  99—112. 
Sitzungs-Berichte. 

G.  vom  Rath:  über  Eisenkies-Krystalle  von  Chichiliana :  10—11;  über  den 
Feldspath  von  Bolton  und  den  Oligoklas  in  den  Laven  von  Mayen  und 
Niedermendig:  16  —  17.  Weiss:  über  Globulite  und  Longulite :  17.  G. 
vom  Rath:  über  einen  Zwillings-Kry stall  von  Zinkoxyd;  über  Gerlach's 
Werk  „die  Penninischen  Alpen:  17—18.  Weiss:  über  Pflanzen- Ver- 
steinerungen aus  einem  Kalkstein  Oberschlesiens:  18—19.  Weiss: 
paläontologisch  -  geognostische  Untersuchungen  des  Gebirges  auf  der 
Südseite  des  rheinischen  Devons:  33 — 37.  Schlüter:  über  das  Ver- 
hältniss  des  Ammonites  Guadalupae  Rom.  zum  Am.  Orbignyanus  Gein. 
und  Am.  bidorsatus  A.  Rom.:  37—39.  A.  v.  Lasaulx:  über  ein  von 
Dickert  angefertigtes  geologisches  Relief  des  Mont  Dore:  42—46. 
Bluhme:  rheinische  Dachschieferstücke  mit  eigenthümlichen  Erhaben- 
heiten: 53—54.  G.  vom  Rath:  über  die  chemische  Constitution  und 
Krystallform  der  Kalknatron-Feldspathe :  78—80.  Schlüter:  über  die 
senonen  Cephalopoden  von  Lüneburg  und  über  Aptychoäon  cretaceus 
im  Grünsand  Westphalen's :  84 — 89.  H.  v.  Dechen:  über  ein  errati- 
sches Granitstück  von  Wullen  in  Westphalen :  89.  G,  vom  Rath:  über 


70 


die  letzte  Eruption  des  Vesuv  und  ein  Modell  des  Meteorsteins  von 
Ibbenbühren;  über  die  von  Nordenskiöld  mitgebrachten  Meteoreisen- 
Massen  von  Grönland:  über  Krystalle  von  Blödit  und  über  Alloplian 
von  Dehrn:  127 — 129.  A.  v.  Lasaulx:  über  Dünnschliffe  aus  dem 
Atelier  von  Voigt  und  Hochgesang  in  Göttingen:  129.  G.  vom  Rath: 
über  Formen  des  Humit,  Gadolinit  und  Astrakanit:  131.  Weiss:  über 
ein  Zeolith- Vorkommen  im  Basalt  des  Limperichkopfes  bei  Asbach: 
132.  A.  v.  Lasaulx:  über  sog.  Krystallite  in  natürlichen  und  künst- 
lichen Gläsern  und  in  vulkanischen  Gesteinen:  142.  G.  vom  Rath: 
über  die  mineralogische  und  chemische  Constitution  des  am  17.  Juni 
1870  in  der  Gegend  von  Ibbenbühren  gefallenen  Meteorsteins:  142  — 
147.  Weiss:  über  Quarz-Krystalle  aus  dem  Wallithale  bei  Biel  in 
Oberwallis:  149.  G.  vom  Rath:  über  Krystallsystem  und  die  Zwillings- 
Gesetze  des  Anorthits:  150  —  151.  A.  v.  Lasaulx:  über  die  Schrift 
von  E.  Cohen:  die  zur  Dyas  gehörigen  Gesteine  des  Oden waldes;  Un- 
tersuchungen über  die  umgewandelten  Kohlen  des  Meissners:  151 — 
152.  Weiss:  über  eine  bei  Hillesheim  in  der  Eifel  gefundene  Pfeil- 
spitze und  über  seine  fossile  Flora  der  jüngeren  Steinkohlen-Forma- 
tion und  des  Rothliegenden  im  Saar-Rheingebiete:  152 — 153. 


6)    Sitzungs-Berichte  der  naturwissenschaftlichen  Gesell- 
schaft Isis  in  Dresden.    [Jb.  1872,  869.] 
1872,  No.  7—9,  S.  97—135.    Taf.  1. 

A.  Engelmann  :  Vorkommen  des  gediegenen  Silbers  bei  Palomares  de  Vera 
in  Spanien:  97. 

Hilgendorf:  Bhinoceros  tichorMnus  im  diluvialen  Kies  bei  Reisewitz  un- 
weit Dresden:  97. 

Geinitz:  Fortschritte  in  der  Bearbeitung  des  „Elbthalgebirges  in  Sach- 
sen": 98. 

A.  v.  Reuss:  über  die  Foraminiferen  und  Bryozoen  aus  dem  mitt- 
leren und  oberen  Pläner  des  Elbthales:  99. 

Engelhardt:  über  den  Kalktuff  von  Robschiitz:  104. 

G.  Klemm:  über  den  Burgwall  von  Coschütz  bei  Dresden:  110  mit  Abbil- 
dung. 

Hartig:  Naturwissenschaftliche  Betrachtungen  über  einige  Werkzeug- 
formen: 123. 

Geinitz:  Paläontologische  Mittheilungen  aus  dem  Mineralogischen  Museum 
in  Dresden :  125  mit  Tafel.  (Calamiten-artiger  Körper  in  dem  Knoten- 
schiefer von  Weesenstein ;  die  älteste  Muschel  in  der  Ober-Lausitz ; 
fossile  Myriapoden  in  dem  Rothliegenden  bei  Chemnitz.) 


71 


7)    W.  Dunker  und  K.  A.  Zittel:  Palaeonto  gr  aphica. 
[Jb.  1872,  641.] 

20.  Bd.  5.  Lief.    Cassel,  Sept.  1872. 
Gelnitz:  das  Elbthalgebirge  in  Sachsen.  Der  untere  Quader.  V.  Brachio- 
poden  und  Pelecypoden.    S.  145—207.    Taf.  34—45. 

20.  Bd.,  2.  Abth.,  2.  Lief.    Cassel.   December  1872. 
Gelnitz:  das  Elbthalgebirge  in  Sachsen.    Der  mittlere  und  obere  Quader, 
n.  Brachiopoden  und  Pelecypoden.    S.  21—52.    Taf.  7—13. 


8)    Leopoldina.   Amtliches  Organ  der  Kais.  Leopoldino-Ca- 
rolinischen  deutschen  Akademie  der  Naturforscher. 
Dresden.    4°.    [Jb.  1872,  641.] 

Heft  ¥11.    1872.    No.  13—15. 

Zur  Gründungsgeschichte  der  Versammlungen  deutscher  Naturforscher  und 
Ärzte:  103. 

Washingtoner  Meteorologische  Berichte:  109. 

Heft  VIII.    1872.    No.  1-3. 
Die  45.  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Ärzte  in  Leipzig  1872: 
3.  13—24. 


9)  Abhandlungen  der  schlesischen  Gesellschaft  für  vater- 
ländische Cultur.  Philosophisch  histor.  Abtheilung.  1871.  Bres- 
lau, 1871.    8°.    77  S.    [Jb.  1871,  400.] 

J.  Eutzen:  das  südwestliche  Gebiet  der  Grafschaft  Glatz  oder  das  Gebiet 
des  Habelschwerdter  Gebirges:  67. 


10)  Neunundvierzigster  Jahresbericht  der  schlesischen  Ge- 
sellschaft für  vaterländische  Cultur.  Breslau,  1871.  8°.  356  S. 
[Jb.  1872,  213.] 

J.  Müller:  über  Veränderungen  des  Trinkwassers:  29. 

Websky:  über  Vorkommen  eines  Fahlerzes  im  Zechstein  bei  Kassel:  32. 

CarstIdt:  über  das  mechanische  Wärme-Äquivalent:  32. 

Runge  :  über  das  am  22.  März  bei  Inowraciaw  im  Reg.-Bez.  Bromberg  er- 
bohrte Steinsalzlager:  37. 

Römer:  über  die  Auffindung  eines  jurassischen  Diluvial-Geschiebes  bei 
Strehlen,  S.  von  Breslau:  41;  über  ein  Exemplar  von  Receptaculites 
bei  Rothwaltersdorf:  42;  über  den  Jura  von  Bartin  unweit  Colberg: 
43 ;  über  Auffindung  unterdevonischer  Grauwacken  bei  Niewachöy :  44. 

Grube:  über  die  Fauna  des  Baikalsees:  47. 

Göppert:  über  Einwirkung  der  Kälte  auf  die  Vegetation:  59;  zur  Erinne- 
rung an  Linne  :  68. 

G.  Stenzel:  über  fossile  Palmenhölzer :  71;  Nekrolog  des  Professor  Milde: 
100. 


72 


11)  Jahrbücher  des  Nassauischen  Vereins  für  Naturkunde. 
Jahrg.  XXV  u.  XXVI.  Wiesbaden,  1871  u.  1872.  8°.  496  S.  10  Taf. 
[Jb.  1870,  619.] 

W.  Kobelt:  Fauna  der  Nassauischen  Mollusken:  1;  mit  9  Taf. 
E.  Fresenius:  Analyse  der  Victoria-Quelle  in  Bad  Ems:  347. 
Analyse  der  Kömer-Quelle  in  Bad  Ems:  361. 
C.  L.  Kirschbaum:  über  sogen.  Sternschnuppengallerte :  441. 


12)  Bulletin  de  la  Societe  Imp.  des  Natur  allstes  de  Moscoii. 

Mose.    8°.    [Jb.  1872,  870.] 

1872,  2;  XLV,  p.  225—449. 
K.  Hermann:  fortgesetzte  Untersuchungen  über  die  Verbindungen  von  II- 

menium  und  Niobium  sowie  über  die  Zusammensetzung  der  Niob- 

Mineralien:  225—265. 


13)  L 'Institut.  I.  Sect.  Sciences  matliematiques,  physiques  et  naturelles. 

Paris.    4°.    [Jb.  1872,  944.] 

1872,  9.  Oct.— 13.  Nov.;  No.  1980—1985;  p.  321— 368. 
Vogelgesang:  krystallogenetische  Studien  über  den  kohlensauren  Kalk: 

327—328;  334—335. 
Van  Beneden:  über  fossile  Balaena- Arten :  333—334;  339—341. 
Filhol  :  über  die  fossilen  Reste  der  Hyaena  spelaea,  welche  in  der  Höhle 

von  Lherm  (Ariege)  aufgefunden  wurden:  354—355. 


14)  Bulletin  de  la  Societe  geologique  de  France.  [?]  Paris.  8°. 
[Jb.  1872,  943.] 

1872,  No.  6,  XXIX,  p.  385—480. 

E.  Jourdy:  Orographie  des  Doler-Jura  (pl.  II):  385—392. 
P.  Gervais:  fossile  Säugethiere  aus  den  Dep.  Tarn-et-Garonne  und  du  Lot: 
392—393. 

Ed.  Hebert:  über  die  Kreide-Formation  im  s.  Frankreich:  393—415. 

de  Verneuil:  über  die  letzte  Eruption  des  Vesuv:  415—421. 

G.  Fabre  :  Beobachtungen  über  die  obere  permische  Formation  des  Dep. 
l'Aveyron:  421—425. 

—  —  Ausdehnung  der  Jura-Formation  auf  dem  Plateau  der  Lozere  zwi- 
schen Mende  und  Langogne:  425—427. 

Tardt:  die  grünen  Gesteine  der  Gegend  von  Spezzia:  427—431. 

Em.  Chelloneix:  über  die  Kreide  vom  Cap  Blanc-Nez:  431—440. 

Levallois:  Notiz  über  die  Correlation  geologischer  und  agronomischer 
Karten:  440—446. 

Ed.  Hebert:  Undulationen  der  Kreide  im  Pariser  Becken  (pl.  IV):  446 
-472. 


73 


H.  Dodvjlle:  über  eine  Verwerfimg  bei  Vernon  (pl.  III):  472 — 478. 
Benoit:  Bemerkungen  dazu:  478 — 479. 

Tournoüer  :  über  mehrere  bei  Ferte-Aleps  aufgefundene  Zähne  von  Verte- 
braten:  479—480. 


15)  Comptes  rendus  hebdomadaires  des  seances  de  l'Academie 

des  sciences.    Paris.    4°.    [Jb.  1872,  943.] 

1872,  28.  Oct.  — 2.  Dec;  No.  18—23;  p.  973—1564. 
Ch.  Grad:  über  das  Quartär-Gebiet  der  Sahara:  1033—1036. 
Foüqtte:  neue  Methode  der  Gesteins-Analyse  und  deren  Anwendung  auf 

die  Laven  von  Santorin:  1089—1092. 
Renault  und  Grand'  Eury:  über  Dictyoxylon  und  seine  Charakteristik: 

1197—1198. 

Pisani:  über  ein  neues  Amalgam  von  Kongsberg:  1274 — 1275. 

Gaudry:  über  einen  durch  Pinard  in  Alaska  aufgefundenen  Zahn  von  Ele- 

phas  primigenius:  1281 — 1283. 
Pisani:  über  ein  neues,  Mangan-  und  Vanadin-haltiges  Thonerdesilicat  von s 

Salm-Chateau  in  Belgien:  1542 — 1544. 
Bleicher:  über  den  oberen  Jura  des  Dep.  de  l'Herault:  1544—1547. 
Stan.  Meunier:  Analyse  des  Meteoriten  von  Sierra  de  Chaco:  1547-1552. 


16)  The  Quarterly  Journal  of  the  Geological  Society.  London. 
8°.    [Jb.  1872,  870.] 

1872,  XXVIII,  Novb.,  p.  381—510. 
Whitnell:  Atolls  und  Lagunen-Eilande:  381 — 382. 

Dakyns:  Glaciale  Phänomene  in  den  höheren  Gegenden  von  Yorkshire: 
382-388. 

Mackintosh:  Küstenprofil  des  Geröllethones  in  Cheshire:  388 — 392. 
Blasdey:  neuere  Gletscher-Thätigkeit  in  Canada:  392—396. 
0.  Fisher:  Phosphat-Knollen  in  den  Kreide-Ablagerungen  von  Cambridge  : 
396—397. 

Johnson  Sollar:  obere  Grünsand-Formation  von  Cambridge:  397 — 402. 
Headerson:  die  Yarkanclale-Expedition  1870:  402—405. 
Boyd  Dawkins  :  Cerviden  in  den  Forest-Schichten  von  Norfolk  und  Suffolk : 
405—410. 

Boyd  Dawkins:  Classification  der  pleistocänen  Schichten  Britanniens  und 
des  Continents  vermittelst  der  Säugethier-Reste :  410 — 447. 

Duncan:  Trocliocyaihus  anglicus,  neue  Madreporen-Species  aus  dem  rothen 
Crag  (pl.  XXVIII):  447—449. 

Lane  Fox  :  Entdeckung  paläolithischer  Geräthschaften  mit  Elephas  primi- 
genius in  den  Sand- Ablagerungen  des  Themse-Thaies  bei  Acton:  449 
—465. 

G.  Busk:  über  die  durch  Lane  Fox  bei  Acton  und  Turnham  Green  auf- 
gefundenen Thierreste  (pl.  XXIX):  465—471. 


74 


Tiddeman:  Gletscher-Phänomene  in  Lancashire  und  den  angrenzenden  Ge- 
genden (pl.  XXX):  471—491. 
Gaudry:  Säugethier-Reste  in  der  Drift  von  Paris:  491—492. 
Orueta:  Geologie  der  Umgegend  von  Malaga:  492—495. 
Geschenke  an  die  Bibliothek:  495—510. 
Miscellen  5—12. 


17)  The  London,  Edinburgh  a.  Dublin  Philo  sophical  Ma- 
gazine and  Journal  of  Science.  London.  8°.  [Jb.  1872,  944.] 
1872,  Oct.,  No.  293,  p.  241—320. 

König  1.  Gesellschaft.  Mallet:  über  die  im  Meteoreisen  von  Augusta 
Co.  in  Virginien  eingeschlossenen  Gase:  311—315. 


18)    Transactions  of  the  Edinburgh  Geological  Society. 
Edinburgh.  8°. 

Vol.  II.    Part.  1.    1872,  p.  1—147. 
Eröffnungsrede  des  Präsidenten  Archibald  Geikie:  1. 

G.  Lyon:  über  Poterioceras  puriforme  aus  dem  Kohlenkalk  von  Lanark- 

shire:  15. 

Sir  R.  Murchison:  über  die  Structur  der  nordwestlichen  Hochländer:  18. 
A.  Geikie:  Vergleiche  zwischen  den  Vulkanen  in  Mittel-Schottland  mit 

jenen  der  Auvergne  und  der  Eifel:  21. 
R.  Richardson:  über  eine  Sandschicht  im  Geschiebe -Thone  von  New- 

park :  24. 

W.  Lauder  Lindsay:  über  die  Goldfelder  von  Forfarshire:  27. 

J.  Henderson:  der  Corstorphine  Hill  bei  Edinburgh:  29. 

J.  Linn:  Bemerkungen  über  die  Sandhügel  von  Bathgate:  33. 

H.  Cadell:  über  die  Geologie  der  oberen  Steinkohlenformation  desFirth 

of  Förth:  39.    PI.  5-7. 
Ch.  Lapworth:  über  die  untersilurischen  Gesteine  in  der  Nähe  von  Ga- 
lashiels:  46. 

J.  Haswell:  über  alte  Sumpfschichten  des  Carse  ofStirling:  58. 

D.  Marshall:  über  die  Ursache  des  Fehlens  der  Ablagerungen  zwischen 
dem  Perm  und  Unter -Silur  in  den  südlichen  Hochländern  Schott- 
lands: 66. 

W.  Linford  :  über  die  Geschiebe  von  Budleigh  Salterton :  67. 
A.  Taylor:  Beiträge  zum  Studium  der  chemischen  Geologie  der  Bathgate 
Hills:  73. 

A.  Taylor:  Geologische  Durchschnitte  N.  von  Edinburg:  77. 
S.  Mossman:  Chromeisenerz,  Serpentin  etc.  von  den  Shetland's-Inseln:  79. 
Ch.  W.  Peach:  über  die  Geschiebe  von  Budleigh  Salterton:  79. 
G.  Lyon:  Lepidodendron  mit  Zapfen  von  Corstorphine  Hill  bei  Edin- 
burg: 81. 


75 


W.  Grossart:  über  eine  Conifere  aus  dem  Kohlensandstein  von  Shotts, 

Lanarkshire :  81. 
J.  Linn:  Verzeichniss  der  Fossilien  aus  dem  Bathgate-Kalke:  82. 
C.  W.  Peach:  Spirorbis  carbonarius  in  dem  Kalksteine  von  Burdiehouse 

und  eine  JEstheria  auf  Arthur's  Seat:  82. 
H.  A.  Nicholson  :  über  den  Coniston-Kalk  von  Cumberland  und  Westmore- 

land:  84;  über  den  Zusammenhang  der  silurischen  Ablagerungen  des 

nördlichen  Englands  mit  denen  im  südlichen  Schottland:  105. 
H.  F.  Alexander:  über  den  Ursprung  des  Cabook  oder  Laterit  von 

Ceylon:  113. 

R.  Walker:  eine  neue  Art  Ambfypterus  u.  a.  fossile  Fischreste  von  Pit- 
corthie,  Fife:  119. 

A.  Somervail:  Sanguinolites  iridinoiäes  im  Kohlenkalk  von  Middleton: 
130;  Spirifer  ovalis  im  Kohlenkalk  von  Mid-Lothian  :  131;  Strepsodus 
und  Ehizodopsis  in  der  oberen  Steinkohlenformation  von  Edmonstone : 
137  etc.  etc. 


19)  H.  Woodward,  J.Morris  a.  R.  Etheridge  :  The  G  eological  Maga- 
zine.   London.    8°.    [Jb.  1872,  944.] 

1872,  Nov.,  No.  101,  p.  481—576. 
Wilson:  die  Formen  der  Thäler  und  Seebecken  in  Norwegen:  481—485. 
Alfr.  Tylor:  Delta-Bildungen  und  Wechsel  des  Meeres-Niveau's  während 

der  Gletscher-Periode  (pl.  XI):  485—501. 
Hopkinson:  neue  Graptolithen-Species  aus  Schottland  (pl.  XII):  501—509. 
J.  Hall  :  Verhältnisse  der  unteren  und  oberen  silurischen  Gesteine  in  den 

Vereinigten  Staaten:  509 — 513. 
Woodward:  die  Sand- Ablagerungen  von  Midford:  513 — 516. 
Nordenskjöld:  Bericht  über  die  Expedition  nach  Grönland.    V.  Th. :  516 

—524. 

Notizen  u.  s.  w.:  524—576. 

20)  B.  Silliman  a.  J.  D.  Dana:  the  American  Journal  of  science 
and  arts.    8°.   [Jb.  1872,  944.] 

1872,  November,  Vol.  IV,  No.  23,  p.  345—424. 
Jos.  Le  Conte:  Bildung  der  grossen  Gesichtszüge  {Features)  auf  der  Erd- 
oberfläche: 345. 

J.  D.  Dana:  über  den  Quarzit,  Kalkstein  und  benachbarte  Gesteine  in  der 
Umgebung  von  Great  Barrington,  Berkshire  Co.,  Mass.:  362.  PI.  IV. 

E.  Billings  :  Erwiderung  auf  Prof.  Hall's  „Beply  to  a  Note  on  a  question 
of  Priority":  399. 

0.  C.  Marsh:  Entdeckung  fossiler  Quadrumanen  in  dem  Eocän  von  Wyo- 
ming: 405. 

Derselbe:  über  eine  neue  Gattung  Carnivoren  aus  dem  Tertiär  von  Wyo- 
ming: 406. 

Derselbe:  über  ein  neues  Reptil  aus  der  Kreideformation:  406. 


76 


Tit,  Coan:  neue  Eruption  des  Mauna  Loa:  406. 

Rob.  Mallet:  über  vulkanische  Kräfte:  409. 

M.  Jones:  neue  Beobachtungen  in  den  Bermudas:  414. 


21)    The  American  Chemist.  New- York,  1872.  January— Juni,  No.  7 

—  12.    Pg.  241—276. 
H.  Wurtz:  Lithologie  der  Gesteine  von  Palisade  Range:  258—259. 
Sterry  Hunt:  über  den  Ursprung  krystallinischer  Gesteine:  291—292. 
Mineral- Welt  der  Vereinigten  Staaten:  345. 
Odling:  das  neue  Metall  Indium:  424—427. 
Newberry:  über  amerikanischen  Asphalt:  427—428. 
Chandler:  über  Petroleum:  446—448. 


Auszüge. 


A.    Mineralogie,  Krystallographie,  Mineralchemie. 

Fr. Hessenberg:  über  Perowskit  vom  Wildkreuzj o eh,  Pfit  sch- 
thal.  (Mineralogische  Notizen,  jSTo.  11.  1873.  S.  1—9.)  Zur  Fortsetzung 
seiner  Forschungen  über  den  Perowskit  *  erhielt  Hessenberg  ein ,  wenn 
auch  sehr  kleines,  nicht  über  10  Millim.  langes  Bröckchen  aus  der  Ber- 
liner Sammlung,  welches  aus  einem  krystallinischen  Gestein  mit  aufsitzen- 
dem Perowskit  besteht.  Die  Perowskit-Kryställchen  sind  von  der  zimmt- 
braunen  Farbe,  wie  die  früher  beschriebenen,  bilden  eine  drusig  verwach- 
sene Gruppe,  zum  Theil  in  paralleler  Stellung.  Es  gelang  Hessenberg, 
sämmtliche  auftretende  Formen  näher  zu  bestimmen,  und  in  diesen  Pe- 
rowskit-Krystallen  die  flächenreichsten  Combinationen ,  die  man  wohl  bis- 
her kannte.    Sie  zeigen  nämlich  die  Combination: 

ooOoo  .  303  .  9/209/4  .  204/s  .  203/2  .  l0/3O5/2  .  408/3  .  ocOs/2. 

Die  den  Habitus  der  meisten  Krystalle  beherrschenden  Flächen  sind 
die  drei  erstgenannten.  Es  ist  aber  nicht  der  ausserordentliche,  unge- 
wöhnliche Flächen-Reichthum,  der  diese  Krystalle  (sie  müssten  bei  regel- 
mässiger, vollzähliger  Ausbildung  294 Flächen  besitzen!)  merkwürdig  macht, 
sondern  die  auffallende  Unvollzähligkeit  im  Auftreten  der  Flächen.  Wäh- 
rend das  Hexaeder  vollzählig  auftritt,  erscheint  das  Ikositetraeder  nur 
zweimal  in  zwei  Octanten;  von  den  fünf  Hexakisoctaedern,  die  in  einem 
Octanten  sechsmal  auftreten  müssten,  zeigt  sich  9Ai09/4  nur  mit  drei  Flä- 
chen in  zwei  Octanten;  die  beiden  204/3  und  203/2  nur  mit  zwei  Flächen 
in  einem  Octanten,  die  beiden  l0/305/2  und  408/3  nur  mit  einer  Fläche  in 
einem  Octanten;  endlich  das  Tetrakishexaeder  nur  mit  einer  Fläche.  — 
Eine  Zusammenstellung  der  fünf  beim  Perowskit  beobachteten  Hexakis- 
octaeder  und  ihrer  Kantenwerthe  ergibt: 


*  Jahrb.  1871,  S.  640. 


78 


Längste  Kanton.  Mittle  K.  Kürzeste  K. 

%0%    ■    ■    163"49' 15"  1570  3'3l"  I38048'20" 

204/3    .    .    164  54  35  136  23  50  164  54  35 

203/2    •    •    Ißt)  36  40  134  49  22  159   8  8 

10/sÖ5/2    •    •    172  44  51  148  52  13  135  23  52 

408/3    ..    170  45  21  153  39  2  132  28  45. 

Um  die  Richtigkeit  seiner  Flächen-Bestimmungen  noch  näher  zu  be- 
gründen, theilt  Hessenberg  in  einer  Tabelle  die  Ergebnisse  von  Messung 
und  Rechnung  mit,  die  nahe  übereinstimmen. 


G.  vom  Rath:  über  die  Zwillings-Gesetze  des  Anorthits. 
(Sitz.-Ber.  des  naturhist.  Vereins  d.  preussischen  Rheinlande  und  West- 
phalens,  XXVIII,  S.  150—151  u.  XXIX,  S.  33.)    Dem  Verfasser  standen 
durch  die  Liberalität  Scacchi's  über  200  ausgesuchte  Anorthit-Krystalle 
der  neapolitanischen  Sammlung  zur  Verfügung.    Es  gibt  beim  Anorthit 
vier  Gesetze  der  Verwachsung,  die  sich  mit  Hülfe  der  Zwillings-  oder 
Drehungs-Axe  in  folgender  Weise  deflniren  lassen :  Bei  dem  ersten  Gesetz 
ist  dieselbe  die  Normale  zum  Brachypinakoid;  bei  dem  zweiten  Gesetz  die 
makrodiagonale  Axe;  bei  dem  dritten  die  Vertikalaxe;  endlich  bei  dem 
vierten  die  in  der  Ebene  des  Brachypinakoids  liegende  Normale  zur  Ver- 
tikalaxe.  Bei  den  Verwachsungen  der  triklinen  Krystalle  können  begreif- 
licher Weise  die  Zwillings-Ebene  und  die  Drehungs-Axe  nie  zugleich  kry- 
stallonomische  Werthe  sein.   Bei  dem  ersten  Gesetze  ist  die  Zwillings- 
Ebene  eine  krystallonomische  Fläche,  umgekehrt  sind  bei  dem  zweiten  und 
dritten  Gesetz  die  Drehungs-Axen  krystallonomische  Linien ;  bei  dem  vier- 
ten Gesetz  endlich  besitzt  weder  die  Zwillings-Ebene  noch  die  Axe  einen 
krystallonomischen  Ausdruck.    Die  Zwillings-Krystalle  nach  dem  ersten 
Gesetz  sind  bekanntlich  stets  mit  dem  Brachypinakoid  verwachsen,  des- 
gleichen die  Zwillinge  nach  dem  dritten  und  vierten  Gesetz.    Bei  denen 
nach  dem  zweiten  Gesetz  liegen  die  Flächen  P  beider  Individuen  parallel; 
zuweilen  begrenzen  sie  sich  mit  einer  dieser  Fläche  parallelen  Ebene, 
meist  aber  bildet  sich  durch  Fortwachsung  eine  andere  Verbindungs-Ebene, 
in  welcher  nicht  homologe  Flächen  beider  Individuen  zu  eigenthümlichen 
unregelmässigen  Kanten  zusammenstossen.  In  mannigfacher  Weise  können 
sich  auch  zwei  dieser  Gesetze  in  derselben  Gruppe  combiniren.    Für  das 
zweite  Zwillings-Gesetz,  bei  welchem  die  Drehungs-Axe  die  Makrodiagonale, 
gibt  es  zwei  Modifikationen,  die  beide  in  der  Natur  vorkommen.   Bei  der 
ersten  liegt  die  einspringende  Zwillings-Kante  M  :  M  zur  Rechten,  bei  der 
zweiten  zur  Linken  des  Beschauers,  wenn  man  den  Krystall  in  der  nor- 
malen Stellung  vor  sich  hält.    Jene   erste  Modifikation  entsteht  dann, 
wenn  die  Individuen  sich  mit  den  oberen  P-Flächen  (Basis)  verbinden ;  die 
zweite,  wenn  es  mit  den  unteren  P-Flächen  geschieht.    Besonderes  Inter- 
esse gewinnt  bei  dem  vorliegenden  Zwillings-Gesetz  die  Art  und  Weise, 
wie  die  Individuen  verwachsen.    Wie  ein  Rhomboid,  nachdem  es  um  eine 
seiner  Diagonalen  180°  gedreht  worden,  mit  der  ursprünglichen  Figur  nicht 


79 


congruent,  nicht  wieder  überdeckbar  ist,  so  verhält  es  sich  auch  mit  den 
basischen  Flächen  P  der  beiden  gegen  einander  um  die  Makrodiagonale 
180°  gedrehten  Individuen.  Das  P  des  oberen  Individs  tritt  an  der  einen 
Seite  ein  wenig  vor  über  das  P  des  unteren  Individs,  während  an  der  an- 
deren Seite  sich  jenes  mehr  zurückzieht.  Von  Wichtigkeit  ist  die  Ermit- 
telung :  wie  diese  Incongruenz  der  Berührungs-Ebenen  sich  ausgleicht.  Es 
geschieht  durch  Fortwachsung ,  und  zwar  indem  die  rhomboidischen  Pris- 
men einen  der  Makroaxe  parallelen  rhombischen  Schnitt  besitzen,  d.  h. 
einen  solchen,  dessen  beide  Diagonalen  normal  zu  einander  stehen.  Die- 
sem Schnitt  kommt  beim  Anorthit  fast  genau  die  Formel  zu:  3/7'P'dc.  In 
dieser  Ebene  findet  die  Verwachsung  der  Individuen  bei  dem  Gesetz  der 
Makrodiagonalen  statt. 


Fr.  v.  Kobell:  die  Mineraliensammlung  des  bayerischen 
Staates.  (A.  d.  Abhandl.  der  k.  bayer.  Akad.  der  Wissensch.  XI.  Bd.) 
1872.  4°.  S.  36.  Die  Gründung  der  reichhaltigen  Sammlung  des  bayeri- 
schen Staates  fällt  in  das  Ende  des  vorigen  und  in  den  Anfang  dieses 
Jahrhunderts.  Eine  Hauptgrundlage  bildeten  die  Erwerbungen  gelegen- 
heitlich der  Auflösung  der  bayerischen  Klöster  (1802),  das  karfürstliche 
Naturalien-Kabinet  von  Mannheim,  spätere  Geschenke  des  König  Maximi- 
lian I.  (1812).  In  der  ersten  Zeit  ihres  Bestehens  war  die  Münchener 
Sammlung,  wie  Fr.  v.  Kobell  treffend  bemerkt,  ein  wahres  Conglomerat 
ungleichartiger  Gegenstände.  Erst  mit  N.  Fuchs  (1823),  welchem  der  Ver- 
fasser damals  als  Adjunct  zur  Seite  stand,  erfuhr  die  Sammlung  sowohl 
eine  geordnetere  Aufstellung  als  von  Seiten  des  Staates  mehr  Berücksich- 
tigung. (Bis  zum  Jahr  1821  konnte  der  Conservator  nur  über  10  Gulden 
disponiren!)  Es  boten  sich  nun  in  einer  Beihe  von  Jahren  günstige  Ge- 
legenheiten zum  Ankauf  verschiedener  Sammlungen,  die  bereits  in  der  In- 
dustrie-Ausstellung (1854)  zur  Schau  aufgestellt  waren.  Die  glänzendste 
Bereicherung  erfolgte  aber  im  J.  1858  durch  den  Erwerb  der  Sammlung 
des  Herzog  Maximilian  von  Leuchtenberg,  welche  —  10,000  Stücke  zäh- 
lend —  an  Gehalt  die  bereits  vorhandene  bei  Weitem  übertraf.  Was  von 
mineralogischen  Schätzen  der  Ural  lieferte,  hatte  diese  Sammlung  aufzu- 
weisen. —  Mit  dem  J.  1856  übernahm  Fr.  v.  Kobell  das  Conservatorium, 
ihm  wurde  1860  Frischmann  als  zweiter  Conservator  beigesellt.  —  Die 
Einzelnheiten,  welche  über  die  bayerische  Staatssammlung  mitgetheilt  wer- 
den, sind  von  hohem  Interesse.  Die  Aufstellung  beginnt  mit  der  Species 
Fluorit,  welche  mit  253  Exempl.  von  40  Fundorten  vertreten.  Von  be- 
sonderer Schönheit  sind  die  Aragonite  (zumal  die  jetzt  nicht  mehr  vor- 
kommenden von  Leogang),  sowie  Krystalle  des  Witherit  und  Strontianit 
von  Leogang.  In  grosser  Auswahl  ist  Kalkspath  vorhanden,  mit  700  Exem- 
plaren, darunter  die  alten  berühmten  Vorkommnisse  von  Andreasberg. 
Nicht  minder  reichlich  finden  sich  die  Sulphate  (Gyps,  Baryt).  Fr.  v.  Kobell 
theilt  viele  Details  über  Krystall-Formen  mit,  wobei  er  sich,  was  sehr  zu 
billigen,  der  Symbole  Naumann's  bedient,  weil  sie  dem  grösseren  Theil  des 


80 


mineralogischen  Publicums  verständlich.  —  Quarz  ist  mit  600  Ex.  vertre- 
ten, darunter  prächtige  Schaustücke;  so  z.B.  eines  von  Amethyst  von  Ober- 
stem mit  J/2  Zoll  grossen  Krystallen,  das  44  Ctm.  Länge  und  25  Ctm. 
Höhe  misst.  —  Aus  der  Granat-Gruppe  finden  sich  in  vorzüglicher  Schön- 
heit die  Uwarowite  vonBissersk;  die  Orthoklase  des  Urals,  darunter  einer 
9  Ctm.  lang,  ein  Amazonenstein  von  9  Ctm.  Länge.  In  seltener  Schönheit 
sind  die  russischen  Smaragde  und  Topase  vorhanden,  letztere  mit  60  Ex., 
worunter  ein  9  Ctm.  langer,  blaulicher.  —  Diamant  ist  in  40,  z.  Thl.  sehr 
gut  ausgebildeten  Krystallen  repräsentirt ;  viele  derselben  brachten  Spix 
und  Martius  von  ihrer  brasilianischen  Reise  mit.  —  Auch  die  schweren 
Metalle  sind,  wie  zu  erwarten,  reichlich  vorhanden.  So  Gold,  eine  Masse 
von  270,4  Gramm;  Platin,  ein  Stück  von  757  Gramm,  ein  anderes  von  796 
Gramm,  mit  Chromeisenerz  durchwachsen.  —  Die  Fahierze  sind  mit  den 
alten  schönen  Tyroler  Vorkommnissen  vertreten;  krystallisirter  Nickelin, 
P  von  Sangerhausen.  Endlich  finden  sich  sowohl  Meteoreisen  als  Meteor- 
steine in  grosser  Auswahl  von  den  verschiedensten  Fundorten.  —  Abge- 
sehen von  der  hohen  wissenschaftlichen  Bedeutung,  welche  die  Mineralien- 
Sammlung  des  bayerischen  Staates  besitzt,  sei  auch  hier  schliesslich  noch 
auf  den  enormen  Geldwerth  derselben  aufmerksam  gemacht ,  den  Fr.  v. 
Kobell  durch  einige  Beispiele  begründet.  Ein  Platin-Geschiebe  von  3,4 
Kilo  wurde  von  dem  Herzog  von  Leuchtenberg  für  1430  fl.  erworben.  Ein 
Gold-Geschiebe  ist  427  fl.  werth,  die  Suite  der  Topase  von  Mursinsk  400  fl. 
Die  Rubellit-Stufen  von  der  chinesischen  Grenze  wurden  für  5600  fl.  an- 
gekauft. Endlich  wird  eine  Stufe  mit  Smaragden,  4  Zoll  lange,  2  Zoll 
breite  Krystalle  von  Katharinenburg  von  den  Mineralien-Händlern  auf 
10,000  fl.  geschätzt. 


A.  Sadebeck:  über  Fahlerz  und  seine  regelmäs  sigen  Ver- 
wachsungen. Mit  4  Taf.  (Abdr.  a.  d.  Zeitschr.  d.  Deutsch,  geolog. 
Gesellsch.  1872.  S.  427—464.)  Die  vorliegende  Abhandlung  schliesst  sich 
in  würdigster  Weise  an  die  früheren  trefflichen  des  Verf.  über  Kupferkies 
und  Blende.  Es  ist  mit  besonderem  Dank  zu  erkennen,  dass  Sadebeck 
seine  krystallographischen  Studien  auf  solche  Mineralien  ausdehnte,  denen 
man  vorher  wenig  Aufmerksamkeit  schenkte.  Dies  gilt  zumal  vom  Fahl- 
erz. So  vielfach  dasselbe  auch  in  chemischer  Beziehung  untersucht  wurde, 
ist  die  krystallographische  Literatur  über  Fahlerz  —  einige  Mittheilungen 
von  Hessenberg  und  C.  Klein  abgerechnet  —  ziemlich  dürftig.  Sadebeck 
war,  wie  beim  Kupferkies  und  der  Blende,  bemüht  die  beiden  Stellungen 
auseinander  zu  halten  und  dehnte  dies  auf  die  scheinbaren  holoedrischen 
Formen  aus.  Er  gelangte  dabei  zu  dem  merkwürdigen  Resultat :  dass  die 
Formen  zweiter  Stellung  auch  vorherrschend  auftreten,  während  man  dies 
bisher  nur  von  den  Formen  erster  Stellung  annahm.  Ebenso  unterwarf 
Sadebeck  die  Zwillings-Bildung  des  Fahlerzes  einer  genauen,  Vieles  be- 
richtigenden Prüfung. 

i.  Allgemeiner  Theil.   Der  Verf.  bespricht  die  Formen  des  Fahl- 


81 


erzes  in  Bezug  auf  seine  Stellung.    Unter  denen  1.  Stellung  fehlt  selten 

202 

das  positive  Tetraeder,  ferner  von  Triakistetraedern  —  als  das  häufigste, 
von  selteneren  — ^  und  -^5—,  das  Deltoiddodekaeder  dasHe- 

2  ia  25  2 

xakistetraeder  Unter  den  Formen  zweiter  Stellung  ist  das  negative 

Tetraeder  meist  klein,  fehlt  oft  gänzlich;  es  treten  ferner  das  häufigste 

Triakistetraeder  — ^r—,  — 7^-—,  — von  Deltoiddodekaedern  ~—  und 
2  2  2  2 

505/2 

ein  Hexakistetraeder  —  —  auf. 

In  Bezug  auf  die  Zwillings-Bildung  ist  als  Gesetz  das  herrschende 
des  regulären  Systems :  dass  die  beiden  Individuen  eine  Fläche  von  0  ge- 
mein haben.  Es  lassen  sich  aber  aneinander-,  ineinander-  und  durchein- 
andergewachsene Zwillinge  unterscheiden.  Von  einem  anderen  Gesetz, 
dass  zwei  Tetraeder  mit  senkrechten  Kanten  durcheinander  gewachsen, 
konnte  Sadebeck  kein  deutliches  Beispiel  beobachten.  —  Von  vielem  In- 
teresse sind  die  Vergleichungen  der  Formen  des  Fahlerzes  mit  denen  der 
Blende.  Beim  Fahlerz  beruht  die  Hemiedrie  wesentlich  auf  einer  verschie- 
denen Ausdehnung  und  Beschaffenheit  der  beiden  Stellungen ;  bei  der  Blende 
tritt  der  tetraedrische  Charakter  mehr  zurück,  aber  die  Entwickelung  der 
Formen  ist  in  beiden  Stellungen  eine  verschiedene.  —  In  der  Ausbildung 
der  Formen  entspricht  der  Kupferkies  sowohl  dem  Fahlerz  als  der  Blende. 
Es  treten  Formen  auf,  die  ganz  den  tetraedrischen  Habitus  des  Fahlerzes 
haben.  —  Die  regelmässigen  Verwachsungen  des  Fahlerzes  mit  Kupfer- 
kies sind  verschieden;  entweder  beide  sind  an  einander  gewachsen  oder 
eines  von  beiden  ist  auf  dem  anderen  aufgewachsen.  Das  Gesetz  der 
regelmässigen  Verwachsung  lautet:  die  Hauptaxe  des  Kupferkieses  fällt 
mit  einer  Axe  des  Fahlerzes  zusammen  oder  geht  mit  ihr  parallel. 

II.  Specieller  Theil.  Die  zwei  wesentlich  unterschiedenen  Arten 
der  Ausbildung  sind  die,  bei  welchen  die  Formen  der  ersten  Stellung  herr- 
schen und  solche,  bei  denen  die  zweiter  Stellung  ausschliesslich  entwickelt 
ist.  —  Unter  den  Vorkommnissen  von  Krystallen  des  Fahlerz,  bei  denen 
nur  das  Tetraeder  erster  Stellung  auftritt,  das  andere  fehlt,  führt  Sade- 
beck zahlreiche  auf;  z.  B.  von  Kapnik ;  von  Baigori  in  Navarra;  von  Mei- 
seberg bei  Harzgerode  und  von  Zilla  bei  Clausthal,  beide  interessant  noch 
wegen  der  regelmässigen  Verwachsungen  mit  Kupferkies ;  von  Liskeard  in 
Cornwall ,  den  vorigen  ähnlich ;  von  Dillenburg ,  Schönborn  bei  Mitweida. 
—  Unter  den  Krystallen,  bei  welchen  auch  das  zweite  Tetraeder  auftritt, 
das  erste  aber  vorherrscht,  sind  unter  andern  aufgeführt  die  von  Müsen, 

von. Horhausen  (durch  das  stark  entwickelte  -~—  ausgezeichnet;  von Fra- 

mont  und  endlich  von  Falkenstein  in  Tyrol  mit  vorwaltendem  Dodekaeder 

zweiter  Stellung,  an  dem  nur  das  2.  Tetraeder  auftritt  und  das  Triakis- 
tetraeder — 

Jahrbuch  1873.  6 


82 


In  den  Schlussbemerkungen  zu  seiner  werthvollen  Abhandlung  spricht 
Sadebeck  wegen  der  mehrfach  beobachteten  regelmässigen  Verwachsung 
von  Fahlerz  und  Kupferkies  die  gewiss  nicht  unbegründete  Vermuthung 
aus,  dass  beide  Mineralien  zu  einander  in  einer  gewissen  verwandtschaft- 
lichen Beziehung  stehen.  Der  Name  Isomorphie  kann  für  diese  Beziehung 
aber  nicht  in  Anwendung  kommen.  Ein  ähnliches  Verwandtschafts-Ver- 
hältniss  wiederholt  sich  bei  anderen  Mineralien,  insbesondere  bei  denjeni- 
gen, welche  die  Fähigkeit  besitzen,  mit  einander  regelmässige  Verwach- 
sungen einzugehen,  wie  die  verschiedenen  Glimmer,  wie  Disthen  und  Stau- 
rolith,  Rutil  und  Eisenglanz.  Es  scheinen  —  so  schliesst  Sadebeck  —  die 
regelmässigen  Verwachsungen  ein  Fingerzeig  zu  sein,  von  einem  anderen 
Gesichtspunkte  an  das  Studium  der  Beziehungen  von  Inhalt  und  Form 
heranzutreten.  Wenn  wir  die  Formen  regelmässig  verwachsener  Minera- 
lien vergleichen,  so  bleiben  wir  auf  dem  Boden  der  Thatsachen  und  ge- 
winnen Anhaltspunkte  für  die  Beziehungen  der  verschiedenen  Krystall- 
Systeme  unter  einander,  welche  auf  dem  Vorkommen  in  der  Natur  be- 
ruhen, nicht  auf  mathematischem  Calcul;  hoffentlich  glückt  es,  dann  auch 
eine  Gesetzmässigkeit  in  den  chemischen  Beziehungen  regelmässig  ver- 
wachsener Mineralien  aufzufinden.  —  In  einer  besonderen  Tabelle  gibt 
Sadebeck  eine  Übersicht  der  beim  Fahlerz  vorkommenden  Formen;  auf 
vier  Tafeln  Abbildungen  der  von  ihm  geschilderten  Krystalle. 


Des  Cloizeaux:  Memoire  sur  une  nouvelle  localite  cV  ambly- 
gonite  et  sur  la  monteb  r asite ,  nouveau  phosphate  d' alumine 
et  de  Ii  tili  ne  hydrate.  (Separat- Abdruck  aus  den  Ann.  de  (Jhimie  et 
de  Physique.  4.  Serie.  D.  XXVII.  1872.)  Der  Verfasser  hat  auf  Grund 
neuerer  chemischer  Untersuchungen  sowohl,  als  auch  speziell  von  ihm, 
mit  bekannter  Meisterschaft,  ausgeführter,  optischer  Erforschungen  er- 
wiesen, dass  das,  was  man  seither  theils  als  Amblygonit,  theils  als  Mon- 
tebrasit  betrachtet,  vielfach  nicht  scharf  unterschieden,  öfters  mit  einander 
verwechselt  hat,  allerdings  in  zwei  wohlunterscheidbare  Species  zerfällt. 
Es  wird  in  der  vorliegenden  Arbeit  eine,  soweit  es  die  Natur  des  Materials 
gestattet,  präcise  Definition  dieser  zwei  Species  gegeben,  denen  die  er- 
wähnten Namen  erhalten  bleiben  und  deren  wichtigste  Fundorte  wir  an- 
gegeben finden. 

1.  Amblygonit,  Breithaupt.  Wasserfreie  natron-  und  lithionhaltige 
Varietät.  Es  gehören  hierher:  das  ältere  Vorkommen  von  Penig,  ferner 
die  weissen  und  violetten,  blättrigen  Massen  von  Montebras.  Analysirt  ist 
jenes  von  Berzelius  und  Rammelsberg,  diese  sind  untersucht  von  Pisani, 
Kobell  und  Rammelsberg.  Krystallographisch  lässt  sich  von  dem  Vorkom- 
men von  Montebras,  was  allein  dem  Verfasser  in  grösserer  Menge  zu  Ge- 
bot stand,  wenig  sagen.  Es  sind  nur  zwei  Spaltungsrichtungen  p  und  m 
bei  diesen  blättrigen  Massen  zu  beobachten,  die  unter  105°44'  zu  einander 
geneigt  sind ;  ferner  kommen  häufig  Zwillingsverwachsungen  vor.  Die 
sichere  Feststellung  des  Systems  basirt  einzig  auf  der  optischen  Bestim- 


83 


mung,  welche  durch  Ermittelung  der  Orientirung  der  Hauptschwingungs- 
richtungen  gegen  die  krystallographischen  Elemente  und  durch  die  um 
den  spitzen  Axenwinkel  zu  beobachtende  geneigte  und  gedrehte  Dispersion, 
das  trikline  System  erweist.  Der  Charakter  der  ersten  Mittellinie  ist  ne- 
gativ. Der  Axenwinkel  schwankt  beträchtlich,  so  wurde  der  in  Luft  aus- 
tretende scheinbare  Winkel  zu  ungefähr  71°  und  86°  gefunden,  die  rothen 
Axen  erwiesen  sich  grösser,  als  die  blauen. 

2.  Montebrasit,  Des  Cloizeatjx.  Wasserhaltige,  nur  lithionführende, 
dagegen  natronfreie  Art.  Analysirt  von  Pisani  (vergl.  d.  Jahrb.  1872, 
p.  875.).  Blättriges  und  krystallisirtes  Vorkommen  von  Hebron  (Maine), 
theilweise  auch  von  Montebras :  hier  in  grünlichen,  durchscheinenden  und 
durchsichtigen  Arten,  ferner  in  aschgrauen,  schwach  durchsichtigen,  weis- 
sen, zuweilen  auch  undurchsichtigen  Abänderungen. 

Krystallographisch  hat  man  3  Spaltungsrichtungen  verschiedener  Güte  : 
p,  m,  t. 

p  :  m  =  105° 
in  :  t  =  135°  —  136° 
p  :   t  =   89°  —  89°15'. 
Zwillingsbildungen  fehlen.    Die  schwierig  zu  ermittelnde  Orientirung 
der  Hauptschwingungsrichtungen  und  die  beobachteten  Dispersionen  um 
beide  Mittellinien  lassen,  wie  beim  Amblygonit,  das  trikline  System  er- 
kennen.   Man  hat  um  die  negative  Mittellinie  eine  horizontale  und  eine 
geneigte,  um  die  positive  eine  geneigte  und  eine  gedrehte  Dispersion.  Der 
wahre,  innere  Axenwinkel  ist  nahezu  '—  90°,  da  jedoch  Schwankungen 
stattfinden,  kommt  es,  dass  bald  sein  spitzer  Theil  der  positiven,  bald  der 
negativen  Mittellinie  anliegt,  in  manchen  Fällen  auch  der  Unterschied 
zwischen  spitzem  und  stumpfem  Axenwinkel  fast  völlig  verschwindet.  Die 
rothen  Axen  sind,  nach  directer  Messung  des  Verhaltens  um  die  negative 
Mittellinie,  kleiner,  als  die  blauen  /\ 


Aristides  Brezina:  Entwickelung  der  Hauptsätze  der  Kry- 
stall ograph ie  und  Kry stallophysik.  Separat-Abdruck  a.  d.  III. 
Heft  d.  Min.  Mitth.  1872,  gesammelt  von  Tschermak,  p.  125—160.  Die 
vorliegende  Arbeit  hebt  in  einer  Einleitung  die  Vortheile  der  MiLLER'schen 
Methode,  den  anderen  krystallographischen  Bezeichnungsweisen  gegenüber, 
hervor  und  bringt  im  speciellen  Theile  die  Entwickelung  der  Hauptsätze 
der  Krystallographie  und  Kry  stallophysik. 

Fassen  wir  zunächst  den  speciellen  Theil  ins  Auge,  so  werden  in 
dessen  erstem  Abschnitt,  nach  dem  Vorgänge  Miller's,  die  rein  geometri- 
schen Verhältnisse  der  Krystalle,  soweit  sie  zur  Combinationsentwickelung 
dienen,  behandelt.  Der  Verfasser  ist  hier  bestrebt,  die  Grundbegriffe  der 
MiLLER'schen  Bezeichnungsweise  zu  entwickeln.  Er  führt  das  dreizählige, 
beliebige  Axensystem  ein,  definirt  die  Begriffe:  Parameter,  Indices  und 
schliesst  das  erste  Grundgesetz  der  Krystallographie,  das  der  Rationalität 
der  Indices,  an.  Die  Darlegung  der  Zonenregeln  folgt  hierauf,  im  Wesent- 


84 


liehen  bezweckend,  den  Anfänger  zu  befähigen,  die  Tautozonalität  mehrerer 
Flächen  eines  Formencomplexes  prüfen,  die  Indices  einer,  zwei  Zonen  an- 
gehörigen  Fläche  darstellen  zu  können.  Ein  weiterer  Abschnitt  ist  der 
sphärischen  Projection  gewidmet ,  und  die  ganze  Darstellung  wird  zuletzt 
nicht  unwesentlich  unterstützt  durch  einige  zum  Schluss  angefügte  prak- 
tische Beispiele. 

Der  zweite  Hauptabschnitt  handelt  von  der  Symmetrie  der  Krystall- 
systeme.  Er  ist  auszugsweise  dem  Lehrbuch  der  Krystallographie  von  V. 
v.  Lang  entnommen  und  führt  uns  zunächst  die  Ableitung  der  Krystall- 
systeme  aus  dem  Gesetze  der  Rationalität  der  Indices  vor,  behandelt  dann 
weiter  die  Eigenschaften  der  Systeme,  stellt  namentlich  die  zur  Bestimmung 
derselben  notwendigen  Elemente  fest. 

Der  dritte  und  letzte  Hauptabschnitt,  die  optischen  Verhältnisse  der 
Krystalle  behandelnd,  ist  in  sofern  des  Verfassers  eigenstes  Eigenthum, 
als  er  darin  gezeigt  hat,  wie  sich  unter  Zugrundelegung  der  optischen 
Verhältnisse  der  Krystalle  im  Allgemeinen,  die  optischen  Verhältnisse  der 
einzelnen  Krystallsysteme  aus  ihrer  Symmetrie  ableiten  lassen.  Nachdem 
in  gedrängter,  aber  immer  präciser  Darstellung  das  Nöthige  über  Doppel- 
brechung und  Absorption  gebracht,  das  Gesetz,  nach  dem  sich  die  Licht- 
bewegung im  Krystalle  bestimmt,  ausgesprochen  ist,  geht  der  Verfasser 
zur  Definition  der  diversen  Grundbegriffe ,  die  bei  den  optischen  Verhält- 
nissen der  Krystalle  in  Betracht  kommen,  über,  eine  Aufgabe,  der  er  sich 
in  eleganter  Weise  entledigt.  Das  Verhalten  planparalleler  Platten,  was 
nun  erörtert  wird,  bereitet  auf  die  Darstellung  des  optischen  Verhaltens 
in  den  einzelnen  Systemen,  was  sich  anschliesst,  vor.  Auch  dieser  letzte 
Abschnitt  muss,  namentlich  in  Anbetracht  der  zur  Verwendung  gelangten, 
einfachen  schematischen  Zeichnungen  als  gelungen  bezeichnet  werden,  nur 
wäre  vielleicht  hier,  da  das  Ganze  ja  für  die  Zwecke  der  Praxis  bestimmt 
ist,  eine  theilweise  Erweiterung  des  Gegebenen,  namentlich  in  Bezug  auf 
die  nur  angedeutete  stauroskopische  Untersuchung,  am  Platze  gewesen. 
Wir  hätten  mit  um  so  grösserer  Freude  diese  Vervollständigung  aus  der 
Feder  des  Verfassers  begrüsst,  als  gerade  derselbe  durch  Angabe  seiner 
schönen,  nach  ihm  benannten  „BREziNA'schen  Doppelplatte"  in  so  ein- 
schneidender Weise  verbessernd  auf  die  stauroskopische  Untersuchung  ein- 
gewirkt hat.  Gern  gestehen  wir  indessen,  dass  mit  noch  mehr  Rücksicht- 
nahme auf  die  Praxis,  auch  die  ganze  Anlage  der  Schrift  eine  andere 
hätte  werden  müssen. 

Im  Allgemeinen  können  wir  der  ganzen  Arbeit  nur  volles  Lob  erthei- 
len,  sie  ist  dem  Standpunkt,  den  sie  einnehmen  will,  entsprechend,  gleich- 
mässig,  einfach  und  doch  streng  gehalten;  nach  unserer  Meinung  wird  sie 
den  Zweck,  den  ihr  Verfasser  dabei  im  Auge  hatte,  vollständig  erfüllen. 

Kehren  wir  nun  zum  ersten  Theile ,  zur  Einleitung,  zurück!  Haben 
wir  die  eigentliche  Arbeit  von  dem  allein  bei  ihrer  Beurtheilung  zulässi- 
gen Standpunkt,  dem  der  MiLLER'schen  Schule,  zu  betrachten  versucht,  so 
wird  es  jetzt  ebenso  nöthig  sein,  auf  unseren  Standpunkt,  den  der  Weiss- 
NAUMANN'schen  Lehren  zurück  uns  zu  versetzen. 


85 


Gewiss  haben  wir  es  in  der  Wissenschaft  der  Krystallkunde  auf  das 
Lebhafteste  zu  beklagen,  dass  der  Meinungen,  welcher  Weg  zur  Erkennt- 
niss  der  richtige  sei,  so  viele  sind.  Aber  eine  Einigung  der  verschiedenen 
Methoden  wird  schwer  sein,  weil  eben  jede  ihr  Gutes  hat.  Wir  sind  da- 
her auch  nicht  der  Ansicht  des  Verfassers,  die  MiLLER'sche  Methode  sei 
allen  überlegen,  hauptsächlich  aber  desshalb  nicht,  weil  diese  Methode  aus 
rein  mathematischen  Gründen  öfters  das  Naturgesetzmässige  nicht  zum 
Ausdruck  bringt. 

Um  auf  des  Verfassers  Anschauungen  etwas  näher  einzugehen,  sind 
wir  der  Ansicht,  dass  kein  Grund  uns  daran  hindern  sollte,  die  directen 
Axenausdrücke  in  unsere  Flächenzeichen  aufzunehmen  und  nicht  ihre  in- 
versen  Werthe.  Dies  fordert  das  Bedürfniss  einer  naturgemässen  Dar- 
stellung. Für  den,  der  weiter  geht,  wird  es  dann,  namentlich  zu  Rech- 
nungszwecken, vielfach  zweckmässig  sein,  inverse  Werthe  zu  brauchen; 
was  sollte' ihn  aber  auch  hindern,  dies  zu  thun?  Etwa  der  Vorwurf,  in 
der  Methode  nicht  völlige  Consequenz  bewahrt  zu  haben?  Gewiss  nicht, 
denn  Jeder,  der  diesen  Vorwurf  ausspräche,  würde  damit  die  Methode 
höher  stellen,  als  das  Ziel  der  Forschung,  zu  dem  jene  doch  stets  nur 
Mittel  ist. 

Was  die  Vortheile  der  MiLLER'schen  Notation  zur  Bezeichnung  der 
Flächen  verwickelter  Combinaiionen  anlangt,  so  ist  dieselbe  der  Naumann'- 
schen  Bezeichnung  allerdings  durch  grössere  Einfachheit  überlegen,  aber 
nur  scheinbar,  denn  in  Wahrheit  sind  beide  zu  complicirt  und  man  wird 
am  besten  thun,  keine,  sondern  die  Buchstabenbezeichnimg  anzuwenden, 
die  am  allereinfachsten  und  am  wenigsten  den  Druckfehlern  ausgesetzt 
ist.  (Vergl.  die  völlig  übereinstimmende  Ansicht  von  Kokscharow,  Vorl. 
über  Mineralogie,  1866,  p.  33.) 

Ein  Nachtheil  des  MiLLER'schen  Zeichens  ist  aber  der,  dass  man  durch 
dasselbe  nicht  auf  das  Krystallsystem  geführt  wird,  in  dem  der  betreifende 
Körper  krystallisirt.  Dies  wirkt  namentlich  für  den  Anfänger  störend. 
Hier  ist  das  Naumann' sehe  Zeichen  besser,  wenngleich  auch  dies  noch  einer 
Vervollkommnung  durch  Einführung  besonderer  Hauptbuchstaben,  den  ver- 
schiedenen Systemen  entsprechend,  fähig  wäre,  wie  dies  Blum  geltend  ge- 
macht hat. 

Die  Auflösung  der  Combinationen  nach  der  MiLLER'schen  Methode  ist 
allerdings  sehr  einfach ;  in  den  häufigsten  Fällen  genügt  indessen  die  Quen- 
STEDT'sche  Projectionsmethode  durch  die  Construction  völlig  und  unterstützt 
überdies  noch  die  Anschauung.  In  complicirten  Fällen  macht  diese  gra- 
phische Art  der  Darstellung  zwar  noch  Nebenrechnungen  nöthig,  die  dann 
aber  auch  mühelos  zu  bewerkstelligen  sind.  Die  Vereinfachung,  die  der 
Verfasser  den  Zonenpunktformeln,  zum  Zwecke  der  Zonencontrole,  hat  an- 
gedeihen  lassen,  war  naheliegend ;  immerhin  behält  das  ursprüngliche  Ver- 
fahren doch  den  Werth,  dass  es,  falls  die  Flächen  nicht  in  eine  Zone 
fallen,  zeigt,  wie  die  Ausweichung  stattfindet,  während  die  allerdings  ein- 
fachere Bedingungsgleichung  dann  nur  angibt,  dass  dem  Erforderniss  nicht 
genügt  werde. 


86 


Der  Verfasser  ist  im  Rechte  zu  behaupten,  die  zu  gleichem  Zwecke 
vorgeschlagenen  Methoden  von  Weiss  und  Naumann  seien  sehr  umständlich. 

Dagegen  können  wir  uns  nicht  dazu  verstehen,  die  Winkel  der  Nor- 
malen, anstatt  der  Winkel  der  Krystallflächen  anzunehmen.  Bieten  erstere 
auch  einige  Yortheile,  so  stösst  doch  ihre  Einführung  auf  sehr  erhebliche 
Schwierigkeiten,  namentlich  in  Rücksicht  auf  Lehrzwecke.  —  Am  Re- 
flexionsgoniometer wird  zwar  der  Winkel  der  Krystallflächen  durch  den 
Winkel  der  Normalen  derselben  gemessen,  allein,  kann  man  fragen,  wie 
verhält  es  sich  mit  dem  Messen  mit  dem  Anlegegoniometer,  durch  welche 
Operation  doch  gerade  die  Praxis  des  Anfängers  gefördert  werden  soll? 

Was  den  Yortheil  der  Normalenwinkel  in  Bezug  auf  ihre  directe  Ein- 
führung in  die  sphärische  Projection  und  damit  in  die  trigonometrische 
Rechnung  anlangt,  so  kann  diese  letztere  ebenso  gut  mit  den  direkten 
Winkeln  geführt  werden.  Man  legt  dann  die  sphärischen  Dreiecke  in  den 
betreifenden  Krystail  selbst,  was  unmittelbarer  ist  und  noch  dazu  die  zu 
den  Berechnungen  so  nöthige  Vorstellungsfähigkeit  ausbilden  hilft.  Über 
den  Zonenverband  der  Gestalten  gibt  die  zur  Hand  liegende  Quenstedt'- 
sche  Projection  den  gewünschten  Aufschluss. 

Die  sphärische  Projection  hat  allerdings  den  Yortheil,  eine  begrenzte 
zu  sein,  was  Verfasser  gebührend  hervorhebt.  In  dieser  Hinsicht  ist  die 
Linearmethode  mit  einem  Nachtheil  behaftet,  den  wir  sehr  wohl  fühlen, 
allein  sie  bietet  doch  auf  der  anderen  Seite  wieder  der  anderen  abgehende 
Vortheile.  Zuvörderst  den  einer  leichteren  Herstellung,  dann  den  der  An- 
wendung zum  Krystallzeiclmen. 

Haben  wir  sonach,  wie  wir  glauben,  doch  einige  Einwände  gegen  die 
absolute  Vollkommenheit  der  MiLLER'schen  Methode  erhoben,  so  möge 
schliesslich  es  noch  gestattet  sein,  auf  einen  sehr  wunden  Fleck  in  der 
Anwendung  dieser  Lehre  zurückzukommen:  wir  meinen  auf  die  Miller'- 
sche  Betrachtungsweise  des  Hexagonalsystems. 

Hier  umgeht  die  rein  mathematische  Betrachtungsweise  Miller's,  die 
in  diesem  System  von  der  Natur  gebotene  und  in  Folge  dessen  zu  berück- 
sichtigende Ausbildung,  die  Weiss  so  treffend  durch  sein  3  und  1  gliedri- 
ges  System  zum  Ausdruck  brachte. 

Der  optischen  Axe,  dieser  so  eminenten  Richtung,  wird  bei  Miller 
keine  Rechnung  getragen,  als  ob  der  innige  Connex  zwischen  Form  und 
physikalischen  Eigenschaften  nur  so  bei  Seite  gesetzt  werden  könnte.  Dies 
ist  offenbar  naturwidrig,  und  sind  dieser  Betrachtung  auch  Andere,  wie 
Schrauf,  nicht  gefolgt.  Zu  Rechnungszwecken  wähle  man  dessen  drei- 
zähliges  Axensystem;  eine  naturgemässe  Darstellung  wird  allein  das  vier- 
zählige  ermöglichen,  will  man  nicht  auf  Unzuträglichkeiten  schlimmster 
Art  geführt  sein,  wie  bei  der  MiLLER'schen  Betrachtungsweise  es  die  sind, 
gleichwerthige  Flächen  holoedrischer  Formen,  z.  B.  sechsseitige  Pyramiden 
erster  Ordnung,  zwölfseitige  Pyramiden  durch  verschiedene  Symbole  aus- 
drücken zu  müssen,  zusammengehörige  hemiedrische  Gestalten,  also  Rhom- 
boeder  und  Gegenrhomboeder ,  Skalenoeder  und  Gegenskalenoeder  nicht 
einheitlich  darstellen  zu  können. 


87 


Wie  nimmt  es  sich  aus  zu  schreiben: 


+  R  =  (1.0.0) 
+  ?/2R  —  (16.5.5) 
3P3/-i  ==  (2.0.1,  5.2.4) 


,  -R  =  (2.2.1) 
,  — 7/2R  ==  (3.3.4) 
,    4P±/3  =  (8.1.4,  2.1.2) 


und  wie  verhält  sich  die  Zusammensetzung  dieser  hexagonalen  Indices  zu 
den  Principien,  die  für  die  übrigen  Systeme  gelten? 

Ohne  in  diesem  Sinne  mehr  anführen  zu  wollen,  kann  schliesslich  noch 
geltend  gemacht  werden,  dass  auch  vom  Gesichtspunkt  der  Entwickelung 
der  Krystallsysteme  in  eine  Reihe  immer  unsymmetrischer  werdender  Ge- 
staltencomplexe,  die  MiLLER'sche  Anschauung  im  Hexagonalsystem  keine 
Berechtigung  hat. 

Unter  voller  Anerkennung  andererseits  der  vielen  unläugbaren  Vor- 
züge der  MiLLER'schen  Lehre,  kann  dieselbe  denn  doch  nicht  in  jeder  Be- 
ziehung den  seither  gebräuchlichen  als  überlegen  gegenüber  gestellt  wer- 
den. Was  zumal  die  leichtere  Fähigkeit  anlangt,  in  die  Wissenschaft  ein- 
zuführen, haben  andere  Methoden  den  entschiedensten  Vorzug,  wie  auch 
der  Erfolg  bewiesen  hat. 

Der  Verfasser  sagt  selbst  am  Eingange  seiner  vortrefflichen  Arbeit: 

„Unter  allen  krystallographischen  Methoden  ist  keine  so  sehr  auf  die 
Specialisten  beschränkt  geblieben,  als  die  MiLLER'sche." 

Wir  sind  der  Ansicht,  dass  diese  Thatsache  nicht  allein  durch  den 
vom  Verfasser  vorgebrachten  Grund  ihre  Erklärung  findet,  vielmehr  Mo- 
mente, wie  die  vorstehend  entwickelten,  dabei  ebenfalls  berücksichtigt  wer- 
den müssen.  /\ 


Fr.  Hessenberg:  Kalkspath  vom  Rödefjord  auf  Island.  (Mi- 
neralogische Notizen  No.  11,  1873,  S.  9  —  17.)  Der  Verfasser  hat  schon 
früher  *  Kalkspathe  aus  Island  beschrieben.  Durch  schöne  Ausbildung 
und  Flächenreichthum  sind  die  neuen  Vorkommnisse  ausgezeichnet.  Sie 
zeigen  die  Combination: 

R  .  4R  .  10R  .  R2  .  R3  .  R5  .  ooP2  .  4/3P2  .  2/5R2  .  -4R5/3  .  — 7/3R5/3. 
Eine  nähere  Betrachtung  der  einzelnen  Formen  ergibt  Folgendes.  R 
erscheint,  wie  gewöhnlich,  nicht  glänzend,  nur  zart  matt.  4R  zuweilen 
treppig  abwechselnd  mit  10R ;  dieses  hat  bereits  Des  Cloizeaux  angeführt, 
während  Zippe  es  nicht  erwähnt.  Die  Endkanten  von  10R  =  61°.  —  Unter 
den  Skalenoedern  tritt  R3,  das  häufigste  aller  Kalkspath-Skalenoeder,  mit- 
unter vorherrschend,  aber  was  Flächen- Vertheilung  betrifft,  sehr  unsym- 
metrisch auf.  Das  eben  nicht  seltene  2/5R2  (z.  B.  von  Ahrn  in  Tyrol  be- 
kannt) ist  ziemlich  vorherrschend.  Das  Skalenoecler  R2  gehört  hingegen 
zu  den  seltenen;  Haidinger  führte  es  von  Freiberg  und  Bräunsdorf  auf, 
Hessenberg  von  Canaria.  Das  Skalenoecler  — 4R5/3  ist  von  besonderem 
Interesse ;  es  gehört  zu  den  am  schönsten  entwickelten  Formen  des  Islän- 


*  Jahrb.  1866,  S.  452. 


88 


der  Kalkspathes,  wurde  zuerst  von  Des  Cloizeaux  angeführt,  von  Hessen- 
berg an  den  früher  beschriebenen  Isländer  Kalkspathen,  von  G.  vom  Rath 
an  den  ausgezeichneten  Kalkspathen  vom  Oberen  See  und  vom  Nahethal 
beobachtet.  —  Endlich  verdient  noch  — 7  öR5/3  als  ziemlich  gross  aber  ohne 
Glanz  auftretend  Erwähnung,  sowie  die  Pyramide  4/3P2  mit  den  Endkan- 
ten ==  135°5r32"  und  Seitenkanten  -=  97°26/24";  sie  tritt  an  dem  Islän- 
der Krystall  nur  einmal  auf. 


G.  vom  Rath:  über  zwei  Kalknatron-Feldspathe  aus  dem 
Ural.  (Poggendorpf  Ann.  CXLVII,  S.  274—278.)  Beide  Feldspathe  brachte 
einst' G.  Rose  von  seiner  Reise  nach  dem  Ural  mit.  1)  Kalknatron- 
Feldspath  (Oligoklas)  von  Schaitansk  bei  Mursinsk,  aus  dem  grob- 
körnigen Granit,  in  welchem  die  rothen  Turmaline  vorkamen.  Der  unter- 
suchte Krystall  ist  wasserhell,  zeigt  nur  eine  durch  den  ganzen  Krystall 
gehende  Zwillings-Lamelle  nach  dem  Gesetz:  Drehungs-Axe  die  Verticale. 
Spec.  Gew.  =  2,642.    Mittel  aus  zwei  Analysen: 

Kieselsäure    ....        .  63,83 

Thonerde  22,58 

Kalkerde  3,4'i 

Magnesia  0,06 

Kali  1,02 

Natron  _.  8^86 

99/77. 

Es  ähnelt  dieser  Oligoklas  in  seiner  Mischung  den  früher  von  G.  vom 
Rath  untersuchten  Plagioklasen  von  Niedermendig  und  aus  dem  Veltlin, 
und  kann  betrachtet  werden  als  eine  Mischung  von  5  Gewth.  Albit  und  1 
Gewth.  Anorthit.  —  2)  Kalknatron-Feld  sp  ath  (Ande sin)  vom  Berge 
Uvelka  bei  Orenburg.  Spaltungsstück  mit  sehr  feiner  Streifung.  Weiss, 
stellenweise  röthlich  durch  kleine  Eisenglanz-Partikel.  Spec.  Gew.  —  2,654. 


Mittel  aus  zwei  Analysen: 

Kieselsäure   60,34 

Thonerde   '24,39 

Eisenoxyd   0,18 

Kalkerde  5,56 

Kali   0,?3 

Natron     .    . '  8,44 

99^4. 


Dieser  Andesin  kommt  in  seiner  Zusammensetzung  dem  vom  Monte 
Mulatto  bei  Predazzo  am  nächsten,  lässt  sich  aber  ebensowenig  als  eine 
Mischung  von  Albit  und  Anorthit  betrachten. 


Vrba:  Analysen  des  Syngenit  von  Kalasz  und  Identität 
des  Kaluszit  mit  dem  Syngenit.  (Lotos,  XXII,  1872,  S.  211-212.) 
Der  Syngenit,  über  welchen  V.  v.  Zepharovich  eine  Mittheilung  machte  *, 

*  Jährt.  1872,  S.  536. 


89 


wurde  von  0.  Völker  im  Prager  Universitäts-Laboratorium  analysirt  (V) ; 
vergleicht  man  die  Resultate  dieser  Zerlegung  mit  jener,  welche  Ullik 
vornahm  und  welche  Rumpf  in  seiner  Beschreibung  des  Kaluszit  anführte 


1. 

Tl. 

III. 

IV. 

V. 

Kalkerde   .  . 

.  17,14 

17,09 

16,76 

16,62 

16.47 

Kali  .... 

.  28,57 

28,53 

28,40 

28,72 

28,0.3 

Schwefelsäure 

48,63 

48,33 

48,35 

49,04 

Wasser  .    .  . 

.  5,50 

5,46 

5,46 

5,45 

5,81 

so  ergibt  sich  für  die  Zusammensetzung  des  Syngenit  die  Formel:  CaO 
SOi  K2SO4  H2O,  welche  erfordert  : 

Kalkerde                            .  17,06 

Kali                                 .  '28,70 

Schwefelsäure     .....  48,75 

Wasser   5,48 

Rumpf  hielt  das  Mineral,  welches  er  eingehend  untersuchte,  für  klino- 
rhombisch,  und  weil  Mjller's  Messungen  an  künstlichen  Krystallen  von 
gleicher  Zusammensetzung  rhombische  Form  erwiesen,  glaubte  Rumpf  eine 
Dimorphie  annehmen  zu  dürfen,  und  nannte  die  ihm  vorliegenden  Kry- 
stalle  nach  dem  Fundort:  Kaluszit.  —  Es  hatte  aber  v.  Zepkarovich  wegen 
des  optischen  Verhaltens  das  Krystall-System  des  Syngenit  für  rhombisch 
erklärt,  jedoch  mit  dem  Bemerken,  dass  man  eben  die  Syngenit-Kry stalle 
ohne  Prüfung  im  Polarisations-Apparat  ihres  constanten  klinorhombischen 
Habitus  wegen  für  klinorhombisch  halten  kann.  Auch  Tschermak  fand 
die  „Kaluszit-Krystalle"  übereinstimmend  mit  v.  Zepharovichs  Beobach- 
tung rhombisch:  die  Ebene  der  optischen  Axen  parallel  mit  OP,  den  schein- 
baren Winkel  der  optischen  Axen  für  roth  4P'36',  für  blau  49°45'.  —  Da 
an  einer  Identität  des  Kaluszit  mit  dem  früher  beschriebenen  Syngenit 
nicht  zu  zweifeln,  so  verliert  auch  jener  Name  seine  Geltung. 


Albr.  Schrauf:  Aragonit  von  Sasbach.  (Mineralog.  Beobacht. 
IV.  A.  d.  LXV.  Bde.  d.  Sitzb.  d.  k.  Akad.  d.  Wissensch.)  Die  auf  Klüf- 
ten der  Basaltgesteine  bei  Sasbach  vorkommenden  Aragonit-Krystalle  zei- 
gen nicht  den  einfachen  Zwillings-Habitus  der  von  Werfen,  Kamsdorf  u. 
a.  0.,  sondern  sind  der  Mehrzahl  nach  Drillinge  der  Symmetrie:  I,  II 
rechts,  IV  rechts.  Sie  besitzen  ferner  einen  Flächen-Reichthum ,  der  an 
die  Krystalle  des  Tarnowitzit  erinnert.  An  einem  Krystall  beobachtete 
Schrauf  folgende  Flächen: 

ooP  .  ooPob  .  2Poo  .  4Pö6  .  2P  .  8/3P2  .  6P2  .  10P5. 

Von  diesen  Flächen  war  8  3P2  bisher  nur  am  Tarnowitzit  durch  Websky 
beobachtet  worden.    Die  beiden  letztgenannten  Pyramiden  sind  neu. 


E.  Ludwig:  über  die  chemische  Formel  des  Epidot.  (Tscher- 
mak, Miner.  Mittlrer!.  1872,  3.  Heft,  S.  187—194.)  Um  über  die  Formel 
des  Epidot  ein  genaueres  Urtheil  zu  gewinnen,  hat  Ludwig  von  dem  rein- 


90 


sten  ihm  zu  Gebot  stehenden  Material  dieses  Minerals  eine  Untersuchung 
ausgeführt.  Es  sind  dies  die  schönen,  in  letzter  Zeit  vielbesprochenen 
Krystalle  von  Sulzbach.  Das  Mittel  aus  sieben  Analysen  (deren  Gang 
angeführt)  ergab: 

Kieselsäure  37,83 

Thon  erde  22,63 

Eisenoxyd     .    .    .    .        .  15.02 

Eisenoxydul  0,93 

Kalkerde  23,27 

Wasser  ->,05 

100,73. 

Da  viele  Analysen  des  Epidot  von  den  verschiedensten  Fundorten  kei- 
nen Wasser-Gehalt  angeben,  so  hat  Ludwig  eine  Anzahl  Epidote  von  den 
wichtigsten  Localitäten  auf  ihren  Wassergehalt  geprüft.  Sie  enthalten 
alle  nahezu  2°/0  Wasser,  welches  sie  aber  erst  bei  sehr  hoher  Temperatur 
verlieren.  Bemerkenswerth  ist  noch,  dass  das  beim  Glühen  der  Epidote 
erhaltene  Wasser  saure  Reaction  zeigt  von  einer  geringen  Menge  Salz- 
säure, die  darin  gelöst  ist.  Ludwig  betrachtet  die  Epidote  als  Mischun- 
gen der  beiden  isomorphen  Bestandteile  SieAleCa^zChe  (Aluminium-Epi- 
dot)  und  SiöFeöCailhChe  (Eisen-Epidot).  Die  chemische  Constitution  des 
Epidot  wird  durch  die  erstgenannte  Formel  ausgedrückt. 


P.T.Cleve:  über  das  Vorkommen  von  Cuban  in  Schweden. 
{Geol  Förenis  i  Stockholm  Förh.    Bd.  I,  S.  105.) 

Diese  zuerst  aus  Cuba  bekannte  und  von  Breithaupt  bestimmte  Mi- 
neralspecies  ist  jetzt  in  zwei  schwedischen  Kupfergruben,  der  von  Tuna- 
berg  und  von  Kafveltorp  gefunden.  Der  Verfasser  theilt  drei  Ana- 
lysen derselben  mit,  welche  wiederum  auf  die  Formel  führen: 

2FeS  / 
CuS  }  Fe2S3' 

(Tö.) 


Weiss:  über  Quarz-Krystalle  aus  dem  Wallis.  (Sitz.-Ber. 
des  naturhist.  Vereins  d.  preuss.  Rheinlande  und  Westphalens.  XXVIII. 
Jahrg.  S.  142.)  Die  Krystalle  stammen  aus  dem  Wallithale  bei  Biel  im 
Bezirk  Gombs  in  Oberwallis.  Es  ist  Rauchtopas  mit  kappenförmig  auf- 
sitzendem Amethyst,  beide  in  paralleler  Stellung,  etwa  an  die  bekannten 
Scepter-Krystalle  der  Schweiz  erinnernd,  wo  —  wie  hier  —  der  obere 
Krystall  die  Fortsetzung  des  unteren  bildet.  Ausserdem  zeigen  die  Ame- 
thyste die  durch  Zwillings-Bildung  hervorgerufene  festungsartige  Zeichnung 
oder  Damascirung  der  Rhomboeder-Flächen  mit  den  abwechselnd  matten 
und  glänzenden  Flecken  so  schön,  wie  die  Striegauer  und  zwar  an  beiden 
Enden.  Es  wurde  ein  Rauchtopas  aus  dem  Milarthale  im  Tavetsch  mit 
dem  Walliser  verglichen,  wo  die  damastartige  Zeichnung  auf  den  Prismen- 
flächen zu  sehen  ist  und  diesen  einen  eigenthümlichen  Glanz  verleiht. 


91 


Während  aber  bei  den  Walliser  Krystallen  die  Zeichnung  nur  durch  ab- 
wechselndes Auftreten  von  matten  und  glänzenden  Rhomboeder-Flächen, 
die  genau  in  ein  Niveau  fallen,  hervorgebracht  wird,  gilt  das  nicht  von 
den  Prismen-Flächen  der  Kry stalle  von  Milar:  hier  sind  es  sehr  steile 
Trapezflächen,  welche  die  Erscheinung  bewirken,  indem  sie  in  den  benach- 
barten Flecken  abwechselnd  einmal  ein  wenig  nach  oben,  das  andere  mal 
eben  so  nach  unten  geneigt  sind,  mit  etwa  zwei  Grad  Abweichung  von 
einander,  Die  Berechnung  eines  Axen-Ausdruckes  hiefür  hat  keinen 
Werth,  da  natürlich  auch  die  Messung  nur  approximativ  sein  kann.  Die 
Trapezflächen  sind  rechts  liegende.  Bei  den  Walliser  Krystallen,  welche 
ebenfalls  Damascirung  der  Prismen-Flächen  zeigen,  wird  die  ähnliche  Er- 
scheinung durch  steilere  Rhomboeder-Flächen  hervorgebracht.  In  allen 
Fällen  ist  und  bleibt  das  Merkwürdigste  das  gegenseitige  Nivellirungs- 
Bestreben  der  beiden  zu  einem  Krystall  verbundenen  Individuen:  niemals 
erhebt  sich  das  eine  Individuum  über  das  andere,  eines  bleibt  beim  an- 
deren in  gleichem  Niveau. 


G.  Laube:  eine  P  s  eudomorp  hose  von  Dolomit  nach  Granat. 
(Lotos,  XXII,  1872,  S.  209—210.)  Auf  den  Eisenerzlagerstätten  des  Erz- 
gebirges spielen  Amphibol,  in  Gestalt  von  Aktinolith  und  Granat  eine  her- 
vorragende Rolle,  als  Begleiter  der  Magnetit-  und  Hämatitzüge.  Man  findet 
sie  allenthalben  als  Amphibolschiefer  —  z.  B.  am  Kaff  bei  Joachimsthal 
— ,  theils  als  eklogitartiges  Gestein  gemengt  —  z.  B.  auf  der  Binger  Zeche 
bei  Neudek  — ,  zuweilen  ersteren  als  Amianth  im  Magnetit  parallelfaserig 
oder  strahlig-sternförmig  eingewachsen,  zuweilen  auch  Granat  in  das 
Magneteisen  eingestreut.  Umwandlungen  des  letzteren  in  Hämatit  lassen 
sich  oft  beobachten.  Auf  der  vorerwähnten  Binger  Zeche  bei  Neudek  zeigt 
das  frische  eklogitartige  Ganggestein  feinen  dunkelgrünen  Aktinolith  und 
massig  gehäufte,  blutrothe  Granaten,  welche  an  und  für  sich  sehr  eisen- 
reich sind.  Verwitterte  Stücke  desselben  Gesteines  zeigen  den  Amphibol 
in  eine  matte  Seladonit-artige  Masse  verwandelt,  in  welcher  erdiger  Hä- 
matit als  Umwandlungsprodukt  des  Granates  liegt.  Zu  dieser  schon  länger, 
wenn  auch  nicht  gerade  von  diesem  Fundorte  gekannten  Umwandlung, 
hatte  Laube  Gelegenheit  eine  neue  zweite  kennen  zu  lernen,  welche  offen- 
bar jünger  ist  als  die  vorerwähnte.  Die  Hämatitgänge  der  „Rothen  Sudel" 
bei  Orpus  werden  von  Dolomitgängen  begleitet,  welche  ziemlich  mächtig 
sind.  Dieser  im  reinen  Zustande  gelblichweise,  gewöhnlich  durch  Hämatit 
fleischroth  gefärbte  Dolomit,  umschliesst  nicht  selten  amygdaloidische 
Partien,  welche  aus  einem  Kerne  von  krystallinischem,  oft  sehr  lockerem 
Dolomit  und  einer  dünnen  Hämatit-Rinde  bestehen.  Der  pseudomorphe 
Charakter  gibt  sich  schon  daran  zu  erkennen,  doch  ist  es  schwer  die  ur- 
sprüngliche Form  dazu  zu  finden.  Ein  Handstück  zeigt  jedoch  diese  Kör- 
per in  ihrer  ursprünglichen  Gestalt  wohl  erhalten.  Es  sind  dies  ziemlich 
grosse  Individuen  mit  ziemlich  glatter  Aussenseite,  welche  die  Flächen  oo  0, 
0  sehr  schön  zeigen  und  scheinbar  aus  Hämatit  bestehen.    Sie  gleichen 


92 


in  ihrem  Aussehen  sehr  den  Umhüllungspseudomorphosen  von  Hämatit 
nach  Fluorit  von  der  Grube  Rother  Adler  bei  Johanngeorgenstadt.  Die 
Flächen  sind  mit  kleinen  runden  Glaskopf  höckerchen  besetzt,  welche  auf 
den  Kanten  nur  noch  mehr  hervortreten.  Sprengt  man  die  etwa  0.5  Mm. 
dicke,  parallelfaserige  Rinde  dieses  Minerales  ab,  so  kommen  darunter 
vollkommene  scharfkantige,  glattflächige  Kerne  von  Dolomit  zum  Vorschein, 
welche  drusig  und  hohl,  kleine,  schön  ausgebildete  Dolomitkrystalle  sehen 
lassen.  Der  Vorgang,  wie  sich  diese  Pseudomorphose  bildete,  ist  nun  wohl 
deutlich  durch  die  Beschaffenheit  derselben  gegeben.  Offenbar  wurde  zu- 
erst eine  ümhüllnngspseudomorphose  von  Hämatit  nach  Granat  gebildet, 
unter  ähnlichen  Verhältnissen  wie  jene  vorerwähnte  nach  Fluorit.  Hier- 
auf wurde  die  Granatmasse  umgewandelt  und  weggeführt,  und  der  ent- 
standene leere  Hohlraum  durch  mit  dem  Wasser  einsickernden  Dolomit 
nach  und  nach  ausgefüllt.  Darauf  weist  eben  der  Umstand  hin,  dass  die 
Dolomitkörper  aussen  ebenflächig  nur  den  Abguss  der  durch  den  Hämatit 
gebildeten  Form  des  Granates  liefern,  und  sohin  von  einer  directen  Um- 
wandlung des  Granates  in  Dolomit  auch  nicht  die  Rede  sein  kann.  Bei 
dem  Umstände,  dass  die  dünnwändigen  Hämatithüllen  nur  selten  in  eine 
solche  Lage  kommen  konnten,  unversehrt  erhalten  zu  werden  und  eine 
vollständige  Ausfüllung  durch  Dolomit  zu  erleiden,  erklärt  es  sich  auch, 
warum  die  meisten  derselben  nur  in  jener  schwer  erkennbaren  amygdaloi- 
dischen  Gestalt  erhalten  blieben. 


Albr.  Schrauf:  zu r  t  h aract  e  r  i  stik  d er  M iner  alsp ecie  s  Eit- 
ting er  it.  (Mineral.  Beobachtungen  IV.  A.  d.  LXV.  Bd.  d.  Sitzb.  d.  k. 
Akad.  d.  Wissensch.)  Bekanntlich  wurden  1851  zu  Joachimsthal  in  Gesell- 
schaft von  Rothgültigerz,  Silberglanz,  Bleiglanz,  kleine  Krystalle  eines 
Minerals  aufgefunden,  welches  Zippe  Rittingerit  nannte.  Als  Bestand- 
teile wies  derselbe  Silber,  Schwefel  und  Arsenik  nach.  Die  Krystallfor- 
men,  welche  sehr  flächenreich ,  erkannte  Schabus  als  klinorhombische  mit 
den  vorwaltenden  Flächen  von  ocP  und  OP.  —  Vor  wenigen  Jahren  kam 
der  Rittingerit  wieder,  aber  unter  anderen  Verhältnissen  vor:  vereinzelte 
Krystalle  in  Leberkies  fest  eingewachsen.  Das  spec.  Gew.  des  Rittingerit 
bestimmte  Schrauf  zu  5,63.  Die  chemische  Prüfung  ergab  einen  Silber- 
gehalt von  57,7  °/0  ?  ausser  dem  Arsenik  und  Selen.  Schrauf  glaubt,  dass 
das  Mineral  seinem  hohen  Silbergehalt  und  nach  dem  Prisma  von  nahe 
120°  seiner  chemischen  Formel  nach  der  Gruppe  des  Stephanit  und  Poly- 
basit  verwandt  sei.  Die  überaus  flächenreichen  Krystalle  sind  von  tafel- 
artigem Habitus  durch  vorwaltende  Basis;  untergeordnet  treten  verschie- 
dene Hemipyramiden  auf,  sowie  das  Prisma  ocP  =  124°  20'.  Zwillinge 
kommen  sehr  häufig  vor  nach  zwei  Gesetzen,  indem  die  Individuen  entwe- 
der mit  einer  Fläche  von  OP  vereinigt,  oder  mit  dem  Orthopiriakoid. 


93 


B.  Geologie. 

Studien  ü  bei*  Stoffwandlungen  im  Mineralreiche,  beson- 
ders in  Kalk-  und  Am  p  hib  olo  idge  steine  n  von  Dr.  A.  Knop, 
Leipzig  bei  H.  Hassel.   1873,  mit  5  Tafeln. 

Das  vorliegende  Werk  behandelt  in  zehn  Capiteln  und  einem  Rück- 
blick einen  Theil  des  Gebietes,  welches  man  unter  dem  Namen  des  „Me- 
tamorphismus" zu  begreifen  pflegt.  Mit  der  Entwicklung  der  orga- 
nischen Chemie  erkannte  man  mit  wachsendem  Interesse  die  Bedeutung, 
welche  dieselbe  für  die  Durchbildung  geologischer  Ideen  hat.  Es  ist  zwar 
nicht  dasselbe  Bereich  stofflicher  Reactionen,  als  mit  welchen  die  Geologie 
es  zu  thun  hat,  und  in  Folge  dessen  kann  von  den  einzelnen  Thatsachen 
jener  nur  selten  ein  directer  Gebrauch  zur  Erklärung  geologischer  Erschei- 
nungen gemacht  werden;  aber  da  dem  organischen  Molekül  eine  viel 
grössere  Beweglichkeit  seiner  Bestandteile  eigenthümlich  ist  als  dem  un- 
organischen, so  lässt  sich  die  Gesetzlichkeit  chemischer  Wirkungen  an 
jenem  leichter  erkennen,  als  an  diesem.  Die  Art  und  Grösse  der  Bewe- 
gungen von  Atomen  im  Molekül  und  von  Molekülen  und  Körpern  ist  we- 
sentlich abhängig  von  der  Grösse  der  lebendigen  Kraft,  oder  was  dasselbe 
sagen  will,  von  der  Temperatur,  welche  ihnen  ertheilt  wird.  Wie  der 
Verlauf  der  jährlichen  Temperaturänderungen  in  den  Organismen ,  beson- 
ders in  den  pflanzlichen,  eine  Reihenfolge  von  stofflichen  Bewegungen  und 
von  dadurch  bedingten  Verbindungszuständen  der  Atome  und  Moleküle  zur 
Folge  hat ;  so  müssen  auch  die  der  Wärmezustände  unserer  Planeten  von 
den  ältesten  Zeiten  bis  auf  die  heutige,  einen  Einfluss  auf  die  atomistische 
und  molekulare  Constitution  der  anorganischen  Substanzen  ausgeübt  ha- 
ben, wenn  dieser  auch  im  Allgemeinen  sich  für  grössere  Temperatur- 
Intervalle  als  bei  dem  organischen  Molekül,  geltend  macht.  Der  Verfasser 
stellt  demgemäss  die  plutonistischen  und  neptunistischen  geologischen  An- 
schauungen als  zwei  extreme  hin,  welche  ihre  Vermittlung  durch  einen 
Metamorphismus  finden,  dessen  Wirkungen  sich  je  nach  Umständen,  d.  h. 
je  nachdem  eine  erhitzte  Masse  abkühlt,  oder  eine  kältere  erwärmt  wird 
von  einem  Extrem  zum  andern  continuirlich  bewegen. 

Wenn  G.  Bischof  sich  das  grosse  Verdienst  erwarb,  die  Lehren  der 
Chemie  im  weiteren  Umfange  für  die  Erklärung  geologischer  Phänomene 
in  Anwendung  zu  bringen,  so  neigte  er  sich  gleichzeitig  allerdings  einer 
vorwaltend  neptunistischen  Anschauungsweise  zu.  Er  ging  von  dem  Grund- 
satze aus,  dass  dieselben  Reactionen,  welche  Körper  im  chemischen  Labo- 
ratorium auf  einander  ausüben,  auch  unter  gleichen  Bedingungen  in  der 
Natur  im  Grossen  stattfinden  müssen.  Gewiss  ist  an  sich  gegen  diesen 
Grundsatz  nichts  einzuwenden.  Nur  arbeitet  die  Natur  im  Grossen  und 
Ganzen  auch  unter  Bedingungen,  welche  entweder  im  Laboratorium  nicht 
gegeben,  oder  welche  wenigstens  mit  grossen  Schwierigkeiten  herbeizu- 
führen sind.  Zu  diesen  Bedingungen  ist  vor  Allem  die  Gegenwart  von 
Druck  zu  rechnen,  welcher  in  grösseren  Tiefen  der  Erdrinde  durch  das 
Vorhandensein  von  Wasser  factisch  existirt ,  und  welcher  viele  Körper, 


94 


besonders  das  Wasser  selbst,  befähigt,  bei  viel  höheren  Temperaturen  als 
sie  in  den  peripherischen  Regionen  der  Erde  herrschen,  im  tropfbar  flüs- 
sigen Aggregatzustande  zu  verharren,  und  dadurch  Reactionen  zu  vermit- 
teln, welche  bei  niederen  Temperaturen  nicht  hervorgerufen  werden. 
Bischofs  chemisch-  und  physikalisch-geologische  Auffassungen  können  dess- 
halb  auch  nur  Geltung  haben  für  diejenigen  Regionen  der  Erdrinde,  welche 
bei  niederen  Temperaturen  und  bei  niederem  Drucke  den  Wirkungen  der 
Atmosphärilien  zugänglich  sind.  Über  eine  gewisse,  durch  bestimmte  Tem- 
peraturen bezeichnete  Grenze  hinaus,  kehren  sich  für  manche  und  gerade 
für  geologisch  sehr  wirksame  und  allgemein  verbreitete  Körper  die  che- 
mischen Verwandtschaften  um. 

Die  Grenzen  der  BiscHOF'schen  Region  werden  nach  dem  Verfasser 
bestimmt  durch  eine  chthonisotherme  Fläche  von  100°  C,  welche  im  Allge- 
meinen in  einer  Tiefe  von  etwa  10000'  anzunehmen  ist,  und  unterhalb  wel- 
cher die  Kieselsäure  die  Eigenschaft  gewinnt,  aus  Carbonaten  die  Kohlen- 
säure auszutreiben,  während  oberhalb  derselben  die  Kohlensäure  befähigt 
ist  aus  Silicaten  die  Kieselsäure  abzuscheiden.  Bischof's  Region  ist  also 
characterisirt  durch  Bildung  von  Carbonaten  aus  Silikaten,  die  Region  des 
Metamorphismus  aber  durch  Bildung  von  Silicaten  aus  Carbonaten.  Der 
Verfasser  entwickelt  ferner,  wie  bei  einer  Tiefe  von  2000 — 3000'  unter 
dem  Meeresniveau  ein  Druck  herrscht ,  bei  welchem  die  Kohlensäure  zu 
einer  tropfbaren  Flüssigkeit  condensirt  sein  muss  und  bringt  damit  das 
Auftreten  von  Einschlüssen  derselben  in  metamorphischen  Gesteinen,  sowie 
die  Temperaturverhältnisse  von  Säuerlingen  in  Zusammenhang. 

Die  Veränderlichkeit  der  Temperatur,  unter  welcher  der  metamor- 
phische,  oder  metasomatische  Process  seine  chemische  Thätigkeit  entfaltet, 
wird  nach  dem  Verf.  bedingt,  theils  durch  die  Wärmestrahlung  des  Pla- 
neten gegen  den  Weltraum  seit  den  Urzeiten,  theils  auch  durch  die  säcu- 
laren  Dislocationen,  denen  aliquote  Tbeile  desselben  unterworfen  sind. 
Dieselbe  Wirkungsweise  schreibt  Er  auch  dem  Auftreten  von  Vulkanreihen 
oder  Vulkangruppen,  sowohl  auf  dem  Festlande,  als  auch  auf  dem  Meeres- 
boden an,  welche  die  Gebirgsmassen  mit  Spalten  durchsetzen  und  während 
langer  Eruptionsperioden  durchwärmen,  wie  auch  den  Sedimenten,  in  den 
Tiefen  der  Oceane,  in  denen  das  Wasser  schwerer  beweglich  ist  und  die 
chthonisothermen Flächen  tieferer  Stationen  in  höhere  Niveaux  rücken  lassen. 

Es  ist  bekannt,  dass  manche  Salze  in  ihren  Lösungen  bei  sich  verän- 
dernder Temperatur  verschiedene  Wassergehalte  annehmen ;  auch  dass  or- 
ganische Verbindungen  in  Glasröhren  mit  Wasser  eingeschlossen  und  über- 
hitzt sich  zu  neuen  Verbindungen  umsetzen.  Dasselbe  thun  anch  anorga- 
nische Verbindungen  unter  ähnlichen  Verhältnissen,  bedürfen  über  meist 
grösserer  Temperatur-Intervalle.  So  denkt  sich  der  Verfasser  auch ,  dass 
im  metasomatischen  Processe  gewisser  höheren  und  niederen  Temperaturen 
auch  bestimmte  molekuläre  Gleichgewichtslagen  entsprechen,  d.  h.,  dass 
gewisse  Mineralien  nur  bei  bestimmten  höheren  oder  niederen  Tempera- 
turen entstehen  und  sich  in  geAvissen  Temperatur-Intervallen  erhalten  kön- 
nen.  Specielle  Anwendung  macht  Er  von  dieser  Ansicht  auf  eine  Gruppe 


95 


von  Mineralien ,  welche  gerade  für  die  metamorphischen  Sedimente  von 
hervorragender  Bedeutung  sind,  und  welche  Er,  da  sie  bezüglich  ihrer 
Molekular-Constitution  einen  gewissen  verwandtschaftlichen  Zusammenhang 
mit  den  Amphibolen  verrathen,  mit  dem  Namen  der  Amphiboloide  be- 
zeichnet. Zu  diesen  Amphiboloiden  rechnet  Er  den  Granat,  Mejonit 
und  den  in  neuerer  Zeit  von  G.  vom  Rath,  als  auf  der  Grenze  zwischen 
dem  regulären  und  quadratischen  System  stehenden  erkannten  Leucit, 
ferner  Sarkolith,  Hnmboldtilith,  Idokras,  Magnesiaglimmer,  Epidot,  Spodu- 
men  u.  A.  Manche  der  Amphiboloide  enthalten  Wasser  und  zwar  theils 
als  Constitutionswasser,  theils  als  Hydrat-  oder  Krystallwasser,  wie  z.  B. 
Serpentin,  Talk,  Chlorit  und  Ripidolith.  Nach  Analogie  des  Verhaltens 
vieler  Körper  kann  man  annehmen,  dass  die  wasserfreien  Amphiboloide, 
welche  bezüglich  ihrer  Zusammensetzung  im  Wesentlichen  mit  denjenigen 
Varietäten  übereinstimmen,  welche  aus  feuerflüssigen  Laven  abgeschieden 
sind,  auch  im  metasomatischen  Process  die  höheren  Temperaturen  reprä- 
sentiren,  während  die  wasserhaltigen,  je  nach  der  Festigkeit,  mit  welcher 
das  Wasser  im  Molekularsystem  der  Substanzen  haftet,  auch  in  dem  Maasse 
niedere  Bildungstemperaturen  zum  Ausdruck  gebracht  haben.  Der  Über- 
gang der  wasserfreien  Amphiboloide  in  wasserhaltige  bei  sinkender  Tem- 
peratur ist  häufig  in  den  metamorphischen  Gebirgsmassen  durch  das  Auf- 
treten von  Pseudomorphosen  dokumentirt. 

Unter  den  Geologen,  besonders  den  Stratigraphen,  herrscht  im  Allge- 
meinen noch  die  Ansicht  vor,  dass  die  metamorphischen  Sedimentgesteine, 
wie  Hornblendeschiefer,  Talkschiefer,  Gneus  etc.,  als  solche  wie  sie  uns 
augenblicklich  erscheinen,  zum  Absatz  gelangt  seien.  Diese  Auffassung 
bekämpft  der  Verfasser,  indem  er  sich  mit  Entschiedenheit  der  anderen 
Auffassung  zuneigt,  welcher  zufolge  alle  metamorphischen  und  metasoma- 
tischen Gebilde  als  Wirkungen  der  StofTwandlungen  in  gewöhnlichen  Sedi- 
mentgesteinen anzusehen  sind.  Er  findet  die  Stützen  dieser  Auffassung 
ebensowohl  in  der  petrographischen  und  geologischen  Aequivalenz  von  Ge- 
birgsmassen derselben  Formation  in  der  Nähe  und  Ferne  von  eruptiven 
Gebirgskernen ,  als  auch  in  der  Einfachheit  des  chemischen  Zusammen- 
hanges, durch  welchen  tlie  Sedimentgesteine  mit  den  metamorphischen 
Massen  verbunden  sind,  und  durch  welche  die  Paragenesis  vieler  für 
die  metamorphischen  Gebilde  characteristi scher  Mineralspecies  erklärlich 
wird. 

Speciell  demonstrirt  Verf.  das  an  den  Kalkstein-  und  Dolomitablage- 
rungen, welche  gerade  in  den  älteren  Formationen,  besonders  im  Über- 
gangsgebirge theilweise  oder  ganz  als  Spatheisensteinlager  entwickelt  sind 
und  in  dem  primitiven  Schiefer-  und  Grenzgebirge  als  Äquivalente  auf- 
treten, welche  wesentlich  aus  Amphiboloiden  und  Magneteisen  bestehen 
und  welche  die  ursprünglich  vorhanden  gewesenen  Kalksteinlagerstätten 
theilweise  oder  gänzlich  verdrängt  haben. 

Wenn  man,  wie  es  der  Verf.  thut ,  den  Amphiboloiden  die  allgemeine 
Formel : 


96 


/     R3Si309  » 

mR3AJ.,09 
'    nRSi309  ) 

ertheilt,  in  welcher  das  erste  Glied  R.jSi^O,,  vorwaltend  oder  allein  aufzu- 
treten pflegt,  und  wenn  man  ferner  den  rhomboedrischen  isomorphen  Car- 
bonaten  die  Form 

R3C;$09 

zuerkennt,  so  ist  es  in  der  That  leicht  chemisch  zu  begreifen,  wie  bei 
Temperaturen,  welche  100  0  übersteigen  aus  kohlensauren  Kalk-Magnesia- 
Eisenoxydulsalzen  durch  Austreibung  von  Kohlensäure  vermittelst  der 
Kieselsäure  die  Amphiboloide  die  Bedingungen  zu  ihrer  Bildung  finden 
können.  Wenn  Daubree  bei  etwa  400  0  und  entsprechendem  Druck  bei 
Gegenwart  von  Wasser  in  geschlossenen  Röhren  einen  Diopsid-ähnlichen 
Pyroxen  darstellte,  so  ist  das  beiläufig  dieselbe  Temperatur,  bei  welcher 
Spatheisenstein  sich  zu  Magneteisen,  Kohlensäure  und  Kohlenoxyd  zerlegt. 

Im  Übrigen  muss  auf  die  z.  Th.  experimentelle  Begründung  dieser 
Ansichten  des  Verfassers  auf  das  Werk  selbst  verwiesen  werden.  Diesem 
sind  5  Tafeln  beigegeben,  welche  übrigens  besonders  und  ausdrücklich  bei 
der  Verlagsbuchhandlung  zu  bestellen  sind.  Sie  stellen  die  mikrophoto- 
graphischen  Aufnahmen  von  Fein  schliffen  aus  derben  metamorphischen 
Magneteisensteinmassen  dar,  welche  beweisen  sollen,  dass  diese  im  Allge- 
meinen keine  reguläre,  oktaedrische  Individualisirung  bemerken  lassen  und 
bei  sehr  dichtem  Aussehen  mit  grossen  Quantitäten  von  Amphiboloiden 
gemengt  zu  sein  pflegen.  Die  von  Herrn  Dr.  med.  B.  Benecke  in  Königs- 
berg gemachten  Aufnahmen  sind  durch  Lich't  druck  (Albertotypie)  von 
Jonas  und  Römler  in  Dresden  vervielfältigt  worden,  eine  Methode,  welche 
sich  wegen  der  Treue  der  objectiven  Darstellung  allgemeiner,  besonders 
aber  für  Gesteins-  und  Mineralschliffe  empfehlen  dürfte. 


Th.  Fuchs:  über  eigenthümliche  Störungen  in  den  Tertiär- 
bildungen des  Wiener  Beckens  und  über  eine  selbständige 
Bewegung  loser  Terrainmassen.  (Jahrb.  d.  geolog.  Reichsanstalt 
XXII,  3.  Heft,  S.  311—329,  Tf.  XII— XVI).  Die  eigentümlichen  Stö- 
rungen, welche  sich  in  Textur  des  Terrains  als  in  den  Lagerungsverhält- 
nissen der  Tertiär-Bildungen  des  Wiener  Beckens  bemerkbar  machen,  wur- 
den bisher  wohl  nicht  genügend  gewürdigt.  Dass  da,  wo  Sandschichten 
mit  festen  Bänken  wechsellagern,  letztere  zerbrochen  und  mannigfach  ver- 
schoben, dass  grössere  Massen  von  Belvedere-Schotter  völlig  isolirt  im 
Tegel  eingeschlossen  getroffen  wurden:  solche  und  andere  Erscheinungen 
sind  wohl  ungewöhnlichen  Veranlassungen  zuzuschreihen.  Th.  Fuchs  hat 
sich  durch  seine  umfassenden  Untersuchungen  überzeugt,  dass  es  in  der 
Natur  eine  bisher  entweder  völlig  übersehene,  oder  doch  lange  nicht  in 
ihrer  vollen  Wichtigkeit  erkannte,  einzig  und  allein  durch  die  Schwerkraft 
bedingte  selbständige  Bewegung  loser  Terrainmassen  gibt,  welche  in  der 


97 


Regel  mit  einer  Faltung  der  Schichten  beginnt,  dann  in  eine  förmliche 
Massen-Bewegung  übergeht,  die  bald  mehr  rollend,  bald  mehr  gleitend, 
nur  mit  dem  Fliessen  eines  Schlammstromes,  oder  der  Bewegung  eines 
Gletschers  verglichen  werden  kann  und  als  deren  Resultat  die  oben  ange- 
deuteten Störungen  betrachtet  werden  müssen.  —  In  einer  Reihe  ausge- 
suchter Beispiele,  von  erläuternden  Profilen  begleitet,  führt  Fuchs  die 
wichtigsten  Formen  auf,  in  denen  derartige  Störungen  auftreten,  die  alle 
entschieden  dafür  sprechen :  dass  sie  als  spontane ,  nur  durch  die  allge- 
meine Schwerkraft  bedingte  Massen-Bewegung  anzusehen  seien.  Aber  ein 
anderes ,  damit  verbundenes  Resultat  ist :  dass  der  Boden,  auf  dem  Wien 
steht,  weit  entfernt  seine,  ursprüngliche  Regelmässigkeit  des  Baues  bewahrt 
zu  haben,  vielmehr  in  seiner  ganzen  Ausdehnung  und  bis  in  bedeutende 
Tiefen  hinab  durch  und  durch  von  Störungen  aller  Art  betroffen.  Ja,  es 
haben  sogar  die  genauen  Untersuchungen  von  F.  Karrer  ergeben,  dass 
sich  der  Kanal  der  AViener  Wasserleitung,  so  weit  er  in  tertiärem  Terrain 
befindlich  in  seiner  ganzen  Länge  in  verschobenen  Terrainmassen  bewegt. 


Daubree:  Untersuchung  der  Gesteine  mit  gediegenem 
Eisen  von  Grönland.  (Comptes  rendus,  LXXIY,  1872.)  Die  bereits 
vielbesprochenen  *  Meteoriten  von  Ovifak  in  Grönland ,  welche  Norden- 
skiöld  von  seiner  denkwürdigen  Expedition  mitbrachte,  wurden  auch  von 
einem  der  erfahrensten  Kenner  meteorischer  Gebilde,  von  A.  Daubree,  näher 
untersucht.    Es  ist  besonders  eine  wie  Magneteisenerz  aussehende  Masse, 


welche  Daubree  einer  sehr  genauen  Analyse  unterwarf,  die  folgendes  Re- 
sultat ergab: 

Metallisches  Eisen   40,94   J  Eisen  im 

Eisen,  in  Verbindung  mit  Schwefel,  Phosphor  und  \  Ganzen 

Sauerstoff   30,15   )  71,09. 

Gebundener  Kohlenstoff  3,00  )  Kohlenstoff 

Freier  Kohlenstoff   1,64  j  4,61. 

Nickel   2,65 

^{^.  -.ji;  Schalt  .  ..    .   .   •  .:.,.>.:i.,r-v-f:i)ii-      l>   ... --v-'.   •  0,91  nnDntfcu? 

Schwefel,  als  Sulphuret   2,70 

Arsenik     .    ..  \   ...  -   .    .    .    .    .    .    .    .    .    .    .  0,41  'Z.  , 

Phosphor   0,2t 

/  Silicium   0,075 

'jgr  Stickstoff   .  ,  .0,004;"-  wl| 

ist  .-'i    Sauerstoff   >  v  r> ^S^tmK'Y 

Constitutions-Wasser   1,95 

Hygrometrisches  Wasser   0,91 

Schwefelsaurer  Kalk    .    1,288  ) 

Lösliche  Chlorkalcium  ....    0,039  (  1,354 

Substanzen.  J   Chloreisen   0  027  j 

Chrom,  Kupfer   i  ,01 


100,00 

In  diesem,  von  dem  Verfasser  als  erster  Typus  der  ihm  vorliegenden 
Meteoriten  bezeichnet,  sind  auch  noch  Troilit  und  Schreibersit  zu  erkennen, 


*  Vergl.  Jahrb.  1872,  S.  531 ;  431. 
Jahrbuch  1873. 


7 


98 

so  wie  ein  grünliches  Silicat.  Der  zweite,  lithoidische  Typus  enthält  klino- 
klastische  Feldspathe,  vielleicht  Labradorit. 


G.  Stäche:  der  Gneiss  vonBruneck  imPusterthalund  über 
den  Begriff  Centraigneis s.  (Verhandl.  d.  geolog.  Reichsanstalt  1872, 
Nr.  12,  S.  251—253.)  Bei  weitem  der  grösste  Theil  der  Gesteine,  welche 
das  Ahrenthai  kurz  vor  seiner  Ausmündung  in  das  Thal  des  Rienzbaches 
durchschneidet,  stimmt  in  so  auffallender  Weise  mit  den  Gneissgraniten 
und  der  ganzen  Reihe  von  Flaser-  and  Schiefergesteinen,  welche  die  Cen- 
tralkette  des  Zillerthaler  Stockes  zusammensetzen  und  die  in  ihrer  Gesammt- 
heit  als  Centralgneiss  bezeichnet  werden,  überein,  dass  es  nach  Stäche 
keineswegs  zweifelhaft,  dass  dieser  Complex  krystallinischer  Schieferge- 
steine petrographisch  und  geologisch  mit  der  durch  Vorwalten  granitischer 
Gneisse  ausgezeichneten  Gneissmasse  der  Centralalpen  zusammengehört. 
Auch  tritt  bei  Bruneck  eine  bisher  wenig  beachtete  Partie  von  Dolomiten 
und  Kalksteinen  auf,  durchaus  entsprechend  der  dem  Gneiss  des  Ziller- 
thaler Centraistockes  nördlich  vorliegenden  Kalkzone,  wie  diese  durch  ein 
Band  krystallinischer  Schiefer  von  der  Hauptgneiss-Masse  getrennt.  In 
beiden  Fällen  folgen  auf  die  Kalkzone  die  Thon-  und  Thonglimmerschiefer- 
Zonen.  —  Nach  seinen  Untersuchungen  glaubt  Stäche  ,  dass  der  Begriff 
„Centralgneiss"  sich  nicht  als  haltbar  erweisen  werde.  Erführt 
dafür...folgende  Gründe  an:  1)  der  Complex  geschichteter  Gneisse,  bisher 
als  Centralgneiss  ausgeschieden,  besteht  aus  petrographisch  verschiedenen 
Gesteinen,  die  jedoch  ihre  bestimmten  Horizonte  und  Aufeinanderfolge  ein- 
halten. 2)  Da  gerade  typische  Glieder  der  Gesteins-Reihe ,  wie  bei  Bruneck 
auch  an  den  Flanken  der  Central-Alpen  und  sogar  in  nicht  grosser  Ent- 
fernung von  der  Kette  der  südlichen  Kalkalpen  erscheinen,  da  ferner 
schon  früher  Stäche  auf  der  nördlichen  Seite  der  Centraikette  ein 
ähnliches  Auftauchen  von  den  das  oberste  Niveau  des  Centralgneisses  ein- 
nehmenden Augengneissen  aus  dem  Thonglimmerschiefer-Gebirge  des  un- 
teren Zillerthales  nachwies,  so  unterliegt  es  keinem  Zweifel,  dass  der  als 
Centralgneiss  bezeichnete  Gneisscomplex,  den  man  auf  das  Gebiet  und 
die  Linie  der  centralen  Hauptaxe  des  krystallinischen  Centraikörpers  der 
Alpen  beschränkt  wähnte,  auch  in  den  seitlichen  Falten- Aufbrüchen  zu 
Tage  tritt;  es  wird  ferner  wahrscheinlich:  dass  auch  andere  Gneiss-  und 
Granit  -  Körper  der  Nord-  und  Südflanken ,  sowie  der  Ost-  und  West- 
Ausgabelungen  der  Haupterhebungsaxe  des  krystallinischen  Centraigebirges 
sich  als  abzweigende  Radialwellen,  als  Faltenkerne  ergeben  werden,  welche 
die  Gesteins-Reihen  der  grossen,  in"der  Centrai-Linie  liegenden  Gneissmassen 
nur  unvollständig  zeigen.  3)  Es  scheint  Stäche  vorzüglich  der  Umstand, 
dass  man  nur  auf  die  besonders  auffallenden  Glieder  der  centralen  Gneiss- 
complexe  der  Tauern  und  Zillerthaler  Kette  Gewicht  legte,  hingegen  die 
begleitenden  Glieder  zu  wenig  beachtete,  die  Ansicht  von  dem  Bestehen 
eines  dem  Gebiet  der  Haupterhebungs-Axe  allein  angehörenden  petrogra- 


99 


phisch  einfach  begrenzbaren  „Centralgneiss"  mit  einer  für  den  geologischen 
Bau  des  ganzen  Centraigebietes  speciellen  Bedeutung  hervorgerufen  zu 
haben. 


Adolph  Senoner:  General-Register  der  Bände  XI— XX.  des 
Jahrbuches  und  der  Jahrgänge  1860—1870  der  Verhand- 
lungen der  geologischen  Reichsanstalt.  Wien  1872.  4°.  S.  221. 
Die  zahlreichen  Freunde  und  Besitzer  des  trefflichen  Jahrbuches  und  der 
Verhandlungen  der  geologischen  Reichsanstalt  werden  sicher  mit  Freude 
das  vorliegende  Register  begrüssen.  Es  ist  mit  grosser  Sorgfalt  und  Sach- 
kenntniss  zusammengestellt,  wie  Jeder,  der  über  einen  beliebigen  Gegen- 
stand nachschlägt,  sich  zu  überzeugen  Gelegenheit  findet.  Wer  aber  die 
Mühe  der  Ausarbeitung  eines  guten  und  zuverlässigen  Registers  kennt, 
wird  die  Arbeit  Senoner's  um  so  mehr  zu  schätzen  wissen.  Die  Anordnung 
ist  folgende :  I.  Personen-Register,  (S.  1—52).  II.  Orts-Register,  (S.  53—96.) 
III.  Sach-Register,  (S.  97—131).  IV.  Paläontologisches  Namens-Register, 
(S.  132-221). 


M.  F.  Gatzschmann:  die  Aufbereitung.  Zweiter  Band.  Mit  vielen 
in  den  Text  eingedruckten  Holzschnitten  und  einem  Atlas  von  66  Tafeln. 
Leipzig,  gr.  8°  1872.  Obwohl  Referate  über  in  das  Bergmännische  Fach 
einschlagende  Werke  dem  Zwecke  des  Jahrbuches  ferner  liegen,  sei  doch 
auf  eines  der  umfassendsten  und  gründlichsten  Werke,  das  die  neuere 
Literatur  der  Bergbaukunde  überhaupt  aufzuweisen  hat,  hier  aufmerksam 
gemacht.  Der  Verfasser  hat  sich  die  schwierige  Aufgabe  gestellt,  „eine 
übersichtliche,  systematische  Zusammenstellung  aller  Theile  und  Arbeiten 
der  Aufbereitung  nach  ihrem  Zweck  und  Character,  nach  den  dabei  zu 
Grunde  gelegten  Theorien ,  dem  zu  deren  Verwirklichung  befolgten  Ver- 
fahren mit  den  dazu  nöthigen  und  angewendeten  Vorrichtungen  und  Ma- 
schinen unter  gehöriger  Berücksichtigung  des  geschichtlichen  Ganges  der 
Ausbildung  derselben  zu  geben."  Dass  die  massgebenden  Grundsätze  der 
Physik,  Mechanik  und  Hydraulik  die  gebührende  Berücksichtigung  finden, 
bedarf  kaum  der  Erwähnung.  —  Das  vorliegende  Werk  ist,  (der  erste 
Band  in  vier  Lieferungen  von  1858  bis  1865),  der  zweite  Band  mit  der 
siebenten  Lieferung  nun  vollständig  erschienen.  Dass  eine  längere  Frist 
für  die  Ausarbeitung  eines  so  reichhaltigen  Werkes  nöthig  war,  lässt  sich 
denken.  Es  entspricht  aber  auch  durch  seine  Gediegenheit  den  strengsten 
Anforderungen.  —  Die  Ausstattung  macht  der  Verlagshandlung  viele 
Ehre. 


James  D.  Dana:  Cor  als  and  Coral  Islands.    New  York,  1872. 
8°.  378  p.  Mit  vielen  Holzschnitten,  lithographirten  Tafeln  und  Karten.  — 
Derselbe  Dana,  der  unter  dreierlei  Gestalt  die  weitumfassendsten  Reiche 

7* 


100 


der  Natur  beherrscht,  der  Verfasser  jener  klassischen  Riesenwerke  über 
Zoophyten  und  Crustaceen  „  United  States  Explorin  g  Expedition", 
der  Verfasser  des  vollständigsten  und  gründlichsteil  Werkes  über  Mine- 
ralogie „A  System  of  Miner alogy"  und  des  genialsten  Handbuches  der 
Geologie  „Manual  of  Geology" ,  veröffentlicht  in  diesem  neuen  Werke  die 
auf  Korallen  und  Korallen-Inseln  bezüglichen  Beobachtungen,  welche;  von 
ihm  auf  der  Erdumsegelung  mit  der  „Wilkes  Exploring-Expedition" 
während  der  Jahre  1838—1842  gemacht  worden  sind.  Auf  dieser  Kreuz- 
fahrt ist  Dana  zum  Theil  dieselben  Strecken  durchfahren,  welche  Ch.  Darwin 
in  den  Jahren  1831—1836  mit  dem  „Beagle"  unter  Capitän  Fitzroy  be- 
sucht hat.  Darwin's  berühmtes  Werk  über  Korallen-Riffe  erschien  in  dem 
Jahre  1842,  wo  auch  Dana's  Berichte  über  denselben  Gegenstand  schon 
im  Manuscripte  beendiget  war.  Beide  ausgezeichnete  Forscher  haben, 
wenn  auch  in  verschiedenen  Gegenden,  zum  grössten  Theile  wenigstens  bei 
ihren  Untersuchungen  dieselben  Resultate  gewonnen. 

Mit  der  bekannten  Gediegenheit  Dana's  durchgeführt  ,  tritt  uns  diese 
nicht  allein  für  Fachleute,  sondern  zugleich  für  einen  weiteren  Leserkreis 
bestimmte  Schrift  in  einem  ebenso  soliden  als  eleganten  Gewände  entgegen 
und  vermittelt  namentlich  auch  durch  ihre  vorzüglichen  Abbildungen  ein 
leichtes  Verständniss  des  hoch  interessanten,  an  und  für  sich  ziemlich 
schwierigen  nnd  früher  vielfach  verkannten. Stoffes. 

In  dem  ersten  Kapitel  „Korallen  und  Koralle nbildne r"  be- 
schreibt Dana  Form  und  Structur  der  Polypen,  wie  sie  leben  und  wachsen 
und  sich  erhalten  in  einer  Welt  von  Feinden;  wie  die  korallenbildenden 
Arten  ihre  Korallen  abscheiden;  wie  sie  sich  vervielfältigen  und  massen- 
haft anhäufen,  in  welchem  Meere  sie  gedeihen  und  unter  welchen  Be- 
dingungen die  Korallengewächse  sich  entwickeln. 

Dies  gilt  als  Einleitung  für  den  folgenden  Theil  des  Werkes  über 
Korallen-Riffe  und  Inseln,  worin  eine  Schilderung  des  Wesens  und 
der  Structur  dieser  Riffbildungen,  der  Art  ihrer  Anhäufung  und  ihres 
Wachsthumes  niedergelegt  ist,  Ursprung  von  Canälen  und  Lagunen  in 
Korallenriffen ,  Vertheilung  derselben  und  ihr  geologisches  Verhalten  be- 
leuchtet wird. 

Cap.  I.    Korallen  und  Ko  r  allen -B  ildner. 
I.  Polypen. 

1.  Actinoiden,  a)  welche  keine  Korallen  bilden,  1>)  welche  Ko- 
rallen bilden.    Classification  derselben. 

2.  Cy  athophy  lloide  n. 

3.  Alcyoniden. 

4.  Leben  und  Tod  der  Korallen  in  naher  Beziehung. 

5.  Chemische  Bestandteile  der  Korallen. 

IL  Hydroiden,  mit  Plumularia,  Mülepora  und  Heliopora. 

III.  Bryozoen. 

IV.  Nulliporen,  die  zu  den  Algen  gehören. 

V.  Die  Riff-bildenden  Korallen  und  die  Ursachen,  welche  ihr  Wachs- 
thum und  ihre  Verbreitung  beeinflussen. 


10t 


1.  Horizontale  Verbreitung  nach  den  Breitengraden. 

2.  Verticale  Verbreitung,  nach  der  Tiefe. 

3.  Locale  Ursachen,  die  ihre  Verbreitung  beeinflussen. 

4.  Wachsthumsverhältniss  der  Korallen. 

Cap.  II.    Structur  der  Korallen-Riffe  und  Inseln. 

I.  Korallenriffe,  an  den  Küsten  vorkommend. 

1.  Allgemeines  Bild. 

2.  Aussen-Riffe  oder  Grenzriffe  (harrier  reefs). 

3.  Meeresbildungen  ausserhalb  der  Grenzriffe. 

4.  Innen-Riffe  oder  Fransenriffe  (fringing  reefs). 

5.  Kanäle  zwischen  den  Riffen. 

6.  Strandsandstein. 

7.  Driftsandstein. 

8.  Stärke  der  Riffe. 

9.  Ein  gutes  Wort  für  Korallenriffe. 

II.  Koralleninseln,  isolirt  in  dem  Meere  vorkommend,  oder  Atolls, 
welches  Wort  Maldivischen  Ursprungs  ist. 

1.  Gestalt  und  allgemeines  Bild. 

2.  Sondirungen  um  Koralleninseln. 

3.  Structur  der  Koralleninseln. 

4.  Bemerkungen  über  mehrere  Koralleninseln,  wie:  die  Maldiven, 
die  grosse  Chagos-Bank,  Metia  etc.,  Jarvis's  Insel,  Birnie's  und 
Swains  Insel;  Otuhu,  Margaret,  Tehu,  Washington  Isl. ,  Ender- 
bury's  Isl.;  Honden  oder  Henuake;  Taiara,  Sydney's,  Duke  of 
York's ;  Fakaofo,  Ahii,  Raraka,  K awehe ;  Manhil,  Aratica,  Nairsa 
oder  Dean's ;  Florida-Riffe  und  Keys ;  Sondirungen  zwischen  Flo- 
rida-Reefs  und  Cuba,  Bahamas,  Salt  Key-Bank,  Bermuda  oder 
Somer's  Inseln. 

Cap.  III.   Bildung  der  Korallen-Riffe  und  Inseln  und  die  Ur- 
sachen für  ihre  Gestalt. 
I.  Bildung  der  Riffe. 

1.  Ursprung  von  Korallensand  und  dem  Riffgestein. 

2.  Ursprung  der  Plattform  der  Küste. 

3.  Wirkungen  der  Winde  und  Stürme. 

II.  Ursachen  für  Veränderungen  der  Gestalt  und  des  Wachs- 
thums der  Riffe. 

1.  Aussen-  und  Innenriffe  (Barrier-  und  fringing  reefs). 

2.  Atoll-Riffe. 

3.  Wachsthumsverhältniss  der  Riffe. 

4.  Ursache  für  die  Entstehung  der  verschiedenen  Arten  von  Riffen 
und  der  Atollform  der  Koralleninseln. 

Ältere  Ansichten  hierüber.    Entstehung  der  Canäle  inmitten 
der  Aussenriffe.    Die  Atolllagune.    Das  vollendete  Atoll,  eine 
mit  einer  Lagune  versehene  Koralleninsel. 
Cap.  IV.    Geographische   Beschreibung  der  Korallen-Riffe 
und  Inseln. 


102 


Cap.  V.    Über  Veränderungen  im  Meeresspiegel  des  stillen 
Oceans. 

1.  Nachweise  solcher  Veränderungen. 

2.  Senkungen  angezeigt  an  Atollen  und  Aussenriffen. 

3.  Stärke  der  Senkung. 

4.  Periode  der  Senkung. 

5.  Neue  Erhebungen  im  stillen  Ocean. 

Cap.  VI.    Geologische  Schlussfolgerungen. 

1.  Bildung  von  Kalksteinen. 

2.  Kalksteinschichten  zwischen  lebenden  Bänken. 

3.  Bildung  von  mächtigen  Kalksteinschichten. 

4.  Senkungen  als  wesentliche  Ursache  hierfür. 

5.  Tiefsee-Kalksteine  sind  selten  aus  Koralleninseln  oder  Rifftrüm- 
mern entstanden. 

6.  Mangel  an  Fossilien  in  den  aus  Korallenriffen  gebildeten  Kalk- 
steinen. 

7.  Verschiedenheit  der  modernen  Korallenriffbildungen  von  den  älte- 
ren Kalksteinablagerungen. 

8.  Verdichtung  der  Korallenfelsen. 

9.  Bildung  von  Dolomit. 

10.  Bildung  der  Kreide. 

11.  Maassstab  für  das  Wachsthum  der  Kalksteinbildungen. 

12.  Kalksteinhöhlen. 

13.  Meerestemperatur. 

14.  Senkung  der  oceanischen  Koralleninseln. 

Anhang.  1.  Geologische  Zeiten.  2.  Radiaten.  3.  Protozoen.  4.  Namen 
der  Arten  in  des  Verfassers  „Report  on  Zoophytes".  5.  Liste  der 
citirten  Werke  und  Abkürzungen. 

Prof.  Dana  rühmt  in  Bezug  auf  den  zoologischen  Theil  des  Werkes 
die  Unterstützung  seines  Collegen  A.  E.  Verrill  am  Yale  College,  da  er 
selbst,  wegen  seiner  anderen  Arbeiten,  seit  1850  diesen  Zweig  der  Zoologie 
nicht  mehr  so  speciell  wie  Jener  hat  verfolgen  können.  Die  musterhaften 
Abbildungen  sind  zum  grössten  Theile  dem  eigenen,  oben  erwähnten  Re- 
port von  Dana  entnommen,  während  andere  aus  Schriften  von  Gosse,  Mö- 
bius, Verrill,  Pourtales,  L.  Agassiz  ,  A.  Agassiz  ,  Smitt  ,  Edwards  und 
Halme,  Wilkes  Hartt  etc.  zur  Ergänzung  beigefügt  wurden. 

Angeschlossen  sind  ferner  eine  isokrynale  Karte  der  Oceane  mit  iso- 
thermen Linien  für  die  mittlere  Temperatur  der  kältesten  Monate,  zur 
Illustration  der  geographischen  Verbreitung  der  Korallen  und  anderer 
Meeresthiere,  eine  Karte  der  Viti-Gruppe  oder  Feetjee-Inseln  und  eine 
Karte  über  den  Meeresboden  zwischen  Florida  und  Cuba,  während  zahl- 
reiche andere  Kärtchen  über  die  oben  genannten  Koralleninseln  dem  Texte 
einverleibt  wurden. 

Eine  prächtige  Buntdrucktafel  am  Anfange  des  Werkes  nahm  Actinien 
auf,  mehrere  treffliche  Steindrucktafeln  inmitten  des  Textes  stellen  wahr- 
haft paradiesische  Zustände  auf  Koralleninseln  dar  und  konnten  den  Ver- 


f  03 


fasser  vollkommen  berechtigen  zu  seinem  „Good  Word  for  Cond  Reefs", 
die  man  ja  gewöhnt  ist,  als  trostlose  Einöden  und  Bilder  des  Schreckens 
auf  unserer  Erde  zu  betrachten. 

Schliesslich  können  wir  den  lebhaften  Wunsch  nicht  unterdrücken, 
dass  Dana's  Werk,  ebenso  wie  früher  Darwin's  Werk  über  denselben  Ge- 
genstand, recht  bald  in  die  deutsche  Sprache  und  noch  andere  Sprachen 
übertragen  werden  möge,  um  es  den  weitesten  Kreisen  noch  mehr  zu- 
gänglich zu  machen. 


Washingtoner  Meteorologische  Berichte.  (Leopoldina,  VII. 
No.  13  und  14.)  —  Das  War-Departement  der  Vereinigten  Staaten  über- 
sandte der  K.  Leopoldinisch-Carolinischen  Deutschen  Akademie  der  Natur- 
forscher eine  Probe  der  von  ihm  herausgegebenen  täglichen  meteorologi- 
schen Berichte,  die  aus  den  gleichzeitigen  Beobachtungen  von  70  verschie- 
denen, das  ganze  Gebiet  der  Vereinigten  Staaten  überziehenden  Orten 
zusammengestellt  und  dreimal  täglich  (Beobachtungszeit  7,35  a.  m.,  4,35 
p.m.  und  11,35  p.m.)  veröffentlicht  werden.  Die  Angaben  beziehen  sich 
auf:  Stand  des  Barometers,  dessen  Änderung  seit  8  Stunden,  Thermometer- 
stand,  dessen  Änderung  seit  24  Stunden,  relative  Feuchtigkeit  (in  Procen- 
ten),  Richtung  des  Windes,  dessen  Geschwindigkeit  (nach  Meilen  pro  Stunde), 
Druck  (nach  Pfund  auf  den  Quadratfuss),  dessen  Stärke  nach  Beaufort's 
Skala,  Betrag  der  oberen  Wolkenmassen,  deren  Richtung,  Betrag  der  un- 
teren Wolkenmassen,  Regenmenge  in  den  letzten  8  Stunden,  Änderung  der 
Flüsse  in  den  letzten  24  Stunden,  Beschaffenheit  des  Wetters. 

Jedes  einzelne  Bulletin  bringt  als  Beigabe  eine  Karte,  auf  welcher 
die  wichtigsten  meteorologischen  Momente  graphisch  dargestellt  sind  und 
die  eine  treffliche  und  schnelle  Übersicht  über  den  jedesmaligen  Zustand 
der  Atmosphäre  jenes  Erdstriches  gewährt.  Ausserdem  trägt  jede  Karte 
noch  eine  Synopsis  über  die  Witterungsverhältnisse  der  letzten  24  Stunden 
und  eine  Aufstellung  der  „Probabilities"  des  wahrscheinlichen  Wetters  der 
nächsten  Zeit. 

Die  Überschrift  der  Berichte  lautet:  Daily  Bulletin.  War-Departe- 
ment, Signal  Service  U.  S.  Army  Division  of  Telegrams  and  Reports  for 
the  benefit  of  Commerce.  Meteor  ological  Record ,  Washington,  June  15. 
1872.  — 

Das  War-Departement  erbietet  sich,  seine  Berichte  den  Zeitungen 
unentgeltlich  zu  liefern,  welche  dieselben  zum  Vortheile  ihrer  Leser  zu 
veröffentlichen  wünschen,  und  auch  an  die  Redaction  unseres  Jahrbuches 
sind  Probeblätter  derselben  gelangt. 


Clarence  King:  United  States  G eological  Exploration  of 
the  fortieth  Parallel.  Vol.  III.  Mining  Industry  by  J.  D.  Hague, 
with  G  eolo  gical  Contr  ibutions  by  Cl.  King.  Washington,  1870. 
4°.    647  p.,  37  PI.  and  Atlas  in  Folio,  14  PI.  — 

Clarence  King,  welchem  im  März  1867  von  Seiten  des  General  A.  A. 


104 


Humphreys  der  ehrenvolle  Auftrag  wurde,  die  geologische  Erforschung  des 
40.  Breitengrades  in  den  nordamerikanischen  Staaten  auszuführen  und 
namentlich  die  daran  grenzenden  Grubendistricte  in  Nevada  und  Colorado 
zu  untersuchen,  veröffentlicht  in  diesem  Bande  die  mit  Hülfe  seiner  Assi- 
stenten, und  unter  diesen  in  erster  Reihe  James  D.  Hague,  gewonnenen 
Resultate.  Es  ist  dieses  Werk  in  der  Staatsdruckerei  zu  Washington  in 
einer  opulenten  Weise  gedruckt  und  mit  zahlreichen  Abbildungen  ausge- 
stattet worden,  welche  den  grossen  Fortschritt  des  dortigen  bergmänni- 
schen Betriebes  bis  in  sein  Detail  beurkunden.  Diese  specielle  Abtheilung 
des  Werkes  war  besonders  Herrn  Hague  zuertheilt,  während  King  selbst 
mehr  die  allgemeineren  geologischen  Beziehungen  festgestellt  hat.  Das 
erste  Kapitel  behandelt  die  Vertheilung  und  die  Geologie  der 
Grubendistricte,  deren  Lage  auf  einer  Übersichtskarte  der  westlichen 
Staaten  und  Territorien,  PI.  1  des  Atlas,  zu  überblicken  ist. 

Das  grosse  zwischen  den  Californischen  Gebirgen  und  dem  Felsen- 
gebirge sich  ausdehnende  Bassin,  im  Westen  begrenzt  durch  die  Sierra 
Nevada,  im  Osten  durch  die  Wahsatch-Kette,  war  das  Hauptfeld  dieser 
Untersuchungen.  Ein  Durchschnitt  von  W.  nach  0.  längs  des  40.  Breite- 
grades gewährt  eine  gute  Einsicht  in  seinen  orographischen  Bau. 

Mit  plötzlichem  Abfall  von  der  Sierra,  deren  Erhebung  hier  gegen 
10000  Fuss  beträgt,  in  einen  niedrigen  Landstrich,  welcher  die  grosse 
Kette  1000  Meilen  lang  begrenzt  und  sich  nach  0.  hin  in  verhältnissmäs- 
sig  flache  Einöden  ausbreitet,  wird  ihre  Oberfläche  doch  hier  und  da  durch 
abgerissene  Gebirgsketten  unterbrochen.  Von  diesem  wüsten  Niederland, 
dessen  mittlere  Höhe  über  dem  Meere  4000  Fuss  beträgt,  steigt  das  Land 
nach  0.  hin  allmählich  auf,  wobei  seine  Oberfläche  mit  einer  Reihe  von 
südlich  streichenden  Gebirgsketten  bedeckt  ist,  die  durch  trogartige 
Thäler  geschieden  werden.  Wo  der  40.  Breitengrad  den  116.  Meridian 
W.  L.  durchschneidet,  gipfelt  sich  die  Erhebung  und  vermindert  sich  0. 
von  hier  zu  einem  zweiten  Gürtel  niedriger  Ebenen,  deren  Trockenheit 
mit  jener  des  Nevada-Bassins  wetteifert.  Diese  Wüste  von  Utah 
erstreckt  sich  bis  an  die  steile  Erhebung  der  Wahsatch-Kette.  Die  mitt- 
lere Höhe  des  ganzen  Systemes  von  Parallelketten,  welche  von  N.  nach 
S.  das  grosse  Bassin  durchlaufen,  nähert  sich  9000  Fuss  Höhe,  während 
die  dazwischen  liegenden  Ebenen  in  Nevada  und  Utah  gegen  4000  Fuss 
hoch  sind  und  sich  zwischen  beiden  selbst  bis  6000  Fuss  hoch  erheben. 
In  diesen  Parallelketten  herrschen  Schichten  von  azoischem  Alter  bis  hin- 
auf zu  dem  Jura  vor.  Ihren  Kern  bilden  oft  granitische  Gesteine,  wozu 
sich  Quarz-  und  Felsitporphyre  gesellen. 

Schon  J.  D.  Whitney  hat  gezeigt,  dass  die  Erhebung  und  Faltung  der 
Sierra  Nevada  erst  nach  der  Bildung  des  Lias  erfolgt  und  vor  die  Bildung 
der  Kreidezeit  gefallen  ist,  deren  sandige  und  thonige  Schichten  ungleich- 
förmig auf  den  aufgerichteten  und  metamorphischen  Schichten  jurassischer 
Schiefer  lagern.  Nach  King  gehören  alle  diese  Parallelketten,  einschliess- 
lich der  Wahsatch-Kette,  als  der  östlichsten  Mauer,  demselben  Erhebungs- 
systeme an,  und,  während  der  pacifische  Ocean  an  dem  westlichen  Ab- 


105 


hange  der  Sierra's  jenen  Saum  von  Sand  und  Thon  abschied,  welcher  im 
Laufe  der  ungestörten  Kreidezeit  und  der  Tertiärzeit  beträchtlich  verdickt 
worden  ist,  hat  der  Atlantische  Ocean,  oder  richtiger  gesagt,  der  Ocean, 
welcher  das  Mississippi-Bassin  bedeckt  hielt,  die  Ostseite  des  Wahsatch 
bespült  und  eine  Reihe  cretacischer  und  tertiärer  Schichten  dort  abge- 
schieden, welche  genau  mit  den  Küstenablagerungen  des  pacifischen  Oceans 
correspondiren.  Nach  Anhäufung  dieser  Massen  bis  in  die  Miocänzeit  hin- 
auf sind  auch  diese  später  zu  Parallelketten  ausserhalb  des  vorher  be- 
schriebenen älteren  Gebirgssyste  nes  gefaltet  worden.  Die  älteren  Erhe- 
bungen waren  von  granitischen  Gesteinen,  die  jüngeren  von  vulkanischen 
Gesteinen  begleitet. 

Die  gegenwärtige  Expedition  hat  ihre  Arbeiten  auf  einen  Gürtel  be- 
schränkt, welcher  von  Nord  nach  Säd  100  Meilen  weit  den  40.  Breiten- 
grad begrenzt.  Die  dort  gefundenen  Localitäten  für  edle  Metalle  scheinen 
auf  unter  sich  parallele  Längszonen  angeordnet  zu  sein,  was  auch  der 
vorher  bezeichneten  Richtung  von  parallelen  Gebirgsketten  wohl  entspricht. 
Dasselbe  gilt  auch  für  das  Vorkommen  von  edlen  Metallen  in  dem  ganzen 
Gebiete  der  Cordilleren  überhaupt,  worauf  zuerst  W.  P.  Blake  die  Auf- 
merksamkeit gelenkt  hat.  Die  pacifische  Küstenreihe  im  Westen  ist  be- 
laden mit  Quecksilber,  Zinn  und  Chromeisenerz.  Der  nächst  folgende 
Gürtel  der  Sierra  Nevada  und  Oregon-Cascaden  enthält  zwei  Zonen,  eine 
am  Fusse  sich  hinziehende  Kette  von  Kupfergruben  und  eine  mittlere  Linie 
von  goldführenden  Ablagerungen. 

Durch  Mittel-Mexico,  Arizona,  Mittel-Nevada  und  Centrai-Idaho  geht 
eine  dritte  Linie  von  Silbergruben;  durch  Neu-Mexico,  Utah  und  West- 
Montana  führt  die  Zone  der  silberführenden  Bleiglanzgänge.  Im  Osten 
endlich  breitet  sich  die  wohl  begrenzte  goldführende  Zone  von  Neu-Mexico, 
Colorado,  Wyoming  und  Montana  aus. 

Bei  weitem  der  grösste  Theil  der  Erzlagerstätten  tritt  entweder  in 
den  geschichteten  metamorphischen  Gebirgsarten  oder  in  den  älteren  Erup- 
tivgesteinen auf,  welche  der  jurassischen  Erhebung  anheimfallen,  während 
andere  vielleicht  noch  reichere,  und  namentlich  silberführende,  gänzlich 
den  neuen  vulkanischen  Bildungen  der  Tertiärzeit  angehören.  Zu  den 
letzteren  ist  die  merkwürdige  öomstock  lode  zu  zählen. 

Cap.  II.  The  Comstock  Lode.  Das  nach  0.  zunächst  an  die  Sierra 
Nevada  angrenzende  Grubengebiet  ist  der  Washoe-District  in  den  Um- 
gebungen von  Virginia  City,  mit  der  Comstock  lode,  worüber  neben 
einer  sehr  ausführlichen  Beschreibung  PI.  2  des  Atlas  und  eine  Reihe  von 
Profiltafeln  näheren  Aufschluss  ertheilen.  Die  am  Granite  aufgerichteten 
metamorphischen  Schichten  der  Trias,  sowie  Syenit  werden  bedeckt  und 
umlagert  von  vulkanischen  Gesteinen,  wie  Propylit,  Quarzpropylit,  Ande- 
sit,  Trachyt  und  Basalt,  und  es  sind  die  silberführenden  ComstocTc-G&nge 
eng  an  den  Propylit  gebunden.  Diess  ist  ein  Oligoklas-Hornblende-Trachyt, 
welcher  an  und  für  sich  keine  Spur  von  Silber  zeigt.  Die  unter  dem  Na- 
men Comstock  Lode  bekannte  reiche  Erzlagerstätte  liegt  an  dem  Fusse 
des  aus  Syenit  bestehenden  Mount  Davidson  und  an  der  Grenze  der 


106 


Propylite,  welche  ihn  überlagert  haben.  Ihre  Structur  wird  S.  37  u.  f.  im 
Detail  beschrieben  und  durch  Profile  und  Karten  im  Atlas  genau  erläutert. 
Die  gegebenen  Darstellungen  sind  für  das  Vorkommen  und  für  den  Abbau 
solcher  jüngeren  Erzgänge  höchst  belehrend. 

Die  auf  dem  Comstoch  vorkommenden  Mineralien  sind  vorzugsweise : 
gediegen  Gold,  gediegen  Silber,  Silberglanz,  Polybasit,  Stephanit,  silber- 
führender Bleiglanz  und  zuweilen  Pyrargyrit.  Neben  denselben  treten 
Quarz,  Pyrit,  Kupferkies,  Eisenoxyd,  Manganoxyd,  Sulphate  von  Kalk  und 
Magnesia,  Carbonate  von  Magnesia,  Kalk,  Blei  und  Kupfer  auf. 

In  dem  kurzen  Zeitraum  von  9  Jahren  hat  die  Comstoch  lode  jährlich 
nahezu  f  11,000000  Ausbeute  gegeben. 

Cap.  III  verbreitet  sich  über  die  zahlreichen  Gruben  und  den  Betrieb 
in  der  Comstoch  Lode  selbst,  wiederum  eine  für  den  Bergmann  beachtens- 
werthe  Darstellung,  welche  von  zahlreichen  Abbildungen  begleitet  ist. 

Cap.  IV  behandelt  ausführlich  die  Verarbeitung  der  dort  gewonnenen 
Erze,  die  dort  üblichen  metallurgischen  Processe  und  dazu  verwendeten 
Apparate. 

Cap.  V  führt  den  chemischen  Theil  der  dort  üblichen  Processe  durch. 

Cap.  VI.  Mittel-  und  Ost-Nevada.  S.  295.  Die  Entdeckung  und 
erste  Entwickelung  der  Comstoch  lode  in  den  Jahren  1859  und  1860  reg- 
ten zu  weiteren  Nachforschungen  in  Nevada  an,  und  bald  folgte  die  Ent- 
deckung von  neuen  silber-producirenden  Gegenden,  wie  zuerst  1861  in 
Humboldt  City,  ca.  150  Meilen  N.W.  von  Virginia  City,  ein  Jahr  spä- 
ter jene  am  Reese  River.  Von  diesen  Mittelpunkten  aus  haben  sich 
strahlenförmig  nach  allen  Richtungen  hin  kleinere  Aufschlüsse  ergeben. 

Man  erhält  über  einzelne  der  dortigen  Gruben,  wie  Montezuma 
mine,  Umgegend  von  Unionville,  der  Hauptstadt  von  Humboldt  County, 
den  Star-District,  Gold-Run  etc.  in  Mittel-Nevada  nähere  Auskunft. 

Geologische  Verhältnisse  der  Toyabe-Kette,  S.O.  von  Humboldt- 
City,  hat  S.  F.  Emmons  S.  320  gegeben  und  eine  hierauf  bezügliche  geo- 
logische Karte  des  Atlas  PI.  13,  sowie  eine  Reihe  Profile  auf  Taf.  26  des 
Werkes  weisen  von  sedimentären  Gebilden  Kalksteine,  Schiefer  und  Quar- 
zite  der  Carbonformation,  Granit,  Propylit,  Quarz-Propylit,  Rhyolith  und 
quartäre  Gebilde  nach.  Die  weit  verbreitete  Fusulina  cylindrica  wurde 
auch  dort  erkannt. 

Der  Grubenbetrieb  in  dem  Reese  river-Districte  wird  S.  349  u.  f. 
beschrieben. 

Über  die  Geologie  des  im  östlichen  Nevada  gelegenen  White-Pine- 
Distrietes  ertheilt  Arnold  Hague  S.  409  u.  f.  nähere  Auskunft,  indem 
er  auf  PI.  14  des  Atlas  in  dieser  Gegend  devonische  Kalksteine  und  Schie- 
fer, sowie  carbonische  Schiefer,  Sandsteine  und  Kalksteine  unterschieden 
hat.  (Vgl.  Meek,  Jb.  1871,  93.)  Der  in  sein  Gebiet  fallende  Treasures- 
Park,  um  welchen  sich  die  wichtigsten  bergmännischen  Unternehmungen 
gruppiren,  liegt  in  39°14/  N.  Br.  und  115°27/  W.  L.  von  Greenwich.  Es 
kommen  hier  folgende  Mineralien  vor:  Quarz,  Kalkspath,  weiss  und  schwarz, 
Gyps,  Flussspath,  Baryt,  Schwarzmanganerz,  Rhodonit,  Manganspath,  Chlor- 


107 


silber,  Bleiglanz,  Cerussit,  Azurit.  Die  beiden  ersteren  werden  überall  mit 
den  Silbererzen  zusammen  gefunden.  Chlorsilber  kommt  sowohl  derb,  als 
auch  in  deutlichen  Krystallen  vor. 

Die  Gruben  im  Egan  Cafion-District  sind  S.  445  von  S.  F.  Emmons 
beschrieben  worden. 

Cap.  VII.  Das  Kohlenbassin  von  Green  River.  S.  451.  Die 
Wahsatch-Kette  bildet  die  Scheidungslinie  zwischen  den  centralen  und 
Atlantischen  geologischen  Gebirgssystemen.  Sie  war  die  westliche  Grenze 
für  die  atlantische  Kreideformation,  die  sich  anscheinend  nie  über  das 
grosse  Bassin  erstreckt  hat.  In  der  Nähe  der  Gipfel  des  Wahsatch  von 
9000  Fuss  Höhe  stellen  sich  Lager  von  Kohlen  ein,  welche  der  oberen 
Kreideformation  oder  dem  älteren  Tertiär  angehören,  das  hier  die  obersten 
Glieder  der  Kreide  überlagert.  Diese  kohlenführenden  Schichten  erschei- 
nen nicht  nur  im  Süden  der  Uintah-Kette,  sondern  auch  noch  an  der  öst- 
lichen Seite  des  Green  River  und  verbreiten  sich  von  dort  weit  durch 
Wyoming  Territory  und  Colorado.  Sie  scheinen  unerschöpflich  zu  sein, 
da  die  Kohlenlager  auf  sehr  weite  Strecken  hin  mit  7—25  Fuss  Mächtig- 
keit nachgewiesen  worden  sind,  und  haben  die  Aufmerksamkeit  der  Grün- 
der bereits  auf  sich  gezogen.  Über  ihre  Qualität  und  chemische  Beschaf- 
fenheit wird  S.  473  eine  Anzahl  Analysen  veröffentlicht. 

Cap.  VIII.  Colorado.  S.  475.  Colorado  besitzt  einen  Mineralreich- 
thum von  verschiedenem  Charakter.  Besonders  reich  an  Gold  und  Silber 
besitzt  es  in  Verbindung  mit  diesen  Metallen  auch  werthvolle  Quellen  für 
Blei  und  Kupfer.  Seine  Kohlenflötze  haben  eine  grosse  Ausdehnung  und 
werden  eine  wichtige  Basis  für  Berg-  und  Hüttenbetrieb  abgeben  können, 
seine  Eisenerzablagerungen  sind  weit  verbreitet  und  repräsentiren  einen 
hohen  Werth,  während  noch  hier  und  da  Salz,  Gyps,  feuerfester  Thon 
und  andere  nutzbare  Naturproducte  gefunden  werden. 

Speciellere Schilderungen  des  Gold-Districtes  in  Colorado  folgen  im 

Cap.  IX,  S.  493,  begleitet  von  einer  Karte  über  die  Goldregion  in 
CilpinCounty,  woran  die  wichtigsten  Goldgruben  in  Colorado  gebunden 
sind.  Im  Allgemeinen  kommen  die  dortigen  Goldlager  in  einem  graniti- 
schen oder  gneissartigen  Gesteine  vor  und  behaupten  einen  hohen  Grad 
Parallelismus  in  ihrer  Streichrichtung  von  W.  nach  0.  oder  von  N.O.  nach 
S.W.  Sie  sind  meist  an  quarzreiche  Gänge  gebunden,  deren  reichere  Stel- 
len das  Gold  mit  Eisen-  und  Kupferkies  vermengt  enthalten,  denen  sich 
oft  noch  etwas  Bleiglanz,  Zinkblende,  Arsenkies  etc.  beigesellen,  oder  in 
derbem  goldführendem  Pyrit  enthalten.  Eine  grössere  Reihe  der  dortigen 
Gruben  wird  specieller  beschrieben,  und  hierauf  die  Behandlung  der  Erze 
in  einem  besondern  Abschnitte  S.  547  näher  dargelegt. 

Cap.  X.  Silb  erb  ergbau  in  Colorado.  Der  am  meisten  produc- 
tive  Silber-Bergbau-District  in  Colorado  ist  gegenwärtig  der  von  George- 
town, wo  man  die  ersten  Spuren  von  Silber  im  Jahre  1859  entdeckt  hat. 
Die  zahllosen  Gänge  in  diesem  Gebirgsstriche  sind  reich  an  Silber,  ent- 
halten aber  nur  wenig  oder  kein  Gold.  Sie  treten  wiederum  im  Granit 
oder  Gneiss  auf,  welcher  letztere  vorherrscht.    Auf  Tab.  35  wird  ein  ge- 


108 


nauer  Durchschnitt  eines  solchen  Ganges  der  Terrible  Mine  vorgeführt 
welcher  sehr  an  die  Freiberger  Vorkommnisse  erinnert.  Andere  Vorkomm- 
nisse sind  weiter  beschrieben  und  die  Behandlung  der  Erze  wird  S.  606 
durchgeführt,  wodurch  man  namentlich  über  das  dabei  festgehaltene  Amal- 
gamationsverfahren  Belehrung  findet. 

Eine  andere  wichtige  Gegend,  Snake  River  region  liegt  gegen 
18—20  Meilen  von  Georgetown  entfernt  und  wird  besonders  in  der  Nähe 
von  Montezuma  ausgebeutet.  Die  zum  Waschen  der  dortigen  Erze  ge- 
bräuchliche Vorrichtung  tritt  uns  auf  PL  37  als  „John  Collom's  Patent 
Ore  Wushing  Machine"  entgegen,  und  der  zur  Förderung  dienende  Hund 
bildet  den  Schluss  des  ganzen,  mit  grosser  Sachkenntniss  geschriebenen 
Werkes,  das  nicht  verfehlen  wird,  namentlich  in  Amerika  selbst,  den  berg- 
und  hüttenmännischen  Aufschwung  zu  befördern. 


C.  Paläontologie. 

S.  Loven:  Om  Echinoideernas  byggnaä.  (Öfoersigt  af  Kongl. 
Vetenskaps-Äkademiens  Förhandlingar  1871,  No.  8,  Stockholm.)  —  Loven 
schildert  den  Bau  der  Echinodermen  in  allen  einzelnen  Theilen  ihrer  viel- 
gestaltigen Schale  und  erläutert  seine  Untersuchungen  durch  treffliche  Ab- 
bildungen. Eine  Übertragung  dieser  wichtigen  Abhandlung  in  eine  leichter 
zugängliche  Sprache  durch  den  Verfasser  selbst  würde  Vielen  höchst  will- 
kommen sein. 


E.  Desor:  l'evol  atio  n  des  $ chinides  dans  la  serie  ge  o  le- 
gi que  et  leur  role  dans  la  formation  jurassique.  Neuchätel, 
1872.  8°.  28  p.  1  PI.  Wenn  allgemeine  Schlüsse  über  das  Entwicke- 
lungsgesetz  der  Echiniden  auf  Grund  der  umfassendsten  Specialuntersu- 
chungen basiren  sollen ,  so  war  wohl  vor  Allen  Desor  berechtiget,  diesel- 
ben zu  ziehen. 

Bei  Echiniden  spricht  sich  das  Gesetz  des  allmählichen  Fortschrittes 
darin  aus,  dass  die  in  ihrer  Ent Wickelung  am  niedrigsten  stehenden  regu- 
lären Echiniden  in  der  Schichtenreihe  der  Erdrinde  sich  am  ersten  zei- 
gen, zunächst  unter  der  Form  der  Tesselaten,  dann  unter  der  der 
Cidarideen,  während  die  vollkommeneren,  dieSpatangoiden,  in  wel- 
chen die  bilaterale  Form  am  deutlichsten  ausgesprochen  ist,  zuletzt  er- 
scheinen. 

Zwischen  diesen  Extremen  ordnet  sich  eine  Menge  von  Gattungen  und 
Gruppen  ein,  welche  durch  vielfache  Übergänge  eng  mit  einander  ver- 
bunden sind. 

Im  Allgemeinen  haben  die  Echiniden  seit  ihrem  ersten  Erscheinen  in 
paläozoischen  Schichten  einen  aufsteigenden  Weg  verfolgt,  sowohl  in  Be- 


109 


zug  auf  Zahl,  Varietät  und  Organisation.  Zuerst  ganz  unbedeutend  er- 
langt ihre  Rolle  ein  bedeutendes  Gewicht  von  der  jurassischen  Epoche  an. 
Hier  blühen  sie  zum  ersten  Male  auf,  wie  diess  bei  den  Crinoideen  in  der 
Carbonzeit  war.  Ihre  weitere  Entwickelung  ist  aber  nicht  ein  Spiel  des 
Zufalls  gewesen.  Sie  war  gebunden  an  alle  Veränderungen  des  Meeres- 
bodens, nicht  nur  an  die  grösseren  Umwälzungen,  welche  die  Ausbreitung 
und  die  Grenzen  der  alten  Meere  verändert  haben,  sondern  auch  an  die 
inneren  Veränderungen  der  Gewässer,  die  auf  die  Bewohner  derselben  den 
grössten  Einfluss  ausüben  mussten,  sei  es  durch  Veränderungen,  sei  es 
durch  Veranlassung  zu  Wanderungen  der  Arten. 


R.  Etheridge:  eine  neue  Gattung  fossiler  Sc  ut  eZZa-artiger 
Echinodermen  von  Saffe,  N.-Afrika.  (The  Quart.  Journ.  of  the  Geol. 
Soc.  of  London,  Vol.  XXVIII.  p.  97.)  —  Eine  auf  der  Reise  von  Dr.  Hooker 
und  G.  Maw  nach  Marocco  mitgebrachte  neue  Form  Echinodermen  wird 
als  Motuloidea  fimlmata  Eth.  bestimmt  und  für  miocän  gehalten. 


F.  B.  Meek:  Report  on  the  P  aleontolo  gy  of  Easiern  Ne- 
braska. Washington,  1872.  4°.  248  p.,  11  PL  —  Der  Verfasser  beginnt 
seine  Betrachtungen  über  die  Paläontologie  des  östlichen  Nebraska  mit 
folgender  Bemerkung:  „Es  gibt  wahrscheinlich  nur  wenige  gut  unterrich- 
tete Geologen,  welche  die  Ansicht  noch  festhalten,  dass  das  Vorkommen 
einer  sehr  ähnlichen,  oder  selbst  einer  gleichen  Gruppe  von  Fossilien  an 
weit  von  einander  getrennten  Localitäten  eine  vollständig  gleichzeitige  Ent- 
stehung der  Gesteine  beweise,  worin  sie  gefunden  werden."  Diess  ist  schon 
oft  auch  von  Anderen  ausgesprochen  worden,  denen  es  eben  passend  er- 
schien, und  dennoch  hat  es  sich  immer  von  neuem  wieder  bestätiget,  dass 
die  Lehre  von  den  Leitfossilien  kein  lehrer  Wahn  ist,  und  dass  sie  auch 
in  den  von  einander  entferntesten  Gegenden  für  die  Bestimmung  des  re- 
lativen Alters  der  Schichten  einen  hochwichtigen  Anhaltepunkt  gewährt. 
Diese  Lehre  leistet  die  grössten  Dienste  selbst  bei  einer  gegenseitigen 
Vertretung  limnischer  und  mariner  Schichtenreihen,  wofür  in  Nebraska  ein 
ausgezeichnetes  Beispiel  vorliegt.  * 

Die  gegenseitige  Vertretung  limnischer  und  mariner  Ablagerungen 
reicht  durch  die  ganze  Reihe  der  Carbonformation  hindurch  bis  in  die 
obere  Dyas. 

Für  die  limnischen  und  marinen  Parallelbindungen  des  Unter-Carbon 
bietet  die  Stellung  der  Ursa-Stufe  Heer's  auf  der  Bäreninsel  (Jb.  1871, 
S.  979)  ein  ausgezeichnetes  Beispiel.  Die  in  der  Ursa-Stufe  eingeschlos- 
sene Flora  entspricht  genau  der  ersten  Zone  der  Vegetation  im  Gebiete 
der  Carbonformation,  oder  der  Zone  der  Lycopodiaceenin  Europa 


*  Geititz,  Carbonforraatiou  und  Dyas  in  Nebraska.  Nov.  Act.  Ac.  Leop.  Car.  Vol.  33. 
Dresden,  1866—1867. 


110 


und  Nordamerika,  welche  in  der  Ursa-Stufe  der  Bäreninsel  beginnt  und 
in  dem  Millstone  grit  abschliesst.  Auf  der  Bäreninsel  hat  sich  diese  Flora 
unter  dem  Kohlenkalke  mit  vielen  grossen  Producten  und  Spir i f er en 
ausgebildet,  in  anderen  Gegenden,  wie  in  Britannien  über  demselben,  je 
nachdem  die  Schwankungen  in  dem  Niveau  des  damaligen  Meeres  ein 
Aufkommen  von  Vegetabilien  auf  benachbarten  Küstengegenden  gestattet 
haben. 

Nach  vorläufigen  Mittheilungen  des  Herrn  Val.  de  Möller  in  Peters- 
burg lässt  sich  in  Russland  eine  Vertretung  der  oberen  oder  productiven 
Steinkohlenformation,  welcher  die  Zonen  der  Sigillarien  und  Farne  ange- 
hören, durch  Meeresablagerungen  von  jüngerem  Kohlenkalk  nachweisen. 
Diess  ist  in  ähnlicher  Weise  auch  in  Nebraska  der  Fall,  wo  eine,  durch 
keine  limnischen  Bildungen  unterbrochene  Reihe  mariner  Ablagerungen 
von  dem  unteren  Carbon  an,  mit  grossen  Producten,  bis  in  den  Zechstein 
oder  die  obere  Dyas  reicht.  Die  Identität  einer  grossen  Anzahl  von  Pro- 
fessor Marcou  sorgfältig  gesammelter  Versteinerungen  aus  der  oberen 
Dyas  von  Nebraska  mit  jenen  aus  den  permischen  Schichten  Russlands 
geht  aus  einem  sorgfältigen  Vergleiche  der  einzelnen  Arten  hervor.  Dass 
Herr  Meek  sie  nicht  oder  nur  theilweise  anerkennen  will,  ist  schon  Jb. 
1868,  S.  218  mitgetheilt  worden,  worauf  wir  verweisen  müssen. 

In  der  vorliegenden  Abhandlung  Meek's  sind  alle  von  Geinitz  a.  a.  0. 
aus  Nebraska  beschriebenen  Versteinerungen  und  noch  andere  neuere 
Funde  in  jenen  Gegenden  sorgfältig  beschrieben  und  in  vorzüglich  ge- 
lungenen Abbildungen  vorgeführt  worden. 

Mit  Ausnahme  vieler  von  Geinitz  als  neue  Arten  beschriebener  For- 
men, haben  die  meisten  hier  andere  Namen  erhalten,  was  mehrentheils 
der  oft  gerügten  Annahme  entspricht,  dass  alle  auf  amerikanischem  Bo- 
den gefundene  Versteinerungen  von  europäischen  Arten  verschieden  seien. 

Zur  besseren  Übersicht  sollen  diese  Arten  hier  folgen: 


Nach  Geinitz  : 


Nach  Meek: 


Fusulina  cylindrica  Fischer. 

Stenopora  columnaris 

Cyathaxonia  sp. 
Cyathocrinus  inflexus. 


Fusulina  cylindrica  Fischer. 
I  Bhombopora  lepidodendroides  M. 
|  Fistulipora  nodulifera  M. 
Lophophyllum  proliferum  M'Chesney. 
Scaphiocrinus  ?  hemisphaericus  Shum. 


sp. 


Actinocrinus  sp. 
Eocidaris  Hallianus. 
Fenestella  plebeja. 
Polypora  marginata. 
Polypora  biarmica. 
Synocladia  virgulacea. 
Productus  costatus. 
Productus  semireticulatus. 
Pr.  Orbignyanus  u.  Pr.  horridu: 


Zeacrinus  ?  mucrospinus  M'Chesney. 
Eocidaris  Hallianus  Gein. 
Fenestella  sp. 
Polypora  submarginata  M. 
Polypora  sp. 

Synocladia  biserialis  Swallow. 
Productus  costatus. 
Pr.  semireticulatus. 
Pr.  longispinus  Sow.? 


III 


Nach  Geinitz: 
Pr.  Flemingi  Sow. 
Pr.  Cancrini  M.  V.  K. 
Strophalosia  horrescens  M.  V.  K. 
Pr.  punctatus  Mart.  sp. 
Chonetes  mucronata  M.  1858. 
Gh.  gldbra. 
Orthis  striato-costata. 
Bhynehonella  angulata. 
Gamarophoria  globulina. 
Athyris  subtilita. 
Betzia  Mormonii  Marcou,  1858. 
Spirifer  camer atus. 
Sp.  piano- convexus. 
Sp.  laminosus  M'Coy. 
Lima  retifera. 

Pecten  Missouriensis?  Shum. 
P.  neglectus. 
P.  Hawni. 

Avicula  pinnaeformis. 
Gervillia  longa. 
G.  (an  Avicula)  sulcata. 
Avicula  speluncaria. 
Aucella  Hausmanni. 
Myalina  subquadrata. 
Nucula  Beyrichi. 
N.  subscitula? 
N.  Kazanensis. 
Area  striata. 
Schizodus  rossicus. 
Seh.  obscurus. 
Glidophorus  occidentalis. 
Pleurophorus  Pallasi. 

Astarte  Nebrascensis. 
Allarisma  elegans. 

A.  subeuneata. 
Glidophorus  solenoides. 
Dentalium  Meekianum. 
Bellerophon  carbonarius. 

B.  Montfortianus. 
B.  Marcouianus. 
Murchisonia  subtaeniata. 
Turbonüla  (Loxonema)  Sivalloviana. 
Serpula  (Spirorbis)  Planorbites. 
Pleurotomaria  Haydeniana. 


Nach  Meek: 
Pr.  Prattenianus  Norwood. 
Pr.  pertenuis  M. 
Pr.  Nebrascensis  Owen. 
Pr.  punctatus  Mart.  sp. 
Chonetes  granulifera  Owen,  1855. 
Gh.  gldbra  Gein. 
Meekella  striato-costata  Cox  sp. 
Syntrilasma  hemiplicata  Hall  sp. 
Bhynehonella  Osagensis  Swallow. 
Athyris  subtilita  Hall. 
Betzia  punctulifera  Shumard,  1858. 
Spirifer  camer  atus  Mort. 
Sp.  planoconvexus  Shum. 
Sp.  Kentuckensis  Shum. 
Lima  retifera  Shum. 
Aviculopecten  occidentalis  Shdm. 
Aviculopecten  neglectus  Gein.  sp. 
Av.  carboniferus  Stevens  sp. 
Aviculopinna  americana  M. 
Avicula  longa  Gein.  sp. 
Avicula?  sulcata  Gein. 
Pseudomonotis  radialis  Phill.?  sp. 
Myalina?  Sivallovi  M'Chesney. 
M.  subquadrata  Shum. 
Macula  Beyrichi?  v.  Schaur. 
N.  subscitula  M.  ü.  H. 
Nuculana  bellistriata  var.  attenuata. 
Macrodon  tenuistriata  M.  u.  W. 
Schizodus  curtus  M.  u.  W? 
Seh.  Wheeleri  Swall.  sp. 
Modiola?  subelliptica  M. 
Pleurophorus  oblongus  M.  und 
PI.  occidentalis  M.  u.  H. 
Edmondia?  Nebrascensis  Gein.  sp. 
Allorisma  Geinitzi  M. 

A.  subeuneata  M.  u.  H. 
Solenopsis  solenoides  Gein.  sp. 
Dent.  Meekianum  Gein. 

Bell,  carbonarius  Cox. 

B.  Montfortianus  N.  u.  P. 
B.  Marcouianus  Gein. 
Orthonema  subtaeniata  Gein.  sp. 
Actis  Swalloviana  Gein.  sp. 
Straparolus  (Euomph.)  rugosus  Hall. 
Pleur.  Haydeniana  Gein. 


112 


Nach  Geinitz: 


Nach  Meek  : 


PI.  Grayvillensis. 
PI  Marcouiana. 
PI.  subdecussata. 
Murchisonia  Nebrascensis. 
Orthoceras  cribrosum. 
Cythere  Nebrascensis. 
Cythere  Cyclas?  Keys. 
Phillipsia  sp. 


PI.  Grayvillensis  N.  n.  P. 
PI.  Marcouiana  Gein. 
PI.  subdecussata  Gein. 
Murch.  Nebrascensis  Gein. 
Orthoceras  cribrosum  Gein. 
Cythere  Nebrascensis  Gein. 
Cythere  sp. 
Phillipsia  sp. 


Unter  einigen  S.  239  u.  f.  von  Meek  aus  den  „Upper  Goal  Measiires" 
von  Nebraska  beschriebenen  Fischzähnen  erinnern  mehrere  wiederum  an 
gewöhnliche  Formen  der  unteren  Dyas,  wie  namentlich  Diplodus  com- 
pressus  Newb.,  PI.  4,  fig.  19,  eine  wahrscheinlich  zu  Xenacanthus  ge- 
hörende Form,  welche  in  gleicher  Beschaffenheit  in  der  Nähe  von  Pilsen 
in  Böhmen  an  der  Grenze  der  Steinkohlenformation  in  den  Brandschiefern 
der  unteren  Dyas  gefunden  wird. 

Die  Vorkommnisse  im  Gebiete  der  Steinkohlenformation  in  Illinois  (Jb. 
1872,  102)  weisen  mit  Entschiedenheit  daraufhin,  dass  Vieles,  was  man 
heute  noch  in  Amerika  zu  den  „  Upper  Goal  Measures"  zählt,  in  der  That 
schon  zur  Dyas  gehört,  deren  untere  Etage  neuerdings  mit  aller  Sicher- 
heit durch  die  Forschungen  von  Dawson  und  Harrington  auf  Prince  Ed- 
ward Island  aufgedeckt  worden  ist  (Jb.  1872,  439). 

Ob  aber  der  Nachweis  des  Vorkommens  dy  ad  isolier  Schichten 
in  Nordamerika  von  Europäischen  oder  Amerikanischen  Fachgenossen  er- 
folgt, wird  hoffentlich  kein  weiteres  Hinderniss  sein  zur  Anerkennung  der 
nicht  mehr  hinwegzuläugnenden  Thatsachen. 


Hob.  Walker:  über  eine  neue  Art  Amblypterus  und  andere 
fossile  Fische  von  Pitcorthie,  Fife.  (Trans,  of  the  Edinburgh 
Geol.  Soc.  1872.  Vol.  II.  PI.  1,  p.  119,  mit  1  Taf.  Abbild.)  -  Unter  den 
auf  den  Paraffin- Werken  von  East  Pitcorthie,  bei  Crail,  gesammelten  Fisch- 
resten, die  sich  auf  Eurynotus ,  Bhizodus,  Gyrolepis,  Acrodus,  Ctenacan- 
thus,  Gentrodus,  Helodus,  Diplodus,  Tristychius,  Palaeoniscus,  Amblypte- 
rus etc.  zurückführen  lassen,  wird  zunächst  eine  Art  als  Amblypterus 
anconoaechmodus  n.  sp.  hervorgehoben  und  nach  der  Beschaffenheit  ihrer 
Kiefern,  Zähne,  Schuppen  u.  s.  w.  als  neu  unterschieden. 


Iber  das  Krystallsy  stein  des  Leucits. 

Von 

Herrn  Professor  G.  vom  Rath  *. 

(Mit  Tafel  IL) 


Als  ich  im  Frühjahr  1871  zufolge  gütiger  Erlaubniss  des 
Hrn.  Soacchi  einige  Tage  dem  Studium  der  mineralogischen  Samm- 
lung an  der  Universität  zu  Neapel  widmete,  wurde  bei  Betrach- 
tung der  in  Drusen  gewisser  vesuvischer  Auswürflinge  aufge- 
wachsenen Leucite  meine  Aufmerksamkeit  auf  feine,  die  Flächen 
der  Krystalle  bedeckende  Streifen  gelenkt.  Einmal  auf  diese 
Linien  aufmerksam,  findet  man  sie  vielfach  wieder  und  erkennt 
in  ihnen  eine  fast  allgemeiue  Erscheinung  der  aufgewachsenen 
Leucite. 

Erst  vor  Kurzem  bei  einer  Arbeit  über  gewisse  merkwür- 
dige Leucit- Auswürflinge  untersuchte  ich  jene  Streifen,  welche 
ich  früher  für  eine  blosse  Oberflächen-Erscheinung  gehalten  hatte, 
genauer  und  erkannte  ihren  Verlauf,  wie  derselbe  in  Figur  1 
angedeutet  ist.  Die  Streifen  sind  demnach  parallel  entweder  den 
kürzern  (den  sog.  hexaedrischen)  Kanten  oder  den  symmetrischen 
Diagonalen  der  trapezoidischen  Flächen.  Niemals  beobachtete  ich 
einen  Parallelismus  dieser  Linien  mit  den  längeren  (den  sog. 
oktaedrischen)  Kanten  des  Leucitkörpers. 

Auf  ein  und  derselben  Fläche  bemerkt  man  nicht  nur  eine 
einzige  Streifenrichtung,  sondern  häufig  zwei,  zuweilen  auch  drei. 


*  Aus  dem  Monatsbericht  der  Königl.  Akademie  der  Wissenschaften 
zu  Berlin. 

Jahrbuch  1873.  8 


114 


Niemals  kommen  indess  vier  Liniensysteme  auf  derselben  Fläche 
vor,  wie  denn  die  oben  angegebenen  Richtungen,  nämlich  parallel 
den  kürzern  Kanten  und  der  sog.  symmetrischen  Diagonale,  mit 
der  grössten  Zahl  der  auf  Einer  Fläche  beobachteten  Linienrich- 
tungen übereinstimmen.  Sehr  häufig  treten  die  Streifen  nicht  an 
den  Kanten  beginnend,  sondern  in  der  Fläche  hervor  und  enden 
in  gleicher  Weise.  Wenn  ein  Streifen  hingegen  eine  Kante  er- 
reicht, so  endet  er  hier  gewöhnlich  nicht,  sondern  setzt  auf  der 
angrenzenden  Fläche  fort.  In  gewissen  Fällen  enden  die  Linien 
auch  an  den  Kanten  und  überschreiten  dieselben  nicht.  Untersucht 
man  nun  einen  Streifen,  welcher  über  zwei  zu  einer  Kante  zusam- 
menstossende  Flächen  hinwegzieht,  etwas  näher,  so  bemerkt  man, 
dass  derselbe  stets  in  Einer  Ebene  bleibt,  und  dass  diese  Ebene 
—  die  Form  des  Leucits  als  diejenige  des  regulären  Leucito- 
eders  vorausgesetzt  —  parallel  der  Abstumpfungsfläche  der  sog. 
symmetrischen  Ecken  oder  mit  andern  Worten  eine  Fläche  des 
Rhombendodekaeders  ist.  So  liegen  z.  B.  die  im  rechten  obern 
Oktanten  unserer  Fig.  1  vorherrschenden  Streifen  in  derjenigen 
Dodekaederfläche,  welche  die  linke  obere  symmetrische  Ecke  ab- 
stumpft. Die  Ebene  der  Streifen,  welche  über  i3  in  diagonaler 
Richtung,  über  o2  und  i4  parallel  zur  Combinationskante  dieser 
letztern  Fläche  laufen,  entspricht  der  Abstumpfungsfläche  der 
rechten  oberen  symmetrischen  Ecke.  Die  beiden  langen  Streifen, 
welche  über  die  Combinationskante  iü  :  P  fortlaufend  auf  beiden 
Flächen  eine  gleiche  Lage  haben,  nämlich  parallel  den  Kanten 
i6:o:5  und  i7:o4,  entsprechen  derjenigen  Dodekaederfläche,  welche 
die  vordere  obere  symmetrische  Ecke  wegnimmt.  Ebenso  ver- 
halten sich  die  kürzeren  Liniengruppen  auf  i2  und  i3  (parallel 
den  Kanten  o1  :  i2  und  o2  :  i3)  zur  hintern  oberen  Ecke.  In  glei- 
cher Weise  lässt  sich  für  jeden  Streifen,  welcher  eine  Kante 
überschreitet,  sogleich  die  Dodekaederfläche  angeben,  in  welcher 
er  liegt. 

Über  die  Natur  dieser  merkwürdigen  Linien  konnte  ich  nicht 
in  Zweifel  bleiben,  als  ich  die  betreffenden  Krystalle  genauer, 
zumal  bei  Lampenlicht  betrachtete.  Es  ergab  sich  sogleich,  dass 
wir  es  hier  nicht  mit  irgend  welchen  nur  der  Oberfläche  ange- 
hörigen  Erscheinungen,  sondern  mit  eingeschalteten  Zwillings- 
lamellen zu  thun  haben.    Die  Streifen  haben  zuweilen  eine  sehr 


115 


wahrnehmbare  Breite,  welche  die  Beobachtung  gestattet,  dass 
ihre  Oberfläche  in  einer  etwas  andern  Lage  erglänzt,  als  die 
Fläche  selbst,  in  welcher  die  Streifen  liegen.  Betrachtet  man 
z.  B.  die  Fläche  o1  in  einer  solchen  Stellung,  dass  sie  erglänzt, 
so  sind  die  Streifen  dunkel.  Dreht  man  nun  den  Krystall  um 
eine  Axe  parallel  jenen  Streifen,  d.  h.  der  Kante  o1  :  i1,  etwa 
um  5°,  so  erglänzen  die  Zwillingslamellen,  während  die  Fläche 
selbst  dunkel  wird.  Macht  man  den  Versuch  dort,  wo  die  Strei- 
fung in  diagonaler  Richtung  über  die  Flächen  hinzieht,  so  bedarf 
es  einer  geringeren,  nur  etwa  3 Vi0  betragenden  Drehung.  Dies 
Alles  bietet  mutatis  mulandis  die  überraschendste  Analogie  mit 
den  eingeschalteten  Zwillingslamellen  der  triklinen  Feldspathe  dar. 

Aus  obigen  Wahrnehmungen  folgt  mit  absoluter  Gewissheit, 
dass  jene  gestreiften  Leucite  nicht  dem  regulären  Systeme  an- 
gehören können:  denn  eine  Zwillingsbildung  parallel  einer  Do- 
dekaederfläche ist  im  regulären  Systeme  unmöglich.  Durch- 
schneidet man  nämlich  ein  Ikositetraeder  parallel  einer  Fläche 
des  Dodekaeders  und  dreht  um  180°,  so  können  keinerlei  aus- 
oder  einspringenden  Kanten  entstehen ,  Alles  kehrt  vielmehr  in 
die  frühere  Lage  zurück.  Um  die  obige  Schlussfolgerung  durch 
Messung  zu  verificiren,  prüfte  ich  —  nicht  ohne  grosse  Spannung 
—  jene  Krystalle  und  fand,  dass  solche  Kanten,  welche  bei  Vor- 
aussetzung des  regulären  Systems  hätten  identisch  sein  müssen, 
Unterschiede  bis  zu  fast  4°  zeigen. 

Das  Krystallsystem  der  aufgewachsenen  Leucite  ist  quadra- 
tisch. Die  Leucitform,  welche  man  bisher  für  ein  reguläres 
Ikositetraeder  ansah  und  Leucitoeder  nannte,  in  der  irrthümlichen 
Voraussetzung,  unser  Mineral  krystallisire  regulär,  ist  eine  Com- 
bination  von  einem  Oktaeder  und  einem  Dioktaeder  (s.  Fig.  2*): 
Grundform  o  =  (a  :  a  :  c),  P 
Dioktaeder  i  =  OL*  '•  Vi*  '  c),  4P2. 
Diese  beiden  Formen  stehen  immer  in  einem  auffallenden  Gleich- 
gewichte mit  einander,  untergeordnet  erscheinen  zuweilen: 

*  In  dieser  Figur  wurde  dem  Dioktaeder  eine  etwas  grössere  Aus- 
dehnung gegeben,  als  den  Flächen  des  Oktaeders,  um  auch  äusserlich  den 
nichtregulären  Charakter  mehr  zur  Anschauung  zu  bringen. 

8* 


I 


116 

Erstes  spitzes  Oktaeder  u  =  (Ys3  :  oc  a  :  c),  2Poo 
Erstes  quadratisches  Prisma  m  =  (a  :  a  :  oo  c),  ocP- 
Andere  Flächen  kommen  beim  Leucit  niemals  vor. 

Das  Axenverhältniss,  hergeleitet  aus  der  Messung  der  Sei- 
tenkante des  Dioktaeders  i  :  i  =  133°  58%  wird  durch  fol- 
gende Zahlen  ausgedrückt: 

a  ^Seitenaxe)  :  c  (Verticalaxe)  —  1,8998  :  1  oder  1  :  0,52637. 
Wäre  das  System  regulär,  so  miisste  unser  Fundamentalwinkel 
=-  131°  49'  und  das  Axenverhältniss  des  Oktaeders  o  —  2:1 
sein.    Aus  dem  Axenverhältniss  des  Leucits  berechnen  sich  fol- 
gende Winkel: 

Endkante     von  o  =  130°  3'. 
Seitenkante  von  o  =  73  l92/3'. 
Neigung  der  Oktaederfläche  o  zur  Vertikalaxe  =  53°  0'. 
„        „    Oktaederkante  o    „  „        =62  14  y3'. 

Endkante      von  u  =  118°  19'. 
Seitenkante    „    u  —    93  56 V/.- 
Neigung  der  Oktaederfläche  u  zur  Vertikalaxe  =  43°  3 13/4'. 
„    Oktaederkante  u    ft  „        =  53  2ü/. 

Primäre  Endkante,  X,  von  i  (liegend  unter  der  Oktaederkante) 

=  131°  23'. 

Sekundäre  Endkante,  Y,  von  i  (liegend  unter  der 

Oktaederfläche)  =  146    9  Vi'. 
Neigung  der  Kante  X  zur  Verticalaxe  =  25°24/. 

>>     Y  zur         n       =  24  7. 
Die  Basis  des  Dioktaeders  besitzt  folgende  ebene  Winkel: 
126°  52' V4  liegend  an  den  Enden  der  Seitenaxen, 
143    7%   liegend  zwischen  den  Seitenaxen. 
Diese  Basis  bietet  begreiflicher  Weise  dieselben  ebenen  Winkel 
dar,  wie  die  drei  durch  die  oktaedrischen  Kanten  des  Ikositetrae- 
ders  (a  :  2a  :  2a),  202  gelegten  Schnitte.    Es  berechnen  sich 
ferner  folgende  Kanten: 
0  :  i  =  146°  37' 
u  :  0  =  149  91/, 
u  :  i  =  150  l 
m  :  i  =  150  49% 

0  :  o'  (gegenüber  liegend  in  der  Endecke)  =  106°  46. 


117 


0  :  i  (über  u)  =  119°  10 

1  :  i  (gegenüber  liegend  an  der  Seitenecke)  ==  110°  49'. 
Die  Zwillingsbildung  des  Leucits  geschieht  nach  dem  Gesetze 

„Zwillingsebene  ist  eine  Fläche  des  ersten  spitzen  Oktaeders^  u.l( 
Mit  dieser  Ebene  sind  die  Krystalle  auch  verbunden.  Die  Zwil- 
lingsebene neigt  sich  gegen  die  Hauptaxe  =  43°  31'  3/4,  gegen 
eine  der  beiden  Seitenaxen  =  46°  28'  1[4.  Der  Leucit,  von  wel- 
chem man  bisher  glaubte,  dass  er  niemals  Zwillinge  bilde,  ist 
zur  Zwillingsbildung  sehr  geneigt.  Es  finden  sich  sehr  regel- 
mässige und  schöne  Verwachsungen  zweier  Individuen,  ferner 
Verwachsungen  mehrerer  Individuen,  endlich  polysynthetische  Kry- 
stalle, bei  welchen  in  einem  Hauptinclividuum  Lamellen  parallel 
den  Flächen  des  ersten  spitzen  Oktaeders  eingeschaltet  sind.  Ein 
solcher  polysynthetischer  Krystall,  welcher  vier  Richtungen  von 
Zwillingslamellen  zeigt,  ist  als  ein  Fünfling  zu  betrachten. 

Die  Fig.  3  wird  eine  deutliche  Vorstellung  des  einfachsten 
Falls  der  Zwillingsbildung  gewähren.  Die  Gruppe  ist  in  einer 
solchen  Stellung  gezeichnet,  dass  die  Zwillings-  und  Verwach- 
sungsebene, welche  oben  durch  einspringende,  unten  durch  aus- 
springende Kanten  bezeichnet  ist,  die  Lage  der  sogenannten  Längs- 
fläche besitzt,  während  die  Ebene  der  beiden  Hauptaxen  der 
Querfläche  entspricht.  Die  Hauptaxen  schliessen  den  Winkel  87° 
3'  l/2  ein,  welcher  durch  die  Zwillingsebene  halbirt  wird.  Diese 
Zwillingskrystalle  gleichen  in  Bezug  auf  allgemeine  Configuration 
den  einfachen  Krystallen,  so  dass,  wenn  man  die  aus-  und  ein- 
springenden Kanten  übersieht,  man  sie  leicht  mit  einfachen  Kry- 
stallen verwechseln  könnte.  Eine  Ausdehnung  der  Krystalle  pa- 
rallel der  Zwillingsebene,  wie  sie  gewöhnlich  bei  anderen  Zwil- 
lingen (z.  B.  Spineil,  Bleiglanz,  Diamant  etc.)  stattfindet,  kommt 
beim  Leucit  nicht  vor. 

Je  nach  der  Lage  der  Zwillingsebene  können  sechs  ver- 
schiedene Kanten  an  der  Grenze  der  Individuen  zum  Vorscheine 
kommen.  Die  Fig.  4,  5  und  6  stellen  die  drei  verschiedenen 
Lagen  der  Zwillingsebene  dar,  aus  denen  sich  jene  sechs  ver- 
schiedenen Winkel  ergeben.  Die  Zeichnungen  sind  gerade  Pro- 
jectionen  auf  eine  Ebene,  parallel  einer  Fläche  des  zweiten  qua- 
dratischen Primas;  die  Zwillingsebene  erscheint  verkürzt  zu  einer 
verticalen  Linie, 


118 

Bei  Fig.  4  herrscht  das  eine  Individ  so  sehr  über  das  andere 
vor,  dass  dies  letztere  nur  eine  aus  2  Flächen  o  und  zwei  i 
gebildete  Ecke  constituirt.  Die  Zwillingskante  i  :  o  beträgt  hier 
179°  8%',  oben  ein-,  unten  ausspringend. 

Fig.  5  zeigt  das  eine  Individ  zwar  noch  über  das  andere 
vorherrschend,  doch  nicht  mehr  in  gleicher  Weise.  Das  weniger 
entwickelte  Individ  zeigt  vier  Flächen  des  Hauptoktaeders.  In 
dieser  Lage  der  Zwillingsebene  begegnen  sich  die  Flächen  i  :  o 
unter  dem  Winkel  175°  8l/2',  oben  ein-,  unten  ausspringend.  Die 
beiden  i  i,  über  welche  hier  die  Grenze  in  der  Richtung  einer 
nicht  symmetrischen  Diagonale  läuft,  fallen  in  Eine  Ebene. 

Fig.  6  stellt  den  dritten  Fall  dar,  in  welchem  die  Zwillings- 
ebene den  Krystall  symmetrisch  theilt.  Es  begegnen  sich  hier 
die  Flächen  o  :  o  unter  dem  Winkel  151°  281//>  die  i  :  i  am  un- 
teren Ende  unter  141°  453/4/,  während  die  annähernd  in  der  Rich- 
tung einer  symmetrischen  Diagonale  laufende  Zwillingskante  i  :  i 
=  176°  392/3',  oben  ein-,  unten  ausspringend  misst. 

An  eines  der  Individuen  der  Gruppe  Fig.  3  fügt  sich  nicht 
selten  ein  drittes  Individ  an,  und  zwar  meist  in  der  Weise,  dass 
die  Hauptaxe  des  dritten  Individs  nicht  in  der  Ebene  liegt,  welche 
durch  die  Hauptaxen  der  beiden  ersten  Individuen  bestimmt  ist. 
Die  Grenze  der  zu  einer  Gruppe  verbundenen  Individuen  wird 
nicht  immer  durch  wohlgebildete  Zwillingskanten  bezeichnet,  son- 
dern zuweilen  durch  Knickungen  und  Wölbungen  der  Flächen. 
In  diesem  Falle  ist  es  zuweilen  fast  unmöglich,  die  Gruppe  in 
ihre  einzelnen  Theile  aufzulösen. 

Jetzt  erst,  nachdem  wir  die  Zwillingsbildung  des  Leucits 
kennen  gelernt  haben,  wird  es  uns  möglich  sein,  den  polysyn- 
thetischen Krystall  Fig.  1  vollkommen  zu  verstehen.  Derselbe  ist, 
wie  oben  schon  angedeutet,  als  ein  Fünfling  aufzufassen,  indem 
nämlich  in  den  herrschenden  Krystall  nach  vier  verschiedenen 
Richtungen,  entsprechend  den  vier  Flächen  des  ersten  spitzen 
Oktaeders ,  Zwillingslamellen  eingeschaltet  sind.  Daraus  ergibt 
sich,  dass  drei  Streifenrichtungen  die  grösstmögliche  Zahl  sind, 
welche  auf  den  Flächen  der  Grundform  erscheinen  kann;  es 
schneiden  nämlich  zwei  Systeme  von  Zwillingslamellen  eine  Ok- 
taederfläche in  parallelen  Kanten.  Auf  den  Dioktaederflächen  i 
können  stets  nur  zwei  Streifenrichtungen  vorkommen,  nämlich 


119 


parallel  der  Cornbinationskante  i  :  o  und  parallel  der  fast  sym- 
metrischen Diagonale.  Es  schneiden  nämlich  zwei  Lamellen- 
systeme die  betreffende  Dioktaederfläche  in  parallelen  Kanten, 
parallel  der  fast  symmetrischen  Diagonale,  das  dritte  System  er- 
zeugt eine  Streifung  parallel  der  Cornbinationskante  o  :  i;  das 
vierte  Streifensystem  kann  nicht  zur  Erscheinung  kommen,  weil 
die  betreffenden  Flächen  vollkommen  in's  Niveau  fallen.  So  sehen 
wir  die  Linien  auf  Fläche  i2,  indem  sie  die  Seitenkante  des  Di- 
oktaeders  erreichen,  plötzlich  enden  und  nicht  fortsetzen  auf  i6. 
Wir  begreifen  auch,  wesshalb  auf  den  Flächen  i  keine  Zwillings- 
linien parallel  den  secundären  Endkanten  des  Dioktaeders  laufen 
können.  Solche  würden  nämlich  einer  Fläche  des  quadratischen 
Prismas  entsprechen,  weicher  begreiflicher  Weise  keine  Zwillings- 
ebene parallel  gehen  kann. 

Zur  Vergleichung  der  gemessenen  mit  den  berechneten  Win- 
keln mögen  folgende  Angaben  dienen,  welche  beweisen,  dass 
wenigstens  zuweilen  die  Leucite  mit  höchster  Regelmässigkeit 
gebildet  sind. 


Nr. 

1. 

o1  : 

o2 

130°  6' 

(ber. 

130°  3') 

o2  : 

ob 

129  58 

verwasch.  Bild 

i1  : 

133  58 

Fundam.  Winkel 

i2  : 

i4 

134  0 

i3  : 

i7 

133  55 

i2  : 

131  24 

i6: 

i7 

131  23 

ji  . 

i2 

146  8 

(ber. 

146°  9  V) 

i3  : 

i4 

146  12 

i5  : 

i6 

146  10 

i2: 

i7 

110  47 

(ber. 

110°  490 

Nr. 

2. 

i2  : 

i3 

131  23  Vo 

i6  : 

i7 

131  23 

i1  : 

i2 

146  6 

i3  : 

i4 

149  9 

i*  : 

146  13 

i1  : 

133  59 

ol  : 

i1 

146  36 

(ber. 

146°  370 

o1: 

i2 

146  37 

120 


o1  :  i3  (über  u)  =  119°  13'  (ber.  119'  II1//) 

i1  :  i3  =    98  46 %  (ber.  98  47l/20/. 
Nr.  3.  i2  :  i3  =  131  23 

i1  :  i2  =  146  6 

i3 :  i4  =  146  9% 

o1  :  i1  =  146  38 

o1  :  i2  =  146  35%. 
Am  Krystalle  1  konnte  ausserdem  die  Zwillingskante  o  :  i  zwei 
Mal  gemessen  werden  =  175°  8'  und  175°  11'  (ber.  1750~~81/2/)- 
Die  drei  gemessenen  Krystalle  waren  aus  einer  Druse  ein 
und  desselben  Auswürflings  abgebrochen,  die  Flächen  waren  von 
vorzüglicher  Beschaffenheit.  Alle  aufgewachsenen  Leucite  gehören 
dem  quadratischen  Systeme  an,  und  zeigen  nicht  selten  die  aus- 
gezeichnetsten Zwillinge  wie  Fig.  3.  Solche  Krystalle  verdanke 
ich  den  Herren  G.  Rose  und  Scacchi.  Nicht  alle  Leucite  schei- 
nen indess  genau  dieselben  Winkel  zu  besitzen  und  dieselbe 
Constanz  derselben  darzubieten,  wie  diejenigen,  welche  der  gegen- 
wärtigen Mittheilung  zu  Grunde  liegen.  Die  Deutung  der  Flächen 
und  Kanten  mancher  Leucitkrystalle  wird  durch  vielfach  sich  wie- 
derholende Zwillingsbildung  oft  sehr  erschwert,  zuweilen  fast  un- 
möglich gemacht.  Man  erwäge  nur,  dass  an  ein  erstes  Indivi- 
duum sich  vier  Nebenindividuen  anschliessen  können;  jedes  die- 
ser letzteren  wieder  drei  neue  Stellungen,  gleichsam  dritter  Ord- 
nung, vermöge  der  Zwillingsbildung  darbieten  kann.  Diese  zahl- 
reichen Krystalltheile  sind  äusserlich  von  derselben  oft  scheinbar 
einfachen  Leucitform  umschlossen,  an  deren  Oberfläche  man  nur 
durch  Beobachtung  der  ein-  oder  ausspringenden  Kanten,  von 
Knickungen  oder  Rundungen  der  Flächen  die  Grenzen  der  Indi- 
viduen verfolgen  kann. 

Die  eingewachsenen  Leucite  gestatten  keine  genauen  Mes- 
sungen, und  so  war  es  mir  nicht  möglich,  für  diese  die  Verschie- 
denheit der  Winkel,  entsprechend  dem  quadratischen  Charakter 
des  Systems,  zu  constatiren.  Die  vom  Vesuv  bei  der  Eruption 
von  1845  ausgeschleuderten  Krystalle  zeigen  zwar  zuweilen  glän- 
zende Flächen,  die  Reflexbilder  derselben  sind  indess  fast  immer 
verwaschen  oder  mehrfach.  Sehr  häufig  bemerkt  man  stumpfe 
aus-  und  einspringende  Kanten.  Diese  Krystalle  scheinen  in 
hohem  Grade  von  polysynthetischem  Bau  zu  sein. 


121 


Angesichts  der  unerwarteten  Thatsaehe,  dass  ein  Mineral, 
welches  bisher  als  eines  der  ausgezeichnetsten  Beispiele  des 
regulären  Systems  galt,  jetzt  als  ein  quadratisches  gelten  muss, 
schien  mir  der  Nachweis  der  chemischen  Zusammensetzung  von 
Krystallen  aus  derselben  Druse,  welche  auch  das  Material  zu 
obigen  Messungen  geliefert  hatte,  dringend  geboten.  Zu  der  früher 
schon  ausgesprochenen  (wahrscheinlich  irrthümlichen)  Vermuthung, 
dass  es  einen  Natronleucit  gäbe,  gesellte  sich  in  Bezug  auf  un- 
sere Krystalle  der  Gedanke,  ob  vielleicht  ein  Gehalt  an  Natron 
die  Abweichung  vom  regulären  System  bedinge ,  wie  etwa  der 
Alhit  bei  gleicher  Formel  sich  auch  vom  Orthoklas  unterscheidet. 
Diese  Vermuthung  erheischte  eine  bestimmte  Antwort,  bevor  die 
Frage  nach  dem  Krystallsystem  des  Leucits  als  definitiv  entschie- 
den gelten  konnte. 

Meine  Untersuchung  von  Krystallen  aus  derselben  Druse,  der 
die  gemessenen  entnommen  waren,  ergab  folgendes  Resultat  (an- 
gewandte Menge  =  0,927  gr.). 

Spec.  Gew.  2,479  (bei  23°  C). 
Kieselsäure     .    .    .  55,21 
Thonerde    ....  23,70 


Das  feine  Pulver  des  Minerals  war  durch  Chlorwasserstoff- 
säure vollkommen  zersetzbar.  Die  gefundene  Mischung  stimmt 
sehr  nahe  überein  mit  derjenigen,  welche  aus  der  bisher  allge- 
mein für  den  Leucit  angenommenen  Formel  K20,  Al2Oa,  4Si02 
folgt,  dieselbe  erheischt  nämlich:  Kieselsäure  54,92;  Thonerde 
23,52,  Kali  21,56.  Die  Analyse  beweist  demnach,  dass  die  auf- 
gewachsenen, dem  quadratischen  Systeme  angehörigen  Leucit- 
krystalle  keine  andere,  als  die  normale  Mischung  besitzen,  und 
es  unterliegt  desshalb  nicht  dem  geringsten  Zweifel,  dass  auch 
die  eingewachsenen,  einer  genauen  Messung  nicht  fähigen  Kry- 
stalle im  quadratischen  Systeme  krystallisiren. 

Mit  der  neuen  krystallographischen  Bestimmung  des  Leucits 
steht  nun  auch  das  optische  Verhalten  mehr  im  Einklänge,  als  es 
bei  der  bisherigen  Annahme  einer  regulären  Krystallisation  der 
Fall  war.    Aus  der  Untersuchung,  welche  wir  Hrn.  DesCloizeaux 


Kalk  . 
Kali  . 
Natron 


0,43 
19,83 
1,21 


100,38. 


122 


verdanken  (Nouv.  recherches  s.  I.  proprietes  optiques  des  cri- 
staux,  1867,  S.  3—5),  folgt,  dass  der  Leucit  im  polarisirten  Lichte 
keineswegs  wie  ein  regulärer  Krystall  sich  verhält.  DesCloizeaux 
sagt:  »die  Erscheinungen,  welche  man  bei  polarisirtem  Lichte 
wahrnimmt,  sind  wesentlich  verschieden  und  wechsein  je  nach 
der  Platte,  welche  man  der  Prüfung  unterwirft  und  nach  der  Rich- 
tung, in  welcher  die  Platte  aus  dem  Krystall  geschnitten  ist." 
DesCloizeaux  erwähnt  auch  die  zahlreichen  Streifen,  welche  im 
polarisirten  Lichte  erscheinen  und  es  entging  seinem  Scharfsinn 
nicht,  dass  diese  Streifen  nou  fissures"  in  der  Ebene  der  Dode- 
kaederflächen liegen.  Hätte  ihm  nicht  gleich  allen  Fachgenossen 
der  reguläre  Charakter  des  Leucits  als  über  jeden  Zweifel  er- 
haben gegolten,  so  würde  er  gewiss  jene  Streifen  als  Zwillings- 
lamellen gedeutet  und  sogleich  den  wahren  Charakter  des  Systems 
erkannt  haben.  Jene  eingeschalteten  Lamellen  kannte  auch  schon 
Biot  und  gründete  darauf  seine  Theorie  der  Lamellarpolarisation. 
Allen,  welche  mit  Hülfe  des  polarisirenden  Mikroskops  dünne 
Platten  von  Leucitgesteinen  untersucht  haben,  sind  die  eigenthüm- 
lichen  Streifen  der  Leucite  wohlbekannt  *.  Sie  sind  eine  Folge 
derselben  Zwillingsbildung,  welche  wir  oben  bei  den  aufgewach- 
senen Krystallen  beschrieben  haben. 

Die  Krystallisation  des  Leucits  kann  nun  als  eine  der  eigen- 
thümlichsten  unter  allen  Mineralien  gelten.  Die  Zwillingsbildung 
und  die  Winkelverschiedenheiten  schliessen  denselben  unbedingt 
vom  regulären  System  aus;  dennoch  nähert  er  sich  diesem  letz- 
tern wieder  durch  sein  scheinbares  Ikositetraeder,  der  fast  aus- 
schliesslich herrschenden  Combination  des  Oktaeders  mit  dem 
Dioktaeder  4P2.  Dieser  dem  Regulären  sich  nähernde  Charakter 
des  Leucits  bestätigt  sich  auch  darin,  dass  untergeordnet  zu  den 
Flächen  des  ersten  spitzen  Oktaeders  diejenigen  des  ersten  qua- 
dratischen Prismas  hinzutreten.  Eine  solche  Hinneigung  eines 
Systems  zu  einem  andern  mit  mehr  symmetrischem  Charakter 
findet  sich  bekanntlich  mehrfach  im  rhombischen  System,  wenn 
nämlich  ein  verticales  Prisma  mit  dem  Winkel  von  nahe  120° 
durch  Hinzutreten  des  Brachypinakoids  zu  einem  scheinbar  hexa- 

*  F.  Zirkel  (Mikroskopische  Structur  der  Leucite  etc.  Zeitschr.  der 
deutsch,  geol.  Ges.  Bd.  XX,  S.  97.  1868)  hat  dieselben  genau  beschrieben 
und  dargestellt. 


123 


gonalen  Prisma,  ein  rhombisches  Oktaeder  durch  ein  Brachydoma 
zu  einem  scheinbaren  Dihexaeder  ergänzt  wird.  In  ahnlicher 
Weise  dürfte  demnach  die  Beziehung  des  quadratischen  Systems 
des  Leucits  zum  regulären  aufzufassen  sein. 

Der  Leucit  gesellt  sich  nun  zu  der  ausgezeichneten  Reihe 
quadratischer  Mineralien,  welche  für  den  Vesuv  so  charakte- 
ristisch sind,  Zirkon,  Humboldtilith ,  Mejonit,  Mizzonit,  Sarkolith 
und  Vesuvian,  und  steht  dem  letzteren  in  Bezug  auf  die  Grund- 
form nahe.  Die  Grundform  des  Vesuvians  misst  nämlich  in  den 
Endkanten  1 29°  20'  (nach  v.  Zepharovich).  Unter  den  zahlreichen 
Combinationsformen  des  Vesuvians  findet  sich  auch  das  Dioktaeder 
(%a  :  %a  :  c),  4P2,  welches  sonst  nicht  häufig  beobachtet  wird. 
Wenn  beim  Vesuvian  zur  Grundform  sich  das  Dioktaeder  4P2  im 
Gleichgewicht  gesellte,  so  würden  wir  eine  dem  regulären  Ikosi- 
tetraeder  fast  gleich  verwandte  Form  erhalten,  wie  sie  der  Leucit 
darbietet. 


Iber  den  Ardeimit 

Von 

Herrn  Dr.  A.  v.  Lasaulx. 


Im  Anschlüsse  an  ineine  erste  Mittheilung  über  dieses  neue 
Mineral,  soll  hier  in  Kürze  das  Ergebniss  weiterer  analytischer 
Untersuchungen,  die  ich  mit  Dr.  A.  Bettendorff  in  Gemeinschaft 
angestellt  habe,  mitgetheilt  werden.  Die  geringe  Kenntniss  ge- 
eigneter Methoden  zur  quant.  Bestimmung  des  Vanadins  erhöhten 
die  Schwierigkeiten  der  interessanten  analytischen  Versuche.  Dass 
die  bei  unsern  ersten  Analysen  angewendete  Methode  durch  Aus- 
ziehen mit  kohlensaurem  Amnion  keine  zuverlässigen  Resultate 
gebe,  hatten  wir  damals  schon  erkannt.  Erst  nach  den  verschie- 
densten Versuchen  haben  wir  das  im  Folgenden  kurz  angedeutete 
Verfahren  mit  Erfolg  benutzt  und  zuverlässige  Resultate  erhalten. 
Dass  die  bei  unserer  ersten  Analyse  gefundenen  Platinmetalle  auf 
die  angewandten  Gefässe  zurückzuführen  sind,  ist  dort  schon 
nachträglich  bemerkt.  Es  rührt  das  daher,  dass,  wenn  auch  in 
der  salzsauren  Lösung  nach  Abscheidung  der  Kieselsäure  alle 
Übermangansäure  zersetzt  und  das  freie  Chlor  durch  Erhitzen 
ausgetrieben  war,  beim  Concentriren  der  Flüssigkeit  nochmals 
Chlor  entwickelt  wurde,  herrührend  von  der  Einwirkung  der  Va- 
nadsäure  auf  die  ChlorvvasserstofFsäure.  Es  wurde  daher  später 
nur  in  Glasschalen  eingedampft.  Der  von  uns  eingeschlagene 
Weg  war  kurz  der  folgende.  Nach  Abscheidung  der  Si02  und 
nach  Entfernung  einer  Spur  Kupfer  durch  Schwefelwasserstoff 
werden  Thonerde,  Eisenoxyd,  Mangan  und  Vanadin  durch  Schwe- 


125 


felammon  von  Kalk  und  Magnesia  getrennt.  Der  mit  Schwefel- 
wasserstoffwasser ausgewaschene  Niederschlag  wird  in  Salzsäure 
unter  Zusatz  von  etwas  Salpetersäure  gelöst,  um  die  Zersetzung 
des  Schwefelvanad  zu  beschleunigen.  Ist  alles  Eisen  in  Sesqui- 
oxyd  übergeführt,  so  fällt  man  mit  kohlensaurem  Baryt  die  Oxyde 
des  Eisens,  der  Thonerde  und  des  Vanadins.  Durch  Filtration 
trennt  man  das  in  Lösung  gebliebene  Manganoxydul  und  bestimmt 
dieses  nach  Abscheidung  der  Baryterde  in  der  gewöhnlichen  Weise. 

Der  Niederschlag  von  Thonerde,  Eisenoxyd  und  Vanad,  ge- 
mengt mit  überschüssigem  kohlensaurem  Baryt  wird  in  sehr  wenig 
Chlorwasserstoffsäure  gelöst,  der  Baryt  entfernt  und  die  ganze 
Masse  mit  salpetersaurem  Kali  zur  Trockne  eingedampft;  in  einer 
Silberschale  wird  eine  Viertelstunde  zum  Schmelzen  erhitzt.  Durch 
Behandlung  der  Schmelze  mit  Wasser  löst  sich  jetzt  vanadsaures 
Alkali,  Thonerde  und  Eisenoxyd  bleiben  zurück  und  werden  nach 
dem  Auflösen  in  Chlorwasserstoffsäure  in  der  üblichen  Weise 
getrennt.  Die  Lösung  des  vanadsauren  Kali  wird  mit  Essigsäure 
neutralisirt,  wobei  sie  eine  intensiv  gelbe  Farbe  erhält  und  mit 
essigsaurem  Bleioxyd  gelbes  Bleipyrovanadat  gefällt.  Nach  dem 
Auflösen  desselben  in  Salpetersäure  und  Fällung  des  Blei's  durch 
Schwefelsäure  erhält  man  beim  Eindampfen  und  Schmelzen  im 
Porcellantiegel  reine,  krystallinisch  erstarrende  und  in  Ammon 
ohne  Rückstand  lösliche  Vanadinsäure  *.  Das  Mittel  zweier  nahezu 
übereinstimmender  Analysen  ergab  die  folgende  Zusammensetzung: 


Si02  = 

29,74 

A1,03  = 

23,50 

Fe203  — 

1,94 

MnO  = 

25,96 

CaO  = 

2,04 

MgO  — 

3,42 

V05  = 

9,10 

Cu  +  P05  = 

Spur 

HO  = 

4,04 

99,74. 

Das  Wasser  ist  im  Ardennit  sehr  fest  gebunden  und  kann  erst 
bei  sehr  hoher  Temperatur  und  anhaltendem  Glühen  ausgetrieben 

*  Genaueres  über  Gang  und  Einzelheiten  der  analytischen  Versuche 
wird  in  einem  der  nächsten  Hefte  der  Poggd.  Ann.  mitgetheilt  werden, 
worauf  hiermit  verwiesen  wird. 


126 


werden.  Eine  directe  Wasserbestimmung  musste  daher  im  Ver- 
brennungsrohre bei  sehr  hoher  Temperatur  vorgenommen  wer- 
den. Dass  das  Mangan  nur  als  Oxydul  vorhanden  sei,  davon 
überzeugten  wir  uns  durch  die  BarreswillscIic  Probe,  wonach 
bei  Behandlung  eines  Manganoxydulsatzes  mit  syrupförmiger  Phos- 
phorsäure in  der  Hitze  die  Masse  farblos  bleibt,  während  die  Ge- 
genwart von  Manganoxyd  eine  violette  Färbung  hervorruft. 

Auch  über  die  Krystallform  des  Ardennit  hat  zwischenzeit- 
lich der  glückliche  Fund  eines  kleinen,  wohlgebildeten  Kryställ- 
chens  uns  Gewissheit  verschafft.  Herr  Prof.  vom  Rath  hatte  die 
Güte,  die  Messungen  an  demselben  auszuführen.  Hiernach  kry- 
stallisirt  der  Ardennit  im  rhombischen  System  und  zwar  ist  Grund- 
form ein  rhombisches  Oktaeder,  dessen  Axenverhältniss  a  (Bra- 
chyaxe)  :  h  (Makroaxe)  :  c  (Verticalaxe)  =  0,4663  :  1  :  0,3135. 
Ferner  kommen  noch  die  folgenden  Flächen  an  dem  Kryställchen 
vor:  P,  ?% ,  ooP,  00PV2,  ooP2,  Poe,  ocPoo,  00P00.  Spaltung  pa- 
rallel 00P00  vollkommen,  parallel  ocP  deutlich.  Die  Übereinstim- 
mung in  der  Krystallform  mit  dem  Ilvait  ist  bemerkenswerth, 
dessen  Prisma  annähernd  auf  ein  zwar  nicht  beobachtetes  Prisma 
des  Ardennits  zurückgeführt  werden  kann  *. 

Hiernach  dürfte  denn  auch  die  ehem.  Constitution  des  Ar- 
dennits gedeutet  werden.  In  der  That  zeigt  der  Gehalt  an  Kie- 
selsäure und  Thonerde,  resp.  Eisenoxyd,  eine  grosse  Überein- 
stimmung bei  beiden  Mineralien,  sowie  auch  der  schwer  auszu- 
treibende Wassergehalt,  auf  den  beim  Ilvait  Städeler  aufmerksam 
gemacht  hat.  Abweichend  ist  aber  der  Gehalt  an  Manganoxydul, 
resp.  Eisenoxydul.  Die  grösste  Schwierigkeit  aber  für  die  An- 
nahme des  Isomorphismus  beider  Mineralien  bietet  der  Gehalt  an 
Vanad,  da  die  Kenntniss  der  Krystallformen  der  Vanadverbindun- 
gen  und  deren  Isomorphien  noch  vollständig  fehlt. 

Immerhin  aber  liesse  sich  vielleicht  das  Aufstellen  einer 
Formel  rechtfertigen.  Die  oben  angegebenen  Zahlen  führen  ziem- 
lich genau  auf  folgende  Formel  hin : 

5(R20:}Si0.2  .  RO  .  Si02)  +  3RO  .  V05  +  5  aq. 
Darüber  müssen  aber  noch  neue  Untersuchungen  beider  Minera- 
lien Licht  zu  verbreiten  suchen. 


*  Ausführlicheres  auch  hierüber  in  Poggd.  Ann. 


127 


Der  Ardennit  scheint  auf  einein  Quarzgänge  der  krystalli- 
nischen  Schiefer  bei  Ottrez  vorzukommen.  Mit  ihm  kommen  vor: 
Rauchgrauer  Quarz,  eingesprengt  darin  Pyrolusit,  violette  und 
schwarze  Manganeisenverbindungen,  sowie  krystallinische  Aggre- 
gate von  Albit.  In  allen  ist  nicht  die  Spur  Vanad  nachzuweisen. 
Das  spricht  entschieden  dafür,  dass  dasselbe  dem  Minerale  durch- 
aus eigenthümlich  ist. 


Zusatz. 

In  den  Comptes  rendus  1872,  No.  23  de  dato  2.  December 
macht  auch  Pisani  eine  Analyse  des  Ardennit  bekannt.  Da  er 
nicht  zu  wissen  schien,  dass  ich  bereits  unter  dem  24.  Nov.  der 
Niederrhein.  Ges.  für  Natur-  und  Heilkunde  das  Mineral  unter 
obigem  Namen  vorlegte,  schlägt  er  den  Namen  Dewalquit  vor. 
Über  die  Priorität  des  Namens  „Ardennit"  kann  also  kein  Zweifel 
sein.  Pisani  hat  aber  die  Natur  des  Minerals  gar  nicht  erkannt: 
seine  Analyse  ist  fast  in  allen  Bestandteilen  sehr  ungenau  und 
gibt  die  Zusammensetzung  durchaus  nicht  wieder.  Mit  dem  Ma- 
sonit  hat  der  Ardennit  nichts  Verwandtes.  Der  Name,  den  Pisani 
vorschlug,  muss  also  wieder  verschwinden,  denn  das  Mineral,  für 
den  er  gelten  sollte,  existirt  in  der  von  ihm  angegebenen  Zu- 
sammensetzung nicht. 


Studien  aus  Kärnten. 

Von 

Herrn  Professor  Hanns  Höfer. 


III.    Die  Eiszeit  in  Mittelkärnten. 

Bisherige  Kenntnisse  über  die  Eiszeit  in  Kärnten. 

Das  lebhafte  Interesse,  mit  welchem  ein  Theil  der  Geologen 
schon  seit  geraumer  Zeit  dem  Studium  der  Eiszeit  in  verschie- 
denen Theilen  der  Erde  nachhängt,  schuf  eine  völlige  Eiszeit- 
literatur, zu  welcher  die  Alpen  beträchtliche  Materiale  lieferten. 
Und  unter  den  Letzteren  sind  es  wieder  mehr  die  westlichen 
schweizerischen,  als  die  östlichen  österreichischen.  Ja  bekannt- 
lich ging  das  Interesse  der  Schweiz  an  diesen  Studien  so  weit, 
dass  sich  die  erratischen  Blöcke  daselbst  eines  besonderen  Schutzes 
und  eigener  Namen  erfreuen.  Wenn  wir  in  den  österreichischen 
Alpen  diesbezüglich  noch  nicht  so  weit  sind,  so  findet  dies  seine 
einfachste  Erklärung  in  den  räumlich  grossen  und  fachlich  ebenso 
mannigfaltigen  wie  verwickelten  Verhältnissen  des  Studiengebie- 
tes. Trotzdem  besitzen  wir  ganz  treffliche  und  eingehende  Ar- 
beiten über  die  Eiszeit  des  Salzkammergutes  Nordtirols.  —  Berg- 
rath von  Mojsisovics  und  Professor  Simony  beschäftigten  sich 
mehrfach  damit  —  und  viele  kleinere  Notizen  und  Abhandlungen, 
zerstreut  in  den  Publikationen  unserer  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt, k.  k.  Akademie  der  Wissenschaften,  des  österreichischen 
Alpenvereines  u.  a.  m.    Doch  am  dürftigsten  darin  ist  Kärnten 


129 


bedacht;  nur  Stur  *  und  Suess  **  erwähnen  Moränen  in  Kärnten. 
Vor  circa  zwei  Jahren  beschäftigte  sich  Taramelli  ***  mit  den 
Gletschern  der  Eiszeit,  welche  sich  in  den  oberen  Theilen  des 
Save-,  Isonzo-  und  Drauthales  ausdehnten:  doch  leider  ist  diese 
Literaturquelle  für  mich  unzugänglich  geblieben.  Es  dürfte  so- 
mit kein  überflüssiges  Unternehmen  sein,  wenn  ich  meine  seit 
Jahren  gepflogenen  Studien  über  die  Eiszeit  in  Mittelkärnten  der 
Öffentlichkeit  übergebe. 

Fassen  wir  die  häufigsten  Wahrzeichen  der  Eiszeit  zusam- 
men, so  lassen  sie  sich  in  folgende  Abtheilungen  bringen : 
I.  Gletscherschliffe, 

II.    Erratische  Blöcke, 

III.  Moränen. 

A.  Grund-  ) 

B.  End-  |  Moränen. 

C.  Seiten-  und  Mittel-  } 

In  wieferne  ich  diese  Kriterien  einer  Kälteperiode  in  Mittel- 
kärnten sicher  constatiren  konnte  und  welche  Schlüsse  daraus 
sich  folgern  lassen,  möge  in  der  soeben  angedeuteten  Reihen- 
folge ausgeführt  werden. 

I.  Gletscherschliffe. 

Bevor  man  einen  natürlichen  Gesteinschliff  als  durch  Glet- 
scher bewirkt  ansprechen  darf,  müssen  hierüber  sorgsame  Stu- 
dien angestellt  werden,  wodurch  constatirt  wird,  dass  jede  an- 
dere Entstehungsweise  ausgeschlossen  werden  muss.  Ich  kann 
diese  Sorgsamkeit  nicht  nur  bei  diesen,  sondern  bei  allen  Kri- 
terien der  Eiszeit  nicht  genug  empfehlen,  indem  ich  späterhin 
nachweisen  werde,  wie  leicht  hierin  Verwechslungen  und  Irr- 
thümer  durch  sehr  ähnliche  Erscheinungen,  doch  durch  andere 

*  Stur:  Über  die  Ablagerungen  des  Neogen,  Diluvium  und  Alluvium  im 
Gebiete  der  nordöstlichen  Alpen  und  ihrer  Umgebung.  Seite  513  der 
Sitzungsberichte  der  k.  k.  Akad.  d.  Wissenschaften.    XVI.  Bd. 

**  Suess:  Studien  über  die  Gliederung  der  Trias-  und  Jurabildungen 
in  den  östl.  Alpen.  I.  Raibl.  Im  Jahrb.  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt. 
Bd.  XVII.  1867. 

***  Taramelli,  Dr.  F.,  Sülle  anticlie  gliiacciaje  nelle  volle  della  Drava, 
della  Sava  e  delV  Isonzo.  In  „Atti  della  Societä  italiana  di  seienze  na- 
turali«,  Milano.   Bd.  XIII.  1870. 

Jahrbuch  1873-  9 


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Ursachen  bedingt  entstehen  können.  Betreffs  der  Gletscherschliffe 
von  Gesteinflächen  ist  zunächst  und  fast  ausschliesslich  nur  eine 
Verwechslung  mit  Rutschflächen  denkbar.    Ich  suchte  desshalb 
die  Letzteren  insbesondere  in  Steinbrüchen  desselben  Gesteines 
auf,  an  welchen  ich  Gletscherschliffe  gefunden  zu  haben  glaubte. 
Da  fand  sich  an  diesen  Localitäten  bald  ein  massgebender  Unter- 
schied, dass  nämlich  die  Rutschflächen  zwar  geglättet  und  zwar 
vorwiegend  durch  den  erhärteten  Besteg,  welcher  eben  auch  ein 
Product  der  Reibung  ist,  ja  auch  gefurcht  (cannelirt),  doch  nicht 
so  scharf  geritzt   sind,   als  die   eigentlichen  Gletscherschliffe, 
welche  letzteren  mir  nicht  nur  aus  der  Nähe  der  Gletscher  in 
den  Alpen,  sondern  auch  von  Spitzbergen  und  Nowaja-Semlja  her 
—  die  besten  modernen  Eiszeitbilder  —  wohl  bekannt  sind.  Alle 
wahren  Rutschflächen  erscheinen  nämlich  in  dem  durchforschten 
Gebiete  im  senkrechten  Durchschnitte  auf  die  Furchungen  im  All- 
gemeinen wellenförmig  und  haben   selten  hie  und  da  schärfer 
eingeschnittene  Ritzer.  Die  Gletscherschliffe  hingegen  sind  selbst- 
verständlich dort,  wo  sie  blossgelegt  sind,  ohne  Besteg,  ganz  glatt 
polirt,  zeigen  in  kleineren  Partien  eine  mehr  ebene  Fläche,  in 
welcher  ganz  knapp  viele  scharfe  Ritzer  vorhanden  sind  und 
welche  mehr  oder  weniger  tief  und  breit  sind.    Überdies  sah 
ich  auf  Rutschflächen   niemals  mehrere   Systeme  von  Ritzern, 
häufig  jedoch  an  Gletscherschliffen:  ferner  sind  bei  letzteren  ein- 
geschlossene Quarzwülste,  etwas  convex  hervorstehend,  immer 
spiegelglatt,  was  ich  von  Rutschflächen  nicht  sagen  kann.  Dies 
sind  Unterscheidungsmerkmale,  welche,  ich  möchte  sagen,  auch 
in  Handstücken  den   echten   Gletscherschliff  kennzeichnen.  Zu 
diesen  gesellen  sich  noch  jene,  welche  örtlicher  Natur  sind :  hie- 
von  seien  blos  folgende  erwähnt.    Es  springt  zum  Beispiele  eine 
polirte  Platte  senkrecht  zur  Richtung  der  Ritzer  um  0,3  mt.  zu 
einer  tiefer  liegenderen  ebenfalls  geschliffenen  Platte.  Diese  Kante 
ist  stets  abgerundet  und  gewöhnlich  ganz  besonders  glatt  polirt. 
Ferner  findet  man  sehr  häufig  die  eigentlichen  Gletscherschliffe 
selten  allein,  sondern  solche  polirte  Platten  in  der  Nähe  noch 
mehrere ;  man  wird  dann  bei  allen  dieselbe  Streichungsrichtung 
der  Ritzer  eingehalten  finden.    Eine  derartige  Erscheinung  wird 
sodann  noch  sprechender,  wenn  man,  wie  es  z.  B.  mir  gelungen 
ist  nachzuweisen,  die  übereinstimmende  Streichungslinie  der  Ritzer 


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sowohl  auf  der  Kuppe,  als  auch  auf  verschiedenen  Punkten  ihrer 
Gehänge  aufzufinden  im  Stande  ist.  Ja  die  Übereinstimmung  ist 
so  gross,  dass  sich  auf  Meilen  weit  hin  ein  gleiches  Streichen 
der  Ritzer,  gewöhnlich  übereinstimmend  mit  dem  des  Hauptthaies, 
nachweisen  lässt.  Noch  sei  erwähnt,  dass  ich  in  Mittelkärnten 
das  Streichen  der  Ritzer  immer  nahezu  parallel  dem  Hügel-  oder 
Gebirgszuge  fand-  würde  man  es  mit  Rutschflächen  zu  thun  haben, 
so  müssten  deren  Furchungen  wohl  in  den  meisten  Fällen  senk- 
recht zur  Streichungsrichtung  der  Terrainwelle  stehen.  Alle  diese 
genannten  Erscheinungen  schliessen  somit  auf  das  Bestimmteste 
die  Entstehung  der  in  Rede  stehenden  Schlilfflächen  durch  Rut- 
schung aus;  hingegen  zeigen  sie  vollständige  Übereinstimmung 
mit  den  recenten  GletscherschlifFen,  es  muss  ihnen  somit  eine 
gleiche  Entstehungsursache  wie  diesen  zugeschrieben  werden. 
Ich  glaubte  diese  Auseinandersetzungen  nicht  blos  darum  zu 
schulden,  um  in  vornhinein  jede  Verinuthung  eines  Irrthums  in 
meinen  Beobachtungen  auszuschliessen,  sondern  auch  desshalb, 
um  überhaupt  die  ganze  Erscheinung  als  solche  zu  kennzeichnen 
und  auf  etwaige  Verwechslungen  aufmerksam  zn  machen. 

Zuerst  fand  ich  die  so  charakterisirten  GletscherschlifFe  in 
jenem  niedrigen  Gebirgszuge,  welcher  zwischen  den  beiden  Städten 
Villach  und  Klagenfurt  und  zwar  am  Nordufer  des  Wörther-Sees 
liegt.  Er  besteht  der  Hauptsache  nach  aus  verschiedenen  Thon- 
schiefern, welche  im  Grossen  betrachtet  N.N.W.-wärts  verflachen 
und  häufig  Kalk-  und  Quarzitlager  als  accessorische  Bestandmas 
sen  enthalten;  der  hangende  Theil  dieser  Schiefergruppe  ist  auf 
den  Karten  unserer  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  als  Carbon 
eingezeichnet,  dem  ich  aus  vielfachen  Gründen  nicht  beipflichten 
kann.  Im  Liegenden  des  genannten  Schiefercomplexes ,  also  in 
der  Nähe  Klagenfurts,  tritt  die  schiefrige  Structur  gegenüber  der 
massigen  immer  mehr  in  den  Hintergrund,  das  Gestein  ist  von 
reichlich  auftretendem  Amphibole  (Strahlstein)  gewöhnlich  grün 
gefärbt,  hat  ziemlich  reichlich  1—  2"  auch  bis  1'  mächtige  Quarz- 
adern ausgeschieden,  die  häufig  zur  Schichtung  parallel  sind,  und 
wird  etwas  härter.  Ich  bezeichne  dieses  Gestein  vor  der  Hand, 
so  lange  meine  einschlägigen  petrographischen  Studien  nicht  be- 
endet sind,  als  „Kreuzbergelgestein.«    Den  Namen  nahm  ich  von 

9* 


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der  Localität,  dem  Kreuzbergel.  welcher  Hügel  das  Ende  des 
genannten  Gebirgszuges  zwischen  Villach-Klagenfurt  im  Osten 
bildet,  sich  in  der  unmittelbaren  Nähe  der  letzteren  Stadt  findet 
und  auf  welchem  bei  der  Anlage  von  Spaziergängen  u.  s.  f.  die 
schönsten  Gletscherschliffe  aufgefunden  wurden.  Die  Kuppe  ist 
ziemlich  flach  gewölbt .  die  Schichten  liegen  nahezu  horizontal, 
und  das  Gestein  ist  nicht  zu  hart,  um  sich  gut  poliren  und  ritzen 
zu  lassen,  ist  aber  anderseits  wenig  zur  Zerstörung  geneigt,  wie 
dies  am  besten  verschiedene  Jahrhundert  alte  Standbilder  in  Kla- 
genfurt bezeugen.  Es  sind  somit  die  besten  Bedingungen  zur 
Entstehung  und  Erhaltung  von  Schliffflächen  vorhanden.  So  fand 
ich  z.  B.  in  gut  geschichteten  Gesteinen  desselben  Gebirgszuges 
westlich  vom  Kreuzbergel  sehr  häufig  Rudimente  von  Gletscher- 
schliffen, insbesondere  auf  dem  Scheitel  mehrerer  Kuppen:  doch 
ist  der  Schiefer  insbesondere  der  mechanischen  Zerstörung  durch 
die  Atmosphärilien  so  ausgesetzt;  dass  es  eines  geübten  Auges 
bedurfte,  um  sie  als  Gletscherschliffe  zu  erkennen.  Derartiger 
Fundstellen  wird  desshalb  auch  in  dem  weiteren  Verlaufe  dieser 
Abhandlung  nicht  mehr  gedacht  werden. 

Auf  dem  Scheitel  des  Kreuzbergeis  findet  man  eine  kleine 
durch  alte  Steinbrucharbeit  bedingte  Lache,  in  deren  unmittel- 
baren Nähe  sowohl  westlich  als  auch  nordöstlich  ausgezeichnete 
Gletscherschliffe.  Die  westliche  Platte  ist  eine  Schichtfläche  mit 
11°  Einfallen  nach  Stunde  14.  und  ist  auf  8  Klafter  Länge  und 
2  bis  21/.,  Klafter  Breite  blossgelegt:  überall  ist  sie  polirt  und 
vorwiegend  nach  hora  5  geritzt.  An  einzelnen  Stellen,  insbe- 
sondere wenn  durch  die  Platte  eine  wellenförmige  Vertiefung 
geht,  schneiden  sich  die  Ritzlinien  unter  einen  Winkel  von  15°, 
die  Linien  pflegen  si'ch  über  den  Scheitel  des  Winkels  hinaus 
nicht  fortzusetzen.  Die  eingelagerten  Quarzwülste  sind  vorzüglich 
geglättet,  ebenso  die  Kante,  die  abgerundet  und  geritzt  ist  am 
Abstürze  zur  Lache.  Die  zweite  Platte,  welche  von  der  soeben 
beschriebenen  30  Schritte  nordostlich  liegt  und  wo  die  Schichten 
mit  20°  nach  Stunde  17  —  18  verflachen,  ist  auf  nahezu  5°  Länge 
und  31/o°  vom  Waldboden  unbedeckt,  vielfach  ausgezeichnet  po- 
lirt und  nach  hora  5  geritzt,  wohin  auch  die  Oberfläche  der  Platte 
mit  6°  verflacht. 

Eine  kleine  Partie  von  wenigen  Quadratfussen  fand  ich  west- 


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wärts  von  dem  soeben  geschilderten  Punkte,  bei  200  Schritte 
entfernt,  am  Wege  von  hier  zur  Militärschiessstätte  aufgeschlos- 
sen. Sie  ist  ebenfalls  polirt,  doch  lassen  sich  die  Ritzer  nicht 
gut  mehr  erkennen.  Diese  Stelle  war  bis  vor  Kurzem  mit  Hu- 
mus bedeckt,  unter  welchem  insbesondere  die  chemische  Zer- 
störung rascher  vor  sich  geht. 

Die  Gletscherschliffe  am  Kreuzbergel  fielen  schon  vor  langer 
Zeit  unserem  verdienstvollen  Kärntner  Geologen-Veteranen  Fr. 
v.  Rosthorn  auf:  als  ich  diesem  meine  ersten  Funde  bezüglich 
der  Eiszeit  in  Kärnten  mittheilte,  zeigte  er  mir  persönlich  die 
beschriebene  Localität,  was  ich  hier  dankbarst  erwähne. 

Von  der  Mitte  Klagenfurts  1100°  —  nach  der  Luftlinie  ge- 
messen—  westwärts  liegt  das  kleine  Dorf  S  t.  Martin:  zwischen 
diesem  und  dem  sehr  nahe  gelegenen  Bahndämme  erhebt  sich 
ein  oben  abgerundeter  Höge]  um  wenige  Klafter  aus  der  um- 
liegenden Diluvialebene,  welcher  ebenfalls  aus  Kreuzbergelschie- 
fer  besteht,  dessen  Schichten  durchwegs  flach,  durchschnittlich 
mit  15°,  nach  Stunde  16  —  17  einschiessen  und  sich  nur  local 
am  Südfusse  dieser  Kuppe  bis  zu  30°  aufstellen.  Überall,  wo 
nicht  eine  Dammerdedecke  die  Höhe  des  Hügels  der  Beobachtung 
entzieht,  findet  man  alle  Gesteinsflächen,  insbesondere  auch  die 
Quarzschnüre,  ausgezeichnet  polirt  und  erstere  durchwegs  nach 
Stunde  ö — 6  geritzt.  Ganz  vorzüglich  ist  dies  auf  einer  Platte 
im  nordwestlichen  Theile  des  Hügels  zu  sehen,  welche  in  glei- 
cher Richtung  doch  etwas  flacher  (9°)  als  die  Gesteinsschichten 
verflächt.  —  Auch  hinter  der  diesem  Hügel  nahegelegenen  und 
zwar  nördlichen  Kirchhofmauer  dieses  Dorfes  finden  sich  ziemlich 
gut  erhaltene,  polirt e  Flächen,  worin  die  Ritzer  nach  Stunde  5 
gerichtet  sind.  Zur  Orientirung  sei  bemerkt,  dass  sich  hievon 
unmittelbar  nach  Nord  der  Gebirgszug  erhebt,  dessen  Ostende 
das  Kreuzbergel  bildet. 

Verfolgt  man  den  soeben  erwähnten  Gebirgszug  weiter  west- 
wärts, so  trifft  man  in  einer  Entfernung  von  15  Meilen  das  Dorf 
Pörtschach  an  seinem  Südfusse  und  zugleich  am  Nordufer  des 
reizenden  Wörthersee's.  Hinter  dem  sogenannten  Schlosse  da- 
selbst zieht  sich  ein  Weg  in  das  Gebirge:  an  diesem  und  20° 
nordwärts  von  dem  genannten  Gebäude  findet  sich  der  grünliche 


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Schiefer,  dessen  Schichten  bei  seigerer  Stellung  nach  Stunde  19 
bis  7  streichen,  ebenfalls  polirt  und  nach  hora  4  geritzt. 

Geht  man  an  dem  Südfusse  des  Gebirgszuges,  welcher  das 
Nordufer  des  Wörther-See's  ist,  noch  weiter  westwärts,  so  ge- 
langt man  am  Westrande  des  letzteren  zu  dem  Dorfe  Velden: 
von  hier  aus  liegt  das  Dorf  Köstenberg  circa  eine  Wegstunde 
nach  N.N.W.  In  dieser  Gemeinde  und  zwar  800°  (Luftlinie)  von 
dem  letzterwähnten  Dorfe  findet  man  wenige  hundert  Schritte 
nordwärts  vom  Berge  pri  Platti  eine  sehr  schöne  und  grosse 
Schlifffläehe  an  dem  grünen  Schiefer,  dessen  Schichten  mit  45 
nach  h.  11  verflachen.    Das  Streichen  der  Ritzer  ist  Stunde  4. 

Die  bisher  erwähnten  vier  Fundstellen:  Kreuzbergel,  St. 
Martin,  Pörtschach  und  Velden  gehören  wie  schon  mehrfach  er- 
wähnt, ein  und  demselben  Gebirgszuge  an,  welcher  sich  zwischen 
dem  Wörther-  und  Ossiacher-See  west-ostwärts  dahinzieht  und 
dessen  höchster  Punkt  2562  Fuss  über  dem  erstgenannten  See 
sich  erhebt.  Wie  ich  dieser  Tage  von  Herrn  stud.  R.  Canaval 
vernahm,  ist  es  ihm  im  verflossenen  Sommer  während  meiner 
längeren  Abwesenheit  geglückt,  in  diesem  Zuge  noch  mehrere 
schöne  GletscherschlifFe  aufzufinden.  Leider  fehlen  genauere  An- 
gaben und  die  Schneedecke  verhindert  es,  sie  dermalen  einzu- 
bringen. Es  möge  jedoch  beweisen,  wie  reichlich  verbreitet  in 
dieser  Gegend  die  Gletscherschliffe  sind. 

Südlich  vom  Wörther  See  liegt  der  Keutschacher  See, 
dessen  Ausfluss  in  den  erstgenannten  stattfindet.  An  der  Aus- 
flussstelle circa  20°  westlich  —  gegenüber  einem  Gehöfte  —  ist 
ebenfalls  der  Kreuzbergelschiefer  auf  mehrere  Quadratklafter  hin 
polirt  und  west-ostwärts  geritzt. 

Vom  Kreuzbergel  nach  O.N.O.  dehnt  sich  eine  Diluvialebene 
aus,  welche  sich  von  der  grossen  Klagenfurt-Bleiburger  abzweigt 
und  sich  gegen  St.  Veit  hinzieht.  In  der  früheren  Richtung  fort- 
gegangen, steigt  aus  der  genannten  Ebene  bei  Maria-Saal  und 
Zollfeld  ein  schön  bewaldeter  Gebirgszug  sanft  gewellt  bis  zu 
dem  Magdalens-  oder  Helenenberg  (bekannt  durch  die  Römer- 
reste) mit  3,331  Fuss  an.  Schon  vor  vier  Jahren  fielen  mir  bei 
meiner  ersten  Excursion  daselbst  die  bis  zur  Spitze  reichenden 
Geröllrnassen  auf,  von  welchen  später  gesprochen  werden  soll. 
Im  verflossenen  Frühjahre  fand  ich  auf  dem  Südabhange  in  der 


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Nähe  einer  Martersäule  bei  den  Bauern  Klaus  und  Wagnitsch 
eine  viele  Quadratklafter  grosse  Fläche  von  grünen,  ziemlich 
festen  Tuffen,  deren  Schichten  vielfach  gestört  sind.  Die  Ober- 
fläche ist  ganz  glatt  polirt  und  an  einzelnen  Stellen  nach  Stunde 
6  —  7  geritzt;  diese  Richtung  ist  etwas  südlicher  als  das  Streichen 
des  Terrains,  es  ist  somit  auch  hier  die  Erklärung  durch  Ab- 
rutschung  ausgeschlossen,  und  gleichzeitig  auch  die  geringe  Ab- 
weichung der  allgemein  herrschenden  Stunde  der  Ritzer  erklärlich. 

Fassen  wir  nun  all'  die  Beobachtungen  von  den  verschieden- 
sten Punkten  Mittelkärntens  zusammen,  so  ergibt  sich  hieraus, 
dass  das  herrschende  Streichen  an  ebenen  Platten  Stunde  5 — 6 
ist,  und  dass  es  local  nach  dem  Terrainverflächen  um  !>  abweicht. 
Es  muss  sich  also  die  riesige  Gletschermasse,  welche  ganz  Mit- 
telkärnten  bis  zu  seinen  höchsten  Punkten  bedeckte,  west-  oder 
ostwärts  bewegt  haben.  In  Anbetracht  dessen,  dass  die  höchsten 
Gebirgszüge  in  Kärnten  auf  der  Westhälfte  liegen  und  sich  die 
Alpen  nach  Ost  stetig  mehr  erniedrigen,  muss  es  als  zweifellos 
hingestellt  werden,  dass  sich  der  Riesengletscher  von  17 — 18h 
nach  5— 6h,  also  ostwärts  vorwärts  schob.  Er  kam  somit  nach 
Mittelkärnten  von  Villach,  wo  sich  bekanntlich  die  beiden  Haupt- 
thäler  Oberkärntens,  das  der  Drau  und  der  Gail,  vereinigen. 

II.   Erratische  Blöcke. 

In  der  Bestimmung  der  Echtheit  derselben  kann  bei  weitem 
nicht  so  leicht  ein  Irrthum  unterlaufen  als  bei  den  übrigen  Merk- 
malen der  Eiszeit;  sie  waren  ja  desshalb  die  Anreger  zur  Auf- 
stellung der  Eiszeit.  Wenn  man  auf  einem  Punkte  ein  Gestein 
als  grossen  eckigen  Block  findet,  welches  weder  hier  ansteht 
noch  als  Rudiment  einer  möglicher  Weise  hier  zerstörten  Ge- 
steinspartie, noch  als  hieher  herabgestürzt  betrachtet  werden  kann, 
so  bleibt  uns  nach  den  dermaligen  geologischen  Kenntnissen  keine 
andere  Erklärung,  als  die  des  Gletschertransportes. 

In  Mittelkärnten  fand  ich  an  zwei  Punkten  grosse  eckige 
Gneissblöcke,  welche  alle  zuerst  genannten  Möglichkeiten  aus- 
schliessen,  und  somit  als  erratisch  zu  bezeichnen  sind.  Diese 
befinden  sich: 

Auf  dem  Ullri chs  b e rg e.  Dieser  ist  4500°  (nach  der 
Luftlinie  gemessen)  nördlich  von  Klagenfurt  (1,397')  und  3,209' 


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über  dem  Meere.  Die  Schichten  fallen  hier  mit  durchschnittlich 
50°  nach  Nord  und  sind  am  Südfusse  Thonschiefer,  an  der  Spitze 
Triaskalke,  deren  geologischer  Horizont  sich  nicht  genauer  be- 
stimmen lässt.  Zwischen  beiden  schaltet  sich  an  der  Ostseite 
des  Berges  ein  rother  Sandstein  ein,  welcher  in  seinen  Hangend- 
schichten einen  grünen  Schiefer  mit  Myacites  fassaensis  und  Am- 
cula  venetiana  führt  und  somit  zu  den  Werfner  Schichten  (Bunt- 
sandstein) gehört.  Auf  dem  sich  nach  südwestwärts  herabziehen- 
den Sattel,  wo  plötzlich  die  westliche  Fortsetzung  des  rothen 
Sandsteines  abgeschnitten  ist,  liegen  mehrere  Gneissblöcke,  welche 
alle  scharfe  Kanten  und  annähernd  cubische  Gestalt  haben;  der 
grösste  hievon  umfasst  nahezu  5  Cubikklafter.  Alle  diese  Blöcke 
bestehen  aus  ein  und  demselben  Gneisse,  aus  einem  Gemenge 
von  Quarz,  Feldspath  und  kleineren  weissen  Glimmerblättchen 
bestehend,  in  welchem  sich  eine  parallele  Anordnung  nicht  ver- 
kennen lässt.  Überdies  ist  der  Muscovit  noch  ziemlich  häufig  in 
anhaltenden  Flasern  ausgeschieden,  mit  welchem  dann  lmm  grosse 
Granatkrystalle  vorkommen.  Es  sei  nun  bemerkt,  dass  Gneiss  in 
der  ganzen  auch  weiteren  Umgebung  des  Berges  nirgends  an- 
steht. Ferner  schliessen  die  scharfen  Kanten  der  Gneissblöcke, 
deren  Grösse  und  Lage  ein  Herschwemmen  durch  Hochfluthen 
total  aus ;  nach  den  geologischen  Verhältnissen  ist  es  undenkbar, 
dass  Gneiss  hier  einstens  anstehend  gewesen  wäre,  und  ein  Her- 
abstürzen von  der  Höhe,  die  aus  Triaskalk  besteht,  ist  ebenfalls 
in  vorhinein  ausgeschlossen.  Somit  lässt  sich  für  diese  Blöcke 
nur  eine  Erklärung  und  zwar  mit  Zuhilfenahme  der  Eiszeit  geben. 

Am  Magdalensberg.  Am  Wege  von  Ottmanach  nach 
St.  Donaten  zweigt  sich  am  Sattel  ein  anderer  Weg  nach  ost- 
wärts, also  gegen  die  Spitze  des  Magdalensberges  hin,  mit  ge- 
ringem Ansteigen  ab.  An  diesem  Wege,  circa  200  Schritte  von 
dem  erwähnten  Trennungspunkte  entfernt,  findet  man  einige 
mehrere  Cubikfuss  umfassende  Gneissblöcke  mit  scharfen  Kanten. 
Der  Gneiss  ist  ziemlich  ähnlich  jenem  vom  Ullrichsberge  beschrie- 
benen, nur  fand  ich  keine  Granaten  in  ihm.  Die  ganze  Gebirgs- 
gruppe  des  Magdalensberges  besteht  nur  aus  Thonschiefer  und 
verschiedenen  Triasgesteinen  —  rother  Sandstein,  grüne  Tuffe 
und  dolomitische  Kalke  — ,  doch  nirgends  aus  Gneiss,  welcher 
letztere  erst  weiter  nordostwärts  auf  der  durch  ein  breites  Thal 


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getrennten  Saualpe  ansteht.  Es  müssen  also  auch  die  in  Rede 
stehenden  Blöcke  auf  ihren  jetzigen  Punkt  hergetragen  worden 
sein;  da  dieselben  Gründe,  wie  die  bei  der  früheren  Fundstelle 
erwähnten,  gegen  eine  Hochfluthursache  sprechen,  so  bleibt  uns 
keine  andere  Erklärungsweise  übrig,  als  wie  die  Findlinge  als 
erratische  Blöcke  zu  bezeichnen. 

Eigentümlich  ist  der  Umstand,  dass  an  den  beiden  erwähn- 
ten Fundpunkten  die  erratischen  Blöcke  immer  nahezu  ganz  oben 
am  Sattel  vorkommen.  Es  wäre  sicherlich  wünschenswerth,  dies 
bei  späteren  Studien  zu  beachten.  Verbindet  man  die  beiden 
Fundpunkte,  am  Magdalens-  und  Ullrichsberge,  mit  einer  Geraden, 
so  ist  diese  nach  Stunde  5,  also  übereinstimmend  mit  der  Rich- 
tung der  Gletscherritzer,  und  zeigt  ebenfalls  nach  Villach.  Da 
es  keinem  Zweifel  mehr  unterliegen  kann,  dass  von  der  letzt- 
genannten Gegend  sich  die  Gletscher  herabschoben,  so  stammt 
der  in  erratischen  Blöcken  gefundene  Gneiss  von  Oberkärnten, 
wo  er  an  dem  Aufbaue  der  Gebirgsstöcke  am  linken  Drauufer 
wesentlich  betheiligt  ist,  und  in  der  Nähe  von  Gmünd  in  der 
äusseren  Gneisshülle  vorkommt.  Es  ergeben  sich  somit  aus  dem 
Studium  der  erratischen  Blöcke  in  Mittelkärnten  dieselben  Schluss- 
folgerungen, wie  aus  dem  der  Gletscherschliffe. 

III.  Moränen. 

Wir  pflegen  dieselben  in  A)  Grund-,  B)  End-  und  C)  Sei- 
ten- und  Mittel-Moränen  einzutheilen.  Letztere  konnte  ich  bisher 
an  keinem  Punkte  Kärntens  nachweisen.  Die  Endmoränen  fand 
ich  am  Raibier-  und  Weissenfelser-See  und  Stur  erwähnt  sie  in 
seiner  Eingangs  citirten  Abhandlung  vom  Möll-  und  Malnitzthale 
in  Oberkärnten;  doch  sind  alle  in  bedeutenderer  Höhe  gelegen 
(Raibler-See  3,090'  Seehöhe)  und  bezeichnen  entweder  einen 
Stillstand  im  Rückzüge  der  einstens  tiefer  reichenden  Gletscher, 
oder  sind  die  Reste  einer  zweiten  jüngeren  Eiszeit;  ich  entscheide 
mich  aus  mehrfachen  Gründen  für  letztere  Annahme.  Da  die 
erwähnten  Fundpunkte  von  Endmoränen  nicht  in  Mittelkärnten, 
unserem  Studiengebiete,  liegen,  so  mögen  sie  weiters  nicht  be- 
achtet werden.  Endmoränen  von  der  ersten  Eiszeit,  welche  ganz 
Mittelkärnten  mit  Gletschern  erfüllte,  dürften  in  Kärnten  kaum 
gefunden  werden  können.  Abgesehen  davon,  dass  die  bekannten 


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Endmoränen  jener  Zeit  am  Südfusse  der  Alpen,  z.  B.  beim  Garda- 
See  tiefer  liegen  als  der  tiefste  Punkt  in  Kärnten,  so  müssen 
wir  den  gesagten  Ausspruch  schon  aus  den  heimischen  Funden 
allein  folgern;  denn  die  Gletscherspuren  lassen  sich  bis  in  die 
Klagenfurt-Bleiburger  Ebene  nachweisen,  welche  nahezu  dasTiefste 
des  Landes  bildet.  Da  sich  von  hier  bergauf  bis  in  bedeutende 
Höhe  die  Eiszeitreste  verfolgen  lassen,  so  musste  hier  die  Glet- 
schermasse eine  bedeutende  Mächtigkeit  besessen  haben  und 
schob  sich  von  Bleiburg  ostwärts  nach  Untersteiermark  u.  s.  f. 
vor.  Wenn  wir  jedoch  in  jenen  Gegenden,  wo  wir  die  End- 
moränen vermuthen,  dieselben  nicht  finden,  so  erklärt  sich  dies 
naturgemäss  daraus,  dass  das  beim  Rückzüge  der  Gletscher  sich 
im  grossartigen  Massstabe  ablagernde  Fluthdiluvium  dieselben  be- 
decken musste,  wie  wir  dies  auch  wirklich  in  Untersteiermark 
mächtig  entwickelt  finden. 

Betreffs  der  im  Hochgebirge  vorkommenden  sogenannten  alten 
Endmoränen  möchte  ich  bei  dieser  Deutung  zur  Vorsicht  mahnen, 
indem  Hochwässer  sehr  oft  eine  überraschend  ähnliche  Erschei- 
nung hervorbringen.  Ein  solcher  Schuttwall  entstand  z.  B.  bei 
einem  Hochwasser  im  Jahre  1851  bei  Villach  (im  Südosten  von 
Kärnten),  von  welchem  Suess  *  bemerkt:  „einer  Moräne  nicht 
unähnlich. (l  Es  verbleiben  uns  somit  nur  die  Grundmoränen  zur 
weiteren  Untersuchung,  welche  sich  in  Mittelkärnten  ziemlich 
reichlich  vorfinden. 

Es  ist  schon  lange  aufgefallen,  dass  man  an  den  Berggelän- 
den  unseres  Centralalpenzuges  in  Höhen  bei  4000  Fuss  Gerölle 
findet,  deren  Gesteine  in  der  unmittelbaren  Umgebung  nicht,  wohl 
jedoch  in  den  südlichen  Kalkalpen  anstehen.  Zur  Erklärung  ihres 
Hieherkommens  nahmen  manche  Geologen  einen  gewaltigen  Wo- 
genschlag in  Folge  von  Erdbewegungen  an,  welcher  die  Gesteine 
des  Südens  auf  die  nördlichen  Berggelände  völlig  hinaufpeitschte. 
Abgesehen  von  aller  Kühnheit  dieser  Hypothese  finden  wir  diese 
höheren  Geröllablagerungen  von  Erscheinungen  begleitet,  welche 
durch  die  genannte  Erklärungsweise  vollends  unaufgeklärt  bleiben 
und  uns  ebenfalls  zur  Annahme  alter  Gletscher  zwingen.  Unter- 
sucht man  nämlich  diesen  „  Hochschotter tt  genauer,  so  findet  man 

*  Suess  :  Über  die  Äquivalente  des  Einliegenden.  Sitzb.  d.  k.  k.  Aka- 
demie der  Wissenschaften,  LVII.  Bd.,  I.  Abthlg.,  Seite  261. 


139 


in  einer  lettigen  Grundmasse  ohne  jede  Spur  einer  Schichtung, 
also  ganz  unregelmässig,  Gerolle  von  verschiedener  Grösse  und 
aus  verschiedenen  Gesteinen  bestehend ,  eingebettet.  Die  Wei- 
cheren hievon,  wie  z.  B.  jene  aus  Kalk  und  jene  aus  einem  grü- 
nen serpentinähnlichen  Gesteine,  sind  feiner  oder  gröber  und  zwar 
meist  nach  einer,  seltener  nach  zwei  oder  mehreren  Richtungen 
geritzt.  Ferner  findet  man  immer  auch  zerbrochene  Gerölle,  wo 
die  Bruchfläche  ihre  scharfen  Kanten  behielt.  Wir  haben  es  so- 
mit hier  mit  Grundmoränen  zu  thun,  welche  allerorts,  z.  B.  von 
der  Schweiz  .wie  von  Württemberg  mit  denselben  Eigenthümlich- 
keiten  beschrieben  werden  und  für  welche  ich  den  Namen  „Er- 
raticum" gebrauche.  Ebenso  wie  in  den  genannten  Gegenden 
sind  auch  hier  diese  Geröllablagerungen  als  sehr  fruchtbarer  Bo- 
den bekannt,  auf  welchen  sich  desshalb  unsere  Bauernwirthschaf- 
ten  in  einer  sonst  ungewohnten  Höhe  ansiedeln. 

Das  Fluthdiluvium  hingegen,  wie  wir  es  in  der  Klagenfurt- 
Bleiburger  Ebene  in  verticaler  wie  horizontaler  Richtung  colossal 
entwickelt  finden,  ist  durchwegs  geschichtet,  hat  fast  immer  ein 
sandiges  Bindemittel  und  sandige  concordante  Einlagerungen,  und 
obzwar  die  Gerölle  meist  aus  denselben  Gesteinen  wie  das  Er- 
raticum  bestehen,  so  sind  sie  niemals  geritzt.  Der  Boden  gilt 
bei  den  Ökonomen  als  mager  und  weniger  fruchtbar.  Scharf 
zeigt  sich  der  Unterschied  zwischen  Fluthdiluvium  und  Erraticum 
an  der  Grenze  beider,  wie  z.B.  mehrfach  zwischen  Klagenfurt 
und  St.  Veit.  So  versicherte  mich  der  daselbst  ansässige  Guts- 
besitzer und  Landtagsabgeordnete  Herr  G.  Hock,  dass  auf  seinen 
Grundstücken  in  der  Ebene  (Fluthdiluvium)  kein  Obstbaum  ge- 
deihe, während  wenige  hundert  Schritte  davon  auf  den  sanften 
Gehängen,  wo  das  Erraticum  auftritt,  derselbe  prächtig  gedeiht; 
Ähnliches  ergibt  sich  auch  für  manche  anderen  Culturgattungen. 

Nachdem  im  Vorstehenden  in  grossen  Zügen  das  Auftreten 
der  Grundmoränen,  welche  an  vielen  Stellen  Mittelkärntens  die 
sanfteren  Gehänge  bedecken,  skizzirt  wurde,  so  sei  von  den  vielen 
zweier  Punkte  eingehender  gedacht,  da  hier  das  Erraticum  sehr 
gut  aufgeschlossen  und  massenhaft  entwickelt  ist. 

Pörtschach  beim  Ullrichsberge.  Von  diesem  Orte  zieht 
sich  in  der  Richtung  nach  St.  Veit,  d.  i.  nach  N.N.O.,  ein  sanfter 
Rücken  gegen  Tauzenberg  hin.    Überall  ist  derselbe  von  frucht- 


140 


baren  Feldern  bedeckt,  und  hie  und  da  erhebt  sich  daraus  ein 
2 — 3  Klafter  hoher  sanfter  und  ebenfalls  bebauter  Kegel,  in  wel- 
chem, wie  auf  allen  diesen  Äckern,  geritzte  Gerolle  häufig  vor- 
kommen. An  einer  Stelle  ist  auf  der  Höhe  dieses  Rückens,  wo 
das  Gerolle  sehr  überwiegt,  eine  Gewinnung  desselben  zu  Schot- 
terungsmaterial eingeleitet  und  hiedurch  ein  guter  Aufschluss 
geliefert.    Das  Vorkommen  lässt  sich  wie  folgt  beschreiben. 

In  einer  graulichen,  lehmigen,  seltener  wenig  sandigen  Masse 
liegen  grosse  und  kleine  Gesteinsstücke  unregelmässig,  wie  hin- 
eingeknetet, zerstreut.  Das  Volumen  der  Grund masse  dürfte  ein 
Viertel  derjenigen  der  eingebetteten  Gesteinsstücke  sein.  Unter 
Letzteren  fallen  zuerst  grössere,  bis  4  Cubikfuss  grosse  Blöcke 
auf,  welche  aus  einem  festen  grünen  Thonschiefer  (sehr  ähnlich 
dem  früher  erwähnten  Kreuzbergelschiefer)  oder  aus  schwarzem, 
völlig  dichtem  Kalksteine  oder  auch  aus  Gneiss  bestehen,  und 
deren  Kanten  an  vielen  Stellen  abgerundet  oder  polirt  sind.  Die 
Gerölle  von  der  Grösse  eines  Brodlaibes  abwärts  bis  zu  der  einer 
Nuss  bestehen  vorwiegend  aus  lichtgefärbtem  Dolomit,  aus  röth- 
lichem  und  grauem  bis  schwarzem  Kalk  (Trias?).  Hiebei  sind 
es  die  rothen  und  dunklen  Varietäten,  welche  die  Ritzer,  meist 
parallel,  vortrefflich  erkennen  lassen.  Diese  Gerölle  sind  ent- 
weder vollends  rund  oder  sie  haben  die  Plattenform,  jedoch  mit 
abgerundeten  Kanten,  beibehalten.  Eine  solche  graue  Kalkplatte 
zeigt  an  der  einen  Seite  drei  Systeme  paralleler,  oft  tieferer 
Ritzer;  eine  andere  von  mehr  eckiger  Form  hatte  eine  gerade 
Kante  schräg  abpolirt  und  zeigte  daselbst  viele  parallele  Ritzer 
senkrecht  auf  die  Kante. 

Seltener  als  die  Kalke  sind  unter  den  Gerollen  die  Raibier 
Porphyre,  welche  fast  immer  ganz  abgerundet  und  polirt,  doch 
wegen  ihrer  grossen  Härte  fast  niemals  geritzt  sind.  Unter  die- 
sen Porphyren  ist  die  graue  Varietät  selten,  gewöhnlich  nur  die 
rothe  anzutreffen.  Ferner  kommt  auch  noch  hie  und  da  ein  nicht 
sehr  hartes,  dunkelgrünes  Gestein,  dem  Serpentine  ähnlich,  vor; 
dieses  ist  vollends  zu  länglichen  Gerollen  abgerundet,  gut  polirt 
und  fast  in  jedem  Stücke  geritzt.  Manchmal  sind  diese  Furchen 
nur  bei  directer  Sonnenbeleuchtung  oder  unter  der  Lupe  und 
zwar  als  ein  System  sehr  zarter  paralleler  Linien  erkennbar. 

Ich  lege  auf  den  Umstand,  dass  dieser  Aufschluss  auf  der 


141 


Höhe  eines  langen  Rückens  liegt,  aus  der  Ursache  ein  besonderes 
Gewicht,  weil  hiedurch  eine  mögliche  Täuschung  in  der  Deutung 
der  geritzten  Gerölle  ausgeschlossen  wird.  Ich  konnte  nämlich 
in  einem  Gebirgsrücken  südöstlich  von  Klagenfurt,  Sattnitz  ge- 
nannt, beobachten,  dass  die  in  dem  daselbst  anstehenden  Con- 
glomerate  vorkommenden  Kalkgerölle  nach  ihrem  Loslösen  beim 
langsamen  Herabrutschen  in  der  sandigen  Schutthalde  manches- 

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mal  sehr  ähnlich  dem  Erraticumgerölle  geritzt  werden.  Ich  glaube 
auf  diese  Beobachtung  aufmerksam  inachen  zu  müssen,  damit  man 
sich  nicht  etwa  wegen  des  Fundes  eines  oder  einiger  geritzten 
Gerölle  verleiten  lässt,  hierin  sofort  ein  untrügliches  Wahrzeichen 
der  Eiszeit  zu  erkennen. 

Südgehänge  des  Magdalensberges.  Es  ist  zum  gros- 
sen Theile  mit  Erraticum  bedeckt 5  es  reicht  vom  Fusse  desselben 
unmittelbar  hinter  Ottmanach  bis  völlig  unter  die  Spitze  des  Ber- 
ges, aus  welchem  Umstände  auch  erklärlich  ist,  dass  hier  die 
Gehöfte  bis  zu  solcher  bedeutender  Höhe  reichen. 

An  einzelnen  Stellen  ist  es  mächtiger  entwickelt,  an  anderen 
bedeckt  es  nothdürftig  das  darunter  liegende  Gebirge,  welches, 
wie  aus  den  wenigen  Entblössungen  zu  schliessen  ist,  grossen- 
theils  aus  grünen  TriastufFen  besteht.  Die  Zusammensetzung 
dieses  Erraticums  ist  übereinstimmend  mit  jenem  von  Pörtschach 
beim  Ullrichsberge.  Auch  hier  sind  es  vorwiegend  verschieden 
gefärbte  Kalke  und  Dolomite,  das  erwähnte  Serpentin-ähnliche 
Gestein,  Gneisse  und  die  Raibier  Porphyre,  welche  das  Material 
für  die  Gerölle  lieferten. 

Eigenthümlich  ist  es,  dass  man  an  beiden  Fundorten  diese 
Übereinstimmung  findet.  Aus  dem  Umstände,  dass  wir  unter  den 
Gerollen  Porphyre  finden,  welche  nur  in  der  Umgebung  von  Raibl 
(südliche  Kalkalpen)  vorkommen,  kann  es  keinem  Zweifel  unter- 
liegen, dass  sie  durch  das  Schlitza-  und  Gailthal  mittelst  Glet- 
scher nach  Mittelkärnten  geschafft  wurden.  Andere  Gesteine,  und 
da  sind  es  ganz  besonders  manche  Gneisse  und  die  Serpentin- 
ähnlichen, deuten  ebenso  zweifellos  auf  Oberkärnten,  von  wo  sie 
durch  das  Drauthal  kamen  und  sich  bei  dem  jetzigen  Villach  mit 
der  zweiten  grossen  Gletschermasse  vereinten. 

Mächtig  aufgeschlossen  ist  ferner  das  Erraticum:  An  der 
Strasse  von  Villach  nach  Tarvis  und  zwar  südlich  der  Gailbrüche, 


142 


am  Faaker-See,  am  höchsten  Punkte  der  Strasse  von  St.  Veit 
nach  Treibach  und  nach  einer  Mittheilung  meines  Freundes  Custos 
Herrn  L.  Canaval  bei  Miklauz.  Ich  zweifle  keinen  Augenblick, 
dass  sich  das  Verbreitungsgebiet  des  Erraticums  über  ganz  Mit- 
telkärnten  nachweisen  lassen  wird. 


Fluthdiluvium. 

Als  sich  die  Gletscher  bei  eintretender  Temperaturerhöhung 
rückwärts  zogen,  so  mussten  ihnen  gewaltige  Wassermengen 
entströmen.  Diese  wuschen  auch  grossentheils  die  Grundmoränen 
weg,  trugen  die  Gerolle  in  die  Thalspalten  hinab,  welche  sie  zum 
Theile  ausfüllten,  und  wobei  sie  sich  durch  das  unregelmässige 
Wetzen  zwar  weiter  abrunden  konnten,  jedoch  hiebei  ihre  frühe- 
ren Gletscherritzer  einbüssten.  Die  grossen  sich  durch  das  Weg- 
schmelzen der  Gletscher  bildenden  Wassermengen  waren  somit 
auch  im  Stande,  in  unseren  Thälern  so  ausgedehnte  Diluvial- 
ebenen zu  schaffen,  wie  es  z.  B.  die  Klagenfurt-Bleiburger  ist, 
wovon  sich  ein  Theil  gegen  St.  Veit  abzweigt.  Die  Gerolle  die- 
ser Ebene  sind,  ihres  petrographischen  Charakters  nach,  die- 
selben wie  die  im  Erraticum  vorkommenden,  nur  sind  sie,  wie 
schon  einmal  erwähnt,  ohne  parallelen  Ritzer  und  in  Sand,  oft 
schichtenweise,  gebettet. 

Alter  des  Fluthdiluviums  und  der  beschriebenen  Eiszeit. 

Dass  wirklich  die  Klagenfurter  Diluvialebene  jünger  als  das 
Erraticum  ist,  beweist  die  directe  Beobachtung  in  der  Nähe  der 
Bahn  zwischen  den  Stationen  Zollfeld  und  St.  Veit,  woselbst  das 
Erraticum  das  Fluthdiluvium  der  Ebene  unterteufend  zu  sehen  war. 

Wir  haben  somit  in  dem  Letztgenannten  einen  Anhaltspunkt 
zur  Bestimmung  des  Alters  der  Eiszeit,  indem  in  ihm  mehrfach 
Reste  von  Säugethieren  aufgefunden  wurden.  So  wurden  in 
jüngerer  Zeit  gelegentlich  einer  Drainage  Kiefer-  und  Ober- 
schenkelknochenreste von  Bos  taurus  darin  gefunden.    Unger  * 

*  Naturhistorische  Bemerkungen  über  den  Lindwurm  der  Stadt  Kla- 
genfurt. Von  Fr.  Unger,  Professor  amJoaneum;  in  Steiermärkische  Zeit- 
schrift, Gratz  1840,  Seite  75. 


143 


vermuthet,  dass  der  in  Klagenfurt  schon  drei  Jahrhundert  be- 
wahrte Schädel  von  Rhinoceros  tichorhinus  vom  Zollfelde  stamme. 
Ferner  wurde  bei  St.  Veit  in  einer  alten  Fluthmarke  im  Gerolle 
der  Schädel  mit  den  Zapfenansätzen  eines  Steinbockes  gefunden, 
welcher  nach  einer  brieflichen  Mittheilung  des  berühmten  H.  v. 
Meyer  dem  Ibex  cebennarum  angehört. 

Es  war  somit  die  in  dieser  Studie  besprochene  Eiszeit  die- 
sem Zeitabschnitte  vorangegangen.  Und  hält  man  diese  Knochen- 
Funde  mit  der  grossartigen  Ausdehnung  und  mächtigen  verticalen 
Entwicklung  der  alten  Gletscher  zusammen,  so  müssen  wir  zu 
dem  Schlüsse  gelangen,  dass  wir  es  im  vorliegenden  Falle  mit 
der  ersten,  älteren  Eiszeit  zu  thun  haben. 

,  Jüngere  Eiszeit. 

Sobald  man  die  grossen  Schuttwälle  vor  dem  Raibier  See, 
und  im  Möll-  und  Malnitzer-Thale  als  Endmoränen  erklärt,  wofür 
grosse  Wahrscheinlichkeit  ist,  so  hätten  wir  hierin  die  Wahr- 
zeichen der  zweiten,  jüngeren  Eiszeit  zu  erblicken,  deren  Ver- 
breitungsbezirk ein  unverhältnissmässig  kleinerer  als  jener  der 
ersten  Eiszeit  war.  Und  da  alle  diese  Moränen  höher  liegen  als 
Mittelkärnten,  so  müsste  dieses  zur  zweiten  Eiszeit  vollends  Glet- 
scherfrei gewesen  sein. 

Stellen  wir  die  erhaltene  Altersfolge  mit  jener  der  Schweiz  * 
und  anderer  Gegenden  in  Parallele,  so  ergibt  sich  folgendes 
Schema: 


*  Nach:  Die  Urwelt  der  Schweiz  von  Oswald  Heer,  Seite  533.  — 
Hiebei  wurde  die  postglaciale  Geröllbildung  der  Schweiz  und  ihren  Äqui- 
valenten: Tuff  von  Kannstatt  etc.  etc.  und  die  jüngeren  Bildungen  nicht 
weiter  berücksichtigt,  indem  man  bei  jüngeren  Ablagerungen  in  Kärnten 
nur  den  Unterschied  hervorheben  könnte,  ob  in  ihnen  Steinwerkzeuge  oder 
Bronzegegenstände  gefunden  wurden ;  nun  hiezu  liegt  wohl  noch  zu  wenig 
Material  vor;  vielleicht  liefern  die  Torflager  noch  manche  Ausbeute. 


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145 


Klima  zur  Eiszeit. 

In  der  Gegenwart  finden  wir  die  Kärntner  Gletscher  auf  die 
Gruppe  der  hohen  Tauren,  z.  B.  Grossglockner,  Elend  u.  s.  f.  be- 
schränkt; sie  sind  im  Abwärtsschreiten  begriffen,  wie  dies  am 
besten  dadurch  bewiesen  wird,  dass  alte  Stollenmundlöcher  der- 
malen von  ihnen  bedeckt  sind.  —  Ich  finde  in  einem  Verzeich- 
nisse kärntnerischer  Höhenmessungen  aus  der  Glocknergruppe 
folgende  Angabe:  Abschwung  des  Pasterzen-Gletschers  6.086'.  — 
In  der  vortrefflichen  Abhandlung  unseres  unermüdlichen  Metereo- 
logen  Herrn  J.  Prettner  *:  „Beiträge  zur  KlimatoJogie  der  Al- 
penu  Klagenfurt  mit  1380'  und  5,76°  R.  Durchschnittstemperatur 
angegeben,  und  Heiligenblut,  welches  bekanntlich  in  der  Nähe 
des  Grossglockners  und  der  Pasterze  liegt,  mit  4092'  und  4,08° 
R.  Aus  diesen  Angaben  rechnet  sich  eine  Temperaturabnahme 
von  0,621!  R.  bei  1000'  Ansteigen  zum  Glockner.  Nach  diesem 
Resultate  würde  sich  somit  die  Durchschnittstemperatur  der  Pa- 
sterze, in  der  Nähe  des  unteren  Gletscherendes,  mit  (+  2,84°R.) 
ergeben.  Es  würde  somit  eine  Temperaturerniedrigung  von  5,76 
bis  2,84  =  2,96ü  R.  nöthig  sein,  um  die  Gletscher  wie  zur  ersten 
Eiszeit  am  Kreuzbergel  bei  Klagenfurt  zu  haben.  Bei  dieser 
Rechnung  käme  wohl  noch  ein  Umstand  zu  berücksichtigen,  dass 
ein  grösseres  Gletschergebiet  seine  untere  Grenze  immer  in  der 
Zone  einer  höheren  Durchschnittstemperatur  haben  muss  wie  ein 
kleineres;  es  wäre  somit  die  obige  Ziffer  der  zu  einer  Eiszeit 
nöthigen  Temperaturerniedrigung  mit  2,96°  R.  eher  zu  hoch  als 
zu  niedrig  gegriffen.  Ohne  sich  einer  der  vielen  Eiszeithypo- 
thesen anzuschliessen ,  glaube  ich,  dass  der  gefundene  Zahlen- 
werth es  für  unnöthig  erscheinen  lassen  dürfte,  die  Erde  kalte 
Weltenräume  durchfliegen  zu  lassen,  um  die  Eiszeit  zu  erklären. 
Doch  Eines  scheint  mir  bei  der  Erklärung  immer  noch  zu  wenig 
berücksichtigt,  dass  nämlich  grössere  Niederschlagsmengen  auf 
einem  Gletschergebiete  selbst  bei  sonst  gleichen  Verhältnissen 

*  Jahrbuch  des  naturhistorischen  Landesmuseums  von  Kärnten.  Her- 
ausgegeben von  L.  Canaval.  II.  Jahrgang,  1853.  —  Die  angegebenen 
Durchschnittstemperaturen  beziehen  sich  auf  eine  Jahre sbeobachtung  1848 
bis  1849.  Nach  längeren  Beobachtungsreihen  ergibt  sich  zwar  für  Klagen- 
furt als  grosser  Durchschnitt  6'0°  R.,  doch  fehlen  mir  hierüber  die  ent- 
sprechenden Mittheilungen  von  Heiligenblut. 

Jahrbuch  1873.  10 


146 


eine  beträchtliche  Ausdehnung  zur  Folge  haben  müssen.  Sollten 
wir  denn  nicht  mit  terrestrischen  Ursachen  bei  der  Erklärung 
der  Eiszeit  auskommen? 

Auf  einem  anderen  Wege  findet  0.  Heer,  dass  die  Schweiz 
nur  einer  Temperatürerniedrigung  von  3,2°  R.  bedürfte,  um  die 
Gletscher  bis  nach  Genf  ausgedehnt  zu  haben,  welches  dann  noch 
immer  ein  Jahresmittel  von  4,12  R.  hätte.  Wir  sehen  also  auch 
hier,  dass  keine  bedeutende  Temperaturabnahme  vorauszusetzen 
nöthig  ist,  um  die  Eiszeit  zu  erklären.  Diese  Ziffern  lehren  uns 
aber  auch  noch  Folgendes. 

Es  muss  uns  befremden,  dass  wir  in  den  auf  die  erste  grosse 
Eiszeit  folgenden  Schichten,  bei  uns-  also  im  Klagenfurter  Fluth- 
diluvium,  Reste  von  Säugern  finden,  deren  Existenz  füglich  schon 
zur  Eiszeit  vorausgesetzt  werden  muss.  Manche  Geologen  nah- 
men zu  der  Erklärung  dieser  Erscheinung  Wanderungen  dieser 
Thiere  an,  so  dass  sie  ihre  Nahrung  vorwiegend  im  Süden  such- 
ten. Wenn  auch  derartige  Wanderungen  stets  stattgefunden  haben 
müssen,  so  haben  doch  auch  die  Alpen  innerhalb  ihres  Gebietes 
noch  genugsam  Nahrung  geboten.  Die  Temperatur  *  war  nicht 
so  niedrig,  als  dass  nicht  eine  ziemlich  reiche  Vegetation  hätte 
fortkommen  sollen,  sobald  eine  Gegend  vor  dem  unmittelbaren 
Erfülltwerden  durch  einen  nachbarlichen  Gletscher  gesichert  ist 
und  die  sie  begrenzenden  Höhen  sich  nicht  so  hoch  erheben,  dass 
sich  darauf  eigene  Gletscher  erzeugen  können.  Dies  ist  nicht 
etwa  eine  complicirte  Annahme,  sondern  eine  Thatsache,  wie  ich 
sie  in  Spitzbergen  und  Nowaja-Semlja  oftmals  beobachtete,  und 
wie  sie  auch  von  Grönland  gemeldet  wird.  Ich  verweise  auf  das 
Thierleben  dieser  Länder. 

Wörther-See  zur  Eiszeit. 

Zum  Schlüsse  sei  noch  einer  Erscheinung  gedacht,  welche 
füglich  mit  der  Eiszeit  in  Verbindung  gebracht  werden  muss.  Es 
bildet  nämlich  die  unmittelbare  westliche  Fortsetzung  der  Klagen- 
furter Diluvialebene  der  Wörther-See.    Unwillkührlich  legt  man 

*  In  der  Isotherme  — 3°  ist  der  Nordosten  Europa's  von  zusammen- 
hängendem Urwalde  bedeckt,  in  welchem  die  Lärche  auffallend  hoch  ge- 
deiht, die  Fichte  den  Grundton  bildet  und  Birke  und  Kiefer  häufig  in 
Gruppen  eingestreut  ist. 


147 


sich  die  Frage  vor,  wie  es  denn  kam,  dass  dieses  Becken,  wel- 
ches bis  44,5  Klafter  unter  den  jetzigen  Spiegel  reicht,  nicht 
ebenfalls  bei  der  Bildung  der  Klagenfurter  Ebene  von  dem  Fluth- 
diluvium  erfüllt  wurde?  Mir  war  es  nicht  möglich,  eine  bessere 
Erklärung  zu  finden,  als  sie  Desor  *  über  ähnliche  Schweizer 
Seen  gibt,  obzwar  sie  mich  nicht  vollends  befriedigt.  Er  weist 
nämlich  zuerst  nach,  dass  derartige  Schweizer  Seen,  wie  z.  B. 
der  Genfer-,  Neuenburger-,  Boden-,  Wallensee  nicht  nach  der 
Eiszeit  entstanden  sein  können  und  sagt  dann  auf  Seite  136: 

»Ist  aber  dieses  einmal  festgestellt,  so  müssen  die  Seen 
während  des  erratischen  Transportes  vorübergehend  mit  irgend 
einer  Masse  angefüllt  gewesen  sein,  die  sie  vor  dem  Andränge 
der  Geschiebe  geschützt  und  später  verschwunden  ist.  In  der 
Natur  kennen  wir  aber  nur  einen  Körper,  dem  eine  solche  Rolle 
zukommen  könnte,  nämlich  das  Eis.  Wie  wir  oben  gesehen  haben, 
ist  es  wahrscheinlich,  dass  zu  jener  Zeit  die  Seen  von  Gletschern 
in  Beschlag  genommen  waren,  welche  den  Geröllmassen  das 
Weiterschreiten  gestatteten,  ohne  die  Seen  auszufüllen.  Nachdem 
das  Eis  darauf  wieder  schmolz,  überfluthete  das  Wasser  von  Neuem 
die  Becken,  die  Seen  gewannen  ihre  frühere  Gestalt,  nur  dass 
sie  jetzt  mit  einem  Gürtel  von  erratischen  Blöcken  und  Gerölle 
versehen  auftreten.  Und  in  der  That,  es  bedarf  keiner  sehr  gros- 
sen Einbildungskraft,  sobald  man  eine  grössere  Ausbreitung  der 
Gletscher  zulässt,  um  die  Aargletscher  bis  zum  Brienzer-See  zu 
führen,  die  des  St.  Gotthards  und  des  Galenstockes  bis  zum  Vier- 
waldstätter-See,  oder  die  Griesgletscher  bis  zum  Langensee,  ja 
sogar  diejenigen  vom  ganzen  Wallis  bis  hinab  zum  Genfer-See.« 


Fassen  wir  die  wesentlichsten  Ergebnisse  dieser  Studie  aus 
Kärnten  zusammen,  so  sind  sie: 

1)  In  Kärnten  lässt  sich  eine  einstige  fast  vollständige  Ver- 
gletscherung des  Landes  durch  GletscherschlifFe,  erratische 
Blöcke  und  durch  Grundmoränen  (Erraticumi  nachweisen. 
Diese  Zeit  entspricht  den  ersten  Glacialbildungen  der  Schweiz. 

2)  Der  Riesengletscher,  welcher  ganz  Mittelkärnten  einnahm 
und  eine  Mächtigkeit  von  mindestens  2000'  besass,  bewegte 

*  E.  Desor:  Der  Gebirgsbau  der  Alpen.  1865. 


148 


sich  westostwärts  weiter  und  bildete  sich  bei  dem  jetzigen 
Villach  durch  die  Vereinigung  zweier  Hauptarme  aus  dem 
Gail-  und  Drauthale. 

3)  Es  ist  zur  Erklärung  dieser  grossartigen  Vergletscherung 
Kärntens  genügend,  eine  Temperaturabnahme  von  kaum 
3°  R.  anzunehmen;  wir  dürften  hiebei  mit  terrestrischen 
Gründen  vollständig  auskommen. 

4)  Das  Klima  erlaubte  zur  ersten  Eiszeit  noch  reiches  anima- 
lisches und  vegetabilisches  Leben. 

5)  Durch  das  Abschmelzen  der  Riesengletscher  bildete  sich 
das  sog.  Fluthdiluvium,  welches  die  Klagenfurt-Bleiburger 
Ebene  bildet  und  Bos  taurus,  Ibex  Cebennarum  und  Rhi- 
noceros  thichorhinus  führt.  Es  ist  weniger  fruchtbar  wie 
das  Erraticum,  welches  sich  bis  zu  Höhen  von  4000'  hin- 
anzieht und  häufig  den  Grund  so  hoher  Äcker  bildet. 

6)  Es  ist  mit  grösster  Wahrscheinlichkeit  anzunehmen,  dass 
die  Endmoränen  von  Raibl,  im  Möll-  und  Malnitzer-Thale 
der  zweiten  Glacialperiode  der  Schweiz  entsprechen.  Das 
Verbreitungsgebiet  derselben  war  weitaus  beschränkter  als 
das  der  ersten  Eiszeit. 

7)  Die  Erhaltung  des  Wörther-Seebeckens  lässt  sich  noch  am 
befriedigendsten  nach  Desor's  Vergletscherung  erklären. 


Briefwechsel. 


A.    Mitteilungen  an  Professor  G.  Leonhard. 

Dresden  den  5.  März  1872. 

Suum  cuique !  Diess  war  von  jeher  mein  Wahlspruch,  in  der  Wissen- 
schaft wie  im  Leben.  Demgemäss  glaube  ich  zu  meiner  kleinen  Abhand- 
lung über  den  Granulitgang  in  Auerswalde  nachträglich  bemerken  zu 
müssen,  dass  die  erste  Beobachtung  des  isolirten  Vorkommens  von  Granulit 
in  diesem  Dorfe  von  Wilhelm  Fischer  im  Jahre  1820,  bei  einer  im  Auf- 
trage des  Oberbergamtes  ausgeführten  Untersuchung  der  dortigen  Gegend 
gemacht  worden  ist.  Zwar  wurde  dies  im  zweiten  Hefte  der  Erläuterungen 
zur  geognostischen  Karte  von  Sachsen  erwähnt,  wo  es  Seite  11  heisst: 
Die  erste  Nachweisung  des  "Vorkommens  von  Granulit  in  Auerswalde  gebührt 
dem  Verfasser  der  geognostischen  Arbeit  Nr.  68;  allein  der  Name  des 
Verfassers  findet  sich  im  ersten  Hefte  der  Erläuterungen,  S.  XXI. 

Fischer  war  längere  Zeit  Bergmeister  in  Freiberg,  und  lebt  gegen- 
wärtig als  Pensionär  in  Dresden.  In  der  erwähnten  Arbeit  bezeichnet  er 
den  Ort  jenes  Vorkommens  als  einen  „höchst  interessanten  Punkt";  er 
beobachtete  dasselbe  in  einem  (schon  damals)  ungangbaren  Steinbruche, 
wo  die  gleichförmige  Auflagerung  des  Glimmerschiefers  auf  dem  Granulite 
sehr  deutlich  zu  sehen  war.  Dieser  Steinbruch  muss  also  die  hangende 
Grenze  des  Granulites  durchschnitten  haben,  ist  aber  jetzt  spurlos  ver- 
schwunden, und  kann  nicht  tief  in  das  Gehänge  eingedrungen  sein. 

Noch  glaube  ich  erwähnen  zu  müssen,  dass  ausser  Pusch  und  Stelzner 
auch  Fallou  unter  den  Männern  genannt  werden  muss,  welche  sich  um 
die  Kenntniss  unserer  Granulitformation  besonders  verdient  gemacht  haben. 

Bei  der  Besprechung  der  eruptiven  Natur  des  sächsischen  Gra- 
nulites (denn  andere  sind  wohl  ganz  anders  zu  beurtheilen) ,  hat  sich 
mir  abermals  die  Frage  nach  der  Ausbildung  unseres  oberen  oder  jün- 
geren Gneisses  in  der  Gegend  von  Hainichen  und  Mühlbach  aufge- 
drängt. Am  Cunnersdorfer  oder  Mobendorfer  Gneissstocke,  den  ich  in 
der  geognostischen  Beschreibung  der  Umgegend  von  Hainichen  ausführlich 


150 


beschrieben  habe,  ist  es  mir  leider  nicht  gelungen,  irgend  entscheidende 
Beobachtungen  über  seine  genetischen  Verhältnisse  zu  der  ihn  unterteufen- 
den Grauwacke  zu  machen.  Da  es  jedoch  keinem  Zweifel  unterliegt,  dass 
der  Mühlbacher  Gneissstock  eine,  wenn  auch  räumlich  getrennte,  so  doch 
gleichzeitige  und  gleichartige  Bildung  mit  dem  Cunnersdorf  er  Stocke 
ist,  so  dürften  Beobachtungen  an  den  Grenzen  des  ersteren  auch  für  die 
Verhältnisse  des  letzteren  entscheidend  sein.  Indem  ich  nun  meine  Notizen 
aus  dem  Jahre  1833  durchblättere,  finde  ich  ein  paar  Beobachtungen, 
über  welche  ich  Ihnen  nächstens  berichten  werde,  weil  sie  mir  für  die 
Beurtheilung  der  Verhältnisse  dieser  jüngeren  Gneissbildung  zu  der  Grau- 
wackenformation  einerseits  und  der  Culmformation  anderseits  nicht  un- 
wichtig zu  sein  scheinen. 

Carl  Naumann. 


Klipdrift,  Griqualand-West  d.  22.  Dec.  1872. 

So  schwierig  es  ist  für  die  „Dry  Diggings"  die  Art  und  Weise,  auf 
welche  die  Diamanten  an  ihre  jetzige  Lagerstätte  gelangt  sind,  un  z  w  eifel- 
haft  festzustellen,  so  leicht  ist  es,  sich  bei  den  „River  Diggings"  (Gruben 
am  Fluss,  in  denen  die  Diamanten  durch  Waschen  gewonnen  werden) 
davon  zu  überzeugen,  dass  Wasser  die  bewegende  Kraft  war,  welche  die 
Diamanten  dort  deponirte,  wo  wir  sie  noch  jetzt  finden.  Wie  klar  die  Ver- 
hältnisse sind,  geht  schon  daraus  hervor,  dass  die  Meisten  in  ihren  An- 
sichten bezüglich  der  Diamantenvorkommnisse  am  Fluss  übereinstimmen, 
während  die  „Dry  Diggings"  zu  ebenso  vielen  Theorien  Anlass  gegeben 
haben,  als  Veröffentlichungen  vorhanden  sind.  Unsicher  dagegen  ist  auch 
für  die  „River  Diggings"  die  Beantwortung  der  Fragen:  Wie  waren  die 
Verhältnisse  zur  Zeit  der  Deponirung  der  Gerölle?  Woher  stammen  die 
Diamanten  ? 

Dass  die  Diamanten  in  der  That  vor  ihrer  Ablagerung  durch  Wasser 
bewegt  worden  sind ,  dafür  sprechen  nicht  nur  die  oft  sehr  deutlichen 
Zeichen  einer  Abrollung ,  welche  nur  an  den  sogenannten  River-Steinen 
beobachtet  sind,  sondern  vor  allem  das  Material,  in  welchem  die  Diaman- 
ten eingebettet  vorkommen.  Dasselbe  besteht  aus  einem  mehr  oder  minder 
eisenschüssigen,  lehmigen  Sand,  aus  durchschnittlich  etwa  Nussgrösse  er- 
reichenden, vollständig  abgerundeten  Gerollen  (pebUes),  aus  flachen  Ge- 
schieben mit  einem  Durchmesser  bis  zu  einem  Fuss  und  aus  Blöcken 
(boulders)  von  sehr  schwankender  Grösse,  die  bald  vollkommen,  bald  wenig, 
bald  gar  nicht  abgerundet  sind.  Die  Anordnung  ist  derart,  dass  ein  Ge- 
menge von  Sand  und  Gerollen  die  Zwischenräume  der  Blöcke  ausfüllt. 
Ein  solches  Gemenge  wird  hier  gravel  genannt,  und  diese  Bezeichnung 
werde  ich  der  Einfachheit  wegen  fernerhin  benutzen.  Öfters  tritt  auch 
statt  des  lehmigen  Sandes  eine  zähe,  thonige  Masse  auf,  in  welcher  die 
Gerölle  liegen.  Die  Oberfläche  besteht  hie  und  da  aus  rothbrauuem  Trieb- 


151 


sand,  der  ebenso  wie  die  zuweilen  bis  zu  beträchtlicher  Tiefe  eindringen- 
den Kalkinfiltrationen  von  ganz  recentem  Ursprung  ist;  beide  stehen  in 
keinem  Zusammenhang  mit  dem  die  Diamanten  enthaltenden  Depositum. 
An  Masse  herrschen  die  Blöcke,  deren  Durchmesser  durchschnittlich  ein 
bis  zwei  Fuss  gross  sein  mag,  zuweilen  aber  sechs  Fuss  erreicht  und 
überschreitet,  bei  weitem  vor,  und  nur  an  wenigen  Punkten  schwellen  an 
grösseren  Blöcken  freie  Ablagerungen  von  „gravel"  zu  einer  erheblichen 
Mächtigkeit  an.    Eine  schichtenweise  Anordnung  habe  ich  nie  beobachtet ; 
die  Blöcke  liegen  regellos  zerstreut,  und  selbst  da  wo  Ansammlungen 
feineren  Materials  sich  finden,  kann  man  keine  Lagen  unterscheiden. 
Allerdings  trifft  man  häufig  oben  einen  rothen  oder  rothbraunen  thonigen 
Sand,  in  der  Tiefe  einen  weissen  oder  gelblichen  an,  aber  die  Trennung 
ist  weder  eine  hinreichend  scharfe  noch  die  Reihenfolge  eine  so  constante, 
dass  man  darauf  hin  der  Zeit  nach  scharf  getrennte  Ablagerungen  unter- 
scheiden könnte.    Stattgefunden  haben  solche  höchst  wahrscheinlich,  da 
gewisse  Tiefen  oft  gar  keine  Diamanten  enthalten,  während  über  oder 
unter  denselben  der  Grund  sehr  reich  ist.    Dem  oxydirenden  Einfluss  der 
Atmosphärilien  allein  kann  man  die  rothe  Färbung  in  der  Nähe  der 
Oberfläche  nicht  zuschreiben,  da  unter  dem  weissen,  meist  stark  thonigen 
Sand  zuweilen  wieder  eine  dünne  rothe  Lage  folgt.  Dort,  wo  die  Arbeiten 
bis  zu  einer  hinreichenden  Tiefe  fortgesetzt  sind,  trifft  man  unter  dem 
losen  Schutt  anstehende  Felsmassen ,  den  sogenanten  bed-rock.    Sie  ge- 
hören zu  den  in  meinem  letzten  Briefe  erwähnten  „Vaalgesteinen",  und 
zwar  meist  zu  den  feinkörnigen  Varietäten.    Die  „Vaalgesteine"  bilden 
übrigens  nicht  nur  die  Grundlage  aller  diamantführender  Ablagerungen, 
sondern  sind  überhaupt  in  der  hier  in  Betracht  kommenden  Gegend  die 
vorherrschenden  anstehenden  Gesteine.    Nur  höchst  selten  und  immer 
untergeordnet  findet  man  noch  anstehend  Schiefer,  Sandstein  und  Con- 
glomerate.   Als  „bed-rock"  sind  die  „Vaalgesteine"  oft  sehr  zersetzt  und 
verändert  (rotten-stone),  und  man  hat  wohl  geglaubt,  eine  von  dem  sonst 
vorherrschenden  Gestein  abweichende  Felsart  vor  sich  zu  haben.  Doch 
lässt  sich  der  Zusammenhang  durch  Übergänge  in  frisches  Gestein  leicht 
nachweisen.   Diese  Grundlage  zeigt  nun  ebenfalls  wieder  eine  unzweifel- 
hafte Einwirkung  des  Wassers.    Da,  wo  sie  noch  gar  nicht  oder  wenig 
von  den  Atmosphärilien  angegriffen  ist,  findet  man  sie  häufig  vollständig 
und  gewaschen  mit  glatter  Oberfläche,  oder  sie  enthält  zahlreiche  becken- 
artige Vertiefungen  (pockets),  deren  glatte  Wände  wie  polirt  erscheinen. 
Die  Höhlungen  sind  augenscheinlich  dadurch   entstanden ,    dass  kleine 
Steine  und  Sand  lange  Zeit  in  wirbelnder  Bewegung  erhalten  wurden, 
nachdem  eine  zufällige  kleine  Einsenkung  ihre  Fortführung  verhinderte. 
Derartige  Vertiefungen  trifft  man  noch  jetzt  an  Küsten,  welche  von  einem 
schwer  zerstörbaren  Gestein  gebildet  werden.  Die  „pockets"  sind  bei  den 
Diamantengräbern  besonders  geschätzt,  da  in  ihnen  häufig  eine  grössere 
Zahl  von  Diamanten  gefunden  sein  soll.    Gerade  dadurch,  dass  man  sie 
mit  grösster  Sorgfalt  auskratzt,  werden  sie  der  Beobachtung  so  gut  zu- 
gänglich.   An  manchen  Stellen  findet  man  auch  Klüfte  zwischen  den 


152 


Felsen  (sluits),  die  mit  „gravel"  angefüllt  sind  und  ebenfalls  sehr  geschätzt 
werden.  In  Bezug  auf  Tiefe  und  Breite  variiren  sie  ausserordentlich.  Da 
sie  meist  senkrecht  auf  die  Stromesrichtung  stehen,  so  scheint  es,  als  ob 
sie  seitlichen  Zuflüssen  ihre  Entstehung  verdanken,  und  die  Diamanten 
von  letzteren  zugeführt  derartig  deponirt  wurden,  dass  eine  Fortschwem- 
mung nicht  mehr  möglich  war.  Ja,  selbst  die  Spuren  der  Wirkung  von 
Wasserfällen  glaube  ich  am  „bed-rock"  erkennen  zu  können.  Die  Beobach- 
tungen werden  dadurch  sehr  erschwert,  dass  die  ausgearbeiteten  Stellen 
zur  Unterbringung  des  durchsuchten  Materials  benutzt  werden,  so  dass 
es  immer  ein  glücklicher  Zufall  ist ,  falls  man  gerade  zur  Zeit  des  Be- 
suches einen  instructiven  Punkt  offen  findet.  Die  Mächtigkeit  des  diaman- 
tenführenden Depositums  ist  eine  sehr  verschiedene;  zuweilen  ist  es  nur 
oberflächlich,  sich  wenige  Fuss  tief  erstreckend,  zuweilen  wird  noch  nicht 
bei  40  Fuss  anstehendes  Gestein  erreicht;  durchschnittlish  mag  es  sechs 
bis  zehn  Fuss  mächtig  sein.  Unter  dem  Material  der  Ablagerungen  herrscht 
im  Ganzen  eine  grosse  Einförmigkeit.  Abgesehen  von  einzelnen  höchst 
untergeordnet  auftretenden  Gesteinen  und  Mineralien,  welche  ich  hier  wohl 
übergehen  kann,  bestehen  die  Blöcke  vorzugsweise  aus  „Yaalgesteinen", 
seltener  aus  Quarzitsandstein  und  Quarzit,  die  Gerölle  aus  verschiedenen 
Kieselsäurevarietäten.  Von  den  durch  Dr.  Shaw  (On  the  geology  of  the 
Diamond- Fields  of  South- Africa.  Quart- Joum.  of  the  geolog.  soc.  February 
1872)  mitgetheilten  Vorkommnisse  beruhen  einige  sicher  auf  einem  Irrthum. 
Wenn  auch  allen  Diamanten-Fundorten  am  Vaal  gemeinsam  ist,  dass  der 
„gravel"  und  die  Diamanten  durch  Wasser  an  ihre  jetzige  Lagerstätte 
geführt  sind,  so  kann  man  doch  bezüglich  der  Zeit  und  Entstehung  zwei 
Arten  von  Ablagerungen  unterscheiden.  Die  einen  finden  sich  in  beträcht- 
licher Höhe  über  dem  jetzigen  Flussniveau  (etwa  bis  zu  200  Fuss),  enthalten 
nur  oder  in  vorwiegender  Menge  rothbraunen,  lehmigen  Sand,  und  oft 
neben  abgerundeten  Blöcken  auch  vollkommen  scharfkantige  oder  fast  nur 
letztere.  Die  anderen  liegen  wenig  höher  als  der  jetzige  mittlere  Wasser- 
stand, so  dass  sie  bei  dem  im  Sommer  häufigen  Hochwasser  zuweilen  voll- 
ständig unter  Wasser  gesetzt  werden,  bilden  gewöhnlich  eine  kleine  Fläche 
längs  des  Flusses  und  enthalten  wenig  mächtigen  „gravel."  Die  Blöcke 
sind  fast  alle  vollkommen  abgerollt,  und  die  Gerölle  liegen  in  einem  licht 
graulich  gefärbten,  lehmigen  Sand,  der  stellenweise  dem  sehr  ähnlich  ist, 
welcher  noch  jetzt  in  grosser  Menge  vom  Fluss  abgesetzt  wird.  Die  er- 
steren  Ablagerungen  halte  ich  für  ursprüngliche,  primäre,  übrig  geblieben 
aus  der  Zeit,  als  der  Vaal  noch  in  der  durch  den  „gravel"  angegebenen 
Höhe  lag ;  die  letzteren  für  renovirte,  secundäre,  dadurch  entstanden,  dass 
ein  Theil  der  Ersteren  zerstört  und  das  Material  gemengt  mit  recenteren 
Gerollen  und  Sand  am  Bande  des  jetzigen  Flussbettes  von  neuem  abge- 
setzt wurde.  Die  primären  Ablagerungen  lassen  sich  nun  weiter  in  sol- 
che unterscheiden,  bei  denen  die  grossen  Blöcke  zumeist  abgerundet  sind 
und  in  solche,  bei  denen  sie  vorherrschend  oder  Alle  eckig  sind.  Letztere 
mögen  sich  durchschnittlich  in  einem  höheren  Niveau  finden  als  Erstere, 
und  weniger  mächtigen  „gravel"  liefern.    Augenscheinlich  sind  hier  die 


153 


losen,  eckigen  Blöcke  überhaupt  nicht  transportirt  worden ,  sondern  wir 
haben  es  mit  Verwitterungsprodukten  in  loco  zu  thun,  wie  sie  noch  jetzt 
jeden  Hügel  längs  des  Vaals  bedecken;  zwischen  dieselben  setzte  das 
Wasser  den  mitgeführten  „gravel"  ab.  Ähnliches  habe  ich  am  jetzigen 
Ufer  da  beobachtet,  wo  Felsenriffe  durch  den  Fluss  setzen.  Die  zahlrei- 
chen Klüfte  und  Zwischenräume  der  losen  Blöcke  werden  mit  einem  Ge- 
menge von  Sand  und  abgerundeten  Kieseln  erfüllt,  welches  der  Fluss  beim 
Fallen  sicher  deponirt  zurücklässt,  und  sollte  in  späteren  Zeiten  sein  Ni- 
veau bedeutend  fallen,  so  würden  die  Ablagerungen  denen  auf  der  Höhe 
mancher  Kopjes  (so  nennt  man  hier  die  Hügel)  vollkommen  gleich  erschei- 
nen. Allerdings  sind  die  Felsen  am  Vaal  jetzt  oft  spiegelglatt  gewaschen, 
da  der  Fluss  dieselben  regelmässig  bespült,  ohne  dass  jedoch  die  eckigen 
Umrisse  verloren  gegangen  wären.  Diese  Erscheinung  fehlt  auf  den  er- 
wähnten Kopjes  und  lässt  schliessen,  dass  das  Waser  zur  Zeit  der  Depo- 
nirung  des  „gravels"  nur  ausnahmsweise  bis  zu  jener  Höhe  anstieg.  Für 
diese  Ansicht  spricht  auch  der  Umstand,  dass  an  solchen  Punkten  von 
mir  nie  „pockets"  oder  tiefe  Schluchten  zwischen  den  Felsen  beobachtet 
sind.  —  G.  W.  Stow  (On  the  diamond  gravels  of  the  Vaal- River.  Quart. 
Journ.  of  the  geolog.  soc.  February  1872,)  hat  geglaubt,  die  grossen  Blöcke 
sowie  die  ungeschichteten  Ablagerungen  nicht  anders  erklären  zu  können, 
als  durch  die  Annahme  einer  Transportirung  durch  Eis.  Dass  die  eckigen 
Blöcke  wahrscheinlich  überhaupt  nicht  dislocirt  sind,  habe  ich  soeben  be- 
merkt; für  die  riesigen,  vollständig  abgerundeten  genügt  aber  jene  Erklä- 
rung keineswegs.  Bei  dem  Transport  durch  Eis  wird  die  Form  der  Blöcke 
nicht  verändert,  und  sie  mussten  desshalb  schon  vorher  Einflüssen  ausge- 
setzt gewesen  sein,  welche  die  Abrundimg  bewirkten.  Uebrigens  erreichen 
die  Blöcke  nur  an  wenigen  Punkten  einen  solchen  Umfang,  dass  Wasser 
sie  nicht  wohl  transportirt  haben  kann,  und  hier  spricht  Alles  dafür,  dass 
dieselben  durch  fallendes  Wasser  ihre  Form  und  Politur  erhalten  haben. 
Eine  wahrnehmbare  Schichtung  ist  wohl  bei  einem  so  groben  Material 
überhaupt  nicht  zu  erwarten.  —  Falls  irgend  deutliche  Spuren  einer  Eis- 
zeit während  des  Absatzes  der  diamantenführenden  Gerölle  nachweisbar 
wären,  so  würde  sich  an  und  für  sich  Nichts  gegen  die  Theorie  von  Stow 
einwenden  lassen,  nur  theile  ich  nicht  mit  ihm  die  Ansicht,  dass  sie  un- 
umgänglich nothwendig  ist.  Die  einzige  von  mir  beobachtete ,  für  eine 
frühere  Eiszeit  sprechende  Thatsache  sind  grosse,  eckige  Blöcke  von  Quarz- 
sandstein und  Gneiss-Granit  auf  den  Abhängen  des  kleinen  Platbergs  bei 
Hebron,  ohne  dass  die  Gesteine  in  der  Nähe  anstehend  zu  finden  wären. 
Aber  selbst  wenn  man  für  deren  Erklärung  eine  Eiszeit  zu  Hülfe  nehmen 
müsste ,  so  würde  doch  ihre  Gleichzeitigkeit  mit  der  Bildungsperiode  der 
Vaalgerölle  speciell  nachzuweisen  sein.  Dammit  stimme  ich  mit  Stow 
vollständig  überein,  dass  nicht  alle  Ablagerungen  sich  unter  Bedingungen 
bilden  konnten,  welche  mit  den  jetzt  vorhandenen  vollständig  übereinstim- 
men. Mir  scheint  jedoch  die  Annahme  auszureichen,  es  habe  der  Vaal, 
bevor  derselbe  oder  der  Orange  seinen  Durchbruch  soweit  beendet  hatte, 
um  eine  Eingrabung  bis  zum  jetzigen  Flussbett  zu  gestatten ,  aus  einer 


154 


Reihe  unter  einander  verbundener  Seen  bestanden.  Eine  tiefer  liegende 
derartige  Reihe  bildete  sich  vielleicht  ein-  oder  mehreremale  nach  theil- 
weise  erfolgtem  Durchbruch.  In  die  Seen  mündeten  seitliche  Zuflüsse 
mit  starkem  Fall  ein,  welche  die  tiefen  Schluchten  aushöhlten,  die  nach 
ihrer  Ausfüllung  mit  „gravel"  jetzt  bei  den  Diamantengräbern  so  geschätzt 
sind.  Es  erklärt  sich  dann  leicht,  dass  sehr  ähnlich  erscheinende  diaman- 
tenführende Ablagerungen  (abgesehen  von  den  vorhin  als  secundär  bezeich- 
neten) in  so  verschiedenem  Niveau  sich  finden,  und  dass  einzelne  glattge- 
waschene riesige  Blöcke  vorkommen  können,  ohne  dass  man  zu  der  Annahme 
gezwungen  ist,  sie  wären  weit  transportirt.  Sie  mögen  durch  Wildbäche 
oder  Wasserfälle  ihre  Form  erhalten  haben.  Auch  genügt  eine  seitliche 
Zufuhr  zur  Erklärung  der  Thatsache,  dass  zuweilen  Diamantengruben 
einzelne  Gerölle  führen,  welche  in  den  nächstliegenden  fehlen.  Es  wären 
kurz  die  diamantenführenden  Gerölle  als  in  seeartigen  Becken  erfolgte 
Absätze  aufzufassen.  Mit  Ausnahme  einiger  weniger  Gerölle  und  Geschiebe 
haben  wir  den  Ursprung  des  vom  Fluss  abgesetzten  Materials  in  nicht 
sehr  grosser  Ferne  zu  suchen,  da  dasselbe  fast  vollständig  aus  solchen  Ge- 
steinen und  Mineralien  besteht,  welche  wir  in  der  Nähe  anstehend  finden. 
Man  trifft  häufig  im  Fiussgebiet  des  Vaals  einen  rothbraunen  Triebsand  mit 
grösseren  Brocken  verschiedener  Kieselsäurevarietäten  vermengt.  Dieselben 
entstammen  unzweifelhaft  den  in  der  Gegend  so  häufigen  Mandelsteinen,  und 
zeigen  demgemäss  schon  von  Natur  meist  eine  rundliche  Form.  Es  bedurfte 
keiner  sehr  grossen  Nachhülfe  des  Wassers,  um  sie  in  die  glattgewaschenen 
„pebbles"  zu  verwandeln,  welche  den  grössten  Theil  der  Wäsche  bilden. 
Diese  Aehnlichkeit  mancher  Verwitterungsprodukte  mit  den  Flussgeröllen 
macht  es  zuweilen  schwer,  wahren  Diamantengrund  sicher  festzustellen,  und 
man  trifft  nicht  selten  Schürfe  an  Stellen,  wo  sich  jetzt  wenigstens  sicherlich 
keine  Fluss-Absätze  finden.  Später  nach  erfolgtem  Durchbruch  vereinig- 
ten sich  die  Seen  zu  einem  Fluss,  der  sich  allmälig  bis  zu  seinem  jetzigen 
Bett  eingrub;  dabei  wurden  manche  älteren  Deposita  abgespült  und  um- 
lagert, andere  vollständig  zerstört  und  fortgeschwemmt. 

Bezüglich  des  Ursprungs  der  am  Fluss  gefundenen  Diamanten  habe 
ich  seit  der  ersten  Mittheilimg  meine  Ansicht  nicht  geändert,  sondern 
glaube,  dass  derselbe  auf  Vorkommnisse  gleich  denen  der  „Dry  Diggings" 
zurückzuführen  ist.  Die  Kessel  wurden  zerstört,  die  Diamanten  in  den 
Vaal  hinabgeschwemmt  und  gemeinschaftlich  mit  den  Flussgeröllen  abge- 
setzt. Es  ist  allerdings  eine  Thatsache,  dass  man  weniger  gelbe  Steine, 
Bort-  und  Spaltungsstücke  in  den  „River  Diggings"  findet  als  in  den  mei- 
sten „Dry-Diggings";  aber  gelbe  Steine  und  Bort  kommen  eben  so  selten 
in  Bultfontein  vor,  und  Spaltungsstücke  konnten  leicht  durch  den  Trans- 
port noch  mehr  zerkleinert  und  weiter  fortgeschwemmt  werden,  wenn 
überhaupt  die  zerstörten  Kessel  solche  in  grösserer  Zahl  enthielten.  Je- 
denfalls sind  Spaltungsstücke  weniger  widerstandsfähig  als  intacte  Kry- 
stalle.  Welche  Ansicht  man  auch  über  den  Ursprung  der  Diamanten  in 
Süd- Afrika  hegen  mag,  immer  wird  man  für  die  „Dry-Diggings"  und  „Ri- 
ver-Diggings"  einen  gleichen  annehmen  müssen.    Wenigstens  glaube  ich 


155 


nicht,  dass  sich  die  hier  weit  verbreitete  Ansicht,  es  sei  die  Qualität  der 
sogenannten  River-Steine  eine  ganz  andere  und  weit  bessere  als  die  der 
übrigen,  bei  einer  genauen  Untersuchung  bestätigen  wird. 

E.  Cohen. 


Innsbruck,  27.  Jan.  1873. 

In  verschiedenen  Gegenden  Tirols  hat  man  bereits  zahlreiche  und 
schöne  Reste  der  Broncezeit  entdeckt,  aus  der  Steinzeit  lag  bis  jetzt  nichts 
sicheres  vor.  Zu  Seefeld  zwischen  Scharniz  und  Zirl  entdeckte  jüngst  einer 
meiner  Zuhörer,  der  Franziskanermönch  Peter  Julius  im  Torfmoore  einen 
behauenen  Balken,  der  unmittelbar  unter  der  Torfschichte  auf  der  soge- 
nannten Alm  lag.  Von  der  gleichen  Stelle  besitzt  ein  Priester  daselbst 
eine  Bernsteinperle.  Unlängst  wurde  nördlich  von  Innsbruck  auf  der  Hoch- 
fläche der  Hungerburg  ober  dem  MAYER'schen  Steinbruche  beim  Abräumen 
des  Lösses,  der  über  den  Diluvialschotten  liegt,  etwa  in  der  Tiefe  von 
drei  Fuss,  ein  Steinkeil  gefunden.  Derselbe  ist  länglich  oval,  oben  zuge- 
spitzt unten  scharf  schneidig.  Seine  Länge  beträgt  etwa  13  Ctm.,  die 
grösste  Breite  etwas  über  4  Ctm.  Bearbeitet  wurde  er  auf  einem  rauhen 
Schleifsteine,  wie  sie  unsere  Carditaschichten  genug  bieten.  Er  besteht 
aus  dem  graulichgrünen  zähen  Schiefer  von  der  Härte  3 — 4,  der  an  ver- 
schiedenen Punkten  der  Centraialpen  vorkommt,  es  sind  ihm  Körner  von 
Magnetit  eingesprengt.  Im  Innthale  bin  ich  diesem  Schiefer  bisher  nicht 
begegnet;  ich  habe  ihn  nur  in  der  Gegend  von  Mauls,  einer  uralten  Cul- 
turstätte  mit  römischen  Denkmalen,  und  zwar  etwas  nördlich  im  engen 
Sengesthaie  gefunden. 

Adolf  Pichler. 


Aachen,  den  27.  Februar  1873. 

In  meiner  letzten  brieflichen  Mittheilung  an  Ihr  Jahrbuch  (vergl. 
dasselbe  1872,  S.  619  ff.)  sprach  ich  die  Hoffnung  aus ,  in  diesem  nun 
schon  zu  Ende  gehenden  Winter  meine  schon  länger  abgebrochenen  Ar- 
beiten über  die  Eruptivgesteine  der  Pfalz  wiederaufzunehmen  und 
soweit  als  möglich  zum  Abschluss  zu  bringen ,  falls  es  meine  anderen 
Pflichten  nur  irgend  gestatten  sollten.  Kurze  Zeit  nachher,  als  wir  in 
Bonn  auf  der  Versammlung  der  deutschen  geologischen  Gesellschaft  uns 
zuletzt  trafen  und  sprachen,  erfuhr  ich  aber  schon,  dass  ich  in  diesem 
Winter  jene  Arbeit  vorzunehmen  nicht  Zeit  finden  würde,  indem  mir  die 
Directoren  der  preussischen  geologischen  Landesuntersuchung,  Herren 
Beyrich  und  Hauchecorne  die  Mittheilung  machten,  der  Druck  der  von 
mir  in  den  Jahren  1866  bis  1869  bearbeiteten  Blätter  der  geologischen 
Karte  von  Preussen  und  Thüringen,  im  Speciellen  der  Umgegend  von 
Halle  a./S.  sei  soweit  vorangeschritten,  dass  ich  im  Winter  die  Correcturen 
zu  erwarten  und  die  zugehörigen  Texte  zu  bearbeiten  hätte.   Diese  geo- 


156 


gnostischen  Karten,  die  mich  so  lange  beschäftigt  haben,  sind  einmal  die 
drei  Sectionen  Grob  zig,  Zörbig  und  Peter  s  berg  nördlich  von  Halle, 
die  einen  kleinen  Theil  des  bekannten  grossen  Kartenwerkes  bilden  wer- 
den ,  und  andermal  eine  grosse  „abgedeckte"  d.  h.  von  den  alluvialen, 
diluvialen  und  tertiären  Bedeckungen  befreit-gedachte  Karte  der  Gegend 
nördlich  von  Halle  a./S.,  um  darauf  die  älteren,  technisch  nicht  unwich- 
tigen und  wissenschaftlich  so  interessanten  Formationen  des  Steinkohlen- 
gebirges und  Rothliegenden  mit  dessen  Porphyren  in  Zusammenhang  und 
in  Uebersicht  zur  Darstellung  zu  bringen. 

Die  drei  genannten  Sectionen  umfassen  einen  Theil  des  grossen  nord- 
deutschen Diluvialsees  und  zwar  einen  Theil,  welcher  der  Küste  nahe 
gelegen  haben  muss.  Sie  bringen  desshalb  vorherrschend  Diluvium  zur 
Darstellung,  das  vielfach  von  den  Thalalluvionen  bedeckt  wird  und  aus 
dem  alle  älteren  Bildungen  entweder  inselartig  hervorragen  oder  durch 
die  Thalauswaschungen  an  den  Gehängen  und  Sohlen  der  Thäler  später 
herausgewaschen  worden  sind.  Die  älteren  und  zugleich  interessanteren 
und  besonders  technisch  wichtigeren  Formationen  erscheinen  zu  Tage, 
also  auch  auf  den  Karten,  welche  nur  ein  Bild  der  Erdoberfläche  geben 
sollen,  ganz  zerstückelt  in  hunderte  von  kleinen,  oft  kaum  auftragbaren 
Fetzen,  jeder  vom  anderen  durch  Diluvium  und  Alluvium  getrennt,  so  dass 
Niemand,  der  nicht  lange  über  die  Karten  studirt  hat,  oder  der  die  Ge- 
gend nicht  schon  kennt,  einen  Zusammenhang  zwischen  den  isolirten  Par- 
tien herausfinden  kann.  Trotzdem  ist  aber  ein  solcher  und  zwar  immer 
noch  ein  ziemlich  einfacher  und  regelmässiger  nach  und  nach  zu  ermög- 
lichen gewesen,  wobei  allerdings  die  unterirdischen  Aufschlusspunkte  durch 
Bergbau  oder  Bergbauversuche  (Schürfe,  Bohrlöcher,  Schächte  u.  s.  w.) 
eine  wesentliche  Erleichterung  und  grössere  Sicherheiten  boten.  Damit 
nicht  jeder  Besucher  dieser  Gegend  oder  jeder  Beschauer  dieser  Karten 
von  Neuem  wieder  die  Mühe  hat,  den  Zusammenhang  der  älteren  Bildun- 
gen der  Steinkohlenformation  und  des  Rothliegenden  mit  den  Porphyren, 
—  die  zum  allergrössten  Theile  nördlich  von  Halle  die  Unterlage  des 
Tertiärs  und  Diluvium  bilden,  und  die  wegen  des  darin  seit  Jahrhunder- 
ten umgehenden  und  für  die  nähere  Umgegend  nicht  unwichtigen  Stein- 
kohlenbergbaues das  Hauptinteresse  erregen,  —  zusammen  zu  suchen,  hat 
sich  die  genannte  Direction  der  preussischen  geologischen  Landesunter- 
suchung wie  immer  leicht  und  gerne  bereitfinden  lassen,  diese  ältesten 
Formationen,  welche  mit  Recht  seit  dem  Ende  des  vorigen  Jahrhunderts 
die  Aufmerksamkeit  unserer  Geologen  (Freiesleben,  v.  Veltheim,  F.  Hoff- 
mann, L.  v.  Büch  u.  s.  w.)  und  Bergbeamten  auf  sich  gezogen  haben  und 
ferner  noch  fesseln  werden,  in  ihrer  ganzen  Verbreitung  nördlich  von 
Halle  auch  ausserhalb  der  drei  genannten  Sectionen  nämlich  noch  z.  Thl. 
auf  den  Sectionen  Cönnern,  Wettin  und  Landsberg  in  ihrem  Zusammenhange 
mittelst  der  genannten,  abgedeckten  Karte  graphisch  zur  Anschauung  zu 
bringen.  Die  bekanntlich  nur  sehr  kurzen  Erläuterungen  zu  den  Sec- 
tionen werden  sich  ganz  besonders  auf  die  in  ihnen  zur  specialisirten  Dar- 
stellung gekommenen  diluvialen  und  alluvialen  Bildungen  erstrecken,  weil 


157 


diese  etwa  80  - 100°/ 0  der  Erdoberfläche  dort  einnehmen.  Die  Darstellung 
der  älteren  Bildungen  musste  natürlich  dadurch  in  Manchem  leiden.  Des- 
halb habe  ich  die  hier  auftretenden  Bildungen  jünger  als  das  Oberroth- 
liegende und  älter  als  das  Diluvium  eingehend  in  den  „geognostischen 
Mittheilungen  aus  der  Provinz  Sachsen"  (Zeitschrift  der  Deutschen  geolo- 
gischen Gesellschaft,  XXIV,  S.  265  ff.)  bearbeitet  und  eine  eingehende, 
umfangreiche  Monographie  der  Bildungen  älter  als  die  Zechsteinformation 
wird  den  Text  zu  der  abgedeckten  Karte  ausmachen,  der  alle  Abende  die- 
ses Winters  mich  an  den  Schreibtisch  fesselte,  bis  ich  ihn  vor  wenigen 
Tagen  dem  Handelsministerium  übergeben  konnte. 

Wegen  der  Bedeutung  des  Diluvium  und  Alluvium  für  die  Gegend  von 
Halle,  besonders  in  Bezug  auf  die  Landwirthschaft ,  die  nur  an  wenigen 
Orten  in  einer  solchen  Entwickelung  steht  wie  in  der  Provinz  Sachsen, 
sind  diese  zwei  Formationen  auf  den  Karten  zur  specialisirtesten  Darstel- 
lung gebracht  worden,  einmal  um  zu  zeigen,  was  eine  geologische  Karte 
in  dem  Maassstabe  1  :  25,000  zu  leisten  vermag  und  zweitens  um  einer 
anderen,  aber  an  demselben  Orte  und  zu  gleicher  Zeit  mit  meinen  Unter- 
suchungen thätigen  Richtung  den  Beweis  zu  liefern,  dass  detail irte  und 
in  grossem  Maassstabe  ausgeführte  geologische  Karten,  bei  denen  allen 
Bildungen  gleiche  Rechte  gewährt  werden,  die  einzig  richtigen  Bodenkar- 
ten auch  für  die  landwirthschaftlichen  Interessen  entweder  schon  direct 
sind  oder  deren  Basis  bilden  müssen,  auf  der  mit  leichter  Mühe  jeder  stu- 
dirte  Landwirth  seine  agronomischen  Specialitäten  auftragen  und  weiter 
entwickeln  kann.  Thatsachen  sprechen  dafür,  dass  dieser  Beweis  zum 
Theil  auch  durch  meine  Arbeiten  geführt  worden  ist;  die  vor  den  letz- 
teren begonnenen  Bodenkarten  der  Umgegend  von  Halle  sind,  wie  es  scheint, 
nicht  zu  Ende  geführt  worden. 

Es  sind  Beispielsweise  auf  dem  Blatte  Petersberg  die  diluvialen  Ab- 
sätze in  drei  Abtheilungen  zur  Darstellung  gekommen: 

1)  unteres  Diluvium:  Sand  und  Kies, 

2)  mittleres     „       :  Geschiebelehm, 

3)  oberes        „       :  Löss. 

Es  verbindet  somit  dieses  Diluvium  das  Harzer-  und  Thüringische  Di- 
luvium (Sand  und  Kies,  darüber  Löss)  mit  dem  märkischen  (Sand  und  Kies, 
darüber  Geschiebelehm).  Im  Alluvium  derselben  Section  sind  sogar  13 
theils  geognostische ,  theils  petrographische  und  genetische  Unterschiede 
graphisch  dargestellt  worden.  In  Bezug  auf  die  Bearbeitung  des  achtfach 
gegliederten  Tertiärs,  der  13mal  gespaltenen  Triasbildungen,  und  der  fünf- 
farbigen Zechsteinformation  verweise  ich  auf  die  genannte  Arbeit  in  der 
geologischen  Zeitschrift. 

Wer  auf  der  Section  Petersberg  die  grosse  Anzahl  und  Gliederung 
von  Formationen,  ihre  Zerrissenheit,  ihre  Bedeckung  mit  jüngeren  schüt- 
tigen Massen  sieht  und  erwägt,  dass  allein  24  Glieder  ohne  grösseren  oder 
jeden  Zusammenhalt  sind,  sich  also  an  den  Gehängen  und  im  Ackerboden 
leicht  mengen  können,  wird  es  begreiflich  finden,  dass  ich  zur  Bearbeitung 
dieser  einen  Section  zwei  Sommer  verwenden  musste.    Dafür  ist  aber  die- 


158 


selbe  auch  für  alle  Gebirgsbildungen  der  Schlüssel  für  viele  Quadratmei- 
len der  Nachbarschaft  nach  allen  Himmelsgegenden  hin,  weshalb  ich  auch 
alle  darin  gemachten  Beobachtungen  veröffentlicht  habe  oder  zu  publiciren 
im  Begriff  stehe,  da  mit  meiner  Berufung  nach  Aachen  meine  Untersu- 
chungen in  der  Provinz  Sachsen  abgebrochen  und  Andern  überwiesen  wer- 
den mussten.  Die  genannten  älteren  Gebirgsglieder  finden  also  vorzüglich 
auf  der  abgedeckten  Karte  (90  Cm.  breit,  75  Cm.  hoch)  eine  graphische 
Darstellung.  Discordant  auf  einem  grosskrystallinischen  Porphyr 
(der  sog.  ältere  oder  untere)  liegen  unter  sich  vollkommen  concordant: 

1)  ein  flötzleerer  Sandstein,  den  man  lediglich  aus  petrographi- 
schen  Gründen  nur  der  Steinkohlenformation  zuweisen  kann, 

2)  die  obere  produktive  Steinkohlenformation,  welche  in 
allen  Beziehungen  vollkommen  den  Ottweiler-Schichten  von  E.  Weiss 
im  Pfälzisch-Saarbrückenschen  entspricht, 

3)  das  Unterrothliegende. 

a.  Zone  der  Quarzsandsteine  und  Kieselcong  lomerate, 

b.  Ein  oder  mehrere  Lager  (Oberflächenergüsse)  von  Orthoklas- 
porphyr —  bisher  für  Melaphyr  gehalten. 

c.  Zone  der  Thonsteine  und  Ar  kosen  (Feldspathsandsteine  nach 
Warmholz  in  der  Pfalz)  —  die  sog.  Thon-  und  Grandgesteine  der 
Bergleute.  Sie  sind  zum  grössten  Theile  aus  dem  Orthoklaspor- 
phyr gebildet  worden,  der  bisher  nur  in  der  Umgegend  von  Löbe- 
jün bekannt  geworden  ist. 

Dieses  gesammte  Unterrothliegende  ist  früher  von  Geognosten 
und  Bergbeamten  noch  zur  Steinkohlenformation  gezogen  worden. 

4)  Das  Mittelrothliegende  oder  die  Mansfelder  Schichten,  meist 
intensivrothe  Sandsteine,  Sandsteinschiefer,  Schieferletten  mit  schmalen 
Einlagerungen  von  Kalkstein  und  mit  mächtigen  Bänken  von  lich- 
teren Mühlsteinsandsteinen  und  Hornquarzconglomeraten.  Südöstlich 
der  Linie  Wettin  nach  Löbejün  fehlt  das  Mittelrothliegende ;  es  liegt 
dort  unmittelbar  über  dem  Unterrothliegenden  ein 

5)  kle inkry stallinischer  Porphyr  (der  sog.  obere  oder  jüngere) 
ebenfalls  als  ein  Oberflächenergus s  in  der  Zeit  zwischen  Mittel-  und 
Oberrothliegendem. 

Alle  Sedimente  zwischen  den  beiden  (Quarz-)  Porphyren  bilden  die 
v.  VELTHEiM'sche  Zwischenformation ,  die  er  dem  Rothliegenden  be- 
kanntlich zuzählte. 

6)  Das  Oberrothliegende  oder  die  Zone  der  Porphyrconglomerate, 

7)  Zechsteinformation  und  Trias -Glieder. 

Der  grosskrystallinische  Porphyr  bildet  sowohl  nördlich  als  auch  öst- 
lich von  Halle  je  eine  grosse,  stockartige,  noch  niemals  unterteufte  Masse 
von  nahezu  elliptischer  Basis  und  zugleich  die  Kerne  von  zwei  grossen 
Sätteln  der  darüber  liegenden  Sedimente  mit  den  Lagern  der  zwei  Erup- 
tivgesteine. Diese  nördlichen  und  östlichen  halleschen  Hauptsättel  sind 
durch  eine  grosse  von  SW.  nach  NO.  streichende  Mulde  getrennt.  Die 
sehr  interessanten  und  oft  schwierigen  Lagerungsverhältnisse  des  nörd- 


159 


liehen  Sattels  sind  im  Detail  auf  der  abgedeckten  Karte  zur  Darstellung 
gebracht  und  durch  16  theils  projectirte,  theils  den  Grubenrissen  entlehnte 
Profile  in  den  wichtigsten  und  verwickeltesten  Gegenden  erläutert  worden. 
Der  grosse  Maassstab  der  Karte  gestattete  sogar  die  graphische  Wieder- 
gabe der  hauptsächlichsten  bergbaulichen  Aufschlüsse  des  dortigen  z.  Th. 
Jahrhunderte  alten  Steinkohlenbergbaues,  wodurch  die  Karte  dem  Letz- 
teren recht  nutzbringend  zu  werden  verspricht.  Zugleich  gewinnt  dadurch 
die  Wissenschaft.  So  müssen  Technik  und  Wissenschaft  sich  gegenseitig 
unterstützen  und  fördern. 

Dem  erläuternden  Texte  zu  der  abgedeckten  Karte  wird  ausser  einer 
Reihe  von  Holzschnitten  ein  in  denselben  Farben  ausgeführtes  Übersichts- 
blatt im  Maassstabe  von  1  :  200,000  beigefügt  werden,  das  den  Zusam- 
menhang der  auf  der  Hauptkarte  dargestellten  Formationen  und  ihrer 
Lagerung  mit  denen  weiter  nach  W.  im  Mansfeld'schen  bildlich  wieder- 
geben soll. 

Ich  hoffe,  dass  diese  Arbeiten,  die  mich  seit  1866  beschäftigt  haben, 
den  Fachgenossen  bald  im  Drucke  vorgelegt  werden  können. 


Bei  den  Untersuchungen  der  Gesteine  in  der  halleschen  Steinkohlen- 
formation und  dem  Unterrothliegenden  wurde  sehr  oft  meine  Aufmerksam- 
keit auf  ein  berggrünes,  steinmarkartiges  Mineral  gelenkt,  das  mit  keinem 
bekannten  Minerale  ganz  übereinstimmen  wollte.  Kürzlich  entschloss  ich 
mich  deshalb  zu  einer  Analyse,  die  es  mir  schon  jetzt  wahrscheinlich 
macht,  in  dem  Minerale  ein  noch  unbekanntes  wasserhaltiges  Singulosilicat 
zu  ermitteln.  Die  Untersuchung  des  Minerals  und  der  Vergleich  mit  den 
bekannten  Mineralien  ist  aber  noch  nicht  abgeschlossen,  deshalb  ihr  Re- 
sultat noch  nicht  spruchreif.  Bei  der  Bestimmung  des  sog.  Wassergehal- 
tes, besser  gesagt  des  Wasserstoffgehaltes,  wurde  ich  auf  ein  eigenthüm- 
liches  Verhalten  in  der  Abgabe  des  Wassers  aufmerksam,  was  sich  auch 
ergab,  als  ich  Versuche  darüber  anstellte,  bei  welcher  Temperatur  sich 
der  Wasserstoff  mit  Sauerstoff  verbindet,  um  als  Wasser  zu  entweichen. 
Diese  bis  jetzt  noch  flüchtigen  Versuche  will  ich  nun  mit  aller  Sorgfalt 
für  eine  ganze  Reihe  Wasserstoff-haltiger  Mineralien  und  Substanzen,  be- 
sonders krystallisirter,  anstellen,  da,  soviel  ich  in  Erfahrung  habe  bringen 
können,  noch  niemals  im  Zusammenhange  diese  Frage  zur  Beantwortung 
gekommen  ist.  Die  dazu  nöthigen  Apparate  habe  ich  mir  zwar  z.  Th. 
schon  bestellt,  allein  es  wird  noch  einige  Zeit  vergehen,  bis  sie  fertig  sind 
und  namentlich  bis  die  Thermometer  durch  wiederholte  Erhitzung  so  con- 
stant  geworden  sind,  um  sie  nach  dem  Vergleiche  mit  einem  Luftthermo- 
meter mit  Sicherheit  gebrauchen  zu  können.  Die  Temperaturen  über  300 
Grad  werde  ich  durch  Metalle  und  Metalllegirungen  bestimmen,  deren 
Schmelzpunkte  bekannt  sind.  Glauben  Sie  nicht,  dass  bei  diesen  Ver- 
suchen manches  Interessante  herauskommen  kann  für  die  Ansicht  über 
die  Constitution  wasserstoffhaltiger  Substanzen,  denn  die  Begriffe  hygro- 
scopisches  oder  mechanischgebundenes  Wasser,  Krystallwasser,  Halhydrat- 


160 


wasser,  basisches  Wasser,  Constitutkms- Wasser  u.  s.  w.  scheinen  mir  noch 
gar  nicht  genug  geklärt  zu  sein,  können  es  unter  Umständen  aber  durch 
die  beabsichtigten  Untersuchungen,  die  gerade  für  die  Mineralien  von  In- 
teresse sein  müssen,  werden. 

Die  Unterscheidung  des  sog.  Krystallwassers  vom  Constitutionswasser, 
die  noch  immer  so  Gang  und  Gäbe  ist,  und  die  oft  ganz  willkürlich  be- 
nutzt wird,  um  in  concreten  Fällen  der  Substanz  eine  unserm  schemati- 
sirenden  Verstände  wünschenswerthe ,  einfache  Formel  zu  geben,  dürfte 
wohl,  wie  das  auch  schon  von  anderen  Seiten  wahrscheinlich  gemacht  wor- 
den ist,  nicht  mehr  aufrecht  zu  halten  sein.  Das  sog.  Krystallwasser  ist 
und  bleibt,  wenn  es  auch  früher  und  bei  geringeren  Temperaturgraden 
als  das  sog.  Constitutionswasser  der  Substanz  bei  ihrer  Zersetzung  ent- 
zogen werden  kann,  ein  wesentlicher  Bestandtheil  der  Constitution  der  be- 
treifenden Substanz,  mithin  Constitutionswasser.  Denn  entzieht  man  einer 
Substanz  das  sog.  Krystallwasser  theilweise  oder  ganz,  so  hört  sie  che- 
misch, morphologisch  und  physikalisch  auf,  diese  Substanz  zu  sein;  sie 
wird  eine  andere,  denn  sie  bekommt  eine  andere  Zusammensetzung,  eine 
andere  Krystallform  und  ganz  wesentlich  andere  physikalische  Eigenschaf- 
ten, und  behält  nur  noch  einige  mit  der  früheren  Substanz  gemeinsamen 
Eigenschaften  (Reactionen).  Der  einzige,  bisher  für  wesentlich  gehaltene 
Unterschied  zwischen  Krystall-  und  Constitutionswasser  ist  der,  dass  das 
Erstere  früher  und  bei  niedrigerer  Temperatur  auszutreiben  ist  als  das 
Letztere.  Es  handelt  sich  also  nur  um  ein  Früher  oder  Später,  um  ein 
Weniger  oder  Mehr.  Ein  Theil  Wasser  oder  Wasserstoff  muss  nun  aber 
doch  im  Fortgehen  den  Anfang  machen;  das  zeigt  sich  ja  auch  bei  allen 
andern  flüchtigen  Bestandteilen  einer  zusammengesetzten  Substanz;  ich 
brauche  nur  an  den  Schwefel  in  den  verschiedenen  Schwefel-Verbindungen 
oder  an  das  Arsen  in  den  Arsen-Verbindungen  zu  erinnern.  Das  Eisen- 
bisulfuret  FeS2  (Schwefelkies  und  Markasit)  gibt  bei  relativ  niedriger  Tem- 
peratur fast  die  Hälfte  des  Schwefels  ab  und  wird  Fe,S,.  oder  FesS9  (Mag- 
netkies), dem  man  wieder  Schwefel  entziehen  kann,  so  dass  das  Eisen- 
sulfuret  FeS  entsteht,  dem  man  den  letzten  Schwefel  nur  dadurch  ent- 
ziehen kann,  dass  man  ein  anderes  Element  an  seine  Stelle  treten  lässt. 
Man  könnte  also  mit  gleichem  Bechte  von  Krystall-  und  Constitu- 
tions- Schwefel  reden,  was  doch  niemals  geschehen  ist  und  wird.  Aus 
meinen  vorläufigen  Untersuchungen  darf  ich  bei  den  in  Angriff  genomme- 
nen Beobachtungen  wohl  mit  Sicherheit  erwarten,  dass  das  sog.  Constitu- 
tionswasser, d.  h.  das  Wasser,  welches  erst  bei  höherer  Temperatur  über 
300  Grad  ausgetrieben  wird  und  an  feuchter  Luft  von  der  Substanz  nicht 
wieder  aufgenommen  werden  zu  können  scheint,  ganz  ähnlich  austritt  als 
das  sog.  Krystallwasser,  welches  bei  langsam  steigender  Temperatur  in 
bestimmten,  von  dieser  abhängigen  Intervallen,  also  periodisch  oder  ruck- 
weise austritt.  Ich  will  nun  bei  einer  Reihe  von  Substanzen  ermitteln, 
wie  viel  Wasser  und  bei  welcher  Temperatur  nach  und  nach  austritt,  und 
wie  viel  von  jeder  Menge  an  feuchter  Luft  wieder  aufgenommen  wird. 
Mit  sehr  isolirten  Ausnahmen  an  künstlich  dargestellten  Salzen,  welche 


161 


in  diesem  Sinne  von  einigen  Chemikern  in  Bezug  auf  ihr  Krystallwasser 
untersucht  worden  sind,  leiden  nämlich  alle  Wasserbestimmungen  an  Mi- 
neralien und  Kunstprodukten  an  einem  gemeinsamen  Hauptfehler,  der  zum 
Theil  die  Ursache  gewesen  sein  dürfte,  dass  man  in  Bezug  auf  das  che- 
misch gebundene  Wasser  so  künstliche  und,  wie  mir  scheinen  will,  so 
wenig  naturentsprechende  Unterschiede  gemacht  hat.  Man  hat  nämlich 
meist  nur  bestimmt,  wieviel  Wasser  zwischen  den  zwei  Temperaturgraden 
x  und  y  ausgetrieben  werden  kann.  In  den  meisten  und  in  allen  älteren 
Fällen  bestimmte  man  die  Wassermenge  nicht  einmal  direct  durch  Wä- 
gung des  im  Chlorcalciumrohre  aufgenommenen  Wassers ,  sondern  nur 
indirect  durch  den  Glühverlust,  der  durch  gleichzeitigen  Austritt  anderer 
flüchtiger  Bestandtheile  der  Substanz  oder  durch  Aufnahme  von  Sauer- 
stoff in  vielen  Fällen  ganz  wesentlich  von  der  direct  bestimmten  Wasser- 
menge abweichen  muss ,  auch  wenn  man  den  angedeuteten  Fehlerquellen 
Rechnung  zu  tragen  bestrebt  ist.  Dazu  kommt  es,  dass  bei  allen  Wasser- 
bestimmungen die  Temperaturen  x  und  y  viel  zu  weit  entfernt  lagen. 
Meist  wählte  man  als  erste  Temperatursteigerung  100"  oder  110°  C.  und 
dann  die  ganz  bedeutungslosen :  schwaches  und  starkes  Erhitzen,  schwache 
und  starke  Rothgluht,  Gelbgluht,  Weissgluht  u.  dgl.  mehr.  Die  besseren 
und  neueren  Untersuchungen  nehmen  in  der  Regel  auch  nur  100,  selten 
50°  auseinanderliegende  Temperaturgrade  bis  300°  und  dann  kommen  die 
genannten  unsicheren ,  höheren  Temperaturbestimmungen.  Meine  Unter- 
suchungen sollen  unter  300  Grad  ganz  genau  alle  Grade  bestimmen,  bei 
denen  Wasser  austritt  und  dann  ermitteln ,  wieviel  Procent  und  ob  an 
feuchter  Luft  wieder  aufnehmbar.  Für  die  Temperaturen  von  300  Grad 
bis  1000  Grad  will  ich  durch  Auswahl  passender  und  in  ihrem  Schmelz- 
punkte genau  bekannter  Metalle  oder  i.egirungen  mir  ein  Pyrometer  con- 
struiren,  das  möglichst  nahe  und  gleichweit  von  einander  liegende  Tem- 
peraturgrade angibt.  Die  Voruntersuchungen  stellen  ein  Gelingen  dieser 
Bestimmungen  in  Aussicht.  Wenn  auch  im  Laufe  derselben  durch  die 
dabei  gemachten  guten  und  bösen  Erfahrungen  der  Gang  der  Untersu- 
chungen noch  mehrfach  abgeändert  werden  dürfte,  so  werde  ich  doch  dazu 
folgende  Methode  einschlagen.  Die  Untersuchungen  gehen  von  möglich 
einfachsten  Salzen  aus,  die  man  in  allen  Beziehungen  so  viel  wie  möglich 
schon  kennt  und  untersucht  hat,  ferner  von  möglichst  reinen,  krystallisir- 
ten  und  durchsichtigen  Substanzen  des  Mineralreiches.  Um  zu  erfahren, 
wie  viel  hygroscopisches,  d.  h.  mechanisch  gebundenes  Wasser  das  Mine- 
ral enthält,  welches  ja  bei  der  dazu  nöthigen  Temperatur  aus  dem  Mine- 
rale entweicht,  ohne  jede  chemische  oder  physikalische  oder  morphologi- 
sche Veränderung  zu  verursachen,  muss  ich  zuerst  die  Temperatur  er- 
mitteln, der  ich  das  Mineral  aussetzen  darf,  ohne  eine  Spur  chemisch  ge- 
bundenes Wasser  (sog.  Krystallwasser)  zu  verlieren,  was  man  unter  dem 
Mikroskope  an  den  gleichzeitig  eintretenden  physikalischen  Veränderungen 
(an  Verminderung  der  Durchsichtigkeit,  Änderung  des  Glanzes,  moleku- 
laren Umlagerungen,  Spaltungen,  Rissen  u.  s.  w.)  wird  ersehen  können. 

Jahrbuch  IM73.  11 


162 


Zu  diesen  Beobachtungen  wird  sich  der  bekannte,  von  H.  Vogelsang  in 
Delft  construirte,  äusserst  zweckmässige,  galvanisehe  Erhitzungsapparat 
für  Mikroskope,  der  Temperaturen  bis  zu  220  Grad  anzeigt,  ohne  Zweifel 
mit  Vortheil  verwenden  lassen.  Bis  nahe  zu  dieser  so  ermittelten  Tem- 
peratur wird  dann  das  Mineralpulver  erwärmt  und  das  hygroscopische 
Wasser  bestimmt.  Dann  kommt  es  mit  dem  Pyrometer  innerhalb  eines 
Erwärmungsapparates  mit  Thermometer  bis  320  Grad  C.  in  ein  aus  die- 
sem Apparate  herausragendes  Erhitzungsrohr  von  schwer  schmelzbarem 
Glase  mit  dem  nöthigen  Anhange  von  Apparaten  zum  Auffangen  des  Was- 
sers, zur  Erzeugung  eines  wasserfreien  und  möglichst  kohlensaure-  und 
sauerstoffarmen  Luftstromes  u.  s.  w.  Sobald  das  Thermometer  über  300 
Grad  den  Dienst  versagt,  kann  der  Erhitzungsapparat  ohne  Unterbrechung 
der  Operation  ausgeschaltet  und  durch  BüNSEN'sche  Brenner  nach  Bedürf- 
niss  ersetzt  werden.  Der  Apparat  wird  ferner  so  eingerichtet  ,  dass  zu 
jeder  Zeit  die  Erhitzung  unterbrochen  werden  kann,  um  Wägungen  und 
Beobachtungen  über  Wasseraufnahme  der  Substanz  an  feuchter  Luft  vor- 
nehmen zu  können. 

Nach  genügenden  Erfahrungen  an  durchsichtigen  und  krystallisirten 
Substanzen  wird  man  auch  alle  anderen  wasserhaltigen,  krystallinischen, 
amorphen  Mineralien  und  Gesteine  auf  diese  Weise  untersuchen  können. 
Auch  wird  sich  die  Methode  und  der  Apparat  zur  Ermittelung  der  Aus- 
trittstemperatur und  Menge  anderer  flüchtiger  Bestandtheile  anwenden 
lassen.    Wenn  ich  auf  keine  unerwarteten  Schwierigkeiten  bei  der  Aus- 
führung stosse,  hoffe  ich  Ihnen  bald  Resultate  dieser  Untersuchungen  mit- 
theilen zu  können.    Bis  dahin  bitte  ich  Sie,  diese  vorläufige  Mittheilung 
in  Ihr  Jahrbuch  aufnehmen  zu  wollen.    Einen  dritten  Punkt  möchte  ich 
aber  heute  noch  zur  Sprache  bringen,  der  mich  in  der  letzten  Zeit  eben- 
falls interessirt  und  beschäftigt  hat.    Die  interessante  Entdeckung  des 
Ardennit  von  Seiten  des  Herrn  v.  Lasadlx  in  Bonn  gab  mir  nämlich  un- 
längst Veranlassung,  in  dem  hiesigen  naturwissenschaftlichen  Vereine,  der 
nicht  lange  nach  Eröffnung  des  hiesigen  Polytechnikum  von  meinen  Col- 
legen  Wüllner,  Landolt  und  mir  bei  den  geistigen  Elementen  in  Aachen 
in  Anregung  gebracht  wurde  und  seit  2  Jahren  unter  zahlreicher  und 
eifriger  Betheiligung  aller  naturwissenschaftlich-gebildeten  Beamten,  Ärzte, 
Privatgelehrten,  Industriellen,  Bergbeamten  u.  s.  w.  besteht,  einen  Vortrag 
zu  halten  über  das  Vorkommen  des  Mangan  in  der  Natur  im  Allgemei- 
nen und  im  Speciellen  über  dasjenige  in  unserer  belgischen  Nachbarschaft 
im  DuMONT'schen  Terrain  ardennais.    Ausser  den  häufigen,  von  Dumont 
in  seinen  Arbeiten  Memoire  sur  les  terrains  ardennais  et  rlienan  mehrfach 
erwähnten  Braunsteinen  und  ausser  dem  oligiste  manganesifere  (Dewalque, 
Prodrome  d'une  description  geologique  de  la  Belgique,  p.  23)  ist  der  Ar- 
dennit in  dem  Systeme  salmien  des  genannten  terrain  schon  das  dritte  in- 
teressante Manganmineral.    Am  längsten  bekannt  ist  der  Ottrelit,  den 
ich  in  einer  früheren  Mittheilung  an  Sie  (dieses  Jahrbuch  1869,  S.  339  ff. 
und  Zeitschr.  der  Deutsch,  geolog.  Gesellschaft,  XXI,  1869,  S.  487  ff.)  als 
einen  wasserhaltigen  Eisenoxydul-Manganoxydul  -  Glimmer  charakterisirt 


163 


habe,  allerdings  mit  einigen,  von  den  anderen  Glimmerarten  etwas  ab- 
weichenden physikalischen  Eigenschaften. 

Deswegen  und  besonders  wegen  der  abweichenden  Härte,  Elasticität, 
Spaltbarkeit  und  Krystallform  sprach  bekanntlich  Herr  G.  Rose  sein  Be- 
denken aus,  den  Ottrelit  zu  den  Glimmern  zu  stellen.  Beide  Ansichten 
hat  Herr  Naumann  in  der  neuesten  (8.)  Auflage  seiner  Elemente  der  Mi- 
neralogie S.  449  erwähnt.  Es  bot  sich  mir  deshalb  jetzt  die  Gelegenheit 
von  selbst,  meine  frühere  Ansicht  wieder  zu  prüfen  und  die  Einwände 
dagegen  reiflich  zu  bedenken.  Wenn  ich  das,  was  man  bis  jetzt  von  dem 
Ottrelit  hat  ermitteln  können,  mir  vergegenwärtige,  es  mit  den  Eigen- 
schaften der  Glimmerarten  vergleiche  und  in  Erwägung  ziehe,  1)  dass  die 
Härte  bei  verschiedenen  Varietäten  derselben  Mineralspecies  sehr  verschie- 
den sein  kann,  2)  dass  sie  von  den  Cohäsionszuständen  der  Moleküle,  also 
auch  von  dem  Spaltbarkeitsgrade  abhängig  ist,  3)  dass  in  Betreff  der 
Elasticität,  ebenfalls  einer  Function  des  Molekularzustandes  der  Substanz, 
wie  gewöhnlich  so  auch  als  mineralogisches  Kennzeichen,  nur  die  schein- 
bare Elasticität  in  Betracht  gezogen  wird,  die  wesentlich  auch  von  der 
Form,  der  Structur  und  der  Spaltbarkeit  der  Substanz  abhängig  ist,  4)  dass 
der  Grad  der  Spaltbarkeit  an  Wichtigkeit  gegenüber  der  Art  der  Spalt- 
barkeit ungemein  zurücksteht,  da  er  bekanntlich  selbst  bei  verschiedenen 
Varietäten  derselben  Species,  bei  verschiedenen  Individuen  derselben  Art, 
ja  sogar  bei  demselben  Individuum  —  selbstredend  bei  gleichwerthigen 
Richtungen  —  oft  ziemlich  verschieden  und  z.  Th.  noch  verschiedener  sein 
kann  als  zwischen  Ottrelit  und  den  andern  Glimmerarten,  5)  dass  die  ver- 
schiedene Krystallform  bis  jetzt  noch  niemals  entschieden  hat  gegen  die 
Vereioigung  von  Arten  zu  einer  Gruppe,  6)  dass,  wenn  man  eine  hexago- 
nale  Glimmerart  mit  einer  rhombischen  in  eine  Gruppe  stellt,  auch  eine 
monokline  die  dritte  im  Bunde  sein  kann,  falls  wirklich  die  Angaben  von 
Senarmont,  Hessenberg  und  Descloizeaux  über  die  Krystallform  des  Bio- 
tit,  Muscovit  und  Ottrelit  schliesslich  die  richtigen  sein  sollten  —  so  komme 
ich  wieder  zu  meiner  Ansicht  zurück,  und  halte  den  Ottrelit  für  einen 
Mangan-Eisenoxydul-Glimmer.  Das  zweite  Manganmineral  und  zwar  in 
denselben  Schichten  der  oberen  Etage  des  Systeme  salmien  bei  Salm-Chä- 
teau  nicht  weit  von  Ottrez  entdeckte  im  verflossenen  Jahre  L.  L.  de  Kö- 
ninck in  Lüttich,  Sohn  des  bekannten  Paläontologen.  Dasselbe  findet  sich 
mit  Ottrelit  zusammen  und  ist  ein  Mangangranat  (Spessartin).  Die 
Mittheilung  darüber  scheint  nur  in  der  Academie  royale  de  hel(jiq_ue  2">e 
serie,  t.  XXXIII,  No.  4,  avril  1872  erschienen  zu  sein,  und  da  diese  in 
Deutschland  selten  zugänglich  ist,  dürfte  die  Kenntniss  dieses  Spessartin 
bei  uns  ziemlich  beschränkt  geblieben  sein.  Ich  schliesse  dieses  wenig- 
stens aus  dem  Umstände,  dass  ich  in  Ihrem  Jahrbuche  von  1872  keine 
Notiz  darüber  in  den  mineralogischen  Auszügen  habe  finden  können.  Ich 
darf  deshalb  wohl  Sie  und  manche  Leser  Ihres  Jahrbuches  auf  diesen 
Spessartin  aufmerksam  machen,  denn  er  verdient  es  ,  da  er  eine  weit  rei- 
nere Zusammensetzung  hat  als  die  Granaten  von  Aschaffenburg  im  Spes- 
sart, Haddam  in  Connecticut.,  Pfitsch,  denn  er  entspricht  fast  vollständig 

11  * 


164 


der  Zusammensetzung  eines  idealen  Manganthongranates  (Mn,,Al4Si(i0.;4), 
indem  er  nur  1,98°  0  F20:i  und  4,49°/0  FeO  enthält.  Die  selten  über  ein 
Millimeter  grossen  Krystalle  zeigen  die  Form  ocO  und  eine  röthlichgelbe 
bis  blassbraune  Farbe.  Als  mir  Herr  de  Köninck  diese  Mittheilung  machte, 
sprach  ich  ihm  die  Vermuthung  aus,  es  möchten  sich  in  demselben  Schich- 
tencomplexe  noch  andere  interessante  Manganmineralien  finden,  eine  Ver- 
muthung, die  so  nahe  lag,  aber  von  ihm  als  höchst  unwahrscheinlich  be- 
zeichnet wurde,  da  er  die  dortige  Gegend  so  gründlich  durchforscht  habe, 
die  aber  sich  trotzdem  sehr  bald  durch  die  interessante  v.  LASAULx'sche 
Entdeckung  des  Ardennit  von  Ottrez  als  begründet  erwies. 

Unter  diesen  Umständen  werden  Sie  es  ganz  natürlich  finden,  dass 
ich  ein  Manganmineral  aus  derselben  Gegend  näher  zu  untersuchen  an- 
fing, welches  ich  in  der  Mineraliensammlung  des  Polytechnikum,  aus  der 
SACK'schen  Sammlung  stammend,  fand,  als  ich  aus  derselben  für  den  ge- 
nannten Vortrag  Belegstücke  heraussuchte.  Bei  diesem  Minerale  lagen 
nun  2  Etiquetten,  eine  alte  mit  dem  Bemerken:  „dichtes  Braunsteinerz. 
Lager  im  Schiefergebirge  bildend  zwischen  Salm-Chäteau  und  Ottrez"  und 
eine  neue  von  Sack's  Hand  bei  der  Abgabe  der  Sammlung  hinzugelegt: 
„phosphorsaures  Mangan  von  Limoges."  Zeigte  das  derbe,  flachmusche- 
lige, pechschwarze,  undurchsichtige,  dichte,  ziemlich  harte  Mineral  auch 
keine  Spur  von  Spaltbarkeit,  so  erinnerte  trotzdem  das  äussere  Ansehen, 
namentlich  der  Fettglanz,  etwas  an  Triplit;  aber  keine  Spur  Phosphorsäure 
war  zu  ermitteln.  Auch  zeigte  mir  ein  frischer,  eisen-  bis  bläulichschwar- 
zer, matter  bis  schimmernder  Bruch  u.  s.  w.  bald,  dass  es  Psilomelan, 
und  die  alte  Etiquette  die  richtige  sei.  Als  ich  im  Spectralapparate  er- 
mitteln wollte,  ob  es  ein  Kali-  oder  Baryt-Psilomelan  wäre,  überraschte 
mich  neben  ganz  mattem  Kaliumspectrum  die  leuchtende  Lithiumlinie,  ob- 
wohl die  Flamme  dem  blossen  Auge  nur  die  Natriumfärbung  zeigte.  Bei 
der  Reichhaltigkeit  und  Zerstreuung  unserer  heutigen  mineralogischen  Li- 
teratur und  bei  meinem  schlechten  Gedächtnisse  waren  mir  die  v.  Kobell' 
und  A.  FRENZEL'schen  Mittheilungen  über  Lithion-haltige  Manganerze  nicht 
in  Erinnerung,  deshalb  hielt  ich  die  Beobachtung  eines  Lithionpsilomelan 
neben  den  beiden  andern  Arten  momentan  für  neu  und  prüfte  deshalb 
sofort  eine  Reihe  von  Psilomelan  der  verschiedensten  Gegenden  spectro- 
scopisch,  um  zu  ersehen,  ob  auch  andere  Psilomelane  als  der  belgische 
Lithion  enthielten.  Die  Beobachtungen,  die  ich  dabei  machte,  werde  ich 
nächstens  in  einer  Untersuchungsreihe  über  Psilomelane,  wenn  die  Ana- 
lysen fertig  geworden  sind,  näher  bekannt  machen  und  beschränke  mich 
heute  nur  auf  die  Mittheilung,  dass  von  16  untersuchten  Psilomelanen  die 
von  Trochenberg  bei  Tarnowitz,  Aarbacherzug  im  Freiengrunde,  Grube 
Bollenbach  bei  Herdorf,  Hollertszug,  Grube  Kaltenborn  bei  Eiserfeld,  Ei- 
senzeche bei  Eiserfeld  im  Siegen'schen  unmittelbar  als  salzsaure  Lösungen 
das  Lithiumspectrum  für  sich  allein  oder  meist  neben  Kalium  zeigten.  Im 
weiteren  Verlauf  dieser  Beobachtungen  wurde  ich  wieder  auf  die  Mitthei- 
lungen von  Frenzel  und  v.  Kobell  aufmerksam.  Meine  Untersuchungen 
sind  nun  aber  doch  nicht  ganz  vergeblich  gewesen,  denn  sie  beweisen, 


165 


dass  Litkion-haltige  Manganerze  häufiger  und  weiter  verbreitet  sind,  als 
die  Arbeiten  von  Kobell  und  Frexzel  erwarten  Hessen. 

Die  Beobachtung  der  genannten  Herren,  dass  Manganerze  von  der- 
selben Grube  oder  Örtlichkeit  sich  bei  diesen  unmittelbaren  Prüfungen  im 
Spectralapparate  öfters  bald  lithionhaltig ,  bald  frei  davon  zu  erweisen 
scheinen,  habe  auch  ich  zu  machen  Gelegenheit  gehabt,  damit  ist  aber 
noch  nicht  bewiesen,  dass  die  letzteren  wirklich  Lithion-frei  sind,  denn 
v.  Kobell  hat  auf  das  eigentümliche  Verhalten  lithionhaltiger  Mineralien 
bei  unmittelbarer  Prüfung  im  Spectroscope  aufmerksam  gemacht.  Grössere 
Mengen  einer  Substanz  mit  Spectrum  verdecken  leicht  die  Spectrallinien 
kleiner  Mengen  anderer  Substanzen,  besonders  in  den  kleineren  Apparaten 
für  chemische  Laboratorien.  So  zeigte  ein  Psilomelan  von  Kaltenborn  bei 
Eiserfeld  im  Siegen'schen  nur  das  Kupfer-  und  Kaliumspectrum,  während 
ein  anderer  derselben  Grube  neben  viel  schwächerem  Kupferspectrum  nur 
die  intensive  Lithiumlinie  zeigte.  Nach  Abscheidung  der  Chloralkalien  und 
Behandeln  derselben  mit  Äther- Alkohol  fanden  sich  in  Letzterem  auch 
grössere  Mengen  Kali  und  Natron  neben  Lithion.  Überhaupt  wird  es  auch 
wohl  Natron-Psilomelane  geben,  denn  die  Natriumlinie  ist  oft  intensiv 
stark,  verblasst  niemals,  selbst  Avenn  die  Probe  noch  so  lange  in  der 
Flamme  bleibt,  und  manche  Psilomelane  zeigen  bei  unmittelbarer  Betrach- 
tung ihrer  salzsauren  Lösung  im  Spectroscope  nur  die  Natriumlinie,  kein 
Kupfer,  Baryt  u.  s.  w.  Barytpsilomelane  erkennt  man  schon  sofort  nach 
dem  Auflösen  in  möglichst  wenig  Salzsäure  daran,  dass  sie  namentlich 
beim  Erkalten  farblose  Kryställchen  von  Chlorbaryum  ausscheiden;  bei 
einem  Psilomelan  von  Bleifeld  bei  Zellerfeld  im  Harze  waren  aber  auch 
diese  Krystallbildungen  Chlorblei. 

Diese  Lithion-haltigen  Manganerze  nur  wegen  dieser  stets  geringen 
Menge  von  Lithion  mit  einem  besonderen  Namen  Lithiophorit  zu  be- 
legen, wie  es  Breithaupt  und  Frexzel  gethan  haben,  möchte  ich  für  be- 
denklich halten,  besonders  wenn  man  sie  wie  Frexzel  nicht  als  ein  selbst- 
ständiges Mineral,  sondern  als  Gemenge  betrachtet.  Die  in  Verbindungen 
von  Schwermetallen  so  seltenen  und  auffallenden  Elemente,  Kalium,  Li- 
thium, Barium,  das  häufige  Vorkommen  solcher  Mangan- Verbindungen  in 
oft  so  gleichem  chemischen,  mineralogischen  und  geognostischen  Habitus, 
und  zugleich  ihre  weite  Verbreitung  an  so  entlegenen  Orten  und  unter 
den  gewiss  mannigfaltigsten  Bildungsbedingungen  möchten  mich  fast  glau- 
ben lassen,  dass  derartige  Manganerze  selbstständige  Arten  sind.  Die 
Fortsetzung  dieser  Untersuchungen  wird  das  hoffentlich  ermitteln ;  vor  der 
Hand  muss  ich  diese  Mittheilungen  und  Ansichten  nur  als  vorläufige  zu 
betrachten  bitten. 

H.  Laspeyres. 

Nachschrift. 

Aachen,  den  8.  März  1873. 

Nach  Abfassung  der  obigen  Seiten  und  bei  weiterem  Verfolg  der  Un- 
tersuchungen über  das  Wasser  in  den  Mineralien  habe  ich  die  Arbeit  über 


166 


Krystallwasser  von  v.  Kobell  in  Poggendorff's  Annalen  CXLI ,  1870, 
S.  446  gefunden  und  natürlich  mit  grösstem  Interesse  gelesen,  da  seine 
Auffassung  dieser  Frage  zum  Theil  bis  in  das  Kleinste  mit  der  meinigen 
übereinstimmt.  Ich  wollte  deshalb  zuerst  diesen  Theil  der  obigen  Mit- 
theilungen kassiren,  um  theilweise  Wiederholungen  in  der  Literatur  zu 
vermeiden.  Schliesslich  bin  ich  aber  davon  zurückgekommen,  einmal,  weil 
diese  Frage  ein  grosses  Interesse  hat,  zweitens,  weil  ich  unabhängig  und 
durch  ganz  andere  Beobachtungen  zu  ihrer  Prüfung  geführt  wurde  als 
v.  Kobell,  ferner  weil  doch  nicht  alle  Mittheilungen  von  mir  sich  mit 
denen  von  Herrn  v.  Kobell  vollständig  decken  und  schliesslich  weil  sie 
begründen  sollen,  weshalb  ich  die  genaueren  Bestimmungen  des  Wassers 
in  Mineralien  und  seiner  Austrittstemperaturen  auszuführen  beabsichtige. 

Der  Obige. 


Prag,  den  5.  März  1873. 
In  dem  jüngsten  Hefte  Ihres  Jahrbuches  erwähnten  Sie  auf  S.  88 
meinen  Bericht  über  die  Analysen  des  Syngenit  von  Kalusz  und  die  Iden- 
tität des  Kaluszit  mit  dem  Syngenit  in  der  Zeitschrift  Lotos,  November- 
Heft  1872.  Ich  habe  diesen  Bericht  zu  einer  Zeit  geschrieben,  als  die 
Untersuchungen  noch  nicht  zu  Ende  geführt  Avaren,  und  beeile  mich  nun, 
die  dort  angeführten,  zum  Theil  leider  falschen  Angaben,  zu  berichtigen. 
Die  Syngenit-Krystalle  sind,  wie  von  Zephärovich  ausdrücklich  betonte, 
stets  monoklin  ausgebildet,  im  Polarisations-Apparat  zeigen  dieselben  aber 
ein  Axenbild,  das  entschieden  für  das  rhombische  System  zu  sprechen 
schien,  welche  Annahme  bei  noch  nicht  abgeschlossenen  Messungen  um 
so  begründeter  schien,  als  die  Krystalle  des  künstlich  dargestellten  Kalk- 
Kali-Sulphates  von  Miller  und  von  Lang  sowohl  in  optischer  als  auch 
krystallographischer  Beziehung  als  rhombisch  erkannt  wurden.  Nachdem 
Prof.  von  Zephärovich  seine,  an  16  meist  ausgezeichneten  Krystallen  vor- 
genommenen Messungen  zum  Abschluss  gebracht,  ergab  sich,  dass  diesel- 
ben nicht  rhombisch  gedeutet  werden  können.  Eine  genaue  optische  Un- 
tersuchung stellte,  übereinstimmend  mit  den  Messungen ,  das  monokline 
System  ausser  Frage.  Ich  habe  aus  meinem  Krystall  zwei  Lamellen 
parallel  der  Symmetrie-Ebene  geschnitten  und  nach  180"  Drehung  mit 
ooPoo  an  einander  gekittet.  Wären  die  Krystalle  rhombisch,  so  müssten 
diese  beiden  Lamellen  im  polarisirten  Lichte  in  jeder  Lage  gleichmässig 
hell  oder  dunkel  sein;  nachdem  jedoch  eine  kleine  Differenz  der  Hellig- 
keit beohachtet  wurde ,  war  nun  auch  in  optischer  Beziehung  der  Beweis 
des  monoklinen  Systemes  dargethan.  Eine  genaue  Messung  ergab  die 
Neigung  der  einen  Elasticitätsaxe  zur  vertikalen  Prismenkante  im  Mittel 
von  16  Messungen  gleich  2°51'  für  weisses,  und  2°46'  für  Natrium-Licht. 
Der  Charakter  der  Doppelbrechung  ist,  wie  auch  von  Lang  und  Tscher- 
mak  beobachteten,  negativ;  die  Ebene  der  opt:schen  Axen  ist  senkrecht 
auf  oor'oo  —  nicht  wie  Kumpf  angibt,  die  Symmetrie-Ebene;  —  die  spitze 
Bissectrix  liegt  im  stumpfen  Winkel  und  schliesst  mit  der  Normale  auf 


167 


ocPoo  2°51y  mit  der  Klinodiagonale  16ü51'  ein.  Der  Beweis,  dass  die 
Bissectrix  nicht  senkrecht  auf  oop-oo  steht,  wie  Tschermak  angegeben 
hat,  ist  leicht  zu  führen.  Zwei  Krystalle  in  paralleler  Stellung  mit  ooPoü 
übereinander  gelegt,  zeigen  ein  Axenbild,  welches  dem  eines  einzigen  gleich 
ist:  dreht  man  jedoch  die  obere  Platte  um  180°,  so  löscht  sich,  wegen 
nicht  zusammenfallender  optischer  Hauptschnitte  der  horizontale  dunkle 
Querbalken,  und  es  entsteht  ein  combinirtes  Axenbild;  da  ja  die  optischen 
Axenebenen  der  beiden  Individuen  sich  unter  5°42'  schneiden.  Die  mir 
vorliegenden  Präparate  und  Krystalle  des  Laboratoriums-Produktes  zeigen 
ein  gleiches  combinirtes  Axenbild,  und  es  unterliegt  wohl  keinem  Zweifel, 
dass  auch  dieses  künstlich  dargestellte  Salz  monoklin  krystallisirt  und 
die  Krystalle  als  natürliche  Zwillinge  nach  ocPoo  verwachsen  vorkom- 
men. Rumpf  führt  das  spec.  Gew.  =  2.25  an  ■  ich  habe  es  im  Mittel 
dreier,  mit  mehr  als  2  Gramm  mit  grösster  Sorgfalt  im  Pyknometer 
mittelst  Benzol  (von  0.8885  Dichtej  ausgeführten  Wägungen  gleich  2.603 
bei  17J/o°C.  gefunden.  Professor  von  Zepharovich  hat  eine  ausführliche 
Abhandlung  über  diese  so  interessante  Substanz,  welche  wiederholt  zu 
Täuschungen  sowohl  in  kry stenographischer  als  optischer  Hinsicht  Ver- 
anlassung gegeben,  der  kais.  Akademie  in  Wien  vorgelegt,  welche  wohl 
in  kurzer  Zeit  in  den  Sitzungsberichten  derselben  erscheinen  wird. 

Dr.  K.  Vrba. 


B.    Mittheilungen  an  Professor  H.  B.  Geinitz. 

Wien,  den  U.  Januar  1873. 

Seit  einigen  Wochen  befinde  ich  mich  an  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt in  Wien.  Wie  Ihnen  bekannt  ist ,  veranstaltet  die  geologische 
Reichsanstalt  für  die  Weltausstellung  eine  Collectiv-Ausstellung,  für  welche 
ich  in  der  Abtheilung  der  Kohlen  aller  Formationen  Oesterreichs  thätig 
bin.  Es  wird  eine  eigene  Kohlenkarte  (Vorkommen-  und  Circulationskarte) 
angefertigt,  es  werden  Musterstücke  der  einzelnen  Kohlenvorkommen  auf- 
gestellt und  so  viel  als  möglich  die  statistischen  Daten  gesammelt,  zum 
Behuf e  einer  künftigen  Abhandlung  über  mineralische  Brennstoffe  im 
Oesterreichischen  Kaiserstaate. 

Ottokar  Feistmantel. 


Bern,  den  27.  Januar  1873. 
„Seit  bald  15  Monaten  bin  ich  mit  einer  neuen  Ordnung  und  vor- 
läufigen Bestimmung  der  im  Berner  Museum  seit  so  vielen  Jahren  ange- 
häuften Versteinerungen  aus  den  Schweizer  Alpen  beschäftigt,  welche  meine 
ganze  Zeit  in  Anspruch  genommen  hat  und  noch  mehrere  Monate  erfor- 
dert, um  sie  zu  vervollständigen. 


168 


Bei  dieser  Gelegenheit  kommt  manches  interessante  Stück  zum  Vor- 
schein, welches  unbeachtet  bei  Seite  geschoben  und  vergessen  war,  auch 
später  bekannt  gemacht  werden  kann. 

In  den  letzten  Tagen  kamen  mir  nun  die  Faunen  der  Gegend  am 
Thuner  See,  und  die  der  Rallystöcke  bei  Marlyn  unter  die  Hände.  Sie 
veranlassen  mich,  Ihnen  einige  kurze  Bemerkungen  zu  der  Notiz  von  E. 
Favre  im  Dezemberheft  1872  des  Archives  der  Sc.  phys.  &  nat.  de  Ge- 
riete (mit  Profilzeichnungen)  mitzutheilen. 

Herr  Favre  stützt  sich  darin  auf  die  gegenwärtige  Lage  der 
Schichten  der  oberen  Einsattelung  der  Gebirgsspitze  (in  seiner  Fig.  1 
mit  Spitzfleck  bezeichnet),  um  meine  Bestimmungen  der  Obernkreide- 
schicht  des  Opetengrabens  und  der  aus  der  Höhe  darüber  herabstürzenden 
Blöcke  im  Rallyholz  zu  verdächtigen,  indem  er  diese  (seine  Marlyn- 
schiefer)  als  tertiären  Alters  annimmt. 

Dieser  Ansicht  widersprechen  aber  die  seitdem  aufgefundenen  Petre- 
facten.  —  Es  liegen  vor: 

Aus  den  anstehenden  Schichten  des  Opetengrabens:  eine 
Aporrhais  (Bostellaria)  varicosa  d'ORBiGNY,  Pal.  fr.  t.  cret.  II,  Taf.  210, 
fig.  6  mit  theilweise  noch  guterhaltener  feiner  Sculptur  und  den  bezeich- 
neten Wülsten. 

Aus  den  von  Oben  herabstürzenden  Blöcken:  ein  Ammo- 
nites  Bravaisianus,  cI'Orbigny,  Pal.  fr,  t.  cret.  I,  Taf.  91,  Fig.  3—4.  Nur 
die  Hälfte  ist  vorhanden;  der  Kiel  ist  scharf,  die  Seiten-Höcker  auf  den 
Rippen  etwas  weiter  aus  einander  (wie  bei  A.  Carolinus  derselben  Tafel), 
so  dass  die  der  inneren  Reihe  auf  die  inneren  Windungen  im  Nabel  sehr 
deutlich  hervortreten. 

Aus  den  Winkeln  der  Oberen  Einsattelung  von  Herrn  Favre's 
Profil :  ein  Abdruck  (2  bis  3  Zoll  lang)  eines  Bacidites  durch  Sculptur 
und  Spuren  der  Lobenzeichnung  (wenn  auch  verwittert)  nur  mit  B.  anceps 
(bei  d'ORBiGNY,  Pal.  fr.  t.  cret.  I,  Taf.  139)  stimmend.  —  Ausserdem  sind 
an  dieser  Stelle  von  Tschan,  welcher  Herr  E.  Favre  dahin  geführt  hat, 
noch  einige  schlechterhaltene  Sachen  dem  Berner  Museum  geliefert  wor- 
den, welche  mit  den  von  mir  vom  Opetengraben  in  der  Protozoe  Helvetica 
II.  beschriebenen  zu  stimmen  scheinen.  Dieser  obere  Theil  ist  petrogra- 
phisch  etwas  verschieden  von  der  unteren  Schicht  am  Opetengraben  und 
der  Rallyholzblöcke ;  er  enthält  viel  mehr  Glimmertheilchen ,  ist  rauh 
anzufühlen  in  der  Verwitterung;  die  unteren  dagegen  sind  in  der  Verwit- 
terung sanft  anzufühlen,  ein  mehr  mergelig-thoniger  Schiefer.  Ein  freund- 
schaftlicher Briefwechsel  über  diesen  Gegenstand  ist  mit  Herrn  E.  Favre 
eingeleitet,  da  dieser  auf  seiner  schon  bei  der  letzten  Versammlung  der 
Allgem.  Schweizergesellschaft  für  die  Naturwissenschaft  vorigen  Jahres 
vorgetragenen  Ansicht,  und  seiner  letzten  obenerwähnten  Notiz,  nicht  mehr 
so  stark  zu  bestehen  scheint,  möchte  dieses  bei  der  Anzeige  zuletzt  im 
Jahrbuche,  im  Interesse  des  Verfassers  selbst,  zu  berücksichtigen  sein. 

Aus  dem  von  Herrn  Favre  erwähnten  und  (etwas  abenteuerlich  ein- 
gezeichnet) sogen.  Chatelkalle  an  der  Dallefluh  (beim  Gypsstock) 


169 


liegen  mir  vor:  ein  deutlicher  Abdruck  eines  Ammonites  biplex  und  ein 
dickes  Stielstück  des  sehr  bezeichnenden  Apioermus  polycypfms  Mer. 
(Lethaea  Bruntrutana  von  Thurmann  und  Etallon,  Taf.  49,  Fig.  6);  die- 
ser Theil  ist  auch  weiter  nordwestlich ,  am  Abhang  beim  sogenannten 
Boduna,  wiedergefunden,  mit  Aptychus  curvatiis,  Siebel  (siehe  meine  Cepha- 
lopodes  des  Alpes  de  la  Suisse,  Taf.  5). 

Dr.  A.  Ooster. 


„,  _       ,        .      30.  Januar 

St.  Petersburg  den  ,-„•— *tü   1873. 

b        11.  Februar 

Notiz  über  die  Silurformation  am  Dniestr  in  Podolien  und  öa- 
lizien,  und  über  Pteraspis  Kneri  im  Besonderen. 

Die  Nachrichten  über  das  Vorhandensein  petrefaktenreicher  obersilu- 
rischer  Schichten  am  Dniestr  in  Podolien  und  Galizien  hatten  schon  lange 
in  mir  den  Wunsch  rege  gemacht,  diese  Schichten  aus  eigener  Anschauung 
kennen  zu  lernen,  namentlich  da  es  nach  den  bisherigen  Angaben  nicht 
gelungen  war,  die  Scheidung  in  eine  obere  und  untere  Gruppe,  entspre- 
chend dem  Wenlock  und  Ludlow  Englands  daselbst  durchzuführen  und 
ich  schon  früher  in  einem  andern  Gebiet,  auf  der  Insel  Gotland,  diese 
Scheidung  hatte  durchführen  können  * ,  die  früher  von  verschiedenen  Sei- 
ten geläugnet  wurde,  jetzt  aber  von  den  schwedischen  Geologen  an- 
erkannt ist. 

Schon  im  Jahr  1856  hatte  ich  eine  hübsche  silurische  Sammlung  aus 
Podolien  gesehen,  die  Hr.  Czekanowski  von  dort  mitgebracht  hatte.  Leider 
blieb  die  Bearbeitung  derselben  unvollendet,  aber  auch  Czekanowski  war 
schon  zu  dem  Resultat  gekommen,  dass  eine  Wenlock-  und  Ludlowgruppe 
am  Dniestr  zu  unterscheiden  sei,  was  von  dem  ausführlichsten  Bearbeiter 
des  Podolisch-silurischen  Gebiets,  Hrn.  Malewski  (in  seiner  Magister-Dis- 
sertation, Kiew  1865,  in  russischer  Sprache),  der  nur  einen  Theil  der  Cze- 
KANOwsKi'schen  Sammlungen,  nicht  aber  seine  Resultate  kannte,  wiederum 
geläugnet  wurde.  Die  reichhaltigsten  Angaben  über  die  galizische  Silur- 
formation finden  wir  in  der  kurzen  Notiz  von  Prof.  Ferd.  Römer  „über 
die  diluvialen  Schichten  der  Gegend  von  Zalesczyki  in  Galizien"  im  Jahr- 
buch 1862,  p.  327.  Die  Übereinstimmung  mit  den  obersilurischen  Schich- 
ten Schottlands  und  Englands  wird  hervorgehoben,  eine  genauere  Bestim- 
mung des  Niveau's  aber  nicht  versucht. 

Im  August  und  September  des  verflossenen  Jahres  1872  unternahm 
ich  nun  im  Auftrage  der  kaiserl.  mineralogischen  Gesellschaft  in  St.  Pe- 
tersburg eine  Reise  nach  Podolien  und  Galizien,  um  das  Silursystem  am 
Dniestr  zu  studiren  und  namentlich  die  Frage  zu  entscheiden,  ob  dort  eine 
Scheidung  in  eine  Wenlock-  und  Ludlowgruppe  durchzuführen  sei,  woran 


*  Beitrag  zur  Geologie  der  Insel  GoMand,  im  Archiv  für  die  Naturkunde  von  Finn- 
lCsth-  und  Kurland.    I.  Serie.    Bd.  [I,  1859. 


170 


ich  übrigens  nach  den  oben  erwähnten  Mittheilungen  Herrn  Czekaxowski's 
nicht  zweifelte. 

Ich  musterte  zunächst  die  reichhaltigen  Sammlungen  aus  dem  podo- 
lischen  Silurgebiet  im  Universitätsmuseum  zu  Kiew,  wo  die  Sammlungen 
des  Prof.  Feofilaktow  und  der  Hrn.  Malewski  und  C'zekaxowski  aufbe- 
wahrt werden,  und  ging  dann  nach  Kamenetz-podolsk,  in  dessen  Umge- 
bung ich  einige  Tage  zubrachte,  da  die  Ufer  des  Smotricz  reich  an  petre- 
faktenreichen  Entblössungen  sind.  Von  dort  ging  ich  nach  Iwanetz  am 
Dniestr  und  diesen  Fluss  zu  Boot  hinab  bis  Uschitza.  wo  die  silurischen 
Kalklager,  die  allein  Petrefakten  enthalten,  aufhören.  Von  hier  ging  ich 
zu  Lande  über  Kitaigorod  wiederum  nach  Kamenetz-podolsk  und  dann 
schon  über  Okopa  nach  Galizien.  Während  der  Fahrt  von  Okopa  bis 
Zalesczyki  sammelte  ich  au  mehreren  Stellen  unterwegs  und  hielt  mich 
dann  einige  Tage  in  den  reichhaltigen  Umgebungen  von  Zalesczyki  auf. 
Den  Rückweg  machte  ich  über  Skala  und  Gusjätin  bis  an  die  Eisenbahn- 
station Troskurow,  von  wo  ich  wiederum  über  Kiew  und  Moskau  nach 
Petersburg  zurückkehrte.  Von  Zalesczyki  aus  hatte  ich  eine  Excursion 
nach  Krakau  gemacht ,  und  die  galizisch-silurischen  Sammlungen  im  dor- 
tigen Museum  mir  angesehen. 

Meine  Resultate  sind  mm  kurz  folgende : 

Der  grösste  Theil  der  von  mir  untersuchten  und  in  Sammlungen  ken- 
nen gelernten  Lokalitäten  gehört  der  Ludlowgruppe  an  und  die  Ähnlich- 
keit mit  den  höchsten  silurisc i.en  Schichten  von  Oese!  und  Gotland  ist 
eine  so  grosse,  dass  wir  die  Dniestr-Schichten  unbedingt  als  eine  Fort- 
setzung der  baltisch-süurischen  anzusehen  haben.  Zwei  Facies  in  der  Lud- 
lowgruppe des  Dniestr  lassen  sich  unterscheiden:  die  Podolische,  zu  der 
die  Umgebung  von  Kamenetz-podolsk  und  die  Gegend  bis  zum  Grenzaus s 
Ibrucz  gehört  nebst  dem  auf  der  galiziscken  Seite  dieses  Flusses  gelegeneu 
Skala,  und  die  galizische,  die  in  der  Umgebung  von  Zalesczyki  entwickelt 
ist.  Die  podolische  Facies  ist  reich  an  Korallen,  namentlich  Stremato- 
poren,  Helioliten  und  Labechia  confertu,  ausserdem  sind  Euamphtüm  ala- 
tus,  Lucina  prisca,  Pentamerus  gaUatus  als  besonders  charakteristische 
Fossilien  zu  nennen.  Das  Gestein  ist  Korallenkalk  und  dünn  geschich- 
teter gelber  Kalkmergel,  unter  dem  meist  petrefaktenleere  Schief erthone 
liegen.  Die  galizische  Facies  ist  dur  h  dünne  Kalkplatten,  die  mit  Schief  er- 
thonen  wechseln,  gekennzeichnet.  Eine  Überfülle  von  Tentaculiten  \T. 
ornatu*  und  tenwis).:  LeperMtia  baltiea  äff.  und  Bivalven  (Ortbonota  ro- 
tundata  Sow.,  Pterinea  retrofhxa  u.  s.  w.)  ist  vorhanden.  Einzelne  Schil- 
der von  Pteraspis  linden  sich  nicht  selten.  Worauf  ich  aber  besonderen 
Nachdruck  legen  will,  ist,  dass  in  der  Umgebung  von  Zalesczyki  den  Fluss 
aufwärts  nach  Uscieczka  zu  auf  den  petrefaktenreichen  Kalkplatten  rothe 
Sandsteine  liegen,  die  durchaus  conform  gelagert  sind  und  vorzugsweise 
Pteraspis  enthalten,  nebst  einigen  Resten  von  Pterygotus  und  deutlichen 
andern  Fischresten,  Knochenplatten  mit  sternförmig  verzierten  Tuberkeln, 
die  wir  nur  zu  den  bekannten  Fischgeschlechtern  des  alten  rothen  Sand- 
steins Astevolepis  (Ptericlitlvj*j  oder  Qoecosteus  bringen  können. 


171 


Wir  hätten  also"  in  Galizien  oberhalb  Zalesczyki  einen  ebensolchen 
allmählichen  Übergang  aus  den  obersten  silurischen  Schichten  in  die  un- 
tersten des  alten  rothen  Sandsteins,  wie  er  uns  im  westlichen  England, 
in  Herefordshire  geschildert  wird  (s.  Silufia,  Ausgabe  von  1867,  p.  243  ff.). 

Wie  sich  diese  Übergangsschichten  zu  den  andern  devonischen  Schich- 
ten, die  in  Galizien  entwickelt  sein  sollen,  verhalten,  habe  ich  nicht  ver- 
folgen können,  und  müssen  wir  das  den  einheimischen  Geologen  überlassen. 

Soviel  kann  ich  aber  jetzt  sagen,  dass  die  Ansicht  des  Grafen  Key- 
serling, dass  der  Übergang  aus  dem  obersilurischen  in's  devonische  ein 
viel  allmählicher  ist,  als  aus  dem  untersilurischen  in's  obersilurische,  durch 
meine  Beobachtungen  bestätigt  wird.  In  Esthland  habe  ich  die  Grenze  von 
ober-  zu  untersilurisch  immer  ganz  scharf  gefunden. 

Noch  halte  ich  es  für  meine  Pflicht  hervorzuheben,  dass  ich  die  ersten 
devonischen  Knochenschilder  von  Usineczko  im  Museum  zu  Krakau  ge- 
sehen habe.  Bei  der  Rückkehr  an  den  Dniestr  habe  ich  mich  selbst  mit 
ihrer  Lagerstätte  bekannt  gemacht. 

Die  untere  Abtheilung  der  obersilurischen  Gruppe  ist  am  Dniestr 
viel  weniger  entwickelt.  Ich  kenne  nur  zwei  getrennte  Lokalitäten,  die 
ich  mit  Sicherheit  dem  Wenlock  zuschreiben  kann.  Deutliche  Unterlage- 
rung unter  Ludlowschichten  habe  ich  nicht  beobachtet.  Einmal  sind  es 
die  grauen  Mergel  bei  Studenitza  und  Kitaigorod  in  Podolien ,  an  der 
Westgrenze  der  dortigen  silurischen  Kalksteine,  die  durch  eine  Menge  von 
Spirifer  radiaius  Sow.,  Ortiiis  elcgantula ,  Leptaena  transversaJis  und  an- 
dern deutlichen  Wenlockmuscheln  ausgezeichnet  sind.  Das  andermal  das 
Thal  der  Niklawa  in  Galizien  von  Uot-Biskupje  bis  Borsczow,  wo  lockere 
grünlichgraue  Mergel  anstehen,  in  denen  ebenfalls  Leptaena  trjmsversalis, 
Orthis  elegantala,  0.  hybricUi,  Stropliomena  pecten  ,  S.  filosa  und  einige 
wie  es  scheint  neue  Formen  zu  finden  sind.  Auch  am  Dniestr  selbst,  bei 
Babinze.  habe  ich  diesen  Mergel  anstehend  gefunden,  in  dem  sich  vortreff- 
lich sammeln  lässt,  da  man  die  einzelnen  Muscheln  ohne  Anwendung  des 
Hammers  aus  dem  lockeren  Gestein  herausnehmen  kann. 

Was  nun  das  interessanteste  Petrefakt  Galiziens,  den  Pteraspis  Kneri 
betrifft,  so  sind  darüber  verschiedenartige  Ansichten  geäussert  worden. 
Kxer  und  mit  ihm  Eichwald  bringen  ihn  zu  den  Cephalopoden,  Kunth  zu 
den  Crustaceen  und  die  englischen  Forscher  und  mit  ihnen  Prof.  F.  Rö- 
mer zu  den  Fischen,  in  die  Nähe  von  CephaJaspis.  Mir  liegt  ein  schönes 
Material  vor,  und  darnach  kann  ich  mich  nur  zur  Fischnatur  des  Wt&ra&pis 
bekennen,  wie  sie  von  Laxkester  und  Huxley  auseinandergesetzt  ist.  Dass 
Scaphaspis  und  Pteraspis*  zusammengehören,  das  hatte  ich  schon  früher 
angenommen,  da  die  beiderseitigen  Schilder  ganz  gleichartig  gezeichnet, 
sowohl  in  England  als  in  Galizien  immer  zusammen  vorkommen.  Künth 
hat  nun  diese  Annahme  zur  Gewissheit  erhoben;  aber  warum  soll  dess- 
wegen  Scaphaspis  ein  Schwanzschild  sein?  ist  es  nicht  viel  natürlicher, 
ihn  als  einen  Bauchschild  anzusehen,  ähnlich  wie  ein  solches  bei  Ptcrir-h. 
thys  und  Coccosteus  (s.  Pander's  Piacodermen,  t.  4)  vorkommt.  Die  kleinen 
länglichen  Schilder,  die  Kunth  erwähnt,  lassen  sich  wohl  besser  mit  den 


172 


analog  geformten  Leibesschildern  von  Cephalaspis  vergleichen,  als  mit 
Leibesgliedern  von  Trilobiten.  Wenn  auch  noch  keine  deutlichen  Knochen- 
lacunen  in  den  Schildern  von  Pteraspis  nachgewiesen  sind,  so  erinnert 
seine  mikroskopische  Structur  doch  viel  mehr  an  Cephalaspiden ,  nament- 
lich meine  Gattung  Tremataspis  (s.  Verhandlungen  der  Petersb.  mineralog. 
Gesellschaft,  1866)  als  an  Trilobiten,  deren  Schalen,  wie  ich  mich  selbst 
überzeugte,  eine  homogene  Masse  bilden. 

Mag.  Fr.  Schmidt, 


Prag,  den  19.  Febr.  1873. 

Ich  freue  mich,  Ihnen  anbei  den  zweiten  Band  meines  Mineralogi- 
schen Lexicon's  für  das  Kaiserthum  Ö s t e  rr eich  vorlegen  zu 
können.  Im  vollkommenen  Anschlüsse  an  den  1859  erschienenen  Band 
(Jb.  1860,  616),  gibt  das  Werk  nun,  unter  stetem  Hinweis  auf  die  Litera- 
tur, eine  Übersicht  der  auf  österreichische  Mineralien  sich  beziehenden 
Forschungen,  welche  aus  dem  Zeiträume  1790  —  1872  vorliegen.  Dass  ich 
mich  in  vielen  Fällen  einer  Kritik  nicht  entziehen  konnte,  versteht  sich 
von  selbst;  Sie  werden  vielleicht  auch  finden,  dass  eine  nicht  geringe  Reihe 
von  für  das  Lexicon  unternommenen  Untersuchungen  ihren  Platz  gefun- 
den, sowie  dass  wichtige,  bisher  nicht  veröffentlichte  Beiträge  von  Fach- 
männern eingereiht  wurden.  Der  Abschluss  dieser  recht  mühevollen  und 
langwierigen  Arbeit  gewährt  mir  nun  wohl  einige  Befriedigung,  da  ich 
hoffe,  den  Forschern  eine  brauchbare  Grundlage  für  eingehende  Studien 
geliefert  zu  haben. 

v.  Zepharovich. 


Breslau,  den  30.  Februar  1873. 

Am  7.  Februar  starb  in  München  am  Nervenfieber  Dr.  Ewald  Becker, 
Assistent  am  paläontologischen  Museum  in  München.  Da  er,  einziger  Sohn 
eines  hiesigen  Kaufmanns,  hier  in  Breslau  unter  Websky's  und  meiner 
Leitung  seine  Studien  gemacht  und  mir  seitdem  stets  eine  freundliche  An- 
hänglichkeit bewahrt  hatte,  so  war  mir  sein  plötzlicher  Tod  besonders 
schmerzlich.  Gewiss  hätte  man,  wenn  ihm  ein  längeres  Leben  beschieden 
gewesen  wäre,  sehr  tüchtige  wissenschaftliche  Leistungen  von  ihm  erwar- 
ten dürfen.  Er  gehörte  zu  den  wenigen  unter  den  jüngeren  Männern  un- 
serer Wissenschaft,  welche  noch  die  verschiedenen  Disciplinen  derselben 
umfassen.  Von  seiner  krystallographisch-mineralogischen  Bildung,  für 
welche  er  durch  gründliche  mathematische  Studien  vorbereitet  war,  geben 
seine  werthvollen  Aufsätze  über  die  Mineralien  im  Granit  von  Striegau 
und  über  Quarzkrystalle  von  Baveno  Zeugniss.  In  den  letzten  Jahren 
hatte  er  sich  vorzugsweise  paläontologisch-geognostischen  Studien  zuge- 
wendet.   Eine  grössere  Arbeit  über  die  Korallen  von  Nattheim,  mit  wel- 


173 


eher  er  seit  länger  als  einem  Jahre  beschäftigt  war,  sollte  ihm  den  Ein- 
tritt in  die  akademische  Lehrthätigkeit  eröffnen.  Er  hat  nicht  die  Genug- 
thuung  gehabt,  sie  vollendet  zu  sehen.  Glücklicher  Weise  hat  Zittel  ihren 
Abschluss  und  ihre  Herausgabe  übernommen,  so  dass  dem  Verstorbenen 
sein  Verdienst  und  der  Wissenschaft  der  Vortheil  seiner  Arbeit  gesichert 
bleibt.  Mit  verhängnissvoller  Auswahl  der  Besten  hat  der  Tod  die  Reihen 
des  jungen  Nachwuchses  unserer  Wissenschaft  in  den  letzten  Jahren  ge- 
lichtet. Schlönbach,  Kunth  und  Becker  —  drei  bessere  konnten  wir  nicht 
verlieren. 

Ferd.  Roemer. 


Mie  Literatur. 


ie  Redaktoren  melden  den  Empfang  an  sie  eingesendeter  Schriften  durch  ein  deren  Titel 

beigesetztes  *. 

A.  Bücher. 

1871. 

0.  Heer:  Förutskickade  anmärkningar  öfoer  Nordgränlands  Kritflora  etc. 

(K.  Vetensk.  Ah.  Förh.    No.  10,  p.  1175.) 
J.  S.  Newberry:  Geologicäl  Survey  of  Ohio.  Report  of '  Frogress  in  1870. 

8Ü.    Columbus,  568  p.  with  Maps  of  grouped  sections. 
Proceedings  of  the  Academy  of  Natural  Sciences  of  Philadelphia.  8°. 

Part.  I— III,  p.  1-372.    17  PI. 

187?. 

Arzrtini:  über  den  Cölestin  von  Rüdersdorf  und  Mokkatam  (1  Tf.)  und 
über  den  Einfluss  isomorpher  Beimengungen  auf  die  Krystall-Gestalt 
des  Cölestins.  (Abdr.  a.  d.  Zeitschr.  d.  Deutschen  geolog.  Gesellsch. 
XXIV.  3.  Heft,  S.  477—492. 

Max  Bauer:  Mineralogische  Mittheilungen.  (Württemb.  Naturw.  Jahresh. 
XXVIII.  p.  246,  Taf.  1.) 

E.  Bertrand:  Note  sur  un  nouveau  gisement  de  LeadhiJUte.    8°.    3  p. 

Bericht  über  die  29.  und  30.  Vers,  des  Comite's  für  die  deutsche  Xord- 
polexpedition  in  Bremen. 

Communication  on  the  Discovery  of  new  Rocky  Mountain  Fossils.  (Meet. 
of  the  American  Philos.  Soc.    Dec.  20. 

Göppert:  Zur  Geschichte  des  Elenthiers  in  Schlesien.  (Extr.  aus  d.  Sitz, 
f.  nat.  Cult.  in  Schles.  am  18.  Dec. 

Fr.  v.  Hauer:  Geologische  Übersichtskarte  der  Österreichisch-ungari- 
schen Monarchie.  Bl.  No.  IV.  Ost-Karpathen.  Mit  Erläuterungen 
in  8°.    Desgl.  Färb en- Schema. 

Eug.  W.  Hilgard:  on  the  Geology  of  Lotuer  Louisiana  and  the  Salt  De- 
posit on  Petite  Anse  Island.    Washington  City.    4°.    34  p. 

A.  Hi  lg  er  und  Fr.  Nies:  der  Roth  Unterfrankens  und  sein  Bezug  zum 


175 


Weinbau.    S.  11.    (Sep.-Abdr.  a.  d.  Mittheilungen  aus  d.  agricultur- 
chemischen  Laboratorium  in  Würzburg  von  A.  Hilger  und  Fr.  Nies.) 
F.  v.  Hochstetter:  die  geologischen  Verhältnisse  des  östlichen  Theiles  der 
europäischen  Türkei.  Wien,  1872.  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  XXII. 

4.  p.  331-388.)    Mit  Karte  und  Profilen. 

Herm.  Kravogl  :  Zusammensetzung  und  Lagerung  des  Diluviums  um 

Innsbruck.    Mit  1  Prof.    (Sep.-Abdr.  a.  d.  naturw.-medic.  Zeitschr.  f. 

d.  Jahr  1872.    8°.    S.  13. 
P.  de  Loriol:  Description  de  quelques  Asterides  du  terrain  neocomien 

des  environs  de  Neuchätel,  (Mem.  de  la  Soc.  nat.  de  Neuchätel.  T.  V. 

Dec.)    4°.    19  p.,  2  PL 
0.  C.  Marsh:  Preliminary  description  of  new  Tertiary  Reptiles.  (Amer. 

Journ.  of  sc.  a.  arts.    Vol.  IV.  Oct. 
0.  C.  Marsh:  Notice  of  a  new  species  of  Jinosaurus,  Discovery  of 

Fossil  Quadrumana  in  the  JEocene  of  Wyoming,  Notice  of  a  New 

Reptile  from  the  Cretaceous.    (Amer.  Journ.  of  sc.  a.  arts ,  Vol.  IV, 

Oct.  a.  Nov.) 

Memoirs  of  the  Boston  Society  of  Natural  History.  4°.  Vol. 

II.  P.  1.  No.  2  a.  3.    Boston,  1871—1872,  p  29—154;  P.  2.  No.  1. 

Boston,    p.  155—202. 
Fr.  Nies:  über  Aphrosiderit.    S.  12. 
Fr.  Nies:  über  ein  Kobalt-haltiges  Bittersalz.    S.  25. 
Fr.  Nies  :  der  Kalktuff  von  Homburg  am  Main  und  sein  Salpeter-Gehalt. 

5.  12.  (Separat- Abdrücke  aus  den  Mittheilungen  des  agriculturchemi- 
schen  Laboratoriums  in  Würzburg.) 

Pr  oceeding  s  of  the  Boston  Society  of  nat.  Hist.  8°.  Vol.  XIII, 

p.  369—435;  Vol.  XIV,  p.  1—224. 
Frid.  Sandberger:  die  Land-  und  Süsswasser-Conchylien  der  Vorwelt. 

6.  -8.  Lief.    S.  161—256.    Taf.  21—32.    Wiesbaden.  4°. 

Ferd.  Stoliczka:  Cretaceous  Fauna  of  Southern  India.  Vol.  IV.  2.  The 

Cliopoda.    Calcutta.    4°.    34  p.,  3  PI. 
Aug.  Guil.  Stiehler:  Palaeophytologiae  statum  recentum  exemplo  Mono- 

cotyledonearum  et  Dicotyledonearuvi  angiospermarum  gamopetalarum 

manifestum  factum.    P.  1.    Monocotyledoneae  in  statu  fossili,  Fol. 

156  S. 

B.  Studer:  Gneiss  und  Granit  der  Alpen.  (Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol. 
Ges.  p.  551.    Taf.  21.) 

K.  Vrba:  Mittheilungen  aus  dem  mineralogischen  Museum  der  Universi- 
tät Prag.    Mit  1  Tf.    S.  7. 

Vogelgesang:  Geologische  Beschreibung  der  Umgebungen  von  Triberg 
und  Donaueschingen.  (Sectionen  Triberg  und  Donaueschingen  der  to- 
pographischen Karte  des  Grossherzogthums  Baden.)  Mit  zwei  geolo- 
gischen Karten  und  zwei  Profiltafeln.  Herausgegeben  von  dem  Han- 
dels-Ministerium.   Carisruhe.    4°.    S.  133. 

F.  J.  Wiik:  Meddelanden  betragende  ßnska  miner  alier.  (Fin.  Vet.  Soc. 
Förh.)    8°.    p.  26—42.    PI.  III. 


176 


1873. 

*  H.  v.  Asten:  Über  die  in  südöstlicher  Umgegend  von  Eisenach  auftre- 

tenden Felsitgesteine.    Heidelberg.    8°.    37  S.    1  Taf. 

*  G.  Dewalqüe:  Rapport  secutaire  sur  les  travaux  de  la  classe  des  seien- 

des.   Sciences  minerdles.    Bruxelles.    8°.    Pg.  90. 

*  Ferd.  Dieffenbach:  Piatonismus  und  Vulkanismus  in  der  Periode  von 

1868—1872  und  ihre  Beziehungen  zu  den  Erdbeben  im  Rheingebiet. 
Auf  Grund  der  neuesten  Ergebnisse  der  wissenschaftlichen  Forschung 
und  mit  Berücksichtigung  von  mehr  als  tausend  Erdbeben  und  Vulkan- 
Ausbrüchen  dargestellt.    Darmstadt.    8°.    S.  110. 

*  Ferd.  Fischer:  Leitfaden  der  Chemie  und  Mineralogie.    Mit  175  in  den 

Text  eingedruckten  Abbildungen.    Hannover.    8°.    S.  187. 

*  W.  King:  on  the  strueture  of  a  rock  from  Ceylon.    (Geol.  Mag.  Jan. 

p.  1-6.) 

*  Joh.  Aug.  Ernst  Köhler  :  die  Eruptivgesteine  des  sächsischen  Voigt- 

landes.   Reichenbach.    8°.   80  S. 

*  0.  C.  Marsh:  on  a  New  Subclass  of  Fossil  Birds  (Odontornithes).  Amer. 

Journ.  of  Sc.  a.  Arts,  Vol.  IV.  Febr. 

*  Wilhelm  Runge:  die  Mineralogie  in  der  deutschen  Volksschule.  Erster 

mineralogischer  Unterricht  in  Schule  und  Haus.  Mit  14  Illustrationen 
in  Holzschnitt.    Breslau,  kl.  8U.    S.  96. 

*  Leof.  Würtenberger  :  neuer  Beitrag  zum  geologischen  Beweise  der  Dar- 

wiN'schen  Lehre.    (Ausland  No.  1.) 


B.  Zeitschriften. 

1)  Zeitschrift  der  Deutschen  geologischen  Gesellschaft. 
Berlin.    8Ü.    [Jb.  1872,  728.] 

1872,  XXIV,  >;  S.  419-603;  Tf.  XVI-XXI. 

A.  Aufsätze. 

G.  Rose:  über  ein  grosses  Granitgeschiebe  aus  Pommern,  nebst  einigen 
Bemerkungen  über  die  Eintheilung  der  Trachyte  in  Hümboldt's  Kos- 
mos: 419—427. 

A.  Sadebeck:  über  Fahlerz  und  seine  regelmässigen  Verwachsungen  (Taf. 

XVI -XIX):  427—465. 
E.  Ludwig:  über  die  chemische  Formel  des  Epidots:  465 — 477. 
Arzruni:  über  den  Cölestin  von  Rüdersdorf  und  Mokkatam  (Taf.  XX): 

477—484. 

—    —    über  den  Einfluss  isomorpher  Beimengungen  auf  die  Krystall- 

gestalt  des  Cölestins :  484 — 493. 
Scacchi  :  durch  Sublimation  entstandene  Mineralien ,  beobachtet  bei  dem 

Aasbruch  des  Vesuvs,  April  1872;  im  Auszug  mitgetheilt  von  J.  Roth: 

493—505. 

— •  —  vorläufige  Notizen  über  die  bei  dem  Vesuv-Ausbruch  April  1872 
gefundenen  Mineralien ;  im  Auszug  mitgetheilt  von  J.  Roth  :  505-  -507. 


177 


H.  Yogelsang:  über  die  Systematik  der  Gesteinslehre  und  die  Eintheilung 
der  gemengten  Silicatgesteine:  507 — 545. 

Scacchi:  über  den  Ursprung  der  vulkanischen  Asche.  Im  Auszuge  von 
C.  Rahm elsberg  :  545 — 549. 

C.  Rajdielsberg  :  über  die  chemische  Natur  der  Yesuv-Asche  des  Aus- 
bruchs von  1872:  549 — 551. 

B.  Studer:  Gneiss  und  Granit  der  Alpen  (Tf.  XXI):  551 — 558. 

W.  Trexkxer:  die  Juraschichten  von  Bramsche,  Wester-Cappeln  und  Ib- 
benbühren:  558—589. 

Ferd.  Koemer:  über  das  Vorkommen  von  Culm-Schichten  mit  Posidono- 
mya  ■  Becher ■*  auf  dem  Südabhang  der  Sierra  Morena  in  der  Provinz 
Huelva:  589—593. 

B.    Briefliche  Mittheilungen. 
Von  Kusel  und  A.  Knop:  593 — 595. 

C.    Verhandlungen  der  Gesellschaft. 
Vom  1.  Mai  bis  3.  Juli  1872:  595—603. 


2)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Wien.  8°. 
[Jb.  1872,  941.] 

1872,  XXII,  No.  4;  S.  331—400. 

Ferd.  v.  Hochstetter:  die  geologischen  Verhältnisse  des  östlichen  Theiles 
der  europäischen  Türkei;  mit  einer  geologischen  Karte  in  Farben- 
druck (XVI)  und  einer  Tafel  (XVII).    Zweite  Abtheilung:  331—389. 

Fr.  v.  Hauer  :  Geologische  Übersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie : 
389—400. 


3)    G.  Tschermak:  Mineralogische  Mittheilungen.    Wien.  8U. 
[Jb.  1872,  942.] 

1872,  Heft  4.    S.  199—265,  Tf.  VI. 
C.  W.  C.  Fuchs:  die  Insel  Ischia:  199—239. 

Franz  Babanek:  zur  Kenntniss  der  Minerale  von  Eule  in  Böhmen:  239 
—241. 

J.  Burkart:  über  den  Guadalcazarit:  241—245. 

M.  Webskv  :  über  die  Krystallform  des  Pucherit  von  Schneeberg  (Tf.  IV) : 
245—253. 

J.  Niedzwiedzki  :  Andesit  von  St.  Egidi  in  Süd-Steyermark :  253 — 257. 

Analysen  aus  dem  Laboratorium  von  E.  Ludwig:  257 — 263. 

Notizen.  Nachtrag  zur  Mittheilung  über  Staurolith  —  Mineral-Vorkom- 
men bei  Reichenau  —  Kupferschaum  von  Prein  —  die  Glimmerkugeln 
von  Hermannschlag  in  Mähren  —  Fundort  des  Milarits  —  Kupfer 
von  Graupen  in  Böhmen:  263 — 265. 


Jahrbuch  1873. 


12 


178 

4)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Wien. 
8°.    [Jb.  1873,  68.] 

1872,  No.  17.    (Sitzg.  am  17.  Dec.)    S.  339—358. 
Vorgänge  an  der  Anstalt:  339—340. 

Eingesendete  Mittheilungen. 

D.  Stur:  Pflanzen-Reste  von  Vrdnik  in  Syrmien:  340 — 341. 

—    —    Beiträge  zur  Kenntniss  der  Lias-Ablagerungen  von  Hollbach  und 
Neustadt  in  der  Gegend  von  Kronstadt  in  Siebenbürgen:  341 — 347. 
Vorträge. 

F.  Foetterle:  das  Vorkommen  von  Asphalt  am  Colle  della  Pece  bei  Pofi- 

Castro  in  Mittelitalien:  347 — 351. 

E.  v.  Mojsisovics  :  über  die  tektonischen  Verhältnisse  des  erzführenden 

Trias-Gebirges  zwischen  Drau  und  Gail:  351—353. 

C.  v.  Hauer:  Harzkohle  von  Johannesthal  in  Krain:  353  -354. 
Einsendungen  an  die  Bibliothek  u.  s.  w. :  354—358. 

1873,  No.  1.    (Sitzung  am  7.  Jan.).    S.  1—24. 

Eingesendete  Mittheilungen. 

D.  Stur:  Vorkommen  einer  Palmenfrucht-Hülle  (Lepidocaryojjftis  West- 
phaleni)  im  Kreide-Sandstein  der  Peruzer  Schichten  bei  Kaunitz  in 
Böhmen:  1—3. 

D.  Stur:  über  ein  neues  erst  kürzlich  entblösstes  Vorkommen  von  Basalt 
an  der  Station  Dassnitz  bei  Königsberg  in  Böhmen:  3 — 4. 
Vorträge. 

C.  Dölter:  Geologische  Notizen  aus  Südtyrol:  4 — 6. 

D.  Stur:  Beiträge  zur  genaueren  Deutung  der  Pflanzenreste  aus  dem  Salz- 

stock von  Wieliczka:  6 — 10. 
C.  v.  Hauer  :  die  Bausteine  aus  den  Brüchen  des  Freiherrn  Carl  v.  Sutt- 
ner  bei  Zoglsdorf  in  Niederösterreich:  10—13. 

G.  Stäche:  Notizen  über  das  Erdbeben  in  Wien  am  3.  Januar:  13 — 18. 
Einsendungen  u.  s.  w.:  18—24. 


5)    J.  C.  Poggendorff:  Annalen  der  Physik  und  Chemie.  Leipzig 

8°.    [Jb.  1873,  68.] 

1873,  No.  1,  CXLVII,  S.  1-176. 
J.  Roth  :  über  die  Temperatur-Beobachtungen  in  dem  Bohrloch  bei  Speren- 

berg  unweit  Berlin:  168—171. 


6)    H.  Kolbe:    Journal  für  practische  Chemie.     Leipzig.  8°. 
[Jb.  1873,  68.] 

1872,  VI,  No.  17—18,  S.  257—385. 
1872,  VI,  No.  19-20,  S.  386-480. 
E.  v.  Meyer:  Untersuchung  der  aus  einigen  Saarkohlen  stammenden  Gase: 
389—416. 


179 


7)  Verhandlungen  des  naturhistorischen  Vereins  der  Preus- 
sischen  Rheinlande  und  Westphalens.  Herausgegeben  von 
C.  A.  Andrae.    Bonn.    8°.    [Jb.  1873,  69.] 

1872,  XXIX,  1.  Abhandl.  S.  1-98.  Corr.-Bl.:  S.  1-47.  Sitz.-Ber. 
S.  1—80. 

Correspondenzblatt. 
Angelegenheiten  der  Gesellschaft:  1—98. 

Sitzungs-Berichte. 

Schaaffhausen  :  über  zwei  ältere  Funde  anthropologischer  Uberreste  aus 
der  Balver  Höhle:  18—21.  A.  v.  Lasaulx:  über  petrographische  Stu- 
dien an  den  vulkanischen  Gesteinen  der  Auvergne:  30—33.  G.  vom 
Rath:  über  Anorthit,  über  die  Zusammensetzung  des  Humit  von  Neu- 
kupferberg in  Schweden;  legt  mikroskopische  Präparate  des  Xantho- 
phyllit  vor;  über  den  1.  Bd.  der  Memorie  per  servire  alla  descrizione 
della  carta  geologica  d'Italia:  34 — 35;  de  Koninok:  über  Analysen 
einiger  belgischen  Mineralien:  42—43.  A.  v.  Lasaulx:  über  Gletscher- 
spuren imMontDore:  42 — 46.  Weiss:  Schluss  seiner  Flora  der  jüng- 
sten Steinkohlen-Formation  und  des  Rothliegenden;  über  eine  neue 
Steinkohlen-Pflanze,  Cingularia :  76 — 79. 


8)    Schriften  der  physikalisch-ökonomischen  Gesellschaft 
zu  Königsberg.    Zwölfter  Jahrgang.    Königsberg.  4°. 

1871.  1.— 2.  Abtheilung. 

Aug.  Müller:  über  drei  in  der  Prov.  Preussen  ausgegrabene  Bärenschädel 

(III  Tf.):  S.  1-23. 
Bericht  über  die  geognostische  Untersuchung  der  Provinz  Preussen. 
Dreizehnter  Jahrgang.    Erste  Abtheilung. 

1872.  S.  1—88. 


9)    Schriften  der  naturforschenden  Gesellschaft  in  Danzig. 
Neue  Folge.    Dritten  Bandes  erstes  Heft.    Danzig.  8°. 
1872.    S.  1—226. 
Kasiski:  das  Gräberfeld  der  Persanziger  Mühle:  1—32. 
A.  Menge:  über  eine  in  Bernstein  eingeschlossene  Mermis:  1—2. 


10)  Bulletin  de  la  Societe  g  eologique  de  France.  [2]   Paris.  8°. 

[Jb.  1873,  72.] 

1872,  No.  7,  XXIX,  p.  481—583. 
Tournouer:  über  mehrere  bei  Ferte-Aleps  aufgefundene  Zähne  von  Ver- 

tebraten:  481—484. 
Tournouer  :  über  einige  oligocäne  Conchylien  der  Gegend  von  Rennes  (Ille- 

et-Yilaine):  484. 

12* 


180 


A.  Garnier:  die  nummulitischen  Schichten  von  Branchai  und  Allons  (Bas- 

ses-Alpes):  484—492. 
Tournotter:  über  die  von  Garnier  gesammelten  tertiären  Fossilien  aus  den 

Basses-Alpes  (pl.  V— VII):  492—514. 
Hebert  und  Bayan  :  Bemerkungen  hiezu:  514  —  520. 
Tournotter:  Nachtrag  hiezu:  521—527. 

—  —    die  fossilen  Auriculiden  der  Faluns:  527—529. 

Alb.  Chapüis:  über  im  oberen  Mergel  aufgefundene  Gebeine:  529 — 530. 
Miinfer-Chalmas :  die  neuen  Gattungen  Bayanoteuthis  und  Belopterina: 
530-531. 

Tardy:  die  Hügel  von  Turin:  531—541. 

—  —    der  miocäne  Gletscher  des  Pariser  Beckens:  541  —  547. 

—  —    die  miocänen,  pliocänen  und  quartären  Perioden  in  Oberitalien: 
547-560. 

—  —    Theorie  der  Gletscher-Periode:  560—569. 

Jacquot:  der  nutzbare  Boden,  als  Antwort  auf  die  Notiz  von  Levallois 
über  geologische  und  agronomische  Karten:  569—583. 


11)  Comp t es  rendus  hebdomadaires  des  seances  de  VAcademie 

des  sciences.    Paris.    4°.    [Jb.  1873,  73.] 

1872,  9.  Dec.  —  30.  Dec;  No.  24—27;  LXXV,  p.  1565—1848. 
A.  Leymerie  :  über  eine  turonische  Colonie  in  der  Senon-Gruppe  von  Saint  - 

Martory  (Pyrenäen):  1642—1643. 
Daubree  :  über  einen  bei  Bandong  auf  der  Insel  Java  am  10.  Dec.  1871 

gefallenen  Meteoriten:  1676—1678. 
P.  Fischer:  über  einige  von  Pinart  von  Alaska  mitgebrachte  fossile  Reste: 

1784—1786. 

Chantre:  über  die  Fauna  des  Lehm  von  Saint-Germain  am  Mont  Dore 
und  über  die  quaternäre  Fauna  des  Rhone-Beckens  überhaupt:  1786 
-1788. 


12)  L'In  stitut.  I.  Seet.  Sciences  mathemätiques,  physiques  et  naturelles. 
Paris.    4°.    [Jb.  1873,  72.] 

1872,  20.  Nov.— 25.  Dec;  No.  1986—1991;  p.  369—416. 
Ch.  Grad:  die  Gletscher  im  Westen  der  Vereinigten  Staaten:  381—383. 
Sauvage:  über  die  Gattung  Steneosaurus :  396. 
Ducker:  über  fossile  Reste  von  Pikermi:  405—406. 

J.  Geikie  :  Wechsel  des  Klima's  während  der  Gletscher-Periode:  406-407. 


13)    E.  Dubrueil  et  E.  Heckel:  Revue  des  sciences  naturelles. 

Montpellier  et  Paris.  8°. 

1872,  tome  I.    No.  1.    Pg.  1—116. 
Bleicher:  Geologische  Studien  in  der  Gegend  von  Montpellier  (pl.  IV): 

63-74. 


181 


14)    The  London,  Edinburgh  a.  Dublin  Philosophical  Ma- 
gazine and  Journal  of  Science.    London.  8°.    [Jb.  1873,  74.] 
1872,  Novb.,  No.  294,  p.  321—400. 
1872,  Decb.,  No.  295,  p.  401—480. 
Hutton:  die  Hebungen  und  Senkungen  der  Erde:  401—414. 
Geologische  Gesellschaft.  Daintree:  über  die  Geologie  von  Queens- 
land: 474—476. 

1872,  Decb.  (Sappl.),  No.  296,  p.  481-548. 
Geologische  Gesellschaft.  Wrttnell:  über  Atolls;  Dakyns:  Glet- 
scher-Phänomene im  Hochland  von  Yorkshire;  Mackintosh:  Küsten- 
profil des  Geröllethons  von  Cheshire:  W.  Bleasdell:  neuere  Gletscher- 
Thätigkeit  in  Canada;  0.  Fisher:  Phosphat-Knollen  in  der  Kreide  von 
Cambridgeshire :  541  —  543 . 


15)  H.  Wood  ward,  J.  Morris  a.  R.  Etheridge:  The  Geological  Maga- 
zine.   London.    8°.    [Jb.  1873,  75.] 

1872,  Dec,  No.  102,  p.  529—576.  ' 
J.  Carter:  neue  Kruster  aus  dem  Grünsand  (pl.  XIII):  529—532. 
Scudder:  neue  Fliegen  von  Aix,  Provence:  532—533. 
Lapworth:  neue  Untersuchungen  über  die  schwarzen  Graptolithenschiefer 

im  s.  Schottland:  533—536. 
Allport:  mikroskopische  Structur  der  plutonischen  Gesteine  Arrans:  536 

—545. 

W.  Carpenter:  Temperatur  und  physische  Beschaffenheit  der  Inland-Seen: 
545—551. 

Notizen,  Miscellen  u.  s.  w.:  551—576. 

16)  B.  Silliman  a.  J.  D.  Dana:  the  American  Journal  of  science 
and  arts.    8°.   [Jb.  1873,  75.] 

1872,  December,  Vol.  IV,  No.  24,  p.  425—506. 
E.  W.  Hilgard:  Boden- Analysen  und  ihr  Nutzen:  434. 
J.  D.  Dana:  über  den  Quarzit,  Kalkstein  u.  s.  w.  in  der  Nähe  von  Great 

Barrington,  Berkshire  Co.,  Mass.:  450. 
J.  le  Conte:  Theorie  der  Bildung  grosser  Züge  der  Erdoberfläche:  460. 
Edw.  S.  Dana:  über  einen  Krystall  von  Andalusit,  von  Delaware,  Co.,  Pa. : 

473. 

C.  T.  Jackson  :  Analyse  des  Meteoreisens  von  Los  Angeles,  California :  495. 


Auszüge. 


A.    Mineralogie,  Krystallographie,  Mineralchemie. 

Fr.  Hessenberg:  Sphen  von  der  Eisbruckalp,  Tyrol.  (Minera- 
log.  Notizen,  No.  11,  1873,  S.  21.)  Der  ergiebige  Fundort  hat  in  letzter 
Zeit  wieder  schöne  Sphen-Krystalle  geliefert  und  zwar  Zwillinge  und  ein- 
fache auf  einer  Stufe  neben  einander.  Die  Zwillinge,  nach  dem  gewöhn- 
lichen Gesetze  verbunden,  zeigen  die  Combination:  OP  .  .  ooP  .  12P 
.  Poo  .  f  oo  .  y3?oo  .  — 2?2  .  73P4/3.  Unter  diesen  Formen  sind  zwei  sehr 
seltene,  nämlich  die  letztgenannte  und  '/oP.  Der  Habitus  der  Krystalle 
ist  tafelartig  durch  vorwaltende  Basis :  sie  gewähren  aber  einen  ungewöhn- 
lichen Anblick,  weil  das  eine  (obere)  Individuum  gegen  das  andere  sehr 
zurückgeblieben  ist.  Hessenberg  hat  die  Krystalle  wie  sie  sind  und  wie 
sie  eigentlich  sein  sollten,  dargestellt.  —  Sehr  merkwürdig  ist  nun,  dass 
die  mit  ihnen  vergesellschafteten  einfachen  Sphen-Krystalle,  obwohl  bei 
gleicher,  grasgrüner  Farbe  eine  bedeutende  Verschiedenheit  zeigen.  Sie 
erscheinen  in  der  Combination:  Poo  .  OP  .  5  „Poo  .  %£2  .  ,0/I7^19',  .  ooP 
.  foo  .  V34foo.  Offenbar  sind  sie  gleichzeitiger  Entstehung  mit  den  Zwil- 
lingen. —  Hessenberg  macht  noch  auf  die  interessante  Thatsache  aufmerk- 
sam, dass  es  ihm  gelang,  an  anderen  Sphenen  die  Flächen  des  Orthopina - 
koids  zu  beobachten,  d.  h.  diejenigen  Flächen,  welche  bei  der  von  ihm  an- 
genommenen Grundform  die  Kante  von  133°52'34"  des  Prismas  ooP  ab- 
stumpfen. —  Da  sich  in  letzter  Zeit  die  Zahl  der  bekannt  gewordenen 
Flächen  der  Species  Titanit  sehr  vermehrt  hat  und  ausserdem  von  den 
Autoren  verschiedene  Grundformen  adoptirt,  so  dürfte  den  Mineralogen 
die  neue  vervollständigte  Tabelle,  welche  Hessenberg  mittheilt,  sehr  will- 
kommen sein.  In  neben  einander  folgenden  Vertikalreihen  sind  die  Tita- 
nit-Flächen  verzeichnet. 

A.  In  NAUMANN'schen  Symbolen,  mit  C  —  94°37'38"  und  Orthodiag.  a; 
Klinod.  b;  Hauptaxe  c  —  2,341122  :  1  :  1,539438. 

B.  In  den  in  seinen  „Mineral.  Notizen"  gebrauchten  Buchstabenzeichen, 
die  für  die  älteren  Flächen  meist  schon  von  G.  Rose  eingeführt. 


183 


C.  In  WHEWELL-MiLLER'schen  Symbolen,  wobei  a  b  c  ~  h  k  1,  Grundform 
dieselbe  wie  in  A. 

D.  In  WEiss'schen  \xenschnittformeln  mit  Reduction  der  Hauptaxe  C 
auf  1. 

E.  In  DEscLoizEAux'schen  Symbolen,  wobei  als  Grunddimensionen  C  = 
60°  a  :  b  :  c  =  1,32508  :  1  :  1,32006. 

F.  In  denjenigen  NAUMANN'schen  Symbolen,  welche  der  DEscLoizEAux'schen 
Grundform  entsprechen. 

G.  In  NAUMANN'schen  Formeln  unter  Annahme  von  Danä's  Grundform, 
welche  man  aus  der  Grundform  von  Descloizeaux  erhält,  wenn  man 
die  von  letzterem  angenommene  Hauptaxe  halbirt;  daher  Dana's  Grund- 
dimensionen: C  -—  60°  17'  a  :  b  :  c  =  1,32508  :  1  :  0,566003. 

A.  Schrauf:  über  Beryll.  (Mineral.  Beobachtungen  IV.  S.  19—22.) 
Die  reichhaltige  Flächen-Tabelle  des  Beryll,  über  welchen  wir  bekanntlich 
Naumann,  v.  Kokscharow,  Fr.  Hessenberg,  G.  vom  Rath,  Descloizeaux  und 
d'AccHiARDi  interessante  Beobachtungen  verdanken,  hat  Schrauf  durch 
einige  neue  Formen  vermehrt.  Als  Grundform  adoptirt  er  die  von  v.  Kok- 
scharow angenommene,  bedient  sich  für  seine  Bezeichnung  der  älteren 
Buchstaben  Naumann's.  Die  von  Schrauf  beschriebenen  (und  abgebildeten) 
Krystalle  stammen  der  eine  wahrscheinlich  von  der  Takowaja,  andere  von 
Nertschinsk.   Die  neuen  Flächen  sind: 

2  .P,  5P,  12P2,  P:r2  und  24P{ ,. 

Die  vom  Beryll  bekannten  Flächen  belaufen  sich,  nach  der  von  Schrauf 
zusammengestellten  Tabelle,  auf  dreissig. 


M.  Websky:  über  die  Kry sta llf orme n  des  Pucherit  von 
Schneeberg.  (G.  Tschermak,  Mineral.  Mittheil.  4.  Heft,  S.  245—252, 
mit  1  Taf.)  Diese  neue  Species  wurde  von  Weisbach  entdeckt  und  von 
Frenzel  beschrieben  *.  Eine  eingehendere  krystallographische  Schilderung 
des  durch  seine  chemische  Zusammensetzung  merkwürdigen  Minerals 
—  BiVO+  schien  sehr  erwünscht.  Um  so  willkommener  ist  daher  die  vor- 
liegende, gründliche  Arbeit  Websky's.  Derselbe  erhielt  durch  Weisbach 
und  Brezina  eine  Anzahl  Krystalle  des  Pucherit,  welche  er  mit  bekannter 
Sorgfalt  einer  näheren  Untersuchung  unterwarf,  deren  Hauptresultate  fol- 
gende. Das  Krystall-System  des  Pucherit  ist  unzweifelhaft  orthorhombisch, 
wie  bereits  Frenzel  angab.  In  den  Combinationen  dominiren  das  Makro- 
doma  2Pöö,  die  Makropyramide  P2 ,  sowie  Brachy-  und  Makropinakoid. 
Es  ist  aber  die  von  Websky  gewählte  xiuf Stellung  eine  andere ,  als  die 
von  Frenzel.  Dem  geübten  Blick  Websky's  entging  nämlich  die  Ähnlich- 
keit, welche  die  Formen  des  Pucherit  mit  denen  des  Brookit 
zeigen  nicht,  wie  solches  aus  nachfolgender  Zusammenstellung  ersicht- 


*  Vergl.  Jahrb.  1872,  S.  97  u.  514. 


184 


lieh.  Unter  Zugrundelegung  der  von  N.  v.  Kokscharow  angenommenen 
Aufstellungsweise  des  Brookits,  jedoch  mit  der  Axen-Bezeichnung  nach  G. 
Rose  (d.  h.  a  =  halbe  Brachy diagonale,  b  =  halbe  Makrodiagonale,  c  — 
halbe  Hauptaxe),  führten  die  von  Websky  unternommenen  Abmessungen 
des  Pucherits  auf  das  Axen-Verhältniss  a  :  b  :  c  =  1,167843  :  1,065400  :  1, 
gegenüber  dem  von  N.  v.  Kokscharow  für  den  Brookit  festgestellten : 
a  :  b  :  c  =  0,89114  :  1,05889  :  1. 

Aufstellung  des  Pucherit  Aufstellung  des  Pucherit  analog  Brookit 

nach  Frenzel.  nach  N.  v.  Kokscharow. 

a:b:c=  a:b:c  = 

0,532700  :  1  :  2,335686  1,167843  :  1,065400  :  1. 

ooP  -  2Poc 

Pdb  =  VoPöb 

P2  =  P2 

OP  =  ooPoc 

ooPoö  —  ooPoö 

72Pöb  =  Pöb. 

In  besonderen  Tabellen  theilt  Websky  die  Resultate  seiner  Messungen 
und  Berechnungen  mit  und  macht  schliesslich  darauf  aufmerksam,  dass 
sich  die  Formen  des  Pucherit  und  Brookit  vergleichen  lassen,  wenn  man 
P  beim  Niobit  -  P2  beim  Brookit,  Pcfo  bei  Niobit  ~  '|  ,Po6  beim  Brookit, 
2Pcc  beim  Niobit  =  2Pöe>  beim  Brookit  parallelisirt.  Es  hat  nämlich 
P  beim  Niobit:  Endkanten  151°  0'  u.  104°10' 
P2  beim  Pucherit:  145°20'  u.  98°25' 

beim  Brookit:  135°37'  u.  101°  3'. 

Setzt  man  beim  Niobit  die  Axenschnitte  (2a  :  b  :  c)  analog  P2  beim 
Brookit,  so  ist  das  Verhältniss  der  Axen-Einheiten 
a  :  b  :  c 

1,47574  :  1,21598  :  1  am  Niobit  gegen 
1,6784  :  1,06540  :  1  am  Pucherit 
0,89114  :  1,05889  :  1  am  Brookit. 


Arzruni:  über  den  Cölestin  von  Rüdersdorf  und  Mokka- 
tam.  (Zeitschr.  d.  Deutsch,  geolog.  Gesellsch.  1872,  XXIV,  3.  S.  477-483, 
1  Tf.)  1)  Der  Cölestin  von  Rüdersdorf  kommt  im  blauen,  dichten 
Muschelkalk  vor,  auf  Klüften  und  in  Drusen,  mit  Kalkspath,  Octaedern 
von  Eisenkies  und  mit  Markasit.  Die  Farbe  ist  blaulich,  röthlich  bis 
bräunlich;  doch  gibt  es  auch  farblose  und  sogar  verschieden  gefärbte, 
deren  Hülle  blaulich ,  deren  Kern  röthlich  oder  braunlich.  Die  Krystalle 
lassen  zwei  Typen  unterscheiden.  Der  eine  ist  durch  das  Vorwalten  von 
OP  mehr  tafelartig,  der  andere  mehr  pyramidal.  Arzrüni  beobachtete 
folgende  Flächen:  OP,  glatt,  zuweilen  nach  der  Makrodiagonale  gereift; 
Pöb  meist  glatt;  1 2Poö  glatt  oder  schwach  nach  der  Makrodiagonale  ge- 
reift;  ooP  gewöhnlich  glatt;  P2  tritt  bei  den  meisten  Krystallen  auf,  wäh- 


185 


rend  P  selten  allein  erscheint,  fast  immer  mit  P2  zusammen.  —  Seltener 
sind  die  Flächen  ooP2,  1  ,Pöö,  Valfac)»  ocPöö  und  endlich  die  für  den  Cö- 
lestin  neue  Form :  2P.  —  Arzrüni  führte  zahlreiche  Messungen  aus ;  er 
fand  für  ooP  =  104°10',  für  J/.2Poö  =  101°23'  und  gibt  das  Axenverhält- 
niss:  a  :  b  :  c  =  0,77895  :  1  :  1,27530.  2)  Cölestin  von  Mokkatam. 
Obwohl  das  Vorkommen  des  Cölestins  in  Egypten  bereits  erwähnt  wurde  *, 
ist  über  die  Krystalle  bisher  nichts  bekannt  gewesen.  Dieselben  sind  meist 
nach  der  Brachydiagonale  gestreckt  und  erreichen  zuweilen  3  Zoll  Länge 
bei  1  Zoll  Breite.  Sie  haben  eine  schöne  hellgelbe  Farbe.  Arzrüni  be- 
obachtete folgende  Formen:  OP,  ooP,  1  ,Poo,  l/4Pc£),  PJb,  P2  (klein),  führte 
mehrere  Messungen  aus  und  fand  unter  andern  für  ouP  104°2! ,  für 
Pöb  =  104°11/.  Für  den  Mokkatamer  Cölestin  berechnet  sich  das  Axen- 
verhältniss  zu:  a  :  b  :  c  ==  0,78244  :  1  :  1,28415. 


Arzrüni:  über  denEinfluss  isomorpher  Beimengungen  auf 
die  Krystallgestalt  des  Cölestins.  (A.  a.  0.  S.  484—492.)  Die 
bisherige  Ansicht,  welche  besonders  Auerbach**  in  seiner  werthvollen 
Monographie  des  Cölestins  näher  bespricht :  dass  ein  gewisser  Barytgehalt 
auf  die  Winkel  des  Cölestins  Einfluss  ausübe,  erwies  sich  als  unbegründet. 
Arzrüni  macht  zunächst  darauf  aufmerksam,  dass  ein  Theil  der  Analysen 
des  Cölestins  entweder  aus  älterer  Zeit  stammen,  oder  dass  solche  an 
faserigen  Abänderungen  des  Minerals  angestellt  wurden.  Arzrüni  führte, 
um  über  die  Frage  zu  entscheiden,  Analysen  von  sechs  von  ihm,  Websky 
und  Auerbach  gemessener  Cölestine  aus,,  nämlich  von: 


Fundort 

Sr 

,  Ca 

S. 

Rüdersdorf  . 

.  52,685 

46,7 15 

0,239 

99,639 

Girgenti    .  . 

.  52,542 

46,842 

0,472 

99,856 

Bristol  .    .  . 

.  52,609 

47/206 

0,071 

99,886 

Mokkatam 

.  52,566 

47,230 

0,269 

100,065 

Pschow      .  . 

.  5?,343 

47,426 

0,247 

1011,016 

Erie-See    .  . 

.  52,770 

46,9'26 

*0, 157 

99,853. 

Demnach  bedingt  der  Calcium-Gehalt  die  Verschiedenheit  der  Krystall- 
gestalt und  die  Abweichungen  der  Winkel  von  ihrem  normalen  Werthe. 
Es  kommen  hiebei  aber  noch  zwei  Fragen  in  Betracht.  Die  erste  ist  das 
Calcium,  als  Calciumsulphat,  dem  Strontiumsulpliat  für  isomorph  zu  halten  ? 
Weil  das  Calciumsulphat  in  veränderlichen  Verhältnissen  das  Strontium- 
sulpliat ersetzt,  glaubt  Arzrüni  einen  Isomorphismus  des  Anhydrit  mit 
Cölestin  nicht  ganz  in  Abrede  stellen  zu  dürfen  mit  Rücksicht  auf  die  an 
den  Andreasberger  Anhydrit-Krystallen  beobachteten  Formen.  Die  zweite 
Frage  lautet:  lässt  sich  ein  einfaches  Gesetz  über  die  Beziehungen  der 
Menge  des  Calcium  zu  der  Zu-  oder  Abnahme  des  Winkels  anführen? 
Stellt  man  die  Axen- Verhältnisse  der  verschiedenen  Cölestine  und  ihren 
Calcium-Gehalt  zusammen,  wie  folgt: 


*  Vergl.  Jahrb.  1870,  S.  104. 
**  Jahrb.  1870,  S.  349. 


186 


Fundort.  Axen-Verhältnits.  C.ileium-Gehalt 

a     :  b  :       c  in  p.Ct. 

Erie-See  ....  0,76964  :  I  :  l,2550f»  0,157 
Rüdersdorf  .    .    .    0,77895  :  I     1,27510  0,239 


Siciiien    ....  0,78035  !  I  1,^8236  0,472 

Dornburg    .    .    .  0,78082  :  1  1,28311  — 

Bristol     ....  0,78165  :  I  1,28468  0,071 

Mokkatain    .    .    .  0,78244  :  l  1,28415  (1,269 

Pschow    ....  0,78700  :  1  1,28300  0/247. 


Demnach  ergibt  es  sich :  dass  kein  einfaches  Gesetz  zwischen  Calcium- 
Gehalt  und  Winkel-Änderung  besteht.  Groth  machte  schon  früher  darauf 
aufmerksam,  dass  die  Wirkung  der  Beimischung  eines  gewissen  Antheils 
einer  isomorphen  Verbindung  sich  in  den  drei  irrationalen  Axen  nicht 
proportional,  in  complicirterer,  anscheinend  unregelmässiger  Weise  äussert. 
—  Arzruni  gibt  am  Scliluss  seiner  trefflichen  Arbeit  noch  die  von  ihm 
befolgte  analytische  Methode  an. 


Fr.  Hessenberg:  Axinit  von  Bo  tallack  in  Cornwall.  (Minera- 
logische Notizen.  No.  11.  1873.  S.  30—35.)  Der  Axinit  hat  in  den  letz- 
ten Jahren  mehrere  ausgezeichnete  Mineralogen,  wie  G.  vom  Rath,  Schrauf 
und  Websky  beschäftigt.  Auch  Hessenberg  bringt  einige  neue  Beobach- 
tungen über  Axinit  aus  Cornwall,  reiht  aber  daran  noch  sehr  Mächtige 
Betrachtungen  über  die  Formen  und  Aufstellung  dieses  Minerals.  Für  die 
Bezeichnung  der  Flächen  seiner  Figuren  bedient  er  sich  der  schon  von 
Haut  und  Neumann  gebrauchten  Buchstaben.  Es  gelang  Hessenberg,  zwei 
neue  Formen  aufzufinden.  Das  Symbol  der  einen  ist,  wenn  man  die  Auf- 
stellung von  G.  vom  Rate  adoptirt  =  9P'9,  während  dieselbe  bei  der  von 
Schrauf  vorgeschlagenen  Grundform  das  Symbol  =  ooP'3  wird.  Die  zweite 
neue  Form  erhält  im  ersten  der  genannten  Fälle  das  Symbol  3/2P:77,  im 
zweiten  =  1  .,'P.  Zum  richtigen  Verständniss  dieser  Symbole  sei  daran 
erinnert*,  dass  die  drei  beim  Axinit  gewöhnlich  dominirenden  Flächen: 
p,  r,  u 

p  =  OP  bei  Schrauf  —  2,P,öo  bei  G.  vom  Rath. 

*  =    /p    »        »       —  °o'P      »  k 

u  ==  P'  „  „  ==  ooP' 
Hessenberg  theilt  Websky's  Meinung:  dass  Zeichnungen  nach  G.  vom 
Rath's  Aufstellung  gegenüber  der  ScHRAUF'schen  den  Vorzug  einer  leich- 
teren Verständlichkeit  und  Vergleichbarkeit  mit  dem  natürlichen  Aussehen 
der  meisten  Axinit-Krystalle  besitzen,  hält  aber  andererseits  eine  Einfach- 
heit in  den  Axenschnitten ,  wie  sie  durch  Schrauf's  Grundform  gewonnen 
ist,  für  einen  wesentlich  mit  zu  erstrebenden  Vortheil,  sowohl  in  theore- 
tischer wie  in  praktischer  Beziehung.  Es  lassen  sich  aber  —  so  bemerkt 
Hessenberg  —  beide  Vortheile  vereinigen :  die  zweckmässige  Stellung  der 

*  Vergl.  A.  SCHRAUF:  Axinit  und  Sphen.    Jahrb.  1871,  S.  410. 


187 


Axinit-Krystalle  mit  der  breiten  Seite  dem  Beschauer  unverkürzt  zuge- 
wendet in  vom  Rath's  Zeichnungen  und  die  grösste  Einfachheit  der  Zeich- 
nungen. Man  erreicht  dies,  wenn  man  die  Sohra üF'schen  Parameter  an 
und  für  sich  beibehält  und  nur  ihre  Bedeutung  als  Axen,  also  ihre  Auf- 
stellung wechselt.  Nimmt  man  nämlich  Schrauf's  Makrodiagonale  b  als 
Hauptaxe  c,  so  wird  dessen  Brachydiagonale  a  zur  Makrodiagonale  b  und 
dessen  Hauptaxe  c  zur  Brachydiagonale  a.  Das  Ergebniss  dieses  Ver- 
fahrens ist  eine  Signatur  von  gleicher  Einfachheit  wie  die  von  Schrauf 
selbst  eingeführte,  dabei  aber  eine  Richtung  der  neuen  Axen,  welche  mit 
der  Aufstellung  des  Axinits  bei  vom  Rath  stimmt,  dabei  aber  gestattet, 
dessen  Zeichnungen  unverändert  beizubehalten.  In  Folge  einer  solchen 
Axen-Stellung  haben  die  von  Schrauf  gerechneten  Grunddimensionen  nur 
folgende  veränderte  Beziehungen  zu  erhalten.  Brachydiagonale  :  Makro- 
diagonale :  Hauptaxe  -  0,86415  :  1  :  1,15542.  —  Nach  dieser  Aufstellung 
gibt  Hessenberg  nun  ein  vollständiges  Verzeichniss  der  beim  Axinit  bis 
jetzt  beobachteten  Flächen,  mit  den  vergleichenden  Symbolen  von  Naumann, 
Weiss,  Miller  und  den  von  verschiedenen  Autoren  gebrauchten  Buch- 
staben. Die  Zahl  der  bekannten  Flächen  belauft  sich  auf  42.  An  den 
zum  grösseren  Theil  schon  von  Hauy  und  Neumann  herrührenden  Buch- 
staben-Bezeichnung G.  vom  Rath's  hat  Hessenberg  trotz  des  Wechsels  der 
Grundform  nichts  geändert.  Sehr  richtig  und  treffend  bemerkt  Hessenberg 
—  und  möchten  doch  alle  Mineralogen  seine  Worte  beach- 
ten — :  wie  bequem  und  vorteilhaft  der  Gebrauch  von  Buchstaben  des 
Alphabets,  ohne  symbolische  Bedeutung  zur  Bezeichnung  für  concrete  Flä- 
chen concreter  Mineralien  ist,  hat  wohl  Jeder  selbst  erfahren.  Wenn  man 
diese  Buchstaben  einfach  empirisch,  conventioneil  ohne  alle  symbolische 
Nebenbedeutung,  dabei  aber  unabänderlich  verwendet,  ist  dieses 
Verfahren  der  neutrale  Boden,  das  gemeinschaftliche  Mittel 
gegenseitigen  Verstehens  zwischen  allen  Denen,  welche  ausserdem 
im  Gebrauche  verschiedenartiger  Symbolik  und  verschiedenartiger  Grund- 
formen auseinander  gehen.  Man  verliert  aber  diesen  Vortheil,  sobald  man 
den  Buchstaben  die  Bedeutung  von  Symbolen  unterlegt,  indem  man  ein- 
zelne unter  ihnen,  z.  B.  a,  b,  c,  m,  n,  o  systematisch  auf  bestimmte  Flä- 
chenarten der  Krystall-Systeme  bezieht.  Scheint  es  nun  einen  eigenen 
Reiz  zu  haben,  für  dieses  oder  jenes  Mineral  eine  neue  Grundform  auf- 
zusuchen, und  glaubt  nun  Jeder  in  diesem  Falle  sein  neues  Hauptprisma 
mit  m,  seine  basische  Fläche  mit  c  bezeichnen  zu  müssen,  so  geräth  die 
ganze  bisher  zur  Vorstellung  und  zum  Gemeingut  gewordene  Buchstaben- 
sprache in  Verwirrung;  ein  Theil  wird  vertauscht,  ein  anderer  belassen 
und  dabei  die  Discussion  auf's  Bedauerlichste  erschwert.  Es  scheint  dess- 
halb  räthlich,  auch  bei  jedem  Vorschlag  einer  neuen  Grundform  oder  jeder 
gewechselten  Aufstellung  doch  immer  den  Flächenarten  die  altgewohnten 
nicht  symbolischen,  sondern  empirisch  eingebürgerten  Buchstaben  zu  be- 
lassen. 


188 


G.  vom  Rath:  über  einige  L  eucit-Aus würfling e  vom  Vesuv. 
(Poggendorff  Ann.  CXLVII ,  S.  263-272.)  Der  Leucit  bildet  nicht  nur 
die  Laven,  sondern  erscheint  auch  in  Auswürflingen  der  Somma  und  zwar 
theils  in  Kalk-Blöcken,  theils  in  Sanidin-Aggregaten.  Für  den  ersten  die- 
ser Fälle  führt  uns  G.  vom  Rath  ein  denkwürdiges  Beispiel  an.  Ein  etwa 
10  Ctm.  grosses  Kalkstück,  in  dessen  hellgrauer  Grundmasse  Körner  von 
Kalkspath,  kleine  Octaeder  von  Spinell  und  Periklas  hervorragen,  enthält 
viele  rundliche  Hohlränme,  welche  Leucite  einschliessen,  und  zwar  fest- 
gewachsen oder  ringsum  frei.  Diese  Leucite  sind  höchst  auffallend  durch 
eine  weisse,  strahlige  Rinde,  die  aus  kleinen  Prismen  besteht  und  die  bis 
2  Mm.  Dicke  erreicht.  G.  vom  Rath  führte,  soweit  es  das  spärliche  Ma- 
terial gestattete,  eine  Analyse  der  weissen,  strahligen  Rinde  aus,  deren 


Gew.  ==  2,608. 

Kieselsäure    ....  .41,1 

Thonerde  34,5 

Kalkerde  5,6 

Magnesia  0,7 

Verlust  (Alkalien)  .    .    .    .  18,1 
100,0. 


Diese  Analyse  zeigt,  dass  die  strahlige,  seidenglänzende  Hülle  Davyn 
oder  Cavolinit  ist.  Das  kalkige  Muttergestein  der  von  Davyn  bedeck- 
ten Leucite  wurde  ebenfalls  näher  untersucht.  Dasselbe  besteht  aus  60,7% 
in  Essigsäure  löslichen  und  39,3%  unlöslichen  Theilen.  Der  erstere  er- 
wies sich  als  eine  Verbindung  von  86,5  kohlensaurem  Kalk  mit  13,5  koh- 
lensaurer Magnesia.  Die  in  Essigsäure  unlöslichen  Bestandtheile  zeigten 
sich  unter  dem  Mikroskop  als  ein  Gemenge  farbloser  Theile :  Quarzsand, 
grüne  Oktaeder  von  Periklas,  schwarze  von  Spinell,  etwas  Magneteisen. 
Die  Analyse  ergab: 


Magneteisen   0,5 

Kieselsäure   38,6 

Thonerde   10,7 

Magnesia   43,1 

Eisenoxydul   8,3 


101,2. 

Die  Thonerde  ist  verbunden  mit  Magnesia  und  Eisenoxydul  als  Spi- 
nell, die  überwiegende  Menge  der  Magnesia  bildet  mit  etwas  Eisenoxydul 
den  Periklas,  während  die  Kieselsäure  wohl  unverbunden  vorhanden.  — 
In  einem  anderen  Beispiele  bildet  die  Kalkmasse  eine  bis  4  Ctm.  dicke 
Schale  um  einen  birnförmigen,  6  Ctm.  langen  Kern  von  Leucit.  Die  Leu- 
cit-Substanz  ist  reichlich  von  schwarzem  Augit  durchwachsen.  Im  Innern 
befindet  sich  ein  mit  Krystallen  von  Augit  und  Leucit  ausgekleideter  Hohl- 
raum. Auf  der  Grenze  zwischen  Kalkhülle  und  Leucit-Kern  finden  sich 
viele  Granat-Krystalle.  Der  Leucit-Kern  wird  von  einer  radialfaserigen 
Zone  umgeben,  deren  Strahlen  um  so  reiner,  je  näher  sie  dem  Leucit, 
während  sie  nach  aussen  sich  in  den  Kalk  verlaufen.  Die  Farbe  dieser 
Fasern  ist  grünlich,  ihr  spec.  Gew.  —  2,703,  ihre  Zusammensetzung: 


189 


Kieselsäure  .  .  . 
Tlionerde  .  .  . 
Eisenoxydul  .  . 
Kalk  .  .  .  . 
Magnesia  .  .  . 
Verlust  (Alkalien) 


3S,f> 
18,4 
4,2 
•2,8 
24,7 

n, a 

100,0. 


Das  faserige  Mineral,  welches  als  Contact-Bildung  zwischen  der  Kalk- 
schale und  dem  Leucit  erscheint,  dürfte  als  Biotit  zu  betrachten  sein. 
Jedenfalls  bietet  die  Verbindung  des  Leucits  mit  dem  Kalk  viel  Räthsel- 
haftes.  Als  eigentliches  Muttergestein  des  Leucits  kann  man  den  Kalk 
wohl  nicht  betrachten.  —  Ein  Sanidin-Gestein  des  Vesuv  enthält  viele  5 
bis  20  Mm.  grosse  Leucite,  an  denen  als  Merkwürdigkeit  ihre  Umhüllung 
mit  Sanidin  auffällt.  Die  Grundmasse  des  Gesteins  stellt  ein  feinkörniges 
Gemenge  dar  von  vorwaltendem  Sanidin,  schwarzer  Hornblende,  braunem 
Granat  und  wenig  Magneteisen.  Die  Leucite  sind  weiss  und  mit  einer 
feinen  Hülle  kleiner,  aber  scharf  ausgebildeter  Sanidine  bekleidet.  Bricht 
man  einen  Leucit  aus  dem  Gestein  heraus,  so  bleibt  der  grössere  Theil 
der  Sanidin-Hülle  als  eine  Druse  mit  zierlichen  Krystallen  zurück.  Diese 
kleinen  Sanidine  sind  fest  mit  der  Gesteinsmasse  verwachsen,  und  eine 
reinere  Ausscheidung  aus  der  Grundmasse.  Doch  auch  die  herausgelösten 
Leucite  sind  mit  feinen  Sanidinen  bedeckt.  Genaue  Betrachtung  mit  der 
Lupe  lehrt,  dass  die  Sanidine  fest  auf  der  Leucitmasse  aufgewachsen  sind 
und  dass  die  letztere  an  ihrer  Oberfläche  in  zahllosen  kleinen  Krystallen 
ausgebildet  ist,  die  eine  nahezu  parallele  Stellung  besitzen.  Diese  höch- 
stens 1  Mm.  grossen  Leucit-Krystalle  sind  trefflich  ausgebildet  und  zeigen 
die  charakteristischen  Zwillings-Streifen.  In  einem  mikroskopischen  Dünn- 
schliffe, der  Leucit,  seine  Umhüllung  und  die  Grundmasse  durchschneidet, 
sieht  man  überall  Leucit  und  Sanidin  scharf  geschieden.  Zur  Erklärung 
dieses  merkwürdigen  Vorkommens  bemerkt  G.  vom  Rath:  die  gerundeten 
grossen  Leucit-Krystalle  hatten,  als  sie  sich  zu  bilden  begannen,  eine  von 
der  typischen  etwas  abweichende  Mischung,  etwa  55,96°/0  Kieselsäure,  23,0 
Thonerde,  21,04  Kali.  Diese  geringe  Abweichung  von  der  Normal-Mi- 
schung bot  in  chemischer  Hinsicht  die  Möglichkeit,  dass  sich  l/io  Sanidin 
und  9/]o  Leucit  bildeten;  denn  eine  in  diesem  Verhältniss  stehende  Mi- 
schung würde  die  genannte  Zusammensetzung  zeigen.  Es  spaltete  sich 
demnach  die  im  Vergleich  zur  normalen  Leucit-Mischung  etwas  zu  kiesel- 
säurereiche Substanz  in  9,io  Leucit  und  '/io  Sanidin,  ein  Verhältniss,  wie 
es  annähernd  bei  den  Sanidin-umrandeten  Leucit-Körnern  zutreffen  mag. 
Der  durch  seine  Sanidin-Schale  ausgezeichnete  Leucit  besitzt  eine  normale 
Mischung,  wie  nachfolgende  Analyse  zeigt.   Spec.  Gew.  ~  2,468. 


Thonerde 
Kalkerde 
Kali  .  . 
Natron  . 


Kieselsäure 


55,58 
23,38 

0,26 
19.53 

1,50 


00,25. 


190 


Einmal  aufmerksam  auf  jene  Umrandung  der  Leucite  durch  Sanidin 
wird  man  dieselbe  Erscheinung,  wenn  auch  nicht  immer  in  so  ausgezeich- 
neter Weise,  in  manchen  ähnlich  zusammengesetzten  Blöcken  wieder  finden. 


Max  Bauer:  Hemimorphismus  beim  Kalkspat h.  (Zeitschrift 
d.  Deutsch,  geolog.  Gesellsch.  1872,  397 — 400.)  Hemimorph  ausgebildete 
Krystalle  waren  bisher  vom  Kalkspath  nicht  bekannt.  Der  beschriebene 
stammt  von  Andreasberg,  ist  von  säulenförmigem  Habitus,  indem  das  erste 
Prisma  vorwaltend  in  Combination  mit  dem  zweiten  auftritt.  An  dem  einen 
Ende  ist  nur  die  basische  Fläche  vorhanden  mit  der  für  die  Andreasber- 
ger  Krystalle  charakteristischen  milchweissen  Färbung.  Am  anderen  Ende 
erscheinen  die  Flächen  des  Stammrhomboeders,  sehr  untergeordnet  die  des 
zweitspitzen  Rhomboeders  und  eines  Skalenoeders  und  die  basische  Fläche. 
Das  Skalenoeder  ist  ein  neues:  —  S9/mR1$/9.  —  Da  hemimorphe  Krystalle 
die  Eigenschaft  der  Pyroelectricität  zu  zeigen  pflegen,  so  wurde  der  Kalk- 
spath in  dieser  Beziehung  von  Max  Bauer  untersucht ;  es  ergab  sich  aber 
keine  Spur  von  Pyroelectricität. 


K.  Vrba:  Tridymit  als  Einschluss  in  B ergkrystall.  (Lotos, 
Dec.-Nr.  1872.)  Unter  den  mannigfachen  Vorkommnissen  des  Tridymit 
dürfte  unstreitig  das  als  Einschluss  in  Bergkrystall  eines  der  merkwürdig- 
sten sein.  Vrba  beobachtete  solches  in  einer  senkrecht  zur  Axe  geschnit- 
tenen Bergkrystall-Platte  der  Prager  Universitäts-Sammlung  von  unbekann- 
tem Fundort.  Die  Quarzplatte  hat  die  Form  eines  Trapezes,  dessen  längste 
Seite  5,6  Ctm.,  die  kürzere  Parallelseite  2,3  Ctm.  und  die  Höhe  3,8  Ctm. 
beträgt,  ist  vollkommen  rein  und  wasserklar,  nur  gegen  die  längste  Kante 
zu  wird  dieselbe  von  drei  grösseren  und  mehreren  kleineren  Klüften  durch- 
setzt, die  in  kleinen  Entfernungen  von  einander  parallel  den  Rhomboeder- 
Flächen  verlaufen  und  die  schalige  Bildung  des  Krystalls  markiren.  Es 
sind  nun  die  drei  grossen  Kluftflächen  mit  mikroskopischen  Kryställcben 
von  Tridymit  so  dicht  besetzt,  die  einzelnen  Quarzschalen  aber  durch  ein- 
gestreute Flöckchen,  deren  Menge  gegen  die  Mitte  der  Schale  hin  ab- 
nimmt, getrübt.  Betrachtet  man  eine  solche  trübe  Stelle  unter  dem  Mi- 
kroskop, so  löst  sich  dieselbe  schon  bei  120maliger  Vergrösserung  in  ein 
zierliches  Aggregat  von  Tridymit-Täfelchen  auf.  Diese  sehr  kleinen,  0,15 
Mm.  nur  selten  überschreitenden,  sehr  scharf  contourirten ,  sechsseitigen 
Täfelchen  lassen  die  Prismenflächen,  die  basische  Fläche  und  bei  stärkerer 
Vergrösserung  die  Flächen  einer,  die  Combinations-Kanten  beider  Formen 
abstumpfenden  Pyramide  erkennen.  Neben  den  zierlichsten  dachziegel- 
artigen Grruppirungen  kommen  wirteiförmig  sich  durchkreuzende,  keilför- 
mig gestaltete  Individuen  vor,  ohne  Zweifel  Zwillinge.  —  Da  die  Tridymit- 
Kryställchen  nur  den  schalenförmigen  Theil  der  Platte  erfüllen,  an  den 
Klüften  so  dicht  gehäuft  sind,  dass  diese  fast  undurchsichtig,  während  ihre 
Menge  gegen  das  Innere  der  Schale  hin  abnimmt,  so  ist  es  klar,  dass  die 


191 


Bedingungen,  unter  welchen  der  Absatz  von  Tridymit-Kryställchen  und 
Quarz  erfolgte,  alternirend  eintraten. 


Pisani:  über  Si lberaraalga m  v on  Kongsberg.  (Comptßs  rendus, 
LXXV,  No.  21,  p.  1274—1275.)  Pisani  erhielt  unlängst  schöne  Silber- 
Krystalle,  welche  im  J.  1871  zu  Kongsberg  gefunden  wurden.  Der  grös- 
sere derselben  zeigt  vorwaltendes  Hexaeder  mit  Octaeder  und  erreicht  fast 
1  Ctm.  Er  ist  von  matter  silberweisser  Farbe.  Ein  kleinerer  Krystall 
neigt  sich  in  seiner  Farbe  mehr  in's  Gelbliche.  Sowohl  von  dem  grösseren 
(1)  wie  von  dem  kleineren  (2)  führte  Pisani  Analysen  aus;  das  Mittel  aus 
beiden  ergab  (3): 

1.  2.  3. 

Silber  ....  95,'>6  94,94  95,10 
Quecksilber  .    .    .     4,74        5,06  4,90. 

Hiernach  die  Formel  AgigHg. 

Von  einem  schon  längere  Zeit  in  seiner  Sammlung  befindlichen  Silber 
von  Kongsberg  im  Cubooctaeder  krystallisirt  ergab  die  Analyse  Pisani's: 
86,3  Silber  und  13,7  Quecksilber.  Es  scheinen  demnach  zu  Kongsberg 
zwei  Amalgame  des  Silbers  vorzukommen,  von  denen  die  eine,  reicher  an 
Quecksilber,  dem  Arquerit  entspricht,  die  andere  ärmer  an  Quecksilber  ist 
und  vielleicht  eine  neue  Species  darstellt,  für  welche  Pisani  den  Namen 
Kongsbergit  vorschlägt. 


G.  Laube:  arseniksäurehaltiger  Uranglimmer  (Zeunerit) 
von  Joachimsthal.  (Lotos,  XXII,  1872,  S.  210.)  Die  von  Weisbach 
ausgesprochene  Vermuthung  * :  dass  unter  dem  Kupferuranglimmer  (Chal- 
kolith)  auch  anderwärts  Zeunerit  versteckt  sein  möge,  fand  G.  Laube  durch 
ein  Vorkommen  von  der  Geisterhalde  bei  Joachimsthal  bestätigt.  Er  er- 
hielt Krystalle  von  Uranglimmer  von  seltener  Schönheit  in  der  Form  OP 
.  P  .  ooP,  mit  basischer  Spaltbarkeit,  smaragdgrün.  Eine  annähernde  Un- 
tersuchung durch  Gintl  ergab  in  denselben  Uranoxyd,  Kupferoxyd,  Ar- 
seniksäure, Wasser,  also  die  Zusammensetzung  des  Zeunerit  wie  sie  C. 
Winkler  ermittelte. 


G.  Tschermak:  die  Glimmerkugeln  von  Hermannschlag  in 
Mähren.  (Mineral.  Mittheil.  1872,  4.  Heft,  S.  264—265.)  Die  Glimmer- 
kugeln haben  zwischen  2,5  und  7,5  Ctm.  als  grössten  Durchmesser  und 
erscheinen  immer  etwas  abgeflacht.  Die  äusserste  Rinde  besteht  aus  Bio- 
tit-Blättchen ,  die  normal  gegen  den  Radius  des  Knollens  gestellt  sind. 
Der  Biotit  hat  einen  optischen  Axenwinkel  von  etwa  12°  und  dunkelbraune, 
im  verwitterten  Zustande  fast  messinggelbe  Farbe.  Unter  der  Biotit-Schichte 
findet  sich  eine  höchstens  1  Ctm.  dicke  concentrische  Lage  eines  grünlich- 

*  Vergl.  Jahrb.  1872,  Ö.  206. 


192 


weissen  faserigen  Minerals,  dessen  Fasern  den  Radien  des  Knollens  pa- 
rallel laufen.  Das  Mineral  ist  Anthophyllit ,  welcher  Spaltbarkeit  nach 
einem  Prisma  von  55°,  ferner  nach  der  Querfläche  zeigt.  Blättchen  pa- 
rallel der  genannten  Fläche  zeigen,  dass  eine  negative  Mittellinie  senk- 
recht auf  eben  dieser  Fläche  steht  und  dass  der  scheinbare  Axenwinkel 
bezüglich  der  Mittellinie  grösser  als  90°  sei.  Die  Ebene  der  optischen 
Axen  ist  parallel  den  Spaltungskanten  und  senkrecht  auf  der  Querfläche. 
In  der  Löthrohr-Flamme  schmilzt  das  Mineral  nicht.  Die  qualitative  Un- 
tersuchung gab  vorwaltend  Kieselsäure  und  Magnesia,  ferner  Eisen  und 
wenig  Thonerde.  Unterhalb  der  Anthophyllit-Schicht  liegt  der  Kern,  der 
wieder  aus  Biotit-Blättchen  besteht,  die  in  der  äussersten  Lage  ungefähr 
normal  gegen  die  liadien  des  Kernes  gestellt  sind.  Dieser  Biotit  gleicht 
völlig  jenem  der  Rinde,  hat  im  frischen  Zustande  tiefbraune  Farbe,  aber 
der  Axenwinkel  ist  kleiner,  bis  zu  5°.  Die  Zusammensetzung  dieses  Bio- 
tits  dürfte  demnach  eine  etwas  andere  sein  als  die  des  äusseren.  Zwi- 
schen der  Anthophyllit-Schicht  und  dem  Biotit-Kern  lagert  zuweilen  eine 
seladongrüne  Schichte,  welche  sich  wie  ein  Gemenge  von  Talk  und  Chlorit 
verhält,  und  da  die  Reste  der  Spaltbarkeit  auf  einen  Diallagit  schliessen 
lassen,  so  ist  wohl  das  Zersetzungs-Product  eines  solchen  Minerals  vor- 
handen. In  der  vollständigen  Ausbildung  der  genannten  Knollen  hat  man 
also  drei  concentrisch  gelagerte  Schichten  und  einen  Kern,  also  von  aus- 
sen nach  innen :  Biotit ,  Anthophyllit ,  Talk ,  Biotit.  Dass  hier  eine  Um- 
wandlung vorliegt  und  dass  die  verschiedenen  Mineralien  aus  der  Um- 
wandelung  eines  einzigen  hervorgegangen,  ist  nicht  zu  bezweifeln,  aber 
bis  jetzt  nicht  zu  ermitteln  aus  welchem  Mineral. 


B.  Geologie. 

Ferd.  Dieffenbach :  Plutonismus  und  Vulkanismus  in  der 
Periode  von  1808—1872  und  ihre  Beziehungen  zu  den  Erdbeben 
im  Rheingebiet.  Darmstadt,  1873.  8°.  S.  110.  Der  Verf.  war  bestrebt, 
in  seiner  reichhaltigen  Arbeit,  die  sich  auf  die  Ergebnisse  der  wissen- 
schaftlichen Forschung  neuester  Zeit  wie  auf  die  Berücksichtigung  von 
mehr  als  Tausend  Erdbeben  und  Vulkan-Ausbrüchen  stützt,  auf  den  inni- 
gen Zusammenhang  hinzuweisen,  welcher  zwischen  Erdbeben  und  vulka- 
nischen Eruptionen  stattfindet,  Weit  entfernt  davon  in  Abrede  zu  stellen : 
dass  gewisse  Erdbeben  durch  Einsturz  unterirdischer  Hohlräume  hervor- 
gerufen werden  können,  glaubt  Dieffenbach  hingegen  alle  jene  Erdbeben, 
die  sich  über  einen  grossen  Theil  der  Erdoberfläche  verbreiten,  die  in 
synchronistischen  Beziehungen  zu  einander  stehen  und  welche  mit  einer 
gesteigerten  vulkanischen  Thätigkeit  zusammenfallen,  auf  eben  diese  That- 
sachen  zurückführen  zu  müssen.    Die  rheinischen  Erdbeben  bieten  dem 


193 


Verf.  Beweise  und  Beispiele  für  seine  Ansicht.  —  Nach  einigen  Bemer- 
kungen über  die  geognostische  Beschaffenheit  des  mittelrheinischen  Gebie- 
tes führt  Dieffenbach  die  chronologische  Vertheilung  der  rheinischen  Erd- 
beben in  den  Jahren  1868—1872  auf,  bespricht  sodann  insbesondere  den 
hessischen  Erdbeben-Schauplatz.  Daran  reihen  sich  Bemerkungen  über 
Synchronismus  der  Erdbeben,  über  die  Ausbrüche  des  Vesuv.  Auch  die 
Richtung  und  Bewegungs-Geschwindigkeit  der  Erdbeben  wird  besprochen 
und  durch  mehrfache  Beispiele  und  Beobachtungen  näher  begründet.  Ebenso 
hat  der  Verf.  mit  vieler  Sorgfalt  die  seither  bekannten  Thatsachen  über 
Vertheilung  der  Erdbeben  über  die  verschiedenen  Theile  der  Erde  und 
ihr  Auftreten  in  den  verschiedenen  Zeiten  des  Jahres  zusammengestellt, 
sowie  alle  jene  Beobachtungen,  die  einen  Einfluss  des  Mondes  auf  die 
Erdbeben  wahrscheinlich  machen.  Einen  besonderen  Abschnitt  von  Dief- 
fenbach's  Schrift  bildet  das  sehr  vollständige  Verzeichniss  der  vom  30. 
Oct.  bis  19.  Nov.  1869  in  Grossgerau  stattgehabten  Erdstösse  (von  Wiener 
und  Frank  aufgestellt),  sowie  das  Verzeichniss  sämmtlicher  zur  Kenntniss 
gekommenen  vom  1.  Jan.  1869  bis  1.  Oct.  1872  stattgehabten  Erdbeben, 
nebst  einer  vergleichenden  Übersicht  der  Vulkan-Ausbrüche  während  der 
genannten  Periode.  Den  Schluss  des  Werkes  bildet  eine  Schilderung  der- 
jenigen Erscheinungen,  welche  die  Erdbeben  zu  begleiten  pflegen. 


Herm.  Kravogl:  Zusammensetzung  und  Lagerung  des  Dilu- 
viums um  Innsbruck.  (Sep.-Abdr.  a.  d.  naturw.-medic.  Zeitschr.  f.  d. 
Jahr  1872,  S.  13.)  Die  diluvialen  Ablagerungen  Tyrols  haben  bisher  wenig 
Beachtung  gefunden.  Der  Verf.  hat  sich  daher  die  dankenswerthe  Auf- 
gabe gestellt,  die  in  den  Umgebungen  von  Innsbruck  besonders  entwickel- 
ten näher  zu  untersuchen.  1)  Diluvium  des  Gebirges  um  Innsbruck.  Bis 
zu  3000  F.  Höhe  ansteigend,  aus  Gerölle-Massen  bestehend  mit  sandigen 
und  thonigen  Zwischenlagen.  Das  oberste  Gerolle  um  Innsbruck  und  das 
Innthal  hinab  besteht  aus  gröberem  Material,  wie  das  untere.  —  2)  Dilu- 
vialschlamm (Löss).  Nicht  über  einen  Fuss  mächtig  über  dem  Diluvial- 
schotter liegend.  Die  Lehmlager  bei  Hötting  und  am  Geroldsbach  dürften 
dahin  gehören.  3)  Terrassendiluvium.  Wenige  Flüsse  der  Alpen  existir- 
ten  zur  Zeit  des  Diluviums  in  ihrer  heutigen  Form.  Einer  dieser  wenigen 
war  der  Inn.  Bei  ihm  sind  die  Geröllemassen  der  Hochebene  in  directer 
Verbindung  mit  dem  Diluvium  des  Innthaies  und  einigen  seiner  Neben- 
flüsse. Diese  Art  des  Diluviums  trifft  man  im  Gebirge  zwar  über  dem 
höchsten  Wasserstand,  aber  in  Thälern,  die  noch  jetzt  von  einem  Fluss 
durchlaufen  werden.  Die  Gewässer  müssen  damals  höher  angestaut  oder 
weniger  tief  eingeschnitten  gewesen  sein;  vielleicht  war  beides  der  Fall. 
4)  Hochgebirgsschotter  findet  sich  an  freien  Bergabhängen  oder  auf  Jö- 
chern  in  bedeutender  Höhe,  wo  keine  Gewässer  in  der  Nähe  sind.  So 
z.  B.  bei  St.  Magdalena  im  Hallthale  an  einer  steilen  Kalkwand  ein  ziem- 
lich mächtiges  Kalkconglomerat.  Auf  der  Höttinger  Alpe  bei  Innsbruck 
in  einer  Höhe  von  5000'  Gerölle-Ablagerungen  aus  Amphiboliten  bestehend 

Jahrbuch  1873.  13 


194 


5)  Gletscher-Überreste  und  erratische  Blöcke.  Im  Wippthale  bei  Dienzens, 
dann  Obernbergthale,  im  Sellrain  und  an  andern  Orten  sind  Moränen  nach- 
gewiesen. —  Über  die  Lagerung  des  Diluviums,  welches  vorzugsweise  auf 
Phyllit  seine  Stelle  einnimmt,  theilt  Kravogl  verschiedene  Beobachtungen 
mit,  die  durch  ein  Profil  näher  erläutert  werden.  Der  Schluss  der  kleinen 
Abhandlung  enthält  ein  Verzeichnis s  der  im  Diluvium  um  Innsbruck  auf- 
gefundenen Mineralien  und  Gesteine. 


Carl  von  Marschall:  über  die  allmähliche  Verbreitung  und 
Entfaltung  d er  Organ ismen  auf  der  Erde.  (Vortrag  gehalten  im 
naturwissenschaftl.  Verein  zu  Carlsruhe.  Carlsruhe  1872.  S.  18.)  Bei 
seiner  Arbeit  über  die  Eiszeit*  ward  v.  Marschall  veranlasst,  den  Ver- 
änderungen, welche  die  klimatischen  Verhältnisse  der  Erdoberfläche  er- 
fahren haben,  genauer  nachzuforschen  und  gelangte  dabei  zu  einer  Ansicht 
über  die  Entwickelung  und  Verbreitung  der  Organismen,  die  zwar  nicht 
neu  ist  ,  jedoch  noch  nie  in  ihrem  Zusammenhange  mit  genügender  Schärfe 
ausgesprochen  wurde.  —  Diese  Ansicht  hat  den  engen  Anschluss  alles 
Organischen  an  die  anorganische  Natur  zur  Voraussetzung  und  ihre  Aus- 
führung bezweckt  zugleich  den  Nachweis,  dass  die  geologischen  und  pa- 
läontologischen Verhältnisse  und  Thatsachen  nicht  im  Widerspruche  stehen 
mit  der  neueren  Lehre  von  der  successiven  Entwickelung  der  höher  orga- 
nisirten  Formen  aus  den  niedriger  stehenden  Organismen.  Wie  bekannt 
nimmt  die  Temperatur  der  Erde  nach  ihrem  Innern  hin  zu,  und  da  kein 
Grund  vorliegt  zur  Annahme  einer  Wärmequelle,  welche  die  nach  Aussen 
abfliessende  Wärme  ersetze,  so  sind  wir  zu  dem  Schlüsse  berechtiget,  dass 
die  Erde  vormals  in  viel  heisserem  Zustand  gewesen  sein  müsse.  Hiermit 
stimmen  denn  auch  die  paläontologischen  Thatsachen  überein.  Es  muss 
aber  auch  die  Temperatur  an  der  Oberfläche  in  der  Polarzone  wegen  der 
schwächeren  Besonnung  rascher  abgenommen  haben  als  in  der  gemässigten 
Zone  und  hier  wiederum  rascher  als  in  der  heissen  Zone.  Am  frühesten 
wird  sich  ohne  Zweifel  die  Polarregion  belebt  haben,  da  hier  zuerst  die 
Temperatur  so  tief  sinken  musste  um  organischen  Keimen  die  Entwicklung 
zu  gestatten,  während  ihr  hierin  die  gemässigte  und  heisse  Zone  erst  später 
nachfolgten.  Allein  schon  wegen  des  Umstandes ,  dass  sich  alsbald  eine 
Temperaturdifferenz  unter  den  verschiedenen  Breitezonen  geltend  machte, 
kann  niemals  eine  gleichförmige  Thier-  und  Pflanzenwelt 
über  den  ganzen  Erdkreis  verbreitet  gewesen  sein,  wohl 
aber  werden  in  früher  Zeit,  wo  die  Temperaturverhältnisse  sich  noch 
wenig  differenzirt  hatten,  die  Faunen  und  Floren  sich 
näher  gestanden  —  geringere  Mannigfaltigkeit  gezeigt  — 
haben  als  spät  er,  und  die  Verbreitungsgebiete  der  einzelnen 
Gattungen  und  Arten  von  grösserem  Umfang  gewesen  sein. 
Da  sich  organische  Keime  zuerst  in  der  Polarzone  entwickelten ,  könnte 
man  annehmen ;  dass  von  da  alles  Leben  ausgegangen  sei,  dass  von  hier 

*  Vergl.  Jahrbuch  1871,  S.  518. 


195 


die  Organismen  sich  jeweils,  im  Verhältniss  der  Abkühlung  der  Erdober- 
fläche, nach  niedereren  Breiten  gezogen  und  daselbst  diejenigen  Modifika- 
tionen erfahren  hätten,  welche  durch  die  veränderten  äusseren  Verhältnisse 
bedingt  waren.  Wenn  man  aber  bedenkt,  dass,  abgesehen  von  der  Tem- 
peratur, manche  für  alles  Organische  wichtige  Factoren,  wie  insbesondere 
die  Jahreszeiten  und  die  Vertheilung  von  Tag  und  Nacht,  in  den  verschie- 
denen Kegionen  wesentlich  verschieden  sind,  so  dürfte  die  Annahme  ange- 
messener erscheinen,  dass  die  einzelnen  Zonen  theils  selbst- 
ständig eine  Thier-  und  Pflanzenwelt  entwickelten,  theils 
entsprech  ende  Formen  höheren  Breiten  entlehnten  und  den 
Verhältnissen  gemäss  modi  f  icirten,  und  dieses  Letztere  um  so 
mehr  als  die  einzelnen  Zonen  bezüglich  unserer  Frage  nicht  scharf  be- 
gränzt  sind,  sondern  sehr  successiv  in  einander  übergehen.  Selbst  der 
entschiedenste  Darwinianer  muss,  mindestens  einen  doppelten  Herd  des 
Organischen  anerkennen,  denn  er  wird  nicht  behaupten  wollen,  dass  z.  B. 
die  südliche  Polarzone  gewartet  habe  sich  zu  beleben,  bis  ihr  durch  die 
Vermittelung  aller  zwischenliegenden  Regionen  aus  dem  höchsten  Norden 
Organismen  zugetragen  wurden.  Schon  wegen  dieses  zweifachen  Herdes 
werden  wir  unter  gl  eichen  Breiten  in  Nord  und  Süd  keine 
identische  Fauna  und  Flora  erwarten  dürfen.  Wohl  werden 
aber  die  sich  entsprechenden  Breiten  der  heissen  Zone,  woselbst  die  Thier- 
und  Pflanzenwelt  der  nördlichen  und  südlichen  Hemisphäre  sich  vielfach 
berührte  und  mischte,  in  dieser  Beziehung  eine  grössere  Uebereinstimmung 
zeigen  als  die  gemässigten  Zonen  der  beiden  Erdhälften,  wie  denn  auch 
die  arktischen  und  antarktischen  Floren  und  Faunen  sich  verhältnissmässig 
nahe  stehen  in  Folge  der  grossen  Gleichförmigkeit  der  klimatischen  Ver- 
hältnisse der  beiden  Polarregionen.  Wegen  der  bevorzugten  Bedeutung, 
welche  die  Temperatur  für  den  organischen  Process  hat,  werden  wir  füg- 
lich annehmen  dürfen,  dass  die  Fauna  und  Flora  jeweils  eine  der  Tem- 
peratur entsprechende  gewesen  sein  müsse.  Nun  war  aber  diese  Ent- 
wicklung und  Entfaltung,  wenn  auch  im  grossen  Ganzen  doch  für  die 
einzelnen  Zonen,  keine  so  vollkommen  stetige  (wie  sie  durch  Curven 
dargestellt  ist),  sie  war  vielmehr  vielfachen  — jedoch  schwachen  —  Schwan- 
kungen unterworfen.  Dieselben  wurden  hervorgerufen  durch  die  periodi- 
schen Veränderungen  der  Schiefe  der  Ekliptik,  der  Excentricität  der  Erd- 
bahn, des  Winkels  der  Erdaxe  mit  den  Axen  der  Ekliptik  und  durch  den 
Wechsel  in  der  Vertheilung  von  Land  und  Meer.  Was  die  drei  zuerst 
genannten  Factoren  betrifft,  so  alteriren  dieselben  die  mittlere  Temperatur 
nur  sehr  wenig ,  vertheilen  diese  aber  in  veränderlicher  Weise  unter  die 
Jahreszeiten  und  verschieben  einigermassen  das  Verhältniss  von  Tag  und 
Nacht.  Einen  grösseren  und  allgemeineren  Einfluss  dürfte  ohne  Zweifel 
eine  extreme  Vertheilung  von  Land  und  Meer  auf  das  Thier-  und  Pflan- 
zenleben zu  üben  vermögen.  Ist  nämlich  die  heisse  Zone  von  Land  ent- 
blösst,  so  wird  viel  Wärme  latent  und  die  mittlere  Temperatur  der  Erd- 
atmosphäre muss  sinken,  ist  im  Gegentheil  in  den  Äquatorialgegenden  viel 
Land  concentrirt,  so  wird  die  Temperatur  der  Atmosphäre  steigen;  ist  die 

13* 


196 


Hauptmasse  des  Landes  auf  der  nördlichen  Erdhälfte  vereiniget,  —  ein 
Verhältniss  das  gegenwärtig  in  gewissem  Grade  vorhanden,  —  so  wird 
deren  Temperatur  auf  Unkosten  der  südlichen  Hemisphäre  erhöht  werden 
und  umgekehrt.  Ein  Wechsel  von  solchen  entschiedenen  Extremen  wird 
jedoch  —  wenn  überhaupt  —  nur  höchst  selten  stattgehabt  haben.  Es 
konnten  sich  wohl  solche  Schwankungen  in  späterer  Zeit,  als  bereits  die 
Erkaltung  der  Erdoberfläche  eine  langsamere  geworden  war,  eher  bemerk- 
bar machen  denn  früher.  Aber  wenn  auch  die  Entwicklung  des  Orga- 
nischen bezüglich  der  einzelnen  Zonen  leichten  Schwankungen  unterworfen 
war,  so  war  sie  doch  im  grossen  Ganzen  eine  der  successiven 
Erkaltung  der  Erdober  fläche  und  Atmosphäre  entsprechend 
langsame,  stetige.  Jeweils  nach  sehr  langen  —  wohl  meh- 
rere Millionen  von  Jahren  umfassenden  —  Zeiträumen 
musste  die  Thier-  und  Pflanzenwelt  der  verschiedenen  Zo- 
nen eine  veränderte  Physiognomie  angenommen  haben  und 
insbesondere  sämmtliche  Arten  durch  andere  ersetzt  sein. 

Mit  dieser  Anschauungsweise  scheinen  nun  auf  den  ersten  Anblick 
manche  geologische  Erscheinungen  im  Widerspruch  zu  stehen,  wenigstens 
werden  dieselben  durch  jene  nicht  erklärt.  Es  zeigen  nämlich  die  ein- 
zelnen Schichten  keine  ununterbrochene  —  aus  organisch  sich  unmittelbar 
aneinander  anschliessenden  Gliedern  bestehende  —  Kette  von  fossilen 
Resten ,  vielmehr  sind  überall  die  bedeutendsten  Lücken  bemerkbar ;  auch 
überlagern  sich  Schichten  und  Formationen  oftmals  unmittelbar,  welche 
sehr  verschiedene  Petrefacten  in  sich  schliessen,  während  die  dieselben  um- 
schliessenden  Massen  ebenfalls  unter  sich  sehr  differiren;  und  endlich  be- 
zeugen die  organischen  Einschlüsse  der  oberen  —  also  jüngeren  Schichten 
nicht  selten,  dass  sie  im  Leben  einem  Medium  von  höherer  Temperatur 
angehört  haben  als  diejenigen  der  tiefer  liegenden  älteren  Schichten,  was 
mit  der  successiven  Erkaltung  der  Erde  im  Widerspruch  zu  sein  scheint. 
Alle  diese  Erscheinungen  erklären  sich  ab  er  genügend  durch 
die  Niveau  Veränderungen.  Wie  in  der  Gegenwart  haben  sich  näm- 
lich unverkennbar  auch  in  früheren  Zeiten  einzelne  Gebiete  erhoben,  wäh- 
rend andere  sich  senkten,  und  es  dürfte  selbst  die  Reaction  des  Erdinnern 
nach  Aussen  damals  eine  grössere  Intensität  gehabt  haben  als  in  der  Jetzt- 
zeit. Diese  Niveauveränderungen  stören  einerseits  die  durch  die  langsame 
Erkaltung  der  Erde  bedingte  successive  Evolution  der  Organismen  im 
Bereich  der  betreffenden  Erdräume,  tragen  aber  andererseits  wesentlich 
zur  Verbreitung  und  Vermannigfaltigung  derselben  bei.  Während  ein 
Gebirge  durch  Hebung  zu  vielleicht  alpiner  Höhe  ansteigt,  wird  ein  Tief- 
land successiv  ebenfalls  den  Gebirgscharacter  annehmen  und  seine  bishe- 
rige Thier-  und  Pflanzenwelt  —  den  veränderten  Verhältnissen  gemäss  — 
gegen  eine  andere  vertauschen.  Inzwischen  wird  der  seichte  Meeresboden 
sich  über  das  Wasser  erhoben  haben  und  an  die  Stelle  der  Meeres-Fauna 
und  Flora  eine  dem  herrschenden  Klima  und  der  Bodenbeschaffenheit  ent- 
sprechende Landes-Fauna  und  Flora  getreten  sein.  Wo  aber  neue 
Formen  unvermittelt  erscheinen  —  und  dies  dürfte  die  fast 


197 


ausnahmslose  Regel  sein  —  ,  sind  sie  entlehnt,  und  wenn  wir 
dieselben  bis  zu  ihrem  Ursprung  ve  rfolgen  könnten,  wür- 
den wir  uns  sicherlichüberzeugen,  dass  sie  ihre  Entstehung 
einem  äusserst  langsamen  Entwickelungs-Prozess  zu  ver- 
danken haben.  Hieraus  ist  ersichtlich,  dass  die  Schichten,  welche 
sich  während  dieser  langsamen  Erhebung  theils  durch  Nie- 
derschläge, theils  durch  Anschwemmungen  gebildet  haben, 
in  verticale r  Ri  chtung  e ine  zahlreiche  Reihe  unvermittelter 
Gattungen  und  Arten  enthalten  werden,  und  zwar  in  unserem 
Beispiel  die  oberen  —  also  jüngeren  —  Schichten  Organismen  tropischer 
Natur,  während  die  tiefer  liegenden  älteren  Schichten,  nicht  tropische  — 
wenigstens  nicht  spezifisch  tropische.  —  Hätte  statt  einer  Erhebung  eine 
Senkung  stattgehabt,  so  würde  die  Reihenfolge  der  Schichten  und  ihrer 
Einschlüsse  eine  ähnliche,  jedoch  in  umgekehrter  Ordnung,  sein.  So  lang- 
sam nun  auch  solche  Niveauveränderungen  vor  sich  gehen,  so  nehmen  die 
einzelnen  doch  nur  einen  verhältnissmässig  kleinen  Theil  der  seit  Ent- 
stehung der  Erde  verflossenen  Zeit  in  Anspruch,  und  es  dürfte  daher 
mancher  Erdstrich  bereits  öfters  auf  diese  Weise  auf-  and 
abgewogt  sein  und  demgemäss  einen  mehrfachen  Wechsel 
von  z.  B.  tropischen  und  nicht  tropischen  —  in  dem  oben  be- 
zeichneten Sinne  —  Organismen  in  vertikaler  Richtung  zu  er- 
kennen geben,  und  diess :  obgleich  die  Temperatur  der  At- 
mosphäre an  Ort  und  Stelle  inzwischen  vielleicht  keine  be- 
deutendere Veränderung  erfuhr,  als  durch  die  fortschrei- 
tende Erkaltung  der  Erde  bedingt  war.  Es  wird  während 
solcher  Terrain-Schwankungen  manche  Quelle  der  Niederschläge  und 
Anschwemmungen  versiechen  und  manche  sich  neu  eröffnen.  Es  hat  daher 
nichts  Erstaunliches,  wenn  Schichten  oder  Formationen, 
we  lche  sie  h  unmittelbar  berühren,  sehr  ver  s  chiedene  orga- 
nische Reste  beherbergen,  während  auch  dieselben  einschlies senden 
Massen  sehr  abweichender  Art  sind.  Solche  Erscheinungen  waren  es  aber 
vorzugsweise,  welche  man  früher  glaubte  nur  durch  Annahme  gewaltiger, 
über  grosse  Erdräume  verbreiteter  Katastrophen  und  erneuter  Schöpfungs- 
acte  im  Bereiche  des  Organischen  erklären  zu  können.  Zu  deren  Erklä- 
rung bedarf  es  keiner  Voraussetzung  einer  öftern.  wesentlichen  und  ver- 
hältnissmässig raschen  Temperaturveränderung  der  Erdatmosphäre.  Neh- 
men Niveauveränderungen  grosse  Dimensionen  an,  so  werden  sie  ganze 
Continente  und  ausgedehnte  Meere  bald  zu  vereinigen,  bald  zu  isoliren 
vermögen ;  demnach  werden  sie  zur  Verbreitung  der  Gattungen  und  Arten 
wesentlich  beigetragen  und  dem  organischen  Leben  erhöhte  Bewegung 
geben :  denn  mit  der  grösseren  Verbreitung  werden  ohne  Zweifel  auch  die 
äusseren  Bedingungen  einer  reicheren  und  mannigfaltigeren  Entfaltung 
des  Organischen  gegeben  sein,  und  diess  vielleicht  um  so  mehr,  wenn  zeit- 
weise eine  nicht  zu  lange  Isolirung  hinzutritt.  Jedenfalls  wird  durch  Iso- 
lirung  die  Differenzirung  der  Organismen  wesentlich  beschleunigt  werden, 
lieber  die  nachtheiligen  Folgen  einer  ungewöhnlich  langen  Isolirung 


198 


kann  uns  das  Schicksal  Australiens  belehren.  Wäre  dieses  Land  auch 
nur  mit  einer  der  grossen,  in  seinem  Nordwesten  gelegenen  indo-malaii- 
schen  —  Inseln  früher  in  Verbindung  gestanden,  so  müsste  seine  Thier- 
und  Pflanzenwelt  eine  ganz  andere  Physiognomie,  einen  minder  eigenthüm- 
lichen  Character  tragen,  und  weit  grösseren  Reichthum  zeigen.  Ein 
Continent  von  der  Grösse  des  australischen  Festlandes  ist 
sicherlich  geeignet,  eine  reiche  und  mannigfaltige  Fauna 
und  Flora  zu  beherbergen  und  zu  ernähren,  ohne  alle  Be- 
dingungen in  sich  zu  vereinigen  um  eine  solche  selbständig 
zu  entwickeln.  Wo  immer  wir  —  im  Gegensatz  zu  Australien  —  eine 
ungewöhnlich  reiche  Thier-  und  Pflanzenwelt  antreffen,  können  wir  mit 
Sicherheit  schliessen,  der  bezügliche  Erdstrich  habe  vormals  einem  aus- 
gedehnten Continente  angehört.  Ihre  reiche  Flora  und  Fauna  verdanken 
eben  jene  indo-malaiischen  Inseln  sicherlich  ihrer  einstigen  Vereinigung 
mit  dem  grossen  asiatischen  Continent,  vielleicht  in  Verbindung  mit  einem 
reichen,  vielfach  wechselnden  Schicksal.  Niveauveränderungen  wirken  auch 
dadurch  indirect  auf  die  Art  der  Verbreitung  und  Entwicklung  der  Or- 
ganismen, dass  sie  die  Richtung  der  Meeresströmungen  alteriren,  welche 
die  in  ihnen  suspendirt  enthaltenen  organischen  Keime  fernen  Räumen 
zuführen  und  zugleich  für  die  klimatischen  Verhältnisse ,  selbst  ausge- 
dehnter Gebiete,  von  so  hoher  Bedeutung  sind.  Ähnlich  dürfte  auch  der 
Umstand  wirken,  dass  die  beiden  Hemisphären  abwechselnd  für  Jahrtau- 
sende den  Winter  in  der  Sonnenferne  haben.  Während  eines  solchen 
langen  Zeitraums  producirt  die  bezügliche  Erdhälfte  grössere  Gletscher- 
massen, wodurch  dem  Meeresspiegel  eine  vermehrte  Eis-  und  Schmelz- 
wassermenge zugeführt  und  sein  Niveau  erhöht  wird.  Die  Folge  ist  ein 
vermehrter  Abfluss  des  Wassers  nach  der  entgegengesetzten  Hemisphäre 
und  eine  mehr  oder  weniger  veränderte  Stärke  und  Richtung  der  Meeres- 
strömungen mit  allen  ihren  Consequenzen.  Wird  z.  B.  —  wie  zu  erwarten 
—  der  Golfstrom  einst  durch  verstärkte  Strömungen  aus  dem  Norden  nach 
dem  südlichen  Europa  abgelenkt,  welche  wesentliche  Temperaturabnahme 
muss  alsdann  das  nördliche  Europa  erfahren? 

Endlich  wirken  Niveauveränderungen,  von  selbst  mässiger  Ausdehnung, 
besonders  wenn  sie  einen  Wechsel  von  Land  und  Meer  veranlassen,  auf 
die  Natur  der  Luftströmungen  zurück,  welche  in  ihren  Wirkungen  sich 
den  Meeresströmungen  nähern.  Mit  dem  Erscheinen  und  vorzugsweise 
mit  der  höheren  Entwicklung  des  Menschen  trat  ein  neues,  nicht  zu  un- 
terschätzendes Agens  der  reicheren  Entfaltung  des  Organischen  auf,  indem 
derselbe  theils  unwillkürlich,  theils  in  Verfolgung  seiner  egoistischen 
Zwecke  sehr  zur  Verbreitung  gar  mancher  Pflanzen  und  Thiere  beiträgt, 
während  er  allerdings  auch  anderseits  manche  Gattungen  und  Arten, 
welche  seinen  Absichten  im  Wege  stehen,  der  Vernichtung  entgegenführt. 


Markgraf  Franz  Marenzi:  Fragmente  über  Geologie  oder  die 
Ein  Sturzhypothese.  5.  Aufl.  1.  Th.    Triest,  1872.  8.   188  S„  4  Taf. 


199 


—  Der  Verfasser  bezeichnet  sich  selbst  als  einen  Laien,  beansprucht 
jedoch  den  Vertretern  der  bis  nun  geltenden  geologischen  Systeme  gegen- 
über die  Anerkennung  seiner  zum  Theil  sehr  originellen  Ansichten.  Ihm 
erscheinen  „alle  bisherigen  geologischen  Hypothesen,  welche  auf  der  Lehre 
einer  Alterskette  der  Petrefacten  begründet  waren,  als  im  höchsten  Grade 
gewagt  und  als  ganz  unverlässlich."  (Vgl.  er stes  Fragment,  Zusammen- 
hang der  Geologie  mit  der  Astronomie  und  mit  der  Physik,  S.  32.) 

Das  zweite  Fragment  behandelt  die  astronomisch-physikalische  Hy- 
pothese der  Erdbildung:  das  dritte  die  Folgen  des  ursprünglich  feuer- 
flüssigen Zustandes  der  Erde  für  die  erste  Ablagerung  ihrer  Bestand- 
theile;  das  vierte  die  Eiszeit,  von  welcher  der  Verfasser  kein  Freund 
ist.  „Gebirgshebungen  und  Eiszeit,  heisst  es  Seite  64,  entbehren 
beide  jeder  wissenschaftlichen  Grundlage  und  können  daher  nicht  die  Aus- 
gangspunkte exacter  Beweisführungen  sein."  „Die  Natur  kennt  für  Er- 
scheinungen, welche  Folgen  der  Schwerkraft  sind,  nur  die  Bewegung 
nach  abwärts"  (S.  66). 

Das  fünfte  Fragment  bezieht  sich  auf  die  nähere  Bestimmung  des 
Wärme-  und  des  Volunien-Verlustes  der  Erde;  das  sechste  beleuchtet 
den  Einfluss  des  Centraifeuers  der  Erde  auf  die  Bewegungen  und  auf  die 
Bildungen  der  Erdoberfläche.  Im  siebenten  Fragment,  die  Einstürze 
im  Innern  der  Erde,  gelangt  die  Hypothese  des  Verfassers  zur  vollen 
Entwickelung ,  wenn  es  S.  92  heisst:  .  .  .  „alle  Gebirge  der  Erde,  die  be- 
kannten und  noch  unbekannten  Hochländer  aller  Welttheile,  die  Sand- 
wüsten Asiens  und  Afrika's  und  überhaupt  alle  Festbildungen,  an  welchen 
die  Spuren  einstiger  Meeres-Überspülung  sichtbar  sind,  seien  im  Allge- 
meinen nicht  durch  Hebung,  sondern  durch  Einsturz  der  anliegenden 
Festbildungen  entstanden.  Ja  selbst  den  thätigen  Vulkanen,  sie  mögen 
nun  nur  einzelne  hohe  Berge  oder  lange  Bogenlinien  zahlreicher  oceani- 
scher  Inseln  bilden,  können  wir  keine  eigene  Bildimgskraft  zuschreiben, 
sondern  müssen  dieselben  nur  für  Ergebnisse  und  für  naturgemässe  Wir- 
kungen von  Einsturzbewegungen  erklären."  Das  achte  Fragment  blickt 
auf  den  Mond  und  die  Hinge  des  Saturn,  das  neunte  untersucht  Vulcane 
und  Erdbeben,  das  zehnte  ist  der  Steinkohle  und  dem  Steinsalz  gewid- 
met. „Ob  es  jemals  möglich  sein  werde,  das  relative  Alter  der  verschie- 
denen, bald  oberflächlicher,  bald  tiefer  liegenden  Salzwerke  näher  zu  er- 
gründen, lassen  wir  als  eine  uns  fern  liegende  Frage  ganz  dahin  gestellt 
sein"  (S.  143).  —  Die  Wissenschaft  ist  glücklicher  Weise  weiter  vorge- 
schritten, als  der  Verfasser  in  dieser  Beziehung  glaubt.  —  In  dem  elften 
Fragmente  treten  die  Wirkungen  der  Volumen-Verminderung  der  Erde  auf 
die  Verbreitung  der  Meere  vor  Augen,  wobei  auch  Hebung  und  Senkung 
ganzer  Continente  und  Änderungen  in  der  Lage  der  Erdachse  besprochen 
werden.  Das  zwölfte  Fragment,  die  organische  Schöpfung,  kämpft  gegen 
Darwinianismus ,  entwickelt  die  Ansichten  des  Verfassers  über  die  natür- 
liche Metamorphose,  die  Wiege  des  Menschengeschlechtes,  die  Chronologie 
der  organischen  Schöpfung,  wendet  sich  gegen  den  Ursprung  des  Men- 
schen vom  Affen  und  schliesst  mit  dem  Glauben. 


200 


In  einem  Epiloge  werden  alle  diese  fragmentarischen  Bemerkungen 
in  eine  kurze  Übersicht  zusammengefasst,  und  diesem  Epiloge  folgt  noch 
ein  S  c  h  1  u  s  s. 

Dass  Graf  Marenzi's  Fragmente  auch  ihr  Publikum  und  zwar  ein 
recht  ansehnliches  gefunden  haben,  beweist  schon  die  fünfte  Auflage,  in 
der  sie  erschienen  sind. 


G.  vom  Rath:  der  Ätna.  Bonn,  1872.  8°.  33  S.  Mit  Ansicht  des 
Ätna  von  Catania  im  April  1869.  —  Diese  Schrift  ist  dem  trefflichen  Ätna- 
forscher, Professor  Orazio  Silvestri  in  Catania  gewidmet  und  theilt  uns 
in  anziehendster  Weise  die  Eindrücke  mit,  welche  der  durch  seine  Lage 
wahrhaft  schöne  und  erhabene  Vulkan  in  der  Ferne  und  Nähe  auf  einen 
der  gediegensten  Mineralogen  und  Geologen  ausgeübt  hat.  Sie  wird  in 
den  weitesten  Kreisen  den  Anklang  finden,  den  sie  verdient. 


Whitney:  The  Owens  Valley  Earth quake.  (The  Overland 
Monthly  devoted  to  the  development  of  the  Country.  San  Francisco,  1872. 
Vol.  9,  No.  2,  p.  130,  No.  3,  p.  266.)  —  Das  Erdbeben  vom  26.  März 
1872,  das  sich  mindestens  über  zwei  Drittheile  des  Staates  Californien 
oder  100,000  DMiles  und  über  einen  grossen  Theil  von  mindestens  50,000 
□Miles  des  angrenzenden  Staates  Nevada  verbreitet  hat,  folgte  insbeson- 
dere der  Axe  der  Sierra  Nevada  in  einer  Länge  von  500  Miles  mit  einer 
Breitenausdehnung  gegen  diese  Längsaxe  von  300  Miles.  Der  erste  Stoss 
erfolgte  plötzlich  und  war  am  stärksten,  ihm  folgten  während  des  ganzen 
Tages  noch  mehrere  nach  und  Nachwirkungen  dieses  heftigen  Erdbebens 
wurden  im  Owen's  Valley  in  Californien  noch  bis  zum  23.  Mai  verspürt. 

Unter  den  geologischen  Wirkungen,  welche  dadurch  herbeigeführt 
wurden,  sind  besonders  hervorzuheben:  Spaltenbildungen  im  Boden  und 
Gesteine,  Niveauveränderungen  in  verschiedenen  Theilen  des  Owen's  Val- 
ley, in  welchem  die  Beobachtungen  am  genauesten  festgestellt  worden  sind, 
Veränderungen  von  Wasserläufen,  Ansammlungen  von  Wasser  an  früher 
davon  befreiten  Stellen  und  ähnliche  Erscheinungen. 

Der  Berichterstatter  knüpft  an  diese  specielleren  Schilderungen  noch 
allgemeine  Folgerungen  über  die  Natur  der  Erdbeben  überhaupt  und  ihren 
innigen  Zusammenhang  mit  den  vulkanischen  Erscheinungen. 


Dr.  G.  Stäche:  Notizen  über  das  Erdbeben  in  Wien  am  3. 
Jan.  1873.  —  Das  hier  besprochene  Erdbeben  wurde  kurz  vor  7  Uhr 
Abends  an  vielen  Punkten  in  Wien  und  in  dessen  näherer  und  weiterer 
Umgebung  verspürt  und  hat  um  so  mehr  interessirt,  als  ähnliche  Erschei- 
nungen in  Wien  nur  äusserst  selten  wahrgenommen  worden  sind. 


I 

201 

G.  Poülett  Scrope:  über  Vulkane.  Nach  der  zweiten  verbesser- 
ten Auflage  des  Originals  übersetzt  von  G.  A.  v.  Klöden.  Berlin,  1872. 
8°.  473  S.  Mit  65  Holzschnitten  und  einer  lithographirten  Ansicht.  — 
Die  Übersetzung  obigen  Werkes  konnte  in  keine  besseren  Hände  gelegt 
werden,  als  in  die  eines  Mannes,  der  seit  nun  fast  40  Jahren  den  Gegen- 
stand mit  Interesse  verfolgt  hat,  wie  viele  seiner  früheren  Commilitonen, 
die  durch  die  von  Friedrich  Hoffmann  in  Berlin  in  den  Jahren  1834  und 
1835  gehaltenen  Vorträge  über  Erdbeben  und  Vulkane  dafür  begeistert 
wurden.  Sie  alle  haben  mehr  Pietät  und  Hochachtung  für  die  beiden  er- 
habenen Forscher,  Leopold  v.  Buch  und  Alexander  v.  Humboldt  bewahrt, 
als  viele  Andere,  die,  wie  Poülett  Scrope,  von  beiden  Männern  festge- 
stellte Thatsachen  und  gewissenhaft  abgeleitete  Schlüsse  oft  in  unwürdi- 
ger Weise  bekritteln,  ja  leider  begeifern,  v.  Klöden  hat  in  der  Vorrede 
und  in  verschiedenen  Anmerkungen  vielfach  gezeigt,  wie  verfehlt  oft  die 
Angriffe  waren,  welche  gegen  die  Lehre  von  den  Erhebungskrateren, 
an  welchen  P.  Scrope  seinen  Hauptanstoss  nimmt,  und  manche  andere 
Ansichten  jener  Männer,  gerichtet  sind.  v.  Klöden  verhält  sich  dem  Werke 
von  P.  Scrope  gegenüber  ungefähr  so,  wie  es  Bronn  in  der  Übersetzung 
des  Werkes  von  Ch.  Darwin,  über  die  Entstehung  der  Arten,  1863,  letz- 
terem Autor  gegenüber  gethan  hat.  Nur  fand  Bronn  bei  seiner  Kritik 
der  Lehre  von  Darwin  keine  Gelegenheit,  ähnliche  leidenschaftliche  Er- 
güsse, wie  sie  in  dem  Werke  von  Scrope  vorkommen,  zu  rügen. 

Abgesehen  hiervon  ist  die  Schrift  von  Poülett  Scrope  über  Vulkane 
ein  für  das  Studium  der  Vulkane  sehr  wichtiges  Werk,  worin  man  die  vielsei- 
tigste Belehrung  findet  und  welches  durch  seine  zahlreichen  im  Texte 
eingedruckten  Ansichten  von  Vulkanen  aus  allen  Theilen  der  Erde  den 
Gegenstand  zugleich  auch  populär  macht. 

Einer  Einleitung  folgt  als  zweites  Kapitel:  eine  Übersicht  der  vul- 
kanischen Thätigkeit,  als  drittes:  Phänomene  der  gewöhnlichen  sub- 
aeralen  Eruption ,  als  viertes:  Untersuchung  der  vulkanischen  Phäno- 
mene, als  fünftes:  Anordnung  der  zerstückelten  Auswürflinge,  als  sechs- 
tes: Ausfluss  und  Anordnung  der  Lava,  als  siebentes:  Mineralische 
Eigenschaften  und  Zusammensetzung  der  Laven,  als  achtes:  Vulkanische 
Berge,  als  neuntes:  über  die  Kratere  der  vulkanischen  Berge,  als  zehn- 
tes: Submarine  Vulkane,  als  elftes:  Vulkan-Systeme,  als  zwölftes: 
Beziehung  der  plutonischen  zur  vulkanischen  Thätigkeit,  und  als  Anhan  g  : 
ein  beschreibendes  Verzeichniss  der  Vulkane  und  vulkanischen  Bildungen. 

Es  sei  schliesslich  das  Werk  von  P.  Scrope  in  der  hier  vorliegenden 
Übersetzung  durch  G.  A.  v.  Klöden  auf  das  angelegentlichste  empfohlen  ! 


Franz  R.  v.  Hauer.  Geologische  Übersichtskarte  der  öster- 
reichisch-ungarischen Monarchie  nach  den  Aufnahmen  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt  in  dem  Maassstab  von  1  :  576,000.  Blatt  No.  IV. 
Ost-Karpathen.  Wien,  1872.  Mit  Text  in  8°.  Jb.  1871,  306.  —  Die  nord- 
östliche Ecke  von  Ungarn,  dann  Ostgalizien  und  die  nördlicheren  Theile 


202 

der  Bukowina  umfassend,  bringt  dieses  Blatt  der  trefflichen  Übersichts- 
karte den  östlichen,  von  NW.  nach  SO.  streichenden  Theil  der  Nordkar- 
pathen, einen  kleinen  Theil  der  im  Süden  an  dieselben  stossenden  ungari- 
schen Ebene,  endlich  die  östliche  Hälfte  des  weiten  galizischen  Tieflandes 
zur  Anschauung.  Es  kommt  auch  auf  ihr  der  scharfe  Gegensatz  zwischen 
den  zum  südeuropäischen  Gebirgs Systeme  der  Karpathen  gehörigen  Ge- 
bilden und  jenen,  die  weiter  nördlich  als  Unterlage  der  das  galizische 
Tiefland  ausfüllenden  Diluvial-  und  Alluvialgebilde  auftreten,  in  voller 
Klarheit  zum  Ausdruck. 

Als  ältere  Sedimentgebilde  im  Gebiete  der  ostgalizischen  Ebene 
sind  unterschieden: 

Silurformation,  Devon formation,  Kreideformation,  in  wel- 
cher letzteren  schon  Lill  Grünsand,  wahrscheinlich  von  cenomanem  Alter, 
und  senonen  Kreidekalk  und  Mergel  unterschieden  hat,  die  in  der  Gegend 
von  Lemberg  und  Nagorzany  namentlich  durch  ihre  prächtig  erhal- 
tenen Versteinerungen  seit  langer  Zeit  das  Interesse  der  Paläontologen 
gefesselt  haben. 

Die  Neogentertiär  schichten  der  Bukowina,  die  auch  weiter- 
hin nach  Osten  in  die  Moldau  fortsetzen,  bestehen  der  Hauptsache  nach 
aus  sarmatischen  Schichten. 

Schon  am  östlichen  Ende  des  Blattes  III  dieser  Karte  (Jb.  1871,  306) 
gibt  sich  theilweise  die  veränderte  Richtung  zu  erkennen,  welche  der  Haupt- 
zug der  nördlichen  Karpathen,  nachdem  er  in  dem  Meridian  des  Tatra- 
stockes den  Scheitel  des  nach  Norden  gewendeten  Bogens  erreicht  hat, 
nunmehr  nach  SO.  einschlägt.  In  dem  auf  Blatt  IV  dargestellten  Gebiete 
gelangt  diese  Richtung  zum  vollen  Ausdruck. 

Die  geologische  Zusammensetzung  dieses  Gebietes  ist  verhältnissmäs- 
sig  einfach,  Karpathensandstein  mit  vereinzelten,  der  Jura-  und  Kreide- 
formation angehörigen  Klippen  in  der  nordöstlichen  Hälfte,  und  Trachyt 
mit  seinen  secundären  Gebilden ,  Breccien ,  Tuffen ,  dann  jüngere  Tertiär- 
ablagerungen in  der  südwestlichen  Hälfte ;  nur  hart  am  südöstlichen  Ende 
des  Zuges  im  oberen  Theissgebiet,  NO.  von  Szigeth,  erscheinen  noch  die 
äussersten  Ausläufer  des  grossen  krystallinischen  Massives,  welches,  und 
zwar  gerade  hier  in  Verbindung  mit  älteren  Schichtgesteinen,  in  dem  Sie- 
benbürgen nach  NO.  abschliessenden  Gebirgswall  auftritt. 

In  dem  Tieflande  im  Süden  der  Karpathen  hat  man  es,  ab- 
gesehen von  einzelnen  Inselgruppen,  nur  mit  Ebene  oder  ganz  niedrigem 
Hügelland  zu  thun,  das  aus  Diluvial-  und  Alluvialgebilden  besteht. 


1.  Const.  Freih.  v.  Beust:  die  Zukunft  des  Metallbergbaues 
in  Österreich.  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  XXII,  p.  1.)  —  Nach 
umsichtigen  allgemeinen  Betrachtungen,  welche  für  jeden  Metallbergbau 
gelten,  der  in  civilisirten  Ländern  unternommen  wird,  gibt  der  mit  dem 
Wesen  des  Erzbergbaues  so  vertraute  Verfasser  eine  Skizze  von  den  Me- 
tallvorkommnissen in  der  westlichen  Reichshälfte,  mit  besonderer  Bezie- 


203 


hung  auf  solche  Punkte,  welche  dermalen  ganz  auflässig  sind  oder  doch 
nur  sehr  schwach  betrieben  werden.  Es  handelte  sich  besonders  darum, 
aufmerksam  zu  machen  auf  das,  was  möglicherweise  das  Object  lohnender 
Unternehmungen  werden  könnte. 

Es  steht  völlig  ausser  Zweifel,  dass  Böhmen  ausser  der  Production 
von  Pfibram  sehr  ansehnliche  Mengen  von  Silber  und  Blei,  auch  wohl  von 
Zink,  Schwefelkiesen  und  Kupfer,  vielleicht  selbst  Gold  produciren  könnte ; 
der  ehedem  so  bedeutende  Zinnbergbau  liegt  fast  ganz  darnieder.  In  den 
Alpenländern  könnte  vor  Allem  die  Zinkproduction  einen  grossen  Auf- 
schwung nehmen ;  von  den  berühmten  alten  Kupferbergbauen  Tirols, 
Salzburgs  und  Steiermarks  ist  kaum  ein  schwacher  Nachklang  noch 
übrig.  Auch  die  Silber-  und  Bleierzeugung  in  Tirol  und  Steiermark,  welche 
heute  fast  Null  ist,  wäre  einer  sehr  ansehnlichen  Steigerung  fähig,  ebenso 
wie  die  Erzeugung  der  silberarmen  u  d  silberleeren  Bleie  in  dem  nörd- 
lichsten Theile  des  Alpengebietes  und  in  Kärnten.  Der  durch  den  Betrieb 
vieler  Jahrhunderte  kaum  vernutzte  Goldbergbau  der  Salzburger  und  Kärnt- 
ner Hochalpen  wartet  noch  beständig  der  Hand,  die  ihn  im  heutigen  Sinne 
erst  lebensfähig  machen  und  ihm  einen  würdigen  Platz  unter  den  Metall- 
bergbauen Europa's  anweisen  solle.  Endlich  ist  in  den  Alpenländern,  na- 
mentlich in  Steiermark  und  Salzburg,  ein  solcher  Reichthum  an  Schwefel- 
kiesen vorhanden,  dass  derselbe  nur  der  Berührung  durch  Eisenbahnen 
bedarf,  um  für  jene  nur  denkbare  Schwefelsäurefabrikation  das  schönste 
Material  zu  liefern. 

Im  Jahre  1869  betrug  der  Gesammtwerth  aller  und  jeder  Hüttenerzeug- 
nisse in  der  westlichen  Reichshälfte  nicht  mehr  als  5,22-1,741  fl.  43  kr. 
exclus.  des  Eisens,  nämlich: 


21,574  fl. 

48 

kr. 

für 

Gold, 

1,638,076  fl. 

31 

kr. 

n 

Silber, 

654,631  fl. 

75 

kr. 

55 

Quecksilber, 

510,602  fl. 

43 

kr. 

» 

Kupfer, 

19,208  fl. 

38 

kr. 

n 

Kupfervitriol, 

340,136  fl. 

11 

kr. 

» 

Bleiglätte, 

1,012,880  fl. 

22 

kr. 

» 

Blei, 

8,216  fl. 

76  kr. 

n 

Nickel, 

48,065  fl. 

48 

kr. 

n 

Zinn, 

380,570  fl. 

4 

kr. 

55 

Zink, 

13,238  fl. 

30  kr. 

55 

Wismuth 

33,839  fl. 

kr. 

55 

Antimon, 

12,707  fl. 

86 

kr. 

Arsen, 

118,249  fl. 

81 

kr. 

55 

Schwefel, 

164,500  fl. 

kr. 

Eisenvitriol, 

74,503  fl. 

kr. 

55 

Urangelb, 

173,741  fl. 

50 

kr. 

n 

Alaun. 

5,224,741  fl. 

43 

kr. 

Es  wird  betont,  dass  es  eine  der  Jetztzeit  würdige  Aufgabe  wäre,  mit 
ihren  riesenmässigen  technischen  Hülfsmitteln  jene  von  uralter  Zeit  her 


204 


als  wichtig  und  vielversprechend  bekannten  Bergwerke  aus  den  höchsten 
Alpenregionen  in  einen  tieferen  Horizont  herunterzuziehen,  wo  dann  alle 
Bedingungen  für  einen  constanten  erfolgreichen  Betrieb  geboten  sind. 

Besonderes  Interesse  scheint  uns  bei  dem  grossen,  nicht  zu  befriedi- 
genden Bedarf  an  Nickel  der  S.  22  erwähnte  Zug  von  Kobalt-  und 
Nickelerzen  zu  verdienen,  den  man  von  Brixlegg  in  Tirol  in  genau  west- 
östlicher  Richtung  auf  eine  Länge  von  ca.  25  Meilen  bis  Schladming  in 
Obersteiermark  verfolgen  kann,  und  es  verdient  noch  erwähnt  zu  werden, 
dass  man  das  Vorkommen  von  Kobalt  und  Nickel  auch  in  Oberwallis  und 
in  den  Dauphineer-Alpen  kennt  und  dass  es  scheint,  als  finde  eine  Art 
staffeiförmiger  Gruppirung  der  dahin  gehörigen  Erzzüge  statt,  vermöge 
deren  dieselben  in  der  Richtung  von  W.  nach  0.  immer  weiter  nordwärts 
vorrücken ;  vielleicht  ist  auch  das  bekannte  und  weitaus  bedeutendste  Ko- 
balt- und  Nickelvorkommen  von  Dobschau  in  Ungarn  als  ein  Glied  dieser 
Kette  zu  betrachten. 


2.  Über  die  Streich ungslinien  der  Hauptgangzüge  in  den  nicht  un- 
garischen Ländern  der  österreichisch-ungarischen  Monarchie  hat  sich  Herr 
Freih.  v.  Beust  in  einer  besonderen  Abhandlung  verbreitet  (Jahrb.  d.  k. 
k.  geol.  Reichsanst.  XXII,  p.  143.) 


3.  Die  Eisenstein-Lagerstätten  der  Steyrischen  Eisen-Indu- 
striegesellschaft  bei  Eisenerz  hat  Franz  v.  Hauer  neuerdings  eingehend 
geschildert  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  XXII,  p  27.) 


4.  Über  Dislocationen  im  Pribramer  Erzreviere,  vgl.  F. 
Posepny  im  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  XXII,  p.  229. 


Dr.  Em.  Tietze :  Geologische  und  paläontologische  Mitth ei- 
lungen aus  dem  südlichen  Theil  des  Banater  Gebirgsstockes. 
(Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  XXII,  p.  35.  Taf.  2—9.)  —  In  einem 
vorläufigen  Berichte  über  die  geologischen  Verhältnisse  der  Gegend  um 
Berzsaszka  (=  Bersaska)  und  Swinitza  weist  der  Verfasser  das  Vorkom- 
men krystallinischer  Schiefer  und  älterer  Schiefergebilde,  Granit  und  Sye- 
nit, Glieder  der  Steinkohlenformation  aus  der  Zone  der  Farne,  SW.  von 
Eibenthal,  nach,  ferner  Serpentin  und  Gabbro,  Gesteine  der  Dyas  und 
Trias,  Lias,  Dogger,  Tithon  und  Neokom,  Aptien  oder  Gargasmergel,  obere 
Kreide  mit  Inoceramus  läbiatus  etc.,  Tertiärschichten,  jüngere  Porphyre 
und  Trachyte,  unter  welchen  eine  Abänderung  als  Nevadit  von  v.  Richt- 
hofen unterschieden  wird,  und  quartäre  Bildungen. 

Es  ergibt  sich  aus  diesen  Mittheilungen  und  einigen  daran  schliessen- 
den  Bemerkungen  zur  Tektonik  des  besprochenen  Gebirges,  wie  geologisch 
vielgestaltig  dieses  Gebiet  ist,  während  zwei  paläontologische  Beigaben 


205 


dazu  das  weitere  Interesse  noch  auf  sich  ziehen.  In  der  ersten  wird  eine 
grössere  Reihe  von  Liaspetrefacten  von  Bersaska  beschrieben, 
unter  ihnen  auch  der  spitz-kegelförmige  Zahn  eines  Wirbelthieres,  Taf.  2, 
fig.  7,  aus  dem  grünen  Tuff  der  Muntjana,  und  von  Mollusken  zahlreiche 
bekannte  und  neue  Arten. 

Die  zweite  Beigabe  behandelt  die  Ammoniten  des  Aptien  von 
Swinitza,  das  von  Tietze  in  einem  hellgrauen,  seltener  grün  gefärbten, 
nicht  sehr  mächtigen,  durch  Verwitterung  und  Tagfeuchtigkeit  weich  wer- 
denden Mergel  erkannt  worden  ist,  der  oberhalb  der  Kirche  von  Swinitza 
über  den  grauen,  kalkigen  Xeokomschichten  lagert. 

Der  Verfasser  beschreibt  daraus: 

Ammonites  Rouyanus  d'ORB. ,  A.  Velledae  Mich.,  A.  Charrierianus 
d'ORB.,  A.  Melchioris  n.  sp.,  seinem  Freunde  Dr.  Melchior  Neümayr  zu 
Ehren  genannt,  A.  Tachthaliae  n.  sp.,  A.  portae  ferreae  n.  sp.,  A.  bicur- 
vatus  Mich.,  A.  strcmgulätus  d'ORB.,  A.  quadrisulcatus  d'ORB.,  A.  Annibal 
Coquand,  A.  Grebenianus  n.  sp.,  A.  striatisulcatus  u.  A.  Trajani  n.  sp. 


Dr.  Em.  Tietze:  das  Gebirgsland  südlich  Glina  in  Croatien. 
(Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  XXII,  p.  253.)  —  Verfasser  kommt  in 
diesem  schätzbaren  Berichte  unter  Anderem  wieder  auf  die  Pflanzenreste 
von  Tergove  zurück,  welche  nach  Stur  zu  der  Steinkohlenformation,  nicht 
zur  Dyas  gehören.  Wichtiger  als  diese  wissenschaftliche  Streitfrage  ist 
der  Bergbau  von  Tergove,  worüber  man  gleichfalls  hier  einige  Mitthei- 
lungen erhält.  Von  sedimentären  Formationen,  die  auf  dem  krystallini- 
schen  Grundgebirge  ruhen,  werden  in  jenem  Gebirgslande  von  ihm  her- 
vorgehoben :  Steinkohlenformation,  unproductiv,  wenn  auch  der  oberen  Etage 
angehörend,  Glieder  der  Trias,  oberes  Eocän  oder  Oligocän,  Neogen  und 
quaternäre  Ablagerungen.  Unter  den  jung  eocänen  Eruptivgesteinen  wird 
S.  277  namentlich  ein  mit  Lherzolith  und  Dunit  nahe  verwandter  Olivin- 
fels  beschrieben,  während  S.  280  einige  trachytische  Gesteine  alsRhyo- 
lith  und  Lithoidit  aufgeführt  werden. 


Geologische  Karte  von  Schweden.  Stockholm,  1870—1872.  - 
(Jb.  1871 ,  950.)  —  Die  unter  Otto  Torell's  Leitung  ausgeführte  grosse 
geologische  Karte  von  Schweden  in  dem  Maassstabe  von  1  :  50,000  ist  seit 
unserem  Berichte  darüber  wiederum  durch  folgende  Blätter  bereichert 
worden : 

No.  42.    Engelsberg  von  Otto  Gumaelius. 
No.  43.    Salsta  von  A.  L.  Th.  Pettersson. 
No.  44.    Rydboholm  von  Edvard  Erdmann. 
No.  45.    Hörningsholm  von  M.  Stolpe. 

Zu  jedem  dieser  Blätter  ist  1  Heft  Erläuterungen  beigegeben. 


206 


Geologische  Karte  von  Preussen  und  den  Thüringischen 
Staaten  im  Maassstabe  von  1:25,000.  Herausgegeben  durch  das 
K.  Preussische  Ministerium  für  Handel,  Gewerbe  und  öffentliche  Arbeiten. 
Berlin,  1870—1872.  —  Es  sind  von  diesem  in  grossartigem  Maassstabe 
angelegten  Kartenwerke,  dessen  Leitung  den  Herren  Professor  Dr.  Beyrich 
und  Oberbergrath  Hauchecorne  übergeben  worden  ist,  bis  jetzt  erschienen: 
Erste  Lieferung: 
Section  Zorge,  geogn.  aufgen.  durch  E.  Beyrich, 

„  „     E.  Beyrich  u.  C.  Lossen, 


„      Benneckenstein , 
„  Hasselfelde, 
„  Ellrich, 
„  Nordhausen, 
„  Stollberg, 
Zweite  Lieferung: 
Section  Büttstedt, 
„  Rosla, 
„  Magdala, 
„  Eckartsberge, 
„  Apolda, 
„  Jena, 

Dritte  Lieferung: 
Section  Worbis, 
„  Bleicherode, 

Hayn, 
„      Nd.  Orschla, 
„      Gr.  Keula, 
„  Immenrode, 


C.  Lossen, 
E.  Beyrich, 
E.  Beyrich  u. 


H.  Eck, 


E.  Beyrich  u.  C.  Lossen. 


E.  E.  Schmid. 


v.  Seebach, 
Eck, 

v.  Seebach, 

GlEBELHAPSEN, 

Eck. 


Jedem  dieser  Blätter  ist  ein  Heft  Erläuterungen  des  Verfassers  bei- 
gefügt, die  wie  die  Karten  im  Verlage  von  J.  H.  Nefmann  in  Berlin  er- 
scheinen. 


Karten  und  Mittheilungen  des  Mittelrheinischen  Geolo- 
gischen Vereins.  Darmstadt,  1871 — 72.  (Jb.  1871,  658.)  —  Der  mittel- 
rheinische geologische  Verein  veröffentlicht  im  xinschluss  an  die  früheren 
in  dem  Maassstabe  von  1  :  50,000  bearbeiteten  geologischen  Specialkarten 
des  Grossherzogthums  Hessen  und  der  angrenzenden  Landesgebiete,  die 
Section  Biedenkopf,  bearbeitet  von  Rudolph  Ludwig.  Dem  erklärenden 
Texte  sind  ebenfalls  sehr  instructive  Profile  beigefügt. 


H.  Laspeyres:  Geologische  Mittheilungen  aus  der  Provinz 
Sachsen.  (Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  XXIV,  p.  265.  Taf.  12.)  - 
Der  Verfasser  beginnt  seine  schätzbaren  Mittheilungen  mit  einigen  Notizen 

1)  über  die  Zechstein-,  Buntsandstein-  und  Muschelkalk- 
formationen in  der  Umgegend  von  Halle  a.  d.  Saale. 


207 


Wenn  aber  S.  268  ausgesprochen  wird: 

„Das  Kupferschieferflötz  zwischen  Döblitz  und  Brachwitz  folgt  direct 
auf  dem  zu  Grauliegendem  oder  Weissliegendem  umgewandelten  Oberroth- 
liegenden",  so  möchten  wir  doch  zu  bedenken  geben,  dass  diese  Worte 
nicht  wörtlich  zu  nehmen  sind,  indem  das  Oberrothliegende  als  eine  lim- 
nische  Bildung  sich  nicht  in  das  Weissliegende  als  eine  Meeresbildung 
umwandeln,  sondern  nur  durch  dasselbe  vertreten  lassen  kann. 

2)  über  die  Tertiär-  oder  Braunkohlenformation,  welche 
als  horizontale  Decke  die  geneigten  älteren  Sedimente  discordant 
überlagert. 

Die  specielle  Untersuchung  dieser  wichtigen  Ablagerungen  führt  den 
Verfasser  S.  321  zu  einer  Parallele  zwischen  den  von  ihm  besprochenen 
Tertiärablagerimgen  mit  einigen  anderen  in  der  Provinz  Sachsen,  in  An- 
halt und  in  der  Mark  Brandenburg.  Bei  einem  Vergleiche  der  von  Plett- 
ner  für  die  Mark  Brandenburg  aufgestellten  Reihenfolge  mit  der  von  Las- 
peyres  in  der  Gegend  N.  von  Halle  für  die  Provinz  Sachsen  aufgestellten 
Gliederung  hat  sich  folgende  Parallele  ergeben: 


Mark  nach  Plettner. 

1.  Sandlager  (Glimmersand?). 

2.  Septarienthon. 

3.  Formsand  (mit  Lettenlagen). 

4.  Hangende  Flötzpartie  (drei  Flötze 
mit  Formsandmitteln). 

5.  Lettenlager  und  Kohlensand. 

6.  Liegende  Flötzpartie  (meist  vier 
Flötze  mit  Kohlensandmitteln). 

7.  Kohlensand  (als  unmitteloares  Lie- 
gendes). 

8.  Unterlage  bis  jetzt  nirgends  in  den 
Gruben  aufgeschlossen  (Thon?). 


Sachsen  nach  Laspeyres. 

1.  Sandlager  (Formsand  oder  Glim- 
mers and  j. 

2.  Septarienthon. 

3.  Magdeburger  Sand  (Kohlensand). 

4.  Obere  Flötzgruppe  (meist  nur  ein 
Flötz). 

5.  Stuben-  oder  Quarzsand  mit  tho- 
nigen (Letten-)  Lagen. 

6.  Untere  Flötzgruppe  (16  Flötze 
mit  Stubensandmitteln). 

7.  Knollensteinzone  (d.  h.  Stubensand 
mit  oder  ohne  Knollenstein). 

8.  Kapselthon. 


Der  Verfasser  hat  mit  dieser  Abhandlung  über  die  Braunkohlenfor- 
mation  der  Gegend  N.  von  Halle 

1)  einen  wichtigen  Beitrag  zur  positiven  Kenntniss  des  Tertiärs  in 
Norddeutschland  geliefert  durch  die  von  ihm  bei  Bearbeitung  der 
Sectionen  Petersberg,  Gröbzig  und  Zörbig  der  grossen  geologischen 
Karte  gesammelten  Beobachtungen; 

2)  durch  die  daran  geknüpften  Vergleiche  den  Beweis  geführt  ,  dass 
die  Gegend  N.  von  Halle  für  das  Studium  und  die  fernere ,  beson- 
ders kartographische  Bearbeitung  der  Tertiärformation  von  der  Pro- 
vinz Sachsen  den  Ausgangspunkt  und  Schlüssel  bilden  muss; 

3)  durch  die  Vergleiche  des  Tertiärs  in  der  Provinz  Sachsen  mit  dem 
in  der  Mark  Brandenburg  an  einem  neuen  Falle  gezeigt,  dass  auch 
ganz  junge  Schichten  und  Schichtensysteme  eine  ebenso  weit  aus- 


208 


haltende  und  sich  gleichbleibende  Beschaffenheit  aufweisen  können , 
wie  diejenigen  älterer  Formationen. 


George  Maw:  Bemerkungen  zur  Geologie  der  Ebene  von 
Marocco  und  des  grossen  Atlas.  (The  Quart.  Journ.  of  the  Geol. 
Soc.  of  London,  1872.  Vol.  XXVIII,  p.  85.  PI.  3.)  —  Über  die  Geologie 
der  Berberei  ist  noch  sehr  wenig  bekannt.  G.  Maw,  welcher  den  Vorzug 
hatte,  den  Dr.  Hooker  auf  seinem  botanischen  Ausflüge  in  diese  schwer 
zugänglichen  Gegenden  zu  begleiten,  theilt  hier  Ansichten  mit  von  jenen 
flach  abgestutzten  Tafelbergen  in  der  Ebene  von  Marocco,  die  dort  als 
„Camers  Back"  bezeichnet  werden,  ferner  von  dem  Kamme  des  grossen 
Atlas  im  Süden  von  Marocco,  12,000  bis  13,000  Fuss  hoch,  und  gibt  einen 
geologischen  Durchschnitt  längs  der  Ebene  von  Marocco  bis  zur  Wasser- 
scheide des  grossen  Atlas.  Die  ihm  bekannten  geologischen  Erscheinun- 
gen werden  im  Folgenden  summarisch  zusammengefasst: 

1)  Die  ältesten  Gesteine  sind  die  in  den  Bergketten  entwickelten  metamor- 
phischen  Gebirgsarten  N.  von  der  Stadt  Marocco,  wo  sie  den  nörd- 
lichen Rand  der  Ebene  bezeichnen. 

2)  Porphyrite  und  porphyritische  Tuffe  des  Atlas  bilden  den  Bücken 
der  Atlaskette,  deren  Alter  noch  unbestimmt  ist. 

3)  Senkrecht  aufgerichtete  Glimmerschiefer  von  Djeb  Tezah  im  Atlas, 
S.W.  von  Marocco,  werden  von  eruptiven  porphy ritischen  Gängen 
durchsetzt.    Ihr  relatives  Alter  ist  keineswegs  festgestellt. 

4)  Wir  kommen  nun  zu  einer  langen  Periode  der  Denudation,  welche 
die  Atlaskette  erlitten  hat  vor  Ablagerung  des  rothen  Sandsteines 
und  Kalksteines  in  den  Thälern  und  Hügeln  ihres  Abhanges. 

5)  Die  Ablagerung,  über  der  sich  jetzt  die  Ebene  von  Marocco  aus- 
breitet, von  cretacischem  rothem  Sandstein  und  Kalk  (vielleicht  auch 
von  Schichten  miocänen  Alters),  hat  zunächst  die  vorhandenen  Thä- 
ler  in  den  älteren  Porphyrien  des  Atlas  ausgefüllt. 

6)  Dioritartige  Gesteine,  welche  Porphyrit  und  seine  Tuffe  durchdrun- 
gen haben,  mögen  eine  weitere  Erhebung  der  Atlaskette  begleitet 
haben,  indem  sie  die  Schichten  der  rothen  Sandsteine  und  Kalke 
gleichzeitig  störten. 

7)  Eine  weitere  lange  Periode  der  Denudation  hat  auch  diese  Schich- 
ten getroffen  und  von  ihnen  in  der  Maroccischen  Ebene  jene  Tafel- 
berge übriggelassen ,  die  über  das  gewöhnliche  Niveau  der  Ebene 
hervorragen. 

8)  Ein  späterer  Ausbruch  rother  Porphyrite  durch  die  Schichtenreihe 
der  Ebene  mag  gleichzeitig  erfolgt  sein  mit  der  Eruption  der  rothen 
Porphyrgänge  von  Djeb  Tezah  im  hohen  Atlas. 

9)  Einer  postcretacischen  Eruption  durch  die  rothe  Sandstein-  und  Kalk- 
stein-Reihe ist  eine  Reihe  von  Gängen  basaltischer  Mandelsteine  zu- 
zuschreiben. 

10)  Die  neuesten  Veränderungen  beginnen  mit  der  Bildung  riesiger  Blöcke 


209 


in  den  Schichten,  welche  den  nördlichen  Abfall  des  Atlas-Plateau 
bis  zu  3900  Fuss  Höhe  moränenartig  begrenzen. 

11)  Die  Bildung  von  Moränen  in  dem  oberen  Theile  der  Thäler  des 
Atlas  beginnt  in  der  Höhe  von  5800  Fuss  und  breitet  sich  an  den 
Felsen  der  Atlaskette  bis  7000—8000  Fuss  Höhe  aus. 

12)  Bildung  einer  Ebene  hinter  solchen  Moränen  in  6700  Fuss  Höhe. 

13)  Rückschritt  und  Aufhören  der  Gletscher  in  der  Atlas-Kette,  auf 
welcher  jetzt  nicht  einmal  ewiger  Schnee  liegt. 

14)  Erhebung  der  Küstenlinie  um  mindestens  70  Fuss. 

15)  Eine  schwache  Senkung  der  Küstenlinie  ist  noch  jetzt  mit  Anhäu- 
fung ausgedehnter  Ablagerungen  von  Dünensand  bei  Mogador  ver- 
bunden. 

16)  Die  Bildung  einer  tuffartigen  Kruste  fast  über  der  ganzen  Ebene 
von  Marocco  durch  schnelle  Verdampfung  des  aus  den  darunter 
lagernden  kalkigen  Schichten  aufsteigenden  Wassers,  wodurch  blät- 
terige Lagen  von  Kalkspath  entstehen,  schreitet  noch  gegenwärtig  fort. 

H.  Trautschold:  das  Gouvernement  Moskau.  (Zeitschr.  der 
Deutsch,  geol.  Ges.  1872.  XXIV,  p.  361.  Taf.  13,  14.)  —  Die  Kais.  Mi- 
neralogische Gesellschaft  in  Petersburg  hat  seit  dem  Jahre  1866  durch 
ihre  Mitglieder  eine  Reihe  von  Untersuchungen  ausführen  lassen,  welche 
vorzugsweise  die  geologische  Kartirung  Russlands  zum  Zwecke  haben.  Es 
sind  seit  jener  Zeit  die  Gouvernements  Petersburg,  Twer,  Moskau  und 
Kasan  durchforscht  und  die  betreffenden  geologischen  Karten  entworfen 
worden. 

Mit  der  Aufnahme  des  Gouvernements  Moskau  wurden  Auerbach  und 
Trautschold  betraut.  Den  Ersteren,  welchem  die  Untersuchung  des  nörd- 
lichen Theiles  des  Gouvernements  oblag,  ereilte  der  Tod  noch  vor  Vollen- 
dung der  Arbeit,  so  dass  dem  Letzteren,  für  welchen  ursprünglich  nur 
der  südliche  Theil  des  Gouvernements  bestimmt  war,  die  Beendigung  der 
ganzen  Arbeit  übertragen  wurde. 

Die  Schriften  über  die  geologische  Aufnahme  Russlands  werden  unter 
dem  Titel:  „Materialien  für  die  Geologie  Russlands"  veröffent- 
licht, leider  nur  in  russischer  Sprache,  welche  den  meisten  Fachge- 
nossen unzugänglich  ist.  Nur  die  Abhandlung  Trautschold's  über  den 
südöstlichen  Theil  des  Gouv.  Moskau  ist  in  den  Verhandlungen  der  Mi- 
neralogischen Gesellschaft  zu  Petersburg  noch  in  deutscher  Sprache  ge- 
druckt, alles  Spätere  über  diesen  Gegenstand  dagegen  in  russischer  Sprache. 

Der  Verfasser  bricht  S.  362  eine  Lanze  für  die  Veröffentlichung  wis- 
senschaftlicher Arbeiten  in  der  Muttersprache,  wodurch  nicht  allein  dem 
überall  zum  lebhaftesten  Ausdrucke  gelangten  Nationalgefühle  Rechnung 
getragen  werde,  sondern  die  wissenschaftlichen  Arbeiten  im  Inlande  selbst 
mächtig  gefördert  würden,  hofft  jedoch,  dass  in  der  Zukunft  die  Über- 
setzer von  Originalarbeiten  eine  ähnliche  Rolle  spielen  werden,  wie  die 
Abschreiber  vor  Erfindung  der  Buchdruckerkunst. 

Jahrbuch  1873.  14 


210 


Ohne  in  jene  mittelalterliche  Zeit  uns  zurückversetzen  und  die  Er- 
richtung einer  Zunft  von  Übersetzern  befürworten  zu  wollen,  em- 
pfehlen wir  nur  allen  werthen  Fachgenossen,  die  den  Beruf  fühlen,  in 
versiegelten  Sprachen  zu  schreiben,  dem  praktischen  und  nachahmens- 
werthen  Beispiele  zu  folgen,  das  in  verschiedenen  schwedischen  und  spa- 
nischen Werken  durchgeführt  worden  ist,  den  in  der  Originalsprache  ge- 
schriebenen Werken  einen  wenn  auch  nur  kurzen  Extract  in  einer  den 
Männern  der  Wissenschaft  leichter  zugänglichen  Sprache,  sei  es  der  deut- 
schen, französischen  oder  englischen,  beizufügen. 

Dass  diess  am  besten  und  erfolgreichsten  von  dem  Autor  selbst  ge- 
schehe, beweist  Trautschold  durch  seinen  hier  niedergelegten  Extract 
über  die  geologischen  Verhältnisse  des  Gouvernements  Mos- 
kau. Sämmtliche  Schichtencomplexe ,  welche  innerhalb  dieses  Gouverne- 
ments zu  Tage  treten,  lassen  sich  in  4  Gruppen  zusammenstellen,  in  so- 
fern sie  zum  Bergkalk,  zum  Jura,  zur  Kreide  und  zu  den  eluvialen  Bil- 
dungen gehören.  Bergkalk  bleibt  demnach,  abgesehen  von  dem  Devoni- 
schen und  Silurischen,  in  welche  nur  der  Bohrer  hinabgestiegen  ist,  die 
sichtbare  Grundlage  aller  übrigen  Bildungen. 

Die  tiefste  Schicht  des  Moskauer  Bergkalkes,  die  bei  Sserpuchof  zu 
Tage  tritt,  gehört  dem  mittleren  Bergkalke  an.  Im  Allgemeinen  ist  aller 
Bergkalk  des  Gouvernements  Moskau  jüngerer  Bergkalk,  aber  schon  bei 
Sserpuchof,  an  der  Grenze  des  Gouv.  Tula,  treten  die  mittleren  Schichten 
auf,  und  der  genannten  Stadt  gegenüber,  auf  dem  rechten  Ufer  der  Oka, 
findet  sich  schon  der  untere  Bergkalk  mit  Productus  giganteus  in  massi- 
gen Lagern  entwickelt  in  denselben,  die  weiter  nach  S.  und  SW.  die  Un- 
terlage für  die  Steinkohlen  Mittelrusslands  abgeben.  Auf  dem  jüngeren 
Bergkalk  lagert  keine  Steinkohle,  wenigstens  ist  bis  jetzt  nur  an  dem 
rechten  Ufer  der  Nara  ein  unbedeutendes  Nest  Kohle  zwischen  Bergkalk 
und  Jura  aufgefunden. 

Auf  den  Bergkalk  folgt  im  Gouv.  Moskau  unmittelbar  Jura,  und 
zwar  nicht  Lias,  sondern  mittler  oder  brauner  Jura. 

Die  Kreideablagerungen  des  Gouvernements  sind  die  nördlich- 
sten, die  überhaupt  im  europäischen  Russland  nachgewiesen  sind.  Es  sind 
theils  Festlandbildungen,  theils  Meeresabsätze.  Sie  scheinen  sich  auf  Gault, 
oberen  Grünsand  und  untere  weisse  Kreide  zurückführen  zu  lassen. 

Alles,  was  die  Meeressedimente  im  Gouv.  Moskau  bedeckt  und  was 
man  bisher  unter  den  Namen  Alluvium  und  Diluvium  zusammengefasst 
hat,  ist  nichts  als  der  ausgesüsste  und  geschlämmte  Rest  jener  Meeres- 
absätze, der  Kreide,  des  Jura,  des  Bergkalks;  es  sind  die  in  Lehm  und 
Sand  verwandelten  Mergelthone,  glaukonitischen  Sande  der  genannten  For- 
mationen. Der  Verfasser  hat  desshalb  dieses  an  Ort  und  Stelle  gebildete 
Product  der  Auswaschung  Eluvium  genannt  zum  Unterschied  von  Di- 
luvium und  Alluvium,  mit  welchen  Ausdrücken  man  immer  den  Begriff 
des  Transports  von  fernher  verbindet. 

Es  kommen  natürlich  innerhalb  des  Eluviums  noch  andere  Gebilde 
vor,  wie  Süsswasserkalk ,  Lignitmoor,  Torf,  Sumpferz,  erratische  Blöcke, 


211 

Geröll  etc.,  aber  der  Hauptsache  nach  ist  die  Decke  der  Meeresabsätze 
nur  Eluvium. 

Dieser  Extract  ist  von  einer  geologischen  Karte  des  Gouvernements 
Moskau  und  von  einer  Schichtentabelle  begleitet,  auf  welcher  die  wichtig- 
sten Leitfossilien  mit  aufgenommen  worden  sind. 


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David  Hümmel:  Apergu  de  la  Geologie  du  Hallands  As.  (Of- 
versigt  af  Kongl.  Vetenskaps-Ak.  Förh.  1871.  No.  5,  p.  585—613.  I-VIII. 
Tab.  12,  13.)  —  Der  in  schwedischer  Sprache  geschriebenen  Abhand- 
lung ist  ein  Resume  in  französischer  Sprache  angehängt,  welches  Ver- 
fahren man  zur  Nachahmung  dringend  empfehlen  kann.  Unter  dem  Namen 
o 

„Hallands  Asu  versteht  man  eine  schmale  Kette  im  nordwestlichen  Scho- 
nen, die  wie  eine  Grenzmauer  die  niedrigen  Gegenden  von  Schonen  und 
Hailand  scheidet  und  nach  Ost  hin  ihre  grösste  Höhe  von  226  m.  über 
dem  Meere  erreicht. 

Die  Höhenverhältnisse  des  ganzen  Landstriches  sind  auf  einer  geolo- 
gischen Karte  im  Maassstabe  von  1  :  125,000  durch  Niveaucurven  und  ge- 
eignete Schraffirungen  sehr  gut  hervorgehoben. 

Das  vorherrschende  Gestein  ist  ein  röthlicher  G  n  e  i  s  s ,  der  häufig  mit 
Hornblendeschiefer  wechselt  und  mit  dem  Magneteisenerz-führenden 
Gneisse  oder  „Jerngneis"  in  Schweden  übereinstimmen  mag. 

N.N.-Ost  von  Torekow  begegnet  man  einem  grauen,  quarzigen  Sand- 
steine, welcher  Diplocraterion  parallelum  Tor.  und  Scolithus  errans  Tor. 
enthält  and  zur  cambri sehen  Gruppe  gehört.  Neuere  Bohrungen  haben 
h)  der  Ebene  von  Barkakra,  N.  von  Engelhom,  kohlenführende  Schichten 
nachgewiesen,  welche  wahrscheinlich  zum  Lias  gehören. 

In  dem  Gneisse  und  jenem  alten  Sandsteine  treten  Gänge  von  Hype- 
r  i  t  auf. 

Das  Studium  der  quartären  Gebilde  hat  das  Vorhandensein  noch  an- 
derer Gebirgsarten  dort  nachgewiesen,  wie  Bruchstücke  von  Alaunschiefer, 
Lias  und  Kreide. 

Unter  dem  Titel:  „Charpente  geologie"  sucht  Hümmel  den  Nachweis 

0 

zu  führen,  dass  die  Bildung  des  Hallands  As  in  ihrer  Gesammtheit  zwei 
Epochen  angehört,  deren  erstere  vor,  die  letztere  nach  der  cambrischen 
Periode  fällt. 

Von  besonderem  Interesse  sind  die  dort  auftretenden  quaternären 
Gebilde,  deren  Reihenfolge  mehrere  Durchschnitte  auf  Taf.  12  fest- 
stellen lassen.  Man  unterscheidet  von  unten  nach  oben :  diluvialen  ?  Sand, 
eckigen  Kies  (offenbar  Moräne),  Rollkies,  Gletscher-Sand  und  Thon,  post- 
glacialen  Sand  und  Alluvialthon  (svämlera). 

Ausser  den  krystallinischen  Gesteinen  haben  gewisse  Schichten  der 
Kreideformation  einen  wesentlichen  Beitrag  zu  diesen  Ablagerungen  ge- 
liefert, 

14* 


212 


Sämmtiiche  dort  zu  beobachtenden  Erscheinungen  weisen  auf  alte  Glet- 
scher hin.  Die  Ablagerungen  des  Gletscher sandes  bei  Grefvie  zeigen,  dass 
sich  das  Meer  dort  90  m.  über  seinem  jetzigen  Niveau  befunden  habe. 

Noch  in  der  gegenwärtigen  Epoche  ist  die  Gegend  von  Hollands  As 
einer  Hebung  unterworfen. 


E.  Erdmann:  Beiträge  zur  Frage  von  den  Niveau  Verände- 
rungen Schonens.    (Geol.  Förenis  i  Stockholm  Förh.  Bd.  I,  S.  93.) 

Auf  mehrere  festgestellte  Thatsachen  gestützt  hat  man  es  schon  längst 
als  abgemacht  angesehen,  dass  der  südlichste  Theil  von  Schweden,  Scho- 
nen, im  Hinuntersinken  begriffen  sei,  während  umgekehrt  die  nördlichen 
Gegenden  der  Scandinavischen  Halbinsel  sich  emporheben.  Es  ist  auch 
unbestreitbar,  dass  eine  Senkung,  selbst  in  geschichtlicher  Zeit,  in  Schonen 
stattgefunden  hat;  der  Verfasser  bezweifelt  jedoch,  dass  dieselbe  noch  an- 
dauert. Mehrere  Beobachtungen  an  den  Uferterrassen  der  Westküste 
scheinen  dagegen  noch  eine  schwache  Hebung  in  der  jüngsten  Zeit  anzu- 
deuten. (Tö.) 


C.  Alfr.  Jentzsch:  über  das  Quartär  der  Gegend  von  Dres- 
den und  über  die  Bildung  des  Löss  im  Allgemeinen.  Clnau- 
gural-Dissertation.)  Halle,  1872.  8°.  99  S.  Taf.  1.  —  Der  fleissigen 
Arbeit  des  Dr.  A.  Jentzsch  im  Jahrb.  1872,  p.  449  über  die  Gliederung 
und  Bildungsweise  des  Schwemmlandes  in  der  Umgegend  von  Dresden  ist 
diese  neue,  letztere  wesentlich  ergänzende  Arbeit  schnell  gefolgt,  welche 
einem  Jeden  um  so  leichter  zugänglich  geworden  ist,  als  sie  in  der  Zeit- 
schr.  f.  ges.  Naturw.  in  Halle,  1872,  Bd.  40  aufgenommen  worden  ist. 


W.  v.  Haidinger:  des  Herrn  Joachim  Barrande  Systeme  Silu- 
rien  du  Centre  de  la  Boheme.  (Schreiben  von  W.  v.  Haidinger  an 
Ed.  Döll.  „Realschule"  No.  4  und  5,  1872.)  —  Bereits  am  Weihnachts- 
abende des  Jahres  1870  hatte  Haidinger  diese  Anzeige  von  Barrande's 
classischem  Werke  beendet,  doch  konnte  diese  letzte  Arbeit  von  ihm  erst 
nach  seinem  Tode  veröffentlicht  werden.  Da  die  Leser  des  Jahrbuches 
mit  Barrande's  Meisterarbeiten,  über  welche  Haidinger  hier  eine  Übersicht 
gibt,  vertraut  sind,  beschränken  wir  uns  darauf,  wörtlich  das  zu  wieder- 
holen, was  Haidinger  über  die  Colonien  sagt. 

„Barrande  hat  während  seiner  Arbeiten  gefunden,  dass  manche  For- 
men in  den  Faunen  tieferer  Schichten  sich  zeigen,  die  sodann  wieder  in 
den  unmittelbar  darauf  folgenden  nicht  gefunden  werden,  aber  in  noch 
höheren  in  grösserer  Entwickelung  auftreten.  Er  bezeichnete  die  ersteren 
durch  den  Ausdruck  der  „Colonien". 

Ein  jüngerer  eingeborener,  geologischer  Forscher  in  Prag,  Herr  Prof. 
Joh.  Krejci,  hatte  vertrauend  auf  Beobachtungen  in  der  Umgegend  die 
Erscheinungen  erklären  zu  können  geglaubt,  wenn  er  dieselben  gewissen 


213 


Verwerfungen  der  Schichten  zuschrieb.  Derselbe  hatte  sich  im  Sommer 
1859  als  Volontär  Herrn  Bergrath  M.  V.  Lipold  von  der  k.  k.  geologi- 
schen Reichsanstalt  angeschlossen,  und  berichtete  an  diese  nun  in  seiner 
Ansicht.  Aber  er  hatte  in  der  That  bei  seiner  vorgefassten  Meinung  von 
den  Grundlagen  der  BARRANDE'schen  Erfahrungen,  welche  dieser  doch  so 
gerne  zuvorkommend  mittheilte,  nicht  hinlänglich  Kenntniss  genommen. 
Im  nächsten  Jahre  (1860)  erhielt  Herr  Bergrath  Lipold  den  Auftrag,  bei 
dem  auffallenden  Gegensatze,  eine  oder  die  andere  der  Colonien  einer  ge- 
nauen Untersuchung  zu  unterziehen.  Ungeachtet  der  nun  folgenden  Ein- 
sprüche von  Seite  Barrande's  hatte  sich  Lipold  vollständig  den  Ansichten 
Krejci's  angeschlossen  und  sie  mit  solcher  Bestimmtheit  behauptet,  dass 
bei  einem  erneuerten  Einsprüche  Barrande's  auch  ich  veranlasst  war,  über 
die  Entwickelung  der  von  einander  abweichenden  Ansichten  ein  Wort  zu 
sagen.  Mein  Bericht  gibt  die  Literatur  der  einzelnen  Mittheilungen  bis 
zu  jener  Zeit.  Zum  Schlüsse  hatte  ich  noch  Herrn  Barrande's  hohes  Ver- 
dienst uneingeschränkt  anerkannt,  „wie  immer"  die  „endliche  Ausgleichung" 
der  „gegenwärtigen  Verschiedenheiten  unserer  Ansichten"  sich  stellen 
würde. 

Ich  darf  mich  hier  um  so  mehr  kurz  fassen,  als  freilich  erst  nach 
langen  Jahren,  auch  von  den  Gegnern,  Herren  Krejci  und  Lipold,  der 
Versuch,  die  Colonien  durch  Dislocationen  zu  erklären,  vom  ersteren  als 
„nicht  haltbar"  erkannt  wird,  der  letztere  aber  erklärt,  dass  seiner  An- 
sicht durch  die  neuen  Auffassungen  des  Herrn  Krejci  die  wesentlichste 
Grundlage  entzogen  wird.  Beide,  diese  Erklärungen  enthaltenden  Schrei- 
ben werden  in  den  angeführten  Orten  in  den  Verhandlungen  durch  ent- 
sprechende, höchst  wohlwollende  Empfangsbestätigungen  zur  Kenntniss 
genommen.  Es  darf  mir  wohl  gestattet  sein,  den  Wunsch  auszusprechen, 
Herr  Oberbergrath  Lipold  hätte  damals  in  etwas  mehr  unabhängiger  Weise 
sich  nicht  den  Ansichten  des  Herrn  Krejci  so  leichthin  bequemt.  Es  wäre 
mir  dadurch  schon  damals  beschieden  gewesen,  den  Fortschritt  der  Kennt- 
niss durch  Herrn  Barrande  gewonnen,  einfach  freudig  anzuerkennen,  was 
nun  erst  meinem  Nachfolger  im  Amte,  Herrn  Franz  R.  v.  Hauer  gegönnt 
war. 

In  dem  Werke:  »Defense  de  Colonies"  IV.  1870,  widmet  Hr.  Barrande 
unter  andern  einen  eigenen  Abschnitt  „Paix  mix  Colonies"  S.  79  ganz 
einer  solchen  Zusammenstellung  der  sämmtlichen  Vorgänge,  und  zwar, 
man  muss  diess  zugestehen,  in  wahrhaft  grossmüthiger  Weise.  Es  ist  ihm 
wohl  zu  gönnen,  dass  er  noch  selbst  diese  Befriedigung  genoss." 


214 


C.  Paläontologie. 

L.  G.  de  Köninck:  No  uv  eil  es  reehe.rches  sur  les  animaux 
fossiles  du  terrain  carbonifer  e  de  la  B  elgiq.ue.  I.  Bruxelles, 
1872.    4°.    178  p.,  15  PI.  - 

Wer  mit  der  paläontologischen  Literatur  nur  einigermaassen  bekannt 
ist,  weiss  auch  zu  schätzen,  wie  wesentlich  Professor  L.  G.  de  Köninck 
durch  seine  1842— 1844  veröffentlichte  „Description  des  animaux  fossiles", 
durch  seine  1847  folgenden  „Reeherches  sur  les  animaux  fossilesu  und 
weitere  Arbeiten  die  damals  noch  in  ihrer  Kindheit  begriffene  Wissenschaft 
gefördert  hat.  Seit  ihrem  Erscheinen  ist  eine  lange  Reihe  von  Jahren 
vergangen,  in  welchen  der  vortreffliche  Forscher  zum  grossen  Bedauern 
Aller,  die  seine  wichtigen  Arbeiten  kannten,  geschwiegen  hat,  Dass  er 
den  lieb  gewonnenen  Studien  treu  geblieben  und  die  Riesenfortschritte  der 
Paläontologie  unterdessen  auf  das  aufmerksamste  verfolgt  hat,  lehren  die 
vorliegenden  Blätter,  denen  hoffentlich  recht  bald  noch  weitere  folgen 
werden. 

Die  Veranlassung  zu  denselben  gab  eine  grössere  Anzahl  Versteine- 
rungen aus  der  Carbonformation,  welche  Ed.  Düpont  in  den  Umgebungen 
von  Dinant  entdeckt  hat  und  in  dem  unter  seiner  Direction  stehenden  Mu- 
seum der  Naturgeschichte  in  Brüssel  aufbewahrt. 

L.  de  Köninck,  der  sich  ihrer  Untersuchung  unterzogen  hat,  nahm 
Veranlassung,  alle  seit  1842  —  1852  von  ihm  aus  carbonischen  Schichten 
Belgiens  überhaupt  beschriebenen  Arten  von  Neuem  zu  revidiren  und  ihre 
Bestimmungen  und  Synonymik  mit  den  neuesten  Fortschritten  der  Wissen- 
schaft in  Einklang  zu  bringen. 

Der  vorliegende  erste  Theil  des  neuen  Meisterwerkes  behandelt  : 
Cl.  1.    Polypi  Lam. 
Ord.  Ii  Zoantharia. 
Sect.  I.    Rugosä  M.  Edw.  u.  H. 

1.  Farn.  CyathophyUidae. 

Gen.  Lonsdaleia  M'Cov,  1  Art,  Axophyllum  M.  E.  u.  H..  3  sp.,  Litho- 
strotion  Lwyd,  4  sp. ,  Dipliypliyllum  Lonsu..  1  Art,  CHsiopliylhun  Dana, 
4  sp.,  GampophyUum  M.  Edw.  u.  EL,  2  sp.,  Cyathophylliun  Goldf.,  2  sp., 
Hadrophyllum  M.  Edw.  u.  H.,  1  Art,  Lophophyllion  M.  Edw.  u.  EL  4  sp., 
Pentapliyllum  de  Kon.,  2  sp.,  Menoplvjllum  M.  Eüw.  u.  H.,  1  Art,  Phry- 
giwphyJlum  de  Kon.,  1  Art,  Amplexus  Sow.,  10  sp.,  Zaphrejitis  Raf.,  19 
sp.,  Duncania  de  Kon.,  1  Art, 

2.  Farn.  Cyathaxonidae. 

Gen.    Cyatliaxonia  Mich.,  2  sp. 

3.  Farn.    Petraiadae  de  Kon. 
Gen.  Petraia  Mün.,  1  Art. 

II.    Tabulata  M.  Hdw.  u.  H. 
Farn.  Favositidae. 

Gen.    Bhizopora  de  Kon.,  1  Art,  Syringopora  Goldf.,  4  sp.,  Emmon* 


sia  M.  Edw.  u.  H. ,  1  Art,  Michelinia  de  Kon.,  4  sp.,  Favosites,  Lam.,  2 
sp.,  Beaumontia  M.  Edw.  u.  H.,  1  Art,  Monticulipora  cTOrb.,  2  sp. 
III.    Tubulosa  M.  Edw.  u.  H. 
Farn.  Auloporidae. 

Gen.    Aulopora  Goldf.,  1  sp.,  Cladochonus  M'Coy,  1  sp. 

IT.    Perforata  M.  Edw.  u.  H. 
Fam.  Madreporidae. 
Gen.    Palaeacis  J.  Haime,  2  sp. 

V.    Apora  M.  Edw.  u.  H. 

Fam.  Fungidae. 

Gen.    Mortieria  de  Kon.,  1  Art. 

Anhang:  Tetragonophyllum  problematicum. 

Es  sind  im  Ganzen  hier  80  Arten  beschrieben,  deren  geographische 
Verbreitung  in  Belgien  und  andern  Ländern  noch  in  einer  tabellarischen 
Übersicht  am  Schlüsse  des  Heftes  zusammengestellt  ist.  Sämmtliche  Ab- 
bildungen sind  in  nachahmenswerther  Weise  ausgeführt. 


Henry  Hicks:  über  einige  unbeschriebene  Fossilien  der  Me- 
nevian-Gr uppe.  (The  Quart.  Journ.  of  the  Geol.  Soc.  of  London,  Vol. 
XXVffl,  p.  173.  PI.  5—7.)  -  (Vgl.  Jb.  1872,  553.)  —  Unter  den  hier 
beschriebenen  Arten  befindet  sich  eine  neue  Trilobitengattung  Carausia, 
während  T.  R.  Jones  S.  183  noch  über  zwei  Entomostraceen  aus  den 
cambrischen  Schichten  von  St.  David's,  Leperditia  Hicksi  Jon.  und  Ento- 
mis  buprestes  Salter,  und  den  Jugendzustand  eines  Trilobiten  (Larval 
Trüobite?)  beschreibt, 


0.  Torell:  Bidray  tili  Sparagmitetagens  geognosi  och  pa- 

0 

l  eontolo  gi.  (Lunds  Univ.  Arsshrift.  T.  IV.)  40  p.,  3  Tab.  —  Der 
Name  Sparagmit  ist  von  6~dpay/.ia,  Bruchstück,  abgeleitet.  Die  Spa- 
ragmitetage  Kjerulf's,  welche  in  dem  mittleren  Skandinavien  einen 
weiten  Flächenraum  einnimmt  und  sich  auch  nach  Schonen  verbreitet,  ent- 
spricht nach  Torell  der  L  ongmynd-Gruppe  Lyell's,  oder  der  cam- 
brischen Zone  im  neueren  Sinne,  und  der  Begio  fucoidarum  Angelin., 
welche  auf  dem  Gneisse  ruhen. 

Deutlicher  wird  diess  in  einer  späteren  Schrift  von  Torell:  Petrifi- 

0 

cata  Suecana  Formationis  Cambricae  (Lunds  Unk.  Arsskrift.  T.  VI. 
1869)  ausgesprochen,  wo  die  britannischen  Schichten  mit  schwedischen 
Schichten  in  der  nachstehenden  Tabelle  verglichen  werden: 


216 


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217 


Jener  „Saxum  arenaceum,  Fucoides  continens"  enthält  namentlich 
Fucoides  antiquus  Bgt.  und  den  auch  in  Thüringen  wohlbekannten  Fu- 
coides circinnatus  Bgt.  (CJiondrites  circ.  Gein.,  Phycodes  circ.  Richter)  und 
würde  nach  Mdrchison  sich  mehr  an  die  untersilurische  Menevian-Gruppe, 
als  an  die  eigentliche  cambrische  Gruppe  anschliessen. 

In  der  erstgenannten  Schrift  beschreibt  Torell  aus  der  älteren  Eo- 
phytum-führenden  Sandsteinzone,  welche  er  der  unteren  cambrischen  Gruppe 
gleichstellt : 

1)  Arenicolites  gigas  Tor.  von  Cimbrishamn  in  Schonen, 

2)  Scolithus  linearis  Hall, 

3)  Cordaites?  Nilssoni  Tor.  von  Gladsax  im  östlichen  Schonen, 

4)  Eophyton  Linnaeanum  Tor.  von  Billingen  und  Lugna's  in  West- 
gothland,  sowie  aus  einem  untersilurischen  Sandstein  von  dem  Ringsjön- 
See  in  Schonen, 

5)  Spuren  von  Würmern  oder  Algen  von  Lugnas,  und  es  werden  die 
Spuren  der  ältesten  Organismen  auf  schwedischem  Boden  durch  Abbil- 
dungen veranschaulicht. 

•  In  der  zweiten  Abhandlung  Torell's  sind  sämmtliche  bis  dahin  in 
diesen  Ablagerungen  in  Schweden  unterschiedenen  Arten  zusammengesteltt 
worden,  und  zwar: 

A.    Petrificata  incertae  sedis. 
Cruziana  dispar  Lins.  sp.  (Rhysophycus  dispar)  Linnarsson. 
Cruziana?  orbicularis  n.  sp. 
Lithodictyon  ßstulosum  n.  g.  et  sp. 

B.  Plantae. 

Pcdaeophycus  tubularis  Hall,  Fucoides  antiquus  Bgt.,  F.  circinnatus 
Bgt.,  in  der  oberen  Sandsteinzone. 

Archaeorrhiza  tuberosa  n.  g.  et  sp., 

Halo^oa  imbricata  et  H.  composita  n.  g.  et  sp., 

Cordaites?  Nilssoni  Tor. 

Eophyton  Linnaeanum  Tor.  u.  E.  Torelli  Lins. 

C.  Animalia. 

a)  Spuren  von  Würmern,  Crustaceen  oder  Mollusken. 
Psammichnites  n.  g.  mit 

Ps.  gigas  Tor.  (früher  als  Arenicolites  gigas  Tor.  aufgeführt), 
Ps.  Gumaellii  n.  sp., 

Ps.  impressus  n.  sp.  (oben  als  Spuren  von  Würmern  oder  Algen  be 
zeichnet),  und 

Ps.  filiformis  n.  sp. 

b)  Coelenterata. 
Protolyellia  princeps  n.  g.  et  sp. 

c)  Echinodermata. 
Spatangopsis  costata  n.  g,  et  sp. 


218 


d)  Vermes. 
Micrapium  erectum  n.  g.  et  sp. 

Spiroscolex  n.  g.  mit  2  Arten,  unter  welchen  eine  früher  als  Areni- 
colites  spiralis  Tor.  unterschiedene  Form, 

Scolithus  linearis  Hall,  Sc.  errans  n.  sp.  und 
Sc:,  pusillus  n.  sp., 

Monocraterion  tentaculatum  n.  g.  et  sp., 

Diplocraterion  n.  g.  mit  2  Arten,  welche  mit,  früher  als  Arenicola 
oder  Arenicolites  beschriebenen  Formen  grosse  Ähnlichkeit  zeigen. 

e)  Mollusca. 

Lingula  monilifera  Lins.,  L.  favosa  Lins.  u.  L.  sp. 


G.  Stäche:  Entdeckung  von  Graptolithen-Schiefern  in  den 
Südalpen.  (Verh.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  No.  11.  S.  234.  No.  16.  1872, 
p.  323.)  —  Auf  einem  Durchschnitte,  welchen  Bergrath  Stäche  von 
Uggowitz  im  Fellathale  über  den  Sattel  W.  vom  Osternig-Berge  nach  Vor- 
derberg im  Gailthal  machte,  zeigte  sich  eine  nicht  sehr  breite  Zone  von 
schwarzen  Schiefern,  welche  stellenweise  ganz  voll  sind  von  graphitisch  - 
oder  silbergrauen,  meist  matt  glänzenden  Graptolithen.  Es  wurden  einige 
dieser  Graptolithen,  unter  denen  sich  Monographus  Proteus  Ba.  u.  a.  be- 
kannte Arten  befanden,  in  Dr.  Stache's  Auftrag  durch  Dr.  Neumayr  schon 
in  der  Versammlung  der  deutschen  Geologen  in  Bonn  im  September  1872 
vorgelegt. 


G.  Stäche:  neue  Fundstellen  von  Fusulinenkalk  zwischen 
Gailthal  und  Canalthal  in  Kärnthen.  (Verh.  d.  k.  k.  geol.  Reichs- 
anst. 1872.  No.  14,  p.  283.)  —  Es  ist  dem  genauen  Beobachter  gelungen, 
auch  das  Vorkommen  von  Fusulinenkalk  auf  dem  Durchschnitte  von  Ug- 
gowitz im  Canalthale  über  den  Sattel  des  Osternigg  nach  Vorderberg  im 
Gailthale,  sowie  auf  dem  Strassendurchschnitte  zwischen  Arnoldstein  und 
Tarvis  an  mehreren  Stellen  zu  entdecken,  worüber  Stäche  hier  nähere 
Auskunft  ertheilt.  Besonders  häufig  scheint  Fusulina  robmta  Meek  dort 
zu  sein. 


Dr.  Stur:  vorläufige  Notiz  über  die  dyadische  Flora  der 
Anthracit-Lagerstätten  bei  Budweis  in  Böhmen.  Verh.  d.  k. 
k._geol.  Reichsanstalt  1822.  No.  8.)  —  Nach  Czizek's  früheren  Untersu- 
chungen besteht  die  anthracitführende  Ablagerung  im  NO.  von  Budweis 
von  oben  nach  unten  aus: 

1)  Rothbraunen,  sehr  mächtigen  sandig-thonigen  Schiefern,  Thonen, 
mit  stellenweise  auftretenden  Kalkknollen.    Mächtigkeit  100  Klafter. 

2)  Grauen  und  schwarzen  sandigen  Schieferthonen ,  welche  in  ihrer 
unteren  Abtheilung  das  Anthracitflötz  von  1—4  Fuss  führen.  Mächtigkeit 
40-50  Klafter. 


219 


3)  Lichtgraue,  feste,  feldspathreiche  Sandsteine,  wechselnd  mit  grün- 
lichen, gefleckten,  thonigen  Schiefern.    Mächtigkeit  60  Klafter. 

Eine  neue  sorgfältige  Untersuchung  der  in  diesen  Ablagerungen  ge- 
fundenen Pflanzenreste  hat  ergeben,  dass  die  Anthracitformation  von  Bud- 
weis  der  Dyas  angehöre. 

Mit  Vergnügen  ersieht  man  zugleich  aus  den  hier  gegebenen  Mitthei- 
lungen Stur's,  dass  er  damit  beschäftigt  ist,  sämmtliches  Material,  das  in 
den  Sammlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  aus  der  Steinkoh- 
len- und  Dyas-Flora  Böhmens,  Mährens,  Schlesiens,  Galiziens  und  Nieder- 
österreichs aufgestapelt  ist,  zu  einer  grossen  Sammlung  zu  vereinigen  und 
aufzustellen,  einer  Sammlung,  welche  sicher  auch  zur  Entscheidung  wich- 
tiger technischer  Fragen,  welche  die  kohlenführenden  Ablagerungen  be- 
rühren, eine  hohe  Bedeutung  erlangen  wird.  —  In  No.  10  dieser  Verhand- 
lungen, S.  213  wird  auch  von  0.  Fe[stmantel  das  dyadische  Alter  der 
Ablagerungen  bei  Budweis  und  Chobot  bestätigt  und  diese  Gegend  durch 
eine  Kartenskizze  und  ein  Profil  erläutert. 


D.  Stur:  Inocer  amus  aus  dem  Wiener  Sandsteine  des  Leo- 
poldsberges bei  Wien.  (Verh.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst,  1872.  No. 
14,  p.  295.)  —  Für  die  Sicherstellung  des  Alters  des  Wiener  Sandsteines 
ist  es  von  besonderem  Werthe,  dass  auch  das  schon  (Jb.  1872,  771)  er- 
wähnte vom  Director  Franz  v.  Hauer  aufgefundene  zweite  Stück  eines 
Inoceramus  aus  dem  Wiener  Sandsteine  des  Kahlenberges,  welches  bisher 
vermisst  wurde,  wieder  vorhanden  ist.  Die  Original-Etiquette  lautet:  Ino- 
ceramus, Wiener  Sandstein,  Leopoldsberg. 


Farge:  über  einen  mit  Einschnitten  versehenen  Halithe- 
rium -Knochen.  (Bull,  de  la  Soc.  geol.  de  France,  T.  XXVIII,  p.  265. 
PI.  2.)  —  Das  hier  beschriebene  und  gut  abgebildete  Knochenfragment 
stammt  aus  den  miocänen  Ablagerungen  von  Chavagnes-les-Eaux  im  Dept. 
Maine-et-Loire,  welche  zahllose  Zähne  des  Carcharodon  megalodon  um- 
schliessen.  Wie  schon  Delfortrie  die  auf  tertiären  Knochen  beobachte- 
ten Einschnitte  und  Kritzel,  auf  welche  bis  jetzt  allein  die  Annahme  von 
dem  tertiären  Alter  des  Menschen  beruhet,  den  Angriffen  der  harten  und 
spitzen  Zähne  von  Haifischen  zugeschrieben  hat,  so  lässt  sich  diese  natur- 
gemässe  Erklärung  wohl  auch  auf  die  verschiedenen  Einschnitte  an  die- 
sem Knochen  anwenden.  Herr  Farge  sucht  zunächst  nur  zu  beweisen, 
dass  sie  nicht  von  einer  menschlichen  Hand  herrühren.  Nach  Belgrand 
hat  man  neuerdings  in  dem  Walde  von  Fontainebleau  gleichfalls  eine  grosse 
Anzahl  von  Halitherium-Knochen  aufgefunden,  von  denen  viele  mit  ähn- 
lichen Streifen  versehen  sind. 


220 


Felix  Karrer:  Dinotherium-Re  st  aus  einem  Stollen  der 
Wiener  Wasserleitung.  (Yerh.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1872. 
No.  13,  p.  268.)  —  Im  Stollen  No.  4  des  Wasserleitungscanales  zwischen 
Liesing  und  Perchtoldsdorf  ist  ein  ziemlich  gut  erhaltener,  an  3  Fuss 
langer  Unterkiefer  eines  Dinotherium  aufgefunden  worden,  das  zu  D.  Cu- 
oieri  zu  gehören  scheint.  Er  lag  in  einem  sehr  festen,  compacten,  gelb- 
lich-braunen Sande,  welcher  der  sarmatischen  Stufe  angehört,  3—4 
Klafter  unter  Tag,  und  es  sind  die  dazu  gehörenden  Reste  zur  Restauri- 
rung  vorläufig  an  das  k.  k.  Hofmineraliencabinet  abgeliefert  worden. 


0.  C.  Marsh:  Bemerkung  über  einige  neue  tertiäre  und 
posttertiäre  Vögel.  (The  Amer.  Journ.  Vol.  IV.  1872,  p.  256.)  — 
Aus  der  unteren  Tertiärformation  von  Wyoming  lehrt  uns  Marsh  neue 
Formen  von  Vögeln  kennen,  wie :  Alethornis  n.  gen.  mit  5  Arten,  Uintor- 
riis  n.  gen.  mit  1  Art,  Catarractes  affinis  n.  sp.  2  neue  Arten  Meleagris 
und  Grus  proavis  n.  sp. 


Miscellen. 

Das  Gesam  mtausbringen  an  Steinkohlen  in  Sachsen  betrug 
im  Jahre  1871  =  56,616,380  Zollcentner. 
Es  producirten 

die  Werke  bei  Dresden    12,133,212  Zollcentner. 
„        „       „    Zwickau   40,151,673  „ 
„        „       „    Lugau       4,331,495  „ 
Von  dieser  Gesammtproduction  fielen  73,30  Proc.  dem  Eisenbahntrans- 
porte zu.  — 

Der  Braunkohlenverkehr  mit  den  Österreichischen  Staatsbahnen, 
der  Aussig-Teplitzer  und  der  Dux-Bodenbacher  Bahn: 
Im  Jahre  1871  kamen  von 

der  Aussig-Teplitzer  Bahn     9,513,875  Ctr. 
den  Österr.  Staatsbahnen         124,200  Ctr. 
der  Dux-Bodenbacher  Bahn      111,545  Ctr. 
in  zwei  Richtungen  im  directen  Verkehre  auf  die  Sächsischen  Staatsbah- 
nen und  zwar  mit  9,617,135  Zollcentner  über  Bodenbach  und  mit  132,485 
Zollcentner  über  Warnsdorf. 

Von  diesem  eingeführten  Kohlenquantum  verblieben  4,388,095  Zoll- 
centner auf  den  unter  Sächsischer  Staatsverwaltung  stehenden  Stationen, 
der  andere  Theil  von  5,361,525  Zollcentner  ging  auf  die  Leipzig-Dresde- 
ner Eisenbahn,  theils  zum  eigenen  Bedarf,  theils  zur  Weiterführung  nach 
anderen  Bahnen, 


221 


Das  Gewichtsquantum  der  transportirten  Braunkohlen  betrug  8,54°/,, 
der  auf  den  Staatsbahnen  beförderten  Güterlast  und  15,48%  aller  Wagen- 
ladungsfrachten (Statist.  Bericht  über  den  Betrieb  der  Kön.  Sachs.  Staats- 
u.  Privat-Eisenbahnen  im  Jahre  1871.    Dresden,  1872,  p.  290  u.  304,), 


Meteoreisen  von  Neun tmann s dorf  in  Sachsen.  Prof.  Geinitz 
zeigt  in  No.  303  des  Dresdener  Journals,  am  31.  December  1872,  die 
Auffindung  eines  neuen  Meteoriten  an.  Der  Obersteiger,  Herr  B.  Schrei- 
ter in  Berggiesshübel  war  der  glückliche  Finder  eines  rundlichen  Blockes 
einer  25  Pfund  schweren  gediegenen  Eisenmasse,  welche  mit  Magnet- 
kies gemengt  ist.  Das  Eisen  ist  blätteriges,  weiches  Eisen,  das  nach 
Untersuchung  des  Dresdener  Chemikers  Herr  G.  E.  Lichtenberger  94,50 
Proc.  Eisen  und  5,31  Proc.  Nickel  enthält.  Herr  Lichtenberger  bemerkt 
in  einem  Briefe  an  Geinitz  unter  dem  27.  Dec.  1872  ausdrücklich  in  Be- 
zug auf  dieses  Eisen :  Es  enthält  ausserdem  namentlich  keine  Kohle,  kein 
Mangan,  Uran  oder  Kobalt,  und  sämmtliche  Reactionen  waren  so  bestimmt 
und  sicher  charakteristisch,  dass  ich  die  Richtigkeit  des  Resultats  völlig 
vertreten  kann. 

Der  nur  2  Fuss  tief  unter  der  Rasendecke  zum  Vorschein  gelangte 
Block  kann  nach  der  Beschaffenheit  seines  Eisens  und  seinem  Gehalte  an 
Magnetkies  nur  für  einen  wirklichen  Meteoriten  erklärt  werden,  der  vor 
bereits  längerer  Zeit  bei  Neuntmannsdorf  niedergefallen  und  beim  längeren 
Liegen  unter  der  Rasendecke  mit  einer  Oxydhaut  und  Diadochit  bedeckt 
worden  ist.  Es  ist  dieses  seltene  Stück  von  dem  Kön.  Mineralogischen 
Museum  in  Dresden  erworben  worden. 


„The  Mur chison  Geological  Fundu.  In  seinem  letzten  Willen 
hat  der  verewigte  Sir  Roderick  J.  Mürchison  der  Geologischen  Gesellschaft 
in  London  die  Summe  von  1000  h.  mit  der  Bestimmung  vermacht,  dass 
die  jährlichen  Zinsen  davon  zur  Förderung  der  geologischen  Wissenschaft 
Verwendung  finden,  sei  es  durch  Unterstützung  einzelner  Arbeiten  oder 
durch  Honorirung  hervorragender  Leistungen.  Gleichzeitig  soll  eine  Mur- 
chison-Medaille  von  Bronze  für  die  letzteren  ausgegeben  werden. 

Ein  Nekrolog  von  Sir  Roderick  Impey  Mürchison  wurde  von  J. 
Prestwich  als  Präsident  der  geologischen  Gesellschaft  von  London  gegeben 
{The  Quart.  Journ.  of  the  Geol.  Soc.  1872.    Vol.  XXVIII,  p.  XXIX). 


Jos.  Prestwich:  Address  äelivered  at  the  Anniversary  Mee- 
ting of  the  Geological  Society  of  London,  on  the  16.  Febr. 
1872.  [The  Quart.  Jeürn.  of  the  Geol.  Soc.  Vol.  XXVIIL  p,  XXIX— XC.) 
—  Unter  den  schweren  Verlusten,  welche  die  Wissenschaft  im  Allgemeinen 
und  die  geologische  Gesellschaft  in  London  im  Besonderen  während  des 


222 


letzten  Geschäftsjahres  betroffen  haben,  werden  unter  anderen  hervorge- 
hoben : 

Sir  Roderick  Impey  Murchison,  geb.  zu  Tarradale  in  Ross-shire  1792, 
gest.  d.  22.  Oct.  1871; 

William  Lonsdale,  geb.  1794,  gest.  d.  7.  Mai  1871; 

Sir  John  Herschel,  geb.  zu  Slough,  1792,  gest.  d.  11.  Mai  1871; 

George  Grote,  geb.  in  Beckenham,  1794,  gest.  im  Juni  1871; 

Robert  Chambers,  geb.  in  Peebles,  1802,  gest.  im  März  1871; 

Rev.  Will.  Venables  Vernon  Harcourt,  geb.  1789,  gest.  im  April 
1871  zu  Nuneham; 

George  Täte,  geb.  in  Alnwick,  1805,  gest.  im  Juni  1871; 

A.  Keith  Johnston,  gest.  im  Sommer  1871; 

C.  B.  Rose  in  Yarmouth,  geb.  1790,  gest.  d.  29.  Jan.  1872; 

Charles  Babbage,  geb.  im  Dec.  1792,  gest.  im  October  1871 ; 

James  de  Carle  Sowerby,  geb.  1787,  gest.  im  August  1871; 

Edouard  Lartet,  geb.  1801  in  En  Poucouron  in  Süd-Frankreich,  gest. 
im  Januar  1871: 

Paolo  Savi  in  Pisa,  geb.  1798,  gest.  im  Mai  1871 ; 

W.  Ch.  v.  Haidinger,  geb.  in  Wien,  1795,  gest.  im  März  1871. 

Allen  diesen  hervorragenden  Männern  der  Wissenschaft  sind  von  dem 
Präsidenten  Prestwich  ehrende  Worte  der  Erinnerung  nachgerufen  wor- 
den. —  Der  weitere  Theil  dieser  Anrede  gibt  eine  gedrängte  Übersicht 
über  die  neueren  Fortschritte  der  Wissenschaft, 


Mammuth- Skelet  bei  Thale.  —  Der  „Weimarischen  Zeitung" 
No.  1,  1873,  ist  folgende  Notiz  entnommen:  In  den  Gutsforsten  des  Frei- 
herrn von  dem  Büsche-Streithorst  bei  Thale  am  Harz  fanden  am  20.  Dec. 
v.  J.  die  Arbeiter,  welche  in  dem  daselbst  belegenen  Gypsbruche  an  dem 
Wege  von  Thale  nach  Suderode  beschäftigt  sind,  beim  Abräumen  einer 
aus  Lehm  und  Mergel  bestehenden  Erdschicht  das  Skelet  eines  Mammuth, 
welches  nach  Lage  der  Knochentheile  eine  ungefähre  Länge  von  15  Fuss 
und  Höhe  von  9  Fuss  gehabt  hat.  Besonders  hervorzuheben  sind  4  grosse 
gut  erhaltene  Backzähne,  deren  jeder  7  Pfund  wiegt,  2  stark  gekrümmte 
Stosszähne  von  5  Fuss  Länge,  welche  leider  zerbrochen,  ebenso  wie  viele 
der  riesigen  Knochen,  theilweis  beim  Ausgraben.  Diese  Überreste  befan- 
den sich  5  Fuss  unter  der  Oberfläche,  an  einer  Stelle,  wo  in  früheren 
Zeiten  schon  ein  bedeutender  Abraum  stattgefunden  hat. 


Alex.  Brandt:  über  ein  grosses  fossiles  Vogeiei  aus  der 
Umgegend  von  Cherson.  (Mel.  biolog.  tires  du  Bull,  de  VAc.  imp. 
des  sc.  de  St.  -  Peter sbour g ,  T.  VIII,  p.  730.)  —  Ein  im  Besitze  des  Guts- 
besitzers Ssemen  Dobrowolsky  befindliches  Ei  soll  bereits  vor  ungefähr 
15  Jahren  im  Cherson'schen  Kreise  im  Dorfe  Malinowka  in  einem  ehe- 
maligen Flussbette,  einer  sogen.  „Balka"  gefunden  worden  sein,  wo  es 


223 


durch  Frühlingswässer  aus  einem  rothbraunen  bröcklichen  Lehmboden, 
unter  welchem  krystallinischer  Gyps  lagert,  emporgeführt  und  schwimmend 
aufgefangen  wurde.  Seine  Gestalt  ist  sehr  regelmässig  elliptisch  und  zeigt 
eine  grosse  Ähnlichkeit  mit  den  Strausseneiern ,  deren  grösste  Exemplare 
ihm  jedoch  noch  nachstehen.  Der  Längsdurchmesser  beträgt  18  cm.,  der 
Querdurchmesser  15  cm.,  der  Längsumfang  52  cm.,  der  Querumfang  46  cm. 
Das  Volum  wurde  auf  annähernd  2200  cub.  cm.  berechnet,  so  dass  der 
Inhalt  des  Eies  sich  ungefähr  auf  den  von  40  bis  44  Hühnereiern  mitt- 
lerer Grösse  schätzen  lässt.  Die  Oberfläche  zeigt,  namentlich  unter  der 
Lupe,  eine  ganz  leicht  rauhe  oder  höckerige  Beschaffenheit  und  an  man- 
chen Stellen  unregelmässige  seichte  Schrammen,  sowie  tiefe,  wie  mit  einer 
stumpfen  Nadel  erzeugte  Grübchen.  Die  Färbung  ist  vorwaltend  gelbbraun. 
Die  Dicke  der  Schale  ist  nicht  ermittelt. 

Da  seine  ganze  Beschaffenheit  auf  einen  straussartigen  Vogel  hin- 
weisen dürfte,  so  wird  dasselbe  von  Al.  Brandt  als  Struthiolithus  cherso- 
nensis  bezeichnet.  Der  für  dasselbe  geforderte  Preis  von  1000  Rubel  hat 
seinen  Ankauf  für  ein  Museum  bis  jetzt  noch  verhindert. 


Franz  R.  v.  Hafer:  Geologische  Übersichtskarte  der  öster- 
reichischen Monarchie.  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  XXII, 
p.  149 — 228.)  —  Diese  Blätter,  welche  zur  näheren  Erläuterung  der  vielen 
Localnamen  und  zur  raschen  Orientirung  bei  Benutzung  der  Druckschrif- 
ten der  k.  k.  geologischen  Reichs- Anstalt  dienen  sollen,  enthalten  in  alpha- 
betischer Reihenfolge  die  für  einzelne  Sediment-Formationen  oder  Forma- 
tions-Glieder des  Gebietes  der  Karte  in  Anwendung  gebrachten  Localnamen 
oder  Specialbenennungen  mit  kurz  gefasster  Charakteristik  und  Literatur- 
nachweisungen. 

v.  Hauer  hatte  diese  mühevolle  Zusammenstellung  bereits  vollendet, 
als  die  in  ihrer  ganzen  Anlage  sehr  analoge  vortreffliche  Arbeit  Stüder's, 
„Index  der  Petrographie  und  Stratigraphie  der  Schweiz  und  ihrer  Umge- 
bungen", Bern  1872,  veröffentlicht  wurde.  Trotzdem  wird  auch  v.  Hauer's 
Arbeit  namentlich  den  Besitzern  der  werthvollen  Übersichtskarte  sehr  will- 
kommen sein. 


v.  Dechen:  Geologische  und  mineralogische  Literatur  der 
Rheinprovinz  und  der  Provinz  Westphalen  sowie  einiger 
angrenzenden  Gegenden.  (Bonn,  1872.  8°.  94  S.  —  Die  sehr  um- 
fangreiche Literatur  ist  chronologisch  und  innerhalb  der  einzelnen  Jahre 
alphabetisch  geordnet.  Sie  beginnt  mit  dem  Jahre  1755  und  schliesst  mit 
dem  Jahre  1870.  Der  Verfasser  hat  mit  dieser  mühevollen  sorgfältigen 
Zusammenstellung  allen  Fachgenossen  einen  grossen  Dienst  erwiesen,  was 
bereits  in  der  allgemeinen  Versammlung  der  Deutschen  geologischen  Ge- 
sellschaft im  September  1872  in  Bonn,  welcher  sie  gewidmet  war,  seinen 
Ausdruck  gefunden  hat. 


224 


i 

Mrs.  Mary  Somerville,  jene  im  Gebiete  der  Mathematik,  physikali- 
schen Geographie  und  anderen  Zweigen  rühmlichst  bekannte  Dame,  starb 
am  1.  December  1872.  Ihr  Geburtsjahr  ist  wahrscheinlich  1780.  (The 
American.  Journ.  1873.    Vol.  V,  p.  241.) 

Reverend  Adam  Sedgwick,  Woodwardian  Professor  der  Geologie  an 
der  Universität  zu  Cambridge,  einer  der  ältesten  Geologen,  welcher  die 
Wissenschaft  in  ausgezeichnetster  Weise  gefördert  hat,  verschied  im  88. 
Lebensjahre  am  27.  Januar  1873.  Er  war  zu  Dent  in  Yorkshire  im  Juni 
1784  geboren.  (The  Geol.  Mag.  1873,  No.  104,  p.  96  und  the  Amer,  Journ., 
March,  1873,  p.  242. 

Dr.  phil.  Ewald  Becker,  Assistent  an  der  K.  paläontologischen  Samm- 
lung des  Staates  in  München  ist  am  7.  Febr.  1873  dem  Nervenfieber  er- 
legen. 

Am  9.  März  ist  auch  Karl  Gotthelf  Kind,  der  Meister  im  Fache  des 
Bohrwesens,  aus  dem  Leben  geschieden.  Er  wurde  als  Sohn  einer  säch- 
sischen Bergmannsfamilie  in  der  Nähe  von  Freiberg  am  7.  Juni  1801  ge- 
boren und  musste  schon  mit  dem  12.  Jahre  zum  Schlägel  greifen  und  in 
die  Grube  einfahren.  Seine  hohen  Verdienste  um  das  Bohrwesen  sind 
allen  Fachleuten  bekannt. 


Mineralien-Handel. 

B.  Stürtz,  vormals  H.  Heymann,  empfiehlt  seine  wissenschaftliche  und 
technische  Mineralien-Handlung  in  Bonn,  Wilhelmstrasse  No.  25,  in  einem 
„Verzeichniss  vorräthiger  Mineralien,  Gebirgsarten ,  Petrefacten  und  Mo- 
delle.«   Bonn,  1873.    S.  19. 


Mikroskopische  Untersuchung  einiger  Porphyrie  und  ver- 
wandter Gesteine  aus  dem  Nahe-Gehiete. 

Von 

Herrn  Prof.  A.  Streng. 


Nachdem  ich  in  einer  früheren  Arbeit  die  Palatinite  des 
Nahe-Gebiets  mikroskopisch  untersucht  hatte,  schien  es  mir  wün- 
schenswerth,  auch  die  übrigen  der  Formation  des  Rothliegenden 
angehörenden  krystallinischen  Gesteine  jener  Gegend  einer  mikro- 
skopischen Prüfung  zu  unterwerfen,  deren  Resultate  im  Nach- 
stehenden mitgetheilt  werden  sollen. 

Uber  die  Lagerungsverhältnisse  dieser  Gesteine  habe  ich 
schon  in  der  eben  erwähnten  früheren  Arbeit  Bemerkungen  ge- 
macht und  dabei  einigen  Bedenken  gegen  die  intrusive  Natur 
dieser  den  Schichten  des  Rothliegenden  zwischengelagerten  Ge- 
steine Ausdruck  gegeben  in  der  Hoffnung,  dadurch  meinen  Freund 
Laspeyres  zu  veranlassen,  aus  dem  reichen  Schatze  seiner  Er- 
fahrungen einige  ganz  bestimmte  Beispiele  aufzuführen  und  zu 
beschreiben,  aus  denen  die  intrusive  Natur  der  Palatinite  etc.  un- 
widerleglich hervorginge.  Leider  hat  sich  Laspeyres  *  nur  mit 
mehr  allgemein  gehaltenen  Bemerkungen  begnügt  und  die  spe- 
cielleren  Mittheilungen  der  Zukunft  vorbehalten.  Ich  musste  es 
desshalb  mit  lebhaftem  Danke  begrüssen,  dass  Weiss  **  eine 
Reihe  von  höchst  interessanten  Beispielen  veröffentlicht  hat.  welche, 
wie  mir  scheint,  die  Verhältnisse  völlig  klarlegen.  Ein  Blick  auf 
die  beigefügte  Zeichnung  muss  jeden  Zweifel  an  der  intrusiven 

*  Dieses  Jahrbuch  1872,  p.  619,  Brief  an  Professor  Leonhard. 
**  Dieses  Jahrbach  1872,  p.  862. 

Jahrbuch  1873.  15 


226 


Natur  der  betreffenden  krystallinischen  Gesteine  beseitigen.  Mein 
Zweck  ist  damit  erreicht;  denn  ich  hatte  nicht  die  Absicht,  die 
Ansichten  von  Laspeyres  durch  andere  zu  ersetzen,  sondern  ich 
wünschte  nur,  einige  Punkte  schärfer  und  eingehender  begründet 
zu  sehen.  Indem  nun  Weiss  die  Lagerungsart  jener  Gesteine 
klar  gestellt  hat,  sind  auch  meine  Bedenken  gegen  die  Alters- 
folge theilweise  hinfällig  geworden,  um  so  mehr,  als  gerade  hier- 
über auch  Laspeyres  sich  eingehender  in  seinem  Briefe  an  Pro- 
fessor Leonhard  geäussert  hat. 

Bevor  nun  die  neuerdings  untersuchten  Gesteine  geschildert 
werden,  muss  ich  noch  ein  Versehen  bekennen,  dessen  ich  mich 
meinem  Freunde  Tschermak  gegenüber  schuldig  gemacht  habe. 
In  meiner  früheren  Abhandlung  habe  ich  gesagt,  Tschermak  führe 
das  Verhalten  des  Enstatits  (Bronzits)  vom  Radauthale  nach 
Websky's  Angaben  als  ein  von  andern  Bronziten  abweichen- 
des an  und  gründe  darauf  die  Berechtigung,  diesem  Minerale  den 
Namen  Protobastit  zu  erhalten.  Dies  sei  aber  in  sofern  ein  Irr- 
thum, als  Websky's  Angaben  sich  gar  nicht  auf  den  Protobastit 
bezögen,  sondern  auf  den  kalkreichen  Diallag  aus  dem  Gabbro. 
Nun  habe  ich  übersehen ,  dass  Tschermak,  indem  er  Websky's 
Angaben  als  auf  den  Protobastit  bezüglich  anführt,  neben  diesen 
seine  eigenen  Beobachtungen  zu  Grunde  legt,  die  an  einem  Exem- 
plare gemacht  wurden,  welches,  wie  mir  Tschermak  mittheilt,  ich 
selbst  ihm  übersandt  und  als  Protobastit  bezeichnet  hatte.  Nach 
diesen  Untersuchungen  liegt  nun  auch  bei  diesem  kalkarmen  Pro- 
tobastit die  Ebene  der  optischen  Axen  in  00P00,  d.  h.  parallel  der 
Abstumpfung  der  stumpfen  Säulenkante  und  senkrecht  zur  Haupt- 
spaltfläche ooPoo.  Auf  dieser  Fläche  steht  auch  die  Bisectrix 
senkrecht,  d.  h.  dieselbe  fällt  mit  der  makrodiagonalen  Axe  zu- 
sammen. Hiernach  würde  nun  allerdings  dieses  kalkarme  Mine- 
ral optisch  ein  ähnliches  Verhalten  zeigen,  wie  der  von  Websky 
untersuchte  kalkreiche  Diallag,  der  aber  selbst  von  dem  Verhal- 
ten anderer  Diallage  so  wesentlich  abweicht,  dass  man  ihn  für 
rhombisch  halten  könnte.  Beide  Mineralien  müssten  demnach  von 
denjenigen,  zu  denen  sie  bisher  gestellt  worden  sind,  getrennt 
werden.  Ehe  dies  geschieht,  möchten  doch  wohl  erneute  ver- 
gleichende Untersuchungen  nöthig  sein,  denen  sich  hoffentlich 
Tschermak  unterziehen  wird. 


227 


Unter  den  von  mir  mikroskopisch  untersuchten  Gesteinen 
sind  namentlich  die  Porphyrite  besonders  berücksichtigt,  da  ver- 
muthet  werden  konnte,  dass  sie  Übergänge  theils  in  die  Palati- 
nite,  theils  in  die  Quarzporphyre  darbieten  würden,  eine  Ver- 
muthung,  die  sich  in  der  That  bestätigt  hat. 

i.  Quarzporphyr  von  Münster  am  Stein  bildet  hohe 
Felsen  am  Wege  von  Münster  nach  Theodorshall.  In  einer  vor- 
waltenden sehr  feinkörnigen,  fast  dichten,  hellröthlichbraunen, 
schimmernden  Grundmasse  liegen  Körner  von  bräunlichem  Quarz 
und  Kryställchen  von  Feldspath,  die  ziemlich  stark  glänzend  sind 
und  fast  durchgängig  Orthoklase  darstellen,  nur  einige  sehr  klare 
und  glänzende  kleinere  Kryställchen  erscheinen  gestreift,  sind 
also  triklin.  Sehr  selten  stellen  sich  einzelne  Glimmerblättchen 
ein. 

Unter  dem  Mikroskope  erkennt  man  in  einer  körnigen  Grund- 
masse Einlagerungen  von: 

a)  Sehr  vereinzelten  grösseren,  scharf  aber  unregelmässig 
begrenzten  Körnern  von  Quarz,  in  denen  nur  wenige  fremde 
Einschlüsse  sichtbar  sind,  wie  z.  B.  feine  Apatitnadeln  und  kleine 
rundliche  mit  brauner  Substanz  erfüllte  Poren.  Dieselbe  braune 
Substanz  ist  auch  auf  den  das  Mineral  durchziehenden  Spalten 
ausgeschieden. 

b)  Orthoklas- Krystallen,  theils  von  geraden,  theils  von  aus- 
und  einspringenden  Linien  begrenzt.  Sie  sind  so  unrein,  so  er- 
füllt mit  einer  hellgefärbten  aber  undurchsichtigen,  nach  Einer 
Linie  geordneten  Einlagerungen  (hellgraue  Körnchen  und  lang- 
gezogene Läppchen),  dass  die  Krystalle  selbst  im  Dünnschliff 
undurchsichtig  erscheinen. 

c)  Geradlinig  und  mitunter  sehr  scharf  begrenzten  kleineren 
Einlagerungen  von  triklinem  Feldspathe,  die  ziemlich  reichlich 
vorhanden  sind. 

d)  Selten  sind  kleine  undurchsichtige  Körnchen  oder  Blätt- 
chen, vielleicht  von  schwarzem  Glimmer,  vielleicht  auch  von  Mag- 
neteisen. 

Die  Grundmasse  selbst  besteht  aus  einem  Aggregate  von 
meist  monoklinem,  selten  triklinem  Feldspath  und  Quarz,  in  des- 
sen feinen  Poren  zuweilen  bei  sehr  starker  Vergrösserung  ein 
bewegliches  Bläschen  sichtbar  ist.    Dazwischen  liegen  mehr  ver- 

15  * 


228 


einzelt  theils  grüne  Kryställchen  von  stark  dichroskopischer  Horn- 
blende, theils  fast  undurchsichtig  dunkelbraune  Körnchen  und 
Läppchen,  die  wahrscheinlich  Zersetzungsprodukte  der  Hornblende 
sind.    Endlich  erscheinen  noch  hie  und  da  feine  Apatitnadeln. 

2.  Orthoklasporphyr  vom  Fusse  des  Unterhäuser 
Berges  an  der  Nahe.  In  einer  rothbraunen,  dichten  Grund- 
masse liegen  Kryställchen  von  Orthoklas,  die  aber  nicht  mehr 
frisch  erscheinen,  sehr  vereinzelt  Quarzkörnchen  und  Blättchen 
eines  Glimmer-ähnlichen  Minerals.  Unter  dem  Mikroskop  sieht 
man  in  der  krystallinischen  Grundmasse  folgende  Mineralien  ein- 
gelagert: 

a)  Grössere  rundliche  Krystalle  von  Quarz,  völlig  klar  und 
farblos.  In  ihnen  befinden  sich  Einlagerungen,  welche  die  For- 
men des  Quarzes  zu  besitzen  scheinen.  Indessen  sind  sie  wohl 
mit  fremder  Substanz  erfüllt,  denn  selten  nur  erscheinen  sie  völ- 
lig klar,  gewöhnlich  enthalten  sie  neben  klarer  Substanz  ein 
schwarz  punktirtes,  rundes,  unbewegliches,  einen  grossen  Theil 
des  Raumes  erfüllendes  Kügelchen ;  oder  sie  sind  mit  hellgrauer, 
körniger  Masse  erfüllt.  Mitunter  liegen  auch  bräunlichgrüne 
Läppchen  darin.  Ferner  finden  sich  in  dein  Quarze  Apatitnadeln 
sowie  zahlreiche,  sehr  kleine,  rundliche  oder  eckige  Poren  mit 
und  ohne  Bläschen,  die  letzteren  theils  fest,  theils  beweglich,  so 
dass  viele  dieser  Hohlräume  mit  einer  Flüssigkeit  erfüllt  sein 
müssen. 

b)  Vereinzelte  Feldspathe  ohne  Streifung  aber  sehr  unrein, 
indem  sie  mit  kleinen,  nur  durchscheinenden  hellgrauen  Läppchen 
und  Körnchen  fast  völlig  erfüllt  sind,  so  dass  sie  im  aulfallenden 
Lichte  weiss  erscheinen.  Es  sind  dies  wohl  Zersetzungsprodukte 
des  offenbar  verwitterten  monoklinen,  vielleicht  auch  triklinen 
Feldspaths. 

c)  Seltener  sind  kleinere  Krystalle  von  hellgrüner,  fasriger, 
stark  dichroskopischer  Hornblende,  die  aber  oft  fast  ganz  undurch- 
sichtig ist,  wenn  sie  von  dunkelbraunen,  undurchsichtigen,  kör- 
nigen Zersetzungsprodukten  entweder  nur  umrandet  oder  fast 
völlig  erfüllt  ist.  Kleine  Fetzen  dieser  Hornblende  sind  auch 
zuweilen  den  Feldspathen  beigemengt. 

d)  Vereinzelte,  undurchsichtige  Kryställchen,  wahrscheinlich 
von  Magnet-  oder  Titaneisen. 


229 


Die  Grundmasse  selbst  besteht  aus  einem  Aggregate  von 
vorwaltendem  Orthoklase,  zwischen  welchem  seltener  erkennbar 
trikliner  Feldspath,  ferner  zahlreiche  dunkelbraune  Läppchen  und 
Körnchen  von  umgewandelter  Hornblende  sichtbar  sind.  Quarz- 
körnchen finden  sich  nur  vereinzelt,  häufiger  erscheinen  sehr  feine 
Apatitnadeln.  Das  Gestein  ist  hiernach  ein  Quarzporphyr  wie 
No.  1. 

3.  Porphyrit  vom  südlichen  Fusse  des  Gienberges 
am  Wege  vom  Bahnhofe  nach  Waldbökelheim.  In  einer  dichten, 
dunkelbraunen  Grundmasse  liegen  kleine  Krystalle  eines  triklinen 
Feldspaths,  der  indessen  nicht  mehr  frisch  ist;  seltener  sind  Kry- 
stalle von  schwarzer  Hornblende  sichtbar,  die  aber  meist  so  stark 
zersetzt  sind,  dass  ihre  Umrisse  nicht  mehr  scharf  erscheinen. 
Kleine,  metallisch  glänzende  Körnchen  (Magnet-  oder  Titaneisen) 
sind  hie  und  da  sichtbar;  an  Einer  Stelle  auch  ein  kleines,  pris- 
matisch entwickeltes,  von  ebenen  Flächen  (Spaltflächen?)  begrenz- 
tes, lebhaft  metallisch  glänzendes  Kryställchen  von  grauschwarzer 
Farbe.  Einige  der  Verwitterungsrinde  nahe  liegende  Feldspathe 
waren  theilweise  mit  einer  sehr  weichen,  hellgrünen  Substanz 
erfüllt. 

Unter  dem  Mikroskope  sieht  man  folgende  Einlagerungen  in 
der  krystallinischen  Grundmasse : 

a)  Grössere  Krystalle  von  wahrscheinlich  triklinem  Feld- 
spathe, die  aber  grossentheils  mit  einer  hellbräunlichen,  körnigen 
Masse  erfüllt  sind,  so  dass  die  reine  klare  Feldspathsubstanz 
nur  lückenweise  und  als  schmaler,  scharf  begrenzter  Rand  her- 
vortritt und  die  Streifung  sehr  häufig  verdeckt  wird.  Auch  Apa- 
titnadeln stellen  sich  hie  und  da  ein. 

b)  Kleinere  Krystalle  von  fast  völlig  umgewandelter  Horn- 
blende. Die  umwandelnde  Substanz  besteht  aus  einem  Aggre- 
gate fast  undurchsichtiger,  dunkelbrauner,  meist  eckiger  Körn- 
chen :  sie  herrscht  so  vor,  dass  nur  selten  die  eigentliche  Horn- 
blendesubstanz mit  braungelber  Farbe  hervortritt. 

c)  Seltener  finden  sich  grössere  Ausscheidungen  eines  Ag- 
gregats von  Quarzkryställchen,  die  unmittelbar  neben  einander 
liegen  und  sich  gegenseitig  in  ihrer  Ausbildung  gestört  haben. 
In  ihnen  finden  sich  zunächst  Einschlüsse  anscheinend  mit  den 
Umrissen  des  Quarzes,  die  mit  einer  hellen  Substanz  erfüllt  sind, 


230 


in  der  einige  dunkle,  sehr  kleine  Körnchen  und  ziemlich  dunkle, 
körnige  Bläschen  liegen.  Ferner  erkennt  man  in  dem  Quarze 
helle,  theils  gerundete,  theils  eckige  Einlagerungen  mit  ein  oder 
mehreren  schwarzen  Pünktchen,  dann  dunkeigrünbraune,  unregel- 
rnässige,  fast  undurchsichtige  Läppchen,  endlich  sehr  kleine  Mag- 
neteisenkryställchen.  Ausserdem  finden  sich  aber  auch  einer- 
seits sehr  dünne,  farblose  Apatitnadeln,  andererseits  breitere, 
hellgrüne,  durchsichtige,  längliche  Kryställchen  mit  rechteckigem 
Querschnitt,  wobei  aber  die  Ecken  oft  abgestumpft  sind,  so  dass 
ein  länglich  achtseitiger  Querschnitt  entsteht  (Augitmikrolithen?). 
Die  zahlreichsten  Einlagerungen  finden  sich  an  der  Berührungs- 
stelle zweier  Quarz-Individuen. 

Die  Grundmasse  besteht  aus  einem  nicht  deutlich  individua- 
lisirten  aber  krystallinischen  Aggregate  von  Feldspath,  an  welchem 
Streifung  nicht  erkennbar  war.  Dazwischen  liegen  zahlreiche 
kleine  Fetzen,  Körnchen  oder  Pünktchen  von  umgewandelter  Horn- 
blendesubstanz. Vielleicht  bestehen  übrigens  manche  von  diesen 
Körnchen  aus  Magnet-  oder  Titaneisen. 

4)  Grauer,  Tridymit-haltiger  Porphyrit  in  der  Nähe 
des  Bahnhofes  von  Waldbökelheim,  am  Südfusse  des  Gien- 
berges.  Das  Gestein ,  welches  ich  in  früheren  Arbeiten  *  be- 
schrieben und  als  einen  den  quarzfreien  Orthoklasporphyren  nahe- 
stehenden Porphyrit  bezeichnet  hatte,  ist  merkwürdig  durch  die 
zahlreichen  in  seinen  Drusenräumen  auskrystallisirten  Tridymite. 
Ausserdem  enthält  es  in  der  Grundmasse  eingelagert  Krystalle 
eines  Feldspaths  und  zersetzter  brauner  Hornblende. 

Unter  dem  Mikroskope  sieht  man  in  der  krystallinischen 
Grundmasse  folgende  grössere  Ausscheidungen: 

a)  Zahlreiche,  nach  Einer  Richtung  in  die  Länge  gezogene, 
scharf  und  geradlinig  begrenzte  Krystalle  von  triklinem  Feldspath, 
deren  Zwillingsstreifung  nur  sehr  selten  nicht  erkennbar  war. 
Sie  enthalten  zahlreiche,  graue,  körnige,  durchscheinende  Läpp- 
chen, die  meist  parallel  einer  Seitenlinie  des  Krystalls  geordnet 
sind.  Im  auffallenden  Lichte  erscheinen  diese  Läppchen,  die  wohl 
Zersetzungsprodukte  des  Feldspaths  sind,  weiss  gefärbt.  Sehr 
selten  liegen  undurchsichtige  schwarze  Körnchen  darin,  die  zu 

*  Dieses  Jahrb.  1872,  p.  265  und  Tschermak's  Mineralog.  Mittheil. 
1871,  p.  47. 


231 


rechtwinklig  sich  schneidenden  Linien  gruppirt  sind  und  wohl  aus 
Magneteisen  bestehen.  Auch  kleine  Läppchen  zersetzter  Horn- 
blende, ferner  dünne,  farblose  Nadeln  (Apatit?)  und  endlich  kurze, 
dickere,  hellgrüne,  durchaus  klare  Säulchen  mit  pyramidaler  En- 
digung sind  ausgeschieden.  Die  letzteren  sind  nicht  fasrig  oder 
dichroskopisch  wie  Hornblende,  sie  widerstehen  der  Einwirkung 
concentrirter  Salzsäure,  so  dass  man  sie  wohl  für  Augit-Mikro- 
lithen  wird  halten  können. 

b)  Ebenfalls  ziemlich  zahlreiche  Krystalle  von  Hornblende. 
Dieselbe  besitzt  meist  regelmässige,  der  Krystallform  dieses  Mi- 
nerals entsprechende  Umrisse,  während  die  Substanz  selbst  eine 
tiefgreifende  Umwandlung  in  ein  Aggregat  undurchsichtiger  oder 
nur  schwach  dunkelbraun  durchscheinender  Körner  und  Läppchen 
erlitten  hat.  Dieselben  liegen  dicht  aneinander  und  erfüllen  meist 
wie  eine  Wolke  den  ganzen  Hornblendekrystall ,  und  nur  selten 
ist  ein  innerer  Kern  von  Hornblendesubstanz  erhalten  geblieben, 
der  dann  gewöhnlich  braun  und  gelb,  seltener  hellgrün  gefärbt 
ist  und  durch  sehr  feine  Spältchen  parallel  der  längeren  Seite 
des  Durchschnitts  fasrig  und  zugleich  auch  dichroskopisch  er- 
scheint. Nur  höchst  selten  fehlt  bei  kleineren  Krystallen  die 
braune,  körnige  Substanz  gänzlich.  Im  auffallenden  Lichte  er- 
scheint die  letztere  braun  gefärbt. 

c)  Vereinzelte  schwarze,  undurchsichtige,  in  auffallendem 
Lichte  metallisch  glänzende  Blättchen  mit  geradlinigen,  vier-  oder 
sechseckigen  Umrissen.  Es  ist  dies  wohl  Magnet-  oder  Titan- 
eisen. Vorwaltend  sitzt  es  zwischen  den  zersetzten  Hornblenden. 

Quarz  fehlt  gänzlich. 

Die  makroskopisch  in  Hohlräumen  vorkommenden  Tridymite 
sind  beim  Schleifen  sämmtlich  zerstört,  auch  konnte  ich  in  drei 
Dünnschliffen  nichts  auffinden,  was  der  von  Zirkel  gelieferten 
Abbildung  *  des  Tridymit  ähnlich  gesehen  hätte.  Dagegen  fan- 
den sich  weisse,  durchscheinende,  unregelmässig  begrenzte  Täfel- 
chen sehr  zahlreich  in  der  Grund masse  zerstreut,  die  sich  be- 
sonders bei  auffallendem  Lichte  durch  ihre  schmutzigweisse  Farbe 
sehr  deutlich  von  den  benachbarten  Mineralien  abheben,  während 
sie  im  durchfallenden  Lichte  den  Eindruck  eines  Aggregats  klei- 


*  Dieses  Jahrb.  1870,  p.  823.    Tafel  VIII.    Fig.  20  und  21. 


232 


ner  Körner  machen.  Als  ich  nun  einige  der  makroskopischen 
weissen  Tridymit-Kryställchen  für  sich  unter  das  Mikroskop  brachte, 
erschienen  sie  als  eine  weisse,  schwach  durchscheinende,  zucker- 
körnige Masse,  die  zwischen  gekreuzten  Nikols  hell  punktirt  er- 
schien, ahnlich  wie  dies  bei  krystallinischen  Aggregaten  der  Fall 
ist.  Es  wäre  desshalb  möglich,  dass  die  in  der  Grundmasse  ein- 
gelagerten weissen,  unregelmässigen  Körnchen  und  Täfelchen 
auch  aus  Tridymit  bestehen,  etwas  bestimmtes  lässt  sich  indessen 
darüber  nicht  sagen. 

Offenbar  sind  die  im  Porphyrit  makroskopisch  vorkommenden 
Tridymite  nicht  aus  Einem  Gusse  gebildet,  sondern  jeder  Krystall 
scheint  ein  Aggregat  von  Krystallkörnchen  zu  sein  5  daher  auch 
die  weisse  Farbe,  der  geringe  Glanz  und  die  matte  Oberfläche, 
sowie  die  bröckliche  Beschaffenheit  des  Minerals.  Auch  bei  ei- 
nigen andern  Tridymit- Vorkommnissen  ist  mir  dieses  Verhalten 
schon  auffällig  gewesen,  so  dass  man  sich  der  Vermuthung  nicht 
erwehren  könnte,  der  Tridymit  sei  eine  Pseudomorphose,  wenn 
dieses  Mineral  nicht  anderwärts  so  durchsichtig  und  glänzend 
vorkäme,  dass  über  seine  Selbstständigkeit  kein  Zweifel  obwalten 
kann.  Ich  hoffe  übrigens,  demnächst  neues  Material  zu  erhalten, 
um  die  Frage  zu  entscheiden,  ob  die  im  Porphyrite  vorkommen- 
den Tridymit-Kryställchen  auch  wirklich  aus  Tridymit-Substanz 
bestehen,  oder  ob  hier  eine  Pseudomorphose  von  Quarz  nach 
Tridymit  vorliegt. 

Die  Grundmasse  selbst  besteht  bei  diesem  Porphyrite  aus 
einem  kleinkörnigen  Aggregate  von  Feldspathen  mit  unregelmäs- 
sigen Läppchen  zersetzter  Hornblende,  einzelnen  Augit-  (?)  Mikro- 
lithen  und  den  eben  erwähnten  zahlreich  eingestreuten  weissen, 
unregelmässigen  Täfelchen  und  Körnchen.  Ob  der  Feldspath  tri- 
klin  ist  oder  nicht,  lässt  sich  nicht  erkennen. 

5)  Brauner  Porphyrit  von  demselben  Fundorte  wie 
No.  4.  Auch  dieses  Gestein  ist  schon  früher  in  seinem  makro- 
skopischen Verhalten  beschrieben  worden.  In  einer  röthlich- 
braunen  Grundmasse  liegen  röthlich  gefärbte,  meist  triklin  er- 
scheinende Feldspathe  und  sparsam  eingestreute  zersetzte  Horn- 
blenden. Auch  hier  sind  in  Drusenräumen  Tridymite  vorhanden, 
die  aber  die  Hohlräume  meistens  fast  ganz  erfüllen,  so  dass 
wenig  von  der  Krystallforrn  sichtbar  ist. 


233 


Unter  dem  Mikroskope  finden  sich  in  der  krystallinischcn 
Grundmasse  folgende  Einlagerungen : 

a)  Zahlreiche,  scharf  und  geradlinig  begrenzte  Krystalle  von 
lediglich  triklinem  Feldspathe,  der  ebenso  wie  in  No.  4  mit  kör- 
nigen Zersetzungsprodukten  erfüllt  ist.  Es  finden  sich  darin  ler- 
ner dünne  längliche  und  etwas  dickere  kurze  Säulchen  von  hell- 
grünlicher Farbe,  die  der  Einwirkung  der  Salzsäure  widerstehen 
und  desshalb  wohl  als  Augite  betrachtet  werden  können.  Es 
fanden  sich  aber  auch  in  Einem  Feldspathe  regelmässig  sechs- 
seitige, durchsichtige  Tafeln,  die  zu  mehreren  anscheinend  pa- 
rallel auf  einander  lagen.  Da  sie  ganz  von  Feldspathrnasse  um- 
hüllt waren,  so  konnte  nicht  ermittelt  werden,  ob  sie  zwischen 
gekreuzten  Nikols  gefärbt  erscheinen  oder  nicht.  Möglicher  Weise 
bestehen  sie  aus  Tridymit. 

b)  Hornblende  von  derselben  Beschaffenheit  wie  in  No.  4; 
nur  liegen  hier  auch  Augitmikrolithen  und  durchscheinende  weisse 
Tafeln,  die  vielleicht  für  Tridymit  gehalten  werden  könnten,  in 
der  theilweise  in  braune,  körnige  Massen  umgewandelten  Horn- 
blende. 

c)  Sowohl  in  der  Grundmasse,  als  auch  in  den  zersetzten 
Hornblenden  liegen  undurchsichtige,  metallisch  glänzende,  quadra- 
tische oder  dreiseilige,  oder  symmetrisch  sechsseitige  Tafeln  von 
Magnet-  oder  Titaneisen.  —  Quarz  fehlt  auch  hier  vollständig. 

Die  Grundinasse  ist  ähnlich  wie  diejenige  des  vorgenannten 
Gesteins,  nur  enthält  sie  die  weissen,  durchseheinenden  Täfelchen 
in  geringerer  Zahl.  Übrigens  waren  auch  hier  die  in  Drusen- 
räumen vorkommenden  Tridymite  beim  Schleifen  herausgebrochen. 

In  einer  früheren  Abhandlung  glaubte  ich,  in  den  ausge- 
schiedenen Feldspathkrystallen  der  beiden  tridymithaltigen  Ge- 
steine neben  Kalknatronfeldspath  noch  Orthoklas  annehmen  zu 
müssen,  wodurch  beide  Gesteine  in  die  Gruppe  der  quarzfreien 
Orthoklasporphyre  oder  zwischen  diese  und  die  Porphyrite  ge- 
stellt werden  mussten.  Die  mikroskopische  Untersuchung  hat  nun 
gelehrt,  dass  Orthoklas  in  porphyrartig  eingelagerten  Krystallen 
nicht  vorhanden  und  wohl  nur  auf  die  Grundmasse  beschränkt 
ist.  Der  von  Laspeyres  für  die  dortigen  Porphyrite  gefundene 
etwas  hohe  Kieselerdegehalt  (65,8%)  findet  vielleicht  in  dem 


234 


Vorhandensein  von  Tridymit  seine  Erklärung.  Beide  Gesteine 
sind  also  normale  Porphyrie. 

6)  Porphyrit  imThale  unterhalb  Boke n au  anstehend. 
In  einer  dichten,  bräunlichgrauen  Grundmasse  liegen  Krystalle 
von  grünlichgrauem,  meistens  gestreiftem,  ziemlich  frischem  Feld- 
spath,  der  oft  in  fast  ringsum  entwickelten  Krystallen  mit  vor- 
waltendem  oP  und  ooPoc,  aber  untergeordnetem  ooP  vorkommt, 
von  schwarzer  Hornblende,  meist  in  kleineren  Individuen,  deutlich 
spaltbar,  lebhaft  aber  fast  metallisch  glänzend  und  schwarz  oder 
dunkelgrün.  Stärker  zersetzte  Hornblenden  sind  theils  dunkel- 
braun, theils  graugrün  gefärbt.  An  einer  einzigen  Stelle  an  dem 
ganzen  Handstück  fand  sich  ein  hellgrünes  Krystallkorn  von  etwa 
2mm  Länge  und  lmro  Breite  eingesprengt,  welches  zwei  nicht  stark 
hervortretende,  anscheinend  ungleich  werthige.  rechtwinklige  Spalt- 
flächen und  im  Übrigen  muschligen  bis  unebenen  Bruch  zeigte: 
es  war  mit  hellgrüner  Farbe  stark  durchscheinend  und  machte 
zuerst  den  Eindruck  von  Olivin,  da  es  aber  ziemlich  leicht  schmelz- 
bar war  und  rechtwinklige  Spaltflächen  besass,  so  kann  es  nur 
ein  augitisches  Mineral  gewesen  sein.  Diese  Vermuthung  wird 
nun  noch  gestützt  durch  die  mikroskopische  Untersuchung,  welche 
Folgendes  ergab: 

In  einer  feinkörnigen  Grundmasse  liegen  grössere  Krystalle 

von 

a)  Feldspath,  der  sich  meist  durch  seine  Streifung  als  triklin 
erkennen  liess.  Aber  nur  ein  schmaler,  scharf  begrenzter  Rand 
besteht  aus  reiner  Feldspathsubstanz,  das  Innere  ist  völlig  erfüllt 
mit  hellgrauen,  unregelmässigen  Körnern,  vermischt  mit  bräun- 
lich-gelben Lappen  oder  Läppchen,  die  nicht  dichroskopisch  er- 
scheinen und  vielleicht  aus  augitischer  Substanz  bestehen.  An 
Einer  Stelle  war  auch  in  dem  Feldspathe  ein  klares,  unregel- 
mässig begrenztes  Quarzkörnehen. 

b)  Hornblende,  welche  theils  am  Rande,  theils  in  ihrer  gan- 
zen Masse  in  die  mehrfach  erwähnte  dunkelschwarzbraune,  fast 
undurchsichtige  und  körnige  Substanz  umgewandelt  ist,  die  wie 
eine  Wolke  das  Mineral  umhüllt  oder  völlig  erfüllt.  Die  noch 
unzersetzten  Theile  der  Hornblende  sind  braun  durchscheinend, 
deutlich  dichroskopisch  und  fasrig  durch  feine  Längsspältchen. 

c)  Augit  oder  Diallag  von  hellgelblichgrüner  Farbe,  wenig 


235 


dichroskopisch ,  nicht  fasrig.  Übrigens  ist  dieses  Mineral  nicht 
immer  scharf  von  der  Hornblende  zu  unterscheiden  ,  ja  mitunter 
scheint  Ein  Individuum  theilweise  aus  Augit,  theilvveise  aus  Horn- 
blende zu  bestehen. 

Die  Grundmasse  selbst  besteht  aus  einem  Aggregate  von 
triklinen  Feldspathleistchen,  untermischt  mit  umgewandelten  Horn- 
blendekryställchen  und  Augitläppchen ,  sowie  Augitmikrolithen. 
Die  Feldspathe  sind  vorherrschend  und  liegen  häufig  parallel,  in- 
dem sie  sich  dabei  um  die  grösseren  Einlagerungen  herumziehen. 
Oft  aber  sind  sie  völlig  regellos  gruppirt.  Zwischen  diesen  Ge- 
mengtheilen  ist  nun  noch  eine  nicht  individualisirte  aber  durch 
das  optische  Verhalten  krystallinisch  erscheinende  Grundmasse 
erkennbar,  die  vielleicht  aus  irgend  einem  Feldspathe  besteht. 

Apatitnadeln  sind  selten,  Quarz  fehlt  gänzlich :  dagegen  sind 
die  bei  No.  4  beschriebenen  durchscheinenden  weissen,  unregel- 
mässig begrenzten  Täfelchen  und  Körnehen  ziemlich  zahlreich 
vorhanden. 

Das  Gestein  ist  offenbar  ein  Porphyrit,  der  aber  durch  das 
Vorhandensein  eines  augitischen  Minerals  den  Übergang  zu  den 
Palatiniten  vermittelt. 

7)  Dunkler  Porphyrit  aus  demThale  unterhalb  Bü- 
ken au,  lose  umherliegend.  In  einer  dichten,  dunkelgrau- 
grünen,  fast  schwarzen  Grundmasse  liegen  Krystalle  von  dunkel- 
graugrün erscheinundem,  in  dünnen  Stückchen  aber  hellgrünlich- 
grauem, nicht  sehr  stark  glänzendem  Feldspathe,  der  meist  von 
scharfem,  stärker  glänzendem  Rande  umgeben  ist  und  dessen 
Krystallflächen  auch  hier  zuweilen  sichtbar  sind,  und  von  schwar- 
zer, lebhaft  glänzender,  deutlich  spaltbarer  Hornblende.  Auch 
hellgrüne  Augite  scheinen  vereinzelt  vorhanden  zu  sein,  sind 
aber  nicht  mit  Sicherheit  zu  erkennen. 

Unter  dem  Mikroskope  sieht  man  in  einer  krystallinischen 
Grundmasse  als  Einlagerungen: 

a)  Feldspathe  genau  wie  in  No.  6.  Zuweilen  bildet  das  In- 
nere eine  anscheinend  fast  zusammenhängende  Masse,  die  unge- 
mein scharf  gegen  den  völlig  klaren,  durchsichtigen  Rand  absetzt; 
gleichwohl  laufen  die  Zwillingsstreifen  gleichförmig  durch  die 
ganze  Masse  hindurch.  Zwischen  gekreuzten  Nikols  treten  dann 
zahlreiche  Flecken  mit  den  Farben  des  reinen  Feldspathrandes 


236 

auch  aus  dem  inneren  Theile  hervor.  Mitunter  besteht  auch  das 
Innere  aus  einem  zusammenhängenden  Lappen  eines  grünen, 
wenig  dichroskopischen  Minerals,  vielleicht  des  Augit  oder  eines 
Zersetzungsproduktes  desselben.  Dünne,  kurze,  in  Säuren  un- 
lösliche Nadeln  im  Innern  der  Feldspathe  oder  auch  in  dem  rei- 
neren Rande  können  wohl  als  Augit-Mikrolithen  gedeutet  werden. 
Da  an  einigen  Exemplaren  die  Zwillingsstreifung  durchaus  fehlt, 
so  würde  die  Anwesenheit  von  Orthoklas  nicht  ausgeschlossen 
sein. 

b)  Dunkelbraune  und  dunkelgrüne,  meist  nur  wenig  durch- 
scheinende Krystalle  von  Hornblende.  Dieselben  sind  nach  Einer 
Richtung  in  die  Länge  gezogen,  gefasert  und  von  Längsspalten 
zerrissen,  die  meist  mit  schwarzer  Substanz  erfüllt  sind.  Auch 
hier  ist  der  Rand  in  eine  dunkelbraune,  körnige  Masse  umge- 
wandelt. 

c)  Längliche  Krystalle  eines  sehr  hellbräunlichen  oder  hell- 
gelblichgrauen,  fast  farblosen  Minerals,  mit  nur  wenig  Einschlüs- 
sen (längliche  Poren  mit  körnigen,  dunkeln,  unbeweglichen  Ku- 
geln). Das  Mineral  ist  nicht  dichroskopisch  und  erscheint  fast 
stets  mit  einem  mehr  oder  weniger  scharf  begrenzten,  graugrü- 
nen Rande,  der  auch  auf  unregelmässigen  Querspalten  die  iVlasse 
des  Minerals  durchsetzt.  Es  ist  offenbar  ein  Umwandlungsprodukt. 
Im  polarisirten  Lichte  zeigt  die  unveränderte  Masse  beim  Drehen 
des  Einen  Nikols  lebhaften  Farbenwechsel.  Beim  Behandeln  mit 
concentrirter  Salzsäure  tritt  keine  Veränderung  ein,  während  der 
grüne  Rand  sich  langsam  zersetzt.  Die  Umrisse  sind  selten  regel- 
mässig (dann  entsprechen  sie  einer  Combination  von  Säule  und 
pyramidalen  Endflächen),  gewöhnlich  sind  sie  mehr  oder  weniger 
lappig  aus-  und  einspringend.  Ausnahmsweise  war  übrigens  auch 
ein  scheinbar  quadratischer  Querschnitt  sichtbar  mit  abgestumpf- 
ten Kanten,  entsprechend  ooP,  00P00  und  coPoo  des  Augit.  Auch 
hier  kann  diese  Einlagerung  nur  für  ein  augitisches  Mineral  ge- 
halten werden. 

d)  Schwarze  Körnchen  oder  Blättchen  von  Magnet-  oder 
Titaneisen  sind  selten  vorhanden. 

Die  Grundmasse  selbst  besteht  vorwaltend  aus  einem  Ag- 
gregate eines  anscheinend  triklinen  Feldspaths,  zwischen  welchem 
zersetzte  und  körnig  umgewandelte  dunkelbraune  bis  schwarze 


237 


Hornblendeläppchen  und  unregelinässige  Fetzen  von  graugrünem, 
verändertem  Augit,  sowie  klare  Augitmikrolithen  umherliegen. 
Dünne  lange  Nadeln  sind  vielleicht  als  Apatit  zu  deuten. 

8)  Hellbräunlichgrauer  Porphyrit,  im  Thale  unter- 
halbBokenau  lose  umherliegend.  Hellbräunlichgraue  Grund - 
masse,  in  welcher  regelmässige  Krystalle  von  wenig  glänzendem 
hellbräunlichem,  triklinem  Feldspath  wie  in  No.  6  und  7,  ferner 
lang  säulenförmige  Krystalle  von  braunschwarzer,  deutlich  spalt- 
barer, nicht  stark  glänzender  Hornblende,  deren  Längenaxen  meist 
parallel  liegen,  eingelagert  sind.  Die  Grundmasse  ist  durchzogen 
von  zahlreichen,  sehr  unregelmässigen,  kleinen  Hohlräumen,  die 
ausgekleidet  sind  mit  einer  oberflächlich  hellgrünlichweiss  und 
erdig  erscheinenden,  auf  dem  Bruche  aber  dunkelgrünen  und 
radialfasrigen  Substanz  (vielleicht  Chlorit-artig)  mit  fast  nierenför- 
miger  Oberfläche.  Das  Gestein  ist  offenbar  der  zersetzenden 
Wirkung  der  Gewässer  stark  ausgesetzt  gewesen. 

Unter  dem  Mikroskope  ist  dies  Gestein  dem  vorhergehenden 
sehr  ähnlich,  denn  hier  wie  dort  finden  sich  scharf  umrandete, 
im  Innern  sehr  unreine  trikline  Feldspathe,  hell-  bis  dunkelgrüne 
oder  braune,  in  eine  Wolke  dunkler,  körniger  Zersetzungspro- 
dukte eingehüllte  Krystalle  von  stark  dichroskopischer  Hornblende; 
seltener  sind  dagegen  kleine  Läppchen  eines  hellgrünen,  nicht 
dichroskopischen,  wahrscheinlich  augitischen  Minerals  und  endlich 
selten  Körnchen  von  Magnet-  und  Titaneisen. 

Auch  die  Grundinasse  besteht  hier  vorwaltend  aus  anschei- 
nend triklinem  Feldspath  nebst  zwischengelagerten  hellgrünen 
Augit-Läppchen  und  Augit-Mikrolithen,  die  selbst  in  diesen  mit- 
unter ausgeschieden  sind.  Ausserdem  liegen  noch  zahlreiche, 
grau  durchscheinende,  körnige  Läppchen  umher. 

9)  Qu arz h altiger  Palatinit  vom  Fusse  des  Welsch- 
berges, nahe  an  der  Burgspohnheimer  Mühle;  das  ist  derselbe 
Fundort,  den  Laspeyres  auf  p.  877  seiner  Abhandlung  angegeben 
hat.  In  einer  dichten,  grauschwarzen  Grundmasse  liegen  spar- 
same Krystalle  von  triklinem  Feldspath  und  von  schwarzem  au- 
gitischen Minerale.  Das  Gestein  ist  dünn  plattenförmig  abge- 
sondert, auf  den  parallelen  Klüften  sind  hie  und  da  Krystalle  von 
Quarz  ausgeschieden,  während  der  innere  Theil  der  Kluft  von 
weissem,  körnigem  Kalkspath  erfüllt  ist;  meist  sind  aber  die 


238 


Trennungsflächen  ganz  mit  Quarz  ausgefüllt  und  verkittet.  Auf 
dem  Querbruche  erkennt  man  deutlich,  dass  nicht  allein  eine 
durch  Kluftflächen  hervorgebrachte  plattenförmige  Absonderung 
vorhanden  ist,  sondern  dass  auch  die  dazwischen  liegenden  Ge- 
steinsmassen mit  parallelen ,  heller  und  dunkler  gefärbten  Strei- 
fen versehen  sind,  die  eine  verschiedene  Mineralmischung  vor- 
aussetzen. 

Unter  dem  Mikroskope  erkennt  man  in  der  Grundmasse  fol- 
gende Einlagerungen: 

a)  Triklinen  Feldspath  in  farblosen,  schmalen  Leisten,  in 
welchen  hellbläulichgrüne ,  unregelmässige  Läppchen  von  Diallag 
zahlreich  eingelagert  sind  neben  wenigen  hellen  Kügelehen  und 
Körnchen. 

b)  Hellgelblicligrunes  augitisches  Mineral  (Diallag)  nur  schwach 
dichroskopisch  und  zwischen  gekreuzten  Nikols  Anlage  zur  ver- 
worren- fasrigen  Textur  zeigend. 

Die  krystallinisch-körnige  Grundmasse  ist  lagenweise  geord- 
net; jede  Lage  ist  von  der  benachbarten  durch  die  Korngrösse 
oder  die  relativen  Mengenverhältnisse  der  sie  zusammensetzen- 
den Mineralien  verschieden.  Je  zwei  Lagen  sind  häufig  durch 
eine  dünne  zusammenhängende  Schnur  von  Quarzkörnchen  von 
einander  getrennt  oder  vielmehr  mit  einander  verkittet.  Die 
grösseren  Einlagerungen  liegen  meistens  mit  ihrer  Längenaxe 
den  Gesteinslagen  parallel.  Der  diese  letzteren  trennende  Quarz 
ist  farblos  und  durchsichtig.  Aus  der  Grundmasse  ragen  häufig 
feine  Apatitnadeln  in  ihn  herein  Ferner  liegen  in  ihm  zahlreiche 
Poren  von  mannigfacher  Gestalt;  indessen  sind  dieselben  nur  sel- 
ten mit  einer  Flüssigkeit  nebst  beweglichem  Bläschen  erfüllt:  ob 
die  übrigen  mit  einer  flüssigen  oder  festen  Masse  angefüllt  sind, 
war  nicht  zu  erkennen.  Die  Grundmasse  selbst  besteht  aus  mehr 
oder  weniger  feinkörnigem  Gemenge  von  triklinem  Feldspath  und 
augitischem  Minerale  :  nur  sehr  vereinzelt  erscheinen  kleine,  bräun- 
lichgrün gefärbte,  stärker  dichroskopische  Läppchen,  die  vielleicht 
als  Hornblende  zu  deuten  sind,  aber  jedenfalls  einen  sehr  unter- 
geordneten Gemengtheil  bilden.  Magnet-  und  Titaneisenkörnchen 
kommen  nur  sehr  vereinzelt  vor;  amorphe  Glasmasse  fehlt  ganz 
lieh;  dagegen  sind  zahlreiche  graue  Körnchen  und  dunkle,  bei 
auffallendem  Lichte  gelblichweiss  erscheinende  Punkte  sichtbar. 


239 


Laspeyres  hat  dieses  Gestein  zu  den  Porphyriten  gestellt, 
weil  er  ganz  vereinzelt  Hornblende  darin  erkannt  und  einen  Kie- 
selerdegehalt von  63,65%  gefunden  hat.  Nach  der  mikroskopi- 
schen Untersuchung  kann  ich  den  Einen  Gemengtheil  nur  für 
Diallag  halten,  wenn  ich  auch  das  vereinzelte  Vorkommen  von 
Hornblende  nicht  zu  leugnen  vermag.  Der  hohe  Kieselerdegehalt 
lässt  sich  auf  die  Anwesenheit  der  Quarzschnüre  zurückführen, 
die  sich  als  nachträgliche  Ausfüllungen  von  Klüften  erklären  las- 
sen, d.  h.  dem  Gesteine  ist  Kieselerde  zugeführt  worden  und 
seine  ursprüngliche  Zusammensetzung  ist  wohl  eine  basischere. 
Ich  glaube  desshalb,  dieses  Gestein  zu  den  Palatiniten  stellen  zu 
dürfen  und  zwar  zu  denjenigen,  welche  durch  einen  geringen 
Hornblendegebalt  den  Übergang  zu  den  Porphyriten  vermitteln. 


In  den  vorstehend  beschriebenen  Gesteinen  kommen  also 
monokline  und  trikline  Feldspathe,  Quarz,  Hornblende,  wahrschein- 
lich auch  Augit,  meist  auch  Apatit  aber  nur  wenig  Magnet-  oder 
Titaneisen  vor.  Die  Feldspathe  sind  gewöhnlich  sehr  unrein, 
theils  erfüllt  mit  Zersetzungsprodukten ,  theils  mit  fremden  Sub- 
stanzen. Eigenthümlich  ist  der  frische,  stark  glänzende,  an  Ein- 
lagerungen freie  Rand  mancher  trikliner  Feldspathe,  während  das 
Innere  mit  fremder  Substanz  erfüllt  oder  stark  zersetzt  ist.  Der 
Quarz  zeigt  die  auch  anderwärts  in  ihm  vorkommenden  Einschlüsse, 
unter  denen  die  kleinen,  unregelmässig  geformten  Poren  zum 
Theil  mit  beweglichen  Bläschen  besonders  charakteristisch  sind. 
Die  Hornblende  ist  ausgezeichnet  durch  die  grosse  Zahl  feiner 
Langsspältchen,  die  ihr  ein  fasriges  Aussehen  ertheilen  und  durch 
ihre  Neigung  von  Aussen  nach  Innen  mit  undurchsichtigen,  brau- 
nen, körnigen  Zersetzungsprodukten  erfüllt  zu  werden,  in  die  sie 
wie  eine  Wolke  eingehüllt  erscheint.  Mehr  vereinzelt  tritt  bei 
den  zu  den  Porphyriten  gerechneten  Abänderungen  ein  anschei- 
nend augitisches  Mineral  in  etwas  grösseren  Ausscheidungen  her- 
vor, während  eine  grosse  Zahl  feiner  Mikrolithen,  die  vielleicht 
demselben  Minerale  angehören,  in  der  Grundmasse  sowohl  wie 
in  den  grösseren  Einlagerungen  verbreitet  ist.  Die  Anwesenheit 
von  Tridymit  in  der  Grundmasse  selbst  ist  zweifelhaft,  dasjenige, 
was  möglicher  Weise  dafür  gehalten  werden  könnte,  findet  sich 


240 


nur  in  den  eigentlichen  Porphyriten :  dagegen  sind  die  kleinen, 
unregelmässigen  Drusen  mancher  echter  Porphyrite  mit  Tridymit- 
Kryställchen  ausgekleidet  oder  völlig  erfüllt. 

Aus  dem  Vorstehenden  ergibt  sich,  dass  die  beschriebenen 
Gesteine  eine  Reihe  bilden,  deren  Eines  Endglied  aus  quarz- 
rührendem Porphyr  besteht,  welcher  Quarz,  Orthoklas,  Kalknatron- 
feldspath  und  wenig  Hornblende  enthält,  dass  durch  Verminderung 
des  Quarzes  und  des  Orthoklas  Übergänge  (No.  3  ist  z.  B.  ein 
quarzhaltiger  Porphyrit)  in  die  aus  Kalknatronfeldspath  und  Horn- 
blende bestehenden  Porphyrite  gebildet  werden  (No.  4  u.  5).  Dass 
ferner  durch  Aufnahme  eines  augitischen  Minerals  und  durch  das 
allmähliche  Zurücktreten  der  Hornblende  Übergänge  in  die  Pa- 
latinite  herbeigeführt  werden,  die  dann  das  andere  Endglied  der 
Reihe  bilden.  Die  Porphyrite  No.  6,  7  und  8  aus  dem  Bokenauer 
Thale  sind  augithaltige  Porphyrite,  No.  9  ist  ein  Palatinit,  in  wel- 
chem sich  vereinzelte  Hornblenden  finden.  In  allen  diesen  Ge- 
steins-Abänderungen, soweit  sie  nicht  den  Palatiniten  selbst  an- 
gehören, spielen  Magnet-  und  Titaneisen  eine  nur  untergeordnete 
Rolle. 

Das  was  sich  also  schon  aus  der  allmählichen  Abnahme  des 
Kieselerdegehalts  von  den  Quarzporphyren  bis  zu  den  Palatiniten 
als  wahrscheinlich  ergeben  hatte,  hat  auch  in  dem  allmählichen 
Wechsel  der  mineralogischen  Zusammensetzung  seine  Bestätigung 
gefunden. 

Am  Schlüsse  meiner  früheren  Abhandlung  (p.  388)  habe  ich 
noch  kurz  berichtet  über  ein  merkwürdiges  Gestein,  welches  in 
Form  eines  schmalen  Ganges  den  Palatinit  in  Niederkirchen  durch- 
setzt. Dasselbe  ist  nicht  porphyrartig  ausgebildet,  sondern  bildet 
ein  mittelkörniges  Aggregat  von  röthlich  gefärbtem  Feldspath, 
der  sich  meist  als  triklin  erweist,  mit  kleinen  Mengen  eines  grü- 
nen, etwas  zersetzten  Minerals.  Die  mikroskopische  Untersuchung 
hat  nun  ergeben,  dass  das  Gestein  ein  Aggregat  von  Feldspath- 
krystallen  ist,  die  unter  dem  Mikroskope  theils  als  triklin,  theils 
als  monoklin  erscheinen,  d.h.  beide  Mineralien  unterscheiden  sich 
von  einander  durch  Nichts  als  durch  die  Streifung,  denn  sie  sind 
gleich  gefärbt  und  enthalten  die  gleichen  Einlagerungen.  Sie  sind 
nämlich  erfüllt  von  braun  gefärbten  Wolken,  Körnchen  und  sehr 
feinen  Läppchen,  so  dass  das  Mineral  selbst  braun  gefärbt  er 


241 


scheint.  Diese  Einlagerungen  sind  meist  geordnet  parallel  einer 
Linie,  welche  zu  den  Seitenkanten  schiefwinklig  steht.  Auch 
dünne  Apatitnadeln  kommen  in  den  Feldspathen  vor.  Da  die  Strei- 
fung- der  triklinen  Feldspathe  dann  nicht  sichtbar  ist,  wenn  die 
Krystalle  annähernd  parallel  00P00  geschliffen  sind,  und  da  ferner 
die  Menge  der  Einlagerungen  so  gross  ist,  dass  die  Streifung 
dadurch  verdeckt  werden  könnte,  so  ist  es  wahrscheinlich,  dass 
auch  die  ungestreiften  Exemplare  Kalknatronfeldspathe  sind.  Mehr 
vereinzelt  finden  sich  nun  auch  hellgrüne  bis  dunkelbraune,  nicht 
parallelfasrige  Krystalle,  die  zwar  etwas  dieÜroskopisch  sind,  ineist 
aber  so  wenig,  dass  sie  wohl  kaum  als  Hornblende  gelten  kön- 
nen. Noch  seltener  sind  unregelmässig  geformte,  undurchsich- 
tige, schwarze  Körner,  wohl  von  Magneteisen.  Merkwürdiger 
Weise  sind  nun  hier  die  Zwischenräume  zwischen  den  Feldspathen 
völlig  ausgefüllt  mit  Quarz,  in  welchem  sehr  zahlreich  kleine, 
unregelmässig  geformte  Poren  zum  Theil  mit  beweglichen  Bläs- 
chen vorhanden  sind.  Daneben  liegen  aber  auch  mitunter  rund- 
liche, mit  dunkler,  körniger  Masse  erfüllte  Einschlüsse  in  dem 
Quarze,  und  hie  und  da  bemerkt  man  auch  in  ihm  sehr  feine 
Apatitnadeln. 

Das  Gestein  besteht  demnach  aus  einem  körnigen  Gemenge 
von  Kalknatronfeldspath  (und  Orthoklas?),  Quarz  und  einem  wahr- 
scheinlich augitischen  Minerale.  Es  steht  dadurch  den  Palatini- 
ten  sehr  nahe,  unterscheidet  sich  aber  von  ihnen  ganz  wesentlich 
durch  den  beigemengten  Quarz  und  die  krystallinisch-körnige 
Entwicklung  ohne  Porphyr-Struktur. 
Giessen,  den  31.  März  1873. 


Jahrbuch  1873. 


16 


Mineralogische  Mittheilungen. 

Von 

Herrn  Dr.  F.  Wibel 
in  Hamburg. 


1.    Kalkuranit  im  Phosphorit  von  Caeeres. 

Durch  Herrn  Ed.  Güssefeld,  den  Besitzer  der  bekannten 
grossen  Superphosphat-Fabrik  in  Hamburg,  erhielt  unser  städti- 
sches Museum  vor  einiger  Zeit  eine  Reihe  schöner  Phosphorite, 
u.  A.  auch  einige  Stücke,  welche  den  Grenzgebirgen  zwischen 
der  spanischen  Provinz  Caeeres  und  Portugal  entstammten  und 
desshalb  als  »portugiesische"  bezeichnet  waren,  ohne  mit  Sicher- 
heit die  Lage  der  Gruben  auf*  letzterem  Gebiet  angeben  zu  können. 

Die  Hauptmasse  des  Gesteins,  der  Phosphorit,  besitzt  im 
Wesentlichen  das  Aussehen  des  gewöhnlichen  Extremadura-Phos- 
phates,  ist  jedoch  weniger  gefärbt,  sondern  meist  ganz  weiss. 
Nur  stellenweise  finden  sich  zwischen  der  Eisblumenartig-krystal- 
linischen  Masse  Absonderungen  von  Eisenoxydhydrat  und 
Mangan -Dendriten.  In  geringem  Umfange  erscheint  auf  Kluft- 
flächen und  in  kleinen  Drusenräumen  auskrystallisirt  Quarz,  und 
ob  einige  übrigens  höchst  unbedeutende  schwärzliche  Ausfüllun- 
gen der  letzteren  wirklich  aus  Asphalt  oder  ähnlichen  Materien 
bestanden,  konnte  bis  jetzt  durch  analytische  Prüfung  noch  nicht 
festgestellt  werden.  Dagegen  sind  Krystalle  von  Apatit  in  ganz 
ausserordentlicher  Menge  dein  Gesteine  eingesprengt.  Dieselben 
erreichen  eine  Grösse  bis  zu  mehreren  Centimetern,  sind  von 
weisser,  grauer  und  blauer  Farbe,  enthalten  viel  Fluor  und  bieten 


243 


in  ihren  Formen  fast  ausschliesslich  die  dicktafelförmigen  Com- 
binationen  von  oP  .  ooP  .  P  .  ooP2.  Sie  besitzen  eine  ausgezeich- 
net schalenförmige  Structur,  dergemäss  man  oft  auf  der  Basis 
eines  Krystalles  das  Übereinandervvachsen  von  grauen,  weissen 
und  blauen  Schalen  beobachten  kann.  Beim  Zerschlagen  der 
Handstücke  springen  sie  aus  der  Phosphorit- Grundmasse  sehr 
leicht  heraus  und  hinterlassen  in  derselben  einen  so  spiegelglat- 
ten Abdruck  ihrer  Flächen,  dass  man  zu  der  Vermuthung  ge- 
drängt wird,  sie  seien  primär  gebildet  und  die  Grundmasse  selbst 
erst  später  um  sie  abgelagert  worden.  Für  diese  Genesis  mag 
auch  die  grünlich -gelbe,  bisweilen  blättrig -krystallinische 
Masse  von  Bedeutung  sein,  welche  sich  sowohl  an  den  Abson- 
derungsflächen der  Apatite  gegen  die  Grundmasse,  als  auch  zwi- 
schen den  Krystallschalen  der  ersteren  in  wechselnder,  immer 
aber  sehr  geringer  Dicke  vorfindet.  Sie  scheint  gemäss  dem 
Verhalten  vor  dem  Löthrohr  und  gegen  Säuren  ein  Calciumsilicat 
zu  sein. 

Von  besonderem  Interesse  an  dem  vorliegenden  Phosphorit 
ist  nun  unzweifelhaft  das  zwar  sparsame,  aber  sehr  deutliche 
Vorkommen  von  Kalkuranit.  Man  findet  die  bis  ca.  lmm  gros- 
sen Krystalltäfelchen  der  bekannten  tetragonalen  (rhombischen?) 
Combination  (oP  .  P  .  ooP.)  selten  einzeln,  meist  zusammengewach- 
sen, sowohl  mitten  in  der  Phosphorit-Masse  als  auch  an  den 
Grenzflächen  der  Apatit-Krystalle.  Eine  bestimmte  Beziehung  zu 
einer  der  beiden  Substanzen  Hess  sich  nicht  erkennen.  Ihre 
Farbe  variirt  zwischen  der  charakteristischen  gelbgrünen  und 
einer  lebhaft  gras-  bis  smaragdgrünen:  die  Prüfung  ergab  jedoch 
auch  in  letzteren  keinen  Kupfer-Gehalt,  soweit  dies  bei  der  klei- 
nen Menge  bestimmt  zu  werden  vermag.  Ebenso  blieb  anderer- 
seits eine  Prüfung  der  obenerwähnten  grünlichgelben  Masse  auf 
Uran,  zu  welcher  deren  Färbung  veranlasste,  erfolglos. 

Meines  Wissens  ist  der  vorliegende  der  erste  Fall  eines 
Auftretens  von  Uran-Salzen  in  Phosphoriten  und  liefert  daher, 
von  Anderem  abgesehen,  wohl  auch  neue  Anhaltspunkte  für  die 
Entscheidung  der  Frage  über  deren  Ursprung  und  Bildung.  Wenn 
bereits  Reichabdt  und  Stein  für  die  Phosphorite  Nassau's  einen 
rein  mineralischen  Auslauge-  und  Abseheidungsprocess  feststell- 
ten, so  wird  für  die  vorliegenden  „portugiesischen"  schon  durch 

16  * 


244 


jenes  Uran-Mineral  die  Vermuthung  auf  einen  organischen  Ur- 
sprung ganz  ausgeschlossen.  Denn  Uran  ist  bis  jetzt  noch  nie- 
mals in  Organismen  und  deren  Zersetzungsproducten  nachgewie- 
sen worden,  und  eine  etwaige  spätere  Infiltration  desselben  in 
die  bereits  gebildete  Phosphorit-Masse  wird  durch  das  geschil- 
derte Vorkommen  völlig  unannehmbar  gemacht.  Dagegen  wissen 
wir,  dass  krystallinische  Gebirgsarten  nicht  nur  Phosphorsäure, 
sondern  auch  Uran  in  kleinen  Mengen  enthalten  können,  wie  es 
ja  neben  den  früher  bekannten  Vorkommnissen  des  Kalkuranit's 
auch  durch  die  neuerdings  beobachteten  Einsprengungen  des 
Uranophan  im  Granit  von  Rohrlach  in  Niederschlesien  bezeugt 
wird. 

Nicht  nur  die  Seltenheit  der  Uran-Mineralien  überhaupt,  son- 
dern gerade  die  genetische  Bedeutung  verleiht  vorstehender  Be- 
obachtung einiges  Interesse  wohl  auch  für  weitere  Kreise. 

2.    Gold  von  Vancouver-Insel  und  West-Afriea. 

Einem  in  Victoria  auf  Vancouver-Insel  ansässigen  Deutschen, 
Herrn  L.  Löwenberg,  verdanke  ich  die  Einsendung  diverser  Mi- 
neralien und  Versteinerungen  aus  dortigen  Gegenden.  Die  Samm- 
lung ist  jetzt  in  den  Besitz  unseres  naturhistorischen  Museums 
übergegangen,  und  nimmt  in  ihr  eine  prächtige  kleine,  26,7  Grm. 
schwere  Stufe  gediegenen  Goldes  den  ersten  Rang  ein.  Sie  zeich- 
net sich  namentlich  durch  einen  recht  schönen,  ca.  7mm  langen 
Goldkrystall  aus,  der  ein  in  einer  Axenrichtung  prismatisch  ver- 
zerrtes Rhombendodekaeder  (ooO)  darstellt,  wie  sie  G.  Rose  auch 
vom  Ural  beschrieben  hat.  Da  von  diesen  nördlichen  Goldfund- 
stätten West-America's,  deren  geognostische  Beschaffenheit  in- 
dessen ganz  mit  den  Californischen  übereinzustimmen  scheint, 
noch  keine  Analyse  vorliegt,  so  t  heile  ich  dieselbe  hier  mit. 

Das  spec.  Gewicht  der  nicht  geschmolzenen  Probe  betrug 
bei  22°  C.  Wassertemperatur  =  18,50. 

Die  Untersuchung  ergab: 

Gold  91,86% 

Silber  ....  6,63  „ 
Kupfer    ....     1,00  „ 

Eisen  0,51  „ 

10Ö~QÖT 


245 


Quecksilber,  Blei  und  andere  Metalle  waren  nicht  vorhanden. 

Das  für  einen  Gold-Gehalt  von  91,86%  scheinbar  hohe  spec. 
Gewicht  (18,5)  darf  nicht  überraschen,  da  sich  aus  einem  Blicke 
auf  die  bekannten  Analysen  anderer  Gold-Vorkommnisse  die  re- 
lative Unabhängigkeit  Beider  von  einander  sofort  ergibt. 

Zum  Vergleiche  sei  hier  noch  des  früher  von  meinem  Vater, 
K.  Wibel,  analysirten  Goldes  von  der  Westküste  Africa's  gedacht, 
zumal  seine  Untersuchungen  (Abhandl.  des  Naturvv.  Vereins  zu 
Hamburg,  IL  Bd.  2.  Abth.  1852,  S.  87-108.)  weder  in  Rämmels- 
berg's  Mineralchemie  noch  in  den  Handbüchern  Danas  u.  A.  Auf- 
nahme gefunden  haben.    Er  bestimmte: 

Westafricaniäches 
a)  Körnergold.         b)  Staubgold.  c)  Waschgold. 

12  12  3       (aus  einem  fleischfarbigen  Thon 

Sp.  Gew.     14,63     16,20  —  —         der  Gegend  von  Elmina) 

Gold    .    .    89,40    87,91  97,23    96,40    92,03  97,81 

Silber.    .    10,07    11,40  2,77     3,60     5,82  2,19 

Kupfer     .     0,53     0,69  —        —       2,15  — 

"100,00  100,00  100,00  100,00  100,00  ~  100,00. 

Andere  Proben  des  Körnergoldes  mit  ca.  4,15  und  25°/0 
Kupfer  und  wechselnden  Mengen  von  Zink  (bis  17,31%).  Zinn 
und  Blei  ergaben  sich  als  Verfälschungen  durch  Messing,  wel- 
chen Industriezweig  die  Eingeborenen  bis  tief  in  das  Innere  hin- 
ein mit  grosser  Verschmitztheit  betreiben. 

3.  Über  Zusammensetzung  und  Bildung  der  Kupferiasur  (Azurit). 

Fast  sämmtliche  bekannt  gewordene  Analysen  des  Azurit 
zeigen  eine  mehr  oder  minder  beträchtliche  Abweichung  der  ge- 
fundenen und  der  nach  der  Formel  C113C2O7  -f  H2O  berechne- 
ten Zusammensetzung,  und  zwar  ist  stets  zu  wenig  Kohlensäure 
(0,1  —  1,56%)  und  zu  viel  Wasser  (0,24—1,28%)  gefunden  wor- 
den. Die  Ursache  dieser  Differenzen  im  Hinblick  auf  eine  ge- 
legentlich geäusserte  Bildungsweise  des  Minerales  festzustellen, 
war  die  erste  Veranlassung  zu  nachstehenden  analytischen  Un- 
tersuchungen, bei  welchen  mich  Hr.  stud.  med.  Emil  Tüngel  hülf- 
reich unterstützte. 

Als  Material  diente  ein  Stück  derb-krystallinischen  Azurit's 
aus  Sibirien,  möglichst  rein  von  Muttergestein  und  frei  von  bei- 


246 


gemengtem  Malachit.  Die  Analyse  desselben  ergab  nach  sorg- 
fältigem Trocknen  über  Schwefelsäure  und  bei  100°  und  nach 
Abzug  von  4,06°/0  unlöslicher  Beimengungen  (Eisenoxyd.  Kiesel- 
säure etc.): 


Auch  bei  diesem  Stücke  zeigten  sich  also  gleichartige  Ab- 
weichungen, wie  die  Eingangs  erwähnten.  Es  soll  indessen  so- 
fort bemerkt  werden,  dass  sich  schliesslich  als  Ursache  derselben 
nicht  die  vermuthete  Gegenwart  eines  für  die  Constitution  be- 
achtenswerthen  besonderen  Körpers  ergab,  sondern  dieselbe  ledig- 
lich in  der  Verunreinigung  auch  der  Lösung  mit  Thonerde,  Ei- 
senoxyd ,  Kalk  und  Kieselsäure  erkannt  werden  muss.  Letztere 
Substanzen  wurden  nämlich  thatsächlich  in  der  Lösung  des  Mi- 
nerals in  Salpetersäure  nachgewiesen,  aber  ihrer  Gleichgültigkeit 
wegen  nicht  quantitativ  bestimmt.  Derselbe  Umstand  dürfte  je- 
doch auch  die  Differenzen  der  früheren  Analysen  zur  Genüge 
erklären. 

Ehe  ich  aber  zu  diesem  Entscheide  gelangte,  schien  es  mir 
immerhin  möglich,  dass  vielleicht  ein  übrigens  ja  leicht  zu  über- 
sehender Gehalt  an  Ammoniak  jene  Abweichungen  veranlasst 
habe,  der  natürlich  die  Menge  des  Glüh  Verlustes  erhöhen  und 
dadurch  den  relativen  Gehalt  an  Kohlensäure  erniedrigen  musste. 
Diese  Vermuthung  gründete  sich  auf  zwei  Umstände.  Einmal  ist 
gelegentlich,  wenn  ich  nicht  irre  zuerst  von  Senft,  die  Bildung 
des  Azurits  aus  Kupfer-Lösungen  auf  den  Einfluss  StickstofF-hal- 
tiger  Materien  zurückgeführt  worden,  und  zweitens  gibt  es  ja 
bekanntlich  eine  grosse  Reihe  von  Kupfer-Salzen,  welche  ihre  so 
charakteristische  wie  intensive  blaue  Färbung  in  der  That  einem 
Gehalte  an  Ammoniak  verdanken.  In  Verknüpfung  dieser  beiden 
Momente  schien  es  mir  wirklich  der  Prüfung  werth,  ob  denn  in 
dem  Azurit  Ammoniak  entweder  als  eigentlicher  Bestandtheil 
oder  aber  als  Überrest  der  bei  seiner  Entstehung  gegenwärtigen 
StickstofF-haltigen  Material  aufzufinden  sei. 

Es  wurden  zu  dem  Zwecke  nun  wiederholt  25  —  28  Grm. 
des  Minerals  in  einer  Verbrennungsrohre  andauernd  erhitzt  und 


3CuO  . 
2C02  . 
H20  . 


gefunden 
.  69,66 
.  24,26 
.  6,08 


berechnet 
69,21 
25,56 
5,23. 


247 


die  flüchtigen  Produete  in  frisch  destiJlirter  Salzsäure  aufgefangen. 
Immer  aber  gab  letztere  beim  Eindampfen  und  Zusatz  von  Platin- 
chlorid so  geringe  Spuren  von  Platinsalmiak,  dass  man  dieses 
Ammoniak  dennoch  als  Verunreinigung  der  Säure  selbst  ansehen 
muss.  Mit  Bestimmtheit  Iässt  sich  daraus  entnehmen,  dass  der 
Azurit  kein  Ammoniak  enthält,  und  es  verliert  somit  auch  jene 
Hypothese  für  seine  Bildung  eine  entgegengesetzten  Falls  sehr 
gewichtige  Stütze. 

Bei  diesen  Versuchen  bildete  sich  aber  ein  Sublimat  von 
Eisenchlorid,  welches  einen  bisher  nicht,  vermutheten  Gehalt  an 
Chlor  andeutete.  In  der  That  geben  denn  auch  15,383  Grm. 
des  Minerales  bei  der  Bestimmung  auf  nassem  Wege  =  0,0048 
Grm.  Chlorsilbrr  ==  0,008%  Chlor.  Ein  solcher,  in  unserem 
Falle  freilich  sehr  geringer  Chlor-Gehalt  kann  um  so  weniger 
überraschen,  als  neuerdings  in  verschiedenen  Kupfer-Mineralien 
eine  Beimengung  von  Oxychlorkupfer  (Atacainit  etc.)  beobachtet 
worden  ist.  Zur  Aufklärung  obenberührter  Differenzen  reicht  er 
aber  wegen  seiner  Kleinheit  nicht  aus. 

Wenn  nach  dem  Ergebniss  vorstehender  Versuche  die  Senft'- 
sche  Vermuthung  über  die  Bildung  unseres  Minerals  ziemlich  un- 
wahrscheinlich wurde,  und  wenn  es  auch  sonst  bisher  kaum  ge- 
lungen ist,  dieselbe  künstlich  und  vor  unseren  Augen  sich  voll- 
ziehen zu  lassen,  —  so  richtete  ich  jetzt  mein  Bestreben  gerade 
hierauf.  Es  freut  mich,  im  Nachfolgenden  eine  künstliche  Dar- 
stellung des  Minerales  beschreiben  zu  können,  welche  so  einfach 
in  ihren  Bedingungen,  wie  lehrreich  in  ihrem  Verlaufe  ist  und 
wohl  kaum  bezweifeln  lässt,  dass  wir  in  ihr  ein  klares  Abbild 
der  Genesis  desselben  auch  im  Mineralreich  besitzen. 

Es  wurden  kleine  Stücke  grobkörnig-krystallinischen  Marmors 
in  eine  Digestionsröhre  aus  starkem  böhmischen  Glase  gebracht, 
darüber  eine  Schicht  massig  starker  Lösung  von  schwefelsaurem 
Kupfer  gegossen,  dann  zugeschmolzen  und  endlich  ca.  24  Stun- 
den auf  etwa  150° — 190°  erhitzt.  Beim  Herausnehmen  der  Röhre 
aus  dem  Luftbade  zeigten  sich  die  Marmor-Stücke  mit  einer  schön- 
grünen  Hülle  überzogen,  während  die  übrigens  klare  Flüssigkeit 
völlig  entfärbt  war.  Ich  glaubte  natürlich  nichts  anderes,  als  den 
auf  diesem  Wege  leicht  darstellbaren  und  auch  von  mir  schon 
mehrfach  bereiteten  Malachit  erhalten  zu  haben,  und  stellte  dess- 


248 


halb  die  Röhre  im  er  öffnet  bei  Seite.  Nach  etwa  achttägigem 
Stehen  begannen  sich  kleine  Gypskrystalle  abzuscheiden-  nach 
mehreren  Wochen  hatten  sich  dieselben  ansehnlich  vermehrt,  und 
während  ihre  Menge  im  Laufe  der  nächsten  Monate  immer  mehr 
wuchs .  dagegen  die  Flüssigkeit  innerhalb  der  Röhre  fast  völlig 
verschwand,  wurden  auf  dem  grünen  Malachit-Überzug  der  Mar- 
mor-Stücke anfangs  kleine,  tiefdunkelblaue  Wärzchen  sichtbar, 
welche  allmählich  zu  einer  stellenweise  ganz  compacten  Hülle 
sich  vereinigten.  Nach  ungefähr  drei  viertel  Jahren  wurde  die 
Röhre  geöffnet,  wobei  sich  keine  Spannung  von  freier  Kohlen- 
säure offenbarte,  und  der  blaue  Körper  geprüft.  So  leicht  sein 
Charakter  als  Kupfer-Carbonat  festgestellt  werden  konnte,  so  un- 
möglich zeigte  es  sich,  eine  genügende  Menge  desselben  in  einer 
hinreichenden  Reinheit  von  dem  unterlagernden  Malachit  und 
Marmor  für  eine  quantitative  Analyse  zu  erlangen.  Obschon  ich 
also  auf  diesen  endgültigen  Nachweis  verzichten  muss,  stehe  ich 
doch  nicht  an,  den  Körper  als  künstlich  dargestellten  Azurit  zu 
betrachten.  Die  schöne  Farbe  sowohl  als  die  Thatsache,  dass 
jene  Wärzchen  schon  bei  mässiger  Vergrösserung  deutlich  als 
Krystallaggregate  erscheinen,  geben,  wie  ich  glaube,  genügenden 
Anhalt. 

In  ähnlicher  Richtung,  wie  bei  vorstehendem  Versuche,  hat, 
so  viel  ich  weiss,  nun  Debray  *  dasselbe  Ziel  zu  erreichen  sich 
bemüht.  Durch  Einwirken  von  Kohlensäure  unter  hohem  Druck 
(10—14  Atm.)  auf  gewöhnliches  grünes  Kupfer-Carbonat  oder 
auf  Malachit  konnte  er  keine  Entstehung  von  Kupferlasur  bewir- 
ken. Dagegen  gelang  ihm  dies,  indem  er  Stücke  von  Kreide, 
festem,  salpetersaurem  Kupfer  und  Wasser  in  eine  Glasröhre  ein- 
schloss,  wo  dann  (ohne  Erhitzen)  zunächst  ein  grüner  Überzug 
auf  der  Kreide  erschien,  der  aber  in  diesem  Falle  ein  basisches 
Kupfernitrat  war,  und  allmählich  aus  demselben  blaue  krystalli- 
nische  Warzen  von  Azurit  hervorgingen.  In  der  Röhre  herrschte 
durch  Entwicklung  der  Kohlensäure  ein  Druck  von  3  —  4  Atm. 

Gegenüber  dieser  früheren  Darstellung  lassen  sich  die  Vor- 
züge unseres  Versuches  gar  nicht  verkennen.  Erstens  schmiegt 
er  sich  den  natürlichen  Verhältnissen  weit  mehr  an,  weil  er  von 

*  Jahresber.  f.  Chemie,  1859.    S.  214  f. 


249 


der  Umbildung  des  schwefelsauren  Kupfersalzes  ausgeht,  sodann 
zeigt  er  deutlich  die  innige  genetische  Beziehung  des  Azurit  zu 
dem  Malachit,  worauf  Debray  ganz  hatte  verzichten  müssen,  und 
welche  um  so  wichtiger  ist,  als  ja  auch  in  der  Natur  beide  Mi- 
neralkörper fast  immer  vergesellschaftet  erscheinen,  endlich  aber 
bezeugt  er  in  anschaulichster  Form  die  Bedeutung  der  YVasser- 
entziehung  bei  jener  Umbildung  sowie  den  Weg,  auf  welchem 
eine  solche  bewirkt  werden  kann. 

Wenn  es  sich  nämlich  jetzt  um  die  nähere  Einsicht  in  den 
Vorgang  selbst  handelt,  so  ist  dieselbe  der  obigen  genauen  Schil- 
derung des  Verlaufes  unseres  Versuchs  leicht  zu  entnehmen. 
Durch  Wechselwirkung  von  Kalkstein  und  Kupfersulfatlösung  in 
höherer  Temperatur  und  bei  gesteigertem  Druck  bilden  sich  Ma- 
lachit, schwefelsaurer  Kalk  und  Kohlensäure.  Trotzdem  aber 
Wasser  zugegen  ist,  muss  der  schwefelsaure  Kalk  als  Anhydrit 
in  demselben  gelöst  sein:  sonst  müsste  er  entweder  schon  wäh- 
rend des  Erhitzens  oder  doch  jedenfalls  beim  Abkühlen  der  Röhre 
auskrystallisiren,  zumal  sich  später  zeigt,  dass  seine  Menge  ziem- 
lich beträchtlich  ist.  Da  er  aber  erst  ganz  allmählich  entsteht, 
ohne  dass  an  eine  Verdunstung  des  Lösungsmittels  durch  die 
Röhrenwandungen  oder  dessen  Aufsaugen  durch  den  Marmor  zu 
denken  ist,  so  bleibt  keine  andere  Erklärung,  als  dass  eben  gar 
nicht  Gyps  präformirt  vorhanden  ist,  sondern  sich  erst  ganz  lang- 
sam in  der  Kälte  aus  dem  Anhydrit  und  Wasser  bildet. 

Diese  erste  Phase  des  Vorganges  lässt  sich  in  folgendem 
Schema  gut  veranschaulichen: 

i)  2CuS04 .4-  2CaCOa  +  IhO^  (C112CO4  +  H2O)  -f  2CaS04  +  CO2. 

Malachit 

Sobald  nun  die  Röhre  sich  abkühlt,  beginnt  der  Anhydrit 
seine  Umbildung  in  Gyps  unter  Aufnahme  von  Wasser,  welches 
er  schliesslich,  wenn  alles  übrige  verbraucht  ist,  dem  Malachit 
entzieht,  auf  den  ja  zugleich  auch  die  noch  immer  vorhandene, 
in  starker  Spannung  befindliche  Kohlensäure  einwirkt.  So  geht 
denn  entsprechend  dem  immer  geringer  werdenden  Wasser  fort- 
schreitend die  Bildung  des  Azurit  aus  dem  Malachit  vor  sich : 
2)  3(Cu2C04  -4-  H2O)  4-  CO2  -H2O  =  2CC113C2O7  +  H2O) 
Malachit  Azurit 


250 


und  findet  ihre  Grenze  dann,  wenn  keine  Kohlensäure  mehr  vor- 
handen.   Dies  hat  sich  ja  auch  beim  Öffnen  der  Röhre  gezeigt. 

Auf  Grund  dieser  vor  unseren  Augen  sich  vollziehenden  und 
theoretisch  vollkommen  klaren  Entstehung  würde  man  zu  dem 
verallgemeinernden  Entschlüsse  berechtigt  sein: 

Der  Azurit  bildet  sich  aus  Malachit  durch  Kohlen- 
säure-Aufnahme und  Wasser-Abgabe  bei  Gegenwart 
gespannter  Kohlensäure  und  eines  Wasser- entziehen- 
den Mittels  in  gewöhnlicher  Temperatur. 

Dass  diese  Bedingungen  im  grossen  Laboratorium  unserer 
Erde  bestanden  haben  und  noch  bestehen,  dürfte  nur  von  Weni- 
gen bestritten  werden,  und  somit  auch  die  Entwicklungsgeschichte 
unseres  Minerales  im  Sinne  unseres  Versuches  geringen  Wider- 
spruch finden.  Auf  einige  Bedenken  will  ich  mir  selbst  erlauben 
aufmerksam  zu  machen,  freilich  nur  um  sie  in  ihrer  Bedeutung 
abzuschwächen. 

Von  verschiedenen  Forschern  ist  Azurit  an  alten,  im  Erd- 
boden gelagerten  Bronzen  beobachtet  worden  *.  Sofern  sich  die 
Identität  dieses  Carbonates  mit  dem  mineralischen  Azurit  als 
zweifellos  ergeben  sollte,  würde  allerdings  für  dessen  Entstehung 
kaum  obige  Anschauung  gelten  können.  Allein  da  es  stets  sehr 
verschiedenartige  Wege  zur  Erzeugung  eines  und  desselben  Kör- 
pers geben  wird,  so  möchte  ich  auch  meine  Bildungstheorie  kei- 
neswegs für  eine  universelle  angesehen  wissen,  sondern  ausdrück- 
lich erklären,  dass  ich  sie  nur  für  die  meisten  der  mineralischen 
Vorkommnisse  für  zutreffend  erachte. 

Gerade  hiergegen  wird  aber  vielleicht  von  anderer  Seite  ein 
Einwand  erhoben,  der  auf  den  ersten  Blick  nicht  unwichtig  er- 
scheint. Wir  kennen  die  schönen  Pseudomorphosen  des  Malachit 
nach  Lasur  von  vielen  Fundorten ,  hingegen  solche  von  Lasur 
nach  Malachit  gar  nicht.  Man  hat  daraus  mit  vollstem  Rechte 
abgeleitet,  dass  sich  Lasur  verhältnissmässig  leicht  in  Malachit 
umwandle,  indem  sie  Kohlensäure  verliere  und  Wasser  aufnehme. 
Es  ist  dies  auch  unter  dem  Einfluss  der  Tagewässer  leicht  be- 
greiflich; allein  man  scheint  mir  sehr  viel  zu  weit  zu  gehen, 
wenn  man  daraus  schliessen  will,  dass  nun  überhaupt  und  überall 

*  S.  darüber  meinen  Aufsatz:  Jahrb.  1865,  S.  400.  Auch  C.  W.  C. 
Fuchs,  künstl.  dargest.  Mineralien,  1872,  S.  124  führt  neue  Belege  an. 


251 


der  Azurit  ein  primäres  Product  gegenüber  dem  Malaehite  sei. 
Denn  einmal  wird  jene  unanfechtbare  Thatsache  keineswegs  durch 
die  Annahme  einer  vorherigen  Bildung  des  Azurit  aus  Malachit 
unter  anderen  äusseren  Verhältnissen  irgendwie  alterirt,  zweitens 
erklärt  sich  das  Fehlen  von  Azurit-Pseudomorphosen  nach  Mala- 
chit zur  Geniige  aus  der  Seltenheit  der  Kry stalle  des  Letzteren, 
und  drittens  offenbaren  zahlreiche  Stufen  der  gemeinsam  auftre- 
tenden beiden  Mineralkörper  bei  genauerer  Besichtigung  zweifel- 
los eine  Entstehung  im  Sinne  unserer  Theorie.  Vor  mir  liegende 
Handstücke  aus  Siberien  (Kolywan),  Chessy,  Saalfeld  etc.  lassen 
für  mich  keinen  Zweifel,  dass  an  ihnen  der  Malachit  ein  primäres, 
der  Azurit  secundäres  Gebilde  sei.  So  bin  ich  überzeugt,  dass 
bei  weiterem  Forschen  alle  etwaigen  aus  dem  paragenetischen 
Verhalten  abgeleiteten  Bedenken  mehr  und  mehr  schwinden  wer- 
den, und  hoffe,  die  so  oft  aufgeworfene  Frage  nach  der  Ent- 
stehung des  schönen  Minerales  in  gewisser  Weise  befriedigend 
beantwortet  zu  haben.  Befriedigend  wenigstens  gegenüber  dem 
vollen  Verzichte,  zu  welchem  noch  G.  Bischof  (Chem.  Geol.  2. 
Aufl.  III,  S.  788)  sich  gezwungen  sieht,  indem  er  die  Entstehung 
der  Kupferlasur  geradezu  für  ein  Räthsel  erklärt. 


Terebratula  vulgaris  im  Gipskeuper*  der  Trias  Franken  s. 

Von 

Herrn  Inspector  Zeiger 

in  Würzburg. 


Das  Thal  des  Maines  verdankt,  gleichwie  die  meisten  Fluss- 
thäler,  seine  Entstehung,  von  seinem  Ursprünge  an.  bis  zu  dessen 
Austritt  aus  dem  bunten  Sandsteine  des  Spessarts  oberhalb  Aschaf- 
fenburg, nahezu  durchgängig  einer  Erosion. 

Ganz  vorzüglich  springt  diese  Erscheinung  aber  auf  jener 
Strecke  des  genannten  Flussgebietes  da  in  die  Augen,  woselbst 
der  Gipskeuperrücken.  welcher  sich  dermalen  als  ein  relativ  schma- 
ler Rücken  desselben  quer  über  das  Mainthal  legt,  an  einer  star- 
ken Einsattelung  dieses  Gebirgszuges  an  der  Grenze  des  Steiger- 
waldes mit  den  Hassbergen,  zwischen  Eltmann  und  Hassfurth,  am 
Ende  der  Postplioeän-Periode.  durchbrochen  wurde  und  in  Folge 
der  Mainthalbildung  durch  Erosion,  diesseits  des  genannten  Gips- 
keuper-Rückens  von  Hassfurth  an.  thalabwärts  der  Gipskeuper  bis 
zum  heutigen  Steilrande  des  Steigerwaldes  längs  des  von  Nord- 
ost nach  Südwest  ziehenden  Kammes  dieses  Steilrandes,  der  Art 
hinweggespült  und  gegen  Süden  und  Südost  zurückgedrängt  wor- 
den ist,  dass  in  der  heutigen  Thalsohle,  welche  vor  der  post- 

:  Die  Etymologie  des  Wortes  Gips  ist  deutschen  und  nicht  griechi- 
schen Ursprunges,  dies  bezeugen  die  Ortsnamen,  welche  an  Gipslagern 
liegen,  als:  Iphofen,  Ipsheim,  Ipesheim  etc.  und  namentlich  aber  der  Um- 
stand, dass  man  in  der  Volkssprache  dieses  Mineral  nie  Gips,  sondern 
stets  Ips  nennen  hört,  daher  wohl  auch  nicht  Gyps,  sondern  Gips  zu 
schreiben  wäre. 


253 


pliocänen  Fluthung  vom  Gipskeuper  überdeckt  war.  Letlenkohlen- 
keuper  in  den  verschiedensten  Etagen  vom  Grenzdolomit  abwärts 
bis  zur  Bairdien-Bank.  theils  mehr,  theils  weniger,  sowie  die 
obersten  Etagen  des  Muschelkalkes  im  eigentlichen  Sinne,  diese 
jedoch  nicht  tiefer  als  bis  incl.  der  wulstigen  Kalke  mit  Pa/io- 
paea  musculoides  d'ORB.  und  Myacites  elongatus  v.  Schloth.,  nur 
einige  Fuss  unter  der  Ackerkrume,  welche  auf  der  Strecke  zwi- 
schen Hassfurth  und  Kitzingen,  ja  selbst  noch  bis  unterhalb  Karl- 
stadt, aus  krystaliinischen  Geschieben  des  Maines,  und  nahezu 
ganz  reinem  Quarzsande,  theils  mehr,  theils  weniger  mit  Humus 
vermischt  besteht,  zu  Tage  treten,  während  theils  Semionotus- 
Sandstein,  theils  auch,  doch  seltener  Stubensandstein,  die  Höhen 
des  ganzen  genannten  Keuperzuges  an  dessen  Steilrande  bekrönt  n. 

Sehr  häufig  steht  auch  in  der  Thalebene  die  so  charakteri- 
stische Grenzbank  zwischen  Lettenkohlenkeuper  und  Muschelkalk 
irn  eigentlichen  Sinne,  die  Bairdienbank  nämlich,  in  den  verschie- 
densten ihr  eigenthümlichen  Modifikationen  sogar,  an  vielen  Or- 
ten an. 

Auf  der  mehrerwähnten  Strecke  dieser  Thalebene,  vorzüglich 
aber  auf  dem  Plateau  der  rechtseitigen  Thalwand  derselben,  finden 
sich  Stellen,  an  denen  Oasen-artig  die  untersten  Etagen  des  Gips- 
keupers,  bestehend  aus  den  diesen  so  charakterisirenden  bunten 
rothen  und  meergrünen  Mergeln,  mit  dazwischen  liegenden  dich- 
ten, licht  rauchgrauen  kristallinischen  Mergelbänken,  mit  Corbula 
keuperina  und  Bleiglanz  selbst  bis  zur  Bank  der  schiefrigen  Mo- 
difikation dieser,  mit  Estheria  minuta  abgelagert,  als  von  der  hier 
ehemals  während  der  postpliocänen  Periode  stattgefundenen  Strö- 
mung verschont  geblieben,  gefunden  werden:  ja  selbst  die  untern 
Schichtengipse,  welche  als  zu  technischen  Zwecken  sehr  tauglich 
befunden  werden,  daher  auch  sehr  gesucht  sind,  und  somit  für 
diese  Zwecke  in  den  Steinbrüchen  ausgebeutet  werden,  lagern 
auf  der  genannten  Hochebene  der  rechtseitigen  Thalwand,  wie 

O  TS  7 

dies  unter  andern  ganz  vorzüglich  bei  Opferbaum  im  sog.  Mahl- 
holz bei  einer  solchen  Gipskeuper- Oase  der  Fall  ist. 

Diese  Oasen  des  Gipskeupers  sind  in  den  verschiedensten 
Grössen  und  Formen  theils  mehr  theils  weniger  weit  vom  Steil- 
rande des  von  Nordost  nach  Südwest  ziehenden  Gipskeupers  die- 
sem gegenüber  in  nördlicher  und  westlicher  Richtung  entfernt, 


254 


und  es  treten  solche  mainabwärts  als  die  letzten  solcher  Ablage- 
rungen nordwestlich  von  Rottendorf  zwischen  diesem  Dorfe  und 
Lengfeld,  dann  sogleich  hinter  Lengfeld  nordöstlich  von  hier,  am 
sog.  „blauen  Berge"  auf,  an  welch'  letztgenannter  Stelle  ich  sehr 
schöne  Pseudomorphosen  nach  Kochsalz  in  dünnschiefrigen,  ganz 
homogenen,  licht  rauchgrauen  Mergeln,  welche  ca.  10  Fuss  über 
dem  Grenzdolomite  des  Lettenkohlenkeupers  ihre  bathrologische 
Stelle  haben,  fand,  was  wohl  der  erste  Fund  dieser  Art  in  der 
Trias  Unterfrankens,  meines  Wissens,  sein  dürfte,  daher  ich  nicht 
anstehe,  das  Vorkommen  dieser  Pseudomorphosen  bei  dieser  Ge- 
legenheit hier  hiemit  zu  publiciren. 

Eine  solche  Gipskeuper-Oase  befindet  sich  auch  in  südöst- 
licher Richtung  von  Rottendorf,  sogleich  hinter  Effeldorf  (Eisen- 
bahnstation Dettelbach).  in  der  sog.  „  Giebelsau H :  sie  wird  von 
der  von  Würz  bürg  nach  Kitzingen  führenden  Eisenbahn  durch 
einen  Einschnitt  durchfurcht,  wodurch  der  Einblick  in  ihre  Lage- 
rungsverhaltnisse seiner  Zeit  recht  gut  gestattet  war.  Von  die- 
sem Bahneinschnitte  nur  Weniges  und  zwar  rechts  der  genann- 
ten Eisenbahn,  von  Rottendorf  und  Kitzingen  entfernt,  ist  eine 
gerade  nicht  unbedeutende  Verfallung  des  Terrains  wahrzuneh- 
men, bis  zu  welcher  Strecke  die  ebengenannte  Gipskeuper-Oase 
reicht  und  zwar  noch  zum  Theil  überdeckt.  Hier  beginnen  über 
dem  Grenzdolomit  des  Lettenkohlenkeupers  ganz  normal  die  bun- 
ten Mergel,  wechsellagernd  mit  solchen,  in  welchen  Gips  in  dün- 
nen Plattchen  jene  netzförmig  nach  allen  Richtungen  hin  durch- 
setzt, und  der  dichten,  licht-rauchgrauen  krystallinischen  Mergel- 
bank mit  Corbula  keuperina.  bis  endlich  circa  20  bis  25  Fuss 
über  dem  Grenzdolomite  eine  sehr  dichte,  schmutzig  lichtgelbe, 
sandige,  mittelst  Kalkspathpartikelchen  gebundene,  bisher  in  die- 
sem Horizonte  noch  nirgends  beobachtete  Mergelbank  sich  ein- 
stellt, welche  den  Abschluss  gegen  das  Ausgehende  bildet,  so 
dass  weiter  nach  Oben  alle  weiteren  höheren  normalen  Schichten 
des  Gipskeupers  fehlen,  und  in  jener  Bank  die  Lösgebilde,  sammt 
der  Ackerkrume,  eingesackt  erscheinen. 

Diese  Bank  ist  es  nun,  in  welcher  ich  die  deutlich- 
sten, unverkennbarsten  Reste  der  Terebratula  vulga- 
ris v.  Schloth,  gebettet  entdeckte. 

Ich  glaube,  dass  das  Auftreten  dieses  Brachiopoden  in  die- 


255 


sein  Horizonte  von  grossem  geologischem  Interesse  sein  dürfte, 
da  meines  Wissens  Terebratula  überhaupt  aus  diesem  Horizonte 
der  Trias  im  Allgemeinen  bisher  noch  ganz  unbekannt  ist,  indem 
Terebratula  schon  vor  dem  Beginne  des  Lettenkohlenkeupers, 
also  schon  jenseits  der  Grenzbank  zwischen  Lettenkohlenkeuper 
und  Muschelkalk  im  eigentlichen  Sinne,  nämlich  der  Bairdienbank, 
als  ganz  aus  der  Trias  entschwunden,  angenommen  ist. 

Besonders  häufig,  ganze  Bänke  erfüllend,  erscheint  Terebra- 
tula noch  einmal  ganz  oben  an  der  Grenze  gegen  den  Letten- 
kohlenkeuper, in  einer  unter  dem  Namen  Trigonodus-Ka\k  be- 
kannten, erst  in  der  Nähe  Würzburgs  beginnenden  Modifikation 
des  Muschelkalkes  im  eigentlichen  Sinne,  um  sofort  hierauf  aus 
der  Trias,  wie  bereits  angenommen,  ganz  zu  verschwinden,  da- 
her die  Entdeckung  derselben  im  gedachten  Horizonte  des  Gips- 
keupers  wie  bemerkt  wohl  von  um  so  grösserem  geologischem 
Interesse  sein  dürfte. 


Geologische  Reiseuotizeii  aus  der  Sierra  Morena, 

Von 

Herrn  Geb.  Bergrath  Ferd.  Roenier 

in  Breslau. 


Ich  habe  die  Monate  October  und  November  v.  J.  zu  einem 
kurzen  Ausfluge  nach  Spanien  benutzt.  Das  ist  für  den  Süden 
von  Spanien  —  und  dieser  war  mein  Reiseziel  —  eine  vortreff- 
liche Jahreszeit  zum  Reisen,  und  erwies  sich  in  diesem  Jahre 
besonders  günstig.  Mit  Ausnahme  von  drei  Regentagen  war  das 
Wetter  während  der  ganzen  Zeil  meines  Aufenthalts  vortrefflich. 
Wolkenloser  Himmel  und  eine  Temperatur  wie  bei  uns  irn  Juni 
oder  Juli.  Auf  der  kalten  Hochebene  von  Castilien  war  das  frei- 
lich anders.  Hier  trafen  wir  bei  Avila  auf  der  Nordseite  des 
Guaderama-Gebirges  am  10.  October  schon  Schnee  und  in  Madrid, 
wenn  auch  nicht  Schnee,  doch  sehr  unfreundliche  und  kalte  Wit- 
terung, welche  durchaus  nicht  zu  längerem  Verweilen  einlud. 
Trotz  des  kurzen  Aufenthalts  nahm  ich  mir  doch  die  Zeit  zu 
einem  Besuche  des  naturhistorischen  Museums.  Die  mineralo- 
gisch-geologische Abtheilung  hatte  sich  seit  dem  Jahre  1864,  in 
welchem  ich  sie  schon  gesehen,  nicht  sehr  erheblich  vervoll- 
kommnet. Die  Mineraliensammlung  ist,  von  einigen  grossen  Schau- 
stücken abgesehen,  sehr  massig.  Man  vermisst  namentlich  Mi- 
neralien aus  Mexico  und  den  südamerikanischen,  früheren  spani- 
schen Colonien,  welche  bei  der  langen  Herrschaft  der  Spanier 
über  diese  Länder  man  gewiss  in  scheinen  Suiten  hier  vertreten 
zu  finden  erwarten  dürfte.  Die  Sammlung  von  Meteoriten  enthält 


257 


einige  bemerkenswerthe  Stücke.  Das  grösste  ist  ein  nach  der 
beiliegenden  Etiquette  bei  Molina  in  der  Provinz  Murcia  am  24. 
December  1858  bei  Tagesanbruch  gefallener,  114  Kilogramm 
schwerer  Stein.  Er  gehört  daher  zu  den  grössten  bekannten 
steinartigen  Meteoriten.  Die  paläontologische  Sammlung  besitzt 
in  dem  1789  bei  Buenos  Ayres  gefundenen  berühmten  Skelet  des 
Megatherium  giganteum  ein  Prachtstück  von  hohem  Werth.  Aber 
alles  Übrige  ist  unbedeutend  und  verdient  kaum  eine  nähere  Be- 
sichtigung. In  ganz  Spanien  existirt  keine  Sammlung  spanischer 
Petrefakten,  welche  sich  mit  der  von  E.  de  Verneuil  in  Paris  auf 
seinen  wiederholten  Reisen  in  Spanien  zusammengebrachten  an 
Vollständigkeit  und  wissenschaftlichem  Werth  auch  nur  entfernt 
vergleichen  Hesse. 

Eine  22stündige  Eisenbahnfahrt  brachte  mich  von  Madrid 
nach  Sevilla.  Hier  lernte  ich  durch  die  Güte  des  Professors  Don 
Antonio  Machado  y  Nüiiez  die  vorzugsweise  durch  seine  Be- 
mühungen gegründete  mineralogische  Sammlung  in  der  Universi- 
tät kennen.  Sie  ist  nur  klein,  aber  ich  sah  doch  manches  für 
mich  Interessante.  Dahin  gehört  ein  fast  vollständiger  6  Pfund 
schwerer  Meteorstein,  welcher  nach  der  nebenliegenden  Etiquette 
im  Jahre  1866  am  6.  December  Morgens  um  11  Uhr  in  der  Ge- 
meinde Elgueras  im  Distrikte  Cangas  de  Onis  in  der  Provinz 
Oviedo  gefallen  ist.  Ferner  Exemplare  von  Terebratula  diphya 
aus  der  Nähe  von  Cordova,  beweisend,  dass  die  durch  diese  Mu- 
schel bezeichnete  Schichtenfolge,  deren  nähere  Niveau-Bestimmung 
deutsche  und  französische  Geognosten  in  jüngster  Zeit  so  viel- 
fach beschäftigte,  sich  von  Rogoznik  in  der  Tatra  durch  das  ganze 
südliche  Europa  bis  in  die  Südwestecke  des  Continents  verfolgen 
lässt.  Ein  werthvolles  Stück  der  Sammlung  ist  ferner  ein  im 
Diluvium  von  Almodovar  del  rio,  westlich  von  Cordova,  gefun- 
dener, schön  erhaltener  Unterkiefer  von  Elephas  (Euelephas)  ar- 
meniacus  Falconer.  Die  Artbestimmung  des  Stücks  ist  durch 
Falconer  selbst  geschehen,  der  zu  dem  Zwecke  nach  Sevilla  ge- 
kommen war.  Bis  dahin  war  die  Art  nur  aus  der  Gegend  von 
Erzerum  in  Armenien  bekannt  gewesen. 

Von  Sevilla  wendeten  wir  uns  nach  Huelva,  der  Hauptstadt 
der  den  westlichsten  Theil  von  Andalusien  bildenden  gleichnami- 
gen Provinz.    Eine  Eisenbahn  fehlt  hier  noch,  und  der  gegen  12 

Jahrbuch  I8?ä,  17 


258 


deutsche  Meilen  lange  Weg  war  in  der  Diligence  zurückzulegen. 
Sobald  man  aus  dem  ungemein  fruchtbaren  breiten  Thale  des 
Guadalquivir  die  westlichen  Thalgehänge  hinansteigt,  erscheinen 
graue  Mergel  und  Reste  der  pliocänen  Tertiär-Bildung,  welche 
das  ganze  Thal  des  Guadalquivir  bis  oberhalb  Cordova  ausfüllt 
und  den  Beweis  liefert,  dass  dieses  ganze  Guadalquivir-Becken 
in  der  jüngeren  Tertiärzeit  ein  von  der  Sierra  Morena  einerseits 
und  von  den  Gebirgszügen  von  Ronda  und  von  Jaen  andererseits 
begrenzter,  tief  in  das  Festland  hineingreifender  Meerbusen  war. 
Das  ganze  zum  Theil  sehr  fruchtbare  Wein-  und  Oliven-reiche 
Hügelland  zwischen  Sevilla  und  Huelva  wird  durch  diese  Tertiär- 
Schichten  gebildet.    Nur  bei  Niebla  treten  im  Bette  des  Rio  Tinto 
steil  aufgerichtete  schwarze  Thonschiefer  zu  Tage,  welche  von 
rothen  Mergeln  und  diese  wieder  von  weissen  Kalksteinen  in  fast 
wagerechten  Schichten  überlagert  werden.    Diese  Thonschiefer 
sind  hier  der  südlichste  Ausläufer  der  weiter  nordwärts  auf  dem 
Südabhange  der  Sierra  Morena  weit  verbreiteten  Gesteine.  Bei 
Huelva  selbst  sind  die  aus  grauen  Thonen  und  Sanden  bestehen- 
den Tertiär-Schichten  an  den  Wänden  des  gegen  fünfzig  Fuss 
hohen  steilen  Abhanges,  mit  welchem  hier  das  Land  gegen  die 
Bai  hin  abfällt,  deutlich  aufgeschlossen.    Die  Schichten  sind  mit 
wohl  erhaltenen  Versteinerungen  erfüllt.    Ich  sah  darunter  nur 
bekannte  Arten  der  italienischen  Subapenninen-Bildung,  wie  na- 
mentlich Pecten  cristatus,  Natica  mülepunctata ,  Dentalium  ba- 
dense  Partsch  (D.  striatum  Lam.)  u.  s.  w.    Die  Aufschlüsse  der 
Schichten  waren  jetzt  um  so  deutlicher,  da  man  beschäftigt  war, 
einen  Theil  des  steilen  Abhanges  hinter  der  Stadt  abzutragen, 
um  das  Material  zur  Auffüllung  eines  zur  Anlage  eines  Eisen- 
bahnhofes bestimmten  Terrains  am  Hafen  zu  gewinnen.  Die  Stadt 
Huelva,  welche  der  nicht  bedeutenden,  nur  8000  bis  10,000  be- 
tragenden Einwohnerzahl  ungeachtet  in  neuerer  Zeit  als  Ver- 
schiffungsplatz der  namentlich  nach  England  ausgeführten  Erze 
der  an  metallischen  Schätzen  reichen  Provinz,  und  ausserdem 
auch  von  Südfrüchten  eine  ansehnliche  commercielle  Bedeutung 
erlangt  hat,  ist  an  dem  aus  der  Sierra  Morena  kommenden  Flusse 
Odiel,  der  bis  hierher  für  Dampfschiffe  und  kleinere  Segelschiffe 
schiffbar  ist,  sehr  günstig  gelegen.    Der  Anblick  des  Flusses  ist 
freilich  nicht  gerade  schön.    In  viele  Arme  verzweigt  fliesst  er 


259 


zwischen  diesen  unabsehbaren  Sumpfflächen,  die  zur  Fluthzeit  vom 
Wasser  zum  Theil  überschwemmt  sind.  Das  Wasser  ist  hier 
übrigens  schon  ganz  salzig.  Das  bewies  uns  eine  hausgrosse 
vierseitige  Pyramide  von  Seesalz,  welches  man  während  des  Som- 
mers hier  in  flachen  Gräben  gewonnen  und  so  zum  Verkauf  auf- 
geschichtet hatte.  Auch  bei  Cadix  hatte  ich  auf  meiner  früheren 
Reise  solche  Salz-Pyramiden  gesehen,  und  noch  an  mehreren 
anderen  Punkten  der  Südküste  von  Spanien  wird  in  gleicher  Weise 
Seesalz  gewonnen.  Wenige  Kilometer  unterhalb  Huelva  vereinigt 
sich,  kurz  vor  seiner  Mündung  in  das  Meer,  der  Odiel  mit  dem 
Rio  Tinto,  der  ebenfalls  in  der  Sierra  Morena  und  zwar  bei  den 
berühmten  nach  ihm  benannten  Kupferminen  entspringt.  Gerade 
an  der  Vereinigung  liegt  auf  einer  vorspringenden,  steil  abfallen- 
den Landecke  das  verlassene  Kloster  La  Rabida,  mit  dessen  Ge- 
schichte Columbus'  ruhmreicher  Name  in  bedeutsamer  Weise  ver- 
knüpft ist.  Hierher  kam  Columbus  zufällig  im  Jahre  148b'  als 
unbekannter  Wanderer,  fand  bei  dem  Prior  des  Klosters,  Juan 
Perez  de  Marchena,  nicht  nur  gastliche  Aufnahme,  sondern  auch 
eine  so  eifrige  Förderung  seiner  Weltentdeckungs-Pläne,  dass 
nur  dieser  und  im  Besonderen  seiner  Fürsprache  bei  der  Königin, 
deren  Beichtvater  er  gewesen,  es  zu  danken  ist,  wenn  Columbus 
endlich  nach  langen  vergeblichen  Bemühungen  sein  grosses  Un- 
ternehmen ausführen  konnte.  Palos,  die  unbedeutende  Hafenstadt, 
von  welcher  er  mit  seinen  drei  kleinen  Schiffen  absegelte,  und 
wo  er  auch  bei  seiner  Rückkehr  landete,  liegt  ganz  in  der  Nähe, 
kaum  4  Kilometer  entfernt,  am  Rio  Tinto.  Jetzt  freilich  ist  das 
Kloster  verödet,  Mönche  und  Prior  sind  fort  und  der  Kloster- 
garten bis  auf  eine  einzelne  schöne  Dattelpalme  verwüstet.  Auch 
das  Klostergebäude  selbst  würde  wohl  wie  so  viele  andere  Klö- 
ster in  Spanien  seit  der  im  Jahre  1836  erfolgten  allgemeinen 
Aufhebung  derselben,  längst  eine  vollständige  Ruine  geworden 
sein,  wenn  nicht  der  bis  zu  der  letzten  politischen  Umwälzung 
in  Sevilla  lebende  Herzog  von  Monpensier  durch  Ausführung  der 
nöthigsten  Reparaturen  und  durch  die  Einsetzung  eines  Wächters 
sich  um  die  Erhaltung  d^s  historisch  denkwürdigen  Gebäudes 
verdient  gemacht  hätte. 

In  Huelva  hatten  wir  bei  den  hier  als  Kaufleute  angesiedel- 
ten deutschen  Landsleuten  und  im  Besonderen  bei  dem  deutschen 

17  * 


260 


Consul,  Herrn  W.  Sundheim,  die  liebenswürdigste  und  gastfreund- 
lichste Aufnahme  gefunden.    Als  ich  dann  meine  Reise  in  das 
Innere  des  Landes  antreten  wollte,  fand  ich  in  der  Person  des 
Herrn  Theodor  Blum,  eines  seit  Jahren  in  Spanien  lebenden  deut- 
schen Berg-Ingenieurs,  den  angenehmsten  und  kundigsten  Reise- 
begleiter.   Ich  wollte  zunächst  das  grosse  Erzlager  von  Tharsis, 
welches  in  den  letzten  Jahren  durch  die  Grossartigkeit  seiner 
Ausbeute  Aufsehen  erregt  hat,  besuchen.    Dasselbe  liegt  gegen 
40  Kilom.  NNW.  von  Huelva  in  der  Sierra  Morena.    Wir  be- 
nutzten um  dahin  zu  gelangen  die  von  der  Englischen  Gesell- 
schaft lediglich  zu  dem  Zweck  des  Erz-Transportes  mit  einem 
Geldaufwand  von  angeblich  500,000  fc  erbaute  Eisenbahn,  welche 
Huelva  gegenüber  mit  einer  langen,  weit  in  den  Hafen  hinaus- 
gebauten Landungsbrücke  (Pier)  endigt,  auf  welcher  die  erzbela- 
denen  Waggons  ihren  Inhalt  unmittelbar  in  die  Dampfschiffe  ent- 
laden, durch  welche  der  Transport  nach  England  bewirkt  wird. 
Mit  einem  aus  leeren  Erzwagen  bestehenden  Zuge,  auf  welchem 
wir  die  einzigen  Passagiere  waren,  gelangten  wir  durch  das  von 
der  Küste  sanft  ansteigende,  fast  ganz  unangebaute  Hügelland 
nach  Tharsis  und  durch  einen  380  Meter  langen  Tunnel  auch 
gleich  mitten  in  die  Grube.*  Das  ist  ein  wunderbar  überraschen- 
der Anblick,  der  sich  hier  darbietet.  Man  befindet  sich  im  Grunde 
einer  ungeheuren,  von  120  Fuss  hohen  senkrechten  Wänden  ein- 
geschlossenen steinbruchartigen  Vertiefung.    Der  obere  20  bis 
25  Meter  hohe  Theil  der  Wände  besteht  aus  lebhaft  ziegelrothen 
Thonschiefern.    Darunter  folgt  in  scharfem  Contrast  der  Farbe 
eine  grünschwarze  Masse.  Das  ist  das  Erzlager.  In  einer  Lange 
von  500  Meter  und  in  einer  horizontalen  Breite  von  ;00  bis 
150  Meter  ist  dasselbe  hier  blossgelegt.    Wie  weit  es  in  die 
Tiefe  niedergeht,  ist  unbekannt.    Mit  einem  in  der  Sohle  des 
gegenwärtigen  Tagebaus  niedergebrachten  Schachte  fand  man  in 
40  Meter  Tiefe  das  Erz  noch  von  gleicher  Beschaffenheit.  Die 
grösste  Lebendigkeit  herrscht  in  dem  Tagebau.    Hunderte  von 
Arbeitern  sind  mit  dem  Abräumen  des  die  Bedeckung  des  Erz- 
lagers bildenden  Thonschiefers,  mit  dem  Sprengen  oder  Losbre- 
chen des  Erzes  und   mit  dem  Beladen  der  Wagen  beschäftigt, 
Sucht  man  sich  nun,  nachdem  man  den  allgemeinen  Eindruck 
dieses  merkwürdigen  Schauspiels  in  sich  aufgenommen  hat,  von 


4 


261 


den  geologischen  Verhältnissen  des  Erzlagers  eine  nähere  Dar- 
stellung zu  verschaffen,  so  erkennt  man  Folgendes:  das  herr- 
schende Gestein  der  ganzen  Gegend  sind  steil  aufgerichtete,  von 
Ost  nach  West  streichende  dunkle  Thonschiefer.  Diesen  ist  das 
Erzlager  in  solcher  Weise  gleichförmig  eingelagert,  dass  es  bei 
gleichem  Streichen  von  Ost  nach  West  und  bei  steilem,  70°  bis 
80°  betragenden  Einfallen  gegen  Süden  im  Hangenden  wie  im 
Liegenden  durch  die  Thonschiefer  gleichmässig  begrenzt  wird. 
Auch  die  Bedeckung  des  Erzlagers  nach  oben  wird  durch  Thon- 
schiefer gebildet.  Die  Thonschiefer,  welche  sonst  in  dem  Gebiete 
schwarz  oder  dunkelgrau  sind,  zeigen  sich  in  der  Nähe  des  Erz- 
lagers entfärbt  und  sind  theils  weisslich,  theils  ziegelroth. 

Das  Erzlager  selbst  besteht  aus  feinkörnigem  oder  dichtem 
Schwefelkies  mit  einem  zwischen  2  bis  12  Proc.  schwankenden 
Kupfergehalt.  Im  frischen  Zustande  des  Erzes  ist  der  Kupfer- 
Gehalt  mit  dem  Auge  gar  nicht  erkennbar.  Beim  Liegen  an  der 
Luft  verräth  er  sich  aber  bald  durch  den  Überzug  von  erdigem 
Malachit,  der  sich  auf  der  Oberflache  des  Stücks  bildet.  Häufig 
ist  das  Erz  auch  schwarz  durch  einen  Überzug  von  pulveriger 
Kupferschwärze.  Dann  pflegt  es  zugleich  porös  und  mehr  oder 
minder  zersetzt  zu  sein.  Sehr  selten  kommt  Bleiglanz  in  dem 
Erze  vor.  Ich  fand  nur  eine  kleine  Druse  mit  erbsengrossen, 
würfelförmigen  Krystallen.  Auch  kleine  aber  glänzend  glatte 
Krystalle  von  Vitriolblei  (Anglesit)  sammelte  ich  in  einigen  klei- 
nen Stufen.  Nach  oben  wird  das  Erzlager  von  grossen  Blöcken 
von  dichtem  Brauneisenstein  bedeckt.  Die  Grenze  desselben 
gegen  das  Erzlager  ist  aulfallend  scharf  und  vvagerecht.  Die 
Blöcke  reichen  zum  Theil  bis  zur  Oberfläche  und  ragen  als  Fel- 
sen über  dieselben  vor.  Die  meisten  anderen  Schwefelkies-Lager 
in  diesem  Theile  der  Sierra  Morena  sind  von  einem  solchen 
„Eisernen  Hute"  von  Brauneisenstein,  welcher  sich  augenschein- 
lich aus  der  Zersetzung  des  Erzes  gebildet  hat,  bedeckt,  und  all- 
gemein hat  wohl  derselbe  zu  der  Auffindung  der  Erzlager  geführt. 

Die  gegenwärtige  Gewinnung  beträgt  gegen  30,000  bis  40,000  engl, 
tons  per  Monat,  da  die  ganze  Länge  des  Erzlagers  durch  Schächte  und 
Bohrlöcher  zu  mehr  als  1  Kilometer  ermittelt  ist,  so  erscheint  auch  bei 
einer  so  bedeutenden  Gewinnung  ein  ausreichender  Erzvorrath  noch  für 
eine  längere  Reihe  von  Jahren  gesichert.   Der  grössere  Theil  des  gewon- 


262 


nenen  Erzes  wird  nach  England  verschickt,  um  dort  zunächst  für  die  Dar- 
stellung von  Schwefelsäure  verwendet  zu  werden,  während  man  die  Rück- 
stände nach  einem  neuen  Verfahren  auf  Kupfer  und  Eisen  verarbeitet  und 
so  alle  Bestandteile  des  Erzes  benutzt.  Ein  geringerer  Theil  des  ge- 
wonnenen Erzes  wird  an  Ort  und  Stelle  geröstet,  ausgelaugt  und  zur  Dar- 
stellung von  Cement-Kupfer  benutzt.  Ein  ungeheurer  Flächenraum  in  der 
Nähe  des  Erzlagers  ist  mit  den  rauchenden  Rösthaufen  bedeckt  und  mei- 
lenweit ist  die  über  denselben  aufsteigende  Rauchsäule  in  das  Gebirge 
hinein  sichtbar.  Gegen  40,000  engl,  tons  des  Erzes  befanden  sich  augen- 
blicklich nach  Angabe  des  dirigirenden  Beamten  in  der  Röstung  begriffen. 
Die  Erzhaufen  bedürfen  zu  ihrer  Entzündung  nur  einer  dünnen  Unterlage 
von  (Jisiws-Gesträuch. 

Die  grossartige  und  gewinnbringende  Ausbeutung  des  Erzlagers  be- 
steht übrigens  erst  seit  einigen  Jahren.  Die  französische  Gesellschaft, 
welche  früher  das  Erz  nur  unterirdisch  abbaute  und  dasselbe  nur  für  die 
Darstellung  von  Cäment-Kupfer  benutzte,  hatte  durchaus  nicht  ähnliche 
Erfolge  aufzuweisen.  Erst  als  die  Ausbeutung  des  Erzlagers  in  die  Hände 
der  englischen  Gesellschaft  überging,  begann  mit  der  Einrichtung  des 
grossartigen  Tagebaus  und  mit  der  Ausfuhr  des  Erzes  nach  England  die 
gegenwärtige  Aera  des  glänzendsten  Erfolges. 

Zur  Einrichtung  des  Tagebaus  war  man  zum  Theil  durch  die  Stö- 
rungen veranlasst,  welche  zahlreiche  alte  Baue  der  Römer  in  dem  Erz- 
lager dem  regelmässigen  unterirdischen  Abbau  entgegenstellten.  Dass 
diese  alten  Baue  wirklich  von  den  Römern  herrühren,  wird  durch  die 
häufige  Auffindung  von  Münzen  und  von  zahlreichen  Geräthen  römischer 
Arbeit  bewiesen.  Auch  Wasserräder  und  ausgezimmerte  Schächte  römi- 
scher Arbeit  haben  sich  bis  auf  den  heutigen  Tag  erhalten.  Uns  wurde 
namentlich  ein  sehr  kunstgerecht  ausgezimmerter  Schacht  von  römischer 
Arbeit  gezeigt.  Die  Römer  suchten  hier  natürlich  nur  das  Kupfer,  da 
der  Schwefelkies  für  sie  werthlos.  Sie  wussten  die  kupferreicheren  Par- 
tien des  Erzstocks  aufzufinden,  und  bauten  nur  diese  ab.  Weite,  dom- 
artige Höhlungen,  von  deren  Decke  Fuss-lange  und  zum  Theil  Centner- 
schwere Stalaktiten  von  Kupfervitriol  herabhingen ,  sind  zurückgeblieben, 
wo  sie  diese  reicheren  Erzpartien  fortgenommen  haben.  Ausgedehnte 
Schlackenhalden  bei  der  Nähe  des  Erzlagers  bezeugen  ausserdem  die  lange 
Zeiträume  hindurch  fortgesetzte  Ausbeutung  des  Erzlagers  durch  die  Rö- 
mer. Übrigens  ist  Tharsis  nicht  etwa  der  Name  einer  Ortschaft,  sondern 
die  Benennung  des  das  Erzlager  umgebenden  Berglandes.  Erst  seit  eini- 
gen Jahren  ist  aus  den  Häusern,  welche  die  Gesellschaft  zur  Unterbringung 
der  gegen  4000  Köpfe  betragenden  Arbeiter-Colonie  erbauen  Hess,  ein  an- 
sehnlicher Flecken  erwachsen. 

Von  Tharsis  begaben  wir  uns  nach  der  Mangangrube  Risco 
Bacco  bei  dem  nur  wenige  Kilometer  von  Tharsis  entfernten 
Städtchen  Alosno.    Das  Grubengebäude  liegt  auf  einem  Hügel, 


263 


von  welchem  man  die  Gegend  ziemlich  weit  übersieht.  Auf  einem 
benachbarten  Hügel  breitet  sich  das  Städtchen  Alosno  aus.  Un- 
weit desselben  beweist  ein  junger,  üppig  wachsender  Pinien-Wald, 
dass  das  Klima  dein  Baumwuchs  keineswegs  hinderlich  ist,  und 
dass  es  nur  des  Schutzes  der  jungen  Pflanzungen  durch  Einfrie- 
digung bedarf,  um  sie  gedeihen  zu  lassen.  Im  Thale  wird  durch 
eine  Quelle  ein  kleiner  Orangengarten  bewässert.  Sonst  ist  das 
umgebende  Hügelland  unbebaut  und  überall  mit  den  3  bis  4  Fuss 
hohen  Stauden  von  Cistus  ladaniferus,  dieser  eigentlichen  Cha- 
rakterpflanze des  ganzen  Südabfalls  der  Sierra  Morena  dicht  be- 
wachsen. 

Die  Manganerze  bilden  Nester  oder  unregelmässige  Lager,  welche  in 
ihrem  Vorkommen  an  das  Auftreten  von  mächtigen,  durch  Eisenoxyd  roth 
gefärbten  und  zum  Theil  in  rothen  Jaspis  übergehenden  Quarzlagern, 
deren  Ausgehendes  in  der  Form  von  mauerartigen  Felskämmen  auf  der 
Höhe  des  Bergrückens  hervortritt,  in  der  Art  gebunden,  dass  sie  in  den 
Quarzlagern  selbst,  oder  auf  der  Grenze  derselben  gegen  die  Thonschie- 
fer, welche  in  der  ganzen  Gegend  das  herrschende  Gestein  bilden,  sich 
finden.  Das  herrschende  Erz  ist  ein  dichter  oder  feinfaseriger  Pyrolusit. 
Selten  kommen  deutlich  bestimmbare  kleine  Krystalle  vor.  Durch  Auf- 
bereitung wird  das  Erz  zum  Theil  von  der  anhängenden  Bergart  befreit. 
Die  Grube  Bisco  Bacco  gehört  wie  mehrere  andere  derselben  Gegend  dem 
deutschen  Handlungshause  Sundheim  und  Doetsch  in  Huelva.  Das  Vor- 
kommen der  Erze  ist  überall  ganz  ähnlich.  Nächst  den  kupferhaltigen 
Schwefelkiesen  sind  die  Manganerze  das  wichtigste  Mineral-Produkt  der 
Provinz  Huelva.  Gegen  40,000  engl,  tons  Manganerze  werden  jährlich  in 
Huelva  nach  England,  Frankreich  und  Deutschland  verschifft. 

Die  Thonschiefer,  welche  in  der  ganzen  Gegend  das  herr- 
schende Gestein  bilden,  wurden  bisher  für  silurisch  gehalten.  So 
sind  sie  namentlich  auch  auf  der  vortrefflichen  geologischen  Karte 
von  Spanien  von  E.  de  Verneuil  und  E.  Collomb  bezeichnet.  Als 
ich  meinen  landeskundigen  Begleiter,  Herrn  Theodor  Blum  fragte, 
ob  ihm  kein  Vorkommen  von  Versteinerungen  in  den  Thonschie- 
fern bekannt  sei,  führte  er  mich  an  eine  Stelle  am  nördlichen 
Ausgange  des  Städtchens  Alosno,  wo  ich  zu  meiner  nicht  ge- 
ringen Überraschung  die  Schichtflächen  des  stark  zerklüfteten 
blaugrauen  Thonschiefers  mit  den  deutlich  erhaltenen  Schalen 
von  Posidonomya  Becheri  in  dichter  Zusammenhäufung  bedeckt 
fand.  Das  ganze  Vorkommen  der  Muschel  gleicht  so  durchaus 
demjenigen  in  Nassau,  in  Westphalen  und  am  Harz,  dass  man 


264 


sogleich  beim  ersten  Blick  die  Überzeugung  gewinnt ,  dass  man 
hier  dasselbe  Fossil  aus  einer  Ablagerung  gleichen  Alters  vor 
sich  hat.  Während  in  Belgien  und  in  Frankreich  die  Art  nicht 
bekannt  ist,  erscheint  sie  hier  in  der  südwestlichsten  Ecke  von 
Spanien  mit  allen  Merkmalen  des  deutschen  Vorkommens  wieder. 
Auch  Avicula  lepida  Goldf.  und  Peeten  Münsteri  H.  v.  Meyer, 
zwei  gewöhnliche  Begleiter  der  Posidonomya  Bechert  in  den 
Schiefern  der  Culm-Bildung  Nassaus  und  Westphalen's,  wurden 
mit  Sicherheit  erkannt.  Auf  dem  Rückwege  von  Alosno  nach 
Huelva  fand  ich  Posidonomya  Becheri  auch  an  der  Eisenbahn- 
station Medio  miliar  in  einem  Einschnitte  der  Bahn.  In  Huelva 
erhielt  ich  sie  ferner  von  einem  noch  einige  Kilometer  weiter 
südlich  gelegenen  Punkte,  bei  der  grossen  Eisenbahnbrücke,  der 
sogenannten  Meca-Brücke.  Nach  der  mündlichen  Mittheilung  des 
Bergingenieurs  Savada  endlich  ist  sie  auch  viele  Meilen  weiter 
westlich  an  der  Laja,  auf  dein  linken  Ufer  des  Guadiana,  gefun- 
den worden.  So  ist  ihr  Vorkommen  jedenfalls  über  ein  ansehn- 
liches Gebiet  auf  dem  Südabfalle  der  Sierra  Morena  verbreitet 
und  für  eben  dieses  Gebiet  die  Zugehörigkeit  der  Thonschiefer 
zu  der  Culm-Bildung,  der  den  Kohlenkalk  vertretenden  eigen- 
thümlichen  Facies  des  älteren  Steinkohlengebirges  erwiesen. 

Nach  einer  zweitägigen  Rast  in  Huelva  brachen  wir  von 
Neuem  zu  einem  Ausfluge  auf.  Dieses  Mal  waren  die  berühmten 
Kupfergruben  von  Rio  Tinto  das  Reiseziel.  Dieselben  liegen  60 
Kilom.  nordöstlich  von  Huelva  in  der  Sierra  Morena.  Bis  zu  dem 
Städtchen  Valverde  del  Cammino  konnten  wir  wieder  eine  Erz- 
eisenbahn  benutzen,  die  Buitron-Bahn ,  welche  von  San  Juan  del 
Puerto,  dem  Punkte,  wo  der  Rio  Tinto  für  kleinere  Fahrzeuge 
schiffbar  wird,  über  Valverde  nach  Buitron,  einem  einige  Kilo- 
meter nördlich  von  Valverde  gelegenen  kupferhaltigen  Schwefel- 
kieslager führt  und  für  den  Transport  des  Erzes  an  die  Küste 
erbaut  ist.  Die  Strecke  von  Valverde  bis  Rio  Tinto  ist  dagegen 
zu  Pferde  zurückzulegen.  Eine  Strasse  existirt  nicht.  Es  ist  ein 
elender  Saumpfad,  der  ohne  alles  Zuthun  von  künstlichem  Wege- 
bau lediglich  durch  die  Tritte  des  Saumthiers  selbst  gebildet  ist. 
An  einigen  Stellen  ist  er  halsbrecherisch  genug,  und  nur  dem 
sicheren  Schritte  der  Pferde  des  Landes,  welche  auf  so  schlech- 
ten, felsigen  Pfaden  zu  gehen  gewohnt  sind,  hat  man  es  zu 


265 


danken,  wenn  man  ohne  Unfall  über  dieselben  gelangt.  Und 
doch  ist  der  Weg  als  das  einzige  Communicationsmittel  zwischen 
Valverde  und  der  zahlreichen  Arbeiterbevölkerung  am  Rio  Tinto 
und  den  höher  im  Gebirge  gelegenen  Ortschaften  nicht  ohne 
Wichtigkeit. 

Gleich  nachdem  man  die  letzten  Häuser  von  Valverde  hinter 
sich  hat,  befindet  man  sich  in  vollständiger  Wildniss.  Jeder  An- 
bau hört  auf.  So  weit  man  sehen  kann,  ist  das  durch  unzählige 
kleine  Thäler  in  einzelne  gerundete  Bergkuppen  zerschnittene 
Land  mit  den  drei  bis  vier  Fuss  hohen  Stauden  von  Cistus  la- 
daniferus  bedeckt.  Die  eigenthümliche  graugrüne  Farbe  seines 
Laubes  ist  die  Farbe  des  Landes.  Nach  ihr  wäre  die  Sierra 
Morena  (moreno,  braunschwarz)  viel  passender  benannt,  wenn 
überhaupt  die  Benennung  nach  der  vorherrschenden  Färbung  hätte 
gewählt  werden  sollen.  Das  ist  jedoch  ursprünglich  nicht  der 
Fall  gewesen,  sondern  die  gegenwärtige  Benennung  ist  aus  einer 
Corruption  von  Möns  Marianus  entstanden  *.  Myrten  (Myrtus 
communis  var.  latifolia),  Pistacien  iPistacia  lentiscus)  und  immer- 
grüne Eichen  QQuercus  coccifef)  sind  nächst  dem  Cistus  ladani- 
ferus  die  gewöhnlichsten  Sträucher. 

In  den  Thälern  ist  längs  der  Wasserläufe  die  Vegetation 
artenreicher  und  üppiger.  Oleander-Gebüsche  wechseln  in  dem 
Bette  der  Bäche  selbst.  An  den  Abhängen  bildeten  mannigfache 
immergrüne  Sträucher  ein  dichtes  Gebüsch.  Unter  denselben  ge- 
währten die  Stauden  des  Erdbeerbaums  {Arbutes  unedo},  gleich- 
zeitig die  zierlichen,  Maiblumen-ähnlichen  weissen  Blüthen  und 
die  Erdbeer-artigen ,  rothen  Früchte  tragend,  einen  reizenden 
Anblick. 

Durch  solches  Land  führt  der  einsame  Weg  stundenlang  fort. 
Einige  Maulthiertreiber,  welche  Fische  von  der  Meeresküste  in 
die  höheren  Theile  des  Gebirges  gebracht  und  als  Rückfracht 
Kastanien  geladen  hatten,  und  einige  „Guardias  civiles"  (Gens- 
d'armen),  waren  die  einzigen  Personen,  welche  uns  im  Laufe  von 
mehreren  Stunden  begegneten.  Die  Guardias  civiles  sind  dem 
Reisenden  stets  eine  angenehme  Erscheinung,  nicht  blos  wegen 


*  Vergl.  Diez:  Ethyroolog.  Lexicon  der  roman.  Sprachen.  Bonn  1861, 
Vorrede,  p.  XXV. 


266 


ihrer  sauberen  und  stattlichen  äusseren  Erscheinung,  sondern  als 
Bürgen  für  die  persönliche  Sicherheit  in  dem  menschenarmen 
Lande.  Dank  dieser  vorzüglichen  Truppe  ist  das  früher  auch  in 
Andalusien  so  allgemein  verbreitete  Räuberunwesen  in  den  letz- 
ten Jahren  fast  ausgerottet. 

Nach  einem  vierstündigen  Ritt  traten  wir  in  eine  Zone  von 
lichtem  Eichenwald  ein.  Es  sind  immergrüne  Eichen  mit  süssen, 
essbaren  Früchten  (Quercus  ballota  L.).  Die  Eicheln  waren  ge- 
rade reif.  Heerden  sclnvarzborstiger  Schweine  thaten  sich  an 
ihnen  gütlich,  und  die  Schweinehirten  waren  beschäftigt,  die  noch 
nicht  abgefallenen  Früchte  mit  langen  Stangen  von  den  Bäumen 
abzuschlagen.  Übrigens  werden  diese  Eicheln  wegen  ihres  an- 
genehmen Geschmacks  auch  von  Menschen  gern  gegessen,  und 
die  Landleute  bieten  den  Reisenden  dergleichen  an,  wie  man  bei 
uns  Nüsse  anbieten  würde.  Diese  Essbarkeit  der  spanischen 
Eicheln  war  schon  im  Alterthume  bekannt.  Strabo  und  Plinius 
erwähnen  dieselbe  und  theilen  mit,  dass  ganze  Stämme  der  alten 
Iberer  vorzugsweise  von  ihnen  lebten,  indem  sie  Brot  oder  Ku- 
chen aus  denselben  bereiteten. 

Mit  dem  Betreten  des  Eichenwaldes  änderte  sich  auch  die 
geognostische  Beschaffenheit  des  Bodens.  Während  bis  dahin 
dunkele,  von  zahllosen,  zolldicken,  weissen  Quarzadern  durch- 
zogene Thonschiefer,  ihre  alte  Bedeckung,  mit  Diluvium  das  herr- 
schende Gestein  gebildet  hatten,  trat  jetzt  ein  dunkeler  Grünstein 
auf.  Kugelig  abgerundete  Blöcke  des  Gesteins  lagen  überall  an  der 
Oberfläche  umher.  Dies  Gestein  gleicht  ganz  dem  Diabas  der 
Oberharzer  Grünsteinzüge.  Wie  dieser  ist  er  theils  dicht,  theils 
krystallinisch-körnig.  theils  mandelsteinartig. 

Auch  die  gleichförmige,  im  Fallen  und  Streichen  überein- 
stimmende Lage  des  Grünsteins  in9  den  Thonschiefern  ist  ganz 
wie  am  Harze.  Das  sieht  man  noch  deutlicher  bei  einem  klei- 
nen, nur  10  Fuss  breiten  Grünsteinzuge,  welcher  weiter  nord- 
wärts folgt.  Völlig  scharf  und  geradlinig  von  Ost  nach  West  ist 
hier  die  Begrenzung  des  Lagers  gegen  den  einschliessenden, 
steil  aufgerichteten  Thonschiefer 

Sobald  man  aus  dem  Eichenwald  hervortritt,  sieht  man  in 
der  Entfernung  den  ganz  kahlen  und  felsigen  Rücken  des  Salo- 
mon-Berges,  an  dessen  Fusse  die  Gruben  von  Rio  Tinto  liegen, 


267 


in  intensiv  ziegelrother  Färbung  als  eine  weithin  leuchtende,  auf- 
fallende Erscheinung  über  das  flachere  Bergland  hervorragen. 
Man  denkt  nach  Bergform  und  Färbung  unwillkürlich  an  einen 
Vulkan.  Die  Täuschung  wird  noch  grösser,  wenn  man  sich  dem 
Orte  Rio  Tinto  noch  mehr  nähert  und  endlich  einen  niedrigen 
Rücken  überschreitend  denselben  plötzlich  unmittelbar  vor  sich 
sieht.  Man  steht  am  Rande  eines  mehrere  hundert  Fuss  tiefen 
und  über  einen  Kilometer  langen  Thaies,  dessen  nördlicher  Ab- 
hang von  den  Häusern  und  Hütten  der  etwa  8Ü0  Einwohner  zäh- 
lenden Bergstadt  Rio  Tinto  eingenommen  wird.  Im  ostlichen 
Hintergrunde  des  Thaies  erhebt  sich  ein  gegen  100  Meter  hoher, 
auffallend  regelmässig  kegelförmiger  Hügel  (La  Vacca),  von  wel- 
chem Rauchwolken  und  schwefelsaure  Dämpfe  aufsteigen,  die  das 
ganze  Thal  erfüllen  und  oft  für  das  Athmen  beschwerlich.  Da- 
bei sind  die  Wände  des  Thaies  kahl  und  von  lebhafter,  ziegel- 
rother Färbung.  Hier  ist  der  Krater  des  Vulkans!  So  würde 
der  Laie  unwillkürlich  bei  diesem  Anblick  ausrufen.  Und  doch 
ist  das  nur  Täuschung.  Kein  vulkanisches  Gestein  ist  hier  vor- 
handen. Thonschiefer  ist,  wie  in  dem  ganzen  umgebenden  Ge- 
birgslande,  die  herrschende  Gebirgsart.  Die  rothe  Färbung  rührt 
von  mächtigen  Eisenstein-Massen,  welche  dem  Thonschiefer  auf- 
gelagert sind,  und  der  Rauch  steigt  von  den  zahlreichen  Röst- 
haufen des  Erzes  auf. 

Wir  fanden  bei  dem  dirigirenden  Bergwerksbeamten  Don 
Joaquin  Gonzalo  Tarin,  dem  wir  empfohlen  waren,  freundliche 
Aufnahme.  Diese  Gastfreundschaft  war  freilich  auch  sehr  noth- 
wendig,  denn  die  erbärmliche  Fonda  hätte  uns  wohl  einen  sehr 
traurigen  Aufenthalt  geboten.  Freilich  war  auch  die  Wohnung 
des  Herrn  Tarin,  obgleich  ein  Regierungsgebäude,  keineswegs 
glänzend,  sondern  befand  sich  in  sehr  verfallenem  Zustande.  Mehr 
oder  minder  war  das  auch  mit  den  übrigen  Gebäuden  des  Ortes 
der  Fall.  Dasselbe  erscheint  überhaupt  nicht  sehr  einladend  zu 
längerem  Verweilen.  Die  völlige,  durch  die  schwefelsauren  Dämpfe 
bewirkte  Abwesenheit  jeder  Vegetation,  selbst  des  kleinsten  Gras- 
halms oder  Mooses,  lässt  dasselbe  schon  öde  genug  erscheinen. 
Zahlreiche  schwarze  Schweine,  frei  in  den  Strassen  umherlaufend, 
tragen  nicht  zur  Reinlichkeit  derselben  bei.  Weht  der  Wind  aus 
Osten  von  den  Rösthaufen  her,  so  ist  die  ganze  Stadt  von  er- 


268 


stickenden  Dämpfen  erfüllt.  Alle  Nahrungsmittel  der  Bevölkerung 
müssen  aus  grösserer  Entfernung  herbeigeführt  werden.  Die- 
selbe besteht  übrigens  auch  ausschliesslich  aus  den  bei  dem  Berg- 
bau und  in  den  Hütten  beschäftigten  Arbeitern  und  Beamten. 

Den  fclgenden  Tag  nach  unserer  Ankunft  benützten  wir.  um 
uns  zunächst  eine  allgemeine  Vorstellung  von  den  geoanostischen 
Verhältnissen,  unter  denen  das  Erzlager  auftritt,  zu  verschaffen. 

Das  herrschende  Gestein  der  ganzen  Gegend,  dem  auch  das 
Erzlager  untergeordnet  ist,  ist  Thonschiefer,  der  hier  zwar  keine 
Versteinerungen  enthält,  nach  seinem  ganzen  Verhalten  aber  dem- 
jenigen gleicht,  welches  bei  Alosno  und  an  anderen  Punkten 
Posidonomya  Becheri  enthält  und  also  der  Culm-Bildung  zugehört. 
Mehr  oder  minder  mächtige  Lager  von  Grünstein  und  Quarzpor- 
phyr,  im  Streichen  von  Ost  nach  West  und  in  dem  Fallen  mit 
dem  Thonschiefer  übereinstimmend,  sind  dem  letzteren  einge- 
lagert. Der  Quarzporphyr  ist  meistens  schieferig,  gelblichgrau 
und  von  wenig  ausgezeichneter  porphyrischer  Structur.  Die  in 
der  dichten  Grundmasse  ausgesonderten  Orthoklaskrystalle  sind 
klein  und  in  der  Farbe  wenig  von  derjenigen  der  Grundmasse 
unterschieden.  Zuweilen  gleichen  diese  Porphyre  auffallend  den 
durch  H.  v.  Dechen  beschriebenen  schieferigen  Quarzporphyren 
an  der  Lenne  in  Westphalen.  Die  spanischen  Geologen  haben 
zwischen  diesen  Porphyren  und  den  Erzlagern  von  kupferhalti- 
gem  Schwefelkies  einen  wesentlichen  Zusammenhang,  in  der  Art, 
dass  das  Vorkommen  der  Erzlager  an  das  Auftreten  der  Por- 
phyre gebunden  sei,  zu  erkennen  geglaubt.  Allein  diese  Annahme 
ist  nicht  haltbar.  Bei  einigen  der  Erzlager,  wie  namentlich  bei 
demjenigen  von  Tharsis  *,  fehlen  die  Quarzporphyre  durchaus. 
Bei  anderen  ist  ihr  Vorkommen  in  der  Nähe  der  Erzlager  offen- 
bar zufällig.  Dies  scheint  mir  auch  von  einem  nicht  sehr  mäch- 
tigen Lager  des  Porphyrs  bei  Rio  Tinto  zu  gelten. 

Die  ganze  Gegend  von  Rio  Tinto  überragt  der  542  Meter 
hohe  **  Cerro  Colorado  (Rother  Berg).    Es  ist  ein  rauher,  fel- 

*  Zwischen  Tharsis  und  Alosno  ist  ein  durch  einen  alten  Steinbruch 
aufgeschlossenes  Lager  von  schieferigem  Quarz-Porphyr  vorhanden,  aber 
das  Erzlager  selbst  ist  im  Hangenden  wie  im  Liegenden  lediglich  durch 
Thonschiefer  begrenzt. 

**  Nach  Angabe  der  Karte :  Carla  geografico-minera  de  la  provincia 
de  Huelva  por  el  Iugeniero  1°  del  Cuemo  national  de  minas  D.  JoAourx 


269 


siger  Rücken,  der  aus  durch  Brauneisenstein  verkitteten  Bruch- 
stücken von  Thonschiefer  und  Quarz  besteht.  Ungeheure  Massen 
von  losen  Blöcken  von  Brauneisenstein  bedecken  namentlich  den 
nördlichen  Abhang  des  Rückens.  Es  ist  ein  dichter,  mit  vielen 
Höhlungen  erfüllter  Brauneisenstein.  In  den  Höhlungen  ist  der 
Brauneisenstein  kleintraubig  und  zum  Theil  mit  lebhaften  Farben 
bunt  angelaufen.  Ziegelrother,  durch  Eisenoxyd  gefärbter  Thon, 
erfüllt  zum  Theil  die  Höhlung.  Dadurch  erscheint  der  Eisenstein 
überhaupt,  namentlich  von  Weitem  gesehen,  ziegelroth,  und  die 
Täuschung  liep;t  nahe,  ihn  für  Rotheisenstein  statt  für  Brauneisen- 
stein  zu  halten.  Hunderttausende  von  Tonnen  des  vortrefflich- 
sten Eisensteins  liegen  hier  lose  auf  der  Oberfläche  umher.  Au- 
genscheinlich ist  der  Eisenstein  auch  hier  wie  bei  Tharsis  der 
Eiserne  Hut  des  Erzlagers. 

Längs  des  Nordabhangs  des  Bergrückens  finden  sich  unzählige  Pin- 
gen von  alten  Schächten  der  Kömer  und  noch  weiterhin  unabsehbare* 
Hunderte  von  Morgen  bedeckende  mächtige  Schlackenhaufen,  auf  einen 
durch  lange  Zeiträume  in  grossem  Umfange  betriebenen  Bergbau  hinwei- 
send. Dass  dieselben  wirklich  von  Arbeitern  der  Römer  herrühren,  wird 
durch  römische  Münzen  und  steinerne  Grabdenkmäler  mit  römischen  In- 
schriften, welche  in  den  Schlackenhaufen  selbst  gefunden  wurden,  bewiesen. 

Der  folgende  Tag  wurde  der  Untersuchung  des  Erzlagers  selbst  ge- 
widmet. Dasselbe  ist  in  allen  Beziehungen  demjenigen  von  Tharsis  ähn- 
lich, nur  noch  viel  grossartiger.  Es  ist  wahrscheinlich  das  grösste  über- 
haupt auf  der  Erde  vorhandene  Schwefelkies-Lager.  Der  Kupfergehalt  ist 
wie  bei  Tharsis  schwankend  und  variirt  zwischen  V2  bis  25  Proc.  und 
kann  im  Mittel  zu  5  bis  8  Proc.  angenommen  werden.  Erst  seit  etwa  40 
Jahren  findet  ein  regelmässiger  Abbau  des  Erzlagers  statt.  Derselbe  er- 
streckt sich  aber  keineswegs  über  die  ganze  Ausdehnung  des  Erzlagers, 
sondern  während  das  ganze  Erzlager  eine  Länge  von  2'/2  bis  3  Kilom. 
hat,  so  ist  bis  jetzt  nur  ein  800  Meter  langer  Abschnitt  desselben  durch 
den  Bergbau  in  Angriff  genommen.  In  8  über  einander  liegenden  Stock- 
werken findet  der  Abbau  statt.  Unter  Führung  eines  intelligenten  Berg- 
beamten besuchten  wir  sämmtliche  Stockwerke.  Überall  fanden  wir  die 
Erzmassen  wesentlich  übereinstimmend.  Die  südliche  Begrenzung  des 
Lagers  wird  überall  in  scharfer  Begrenzung  durch  Thonschiefer,  der  hier 
gebleicht  und  zersetzt  ist,  gebildet.    Die  nördliche  Grenze  des  Lagers  ist 

Gonzalo  Tarin  publicada  bajo  los  auspicios  de  la  diputacion  provincial. 
1870.  Escala  de  9qq  qöq-  Diese  in  Deutschland  wohl  nur  wenig  bekannt 
gewordene,  in  Huelva  käufliche  Karte,  ist  namentlich  durch  die  genaue 
Angabe  der  verschiedenen  Erzlager  und  Gruben  wichtig. 


270 


in  der  Grube  nicht  erkennbar.  Die  Strecken  endigen  hier  überall,  wo  die 
alten  Baue  der  Römer  anfangen.  Dieselben  bestehen  zum  Theil  in  mäch- 
tigen Festungen  mit  domartigen  Gewölben,  von  deren  Decke  ellenlange 
und  centnerschwere  blaugrüne  Stalaktiten  von  Kupfer-  und  Eisenvitriol 
herabhängen. 

In  der  tiefsten,  der  achten  Sohle  (piso),  sind  die  Bauten  am  ausge- 
dehntesten. Hier  ist  auch  die  Mächtigkeit  des  Lagers  am  grössten.  Sie 
beträgt  140  Meter.  In  dieser  Länge  ist  eine  horizontale  Strecke  quer 
gegen  das  Streichen  in  der  reinen  Erzmasse  aufzuführen. 

Die  angegebenen  Daten  genügen,  um  eine  Vorstellung  von 
der  ungeheuren  Masse  des  Erzes,  welche  die  Natur  hier  ange- 
häuft hat,  zu  geben.  Auch  für  den  grossartigsten  Betrieb  ist  hier 
für  eine  unbestimmte  Zeitdauer  ein  unerschöpflicher  Erzvorrath 
vorhanden. 

Bis  jetzt  ist  die  Gewinnung  des  Erzes  eine  verhältnissmäs- 
sig  geringe  gewesen,  und  das  Erz  nur  für  die  Gewinnung  des 
Kupfers  durch  den  Cämentirungs-Process  benutzt.  Am  4.  Febr. 
dieses  Jahres  ist  aber  das  ganze  Erzlager  durch  die  spanische 
Regierung  an  ein  Consortium  von  deutschen  und  englischen  Kauf- 
leuten verkauft  worden,  und  nun  wird  ein  viel  grossartigerer 
Abbau  des  Erzlagers  stattfinden.  Man  wird  einen  grossartigen 
Tagebau  wie  bei  Tharsis  einrichten  und  wie  von  dort  das  Erz 
nach  England  und  Deutschland  verschiffen  und  es  zunächst  für 
die  Bereitung  von  Schwefelsäure  benutzen,  und  demnächst  aus 
den  Rückständen  das  Kupfer  gewinnen.  Es  ist  kaum  daran  zu 
zweifeln,  dass  dieses  Unternehmen  in  gleicher  Weise  erfolgreich 
wie  bei  Tharsis  sein  wird.  Die  Masse  des  Erzes  ist  jedenfalls 
ungleich  grösser  als  dort. 

Von  Rio  Tinto  kehrten  wir  auf  demselben  Wege  über  Val- 
verde nach  Huelva  zurück,  in  hohem  Grade  durch  das  Gesehene 
befriedigt.  Dass  die  Römer  Spanien  nicht  mit  Unrecht  das  me- 
tallreichste  Land  am  Mittelmeer  nannten,  dafür  ist  auch  der  Erz- 
reichthum der  Provinz  Huelva  besonders  beweisend. 


Geognostische  Beobachtungen  iu  der  alpinen  Trias  der 
Gegend  von  Niederdorf,  Sexten  und  Cortiua  in  Süd-TiroL 


Von 

Herrn  Dr.  H.  Loretz 

in  München. 


Der  Inhalt  der  folgenden  Blätter  bezieht  sich  auf  ein  Gebiet, 
dessen  Umgrenzung  ungefähr  durch  die  Orte:  Welsberg  und  In- 
nichen  im  Pusterthal,  Auronzo  im  Venetianischen,  und  Cortina  im 
Ampezzothal  bezeichnet  ist,  welches  somit  nördlich  an  das  Pu- 
sterthal, nordöstlich  an  das  Sextenthal  stösst.  Eine  erschö- 
pfende und  gleichmässige  Behandlung  der  geognostischen  Ver- 
hältnisse dieser  Gegend  ist  hier  nicht  beabsichtigt;  einzelne  Theile 
des  Gebietes  und  gewisse  geognostische  Formationsabtheilungen 
werden  eingehender  betrachtet  als  die  übrigen.  In  einer  aus- 
führlicheren Arbeit  gedenke  ich  die  hier  gegebenen  vorläufigen 
Resultate  wieder  aufzunehmen  und  dieses  Gebirge  als  geogno- 
stisches  Ganze  im  Zusammenhang  zu  behandeln. 

Es  sind  vorwiegend  die  Schichten  der  alpinen  Trias, 
welche  diese  Gebirgslandschaft  bilden.  Jüngere  Schichten  be- 
decken nur  einen  an  Ausdehnung  nicht  bedeutenden  Theil. 

Zur  Unterlage  haben  die  Triasgebilde  das  ältere  Phyllit- 
oder  Thonglimmerschiefergebirge,  welches  nördlich  vom 
Pusterthal  der  grossen  alpinen  Mittelzone  angehört;  und  nord- 
östlich vom  Sextenthal  dem  Schiefergebirgzug,  der  sich  bei  In- 
nichen  und  weiterhin  östlich,  nur  durch  das  Pusterthal  getrennt, 
an  die  Mittelzone  anschliesst  und  eine  südöstliche  Richtung  ein- 


272 


schlägt.  Die  Grenze  zwischen  Schiefergebirge  und  Trias  verläuft 
einerseits  von  Innichen  aus  westlich,  und  zwar  bis  Toblach  im 
Pusterthal,  und  weiterhin  allmählich  mehr  und  mehr  auf  dessen 
Südseite;  andererseits  von  Innichen  aus  südöstlich  längs  dein 
Sextenthal  und  seiner  jenseitigen  Verlängerung  in's  Venetianische, 
stets  auf  der  nordöstlichen  Seite  des  Thals  sich  haltend.  Die 
Schichten  des  Schiefergebirges  fallen  an  der  Grenze  südwestlich 
ein,  und  die  Triasschichten  legen  sich  ebenso  fallend  auf. 

Längs  der  Grenzlinie  sieht  man  allenthalben  das  Triasgebirge 
mit  steilen,  unten  bewaldeten,  oben  in  Wiese  und  Weide  gele- 
genen, ansehnlichen  Gehängen  beginnen;  diese  sind  aber  nur  die 
Vorstufe  zu  weit  höheren,  felsigen  Dolomitwänden,  deren  vorderste 
schon  den  Hintergrund  des  Pusterthals  und  Sextenthals  bilden. 
Folgt  man  den  Querthälern  in's  Innere  des  Triasgebirges,  so  sieht 
man,  dass  Dolomit,  und  zwar  geschichteter,  heller,  krystal- 
li nischer  Dolomit,  das  weitaus  vorherrschende,  petrographi- 
sche  Element  im  Aufbau  der  hangenden  Partien  ist,  man  kommt 
aus  einer  Dolomitlandschaft  in  die  andere. 

Eine  genauere  Beobachtung  ergibt  zunächst  die  ziemlich  con- 
stant  bleibende  Gliederung  der  untersten  Triasschichten,  welche 
jene  Vorstufe  bilden:  sie  ergibt  ferner,  dass  sich  in  dem  Dolo- 
mitgebirge selbst,  wenigstens  stellenweise,  verschiedene  Stufen 
oder  Etagen  über  einander  unterscheiden  lassen,  welche  nicht 
nur  in  der  Configuration  des  Gebirgs  hervortreten,  sondern  auch 
durch  gewisse  zwischengelagerte  Schichtenzüge  von  nicht  dolo- 
mitischer Natur  getrennt  werden.  Wären  diese  trennenden  La- 
gen in  ihrem  petrographischen  und  paläontologischen  Charakter 
im  Fortstreichen  constant,  so  wurde  sich  die  Gruppirung  der 
Dolomite,  welche  wie  gesagt  die  Hauptmasse  der  Trias  ausmachen, 
unschwer  bewerkstelligen  lassen.  Das  ist  aber  nicht  der  Fall, 
und  daraus  erwächst  für  einen  ansehnlichen  Theil  des  Gebietes, 
bei  der  petrographischen  Ähnlichkeit  der  Dolomite  und  dem  Man- 
gel an  bezeichnenden  und  wohlerhaltenen  Petrefakten  in  ihnen, 
eine  grosse  Schwierigkeit  sicherer  Trennung. 

Die  Stufen  der  alpinen  Trias,  welche  sich  in  diesem  Gebirge 
unterscheiden  lassen,  sind  im  Allgemeinen  folgende: 

a)  Conglomerat,  Sandstein  und  thonig-schiefrige  Lagen,  entsprechend 
der  Buntsandsteingruppe. 


273 


b)  Dolomitische,  mergelige  Schichten,  Rauchwacken  und  Gyps. 

c)  Kalkbänke,  untermischt  mit  grauen  und  rothen  Schiefern,  zusammen 
einen  ziemlich  mächtigen  Complex  bildend,  der  nur  undeutliche  Petrefak- 
ten  führt,  und  noch  unter  dem  eigentlichen  Muschelkalk  liegt;  er  ent- 
spricht, da  der  alpine  Muschelkalk  dem  ausseralpinen  obern  Wellenkalke 
gleichsteht,  zusammen  mit  b)  etwa  den  dolomitischen  Lagen  des  Roth  und 
der  untersten  Abtheilung  des  ausseralpinen  Wellenkalkes.  (Es  sind  dies 
v.  Richthofen's  „Seisser"  und  „Campiler"  Schichten.) 

d)  Alpiner  Muschelkalk,  der  indess  nur  stellenweise  als  Petrefakten- 
kalk  mit  charakteristischen  Muschelkalkformen  entwickelt  ist,  dagegen 
grossentheils  eine  dolomitische  Facies  zeigt. 

e)  Dunkle  Tuffmergel  mit  Tuffsandsteinen  und  Kalken,  aphanitischen 
Lagen,  Pietra  verde  etc.  (Hälöbia  Lommeli  und  Posidonomya  Wengensis). 

f;  Mergelige,  oolithische,  breceienartige,  mit  kleinen  Organismenresten, 
Korallen  etc.  erfüllte  Lagen.    (St.  Cassianartige  Gebilde.) 

Zu  e)  und  f)  ist  aber  zu  bemerken,  dass  beide  Stufen  stellenweise 
durch  eine  Dolomitpartie  getrennt  auftreten;  ferner,  dass  sich  die  Tuff- 
schichten selbst  schon  seitlich  in  Dolomitpartien  verlieren  können,  wie  dies 
näher  ausgeführt  werden  wird. 

g)  Eine  mächtige  Dolomitentwicklung,  lokal  durch  grossoolithisches 
Gefüge  des  Dolomits  ausgezeichnet. 

h)  Eine  Wiederholung  der  St.  Cassianartigen  Gebilde,  zugleich  mit 
rauchwackigen  Lagen,  bunten  Mergeln,  Steinmergeln  und  Gyps,  über  dem 
Dolomit  g). 

Es  ist  möglich,  dass  h)  den  sog.  „rothen  Raibier  Schichten"  entspricht, 
und  dass  e)  bis  h)  die  Schichtenreihe  von  den  untersten  Halobiaschichten 
bis  zu  den  rothen  Raibier  Schichten,  bei  St.  Cassian,  im  Ganzen  genommen 
und  mit  Abweichungen  im  Einzelnen,  repräsentirt. 

i)  Mächtige  Dolomitstufe,  welche  wahrscheinlich  dem  „Hauptdolomit" 
entspricht. 

k)  Dichte,  hellfarbige,  wohlgeschichtete,  dickbankige,  mächtig  ent- 
wickelte Kalke,  ohne  Petrefakten,  welche  auf  der  Geol.  Übers.-Karte  der 
Österreich.  Monarchie,  Bl.  5,  als  unterer  Jura  bezeichnet  sind.  In  den 
hängendsten  Partien  schliessen  sie  mit  Diphyakalken  ab,  auf  welchen  noch 
ein  kleiner  Fleck  noch  jüngerer  Gebilde  ruht,  Das  System  k)  bedeckt  nur 
den  kleinern  Theil  des  Gebietes. 

Wie  schon  angedeutet,  fehlen  übrigens  die  Zwischenschich- 
ten der  Tuff-  und  St.  Cassianartigen  Gebilde  in  einem  Theile  des 
Gebiets,  wodurch  sich  eine,  bis  in  den  Muschelkalk  hinabgrei- 
fende, höchstens  durch  steinmergelige  Lagen  unterbrochene,  Do- 
lomitfolge ergibt:  und  zwar  scheinen  mir  Anzeichen  vorzuliegen, 
dass  die  einzelnen  Theile  dieser  Dolomitfolge  als  die  entspre- 

Jahrtucb  1873.  18 


274 


chenden  Zeitäquivalente  der  an  andern  Stellen  abwechselnd  do- 
loinitischen  und  nicht  dolomitischen  Gebirgsstufen  aufzufassen  sind. 

Es  lassen  sich  in  dieser  Beziehung  zwei  Gebietsteile  unter- 
scheiden, deren  Grenze  ungefähr  durch  den  Verlauf  der  Thal- 
spalte der  Ampezzanerstrasse  bezeichnet  ist.  Westlich  davon 
können  Abtheilungen  in  dem  dolomitischen  Gebirge  recht  gut 
unterschieden  werden:  weit  weniger  östlich. 

Wir  betrachten  zunächst  etwas  eingehender  den  erstem  Ge- 
bietsteil :  derselbe  ist  nördlich  begrenzt  durch  das  Pusterthal 
Yon  Toblach  bis  Niederdorf  und  den  sich  westlich  anschliessen- 
den Welsberger  Berg,  und  erstreckt  sich  von  da  aus  nach  Süden. 
Er  schliesst  sich  im  Westen  unmittelbar  an  ein  Gebiet  an.  wel- 
ches in  dem  Werk:  Geognostische  Beschreibung  der  Umgegend 
von  Predazzo.  St.  Cassian  und  der  Seisser  Alpe  in  Südtirol,  von 
F.  Freiherrn  v.  Richthofen,  Gotha  1860"  seine  ausführliche  geo- 
gnostische Darstellung  gefunden  hat. 

Von  dem  weiter  östlich  liegenden  Gebietsteil  sollen  vor- 
zugsweise die  unteren  triasischen  Gruppen,  welche  sich  längs 
des  Sextenthals  und  weiter  ins  Venetianische  hinziehen,  einer 
näheren  Betrachtung  unterzogen  werden;  um  zum  Schluss  noch 
einige  Bemerkungen  über  die  nähere  Umgebung  von  Cortina  hin- 
zuzufügen, welches  etwas  weiter  südlich,  ganz  in  höhern  triasi- 
schen Stufen  gelegen  ist. 

Gegend  von  Niederdorf. 

Reihenfolge  der  alpinen  Triasschichten  vom  Pusterthal  über  den 
Saren-  uud  Badkofel,  und  den  Dürrenstein  zum  Hochgaisl. 

Die  östliche  Grenze  bildet  die  Ampezzanerstrasse,  die  west- 
liche das  Pragser  Thal.  Der  zusammenhängende  Dolomitzug  des 
Sarenkofels  bei  Toblach  und  des  Badkofels  bei  Niederdorf 
einerseits,  und  1  ,  Stunde  weiter  südlich  der  Dolomit  des  Dür- 
renstein, theilen  diese  Strecke  orographisch  wie  geognostisch 
in  übereinander  liegende  Stufen.  Das  Einfallen  der  Schichten  ist 
allgemein  südsüdwestlich. 

Das  Phyllitgebirge,  welches  sich  östlich  von  Toblach  auf  die 
Nordseite  des  Pusterthals  beschränkt,  tritt  hier  auch  auf  die 
andere  Thalseite  über;  der  Phyllitstreifen  der  Südseite  ist  bei 
Toblach  soeben  in  der  Thalsohle  bemerkbar  und  hebt  sich  dann 


275 


westwärts,  an  Breite  und  Höhe  gewinnend,  stets  mehr  heraus, 
so  dass  er  im  Süden  von  Niederdorf  die  vorderste  Terrasse  des 
Golserbergs,  d.i.  der  Vorhöhen  vor  dem  Badkofel  bildet.  Auf 
den  Phyllit  folgen  die  untersten  Glieder  der  Trias  5  bei  Toblach 
fast  in  der  Thalsohle  anhebend;  bei  Niederdorf,  dem  obigen  ent- 
sprechend, auf  der  Höhe  des  Golserbergs. 

Man  findet  hier  zunächst  das  Conglomerat  des  Buntsand- 
steins, den  aus  Thonglimmerschiefer-  und  Ouai'zfragmenten  zu- 
sammengekitteten sog.  Verrucano,  bald  gröber,  bald  feiner;  dann 
Bänke  des  eigentlichen  rothen  und  bunten  Sandsteins,  und 
mehr  dünnschiefrige  und  mergelige,  bunte  Lagen,  zum  Roth  ge- 
hörig. In  Wasserrissen,  westlich  und  östlich  vom  Bad  Maistadt, 
ist  dieser  Complex  mehrfach  aufgeschlossen.  Bemerkenswerth 
sind  rothe,  thonige  Bänke,  ganz  erfüllt  mit  dickeren  und  dün- 
neren Wülsten,  deren  Masse  sich  vom  Gestein  nicht  unterscheidet, 
deren  Form  ein  fast  vegetabilisches  Ansehen  hat;  es  treten  diese 
Bänke  ziemlich  im  Liegenden  des  Complexes  auf.  —  Spuren  von 
Kupfererz.  —  Pflanzenreste  mit  verkohlter  organischer  Substanz 
habe  ich  an  dieser  Localität  zwar  nicht,  wohl  aber  an  vielen 
anderen  Orten  in  den  oberen  Lagen  dieser  Gruppe  beobachtet. 
Petrefakten  finden  sich  nicht.  Der  Buntsandstein  bildet  hier  am 
unteren  Rand  der  Triasgebilde  einen  vorspringenden  Rücken,  der 
namentlich  gegen  Toblach  zu  sich  deutlich  von  den  nach  oben 
zu  folgenden  Schichtengruppen  abhebt. 

Es  folgt  nun  ein  Complex,  in  dem  man  folgende  Gesteine 
findet:  dolomitische  Mergel;  dolomitische,  breccienartige  und 
löcherige  Rauchwacken;  schwarze,  bituminöse  Kalke  und  Mergel- 
kalke, die  sehr  oft  mit  Kalkspathadern  durchwachsen  sind,  noch 
mehr  aber  dadurch  sich  auszeichnen,  dass  sie  auf  verwitterten 
Oberflächen  eine  Unzahl  von  Durchschnittsfiguren  kleiner  Orga- 
nismen, besonders  Foraminiferen,  erkennen  lassen.  Ihre  Ver- 
vvitterungsfragmente  sind  so  charakteristisch  und  leicht  wieder- 
zuerkennen, dass  sie  für  diesen  Horizont  leitend  werden.  Son- 
stige Petrefakten  finden  sich  nicht,  oder  nur  in  undeutlichen 
Durchschnitten  und  Abdrücken.  Diese  Gruppe  ist  bei  Toblach 
ziemlich  stark  entwickelt  und  reicht  bis  zu  einer  beträchtlichen 
Höhe  an  dem  Gehäng  hinauf,  welches  sich  hinter  dem  niedrigen 

18  * 


276 


Rücken  des  Bunt-Sandsteins  erhebt.  Weiter  westlich,  in  der  Nähe 
des  Pragser  Thals,  hat  die  Mächtigkeit  etwas  abgenommen. 

Es  folgt  nach  oben  eine  noch  mächtigere  Schichtengruppe, 
welche  mit  der  vorigen,  hier  wie  an  den  meisten  Localitäten,  in 
demselben  Gehänge  liegt,  oder  auch  nur  wenig  gegen  jene  zu- 
rückspringt. Man  findet  in  dieser  Gruppe  folgende  Gesteine: 
graue  Kalkbänke,  plattenförmig  geschichtet,  oder  mit  mehr 
oder  weniger  wulstigen  Schichtflächen;  graue  Schiefer,  bald 
mehr  mergelig,  bald  mehr  schieferthonig  und  thonschiefrig  aus- 
gebildet, mitunter  durch  grösseren  Kieselsäuregehalt  ziemlich  fest 
und  hart:  rot  he  Schiefer,  oft  mit  glimmerreichen  Schichtungs- 
flächen, wie  die  grauen  Schiefer  bald  mehr  mergelig,  bald  härter, 
undeutliche  Myaci ten- Abdrücke  auf  den  Schichtflächen  nicht 
selten.  Die  Reihenfolge  dieser  Gesteine  ist  derart,  dass  sie  bald 
mit  einander  in  unregelmässiger  Weise  alterniren.  und  so  Kalk- 
bänke, rothe  und  graue  Schiefer  dicht  auf  einander  liegen,  bald 
jedoch  auf  grössere  Strecken  die  eine  oder  andere  Art  allein 
herrscht.  Untergeordnet  treten  einzelne,  sehr  charakteristische, 
röthliche  Kalkbänke  von  oolithischem  bis  lumacheliarti£em  Gefügte 
in  diesem  Complex  auf. 

Was  die  geognostische  Stellung  dieser  Gruppe,  ihre  Paralle- 
lisirung  mit  ausseralpinen  Trias-Etagen  betrifft,  so  reicht  ihre 
Petrefaktenführung  an  dieser  Localität,  wie  auch  durchgängig  in 
der  ganzen  Gegend,  kaum  hin.  um  sichere  Bestimmungen  und 
Vergleichungen  vorzunehmen.  Die  organischen  Reste  beschränken 
sich  meist  auf  undeutliche  Myaciten-artige  Abdrücke,  und  kleine 
Gasteropoden,  welche  allerdings  nicht  selten  dicht  gedrängt  auf- 
treten, und  so  eine  für  diese  Gruppe  charakteristische  Erschei- 
nung abgeben:  aber  ausserdem  dass  sie  an  sich  indifferente  For- 
men sind,  auch  durchweg  einen  schlechten,  verwischten  Erhal- 
tungszustand zeigen.  Man  erkennt  indess  in  diesem  Schichten- 
eomplex,  der  sich  mit  grosser  Constanz  und  mit  gleichbleibenden 
Eigenschaften  auf  weite  Erstreckung  verfolgen  lässt.  sofort  die 
Schichten  wieder,  welche  in  der  Bozener  Gegend  in  besseren 
Profilen  und  auch  mit  deutlicherer  Petrefaktenführung  zu  finden 
sind,  und  von  v.  Richthofen  als  »Seisser"  und  „Campiler"  Schich- 
ten bezeichnet  wurden. 

Ihre  Parallelisirung  mit  ausseralpinen  Schichten  ist  im  All- 


277 


gemeinen  dadurch  gegeben,  dass  der  nach  oben  folgende  alpine 
Muschelkalk  dem  obern  ausseralpinen  Wellenkalk  gleichsteht.  Die 
zunächst  unterlagernde,  besonders  hervorgehobene,  dolomitisch- 
mergelige  Gruppe  mit  den  Foraminiferenkalken  etc.,  welche  ihrer- 
seits nach  unten  in  den  thonigen  Röthschiefer  der  Bunt-Sandstein- 
gruppe  übergeht,  erinnert  an  die  ähnlichen  Gesteine,  welche  sich 
im  ausseralpinen  Gebiet  ganz  in  gleicher  Lage  einstellen:  wenn 
sich  auch  nähere  Beziehungen,  aus  Mangel  an  gut  erhaltenen 
Petrefakten.  hier  nicht  herstellen  lassen. 

An  sehr  vielen  Stellen,  und  so  auch  in  der  Richtung  von 
Toblach  nach  dem  Sarenkofel,  wie  von  Niederdorf  auf  den  Gol- 
serberg  und  Badkofel,  befindet  man  sich  nach  Überschreitung  der 
vorigen  Schichtengruppe  auf  einem  Absatz  des  Gehänges,  und 
findet  nun  weiter  aufwärts  wesentlich  andere  Gebilde.  Soviel 
sich  bei  der  verwachsenen  Bodenbeschaffenheit  erkennen  lässt, 
liegen  unmittelbar  auf  den  letzten  rothen,  noch  in  die  vorige 
Gruppe  gehörigen  Schiefern,  dolomitische  und  dolomitisch- 
mergelige  Lagen,  welche  nun  die  ganze  folgende  Stufe  bilden. 
Die  hier  auftretenden  Gesteine  sind:  spröde,  leicht  in  eckige  und 
parallelepipedische  Stücke  brechende  mergelige,  mehr  oder  min- 
der dichte  Dolomite,  sehr  stark  vertreten:  mehr  poröse  und  löche- 
rige Dolomitmergel  und  Rauchwacken :  reinere,  mehr  weiss-kry- 
stallinische   Dolomitbänke.    Sehr  bemerkenswerth  ist  in  diesen 
Lagen  das  Auftreten  der  sog.  Nulliporen  oder  Daktyloporen, 
genauer  Gyr oporellen  *.    Sie  erscheinen  bald  sparsamer,  bald 
in  grossen  Mengen  zusammengedrängt.    Ohne  Zweifel  vertheilen 
sie  sich  ungleich;  einzelne  Bänke  sind  überreich  an  diesen  Or- 
ganismen, ein  wahres  Haufwerk  derselben,  was  besonders  von 
gewissen,  ziemlich  rein  krystallinischen  Dolomitbänken  gilt;  doch 
kommen  die  Foraminiferen  auch  in  den  mehr  mergeligen  Lagen, 
oft  zahlreich,  vor.    Die  Verwitterungsverhältnisse  sind  wohl  von 
Einfluss  auf  das  mehr  oder  minder  deutliche  Hervortreten  der 
Daktyloporen.    Auch  bleibt  ihre  Häufigkeit  im  Fortstreichen  der 
Schichten  durchaus  nicht  gleich.    Die  reichste  Localität,  die  mir 
in  jenen  Gegenden  vorkam,  ist  der  Abhang  vor  dem  Sarenkofel 

*  S.  Gümbel,  die  sog.  Nulliporen,  Lithothamnium  und  Dactylopora, 
und  ihre  Betheiligung  an  der  Zusammensetzung  der  Kalkgesteine,  nebst 
Tafeln.   Abh.  d.  K.  Bayr.  Ak.  d.  W.  II.  Cl.  XI.  Bd. 


278 


In  demselben  Horizont  auf  dein  Golserberg  vor  dem  Badkofel 
z.  B.  ist  ihre  Menge  nicht  so  gross. 

Die  in  Rede  stehenden  dolomitischen  Schichten  folgen  sich 
in  beträchtlicher  Mächtigkeit  continuirlich  bis  zu  einer  Höhe,  wo 
sich  vor  den  eigentlichen,  zusammenhängenden  Steilwänden  des 
Saren-  und  Badkofels  eine  Verflachung  des  Terrains  hinzieht;  vor 
dem  Badkofel  verstärkt  sie  sich  zu  einer  tieferen  Einsenkung 
zwischen  der  Steilwand  und  den  rückwärts  liegenden  Dolomit- 
bänken des  Golserbergs.  Im  Zusammenhang  steht  dieser  Ter- 
rainabschnitt mit  besonders  leicht  zerstörbaren,  dünngeschichte- 
ten, in  kleine  Stückchen  zerfallenden,  dolomitischen  Lagen,  die 
in  dieser  Zone  auftreten.  Ein  etwas  höherer  derartiger  Streifen 
ist  theilweise  noch  im  unteren  Theil  der  Steilwand  bemerkbar. 
Grossentheils  ist  jedoch  durch  die  Verrollung  vor  den  Wänden 
das  Terrain  verdeckt  und  einer  näheren  Untersuchung  schwer 
zugänglich,  ein  Umstand,  der  hier  besonders  unangenehm  wird. 
Es  finden  sich  nämlich  gerade  in  dieser  Höhe,  scheinbar  als  Ein- 
lagerungen in  die  dolomitisch-mergelige  Gyroporellen-reiche  Zone, 
Petrefakten  führende  Kalke  und  Hornsteinkalke,  mit 
grauen,  schiefrigmergeligen  Zwischenlagen,  auch  Hornsteindolo- 
mite. Was  von  diesen  Kalken  etc.  sichtbar  ist,  erscheint  in  Form 
kleiner,  isolirter  Auflagerungen  in  der  Höhe  der  erwähnten  Ter- 
rainverflachung:  der  ursprüngliche  Zusammenhang  und  die  Fort- 
setzung seitwärts,  vor-  und  rückwärts  sind  durch  die  Abschwem- 
mung, sowie  durch  die  vor  den  Steilwänden  hinziehende  Ver- 
rollung verwischt. 

Die  hier  aufgefundenen  Petrefakten  sind  geeignet,  einen 
geognostischen  Horizont  zu  bestimmen.    Es  sind  folgende: 

Ein  in  Mergel  eingebackenes ,  in  Hornstein  verwandeltes  Ammoniten- 
fragraent,  welches  nach  der  Entfernung  des  Mergels  mit  Säure  die  meisten 
Charaktere  des  Ammonites  Studeri  Hau.  zeigte,  und,  wenn  auch  nicht  die- 
sem selbst,  doch  einer  sehr  nah  stehenden  Art  angehört.  (Vor  dem  Sa- 
renkofel.) 

Fragmente  von  Ammoniten  (Ceratiten),  welche  in  Bezug  auf  Rip- 
pen, Knoten  und  Loben  auf  den  Ammonites  Ottonis  *  hinauskommen ,  be- 
züglich der  Involubilität  zum  Theil  mehr  dem  Ammonites  antecedens  ** 

*  Beyrich,  über  einige  Cephalopoden  aus  dem  Muschelkalk  der  Alpen. 
Abh.  d.  phys.  Gl.  d.  W.  d.  K.  Ak.   Berlin  1866.    T.  IV,  f.  1, 
**  Beyrich  1.  c.    T.  IV,  f.  3. 


279 


gleichen;  ebensolche,  welche  Verwandtschaft  mit  den  genannten  und  mit 
Ammonites  binodosus  Hau.,  Thuüleri  Opp.  zeigen,  ohne  gerade  mit  einer 
dieser  Arten  zusammenzufallen.    (Auf  dem  Golserberg.) 

Bhynchonella  (cf.)  semiplecta  Münst.  sp.  (s.  Laube,  Fauna  der  Schich- 
ten von  St.  Cassian.    T.  XIV,  f.  1.).    (Vor  dem  Sarenkofel.) 

Terebratula  angusta  Schloth.  etwa  in  der  Form,  wie  sie  in  Qüenstedt, 
Brachiopoden,  Tab.  47,  f.  84  abgebildet  ist. 

In  den  Petrefaktenkalken  des  Golserbergs  sehr  häufig,  oft  dicht  ge- 
drängt an  einander  sitzend. 

Fragmente,  dem  Anschein  nach  von  Spiriferen  (Golserberg). 

Lima  Uneata  Schloth.  sp.,  scheint  auf  dem  Golserberg  häufig. 

Lima  striata  noch  etwas  an  Uneata  erinnernd. 

Einige  mehr  indifferente  Formen,  Gervülia  sp. ,  Myacites  sp.,  nicht 
gut  erhalten,  und  schlecht  erhaltene  Gasteropodenreste  (Golserberg). 

Die  Ammoniten  kommen  auf  dem  Golserberg  mit  den  übrigen  Petre- 
fakten  zusammen  vor. 

Die  angeführten  ammonitischen  Formen  bezeichnen  mit  Be- 
stimmtheit alpinen  Muschelkalk.  Sie  gehören  einem  oberen 
Cephalopodenhorizont  an,  im  Gegensatz  zu  dem  durch  Ceratites 
Cassianus  u.  a.  bezeichneten  tieferen  des  unteren  Wellenkalks, 
resp.  Roths  *  Terebratula  angusta  ist  bekanntlich  ebenfalls  für 
alpinen  Muschelkalk  bezeichnend;  von  den  ausseralpinen  Muschel- 
kalketagen gehört  sie  jedenfalls  mehr  einem  hohen  Niveau  im 
Wellenkalk,  als  oberem  Muschelkalk  an. 

Ohne  Zweifel  repräsentiren  aber  diese  durch  Cephalopoden- 
und  Brachiopodenführung  ausgezeichneten  Petrefaktenkalkbänke 
für  sich  allein  nicht  den  alpinen  Muschelkalk,  sondern  wir  haben 
eine  vorwiegend  dolomitische  Entwicklung  desselben.  Die 
Petrefakten-  und  Hornsteinkalke  bilden  nur  geringe  Einlagerungen 
in  den  noch  weiter  aufwärts  unverändert  fortsetzenden  dolomi- 
tischen Schichten.  Wie  einerseits  die  an  Masse  ganz  zurück- 
tretenden Kalkbänke  vorzugsweise  durch  Cephalopoden  und 
Brachiopoden  charakterisirt  sind,  so  ist  andererseits  der  an 
Masse  sehr  vorwiegende  Dolomit  in  hohem  Grade  durch  den 
reichlichen  Einschluss  der  Gyroporellen  ausgezeichnet**. 

Beide  kommen  bei  Rüdersdorf  im  untern  Muschelkalk  (Wellenkalk) 
vor.   (Verh.  d.  K.  K.  geol.  Reichsanst.  1873,  Hft.  1.) 

*  v.  Hauer,  die  Cephalopoden  der  unteren  Trias  der  Alpen.  Sitzber. 
der  math.  nat.  Cl.  d.  K.  Ak.  d.  W.    Wien.    Bd.  52.  1865. 

**  Dass  wenigstens  der  unter  den  Bänken  mit  Muschelkalkpetrefak- 


280 

Am  Sarenkofel  lassen  sich  die  Schichten,  welche  über  der 
Petrefaktenkalk-Zone  folgen,  genauer  beobachten.  Wir  sehen  hier 
wieder  ganz  dieselben  Dolomite,  wie  schon  unter  jener  Zone. 
Sowohl  petrographisch  als  auch  in  Bezug  auf  die  Gyroporellen, 
welche  hier  noch  reichlicher  auftreten  und  besser  herauswittern, 
herrscht  Übereinstimmung.  Nur  wenig  im  Hangenden  jener  Pe- 
trefakten- und  Hornsteinkalke  und  -Dolomite  fanden  sich  auch 
im  Dolomit  selbst  Crinoidenstielstücke,  ähnlich  Encrinus 
liliiformis  und  unbestimmbare  kleine  Schnecken.  Die  an  Fora- 
miniferen  reichen  Dolomitbänke  lassen  sich  noch  eine  ansehnliche 
Strecke  aufwärts  verfolgen.  Das  Gestein  wird,  wo  die  eigent- 
liche Steilwand  beginnt,  fester  und  dichter,  die  Gyroporellen  neh- 
men an  Menge  ab,  ohne  indess  ganz  aufzuhören:  wenn  man  dem 
Pfadübergang  zwischen  Sarenkofel  und  Badkofel  folgt,  der  über 
den  Kamm  dieses  Dolomitzugs  führt,  so  sind  bis  oben  hin  noch 
welche  zu  finden.  Der  ganze,  durch  das  Auftreten  der  Gyro- 
porella  charakterisirte  dolomitische  Complex,  welcher  schon  eine 
beträchtliche  Strecke  unter  den  Petrefakten  führenden  Kalken  an- 
fing und  oberhalb  derselben  fortsetzt,  macht,  wenn  zunächst  nur 
diese  Localität  in's  Auge  gefasst  wird,  den  Eindruck  eines  nah 
verbundenen  Ganzen,  welches  sich  als  dolomitisch  entwickelter 
alpiner  Muschelkalk  auffassen  lässt,  insofern  nämlich  die  eigent- 
lichen Kalkbänke  mit  Petrefakten  nur  ganz  untergeordnet  darin 
auftreten. 

Hr.  Oberbergrath  Gümbel  hatte  die  Güte,  aus  dem  von  mir 
gesammelten,  Daktyloporen  enthaltenden  Dolomit  Dünnschliffe  her- 
stellen zu  lassen  und  dieselben  bezüglich  der  Art  dieser  Fora- 
miniferen  näher  zu  untersuchen.  Nach  seiner  Mittheilung  ent- 
halten sämmtliche  Präparate,  welche  vom  Sarenkofel,  und  zwar 
theils  aus  den  Dolomitbänken  unter  den  Petrefaklenkalken,  theils 
aus  den  letztere  wieder  überlagernden  Dolomitbänken  herrühren, 
dieselbe  Form,  nämlich  die  Gyroporella  pauciforata  Gümb.  (s. 
Gümbel,  die  sog.  Nulliporen  etc.    Abh.  d.  bayr.  Ak.  d.  W.  2.  Cl. 

ten  lagernde  Gyroporellen-Dolomit  in  den  alpinen  Muschelkalk  einzureihen 
ist,  geht  auch  daraus  hervor,  dass  er  ohne  Zweifel  dem  entspricht,  was 
v.  Richthofen  für  wenig  weiter  westlich  gelegene  Gegenden  „Mendola- 
dolomit"  nennt,  und  dass  dieser  selbst  schon  stellenweise  von  „Virgloria- 
kalk", d.  i.  ebenfalls  alpinem  Muschelkalk  unterlagert  wird. 


281 


1 1.  Bd.  1.  Abth.  S.  44.).  Dieselbe  Form  ist  auch  in  dem  Dolo- 
mit enthalten,  der  an  benachbarten  Localitäten  in  derselben  Zone 
auftritt. 

Auf  der  Kaminhöhe  zwischen  Sarenkofel  und  Badkofel  an- 
gekommen, hat  man  den  ersten  grössern  Gebirgsabschnitt  hinter 
sich.  Nach  Süd  fällt  der  Blick  sogleich  auf  die  Dolomitwand 
des  Dürrenstein.  Dieselbe  bezeichnet,  wie  früher  schon  bemerkt, 
kaum  l/2  Stunde  weiter  südlich  die  nächste  Hauptstufe  im  Ge- 
birgsbau.  Von  dem  Standpunkt  fällt  das  Terrain,  ganz  im  Ge- 
gensatz zu  dem  schroffen  Absturz  auf  der  Nordseite  nach  Süd 
sanft  ab,  ungefähr  in  dem  Fallwinkel  der  Dolomitbänke ;  und  nach 
einer  kurzen  Strecke  abwärts  gelangt  man  auf  einen  sich  bis  zum 
Dürrenstein  erstreckenden  Rücken,  in  Alpweide  gelegen,  der  sich 
östlich  gegen  die  Ampezzanerstrasse  zu  in  die  Schlucht  des  Sam- 
bachs abwärts  zieht,  westlich  in  das  Pragser  Thal  sich  hinab  er- 
streckt. 

Untersucht  man  die  Schichten,  welche  diesen  Terrainabschnitt 
bilden  näher,  so  zeigt  sich  die  Gesteinsfolge  verschieden,  je  nach- 
dem man  sich  auf  der  Seite  des  Abfalls  in's  Pragser  Thal  hält, 
oder  auf  der  Höhe,  oder  auch  weiter  östlich,  gegen  das  Sartbach- 
thal  zu.  Indern  wir  auf  dieses  eigenthümliche  Verhalten  weiter 
unten  zurückkommen,  sei  zunächst  nur  die  Rede  von  dem  west- 
lichem Theil,  der  sich  in's  Pragser  Thal  hinabzieht.  Man  findet 
hier,  im  Hangenden  des  Dolomitzugs  des  Saren-  und  Badkofels 
Gesteine,  welche  gegen  den  Dolomit  sehr  abstechen:  es  sind 
dunkle,  theils  dichte,  und  dann  oft  an  kryptokrystallinische,  apha- 
nitische  Augitgesteine  erinnernde,  theils  mehr  sandsteinige  oder 
tuffartige  Gesteine,  schwarz,  dunkelgrün,  graugrün  von  Farbe; 
wenn  auch  mitunter  scheinbar  an's  Massige  grenzend,  doch  fast 
immer  deutlich  geschichtet  in  dickeren  und  dünneren  Bänken  und 
schiefrigen  Lagen.  Der  petrographische  Charakter  dieser  Schich- 
tengruppe ist  ein  so  bestimmt  ausgeprägter,  dass  man  die  zu- 
gehörigen Gesteine,  auch  in  kleinen  Fragmenten,  überall  leicht 
wiedererkennt.  Paläontologisch  ist  diese  Gruppe  durch  das  Auf- 
treten der  Halobia  Lommeli  Wissm.  bezeichnet,  nächst  welcher 
auch  die  Posidonomya  Wengensis  Wissm.  als  Leitversteinerung 
hervorzuheben  ist.  Beide  fanden  sich,  wenn  auch  nicht  in  der 
Strecke  zwischen  Sarenkofel  und  Dürrenstein,  doch  in  der  west- 


282 


liehen  Fortsetzung.  Ausserdem  ist  das  sehr  häufige  Vorkommen 
kohl  ig- er  Pflanzenreste  zu  bemerken,  die  sieh  jedoch  hier 
stets  auf  Fragmente  von  Blnttern  und  Stengeln  beschränken,  und 
zu  einer  nähern  Bestimmung  unzureichend  sind.  —  Man  erkennt 
in  diesen  Schichten  sofort  jene  Sedimentärtuffe,  Tuffsand 
steine,  Tuffs  chief er  etc.,  deren  weite  Verbreitung  in  den 
weiter  westlich  liegenden  Gegenden  von  Wengen.  Seisser  Alp  etc. 
aus  dem  Werk  von  v.  Richthofen  und  den  andern  darauf  bezüg- 
lichen Beschreibungen  bekannt  ist. 

So  viel  sich  erkennen  lässt,  füllen  nach  der  Seite  des  Prag- 
ser  Thals  zu  diese  Schichten  den  Raum  zwischen  dem  Dolomit 
des  Badkofels  und  dem  Fuss  des  Dürrenstein,  und  grenzen  vor 
letzterem  an  Dolomit,  resp.  Schutt,  über  welchem,  am  Beginn  der 
eigentlichen  Steilwand,  eine  Kalkmergelzone  folgt. 

Schon  von  weitem  fällt  nämlich  am  untern  Rand  der  Steil- 
wand des  Dürrenstein  ein  mauerartiger  Streifen  auf,  der  sich 
durch  seine  dünnere  Schichtung  und  seine  Verwitternngsfarbe 
deutlich  von  den  aufruhenden  Dolomitmassen  unterscheidet.  Die 
ersten  Fragmente,  die  man  aufliest,  zeigen  ein  neues  Element 
im  Schichtenbau,  von  durchaus  charakteristischen  Eigenschaften. 
Es  sind  vorzugsweise  Mergelkalke  und  Mergel,  theils  oolithisch, 
theils  mehr  breccienartig  aus  kleinen  Gesteinsfragmenten  und 
Trümmern  von  Muschelschalen  verkittet;  darin  zerbrochene  Ci- 
daritenstacheln ,  Crinoidenstielstückchen  u.  dgl.,  das  Ganze  gelb- 
lich verwitternd  und  nur  im  verwitterten  Zustand  die  Structur 
deutlich  offenbarend.  Man  überzeugt  sich  gleich,  dass  man  es 
hier  mit  einer  Schichtenzone  zu  thun  hat,  nach  Art  der  St.  Cas- 
siankalke,  wie  sie  aus  den  Beschreibungen  verschiedener  Au- 
toren bekannt  sind. 

Die  Lagerungsverhältnisse  der  St.  Cassian-artigen  Mergel - 
kalke  am  Dürrenstein  sind  bemerkenswerth.  Hat  man,  vom 
Sarenkofel  herkommend,  den  erwähnten  Terrainrücken  auf  seiner 
Höhenlinie  überschritten,  so  gelangt  man  vor  der  Dürrenstein- 
wand  gerade  in  die  Zone  der  St.  Cassian-artigen  Mergel  hinein, 
nachdem  man  unmittelbar  zuvor  eine  Dolomitpartie  überschritten 
hat.  Nach  Westen  zieht  die  Mergelzone  unter  der  Dürrenstein- 
wand  weiter:  auf  eine  gewisse  Erstreckung  hin  ist  ihre  Unter- 
lage verrollt  und  unsichtbar;  nur  an  dem  westlichen  Bergvor- 


283 


sprung,  der  sich  in's  Pragser  Thal  hineinzieht,  ist  die  Auflage- 
rung der  Mergelschichten  auf  Dolomit  zu  erkennen.  Noch 
deutlicher  sieht  man  diese  Auflagerung  von  unten  aus  dem  Thal. 
Ein  Fortsetzen  der  Mergel  im  östlichen  Theil  der  Dürrenstein- 
wand  ist  nicht  zu  bemerken.  Dagegen  sieht  man  dieselben  Mer- 
gel als  dünne  Decke  auf  dem  Flodinger  Rücken  liegen,  welcher 
sich  vor  dem  östlichen  Theil  der  Dürrensteinwand  hinzieht:  der- 
selbe besteht  unten  ganz  aus  Dolomit,  ragt  bis  zur  Höhe  der 
St.  Cassian-artigen  Mergelzone  des  Dürrenstein  auf,  und  ist  oben 
mit  einer  südlich  geneigten  Abflachung  versehen,  die  jene  Decke 
trägt.  Zwischen  diesem  Rücken  und  der  östlichen  Dürrenstein- 
wand liegt  eine  stark  verrollte  Einsenkung,  welche  sich  nach  der 
Ampezzaner  Strasse  zu  in  die  Schlucht  des  Klausbachs  hinab- 
zieht. Man  könnte  hier  auf  den  Gedanken  kommen,  dass  man 
es  mit  einer  zurückgesunkenen,  ursprünglich  zum  Dürrenstein 
gehörigen  Partie  zu  thun  habe:  in  welchem  Falle  jene  Mergel- 
decke auf  dem  Flodinger  jedoch  ein  Theil  solcher  St.  Cassian- 
artigen  Bildungen  wäre,  welche  erst  über  der  Wand  des  Dürren- 
stein,  also  weit  höher,  folgen:  ich  bin  indess  nicht  dieser  An- 
sicht, sondern  halte  diese  Mergelschicht  für  die  Fortsetzung  der 
liegendsten  Partie  jener  Mergelzone,  welche  am  Fuss  der  west- 
lichen Dürrensteinwand  hinzieht.  Das  immerhin  aulfallende  Feh- 
len der  Mergelzone  in  der  östlichen  Dürrensteinwand  lässt  sich, 
da  auch  keine  Senkung  der  letztern  vorzuliegen  scheint,  durch 
die  Annahme  erklären,  dass  an  dieser  Stelle  wirklich  ein  Aus- 
keilen der  Mergelschichten  in  südlicher  Richtung  stattfand ,  wie 
denn  auch  nach  Osten,  jenseits  der  Ampezzanerstrasse,  eine  Fort- 
setzung fehlt.  —  Die  St.  Cassian-artige  Mergelzone  des  Dürren- 
stein ist,  wie  aus  dem  Obigen  hervorgeht,  von  den  Tuffschichten 
des  Pragser  Thals  durch  eine  Dolomitpartie  getrennt. 

Was  die  organischen  Einschlüsse  der  St.  Cassian-artigen 
Zone  am  Dürrenstein  betrifft,  so  finden  sich  solche  besonders  auf 
der  westlichen  Seite,  im  hintern  Pragser  Thal.  Jene  Zone  ist 
nämlich  im  westlichen  Theil  des  Berges,  durch  Abschwemmung 
der  auflagernden  Dolomitmassen,  auf  eine  grössere  Erstreckung 
freigelegt,  und  dabei  durch  einige  Sprünge  oder  Senkungen,  so 
wie  durch  Abrutschungen  mehrfach  aus  ihrer  ursprünglichen 
Lage  gekommen.  Es  haben  sich  beträchtliche  Geröllanhäufungen 


284 


dieser  Gesteine  gebildet,  welche  in  Folge  langdauernder  Verwit- 
terung ihre  petrographisehe  Structur  und  die  organischen  Ein- 
schlüsse erkennen  lassen.  Man  findet  eine  ganze  Reihe  petro- 
graphisch  verschiedener  Varietäten  dieser  Mergel  und  Kalke, 
welche  alle  aus  dieser  Zone  stammen,  besonders  charakteristisch 
und  stark  vertreten  sind  die  mit  oolithischem  Gefüge.  Auch 
Korallenkalkbänke  sind  dabei.  Von  den  hier  gesammelten  Petre- 
fakten  stimmt  ein  Theil  mit  St.  Cassianpetrefakten,  welche  in  Dr. 
G.  Laube's  Werk:  »Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian" 
abgebildet  sind,  ungefähr  überein.  Manches  Hess  sich  indess  nicht 
ganz  identifiziren,  oder  wich  wenigstens  durch  grössere  Dimen- 
sionen ab.    Folgendes  wurde  hier  gesammelt: 

Ammonites  sp.  Kleine,  flache,  ziemlich  evolute  Form,  mit  schwachen, 
aber  deutlichen  Rippen.    Nicht  zu  identifiziren. 

Terebratula  sp.  Ziemlich  grosse,  flache  Form,  an  T.  vulgaris  erin- 
nernd *.    Nicht  zu  identifiziren. 

Turbo  cf.  Epaphus,  Laube.  —  ?  Macroclülus  Sandbergeri ,  Laube.  — 
Trochus  sp.  —  Cerithium  sp.  —  Chemnitzia  sp.  —  Dentalium  cf.  arctum 
Pichl. 

Macrodon  cf.  strigilatum  Münst. 

Crinoidenstielglieder  von:  JEncrinus  granulosus  Mü.  —  Pentacrinus 
tyrolensis  Laube.  —  Pentacrinus  cf.  Fuchsii  Laube. 

Cidaritenstacheln :  Cidaris  Braunii  Desor.  —  Cidaris  dorsata  Braun. 
—  Cidaris  Hausmanni  Wissm. 

Fragmente  kleiner  Cidaritenscha len. 

Korallen  und  Spongitarien. 

Es  ist  wohl  möglich,  dass  in  dieser  Zone  St.  Cassian-artiger  Mergel 
mehr  als  ein  paläontologischer  Horizont  enthalten  ist.  Dies  zu  erkennen 
ist  jedoch  dadurch  erschwert,  dass  die  organischen  Einschlüsse  an  den 
Stellen,  wo  das  Gestein  frisch  ansteht,  noch  nicht  deutlich  hervortreten, 
sondern  erst  nach  längerem  Verweilen  in  den  Geröllanhäufungen,  wo  sich 
in  Folge  der  Steilheit  der  Gehänge  die  meisten  Gerolle  sammeln. 

So  wahrscheinlich  es  ist,  dass  in  der  Reihenfolge  der  Ge- 
steine von  dem  Dolomitzug  des  Saren-  und  Badkofels  bis  zu  dem 
Dolomit  der  Steilwand  des  Dürrenstein,  über  jenen  oolithischen 
Mergeln  und  Korallen-führenden  Kalken,  verschiedene  Horizonte 
liegen,  welche  mit  andern  alpinen  Localitäten  zu  vergleichen 
wären,  so  wenig  sind  die  Terrainverhältnisse  der  Feststellung 


*  Zeigt  auch  eine  gewisse  Ähnlichkeit  mit  Waldheimia  Münsteri 
d'ORB.  sp.,  Laube  1.  c.    T.  XI,  f.  12. 


285 

i 

solcher  Anhaltspunkte  günstig.  Namentlich  läge  eine  Vergleichung 
mit  den  analogen  Gebilden  der  Gegend  von  Wengen  und  St.  Cas- 
sian  nahe.  Die  Gesammtmächtigkeit  des  Complexes  scheint  dort, 
nach  den  geognostischen  Beschreibungen  jener  Gegend,  eine  noch 
weit  beträchtlichere  zu  sein,  als  hier.  Wie  dort,  liegt  aber  auch 
hier  die  Hauptmasse  der  St.  Cassiangebilde  an  der  oberen  Grenze. 

Es  ist  nun  sehr  bemerkenswert!],  dass  jener  Terrainrücken, 
welcher  sich  von  der  Südseite  des  Saren-  und  Badkofels  in  süd- 
licher Richtung  bis  zum  Dürrenstein  erstreckt,  wie  schon  ange- 
deutet, auf  seiner  Kammlinie  und  weiter  östlich,  eine  andere  und 
zwar  mannigfaltigere  Gesteinsfolge  zeigt,  als  auf  dem  westlichen 
Abfall  ins  Pragser  Thal. 

Hält  man  sich  auf  der  Höhe  und  geht  gegen  den  Dürren- 
stein zu,  so  überschreitet  man  folgende  Reihe:  zunächst  die 
schwarzen,  tuffartigen  Schichten:  bald  aber  hebt  sich  eine  Dolo- 
mitkuppe heraus,  und  dicht  vor  derselben  trifft  man  gelb  verwit- 
ternde Kalkmergel,  ganz  ähnlich  wie  jene  St.  Cassian-artigen  am 
Dürrenstein.  Die  Dolomitkuppe  fällt  gegen  das  Pragser  Thal  zu 
schroff  ab,  indem  die  westliche  Fortsetzung  abgekürzt  ist  und 
nun  ein  Haufwerk  von  Blöcken  und  Geröll  bildet.  Südlich  von 
der  Dolomitkuppe  streichen  wieder  dunkle  TufFschichten  durch, 
und  hat  man  diese  überschritten,  so  folgen  wieder  gelbliche  Kalk- 
mergel und  abermals  eine  aus  Dolomitbäuken  bestehende  Kuppe. 
Diese  letztere  liegt  nun  schon  ganz  nah  vor  der  Dürienstein- 
wand,  und  gehört  der  oben  schon  besprochenen  grösseren  Dolo- 
mitpartie an,  weiche  das  unmittelbare  Liegende  der  grossen  St. 
Cassian-artigen  Zone  des  Dürrenstein  bildet.  Die  zuletzt  über- 
schrittene Tuffpartie  scheint  sich  östlich  sehr  bald  ganz  auszu- 
keilen:  die  andere  jedoch,  welche  auf  den  Dolomit  des  Badkofels 
folgt,  lässt  sich  noch  eine  grössere  Strecke  östlich  abwärts  in 
die  Schlucht  des  Sartbaches  verfolgen;  hört  dann  aber  auch  auf, 
indem  die  Dolomitbänke,  nördlich  vom  Sarenkofel,  südlich  vom 
Flodinger  her,  nahe  zusammentreten;  so  dass  schon  an  der  Am- 
pezzaner  Strasse  keine  Tuffschichten  mehr  bemerkbar  sind. 
Ebensowenig  scheinen  jene  isolirt  auftretenden  Partien  von  gelb- 
lich-oolithischen  Kalkmergeln  im  Streichen  auszuhalten.  Das  Ter- 
rain ist  auch  hier  der  genauen  Verfolgung  dieser  Verhältnisse 
nicht  besonders  günstig. 


286 


Soviel  ist  indess  ersichtlich,  dass  hier  ein  mehrfaches  Ein- 
greifen von  Tuff-  und  Kalkmergelschichten  in  Dolomit  und  um- 
gekehrt stattfindet.  Man  befindet  sich  allem  Anschein  nach  auf 
einer,  rechtwinklig  gegen  die  Streichrichtung  verlaufenden  Grenz- 
linie, auf  deren  östlicher  Seite  die  erstgenannten  Schichten  sich 
bald  zwischen  den  dolomitischen  Partien  verlieren,  so  dass  diese 
schon  im  Thal  der  Ampezzaner  Strasse  und  darüber  hinaus,  allein 
herrschen ;  während  umgekehrt  auf  der  westlichen  Seite  die  Tuff- 
schichten  prävaliren. 

Wie  erwähnt  bricht  die  erste  Dolomitpartie,  welche  auf  den 
Dolomit  des  Badkofels  im  Hangenden  folgt,  nach  West  plötzlich 
ab,  und  dies  ist  wohl  so  zu  erklären,  dass  durch  die  raschere 
Zerstörung  der  umgebenden  TufTsehichten  das  westlichste  Ende 
jener  Dolomitpartie  seinen  Halt  verlor  und  zusammenstürzte.  Ganz 
dasselbe  wiederholt  sich  aber  bei  dem  weit  mächtigeren  Dolo- 
miUug  des  Saren-  und  Badkofels  selbst.  Es  ist  in  der  That 
sehr  auffallend,  wie  der  letztere  Berg,  von  Westen  betrachtet, 
ganz  dasselbe  Bild  in  grösserem  Maassstab  darstellt,  wie  jene 
zunächst  im  Hangenden  folgende  viel  geringere  Dolomitpartie. 
Der  Badkofel  endigt  nach  West  im  Pragser  Thal  wie  abgeschnit- 
ten, und  den  Fuss  des  Absturzes  umgibt  ein  grosser  verwachse- 
ner Schuttkegel.  Was  man  nun  westlich,  also  in  der  Fortsetzung 
des  Streichens  des  Dolomits  vom  Saren-  und  Badkofel  findet,  ist 
kein  Dolomit  mehr,  sondern  eben  jene  dunkeln  aphanitischen  etc. 
Tuffe.  Auch  hier  scheint  ein  rasches  Auskeilen  des  Dolomitzugs 
nach  Westen,  und,  durch  die  weit  schnellere  Abschwemmung  der 
anstossenden,  leicht  verwitternden  Tuffe  bedingt,  ein  Einstürzen 
des  westlichen  dolomitischen  Vorsprungs  stattgefunden  zu  haben. 
Der  Gesammteindruck,  den  diese  eigenthümlichen  Lagerungsver- 
hältnisse, diese  Erscheinung  des  gegenseitigen  Auskeilens  von 
beiden  Seiten  her,  auf  den  Beobachter  machen,  ist  der,  dass  nach 
West  und  Ost  zeitlich  äquivalente,  wenn  auch  petrographisch  noch 
so  sehr  verschiedene  Bildungen  vorliegen;  dass  die  Bedingungen 
der  Gesteinsablagerung  nach  diesen  entgegengesetzten  Richtungen 
sehr  verschiedene  und  wechselnde  waren,  so  dass  östlich  von 
einer  gewissen  Grenze  fast  nur  Dolomit,  westlich  gleichzeitig  mit 
diesem,  nebst  oolithischen  Kalkmergeln  vorwiegend  tuffartige 
Sedimente  abgelagert  wurden,  in  der  Art,  dass  die  beiderseitigen 


287 


Ablagerungen  in  der  Gegend  jener  Grenze  sich  auskeilen  und 
abwechselnd  über  einander  greifen.  Wie  sich  in  dieser  Ablage- 
rungsfolge etwaige  paläontologische  Horizonte  von  weiterer  alpi- 
ner Verbreitung  vertheilen,  kann,  in  Ermangelung  von  Petrefak- 
ten,  vorderhand  wenigstens  nicht  angegeben  werden.  Finden  sich, 
wie  nach  dem  Obigen  sehr  wahrscheinlich,  in  der  rein  dolomiti- 
schen Ablagerungsfolge  weiter  östlich,  jenseits  der  Arnpezzaner 
Strasse,  die  Zeitäquivalente  der  dunkeln  Tuff-artigen  Sedimente, 
so  ist  es  übrigens  von  vorn  herein  fraglich,  ob  dieselben  orga- 
nischen Reste  beiderseits  zu  erwarten  sind,  eben  wegen  der  Ver- 
schiedenheit der  Ablagerungsbedingungen  und  des  Ablagerungs- 
produktes. 

Das  Auskeilen  des  Dolomits  des  Saren-  und  Badkofels  findet 
allem  Anschein  nach  in  der  Art  statt,  dass  die  Tuffschichten  im 
weiteren  Verlauf  nach  Westen  als  Hangendes  jener  untern  Do- 
lomitpartie auftreten,  welche  über  den  rothen  Schiefern  des  alpi- 
nen untern  Wellenkalks  (Campiler  Schichten)  beginnt,  und  mit 
den  Hornstein  und  Muschelkalkpetrefakten  führenden  Kalken  endet. 
Wenn  diese  Kalke  noch  weiter  westlich  entwickelt  sind,  werden 
sie  gerade,  oder  ungefähr  wenigstens,  an  den  Beginn  der  tuff- 
artigen Schichten  zu  liegen  kommen.  Die  bewaldeten  und  ver- 
wachsenen Gehänge  sind  einer  durchgreifenden  Untersuchung 
über  diesen  Punkt  hinderlich,  doch  liegen  Anzeichen  vor,  dass 
sich  dies  wirklich  so  verhält,  wovon  weiter  unten  mehr  *. 

Hält  man  an  der  Ansicht  fest,  dass  die  Dolomitmasse  des 
Saren-  und  Badkofels  noch  alpinen  Muschelkalk  repräsentire,  so 
könnte  das  nach  West  eintretende  Lagerungsverhältniss  auf  den 
ersten  Blick  als  eine  Art  Discordanz  aufgefasst  werden,  so,  dass 
zeitlich  nicht  äquivalente  Bildungen  neben  einander  zu  liegen 
kämen.  Mit  Berücksichtigung  aller  oben  berührten  Punkte  scheint 
es  jedoch  wahrscheinlicher,  dass  zeitlich  äquivalente  oder  unge- 
fähr äquivalente,  im  übrigen  sehr  heterogene  Bildungen  im  Strei- 

*  Es  scheint  sogar,  dass  die  Tuffschichten  sich  noch  ein  Stück  weit 
zwischen  Golserberg  und  Badkofel  einschieben,  also  zum  Theil  direct  in's 
Liegende  der  Haupt-Dolomitpartie  des  letztern  kommen;  ich  habe  diese 
Stelle  nicht  mehr  besichtigt.  Sie  würden  dann  in  dem  schluchtartigen  Ein- 
riss  zwischen  Golserberg  und  Badkofel  im  Streichen  auf  jene  spröden, 
mergelig-dolomitischen  Lagen  folgen,  die  am  Fuss  der  Steilwand  liegen. 


288 


eben  auf  einander  folgen.  Hieran  könnte  sich  nun  wieder  die 
Annahme  knüpfen,  den  Dolomitzug  des  Saren-  und  Badkofels  nicht 
mehr  als  alpinen  Muschelkalk,  sondern,  den  untersten,  dunkeln 
Tuffschichten  parallel  zur  obern  Trias  zu  stellen,  insofern  man 
dieselbe  mit  den  untersten  Tuffschichten  beginnen  lässt.  Da  in- 
dess  die  Grenze  zwischen  unterer  und  oberer  alpiner  Trias  nicht 
ganz  fixirt  zu  sein  scheint,  und  eine  gewisse  Zusammengehörig- 
keit der  untersten  Halobiaschichten  und  obersten  Muschelkalk- 
schichten unbestreitbar  ist,  —  wenn  man  sich  daran  erinnert, 
dass  Fälle  vorliegen,  wo  Muschelkalkpetrefakten  in  dem  Bereich 
der  Halobia  Lommeli  angehörige  Schichten  hinaufgehen,  dass  eine 
Halobia  im  ausseralpinen  Muschelkalk  vorkommt,  und  dass  petro- 
graphische  Übergänge  oder  Wechsellagerung  gerade  in  diesem 
Niveau  von  vielen  alpinen  Localitäten  berichtet  wird;  —  so  wird 
sich  auch  die  über  den  Muschelkalkbänken  liegende  grössere  Do- 
lomitpartie des  Saren-  und  Badkofels  desswegen  noch  nicht  zur 
obern  Trias  stellen  lassen,  weil  sie  den  untersten  tuffartigen 
Schichten  parallel  liegt;  es  scheint  vorderhand  angemessener,  sie 
noch  als  höhere  Etage  beim  dolomitisch  entwickelten  alpinen 
Muschelkalk  zu  lassen  *. 

Wir  waren  in  der  Betrachtung  der  Schichtenfolge  bis  zu  der 
St.  Cassian-artigen  Zone  gelangt,  welche  sich  unter  der  Steilwand 
des  Dürrenstein  hinzieht. 

Die  nächst  höhere  Stufe  ist  durch  diese  Steilwand  selbst 
bezeichnet.  Man  hat  hier  einen  festen,  krystallinischen  oder  kry- 
stallinisch-drusigen  geschichteten  Dolomit  vor  sich.  In  dem  Ge- 
röll desselben,  welches  vor  dem  östlichen  Theil  der  Steilwand 
herzieht  und  die  Thalschlucht  des  Klausbachs  erfüllt,  finden  sich 
ziemlich  viele,  von  Chemnitzien-artigen  Schnecken  her- 
rührende, mit  Bitterspathkryställchen  ausgekleidete  Hohlräume  von 
nicht  unbeträchtlicher  Grösse ;  deutliche  Dachsteinbivalvenkerne 
habe  ich  nicht  bemerkt,  nur  auskrystallisirte  Hohlräume,  die  von 
solchen  oder  ähnlichen  Formen  herrühren  mögen.  Ausserdem 
ist  ein  eigenthümlich  gross-oolithisches  Gefüge  desDolo- 

*  Die  Identität  der  Gyroporellenform  in  der  Haupt-Dolomit-Partie  des 
Sarenkofels  mit  der  in  der  untern  Dolomit-Partie  (unter  den  Petrefakten- 
kalken)  spricht  ebenfalls  für  Zusammengehörigkeit ;  wie  schon  weiter  oben 
bemerkt.    Auch  Encrinus  cf.  liliiformis  kommt  in  der  obern  Partie  vor. 


289 


ttiits  zu  bemerken,  welches  viele  Handstücke  an  der  erwähnten 
Localität  zeigt,  und  welches  sich  weiter  westlich  in  dem  Dolomit 
des  Rauchkofels  am  Pragser  Wildsee  noch  mehr  entwickelt  zeigt ; 
wo  zu  derselben  Etage  gehörige  Dolomitbänke  durchstreichen. 
Das  Dolomitgeröll  am  Klausbach  kann  übrigens  zum  Theil  schon 
von  der  zunächst  rückwärts  liegenden  Dolomitpartie  herrühren, 
welche  dem  Flodinger  angehört. 

Ganz  im  Gegensatz  zu  dem  schroffen  Absturz  nach  Nord 
und  Nordost  flacht  sich  der  Dürrenstein  oben  mit  nur  20  -30} 
nach  Südwest,  also  im  allgemeinen  Schichtenfall,  ab.  Es  ist  das 
eine  Wiederholung  der  Erscheinung,  die  man  schon  auf  der  Süd- 
seite des  ersten  Dolomitzugs  (Sarenkofel)  beobachtete.  Hetero- 
gene Schichten  von  leichter  zerstörbarem  Stoff  lagern  oder  lager- 
ten auf  dem  Dolomit,  und  Hessen,  wo  sie  der  Abschwemmung 
anheimfielen,  freigelegte  Dolomitschichtflächen  zurück.  Eine  solche 
ist  mit  höchster  Wahrscheinlichkeit  die  erwähnte  Abflachung  auf 
der  Rückseite  des  Dürrenstein.  Kommt  man,  den  Pfad  aus  dem 
Pragser  Thal  hinauf  verfolgend,  an  den  Rand  derselben,  so  fallen 
hier  gleich  die  ersten  anstehenden  Schichten  auf,  durch  ihren 
vom  festen  krystallinischen  Dolomit  abweichenden  Charakter;  es 
sind  ziemlich  dünn  und  plattig  geschichtete,  dichtmergelige  Do- 
lomite, dann  erdig  mergelige,  rauchwackenartige  Lagen,  dazwi- 
schen auch  wieder  mehr  krystallinische.  Ähnliche  Schichten  finden 
sich  in  wenig  höherer  Lage  in  dem  Rücken,  der  sich  längs  des 
Südwestraumes  der  Terrainabflachung  wieder  heraushebt.  Die 
Hauptmasse  der  ehemaligen  Auflagerung  jedoch  muss  durch  Ab- 
schwemmung zerstört  sein.  Nur  an  einzelnen  Stellen,  in  einer 
Senkung  am  Nordwest-Ende  haben  sich  Theile  von  ihr  erhalten. 
Man  findet  daselbst  anstehend:  bunte  Mergel,  ähnlich  den  ausser- 
alpinen  bunten  Keupermergeln.  graue  Steinmergel  mit  Gyps,  und 
namentlich  auch  aus  Trümmern  von  Muschelschalen,  Cidariten- 
stacheln  etc.  verkittete,  z.  Th.  oolithische  Lagen.  Es  gelang  auch 
hier  nicht,  charakteristische  Petrefakten  zu  finden. 

Die  rothen  und  bunten  Mergel  erinnern  an  die  Schichten, 
welche  in  den  Beschreibungen  der  weiter  westlich  gelegenen 
Gegenden  vorn  Schiernplateau  und  aus  der  Umgebung  von  St. 
Cassian  unter  dem  Namen  der  rothen  Raibier  (oder  Torer,  auch 

Jahrbuch  1873.  19 


290 


Corbulaschichten)  erwähnt  werden*.  (Ähnliche  Schichten  wieder- 
holen sich  bei  Cortina  d'Ampezzo.)  Die  Lagerungsverhältnisse 
sprechen  nicht  dagegen,  dass  man  sich  hier  auf  diesen»  Horizont 
befindet:  diese  rothen  Schichten  würden  dann  von  den  Tuff-  und 
St.  Cassian-artigen  Schichten  des  Pragser  Thals  durch  eine  mäch- 
tige Dolomitbildung,  die  des  Dürrenstein,  getrennt  auftreten,  wo- 
durch weiter  die  richtige  Stellung  der  letztern  erleichtert  würde, 
doch  bleibt  Bestätigung  durch  Petrefakten  zu  wünschen. 

Westlich  und  südwestlich  von  dem  erreichten  Standpunkt  er- 
hebt sich  die  grosse,  felsige  Bergmasse  des  Hochgaisl  CGeisler- 
spitz);  ihre  zunächst  gelegenen  Partien  steigen  unmittelbar  aus 
der  Terrainverflachung  des  Dürrenstein  auf.  Man  hat  hier  die 
nächstfolgende  höhere  Etage  zu  suchen  und  befindet  sich,  sobald 
man  die  Steigung  erreicht,  in  einem  neuen  Dolomitcomplex,  wel- 
cher mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  dem  „Hauptdolomit"  („ un- 
tern Dachsteinkalk  *)  entspricht.  Von  diesem  Dolomit  hebt  sich 
der  oberste  Theil  des  Berges,  schon  aus  der  Entfernung  gesehen, 
als  besondere  Partie  ab,  deren  untere  Grenze  indess  nicht  überall 
gleich  scharf  markirt  erscheint.  Hat  man  das  Berggehänge  bis 
zu  dieser  Höhe,  stets  über  Dolomit  weg,  erstiegen,  so  folgen  auf 
den  Dolomit,  wie  es  scheint,  ohne  anderweitige  Zwischenlagerung, 
mächtige  Bänke  eines  dichten,  auf  dem  Bruch  matten,  weisslichen, 
gelblichen,  röthlichen,  oder  auch  roth  marmorirten  Kalkes,  wel- 
cher sich  durch  seine  petrographische  Beschaffenheit,  wie  durch 
die  runden  Verwitterungsformen  seiner  dicken  Bänke  und  seiner 
Fragmente  sofort  von  dem  unterlagernden  Dolomit  unterscheidet. 
Es  gehört  dieser  Kalk  einer  mächtigen  Auflagerung  an ,  welche 
den  Geislerspitz  bildet,  und  sich  dann  noch  weiter  westlich  und 
südwestlich  erstreckt.  Petrefakten  sind  in  diesem  Kalk,  so  weit 
ich  ihn  verfolgt  habe,  nicht,  oder  nur  in  ganz  ungenügenden 
Spuren  zu  entdecken.  Aus  diesem  Grunde  kann  ich  über  die 
Zutheilung  dieser  Schichten  zu  Trias,  Lias  oder  Jura,  und  dar- 
über, ob  die  petrographische  Grenze  zwischen  Dolomit  und  Kalk 
mit  einer  paläontologischen  zusammenfällt,  keine  Ansicht  äussern  **. 

*  S.  Stur:  Eine  Excursion  in  die  Umgegend  von  St.  Cassian.  Jahrb. 
d.  K.  K.  geol.  Reichsanst.  1868. 

**  Die  Beschreibung,  welche  v.  Richthofen  (1.  c.  S.  227,  228)  von  der 
weiter  westlich  gelegenen  Gebirgslandschaft  der  Fanisalpe  gibt,  passt  auch 


291 


Als  jüngste  Gebilde  des  ganzen  Gebirgssystems  sind,  wie 
schon  die  geol.  Übers.-Karte  der  österr.  Monarchie,  Bl.  5,  angibt, 
die  Schichten  zu  bezeichnen,  welche  etwas  weiter  westlich,  bei 
der  Alpe  La  Stuva  auf  jene  Kalke  folgen;  es  sind  helle  Crinoi- 
denkalke  mit  Rhynchonellen  und  Terebrateln,  und  über  diesen 
rothe  Diphyakalke,  in  denen  ich  Terebratula  diphya  Col.  sp.,  Te- 
rebratula  triangulus  Lam.  ,  Ammonües  (Phylloceras)  ptychoicus 
Quenst.,  Ammonües  (Phylloceras)  cf.  ptyehosloma  Benecke,  Am- 
monües (Perisphinctes)  cf.  colubrinus?  Rein.,  Ammonües  (Limo- 
ceras)  sp.  und  einige  weniger  gut  erhaltene,  wahrscheinlich  Phyl- 
locerasarten,  fand. 

ganz  auf  die  in  diesem  Kalkcomplex  liegende  Hochfläche  westlich  vom 
Hochgaisl  und  südlich  vom  Seekofel.  Auch  v.  Richthofen  erwähnt  den 
Mangel  an  Petrefakten.  —  Zu  bemerken  ist,  dass  in  dem  Kalkcomplex  an 
einzelnen  Stellen,  wenn  auch  ganz  untergeordnet,  doch  auch  wieder  Dolo- 
mitbänke auftreten,  welche  völlig  dem  untern  Dolomit  gleichen. 

Auf  der  geol.  Übers.-Karte  der  österr.  Monarchie,  Bl.  5,  ist  die  er- 
wähnte Auflagerung  als  unterer  Jura  eingetragen. 

(Schluss  folgt.) 


19* 


Briefwechsel. 


A.    Mittheilungen  an  Professor  G.  Leonhard. 

Aachen,  den  18.  März  1873. 

Meinen  ergebensten  Dank  sage  ich  Ihnen  für  Ihren  gefälligen  Brief 
am  10.  d.  Mts.  und  für  den  in  denselben  eingelegten  Separatabdruck  der 
„Note  sur  un  nouveau  gisement  de  Leadhillite  par  M.  E.  Bertrand  w,  die 
mir  bisher  unbekannt  geblieben  war.  Nach  längerem  Suchen  ermittelte 
ich  die  Zeitschrift  {Bulletin  de  la  societe  chimique  de  Paris,  1873,  T.  XIX. 
No.  1,  p.  17),  in  der  diese  Mittheilung  zum  Abdruck  gekommen  war,  denn 
der  Separatabdruck  enthielt  nur  die  Angabe  der  Druckerei. 

Sie  erwarten  über  diese  „Note"  eine  Meinungsäusserung  von  mir  und 
erhalten  deshalb  dieselbe  in  Folge  dem  sobald  als  mir  möglich  war,  für 
Ihr  Jahrbuch. 

In  der  ersten  Hälfte  seiner  Mittheilung  berichtet  Herr  Bertrand,  dass 
er  in  der  Umgegend  von  Iglesias  auf  Sardinien  den  Leadhillit  aufgefunden 
habe;  jedoch  ohne  Angabe  der  näheren  Umstände,  ich  vermuthe  deshalb 
nur,  in  den  oberen  Sohlen  der  dortigen  Bleiglanzgänge.  Da  aus  diesen 
das  Bleisulphat  (Anglesit)  und  das  Bleicarbonat  (Cerussit)  schon  länger 
bekannt  sind,  kann  das  nichtsdestoweniger  interessante  Vorkommen  von 
Bleisulphocarbonat  (Leadhillit)  nicht  überraschen.  Die  von  H.  Bertrand 
nachgewiesene,  fast  völlige  Übereinstimmung  dieses  Leadhillit  in  chemi- 
scher und  physikalischer  Beziehung  mit  dem  von  Leadhills  in  Schottland 
und  besonders  mit  der  von  Berzelius  und  Stromeyer  für  dieses  Mineral 
daraus  abgeleiteten  Formel  3PbO  .  CO.,  -{-  PbO  .  SOa  ist  bemerkenswerth. 
Um  so  auffallender  bleibt  aber  unter  diesen  Umständen,  dass  Herr  Ber- 
trand das  Volumgewicht  des  sardinischen  Minerals  bei  14°  [C.?]  zu  6,60 
ungefähr  bestimmt  hat,  während  sich  für  das  schottische  immer  nur  6,266 
bis  6,435  angegeben  findet.  Diesen  Widerspruch  sucht  H.  Bertrand  durch 
den  Umstand  zu  erklären,  dass  das  sardinische  Mineral  veränderte,  mehr 
oder  minder  opake  Stellen  zeige,  welche  in  der  Hitze  decrepitiren  und 
etwas  Wasser  enthalten,  während  es  sonst  durchsichtig,  ohne  Wasser  und 


293 


nicht  decrepitirend  sei.  Die  vollkommen  durchsichtigen  Stellen  wählte  er 
zur  chemischen  und  optischen  Analyse,  die  veränderten  zur  Bestimmung 
des  Volumgewichtes. 

Eine  Ansicht  über  die  Art  und  Weise  der  Veränderung  hat  H.  Ber- 
trand nirgends  bestimmt  ausgesprochen;  es  scheint  jedoch  aus  mehreren 
Stellen  der  „Note"  hervorzugehen,  dass  er  sich  das  Mineral  durch  Was- 
seraufnahme verändert  vorstellt.  Dadurch  kann  aber  eine  Substanz  mit 
ungefähr  81°/0  von  dem  schweren  Bleioxyd  nicht  schwerer,  sondern  nur, 
wenn  auch  kaum  merklich,  leichter  werden  (z.  B.  Anhydrit  2,8—3  und 
Gyps  mit  ca.  21%  ELO  ===  2,2  bis  2,4).  Danach  scheinen  mir  zur  Erklä- 
rung dieses  abweichenden  Volumgewichtes  allein  zwei  Fälle  möglich  zu 
sein: 

1)  entweder  ist  die  opake,  also  optisch  nicht  untersuchte  Substanz 
kein  Leadhillit,  sondern  ähnlich  wie  in  Schottland  ein  dazwischen  gewach- 
senes rhomboedrisches  Bleisulphocarbonat  (Susannit),  das  bekanntlich  das 
höhere  Volumgewicht  6,55  hat,  also  nahezu  dasjenige  des  sardinischen 
trüben  Minerals,  oder 

2)  ist  das  Letztere  ein  Gemenge  von  Leadhillit  mit  Maxit  (Bleihydro- 
sulphocarbonat),  dessen  Volumgewicht  ich  zu  6,874  *  ermittelt  habe. 

Bei  dieser  zweiten  Annahme  erklärt  sich  nicht  nur  das  abweichende 
Volumgewicht,  sondern  auch  der  geringe  Wassergehalt  und  das  Decrepi- 
tiren,  welches  der  Maxit,  wie  ich  erwähnt  habe,  in  hohem  Maasse  zeigt. 

Bei  dem  beschränkten  Materiale,  was  Herrn  Bertrand  für  die  Unter- 
suchungen zur  Disposition  gestanden  zu  haben  scheint,  hätte  er,  wie  ich 
es  bei  meinen  Untersuchungen  des  Maxit  aus  dem  nämlichen  Grunde  zu 
thun  gezwungen  gewesen  war,  an  demselben  Stücke  zuerst  die  optischen, 
dann  die  anderen  physikalischen  und  schliesslich  die  chemischen  Eigen- 
schaften ermitteln  sollen. 

Unter  diesen  Umständen  musste  es  mich  wohl  überraschen,  dass  Herr 
Bertrand  in  der  zweiten  Hälfte  seiner  Mittheilung  die  erste  zum  Aus- 
gangspunkte eines  Versuches  wählt,  es  wahrscheinlich  zu  machen,  der 
Maxit  von  Sardinien  sei  keine  zur  Selbstständigkeit  berechtigte  Mineral- 
species,  sondern  nur  ein  veränderter  Leadhillit. 

Nachdem  man  im  sardinischen  Bleierzdistricte  Anglesit,  Cerussit  und 
Maxit  kannte,  war  die  Auffindung  des  Leadhillit,  ich  möchte  sagen,  fast 
nur  noch  eine  Frage  der  Zeit  und  des  Suchens,  aber  doch  in  keiner  Weise 
ein  allgemeiner,  irgendwie  zwingender  Grund,  die  Selbstständigkeit  eines 
Minerals  in  Zweifel  zu  stellen,  das  nach  allen  Beziehungen  mit  Ausnahme 
der  Krystallf  orm  **  und  des  Brechungsvermögens  bekannt  ist  und  als 
Art  anerkannt  werden  muss.  Um  einen  Vergleich  zu  gebrauchen:  der 
Gyps,  der  so  häufig  durch  Umwandlung  (Wasseraufnahme)  aus  Anhydrit 
entstanden  ist,  aber  nicht  immer  zu  sein  braucht,  hörte  doch  mit  der  Auf- 
findung dieses  Letzteren  nicht  als  selbstständige  Art  auf!    Ich  gebrauche 

*  Journal  für  praktische  Chemie.  V.   1872,  S.  470  ff.  und  Leonhard 
und  Geinitz,  Jahrbuch  für  Mineralogie  u.  s.  w.  1872,  S.  407  u.  508  ff. 
**  Das  Krystallsystem  ist  optisch  als  rhombisch  zu  ermitteln  gewesen. 


294 


absichtlich  diesen  Vergleich,  weil  ich  ihn  schon  früher  heranzog,  um  in 
Bezug  auf  manche  Eigenschaften  den  Maxit  dem  Leadhillit  gegenüber  zu 
charakterisiren,  ohne  aber  dadurch  irgendwie  einräumen  zu  wollen,  der 
wasserhaltige  Maxit  müsse  aus  dem  wasserfreien  Leadhillit  lediglich  durch 
Aufnahme  von  Wasser  entstanden  sein.  Denn,  wenn  der  Maxit  keine  ur- 
sprüngliche Bildung  wäre  —  was  ja  immerhin  möglich  sein  könnte,  obwohl 
es  mir  unwahrscheinlich  ist  —  sondern  aus  dem  Leadhillit  durch  Umwand- 
lung sich  gebildet  hätte,  so  wäre  nicht  nur  eine  Aufnahme  von  Wasser 
von  Seiten  des  Leadhillit  nöthig  gewesen,  sondern  auch,  wie  ich  nachher 
mit  Zahlen  belegen  werde,  eine  Aufnahme  von  Bleioxyd  und  Schwefelsäure 
sowie  eine  Abgabe  von  Kohlensäure. 

Die  speciellen  Gründe,  die  Herr  Bertrand  zu  seiner  Beweisführung 
heranzieht,  will  ich  kurz  wiederholen  und  zugleich  erörtern. 

Sein  erster  Grund  ist  die  grosse  Übereinstimmung  der  physikalischen 
und  vor  Allem  der  optischen  Eigenschaften  des  Leadhillit  und  Maxit  mit 
Ausnahme  des  Volumgewichtes,  was  ich  schon  in  meinen  früheren  Arbei- 
ten hervorgehoben  hatte.  Dass  beide  Mineralien  negativ  doppeltbrechend 
sind,  einen  kleinen,  nahezu  gleichen  Winkel  der  optischen  Axen  haben, 
und  dass  dieser  für  rothes  Licht  kleiner  ist  als  für  blaues  (pO),  kann 
bei  so  nahe  sich  stehenden  Bleisalzen  nicht  befremden,  da  andere  Blei- 
verbindungen ebenfalls  negativ  sind  (z.  B.  Cerussit,  Bleizucker),  p<Cv 
haben  (z.  B.  Bleizucker,  Anglesit)  und  kleine  Axenwinkel  besitzen  (z.  B. 
Cerussit).  Hervorzuheben  ist  hierbei  aber  noch  der  Umstand,  dass  man 
ein  sicheres  Urtheil  über  die  Identität  der  wirklichen  Axenwinkel,  auf  die 
es  doch  allein  ankommt,  nicht  hat,  da  man  nur  die  scheinbaren  kennt  und 
bei  Unbekanntschaft  der  Brechungsexponenten,  die  ja  verschieden  sein 
können,  die  wahren  nicht  berechnen  kann.  Nahezu  die  gleiche  Härte, 
vollkommene  Durchsichtigkeit  und  Farblosigkeit,  den  diamantartigen  Fett- 
glanz auf  den  Bruch-  und  den  diamantartigen  Perlmutterglanz  auf  den 
Spaltungsflächen  ersten  Ranges  besitzen  ferner  ebenfalls  andere  Blei- 
salze. 

Der  zweite  Grund,  das  oben  erörterte  Volumgewicht  des  sardinischen 
und  schottischen  Leadhillit  sowie  des  Maxit,  kann  nach  dem  Gesagten  gar 
nicht  in  das  Gewicht  fallen,  weil  die  Bestimmung  der  Schwere  des  sardi- 
nischen Leadhillit  ganz  zweifelhaft  genannt  werden  muss.  Dazu  kommt 
noch,  dass  das  Volumgewicht  des  sardinischen  Leadhillit  =  6,60  dem  des 
schottischen,  im  Mittel  ==  6,35  immer  noch  etwas  näher  steht  als  dem- 
jenigen des  Maxit  ==  6,87. 

Dass  der  wasserhaltige  Maxit  soviel  schwerer  als  der  wasserfreie 
Leadhillit  ist,  liegt  nach  dem  oben  Gesagten  nicht  am  Wasser,  sondern 
einmal  wohl  in  den  anderen  molecularen  Zuständen,  ferner  in  dem  höheren 
Gehalt  an  Schwefelsäure  und  Bleioxyd,  sowie  drittens  in  der  geringeren 
Menge  an  Kohlensäure. 

Den  dritten  Grund  sucht  Herr  Bertrand  in  der  chemischen  Zusam- 
mensetzung beider  Mineralien,  die  er  für  wenig  verschieden  hält.  Zum 
Belege  für  diese  Ansicht  stellt  er  die  Analysen  des 


295 


Maxit  -  81,912  PbO  8,082  C02  8,140*  SO  ,  1,866  H20  4=  100 
u.  des  Leadhillit  L=  80,800  „  11,950  „  7,250  „  —  „  =  100 
zusammen.    Die  Differenz  beider  beträgt  mithin 

PbO  4-  1,112% 
CO„  -  3,868% 
S03  +  0,890% 
H,0  -f  1,866% 

und  ist  für  Analysen,  die  durch  einfaches  Molecular-Verhältniss  und 
durch  Controle  bis  auf  kleine  Abweichungen  in  der  zweiten  oder  gar 
erst  dritten  Decimalstelle  als  zuverlässig  sich  erweisen  **,  nach  meinem 
Dafürhalten  so  bedeutend,  dass  von  einer  wenig  verschiedenen  Zusam- 
mensetzung in  keiner  Weise  gesprochen  werden  kann.  Die  chemische 
Verschiedenheit  fällt  bei  procentiger  Gewichtsangabe  noch  nicht  einmal  so 
auf  als  bei  einer  Angabe  des  Molecularverhältnisses  der  beiden  Minera- 
lien an  den  3,  resp.  4  Stoffen,  da  deren  Moleculargewichte  so  sehr  ver- 
schieden sind. 

Es  enthält  der 

Maxit    18  Mol.  PbO.    9  Mol.  C02.    5  Mol.  S03.    5  Mol.  H20,  der 
Leadhillit     4    „       „      3    „       „      1     „     „  - 
oder  auf  gleiche  Anzahl  von  Bleioxydmolecülen  gebracht: 

Maxit   36  Mol.  PbO.    18  Mol.  CO«.    10  Mol.  S03.    10  Mol.  H20 
Leadhillit   36    „      „      27    „      „      9    „      „  —  ,  also  die 

Differenz  ±0  „  „  —9  „  „  4-  1  „  „  -f  10  „  „  für  den 
Maxit. 

Hätte  Herr  Bertrand  diese  soeben  von  mir  geltend  gemachten  Punkte 
erwogen  und  in  meinen  früheren  Mittheilungen  über  den  Maxit  nicht  über- 
sehen, dass  dieses  Mineral  in  allen  Theilen  ganz  wasserklar  und  durch- 
sichtig ist,  so  dass  jede,  nicht  an  der  Oberfläche  zerkritzte  Lamelle  zu 
den  optischen  Untersuchungen  brauchbar  gewesen  ist,  so  wäre  er,  glaube 
ich,  gewiss  niemals,  selbst  ohne  Kenntniss  des  Maxit  mit  eigenen  Augen, 
zu  der  Ansicht  gelangt,  dass  der  Maxit  vielleicht  ein  Leadhillit  sein  könne, 
der  noch  mehr  durch  Wasseraufnahme  verändert  sei  als  der  mehr  oder 
weniger  opake  von  Sardinien,  den  er  zur  Bestimmung  des  Volumgewichtes 
genommen  hat;  denn  in  diesem  Falle  müsste  der  Maxit  ganz  undurchsich- 
tig sein,  was  erst,  ähnlich  wie  beim  Gypse,  unter  starker  Decrepitirung 


*  Herr  Bertrand  gibt  irrthümlich  8,114%  an. 
**  z.  B.  Maxit  Differenz 

I.  gefunden:  kleinste  grösste 
81,912  PbO     8,082  CO.    8,140  S03    1,866  H20  / 

II.  berechnet:  [  0,00  0,028 
81,918  PbO     8,081  CO.    8,163  S03    1,838  H20  ) 

Leadhillit  III.  gefunden: 
80,74   PbO    12,12    C02    7,14    SO,        —  J 

IV.  berechnet:  0,060  0,170. 

80,80   PbO    11,95   C02   7,25    S03        —  I 


296 


und  Austritt  von  allem  Wasser  bei  etwa  280°  C,  also  bei  seiner  Zer- 
setzung, eintritt.  *  H.  Laspeyres. 


Freiberg,  den  7.  April  1873. 
Vor  einigen  Wochen  erlaubte  ich  mir,  Ihnen  eine  im  Freiberger  Jahr- 
buch abgedruckte  Notiz,  neue  Uranerze  von  Schneeberg  betreffend,  zuzu- 
schicken *. 

In  dieser  Notiz  ist  ein  in  schönen,  eigelben,  haarförmigen  Krystallen 
auftretendes  Uranerz  erwähnt,  welches  nach  Dr.  Clemens  Winkler's  Ana- 


lyse besteht  aus: 

Kohlensaurem  Kalk   5,3 

Kobaltoxydul   1,1 

Kupferoxyd   1,3 

Eisenoxydhydrat  (Brauneisenerz)  2,6 

Uranoxyd   63,4 

Kieselsäure   14,8 

Arsensäure   1,1 

Wasser   7,5 

~97X 


Aus  dieser  Analyse  leitete  Dr.  Winkler  die  Formel  ab: 
Ü  Si  H2. 

In  derselben  Notiz  wurde  auf  die  grosse  äussere  Ähnlichkeit  des  Kör- 
pers sowohl  mit  dem  Uranophan  (Websky  1853)  als  mit  dem  Uranotil 
(Boricky  1870)  hingewiesen,  und  desshalb  auch  bis  auf  Weiteres  von  Ein- 
führung eines  besonderen  Namens  für  denselben  abgesehen,  zudem  die 
Reinheit  der  analysirten  Probe  zu  wünschen  übrig  gelassen  hatte. 

Da  nun  inzwischen  der  Körper  auf  der  Grube  in  grösserer  Menge  und 
in  reinerer  Beschaffenheit  aufgefunden  worden  ist,  so  sind  zwei  neue  Ana- 
lysen mit  möglichst  reinem  Material,  dessen  specifisches  Gewicht  ich  vor- 
her zu  3,87  (3°  Cels.)  bestimmte,  angefertigt  worden.    Winkler  fand: 


Kalkerde 

.  5,13 

5,49 

Uranoxyd  . 

.  63,93 

62,84 

Eisenoxyd  . 

*  j  3,03 

2,88 

Thonerde 

Kieselsäure  . 

.  13,02 

14,48 

Wasser    .  . 

.  14,55 

13,79 

99,66 

99,48. 

Boricky  fand  aber  in  seinem  Uranotil  von  Wölsendorf: 
Kalkerde    ....  5,27 
Uranoxyd    ....  67,26 
Kieselsäure  ....  13,78 

Wasser  12,67 

99,98. 

*  Siehe  weiter  unten:  Auszüge.  G.  L. 


297 


Die  Übereinstimmung  dieser  Analyse  mit  den  beiden  obigen  lehrt,  dass 
das  Schneeberger  Mineral  mit  dem  Uranotil  ident  ist,  eine  Identität,  die 
ich  schon  seit  December  1871  vermuthet  und  auch  damals  dem  Bergver- 
walter der  Grube  „Weisser  Hirsch",  Herrn  R.  Tröger  gegenüber  ausge- 
sprochen hatte. 

A.  Weisbach. 


ß.    Mitteilungen  an  Professor  H.  B.  Geinitz. 

Fort  van  der  Capellen,  Sumatra's  Westküste,  10.  März  1873. 

Es  war  mir  interessant,  in  diesem  Jahrbuche,  1872,  S.  865  zu  lesen: 
dass  Herr  T.  Rup.  Jones  in  einem  Steingeräth  von  Java  Nummuliten  auf- 
gefunden hat. 

Diese  Angabe  von  Nummuliten  der  Insel  Java  ist  aber  nicht  die  erste. 
Sie  sind  schon  angeführt  worden  von: 

Jünghühn  in  seinem  „Java",  deutsche  2.  Ausgabe  1857,  Bd.  III,  Seite 
64,  87  und  203.    (Nummuliten  bei  Tanglar,  Preanger,  Regentschappen.) 

P.  van  Dijk,  Verslag  der  boringen  naor  kolen  in  Djokjokarta.  Tyd- 
schrift  v.  Nyverheid  en  Landbouw  in  N.  Indie.  Band  XIII,  Seite  167 
bis  205, 

und  P.  van  Dijk,  Geol.  beschryving  der  Residentie  Djokjokarta.  Jaar- 
boek  van  het  Mynwezen  in  N.  Oost-Indie.  Band  I.  1872.  Seite  149 — 192. 
(Nummuliten  in  Djokjokarta.) 

Auch  soll  eine  Kalkbank  im  Kidul-Gebirge,  südlich  von  Klaten,  Num- 
muliten enthalten  (nach  schriftlicher  Mittheilung  des  Herrn  Dr.  C.  F.  A. 
Schneider). 

Ein  grosser  Theil  der  tertiären  Ablagerungen  von  Java  zeigt  ferner 
eine  auffallende  Ähnlichkeit  mit  den  unzweifelhaft  eocänen  Ablagerungen 
auf  Borneo. 

Ich  hoffe,  dies  später  ausführlich  nachzuweisen,  wenn  ich  endlich  da- 
zu kommen  werde,  meine  Untersuchungen  auf  Borneo  zu  veröffentlichen, 
was  mir  bis  jetzt,  meiner  sehr  vielen  dienstlichen  Beschäftigungen  wegen, 
geradezu  unmöglich  war. 

Ein  anderer  grosser  Theil  der  tertiären  Schichten  von  Java  ist  aber 
jedenfalls  nicht  eocän,  sondern  jünger;  diese  letzteren  sind  besonders  stark 
an  der  Nordküste  der  Insel  entwickelt. 

R.  D.  M  Verbeek, 
Bergingenieur  auf  Sumatra. 


Hamburg,  den  27.  März  1873. 

Ein  Aufsatz  von  Herrn  Dr.  Schreiber  im  Juli-Heft  des  J.  1872  von 
Giebel's  Zeitschrift  für  die  gesammten  Naturwissenschaften  (das  mir  lei- 


298 


der  erst  vor  Kurzem  zu  Gesicht  gekommen  ist),  veranlasst  mich  wieder, 
Sie  mit  einer  Zuschrift  zu  belästigen.  Der  Herr  Verfasser  veröffentlicht 
darin  nämlich  interessante  Beobachtungen  „über  alte  Harzgeschiebe  bei 
Wernigerode",  insbesondere  im  Flussbette  der  Holzemme  und  steinernen 
Renne  (die  auch  mir  nicht  unbemerkt  geblieben  sind,  und  worüber  ich  im 
Neuen  Jahrbuche  für  Mineralogie  etc.,  Jahrg.  1868,  Hft.  2  einige  Bemer- 
kungen mitgetheilt  habe). 

Herr  Dr.  Schreiber  sagt:  „der  Weg  von  der  steinernen  Renne  bis 
zum  Gasthof  zum  Hohenstein  führt  durch  ein  an  mächtigen  Geschieben 
reiches  Thal.  In  dem  5—8  Meter  breiten  Flussbette  erfüllt  die  Hochfluth 
höchstens  die  3  Meter  tiefe  Rinne;  die  Geschiebe,  welche  bis  über  5  Me- 
ter Höhe  über  dem  Boden  des  jetzigen  Flussbettes  in  grosser  Menge  und 
von  gewaltigem  Umfange  abgelagert  sind,  weisen  auf  ein  mindestens  fünf- 
mal breiteres  Flussbett  hin,  die  zum  Theil  2  Meter  im  Durchmesser  hal- 
tenden Geschiebe  lassen  auf  bedeutende  Wassermassen  schliessen.  Auf 
der  Strecke  vom  Silbernen  Mann  bis  zum  Südende  von  Hasserode  erschei- 
nen dieselben  an  mehreren  Stellen  in  der  Mitte  des  Thaies  werderartig 
aufgeschichtet.  Ähnlich  stellen  sich  die  Verhältnisse  im  Drangethale  dar. 
Die  Granitstöcke  des  Hohenstein  und  der  Höhne  sendeten  ihre  Granit- 
blöcke hieher.  Unmittelbar  am  Eingange  zu  dem  Steinbruch  der  Dümm- 
kuhle  bis  5  Meter  Höhe  über  dem  Boden  des  jetzigen  Flussbettes  liegen 
Granitblöcke,  welche  1  Meter  im  Durchmesser  halten.  Während  die  Breite 
des  jetzigen  Flussbettes  7  Meter  beträgt,  misst  das  Thal,  so  weit  die  Ge- 
schiebe verstreut  liegen,  47  Meter.  Die  vom  Grunde  des  Flussbettes  aus 
gerechnete  5  Meter  hohe  Aufschichtung  lässt  sich  auch  weiterhin  das  Thal 
hinab  verfolgen.  —  Aber  nicht  nur  am  Rande  des  Harzes,  sondern  noch 
weit  über  die  Bucht  hinaus,  welche  die  Muschelkalkrücken  des  Huy  und 
Hackel  bilden,  lassen  sich  die  Diluvialgeschiebe  des  Harzes  in  dem  früher 
breiteren  Flussbette  der  Holzemme  nachweisen."  —  So  weit  die  für  mich 
in  Betracht  kommenden  interessanten  Mittheilungen  des  Herrn  Verfassers. 

Mich  konnten  nämlich  diese  Mittheilungen  nur  in  der  früher  ausge- 
sprochenen Ansicht  bestärken,  dass  die  Verstreuung  und  Aufschichtung  so 
gewaltiger  Felsmassen  nur  der  Wirkung  eines  Gletschers  zuzuschreiben 
sei.  Betrachten  wir  die  gewaltigen  Granitblöcke,  welche  im  Flussbette  der 
Holzemme ,  und  namentlich  bei  der  steinernen  Renne,  mehrfach  über  ein- 
ander geschoben,  oft  in  der  kühnsten  schwebenden  Lage  zu  den  reizenden 
Katarakten  Veranlassung  geben,  ohne  verhältnissmässig  abgerundet  zu 
sein,  so  kann  man  sich  unmöglich  denken,  dass  diese  Blöcke  bis  zum  Aus- 
gange des  Thaies  durch  Wasserfluthen,  und  wären  es  auch  die  mächtig- 
sten, fortgeschoben  und  über  einander  hinweggehoben  werden  konnten. 
Woher  sollten  auch  so  reissende  Wasserfluthen  kommen?  Da  sich  bis  zum 
Hohenstein  und  dem  Rennelenberg,  und  selbst  bis  zum  Brocken  hinauf, 
kein  Becken  findet,  das  als  ein  entleertes  Seebecken  angesehen  werden 
könnte,  und  selbst  die  Thalmulde  zwischen  dem  Rennelenberg  und  den 
Hohenklippen,  beim  Molkenhaus  und  der  Hölle,  zeigt  nirgends  Spuren  des 
Durchbruchs  eines  Seebeckens.    Diese  mit  grossen,  glatt  abgeschliffenen 


299 


Geschieben  bedeckte  Thalmulde  spricht  vielmehr  dafür,  dass  von  hier  aus, 
wie  aus  einem  Circus,  ein  Gletscher,  dem  Thale  der  Holzemme  folgend, 
herabgestiegen  sei,  und  die  mächtigen  Geschiebeblöcke  bis  zum  Ausgange 
des  Thaies  fortgetragen  habe.  Dazu  kommt,  dass,  wie  ich  schon  am  a.  0. 
nachgewiesen  habe,  im  untern  Flussthale  die  von  Herrn  Dr.  Schreiber  als 
werderartig  aufgeschichteten  Granitblöcke  das  Thal  mehrfach  quer  durch- 
schneiden, gleichsam  wie  aus  Granitblöcken  künstlich  aufgebaute  Quer- 
dämme, und  da  wo  sich  bei  Hasserode  das  Thal  zu  einem  weiten  Busen 
öffnet,  solche  werderartig  aufgeschichtete  Granitblöcke  einen  Halbkreis 
bilden,  welche,  im  Zusammenhange  gedacht,  die  Endmoräne  eines  Glet- 
schers darstellen  möchten.  Endlich  auch  spricht  eine  solche  werderartige 
Aufschichtung  von  Granitblöcken  längs  der  rechten  Seite  des  Thaies  unter 
dem  Silbernen  Mann  für  eine  von  dem  Gletscher  zurückgelassene  Seiten- 
moräne. 

Die  Beschreibung  der  Lagerungsverhältnisse,  Grösse  und  Höhe  der 
Geschiebe  und  ihrer  Ablagerung  im  Flussthale  der  Holzemme  und  beson- 
ders der  steinernen  Renne,  wie  sie  von  Herrn  Dr.  Schreiber  naturgetreu 
gegeben  ist,  muss  bei  unbefangener  Betrachtung  der  Annahme  widerspre- 
chen, dass  Wasserfluthen  solche  Wirkungen  hervorbringen  könnten,  son- 
dern meine  Ansicht  bestätigen,  dass  dieses  nur  durch  Eis  geschehen  konnte, 
wir  also  hier  die  Wirkung  eines  Gletschers  der  Eiszeit  vor  uns  sehen; 
wie  sich  überhaupt  am  Brocken  mehrfach  Spuren  früherer  Gletscherwir- 
kung zeigen.  Dr.  K.  G.  Zimmermann. 


München,  den  10.  April  1873. 

I.    Coccolithen  im  Eocänmergel. 

Der  Reichthum  an  organischen  Überresten  in  den  alpinen  Eocänabla- 
gerungen  ist  eine  bekannte  Thatsache.  Dahin  gehören  auch  die  berühmt 
gewordenen  zahlreichen  Versteinerungen  des  Kressenbergs,  welche  mit 
Ausnahme  der  Foraminiferen,  Korallen,  Bryozoen,  Crinoiden,  Brachiopo- 
den  und  der  Monomyarier  leider  meist  nur  als  Steinkerne  vorkommen  und 
daher  sehr  schwierig  zu  bestimmen  sind.  Doch  unterliegt  es  keinem  Zwei- 
fel, dass  die  sie  beherbergenden  Schichten  ein  genaues  Zeitäquivalent  des 
Pariser  Grobkalks,  der  Schichten  mit  Gerühium  giganteum  darstellen. 
Da  diese  Versteinerungen  auf  mehreren  sandig-mergeligen  Eisenoolith- 
flötzen  sich  finden,  welche  behufs  ihrer  Verhüttung  in  einem  sehr  aus- 
gedehnten Bergbau  gewonnen  werden,  so  erklärt  sich  daraus  die  grosse 
Menge,  welche  seit  v.  Münster's  Zeiten  aus  diesen  Eisenerzflötzen  ge- 
sammelt und  fast  in  alle  Sammlungen  versendet  wurde.  Im  Hangenden 
dieser  Erzflötze,  jedoch  noch  zu  demselben  Schichtensystem  gehörig,  lagern 
mehrere  Kalkbänke,  die  einen  hohen  Grad  von  Politurfähigkeit  be- 
sitzen, wegen  ihrer  Zusammensetzung  aus  einer  erstaunlichen  Menge  klei- 
ner, verschieden  dunkel  und  hell  gefärbter  organischer  Überreste  geschlif- 


300 


fen  das  ungefähre  Aussehen  von  Granit  annehmen,  daher  Granitmarmor 
oder  Neubeuerer  Marmor  genannt  werden.  Ihre  Foraminiferen  habe  ich 
in  der  Abhandlung  (Abh.  d.  bayer.  Ak.  d.  Wiss.  TL  Cl.  Bd.  X.  2.  Abth. 
1868)  beschrieben,  mehr  als  150  Arten  von  Bryozoen  harren  noch  der  Be- 
schreibung. 

Zwischen  den  einzelnen  Erz-,  Sandstein-  und  Kalkbänken  liegen,  die 
Hauptmasse  der  ganzen  Bildung  ausmachend,  grünlich-graue,  ziemlich  feste 
Mergel,  welche  bei  den  Bergleuten  unter  der  Bezeichnung  „Stockletten" 
bekannt  sind.  Sie  galten  bisher,  da  sie  grössere  Versteinerungen  fast  nie 
oder  sehr  selten  einschliessen,  fast  für  versteinerungsleer.  Erst  in 
neuester  Zeit  wurde  meine  xA.ufmerksamkeit  auf  den  Einschluss  von  sehr 
kleinen  Foraminiferen  in  diesem  Mergel  hingelenkt,  und  eine  eingehende 
Untersuchung  hat  mich  belehrt,  dass  sie  kleinste  Arten  von  Foraminiferen, 
namentlich  von  Glo bi g erine n,  Plecanien,  Crist ellarien  und  Bo- 
talien, in  erstaunlicher  Menge  in  sich  schliessen,  welche  leicht  der  Be- 
obachtung sich  entziehen.  Was  aber  dieses  Ergebniss  noch  besonders 
interessant  machte,  war  die  Entdeckung  unendlich  zahlreicher,  sehr  gut 
erhaltener  Coccolithen  von  3  verschiedenen  Grössen,  welche,  wie  es 
scheint,  neben  den  thonigen  krumösen  alle  häutig  körnigen  Flecken,  aus 
welchen  das  Gestein  besteht,  den  Kalkgehalt  desselben  und  wahrscheinlich 
auch  seine  Mergelnatur  bedingt.  Bei  der  ungemein  grossen  Häufigkeit 
dieser  organischen  Bestandteile  schien  es  mir  nicht  ohne  Interesse,  nach 
einer  möglichst  genauen  Methode  die  Menge  der  organischen  Einschlüsse 
—  wenigstens  annäherungsweise  zu  bestimmen. 

Ich  fand  nun,  dass  ein  Kubikmeter  dieses  Eocänmergels  oder  Stock- 
lettens enthält 

5  Milliarden  Foraminiferen  und 
800  Billionen  Coccolithen! 

Die  Ziffern  mehrerer  von  einander  unabhängiger  Bestimmungen  schwan- 
ken um  diese  Grössen,  die  als  Annäherungswerthe  Geltung  gewinnen  dürf- 
ten. Welch'  eine  erstaunliche  Betheiligung  des  Organischen  am  Aufbau 
der  Schichtgesteine  unserer  Erdrinde ! 

Um  diese  Mengen  gehörig  zu  würdigen,  sei  hier  noch  das  Profil  er- 
wähnt, aus  welchem  sich  die  Häufigkeit  des  Vorkommens  der  Mergel  und 
ihrer  Mächtigkeit  entnehmen  lässt.  Das  Profil  umfasst  nur  den  kleinen 
Theil  der  Eocänschichten ,  welche  die  Eisenerzflötze  am  Kressenberg  ent- 
halten, während  das  ganze  System  nach  dem  Hangenden  bis  zum  Flysch 
und  bis  zum  Liegenden,  dem  Belemnitellenmergel,  noch  eine  weitere  grosse 
Ausdehnung  besitzt.  Wir  geben  das  Profil  vom  Hangenden  zum  Liegenden : 

Hangendes:  Flysch. 

Zwischenschichten  zwischen  Flysch  und  dem  zuerst  auf- 
geschlossenen Stockletten  nach  Schätzung  mindestens 
mächtig,  meist  aus  mergeligen  Schichten  bestehend    .    500  Meter. 

Stockletten  (Mergel  mit  Foraminiferen)  im  Achthaler  Tief- 
stollen   .......    400  „ 

Nummulitenkalk  (Granitmarmor)   5  „ 


301 


Stockletten   8  Meter. 

Nummulitenkalk  (Granitmarmor)   3  „ 

Stockletten   290  „ 

Grauer,  glauconitischer  Sandstein   10  „ 

Rechlicher,  Nummuliten-reicher  Sandstein  im  Hangenden  4  „ 

Erstes  dunkelfarbiges  Erzflötz  (sog.  Ulrichflötz)    ....  3  „ 

Grauer,  mergeliger  Liegendsandstein  mit  Nebenflötz  .    .  2,5  „ 

Gelber  Sandstein   13,5  „ 

Stockletten   17  ,, 

Graugrüner,  glauconitischer  Sandstein   26  „ 

(Es  folgt  dann  eine  Reihe  von  Schichten,  welche  durch 
viele  dem  Streichen  der  Schichten  fast  nahe  parallel 
verlaufende  Verwerfungen  mehrfach  dieselben  Gesteins- 
lagen wieder  bringen  bis  zum  sog.  Christophflötz,  wahr- 
scheinlich die  Fortsetzung  des  Ulrichflötzes.) 
Vom  Christophflötz  in's  Liegende  folgt: 

Graugrüner  Sandstein  in  verschiedenen  Varietäten    .    .  35  „ 

Stockletten   15  „ 

Rother  Sandstein  mit  einem  rothen  Erzflötz   27  „ 

Graugrüner  Sandstein  mit  rein  schwarzem  Erzflötz    .    .  8,5  „ 

Stockletten   50  „ 

Graugrüner  Sandstein  mit  einem  schwarzen  Erzflötz, 
Achenthaler  Seits  Sigmund-,  Kressenberger  Seits  Max- 

flötz  genannt   22  „ 

Stockletten   4  „ 

Röthlicher  Sandstein  mit  dem  rothen  Josephflötz  ...  18  „ 

Sandig  mergelige  Schichten   42  „ 

Stockletten  mit  einzelnen  Zwischenlagen   240  „ 

Dann  kommt  wieder  eine  Region  mit  einem  Erzflötz  von 
schwarzer  Farbe  (Emanuel)  und  einem  von  rother  Farbe 
(Ferdinand),  wahrscheinlich  eine  Wiederholung  der 

Max-  und  Josephflötze,  zusammen   50  „ 

Röthlicher  Sandstein   33  „ 

Grauer,  mergeliger  Sandstein                            .    .*  .  25  „ 

Stockletten   300  „ 

Gelblicher,  lockerer  Sand  mit  Sandstein   150  „ 

Zwischenschichten  bis  zum  Belemnitellenmergel  unbekannt  200  „ 


Man  sieht  daraus,  welch'  grossartigen  Antheil  diese  Foraminiferen- 
und  Coccolithen-führende  Mergel  an  der  Zusammensetzung  der  alpinen 
Eocänstufe  nehmen.  Diese  Beobachtung  hat  auch  ihre  praktische  Seite. 
Das  Vorhandensein  von  Coccolithen  in  Mergelablagerungen  ist  als  sicherer 
Beweis  ihrer  Entstehung  im  Meere  anzusehen.  Dadurch  gewinnen  wir  ein 
Hilfsmittel  —  wenn  auch  vielleicht  nur  für  die  lockeren,  tertiären  Abla- 
gerungen —  um  bei  Zwischenschichten  mit  Meeresconchylien  in  Mitten 
von  Süsswasserschichten  beurtheilen  zu  können,  ob  die  Meeresthierreste 
bloss  eingeschwemmt  sind,  oder  ob  die  sie  beherbergenden  Ablagerungen 


/ 


302 

aus  einer  Überdeckung  durch  Meeresfluthen  entstanden  sind.  Zur  ersteren 
Art  gehört  das  Vorkommen  von  marinen  Arten  in  unserer  oberoligocänen 
Molasse,  während  die  obere  Meeresmolasse  eine  directe  Überdeckung  mit 
Meereswasser  voraussetzen  lässt. 

II.    Coecolithen  fehlen  in  dem  Tiefseeschlamm  unserer  Alpen- 

see'n. 

Bei  dieser  Gelegenheit  erwähne  ich  auch  die  Untersuchung  der  schlam- 
migen Ablagerungen  am  Grunde  unserer  Gebirgsseen,  zu  welcher  der 
strenge  Winter  1871/72  passend  benützt  werden  konnte,  weil  damals  die 
Seen  mit  einer  dicken  Eisrinde  überzogen  waren,  welche  die  Operationen 
der  Schlammgewinnung  wesentlich  erleichterte.  Durch  die  gefällige  Be- 
sorgung des  damaligen  Salinen-Inspectors  Laubmann  in  Berchtesgaden  er- 
hielt ich  in  noch  ganz  nassem  Zustande  Proben  aus  der  vermuthlich  gröss- 
ten  Tiefe  des  Königsee's  und  zwar  I)  vom  sog.  Mitterling  aus  1882/10 
Meter  Tiefe,  II)  aus  der  Nähe  des  sog.  Echo's  aus  185  /,0  M.  Tiefe,  und 
III)  von  einer  Stelle  zwischen  dem  Kessel  und  Bartholomae  aus  181  n/100 
M.  Tiefe.  Die  sämmtlichen  Proben  verhielten  sich  fast  ganz  gleich,  sie 
stellten  einen  fast  plastischen,  stark  kalkhaltigen,  mit  vielen  organischen 
Theilchen  untermengten  Schlamm  dar,  der  ausgetrocknet  ähnlich  dem 
Strassenkoth  zusammenhält  und  eine  lichtgraue  Farbe  annimmt.  Bei  wei- 
tem das  meiste  Organische  gehört  Holzsplitterchen  und  Pflanzentheilen  an, 
die  in  einen  torfartigen  Zustand  übergegangen  sind,  das  Holz  ist  lignit- 
artig braun.  Man  bemerkt  ausser  Holzsplitterchen  Theile  von  Moosen 
(Dicranum,  Hypnum),  von  Charen  und  den  Wasserpflanzen,  welche  an 
seichteren  Stellen  im  See  oder  an  dessen  Ufern  wachsen.  Vergebens  habe 
ich  nach  Coecolithen  gesucht ;  ich  fand  und  zwar  nicht  sehr  häufig  —  nur 
Diatomeen  oft  noch  mit  grünlichen  Körnchen,  namentlich  Gaillionellen, 
sehr  selten  Naviculen,  Coscinodiscen,  Eunotien.  Dazu  kommen  Fragmente 
von  Wasserthieren.  Die  Hauptmasse  des  Unorganischen  besteht  aus  Kalk, 
Dolomit-  und  Thontheilchen.  Wenn  man  erstere  durch  verdünnte  Säuren 
wegnimmt,  letztere  abschlämmt,  so  bleiben  aber  auch  noch  zahlreiche  Körn- 
chen und  Schüppchen  zurück,  welche  theils  aus  Quarzsand  und  Eisenthon, 
wie  sie  in  den  rings  anstehenden  sandigen  Gebilden  und  den  rothen  Mar- 
morkalken vorkommen,  bestehen,  theils  aber  auch  als  Hornblende,  Chlorit 
und  Glimmer  sich  zu  erkennen  geben.  Letztere  stammen  zweifelsohne 
aus  den  Centralalpen,  von  wo  sie  durch  die  häufig  herrschenden  Südwinde 
in  Form  von  Staub  in  die  Kalkalpen  verweht  werden,  wie  denn  die  Pflan- 
zenerde auf  den  Platten  unserer  Kalkalpen  durchweg  dieselben  Urgebirgs- 
bestandtheile  in  Staubform  enthalten. 

III.   Untersuchungsart  der  dichten  Kalksteine. 

Über  die  Entstehungsart  vieler  Sedimentgebilde  herrscht  noch  ein  gros- 
ses Dunkel.  Bezüglich  der  kalkartigen  Gesteine  geben  Dünnschliffe  und 
das  Mikroskop  in  nicht  wenigen  Fällen  unerwartet  günstige  Aufschlüsse. 


303 


In  zahlreichen,  scheinbar  versteinerungsleeren  Kalken  konnte  ich  mittelst 
Dünnschliffen  die  Anwesenheit  zahlreicher  Foraminiferen  und  Ostracoden 
feststellen,  namentlich  wenn  ich  die  Schliffe  nicht  zu  dünn  durch  directes 
Schleifen  herstellte,  und  durch  Nachätzen  mittelst  verdünnter  Säure  nach- 
zuhelfen versuchte.  Ich  muss  hier  noch  eines  Hilfsmittels  gedenken,  das 
ich  in  neuerer  Zeit  oft  mit  grossem  Vortheil  in  Anwendung  gebracht  habe, 
nämlich  die  Verwandlung  des  Kalksteins  durch  sehr  langsames  und  ganz 
allmählich  gesteigertes  Glühen  zwischen  Kohlen  in  Ätzkalk,  wodurch  selbst 
die  dichtesten  Varietäten  kreideweich  werden  und  sich  nun  sehr  leicht  be- 
arbeiten lassen,  nachdem  man  den  Ätzkalk  wieder  durch  längeres  Liegen 
in  einer  Atmosphäre  von  Kohlensäure  in  kohlensauren  Kalk  übergeführt 
hat.  Das  gelingt  leicht,  wenn  man  die  gebrannten  Stücke  unter  eine  Glas- 
glocke mit  Ölabschluss  bringt  und  durch  ein  Chlorcalciumrohr  entwässerte 
Kohlensäure  einleitet,  bis  der  Kalk  keine  Kohlensäure  mehr  aufnimmt, 
d.  h.  bis  das  Niveau  des  Öls  sich  gleich  hält.  Die  einzige  Gefahr  ist  das 
Zerspringen  und  Zerklüften  grosser  Stücke,  und  hiergegen  hilft  nur  lang- 
sam gesteigertes  Erwärmen.  Es  gelingt  auf  diese  Weise,  selbst  Schloss- 
theile  von  Muscheln  herauszupräpariren,  eine  im  dichten  Kalk  höchst  müh- 
same Arbeit!  Freilich  ist  es  hierbei  schwierig,  die  organischen  Einschlüsse 
von  dem  umhüllenden  Nebengestein  zu  unterscheiden,  da  das  Ganze  gleich- 
mässig  weiss  geworden  ist.  Oft  hilft  ein  Antränken  mit  einer  schwach 
gefärbten,  sehr  verdünnten  Auflösung  von  Canadabalsam  in  Äther,  um  die 
Grenzen  zwischen  den  organischen  Einschlüssen  und  der  Gesteinsmasse 
wieder  deutlicher  zu  machen.  Ich  hoffe,  dass  bald  bei  keinem  paläonto- 
logischen Museum  mehr  eine  chemisch-mechanische  Werkstätte  fehlen  wird, 
um  darin  Durchschnitte,  Dünnschliffe,  Ausätzungen,  Schlämmungen,  Calci- 
nirungen  etc.  herzustellen  und  vorzunehmen! 

IV.    Arten  der  Oolithbildung. 

In  Folge  häufiger  Dünnschliffuntersuchungen  habe  ich  zwei  sehr  dif- 
ferente  Arten  von  Oolithbildungen  kennen  gelernt. 

Die  eine  ist  die  bekannte,  welche  dadurch  vor  sich  geht,  dass  sich 
um  ein  Körnchen  eine  Mineralausscheidung  (Krystalltheilchen  oder  amor- 
phes Klümpchen)  oder  um  ein  Fragment  eines  organischen  Körpers  scha- 
lenförmig Rinde  um  Rinde  anlegt,  wie  im  Erbsenstein  von  Karlsbad.  Diese 
Bildung  ist  eine  exogene  von  Innen  nach  Aussen.  Ich  nenne  die  dadurch 
entstandenen  Oolithe  daher  Extoolith. 

Im  Gegensatz  damit  steht  eine  zweite  Bildungsart,  die  namentlich 
häufig  bei  Eisenoolith,  wohl  auch  bei  Kalkoolithen  vorkommt.  Sie  besteht 
aus  einer  blasenartigen  Hülle,  welche  entweder  hohle  Oolithkörnchen  lie- 
fert, oder  durch  Substanzinfiltration  nach  Innen  ganz  oder  theilweise  meist 
mit  krystallinischer  Masse  sich  ausfüllt.  Für  diese  Oolithe  will  ich  die 
Bezeichnung  Entoolithe  vorschlagen.  Sie  zeichnen  sich  meist  schon 
äusserlich  durch  eine  mehr  Walzen-,  Bohnen-  oder  Tonnen-förmige  Gestalt 
aus,  während  die  Extoolithe  vorherrschend  kugelrund  gestaltet  sind.  Es 


304 


ist  dabei  nicht  ausgeschlossen,  dass  die  Blasenoolithe  nicht  auch  einer  wei- 
teren Überrindung  zur  Grundlage  dienen  könnten;  es  finden  sich  dann 
beide  Bildungsweisen  vereinigt  und  man  erkennt  diess  daran,  dass  solche 
Oolithkörnchen  nach  Aussen  aus  concentrischen  Schalen  bestehen,  im  In- 
nern hohl  oder  durch  krystallinisch  ausgebildete  Substanz  erfüllt  sind  (Di- 
morphoolithe).  Die  zweite  Art  der  Oolithbildung  hat  ihr  Analogon  in  einer 
gewissen  Art  von  Niederschlägen,  die  man  zuweilen  bei  chemischen  Ana- 
lysen erhält,  wobei  die  Ausscheidung  des  Niederschlags  in  Mohnform  bis 
Erbsen-grossen  Bläschen  erfolgt.  Man  hat  das  Erzeugen  solcher  Aus- 
scheidungen nicht  in  der  Hand,  und  ich  habe  die  Bedingungen,  unter  wel- 
chen sie  erfolgen  müssen,  noch  nicht  feststellen  können.  Soviel  scheint 
mir  sicher,  dass  solche  Oolithbildung  im  Grossen  erfolgt  ist  durch  Erguss 
unterirdischer,  vielleicht  sehr  reicher  Mineralwässer  in's  Meer. 

C.  W.  Gümbel 


Piene  Literatur. 


Ie  Redakt  oren  melden  den  Empfang  an  sie  eingesendeter  Schriften  durch  ein  deren  Titel 

beigesetztes  *. 

A.  Bücher. 

1872. 

J.  Bryce  :  the  geology  of  Arran  and  the  other  Glyde  Islands ;  with  an 
account  on  the  botany ,  natural  history  and  antiquity.  Glasgow  und 
London.  8°. 

W.  Dames:  die  Echiniden  der  nordwestdeutschen  Jurabildungen.  (Zeit- 
schrift d.  D.  g.  G.  p.  93—137,  615—648.) 

Daubree:  des  terrains  stratifies,  consideres  au  point  de  vue  de  Vorigine 
des  substances  qui  les  constituent  et  du  tribut  que  leur  ont  apporte 
les  parties  internes  du  globe.  (Bull,  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2. 
ser.,  t.  28,  p.  363.) 

0.  Feistmantel  :  über  Fruchtstadien  fossiler  Pflanzen  aus  der  böhmischen 
Steinkohlenformation.  I.  Equisetaceae  u.  Filices.  (Abh.  d.  k.  böhm. 
Ges.  d.  Wiss.  VI.  Folge.  5.  Bd.)   Prag.    4°.    51  S.,  6  Taf. 

C.  W.  C.  Fuchs:  L'Isola  d'Ischia.  Monografia  geologica.  (Carta  geo- 
logica  delV  Isola  d'Ischia  alla  scala  di  1  :  25,000.)  Estratto  dal  vol. 
II  delle  memorie  del  Regio  Comitato  geologico.    Firenze.   4°.  Pg.  58. 

Göppert:  zur  Geschichte  des  Elenthiers  in  Schlesien.  Schles.  Ges.  f. 
nat.  Cult.  in  Breslau,  18.  Dec.)  Sep.-Abdr. 

Anton  Halenke:  Beiträge  zur  Chemie  der  Dolomite.  Inaug.-Dissertation. 
Erlangen.    8°.    S.  38. 

Hebert:  Documents  relatifs  au  terrain  cretace  du  midi  de  la  France. 
2*  part.    (Bull,  de  la  Soc.  geol.  de  France,  t.  XXVIII,  p.  137.) 

A.  Hyatt  :  Fossil  Cephalopods  of  the  Museum  of  Comparatioe  Zoology 
Embryology.    Cambridge.  8n. 

Jaarboek  van  het  Mijnwezen  in  Nederlandsch  Oost-Indie.  Eerste  J aar- 
gang.   Tweede  deel.   Amsterdam.   8°.  232. 

Illustrated  Catologue  of  the  Museum,  of  Comparative  Zoology,  at  Har- 
vard College.  No.  VII.  Revision  of  the  Echini.  By  Alexander  Agas- 
siz.   P.  I— II.    Cambridge.  4°.  378  p.,  19  PI. 

Jahrbuch  1873.  20 


306 


Karten  und  Mittheilungen  des  Mittelrheinischen  Geologischen  Vereins. 

Section  Worms,  von  R.Ludwig.  Darmstadt.  Mit  Erläuterungen  in  8°. 
Em.  Kayser  in  Berlin:  Studien  aus  dem  Gebiete  des  Rheinischen  Devon. 

III.  Die  Fauna  des  Rotheisensteins  von  Brilon  in  Westfalen.  (Zeitschr. 

d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1872,  p.  653.    Tf.  25  27.) 
0.  C.  Marsh:  On  a  New  Sub-elass  of  Fossil  Birds  (Odontornithes). 

(Amer.  Journ.  of  Sc.  a.  Arts,  Vol.  V.) 
Schlüter:  über  einen  fossilen  Stomatopoden  vom  Libanon.  (Niederrh. 

Ges.  f.  Nat.  u.  Heilk.  in  Bonn,  16.  Dec.  1872.)  Sep.-Abdr. 

A.  Stoppani:  Paläontologie  Lombarde.  Livr.  49—50.  IV.  Ser.  5—6. 
(Meneghini,  Lias  superieur,  p.  49 — 80.    PL  12 — 16.   App.  PI.  3.) 

1873. 

Joachim  Barrande:  Systeme  silurien  du  centre  de  la  Boheme. 

I.  Partie.    Becher  dies  paleontologiques.    Supplement  au  Vol.  I.  Tri- 

lobites,  Or  u  staces  divers  et  P  oissons.    8°.    647  p.  35  PI. 
Boricky  :  über  die  Anthracide  des  oberen  Silurgebietes  in  Böhmen.  (Sitzb. 

d.  k.  b.  Ges.  d.  Wiss.  in  Prag,  10.  Jan.) 
Edw.  D.  Cope  :  on  some  eocene  Mammäls ,  obtained  by  Hayden's  Geolog. 

Survey  of  1872.    (Americ.  Phil.  Soc.    8°.    6  p.) 

-  —  on  the  Short  footed  Ungulata  of  the  Eocene  of  Wyoming.  (Amer. 
Phil.  Soc.  21.  Febr.)    8°.    37  p.,  4  PI. 

-  —  on  the  neiv  P er  issodactyles  from  the  Bridger  Eocene.  {Amer. 
Phil.  Soc.  p.  1.) 

Cope:  über  Loxolophodon  oornutus,  einen  gehörnten  Proboscidier  von 
Wyoming  und  seine  Verwandten.  (Ac.  Nat.  Sc.  Philadelphia,  28.  Febr.) 
Sep.-Abdr. 

B.  v.  Cotta:  die  Laurionfrage.  Wien.  (Selbstverlag  des  Verf.)  8°.  32  S. 
H.  Credner:  die  geologische  Landesuntersuchung  des  Königreichs  Sach- 
sen.   Leipzig.    8°.    11  S. 

Herm.  Credner:  Vorschläge  zu  einer  neuen  Classification  der  Gesteine. 

Leipzig.    8°.    12  S. 
J.  W.  Dawson:  Impressions  and  Eootprints  of  Aquatic  Animdls  and 

imitative  Markings,  on  Carbouiferous  Bocks.  (Amer.  Journ.  Vol.  V.) 
0.  Feistmantel:  Analogie  der  drei  Steinkohlenharze :  Anthrakoxen,  Midd- 

letonit  und  Tasmanit  und  ihre  vermuthliche  Abstammung.    (Verh.  d. 

k.  k.  geol.  R.-A.  No.  5.) 

-  —  über  die  Permformation  zwischen  Budweis  u.  Frauenberg.  (Sitzb. 
d.  k.  b.  Ges.  d.  Wiss.    Prag.    S.  1—19.) 

H.  B.  Geinitz  :  das  Königliche  Mineralogische  Museum  zu  Dresden.  Dres- 
den.   8°.    95  S.  2  Taf. 

Rob.  Grassmann:  die  Erdgeschichte  oder  Geologie.    Stettin.  8°.  S.  273. 

Edw.  Hüll  :  the  coal-fields  of  Great  Britain,  their  history,  structure  and 
ressources  with  notices  of  the  coal-fields  of  other  parts  of  the  world. 
With  maps  and  illustralions.  Third  edition,  revised  and  enlarged. 
London.    8°.    Pg.  499. 


307 


|  Th.  R.  Jones  :  ReMquiae  Aquitanicae,  being  Contributions  to  the  Archae- 
ology  and  Palaeontology  of  Perigord.    P.  XL  Febr. 

*  Fr.  v.  Kobell  :  Tafeln  zur  Bestimmung  der  Mineralien  mittelst  einfacher 

chemischer  Versuche  auf  trocknem  und  nassem  Wege.  Zehnte  ver- 
mehrte Auflage.    München.    8°.    S.  108. 

*  A.  Kornhuber  :  über  einen  neuen  fossilen  Saurier  aus  Lesina.    (Abh.  d. 

k.  k.  geol.  R.-A.  V.  4.)    Wien.    4°.    p.  75—90.    Tf.  20,  21. 

*  Gustav  C.  Laube  :  aus  der  Vergangenheit  Joachimsthals.  Prag.  8Ü.  39  S. 
G.  Leonhard:  Katechismus  der  Mineralogie.  2.  Aufl.  Leipzig.  8°.  119  S. 

mit  150  Abbild. 

*  Ph.  Platz:  das  Steinsalzlager  von  Wyhlen.    Mit  3.  Tf.    Carlsruhe.  8°. 

S.  47. 

—   —    Geologie  des  Rheinthaies.    Mit  2  Tf.    Carlsruhe.    8°.    S.  61. 

*  Fr.  Sandberger  :  über  Steinsalz  und  seine  staatswirthschaftliche  Bedeu- 

tung.   (Vortrag  geh.  am  19.  Dec.  1872  zu  Würzburg.)    8°.    12  S. 

*  F.  Sandberger  :  über  Unio  sinuatus  Lam.  und  seine  archäologische  Rolle. 

(Malakozool.  Blätter,  XX,  p.  95.) 

*  Mag.  Fr.  Schmidt  :  über  die  Petrefacten  der  Kreideformation  von  der  In- 

sel Sachalin.  (Mem.  de  VAc.  imp.  des  sc.  de  St.  Petersbourg,  T.  XIX. 
N.  3.)   St.  Petersbourg.    4°.    37  S.    8  Taf. 

*  G.  Poulett  Scrope  :  die  Bildung  der  vulkanischen  Kegel  und  Krater. 

(Aus  dem  Quart.  Journ.  of  the  Geol.  Soc.  vom  Januar  1859,  unter 
Übermachung  des  Verfassers  übersetzt  von  C.  L.  Griesbach.  Berlin. 
8°.    62  S. 

*  A.  Streng  und  K.  Zöppritz  :  über  den  basaltischen  Vulkan  Aspenkippel 

bei  Climbach,  unweit  Giessen.  (0.  H.  Ges.  f.  Nat.  u.  Heilk.  Bd.  14. 
30  S.  1  Taf.) 

J.  Tyndall:  das  Wasser  in  seinen  Formen  als  Wolken  und  Flüsse,  Eis 
und  Gletscher.  Mit  26  Abbildungen  in  Holzschnitt.  1.  Bd.  der  inter- 
nationalen wissenschaftlichen  Bibliothek.    Leipzig.    8°.    S.  228. 

*  A.  Weisbach  :  neue  Uranerze  von  Neustädtel  bei  Schneeberg.  Sep.-Abdr. 

8°.    3  S. 

*  M.  Willkomm  :  der  botanische  Garten  der  Kais.  Universität  Dorpat.  Dor- 

pat.    8°.    179  S. 

*  Clem.  Winkler  :  über  die  chemische  Constitution  einiger  neuer  Uran- 

mineralien.   (Journ.  f.  prakt.  Chemie,  Bd.  7,  S.  1.) 

*  Victor  R.  v.  Zepharovich  :  Mineralogisches  Lexikon  für  das  Kaiserthum 

Österreich.    2.  Bd.  (1858—1872.)    Wien.    8°.    436  S. 


B.  Zeitschriften. 

1)    Sitzungs-Berichte  der  k.  Bayerischen  Academie  der  Wis- 
senschaften.   München.  8°. 
1872,  2.  Heft.  S.  107—259. 

F.  Sandberger  :  Bemerkungen  über  Einschlüsse  in  vulkanischen  Gesteinen : 
172—177. 

20* 


308 


F.  Sandberger:  vorläufige  Bemerkungen  über  den  Buchonit,  eine  Felsart 

aus  der  Gruppe  der  Nephelingesteine :  203—209. 
Gümbel:  Gletscher-Erscheinungen  aus  der  Eiszeit:  223—256. 


2)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Keichsanstalt.  Wien. 
8°.    [Jb.  1873,  177.] 

1873,  No.  2.    (Sitzg.  am  21.  Jan.)   S.  25—44. 
Eingesendete  Mittheilungen. 
Ach.  de  Zigno:  Reste  von  Sirenoiden  gefunden  in  Venetien:  25—26. 
F.  v.  Vukotinovic:  Rüde  bei  Samabor  in  Croatien:  26  -30. 

F.  Posepny:  Bemerkungen  über  Stassfurt:  30 — 31. 

D.  Stur:  H.  Rittler's  Skizzen  über  das  Rothliegende  in  der  Umgegend 

von  Rossitz:  31—36. 

Vorträge. 

R.  v.  Dräsche:  über  die  Eruptivgesteine  Steyermarks:  36. 

A.  Patera:  Untersuchung  zweier  feuerfester  Thone  aus  dem  Moräutscher 

Thale  in  Krain:  36—37. 
A.  Redtenbacher  :  die  Cephalopoden  der  Gosau-Formation :  37 — 38. 

E.  Tietze  :  über  das  Graphit- Vorkommen  bei  Kunstadt  in  Mähren :  38—40. 
Einsendungen  u.  s.  w. :  40—44. 

1873,  No.  3.   (Sitzung  am  4.  Febr.).    S.  45—60. 
Eingesendete  Mittheilungen. 

E.  Tietze:  das  Braunstein- Vorkommen  von  Gewitsch  in  Mähren:  45 — 46. 
A.  Jentzsch  :  Auffindung  von  Pfahlbauten  in  der  Elster  bei  Leipzig :  46-47. 

Vorträge. 

H.  Wolf:  das  Gyps-Vorkommen  von  Grubach  bei  Golling  im  Kronlande 
Salzburg:  47—49. 

Paul:  Petroleum- Vorkommen  in  Nordungarn:  49—51. 

Notizen  u.  s.  w. :  51 — 60. 

1873,  No.  4.    (Sitzung,  am  18.  Febr.)    S.  61—78. 

Petz  Anton:  die  Maritzathal-Bahn :  geologische  Profile  aus  der  europäi- 
schen Türkei:  61—62. 

Vorträge. 

G.  Tschermak:  die  Zone  der  älteren  Schiefer  am  Semmering:  62 — 63. 

F.  Foetterle:  das  Kupfer-  und  Eisenerz-Vorkommen  bei  Fernere  in  der 

Prov.  Piacenza:  63 — 68. 
Ottokar  Feistmantel  :  über  die  innige  Beziehung  der  Steinkohle-  zur  Perm- 
formation in  Böhmen:  68 — 69. 
Notizen  u.  s.  w.:  69—78. 

1873,  No.  5.    (Sitzung  am  4.  März.)    S.  79—102. 
Eingesendete  Mittheilungen. 
0.  Feistmantel:  Analogie  der  drei  Steinkohlenharze:  Anthrakoxen,  Midd- 
letonit  und  Tasmanit  und  ihre  vermuthliche  Abstammung:  79—84. 
Vorträge. 

R.  v.  Dräsche:  über  eine  pseudomorphe  Bildung  nach  Feldspath:  84. 


309 


F.  Posepny:  die  sog.  Röhrenerze  von  Raibl:  84—87. 

C.  v.  Hauer:  über  das  Vorkommen  verschiedener  Kohlenarten  in  einem 

und  demselben  Kohlenflötze :  87 — 89. 
0.  Lenz:  Geologische  Mittheilungen  aus  dem  Baranyer  Comitat:  89—90. 
Notizen  u.  s.  w.:  90—102. 


3)    J.  C.  Poggendorff:  Annalen  der  Physik  und  Chemie.  Leipzig 

8°.    [Jb.  1873,  177.] 

1873,  No.  2,  CXLVIII,  S.  177-336. 
R.  Helland:  über  die  Zusammensetzung  des  Olivins  und  Serpentins  von 

Snarum:  329—333. 


4)    H.  Kolbe:    Journal  für  practische  Chemie.     Leipzig.  8°. 

[Jb.  1873,  177.] 

1873,  VII,  No.  1,  S.  1—48. 
Cl.  Winkler:  über  die  chemische  Constitution  einiger  Uran-Mineralien: 

1—14. 

Fr.  v.  Kobell:  über  den  neuen  Montebrasit  von  DesCloizeaux  (Hebronit); 
45-48. 


5)    Sitzungs-Berichte  der  naturwissenschaftlichen  Gesell 

schaft  Isis  in  Dresden.    [Jb.  1873,  70.] 
1872,  No.  10—12,  S.  137—190. 
Les  sepultures  ovoides  oder  die  Vonnes  von  Beaugency  (Loiret):  137. 
Mehwald:  über  den  archäologischen  Congress  in  Brüssel:  139. 
A.  Baltzer  aus  Zürich:  Geologie  des  Glärnisch:  143. 
Engelhardt:  über  die  Tertiärflora  von  Göhren  in  Sachsen:  144. 
Geinitz:  über  die  Inoceramen  des  Quaders  und  Pläners  im  Sächsischen 

Elbthalgebirge:  145. 
C.  Wilhelmi:  über  Versandungen  in  Australien:  146. 
Zöllner:  über  die  Natur  der  Kometen  (Referat):  149. 
Klemm:  über  Venezuela:  161. 
H.  Ackermann:  über  Tiefseeforschungen:  168. 


6)   Verhandlungen  des  natur forschenden  Vereines  in  Brünn. 

X.  Band,  1871.   Brünn,  1872.    8°.    239  S.  7  Taf.    [Jb.  1872,  748.] 
A.  Makowsky:  über  den  Salzberg  bei  Aussee  im  Salzkammergute:  32, 


7)  Correspondenzblatt  des  zoologisch-mineralogischen  Ver- 
eines zu  Regensburg.  26.  Jahrgang.  Regensburg,  1872.  8°. 
194  S.    [Jahrb.  1872,  420.] 

A.  F.  Besnard:  die  Mineralogie  in  ihren  neuesten  Entdeckungen  und  Fort- 
schritten in  den  Jahren  1870  und  1871:  18—49. 


310 


S.  Clessin:  über   den  Einfluss  kalkarmen  Bodens  auf  die  Gehäuse- 
schnecken: 50. 
—    —    die  Planorben  Südbayerns:  58. 
L.  v.  Ammon:  die  Räuberhöhle  am  Schelmengraben:  121. 
Ein  Beitrag  zur  Regensburger  Juraformation:  138. 


8)  Bulletin  de  la  Societe  g eologique  de  France.  3.  ser.  Paris.  8°. 
[Jb.  1873,  178.] 

1873,  I,  No.  1,  p.  1  —  116. 
Nordenskjöld :  Expedition  zum  Nordpol:  6—7. 
A.  David:  über  den  Tsche-Kiang:  7—8. 

Tombeck:  Bericht  über  die  geologische  und  paläontologische  Beschreibung 
des  oberen  Jura  im  Dep.  Haute-Marne:  8—24. 

G.  Fabre  :  neue  Methode  um  die  Wirkungen  zwei  einander  folgender  He- 
bungen zu  vereinigen:  24—27. 

de  Rosemont:  über  den  Vulkan  am  Cap  Ail:  27—31. 

Th.  Ebray:  über  einen  von  Hebert  erwähnten  Irrthum  von  Magnan  in  des- 
sen Arbeit  über  das  Albien  der  französischen  Pyrenäen;  und  über  die 
jurassische  Insel  Mas-de-l'Air  bei  Villefort:  31 — 37. 

Mengy:  über  die  n.-ö.  Umgebung  des  Tertiärbeckens  von  Paris:  40 — 60. 

Buvignier:  Bemerkungen  hiezu :  60 — 61. 

Hebert:  über  das  Alter  der  tithonischen  Stufe  und  der  Zone  des  Ammo- 

nites  potyplocus :  61 — 66. 
Bayan,  Tombeck  und  Buvignier:  Bemerkungen  hiezu:  66 — 79. 
G.  Cotteau:  über  die  jurassischen  Seeigel  der  Schweiz:  79—87. 
Ch.  Grad:  Gletscher-Spuren  in  Algier:  87—88. 

—  —  Beschreibung  der  glacialen  Formationen  in  den  Vogesen,  im  El- 
sass  und  Lothringen:  88—116. 


9)  Gomptes  rendus  hebdomadair es  des  seances  de  VAcademie 
des  seien ces.    Paris.    4°.    [Jb.  1873,  179.] 

1873,  6.  Janv.-24.  Fevr.;  No.  1-8;  LXXVI,  p.  1-508. 
Sanson:  über  Equus  der  quaternären  Periode:  55—57. 
Rouville:  über  den  oberen  Jura  im  Dep.  Herault:  59 — 60. 
Stan.  Meunier:  Untersuchungen  über  Entstehung  der  Meteoriten :  107-111. 
P.  Fischer:  über  die  Jura-Formation  auf  Madagascar:  111 — 114. 
Pisani:  Analyse  des  Lanarkit  von  Leadhills:  114—116. 

—  —    Analyse  des  Jeffersonit  von  Franklin  in  New- Jersey:  237 — 238. 

—  —   Analyse  des  Arit  vom  Berge  Ar  (Basses-Pyrenees) :  239—240. 

G.  de  Saporta:  über  die  unter  der  Asche  des  erloschenen  Vulkan  von 
Cantal  vorkommenden  fossilen  Pflanzen  und  Folgerungen  aus  dieser 
Entdeckung  auf  die  Flora  im  mittleren  Frankreich  während  der  plio- 
cänen  Periode:  290-294. 


311 


L.  Smith:  über  einen  Meteoriten-Fall,  den  man  im  J.  1862  im  s.  Afrika 
beobachtete,  nebst  Bemerkungen  über  Enstatit  von  Daubree  :  292-297. 

Des  Cloizeaux  :  Notiz  über  die  Bestimmung  der  Dimensionen  der  Grund- 
form des  Ambtygonit:  319—322. 

Locari:  Vorkommen  menschlicher  Gebeine  in  den  Knochen-Breccien  von 
Corsica:  379—381. 

Qüatrefages:  Alter  der  Anthropoliten  auf  Quadeloupe:  381—383. 

Riviere:  vorhistorische  Station  am  Cap  Roux:  449—453. 


10)   E.  Dubrueil  et  E.  Heckel:  Bevue  des  sciences  natur elles. 

Montpellier  et  Paris.    8°.    [Jb.  1873,  179.] 

1872,  tome  I.    No.  2—3.    Pg.  117—444. 
Bafdon:  Beschreibung  einer  Oliva  (0.  antiqaa  Bavd.)  aus  dem  unteren 

Sand  des  Pariser  Beckens  (pl.  IX) :  290—292. 
Gtjinard  und  Bleicher:  neues  Diatomaceen-Lager  im  Quartär-Gebiet  von 

Rom:  315—319. 

Bleicher  :  geologische  Studien  um  Montpellier ;  Übergang  des  Jura  in  die 
Kreide  (pl.  X):  319-325. 


11)  Bulletin  de  la  Societe  Imp.  des  Natur  allstes  de  Moscou. 

Mose.    8°.    [Jb.  1873,  72.] 

1872,  3;  XL  VI,  p.  1—241. 
H.  Trautschold  :  die  geologische  Karte  des  Gouvernements  Kiew :  125-129. 
R.  Hermann  :  Untersuchungen  über  die  Verbindungen  des  Tantals :  153-187. 
M.  Anglade:  Notiz  über  die  Phosphat-Knollen  im  Dep.  Tarn-et-Garonne : 

235—241. 


12)  Archiv  es  du  Museum  d'Histoire  naturelle  de  Lyon.  T.  I, 
livr.  1.  Etudes  sur  la  Station  prehistorique  de  Solutre,  Saone-et-Loire. 
Lyon,  1872.    4°.    35  p.,  7  PI. 


13)  The  Quarterly  Journal  of  the  Geological  Society.  London. 

8°.    [Jb.  1873,  73.] 

1873,  XXIX,  Febr.,  No.  113,  p.  1-96. 
Gregory:  Entdeckung  von  Zinnerz  in  Queensland:  1 — 5. 
Ulrich:  Zinnerz-Vorkommnisse  in  Neu-England  und  Neu-Südwales :  5-11. 
Sollas  und  Jukes  Browne:  über  die  im  oberen  Grünsand  von  Cambridge 

eingeschlossenen  Gesteins-Fragmente:  11 — 16. 
Alleyne  Nicholson:  Geologie  der  Thunder-Bay  und  der  Shabendowan  Erz- 

districte  am  Lake  Superior:  16—24. 
Dawson  :  Beziehungen  der  angeblichen  Kohlenpflanzen  der  Bären-Insel  zur 

paläozoischen  Flora  Nordamerika's :  24 — 25. 
Wood  ward:  eoeäne  Kruster  von  Portsmouth  (pl.  I— II):  25—31. 


312 


Woodward:  neuer  Trilobit  vom  Cap  der  guten  Hoffnung:  31-33. 
Hintle:  ausgedehnter  Erdschlipf  bei  Glenorchy,  Tasmanien:  33—39. 
Hicks  :  die  Tremadoc-Gesteine  von  St.  Davids,  S. -Wales  und  ihre  fossilen 

Reste  (pl.  III— V):  39-52. 
Fisher:  Phosphat-Knollen  in  der  Kreide  von  Cambridge  (pl.  VI):  52—63. 
Sollas  :  Ventrieulites  im  oberen  Grünsand  von  Cambridge:  63—70. 
Meter:  Notiz  über  das  Profil  von  Punfield:  70—76. 
Sollas:  Coprolithen  des  oberen  Grünsand:  76—81. 
Geschenke  an  die  Bibliothek:  81—96. 


14)    The  London,  Edinburgh  a.  Dublin  Philosophical  Ma- 
gazine and  Journal  of  Science.    London.  8°.    [Jb.  1873,  180.] 
1873,  Jan.,  No.  297,  p.  1—80. 
Febr.,  No.  298,  p.  81—160. 
Geologische  Gesellschaft.    Sollas:  über  den  oberen  Grünsand  von 
Cambridge;  G.  Henderson:  über  die  auf  der  Yarkand-Expedition  be- 
obachteten Schlammvulkane;  Boyd  Dawkins:  die  Cerviden  der  Forest- 
Schichten  von  Norfolk  und  Suffolk ;  Boyd  Dawkins  :  auf  die  Säugethiere 
gestützte  Classification  Britanniens  und  des  Continents:  148 — 152. 


15)  H.  Woodward,  J.Morris  a.  A.  Etheridge  :  The  Geological  Maga- 
zine.  London.    8°.    [Jb.  1873,  180.] 
1873,  Jan.,  No.  103,  p.  1—48. 
Wood  ward:  über  fossile  Insecten:  1—2. 

Butler:  Fliegen-Reste  aus  dem  Schiefer  von  Stonesfield  (Tf.  1):  2—4. 
Woodward:  alte  Steingeräthe  aus  Grossbritannien  (Tf.  II  u.  III):  4—11. 
Tiddeman:  ältere  Ablagerungen  in  der  Victoria-Höhle,  Settie,  Yorkshire: 
11—16. 

Molyneux:  Vorkommen  von  Kupfer-  und  Bleierzen  in  den  bunten  Conglo- 
meraten:  16—19. 

King:  mikroskopischer  Charakter  der  Gesteine  von  Ceylon:  19—25. 
St.  Mitchell:  biographische  Notizen  über  John  Farey:  25 — 27. 
Notizen  u.  s.  w.:  27—48. 


16)  B.  Silliman  a.  J.  D.  Dana:  the  American  Journal  of  science 
and  arts.    8°.   [Jb.  1873,  180.] 

1873,  January,  Vol.  V,  No.  25,  p.  1-80. 

A.  E.  Verrill:  kurze  Beiträge  zur  Zoologie.  No.  XXIII.  Resultate  der 
neuen  Schleppnetzfischungen  an  der  Küste  von  Neu-England:  1. 

J.  W.  Dawson:  Eindrücke  und  Fährtenabdrücke  in  carbonischen  Gestei- 
nen: 16—24,  mit  Abbildungen. 

J.  D.  Dana:  über  den  Quarzit,  Kalkstein  und  damit  zusammen  vorkom- 
mende Gesteine  in  der  Nähe  von  Great  Barrington,  Mass.  Fortsetzung  : 
47,  mit  Karte. 


313 


C.  A.  White:  über  die  östliche  Grenze  der  Kreideformation  in  Jowa:  66. 
J.  Müir:  über  Gletscher  in  Californien:  69. 

1873,  February,  Vol.  V,  No.  26,  p.  81—762. 
J.  D.  Dana:  über  Quarzit,  Kalkstein  u.  a.  Gesteine  in  der  Umgegend  von 

Great  Barrington,  Berkshire  Co.,  Mass.:  84.  (Fortsetzung.) 
A.  E.  Verrill:  Resultate  der  neuen  Schleppnetz-Expeditionen  an  der  Küste 

von  Neu-England:  98. 
J.  Lawrence  Smith  :  Beschreibung  des  Meteoreisens  von  Victoria,  gefallen 

1862  in  Süd-Afrika:  107. 
0.  C.  Marsh  :  über  die  gigantischen  fossilen  Säugethiere  aus  der  Ordnung 

der  Binoceraten:  117.    PI.  1,  2. 
T.  F.  Gregory:  über  Zinn-Entdeckungen  in  Queensland:  137. 
Cox:  über  einen  neuen  in  Indiana  gefundenen  Meteoriten:  155. 
0.  C.  Marsh:  über  eine  neue  Unterklasse  fossiler  Vögel,  OdontornitheH:  161. 

1873,  March,  Vol.  V,  No.  27,  p.  163—242. 
J.  D.  Dana:  über  Glacial-  und  Champlain-Zeiten  in  Neu-England:  198,  217. 
S.  W.  Ford:  über  einige  neue  Arten  Fossilien  aus  der  Primordialzone 
oder  Potsdam-Gruppe  von  Rensselaer  county:  211. 


Auszüge. 


A.    Mineralogie,  Kristallographie,  Mineralchemie. 

A.  Weisbach:  neue  Uranerze  von  Neustädtel  bei  Schneeberg. 
(Freiberger  Jahrbuch.)  Im  Sommer  des  Jahres  1871  ward  auf  der  Kobalt- 
grube „Weisser  Hirsch"  zu  Neustädtel  und  zwar  auf  dem  Walpurgis  Fla- 
chen ein  Erzanbruch  gemacht,  der  in  der  Hauptsache  aus  Uranpecherz 
und  gediegen  Wismuth  bestand.  Mit  oder  vielmehr  auf  diesen  Erzen  er- 
schienen aber  noch  einige  andere  Mineralkörper,  die  Weisbach  von  Berg- 
verwalter R.  Tröger  zur  Besichtigung  vorgelegt  und  später  zur  Unter- 
suchung übergeben  wurden.  Letztere  führte  zu  der  Überzeugung,  dass 
man  es  mit  bisher  gänzlich  unbekannten  Specien  zu  thun  habe,  für  welche 
Weisbach  die  Namen  Trögerit,  Walpurgin,  Zeunerit,  Uranospi- 
nit  und  Uranosphärit  wählte.  —  Die  chemische  Untersuchung  der 
Körper  übernahm  Dr.  Cl.  Winkler,  nach  dessen  Analysen  sich  für  die 
ersten  drei  der  soeben  aufgeführten  Specien  folgende  empirische  Formeln 
ergaben: 

Trögerit  Ü'*AsH13 

Walpurgin  Bif3As2H10 

Zeunerit  CuU2IsHx 
welche  Formeln  erfordern: 

Trögerit      Walpurgin  Zeunerit 
Uranoxyd  .    .    65,9  22,6  55,9 

Wismuthoxyd     —  60,7  — 

Kupferoxyd        —  —  7,7 

Arsensäure    .    17,6  12,0  22,4 

Wasser     .    .    16,5  4,7  14,0 

Es  stellten  sich  also  alle  drei  Specien  als  Arseniate  und  zwar  als 
Hydroarseniate  heraus,  theils  von  Uran  allein  (Trögerit),  theils  noch 
von  Wismuth  (Walpurgin)  oder  von  Kupfer  (Zeunerit).  Bisher  waren 
von  den  einfachen  Uransalzen  in  der  Natur  nur  Carbonate  und  Sul- 
fate nachgewiesen;  vom  Zeunerit  kannte  man  die  analoge  Phosphor- 


315 


Verbindung  (CuÜ2PH8)  schon  längst  unter  dem  Namen  Kupfer uranglimmer. 
Ohne  Zweifel  sind  alle  drei  Körper  Zersetzungsproducte,  zu  denen  Uran- 
pecherz, gediegen  Wismuth  und  Speisskobalt  das  Material  lieferten,  wäh- 
rend andererseits  Sauerstoff  und  Wasser  aus  den  Tagewässern  hinzutraten. 
Vom  Uranospinit  und  Uranosphärit  sind  die  quantitativen  Analy- 
sen noch  nicht  beendigt;  doch  ist  soviel  gewiss,  dass  ersterer  wesentlich 
aus  Kalkerde,  Uranoxyd,  Arsensäure  und  Wasser  besteht,  letzterer  aus 
Wasser,  Uranoxyd  und  Wismuthoxyd.  Anlangend  die  mineralogische  Cha- 
rakteristik, so  bestehen  die  am  meisten  hervorstechenden  Merkmale  in 
Folgendem : 

Trögerit:  citrongelbe  Krystalle  des  monoklinen  Systemes,  durch 
Herrschen  des  Klinopinakoids  schuppenförmig,  am  meisten  an  Heulandit- 
krystalle  erinnernd  und  wie  diese  auf  den  klinopinakoidischen  Flächen 
perlmutterglänzend. 

Walpurgin:  von  Farbe  meist  pomeranzgelb,  honiggelb  und  wachs- 
gelb, doch  auch  strohgelb.  Die  Krystalle  sind  spanförmig  und  besitzen 
den  Habitus  der  gewöhnlichen  Gypskrystallisation.  Die  grösstausgedehn- 
ten  Flächen  werden  zwar  wie  beim  Trögerit  ebenfalls  vom  Klinopina- 
koid  gebildet,  doch  zeigen  sie  nicht  den  Glanz  der  Perlmutter,  vielmehr 
einen  demantartigen  Fettglanz.  Die  in's  Freie  ragenden  Krystallenden 
erscheinen  oft  sägeförmig  ausgezahnt. 

Zeunerit:  Smaragdgrüne,  bisweilen  auch  apfelgrüne  Krystalle  von 
pyramidalem,  sowie  von  tafelförmigem  und  schuppenförmigem  Charakter, 
gebildet  von  Prisma,  Basis  und  einer  sehr  spitzen  tetragonalen  Pyramide. 
Die  basischen  Flächen  glänzen  perlmutterartig  und  entsprechen  der  Rich- 
tung einer  vollkommenen  Spaltbarkeit.  Hiernach  ist  der  Zeunerit  mit 
dem  gewöhnlichen  Kupferuranglimmer  (Torbernit)  nicht  nur  chemisch 
analog  zusammengesetzt,  sondern  auch  mit  ihm  isomorph  und  isoklastisch. 
Beide  sehen  sich  täuschend  und  zum  Verwechseln  ähnlich. 

Uranospinit:  Zeisiggrüne,  schuppige  Krystalle  quadratischen  oder 
rectangulären  Querschnitts;  jedoch  nicht  dem  tetragonalen,  sondern  nach 
optischer  Untersuchung  dem  rhombischen  Systeme  zugehörig.  Die  Blätter- 
durchgänge laufen  mit  der  Ebene  der  Schuppen  parallel  und  besitzen  trotz 
der  Vollkommenheit  der  Spaltung  wenig  Neigung  zum  Perlmutterglanz. 
Muthmasslich  gehört  dieser  Uranospinit  ebenfalls  in  die  Familie  der 
sogenannten  Uranglimmer,  und  dürfte  die  dem  Kalkuranit  (Autunit)  ent- 
sprechende Arsenverbindung  sein. 

Uranosphärit:  Pomeranzgelbe,  auch  eigelbe  Warzen,  welche  ober- 
flächlich rauh  oder  feindrusig,  sowie  von  mattem  oder  schwach  sammet- 
artigem  Glänze  sind.  Unter  dem  Mikroskop  löst  sich  die  drusige  Ober- 
fläche in  ein  Aggregat  spitzpyramidaler  Krystälichen  auf,  die  wie  die 
Stacheln  eines  Igels  aus  jenen  Warzen  hervorragen.  Im  Bruch  bemerkt 
man  Fettglanz ,  sowie  eine  im  Grossen  concentrisch  schalige  Structur ,  im 
Kleinen  eine  versteckt  radial-kurzfasrige.  —  Alle  fünf  Specien  erscheinen 
pulverisirt  in  etwas  lichteren  Farben,  der  Härte  nach  stehen  sie  zwischen. 


316 


Gyps  und  Kalkspath.  Die  Eigengewichte  endlich  sind  im  Mittel  vieler 
Bestimmungen  bei  9°  Cels.  folgende: 

Trögerit   3,23 

Walpurgin    ....  5,64 

Zeunerit   3,53 

Uranospinit  ....  3,45 

Uranosphärit    .    .    .  6,36. 

Es  ist  also  unter  ihnen  Trögerit  die  leichteste,  Uranosphärit  die 
schwerste  Specie. 

Rücksichtlich  der  Succession  erscheinen  Walpurgin  und  Trögerit 
im  Allgemeinen  als  die  ältesten  Gebilde,  dann  folgt  Uranosphärit,  hier- 
auf Zeunerit  und  zuletzt  Uranospinit;  auch  hat  Weisbach  eine  regel- 
mässige Verwachsung  zwischen  Trögerit  und  Zeunerit  beobachtet,  so 
zwar,  dass  Basis  des  letzteren  mit  Klinopinakoid  des  ersteren  parallele 
Richtung  hat,  sowie  eine  Queraxe  des  Zeunerit  mit  einer  Axe  (Haupt- 
a xe)  des  Trögerit  gleichlaufend  ist.  Auch  mit  Uranospinit  tritt  Z e u- 
nerit  in  regelmässigem  Verbände  auf,  in  der  Art,  wie  dies  schon  früher 
von  Breithaupt  zwischen  den  beiden  längst  bekannten  Uranglimmern  (T  o  r- 
bernit  und  Autunit)  beobachtet  worden.  Ausser  Quarz,  Brauneisen- 
erz, Urangumraierz ,  Hypochlorit,  Kobaltblüthe  und  schwarzem  Erdkobalt 
ist  von  Begleitern  noch  ein  in  schönen  eigelben,  haarförmigen  Krystallen 
auftretendes  Uranerz  zu  erwähnen,  welches  nach  Dr.  Winkler's  Analyse 
ein  Hydrosilicat  des  Uranoxyds  von  der  Formel  Ü  Si  H-  darstellt ;  die- 
selbe erfordert 

74,8  Uranoxyd, 
15,7  Kieselsäure 
9,5  Wasser. 

Dieser  Zusammensetzung  nach  schliesst  sich  das  fragliche  Uranerz 
dem  von  Websky  1853  als  Specie  aufgestellten  Uranophan  von  Kupfer- 
berg in  Schlesien  oder  dem  Uranotil  von  Wölsendorf  in  Bayern  (Boricky 
1870)  an,  doch  unterscheidet  es  sich  von  ihnen  theils  durch  einen  um  etwa 
6  Procent  niedrigeren  Wassergehalt,  theils  durch  Mangel  an  Kalkerde, 
von  welcher  jene  beiden  gegen  5  Procent  enthalten.  In  physikalischer 
Hinsicht  aber  stehen  sich  die  drei  Körper  ausserordentlich  nahe,  weshalb 
Weisbach  bis  auf  Weiteres  von  Einführung  eines  besonderen  Namens  für 
das  Schneeberger  Uransilicat  absehen  zu  müssen  glaubt.  Das  Eigengewicht 
des  Körpers  ist  annähernd  4,4,  und  dem  relativen  Alter  nach  steht  er 
zwischen  Uranosphärit  und  Zeunerit.  —  Zwei  Wochen  nach  Nieder- 
schrift des  Vorstehenden  erhielt  Weisbach  von  Dr.  Winkler  einen  Brief, 
in  welchem  er  ihm  mittheilte,  dass  Uranosphärit  und  Uranospinit 
nach  den  Formeln 

TP  Bi  H3  und 
CaU^AsH* 

zusammengesetzt  seien. 


317 


Hiernach  enthalten: 

Uranosphärit  Uranospinit 

Uranoxyd     .    .  52,7  57,2 

Wismuthoxyd    .  42,4  — 

Kalkerde  ...  —  5,6 

Arsensäure  .    .  —  22,9 

Wasser    ...  4,9  14,3. 


In  der  That  ist  also  der  Uranospinit  das  dem  gewöhnlichen  Kalk- 
uranit  (Autunit)  correspondirende  Arseniat. 


Fr.  v.  Kobell:  über  den  neueren  Montebrasit  von  DesCloi- 
zeaux  (Hebronit).  (Sitzungsber.  d.  k.  bayer.  Akad.  d.  Wissensch.  Sitzg. 
v.  4.  Jan.  1873.)  DesCloizeaux  hat  neuerdings  den  Namen  Montebrasit 
auf  die  wasserhaltige  Art  des  Amblygonit  übertragen  *,  so  dass  nun  zwi- 
schen einem  älteren  und  jüngeren  Montebrasit  zu  unterscheiden.  Fr.  v. 
Kobell  schlägt  daher  vor,  den  Namen  Montebrasit  überhaupt  fallen  zu 
lassen  und  das  wasserhaltige  Fluorphosphat  von  Montebras  and  Hebron 
als  Hebronit  zu  bezeichnen.  Kobell  hatte  Gelegenheit,  einen  Hebronit 
von  Auburn  in  Maine  näher  zu  untersuchen.  Diese  Varietät  färbt  die 
Löthrohrflamme  stark  rothgelb,  so  dass  der  wenn  auch  geringe  Gehalt  an 
Natrium  das  Roth  des  Lithiums  verändert.  Der  Hebronit  von  Auburn  und 
ebenso  der  von  Paris  in  Maine  phosphoresciren  erwärmt  ziemlich  stark 
mit  graulichem  Licht.  Das  spec.  Gewicht  des  Hebronit  von  Auburn  ist 
—  3,00.   Die  Analyse  ergab: 


Phosphorsäure 

.  49,00- 

Thonerde    .    .  . 

.  37,00 

Lithium  .    .    .  . 

.  3,44 

Natrium  .... 

.  0,79 

Fluor   

.  5,50 

Wasser  .    .    .  . 

.  4,50 

100,23. 

Eine  Vergleichung  mit  der  Mischung  des  Amblygonit  zeigt,  dass  die 
Differenzen  wesentlich  die  Fluoride  und  den  Wassergehalt  betreffen.  Die 
Formel  des  Hebronit  wäre  demnach:  3(A1.03  .  P.,05)  4-  Li5Fl2  -j-  2H20. 
Da  die  Analysen  des  Hebronit  von  Hebron,  von  Montebras  und  von  Au- 
burn den  Wassergehalt  übereinstimmend  geben,  kann  solcher  nicht  als  ein 
zufälliger  angesehen  werden.  Die  Verschiedenheit  des  Spaltungs-Winkels 
zwischen  Hebronit  und  Amblygonit  beträgt  zwar  nach  DesCloizeaux  nur 
44',  hingegen  ist  nach  diesem  ausgezeichneten  Forscher  das  optische  Ver- 
halten beider  Mineralien  ein  durchaus  verschiedenes.  Beim  Amblygonit 
ist  die  Dispersion  der  optischen  Axen  für  die  rothen  Strahlen  grösser  wie 
für  die  violetten ;  beim  Hebronit  verhält  es  sich  umgekehrt.  Fr.  v.  Kobell 
glaubt  den  Hebronit  nicht  als  einen  in  Zersetzung  begriffenen  Amblygonit, 


*  Vergl.  Jahrb.  1873,  82. 


318 


sondern  als  eine  selbständige  Species  betrachten  zu  müssen.  Der  Hebro- 
nit  von  Hebron  und  von  Auburn  wird  von  röthlicliem  Lithionglimmer  be- 
gleitet. 


Fr.  Nies:  über  ein  Kobalt-haltiges  Bittersalz.  (Hilger  und 
Nies:  Mittheilungen  aus  dem  agriculturchemischen  Laboratorium  zu  Würz- 
burg.) Die  Mineralien-Sammlung  der  Universität  Würzburg  bewahrt  aus 
älterer  Zeit  eine  Reihe  von  mit  dem  Namen  „Zinkvitriol"  bezeichneten 
Substanzen,  die  eine  so  auffallende  Ähnlichkeit  mit  Bittersalz  zeigen,  dass 
sie  zu  einer  näheren  Untersuchung  auffordern.  Es  sind  Aggregate  schnee- 
weisser,  seideglänzender  Nadeln  sowie  stalactitische  Partien,  angeblich  von 
Schemnitz  und  Herrengrund.  —  Das  Mittel  aus  mehreren  Analysen  ist: 


Schwefelsäure  .  . 

.  32, 

56 

Magnesia    .    .  . 

.  15 

57 

Kobaltoxydul  .  . 

.  0 

44 

Manganoxydul 

.  0 

42 

Kupferoxyd     .  . 

.  o 

48 

Wasser  (bei  150°) 

.  42 

83 

Rest  des  Wassers 

■  7, 

70 

100 

Dass  der  aus  der  Differenz  bestimmte  Rest  noch  Wasser  sei,  unter- 
liegt wohl  keinem  Zweifel,  da  reines  Bittersalz  bei  150°  C.  ebenfalls  nur 
6  Äquivalente  seines  Wassergehaltes  (43,90%)  verliert,  während  das  letzte 
Äquivalent  (7,32%)  erst  bei  viel  höherer  Temperatur  (210°)  entweicht.  Es 
berechnet  sich  demnach  die  Zusammensetzung  des  Salzes  aus: 

Schwefelsaurer  Magnesia    .    .    .  46,71 

Schwefelsaurem  Kobaltoxydul  .    .  0,90 

Schwefelsaurem  Manganoxydul    .  0,89 

Schwefelsaurem  Kupferoxyd    .    ,  0,96 

Wasser   50,54 

iöä 

Das  von  Nies  untersuchte  Mineral  von  Herrengrund  stellte  Stalactiten 
dar  bis  zu  6  Cm.  Länge,  im  Innern  blassrosenroth  und  durchscheinend, 
äusserlich  mit  einem  mehligen,  weissen  oder  apfelgrünen  Beschlag.  Die 
sehr  deutliche  Spaltungs-Richtung  setzt  durch  den  ganzen  Stalactiten  un- 
unterbrochen hindurch,  der  also  aus  einem  einzigen  Individuum  besteht. 
Eigenthümlich  ist  aber,  dass  die  Längsaxe  der  Stalactiten  in  dem  basi- 
schen Hauptschnitt  liegt  und  mit  der  Brachydiagonale  (nach  welcher  die 
Spaltbarkeit  anzunehmen)  einen  Winkel  von  etwa  30°  bildet.  Es  müssen 
die  Individuen,  welche  die  Stalactiten  bilden,  in  besonderer  Weise  verzerrt 
sein.  —  Nies  discutirt  nun  sehr  eingehend  die  Analysen  der  wasserhalti- 
gen Sulfate  der  Magnesia,  des  Kobaltoxyduls ,  des  Nickeloxyduls,  Eisen- 
oxyduls (Tauriscit),  Kupferoxyds  (Pisanit),  Manganoxyduls  (Fauserit)  und 
des  Zinkoxydes.    Für  diese  Gruppe  der  Vitriole  lässt  sich  als  morpholo- 


319 


gischer  Charakter  rhombisches  Krystall-System ,  als  chemischer  gleicher 
Wasser-Gehalt  (7H?0)  bezeichnen.  Im  Hinblick  auf  das  Verhalten  in  er- 
höhter Temperatur  zerfällt  die  Gesammtmenge  des  Wassers  in  drei  Theile; 
in  ein  sehr  lose  gebundenes  Äquivalent,  in  fünf  Äquivalente,  die  bei  er- 
höhter Temperatur  entweichen  und  in  ein  letztes,  das  als  „Haihydrat- 
wasser" sehr  fest  haftet.  Verhältnisse,  welche  sich  etwa  durch  folgende 
Formel  ausdrücken  lassen: 
11 

J  +  5H,0  +  aq. 

Dieser  so  charakteristischen  Reihe  würde  eine  zweite  dimorphe  im 
monoklinen  System  parallel  laufen;  von  natürlich  vorkommenden  Species 
nur  den  Eisenvitriol  (Melanterit)  enthaltend,  von  künstlich  dargestellten 
den  Kobaltvitriol  und  die  entsprechenden  klinorhombischen  Modificationen 
des  Zink-  und  des  Magnesiavitriols,  vielleicht  auch  des  Nickelvitriols. 
Kupfervitriol  würde  dann  eine  besondere  —  sowohl  durch  Krystall-System, 
als  durch  chemische  Formel  (5H20)  —  charakterisirte  Gruppe  bilden. 


Weiss:  über  Vorkommen  von  Zeolithen  im  Ba  salt  des  Lim- 
perichkopfes bei  Asbach.  (Sitz.-Ber.  des  naturhist.  Ver.  d.  preuss. 
Rheinlande  und  Westphalens.  XXVIII  Jahrg.  S.  132-133.)  In  den  Bla- 
senräumen dieses  Basaltes  finden  sich  Phillipsit,  Natrolith,  Apophyllit, 
auch  Pektolith  als  Zersetzungs-Product  und  Kalkspath.  Der  Phillipsit 
ist  von  nicht  gewöhnlicher  Grösse,  fast  von  der  des  Harmotoms;  der  Apo- 
phyllit, überhaupt  in  den  rheinischen  Basalten  selten,  sehr  klar,  farblos 
oder  bräunlich,  von  dem  tafelartigen  Habitus  der  Fassathaler  Krystalle 
in  der  Combination :  OP  .  P  .ooPoo.  Die  Mineralien  kommen  öfter  zu- 
sammen im  nämlichen  Blasenraum  vor,  und  man  erkennt  dann  gut  ihre 
Altersfolge.  Von  den  drei  Zeolithen  ist  dann  Phillipsit  stets  das  älteste, 
dann  folgt  Natrolith  und  nachher  Apophyllit,  von  Natrolith  zuweilen  durch- 
spiesst.  Kleine  braune  Kalkspath-Krystalle  werden  von  Phillipsit  einge- 
schlossen. Spuren  der  secundären  Zeolith-Bildung  lassen  sich  deutlich 
verfolgen.  Es  zeigt  sich  nämlich  zunächst  um  den  Blasenraum  eine  Zone 
porösen,  zersetzten  Basaltes,  die  deutlich  von  dem  anderen,  frischeren 
Basalt  absticht.  Diese  Zersetzungs-Zone  ist  gut  mit  der  secundären  Mi- 
neral-Bildung in  Zusammenhang  zu  bringen,  die  Zeolithe  sind  offenbar  aus 
einem  Theile  der  Basaltmasse  hervorgegangen.  Apophyllit,  der  am  leich- 
testen lösliche  Zeolith,  hat  sich  zuletzt  krystallinisch  ausgeschieden. 


L.  de  Köninck:  über  einige  belgische  Mineralien.  (Sitz.-Ber. 
des  naturhist.  Vereins  der  preuss.  Rheinlande  und  Westphalens,  XXIX, 
S.  42—43.)  1)  Bornit  oder  Buntkupfererz  kommt  in  der  Nähe  von 
Vieilm-Salm  auf  Quarz-Gängen  vor.  Die  Analyse  ergab,  dass  derselbe  der 
Formel  Cu-FeS4  entspricht.  —  2)  Granat  findet  sich  bei  Salmchateau  in 


320 


einem  Damourit-Glimmerschiefer.  Die  Granaten  sind  klein,  gewöhnlich 
undeutlich  im  Dodekaeder  krystallisirt  und  lassen  sich  leicht  aus  dem 
Gestein  herauslösen.  Sie  gehören  der  als  Spessartin  bezeichneten  Ab- 
änderung an  und  enthalten  über  37°  0  Manganoxydul.  (In  krystallogra- 
phischer  Beziehung  ist  dies  in  sofern  beachtenswerth ,  als  die  sog.  Spes- 
sartine entweder  202  oder  202  .  ooO  zeigen. 


P.  v.  Hamm:  Analyse  des  Pennin  vom  Ry mpfis chwäng  bei 
Z  er  matt.  (G.  Tschermak,  Mineral.  Mittheil.  1872,  4.  Heft,  S.  260.)  Die 
im  Laboratorium  von  E.  Ludwig  ausgeführte  Analyse  ergab: 

Kieselsäure  ....  33,71 

Thonerde    ....  12,55 

Eisenoxyd  ....  2,74 

Eisenoxydul    .    .    .  3,40 

Magnesia    .    .    .    .  34,70 

Kalkerde    ....  0,66 

Wasser*    ....  12,27 
100,03: 

Von  Interesse  ist  besonders  der  Nachweis  beider  Oxyde  des  Eisens. 


G.  vom  Rath:  Tridymit  im  neapolitanischen  Vulkan-Ge- 
biete. (Poggendorff  Ann.  CXLVII,  S.  280,  Anm.  2.)  Trotz  vieler  Nach- 
forschungen wollte  es  G.  vom  Rath  nicht  gelingen,  den  Tridymit  im  Nea- 
politanischen aufzufinden.  Endlich  gelang  es  demselben,  das  Mineral  in 
den  Auswürflingen  der  vesuvischen  Eruption  von  1822  nachzuweisen.  Die 
Blöcke  bilden  ein  Gemenge  von  sehr  feinkörniger  Textur,  das  sich  unter 
der  Lupe  in  Sanidin,  Granat  und  Augit  auflöst.  Zahlreiche  Drusen  sind 
bekleidet  mit  Krystallen  von  Sanidin  und  Granat.  Auf  den  Sanidin-Kry- 
stallen  sitzen  zu  kugeligen  Partien  zusammengehäuft  sehr  kleine  hexago- 
nale  Täfelchen,  die  durch  ihr  Verhalten  vor  dem  Löthrohr  als  Tridymit 
erkannt  wurden.  Diese  Gruppen  hexagonaler  Täfelchen  zogen  schon  vor 
zwanzig  Jahren  Scacchi's  Aufmerksamkeit  auf  sich.  In  seinen  Bemer- 
kungen über  die  durch  Sublimation  entstandenen  Silicate  der  Somma  und 
des  Vesuvs  (vergl.  J.  Roth,  der  Vesuv,  S.  383)  heisst  es  bei  Beschreibung 
des  Sanidin:  in  demselben  Gesteine  sieht  man  noch  weisse  Kügelchen  von 
höchstens  1  Mm.  Durchmesser,  die  wahrscheinlich  aus  sehr  kleinen  Feld- 
spath-Krystallen  zusammengesetzt  sind,  da  man  bei  einigen  die  gewöhn- 
liche sechsseitige  Tafel  des  Feldspath  erkennt.  Das  abweichende  Aus- 
sehen dieser  Kügelchen,  die  immer  auf  anderen  Krystallen  aufsitzen,  rührt 
wohl  von  einer  etwas  verschiedenen  Bildungs-Weise  her;  sie  sind  das 
Product  der  letzten  Sublimationen. 


Fr.  Nies:  über  .iphrosiderit.  (Sep.-Abdr.  aus  Hilger  und  Nies, 
Mittheil.  a.  d.  agriculturchem.  Laboratorium  in  Würzburg.)  Fr.  Sandberger 


321 


stellte  bekanntlich  1847  die  Species  Aphrosiderit  auf.  In  seiner  Analyse 
des  von  der  jetzt  auflässigen  Grube  „Gelegenheit"  bei  Dillenburg  stam- 
menden Minerals  ist  der  Eisengehalt  nur  als  Oxydul  berechnet.  Nies 
führte  in  Hilger's  Laboratorium  eine  Analyse  des  Weilburger  Aphrosi- 
derits  aus,  deren  Gang  genau  angeführt.  Dieselbe  ergab  (1)  und  auf  100 
unter  Ausscheidung  des  kohlensauren  Kalkes  als  Verunreinigung  berech- 
net (2): 


1. 

2. 

Kieselsäure    .  . 

.    .  23,67 

24,63 

Thonerde  .    .  . 

24,26 

25,25 

Eisenoxyd      .  . 

.    .  8,17 

8,50 

Eisenoxydul  .  . 

.    .  29,41 

30,61 

Magnesia  .    .  . 

1,75 

1,82 

Kalkerde  .    .  . 

.  1,28 

Kohlensäure  .  . 

.    .  1,01 

.    .  8,83 

9,19 

98,38 

100. 

Die  beiden  Analysen  des  Aphrosiderit  vom  nämlichen  Fundort,  die 
ältere  von  Sandberger,  die  neuere  von  Nies,  differiren  so  sehr  von  einan- 
der, dass  aus  ihnen  keine  zuverlässige  Formel  für  das  Mineral  abgeleitet 
werden  kann.  —  Die  übrigen  als  „Aphrosiderit"  oder  als  „Aphrosiderit- 
ähnlich"  von  anderen  Autoren  bezeichneten  Mineralien  entziehen  sich  einer 
Discussion  wegen  der  unvollkommenen  Bestimmung  der  Oxydations-Stufen 
des  Eisens.  Diejenigen,  bei  denen  eine  getrennte  Bestimmung  des  Eisen- 
oxyduls und  Eisenoxyds  stattfand,  sind  vom  Aphrosiderit  specifisch  ver- 
schieden. Dagegen  ist  es  wahrscheinlich,  dass  derselbe  mit  Breithaept's 
Thuringit  identisch  ist.  —  Nach  einer  Mittheilung  Saxdberger's  kommt 
neuerdings  der  Aphrosiderit  ausgezeichnet  auf  der  Grube  Allerheiligen  am 
Kanoneck  bei  Weilburg  vor. 


B.  Geologie. 

G.  Uxtchj:  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Basalte  Steyer- 
marks.  (Mittheilungen  des  naturwissenschaftl.  Vereins  für  Steyermark. 
Jahrg.  1872.  S.  47—60.)  In  der  Nähe  des  Badeortes  Gleichenberg  erheben 
sich  aus  dem  Gebiete  der  tertiären  Ablagerungen  basaltische  Gesteine. 
Der  eine  dieser  Basalte  ist  bei  Weitendorf,  2%  Meilen  s.  von  Graz  durch 
Steinbrüche  aufgeschlossen,  zeigt  plattenförmige,  auch  kugelige  Absonde- 
rung, tief  schwärzlichgraue  Farbe  und  eine  gleichmässig  dichte  Textur. 
Nur  mit  der  Lupe  sind  Feldspath-  und  Olivin-Krystalle  zu  erkennen.  — 
Eine  andere  Basalt-Partie  erscheint  innerhalb  der  miocänen  Ablagerungen 
beim  Marktflecken  Klöch;  ein  dichter  Basalt  und  Basalttuff  treten  hier  in 
Wechsellagerung  auf,  während  über  ihnen  eine  Basalt-Breccie  auftritt,  be- 
stehend aus  Brocken  eines  porösen,  schwammigen  Gesteins,  cämentirt  durch 

Jahrbuch  1873.  21 


322 


eine  rothbraune,  wackeartige  Masse.  Untchj  hat  mehrere  Analysen  aus- 
geführt (deren  Gang  genau  angeführt),  nämlich  1)  vom  Basalt  von  Wei- 
tendorf; 2)  vom  dichten  Basalt  von  Klöch  und  3)  die  schwammig  poröse 
Masse  (Basaltlava)  von  Klöch  untersucht.  Die  Mittel  aus  seinen  Ana- 
lysen sind: 


1. 

2. 

3. 

Kieselsäure  . 

.  54,08 

42,76 

44,15 

Titansäure  .  . 

.  1,44 

1,83 

0,84 

Phosphorsäure 

Spur 

0,88 

0,83 

Thonerde    .  . 

.  16,39 

11,57 

15,41 

Eisenoxyd  .  . 

.  11,62 

16,94 

20,85 

Eisenoxydul  . 

.  4,18 

3,90 

Kalkerde    .  . 

.  4,91 

2,22 

4,54 

Magnesia  .  . 

Spur 

2,10 

8,56 

Kali  .... 

.  2,31 

3,25 

0,31 

Natron  .    .  . 

.  1,96 

10,62 

4,48 

Wasser  .    .  . 

.  3,61 

4,23 

100,50 

100,30 

100,17. 

In  der  Zusammensetzung  der  beiden  ersten  Gesteine  fällt  der  geringe 
Gehalt  an  Kalkerde  und  Magnesia  auf.  Aus  Dünnschliffen  des  ersten, 
Weitendorfer  Basaltes  ergibt  sich,  dass  rechteckige  Formen  von  Feldspath 
in  mannigfacher  Durchkreuzung  die  Hauptmasse  des  Gesteins  bilden ;  neben 
ihnen  treten  noch  Olivin-Krystalle  und  Körnchen  von  Magneteisen  auf; 
ferner  braune  Kryställchen  und  feine  Nadeln,  wohl  von  Augit.  Zwischen 
den  Feldspathen  ist  eine  amorphe,  farblose  Grundmasse  zu  erkennen.  Die 
Olivin-Krystalle  haben  eine  intensiv  bouteillengrüne  Farbe  und  zeichnen 
sich  durch  grosse  Reinheit  und  Frische  aus.  —  Peters  —  welcher  die 
mikroskopische  Untersuchung  ausführte  —  erklärt,  die  Analyse  berück- 
sichtigend, den  Basalt  von  Weitendorf  für  einen  Fei  dspath -Basalt,  und 
zwar  für  einen  solchen,  die  mit  glasiger  Grundmasse  versehen  sind  und 
als  Hauptbestandtheil  einen  der  kieselreicheren  Feldspathe  besitzen.  — 
Der  dichte  Basalt  von  Klöch  unterscheidet  sich  von  dem  Weitendorfer  nicht 
allein  in  chemischer  Beziehung,  sondern  auch  durch  seinen  Mineral-Be- 
stand, wie  die  mikroskopische  Untersuchung  lehrte.  Es  zeigt  sich  ein 
gleichkörniges  Gemenge  von  farbloser,  das  Licht  doppelt  brechender  Sub- 
stanz und  von  opaker,  in  welcher  viele,  tbeils  makroskopische  Krystalle 
liegen;  dieselben  lassen  unter  dem  Polarisations-Mikroskop  die  schönsten 
Farben  dänner  Plättchen  und  in  den  auf  die  Tafelfläche  senkrechten  Durch- 
schnitten deutliche  polysynthetische  Zusammensetzung  erkennen.  Weder 
Augit-  noch  Olivin-Krystalle  treten  aus  dem  körnigen  Gemenge  hervor, 
wohl  aber  Gruppen  feiner  Nadeln,  die  als  Apatit  zu  deuten  sein  dürften. 


Ernst  v.  Meyer:  über  die  in  den  Steinkohlen  eingeschlos- 
senen Gase.  Inaug.-Diss.  Leipzig.  8°.  1872.  S.  42.  Die  Gase  der 
meisten  Kohlen  zeigen  sich  analog  den  bereits  sorgfältig  untersuchten 


323 


Grubengasen  zusammengesetzt.  Während  aber  bei  diesen  der  Stickstoff- 
Gehalt  mehr  zurücktritt,  erreicht  er  in  vielen  der  von  v.  Meyer  unter- 
suchten Gasen  eine  beträchtliche  Höhe,  ohne  dass  der  Sauerstoff- 
Gehalt  zunähme.  Mit  Recht  glaubt  der  Verf.,  dass  ein  Theil  des  in  den 
Kohlen  enthaltenen  Stickstoffes  noch  aus  der  Bildungs-Periode  der  Kohlen, 
während  der  übrige  aus  der  Luft  stammt,  die  später  hinzugetreten.  Es 
ist  der  Stickstoff-Gehalt  in  den  meisten  der  von  v.  Meyer  untersuchten 
Gase  auch  noch  desswegen  von  Interesse,  weil  er  die  Eigenschaft  der  Stein- 
kohlen zu  erkennen  gibt:  Sauerstoff  an  sich  zu  fesseln  und  zur 
Oxydation  zu  verwenden.  —  Im  Allgemeinen  enthielten  die  frischen 
Kohlen  mehr  Gas,  als  die  verwitterten;  bei  den  Zwickauer  Kohlen  tritt 
diese  Differenz  besonders  hervor.  Bei  den  westphälischen  war  eine  Ab- 
nahme des  Gehaltes  an  Grubengas  unverkennbar,  während  gleichzeitig  die 
Kohlensäure  zugenommen  hat,  wenn  auch  nicht  entsprechend  dem  ver- 
schwundenen Grubengas.  Durch  die  geognostische  Lagerung,  d.  h.  durch 
die  Alters- Verhältnisse  der  Kohlen  bedingte  Differenzen  sind  in  den  ein- 
geschlossenen Gasen  nicht  gefunden  worden,  und  die  Vermuthung,  dass 
Kohlen  der  jüngsten  Flötze  die  meisten  Gase  enthalten  könnten,  wurde 
durch  die  Untersuchung  nicht  bestätigt.  Hingegen  ist  es  auffallend,  dass 
in  der  Zusammensetzung  der  Gase,  welche  Kohlen  des  nämlichen  Flötzes 
angehören,  zuweilen  Verschiedenheiten  obwalten. 


J.  Mattthner:  Analyse  desEklogit  von  Eibiswald  in  Steyer- 
mark.  (G.  Tschermak,  Mineral.  Mittheil.  1872,  4.  Heft,  S.  261.)  Das 
untersuchte  Gestein  besteht  aus  einem  körnigen  Gemenge  von  Granat, 
Omphacit,  Hornblende  und  wenig  Quarz.  Der  Granat  enthält  Einschlüsse 
verschiedener  Art,  welche  um  das  Centrum  der  Krystalle  gehäuft.  Die  in 
dem  Laboratorium  von  E.  Ludwig  ausgeführte  Analyse  (die  erste  von 
einem  Eklogit)  ergab: 

Kieselsäure     .    .    .  50,13 

Thonerde    ....  14,37 

Eisenoxyd  ....  13,02 

Magnesia    ....  6,46 

Kalkerde     ....  12,85 

Natron   2,35 

Kali   0,14 

99,32. 


Franz  Schröckenstein:  vom  Czipka-Balkan.  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol. 
Reichsanst.  XXII,  p.  234.  Taf.  11.)  —  Auf  einem  Situationsplane  werden 
die  kohlenführenden  Schichten  südlich  von  Radiewce  in  Bulgarien  aufge- 
zeichnet und  zwei  Profile  weisen  ihre  Lagerimgsverhältnisse  zwischen  Ka- 
manarna,  Selce  und  Ksanlyk,  sowie  zwischen  Gabrowa-Czipkabalkan  und 

21* 


324 


Ksanlyk  nach.  Die  Kohlen- Vorkommen  wurden  als  der  Steinkohlenforma- 
tion angehörend  erkannt,  und  sie  lagern  auf  krystallinischem  Schiefer- 
gebirge, das  von  syenitartigen  und  Porphyrgängen  durchsetzt  wird.  Die 
unteren  Glieder  der  Steinkohlenformation  sind  als  Quarzit  und  Kalkschiefer 
ausgebildet,  die  oberen  als  kohlenführende  Sandsteine  und  Schiefer  mit 
bauwürdigen  Kohlenlagern.  Darüber  folgen  ein  lichter  Dolomit,  stellen- 
weise auftretend  und  wieder  sich  auskeilend,  und  rother  und  gelber  Sand- 
stein, der  letztere  zum  Theil  mit  Kohlenflötzen ,  welche  von  Dolomit  und 
Kalkstein  bedeckt  werden.  Der  Verfasser  erkennt  in  diesem  Schichten- 
complexe  über  der  Steinkohlenformation  Glieder  der  Dyas,  die  theils 
dem  Rothliegenden,  theils  dem  Zechsteine  entsprechen  mögen,  und  es  wird 
hohes  Interesse  gewähren,  das  Auftreten  der  Dyas  in  dem  Balkan  bald 
auch  durch  deutlichere  organische  Überreste  sichergestellt  zu  sehen. 


Dr.  Ad.  Gurlt:  Übersicht  über  das  Tertiärbecken  des  Nie- 
der-Rheines.  Bonn,  1872.  8°.  47  S.  1  Karte.  —  Eine  der  Deutschen 
Geologischen  Gesellschaft  gewidmete  lehrreiche  Abhandlung,  welche  be- 
zweckt, in  gedrängter  Kürze  eine  Übersicht  der  über  die  Tertiärablage- 
rungen des  Nieder-Rheines  bisher  gemachten  Beobachtungen  zusammenzu- 
stellen. 

Das  Tertiärgebirge  des  Niederrheins  erfüllt  ein  grosses  Becken,  das 
gegen  SW. ,  S.  und  0.  durch  das  ältere  Gebirge  begrenzt,  gegen  W.  und 
N.  hin  offen  ist  und  sich  aus  der  Gegend  von  Aachen  über  Eschweiler, 
Düren,  Zülpich,  Euskirchen,  Rheinbach  bis  Sinzig  jenseits  der  Aar,  dann 
um  das  Siebengebirge  herum  über  Siegburg,  Bensberg,  Gladbach  bis  jen- 
seits Düsseldorf  erstreckt.  Ausser  diesem  Hauptbecken  kommt  es  in  einem 
Nebenbecken  vor,  das  von  dem  ersteren  gänzlich  getrennt  ist,  in  der  Nähe 
von  Neuwied  und  des  Laacher  See's,  ein  paar  ganz  isolirte  kleine  Mulden 
aber  finden  sich  in  der  Gegend  von  Dhaun  in  der  Eifel. 

Die  der  Literatur  über  diesen  Gegenstand  folgende  Darstellung  be- 
schränkt sich  auf  die  Beschreibung  des  Vorkommens  in  dem  grossen 
Becken,  da  jenes  Nebenbecken  schon  ausführlich  durch  Herrn  v.  Dechen 
beschrieben  worden  ist. 

Fauna  und  Flora  des  niederrheinischen  Tertiärbeckens,  welche  be- 
kanntlich sehr  reich  und  mannichfaltig  sind,  wurden  vom  Verfasser  am 
Ende  der  Abhandlung  übersichtlich  zusammengestellt. 


C.  W.  Gümbel:  Glet  sc  her  er  schein  ungen  aus  der  Eiszeit. 
(Gletscherschliffe  und  Erdpfeiler  im  Etsch-  und  Innthale.)  Sitzb.  d.  k. 
Akad.  in  München,  1872,  6.  Juli,  p.  223  u.  f.)  —  Zu  den  örtlichen  und 
specielleren  Erscheinungen  der  Eiszeit  im  Gebiete  der  Etsch  und  des  Inn 
gehören  namentlich  auch  die  bei  Meran  hauptsächlich  mächtig  angehäuf- 
ten Glacialschuttmassen ,  die  aus  mehr  oder  weniger  abgerundeten  Ur- 
gebirgsfelsstückchen  bestehen,  welche  wirr  durcheinander  gelagert  sind. 


325 


Daran  knüpft  Gümbel  folgende  Bemerkung:  „Die  früher  in  ununterbro- 
chenem Zusammenhange  an  die  Gehänge  angelehnten  Schuttmassen  bei 
Schloss  Tirol,  wie  bei  Auer,  sind  später  durch  tiefe  Erosionsschluchten 
mit  fast  senkrechten  Wänden  durchschnitten  worden.  Die  durch  die  Ein- 
wirkung des  Regens  stets  der  Zerstörung  unterworfenen,  fortwährend  ab- 
bröckelnden Wände  gestatten  einen  klaren  Einblick  in  die  Beschaffenheit 
des  Glacialschuttes  und  zeigen  ausserdem  in  Folge  der  Einwirkung  des 
atmosphärischen  Wassers  und  kleinerer  Rinnsale  jene  eigentümlichen 
Formen,  welche  unter  der  Bezeichnung  Erdpfeiler  eine  so  grosse  Be- 
rühmtheit erlangt  haben.  In  der  That  ist  der  Anblick  solcher  oft  haus-, 
selbst  kirchthurmhoher ,  bald  schlankkegelförmiger,  bald  unregelmässig 
pyramidaler,  säulen-  oder  pfeilerartigen  Erdmassen,  welche  hier  vereinzelt, 
dort  wie  Orgelpfeifen  dicht  an  einander  gedrängt  und  an  die  hohe  Seiten- 
wand angelehnt  sich  erheben,  ein  ebenso  ungewöhnlicher,  wie  überraschen- 
der, obwohl  die  Erscheinung  an  sich  im  Kleinen  fast  in  jedem  sandigen 
Hohlweg  sich  wiederholt.  Den  Augen  des  Laien  kommen  diese  Erdpfei- 
1  e r  oder  wie  sie  in  der  Umgegend  von  Bötzen  genannt  werden,  die  Erd- 
pyramiden, als  wahre  Weltwunder  vor.  Die  grossen  Felsblöcke,  welche 
theils  hutförmig  auf  den  Spitzen  der  Pfeiler  aufgesetzt  erscheinen,  theils 
mitten  aus  denselben  weit  vorspringen,  verstärken  das  Abentheuerliche 
dieser  Erdformen  und  wiederholen  neben  dem  oft  grossartigen  Felsenmeer 
der  bereits  ausgewaschenen  und  herabgestürzten  Riesenblöcke  am  Fusse 
der  Pfeiler  das  Schauerliche  der  sogenannten  Teufelsmühlen.  Natürlich 
verändert  sich  dieses  groteske  Bild  so  zu  sagen  täglich,  indem  das  Regen- 
und  Rinnenwasser  unaufhörlich  seine  Angriffe  erneuert,  selbst  gewaltige 
Erdpfeiler  endlich  unterspült,  zu  Fall  bringt  und  dafür  neue  schafft.  In- 
dem nämlich  das  Regenwasser  über  die  ursprünglich  ungetheilten  Wände 
der  Schuttmassen  herabläuft,  schlämmt  es  mechanisch  die  feinen  Sand- 
theile  und  den  Gletscherschlamm  aus  und  bewirkt  dadurch,  dass  das  sei- 
nes Bindemittels  und  seiner  Stütze  beraubte  gröbere  Haufwerk  nach  und 
nach  herabstürzt. 

Anders  gestaltet  sich  diese  Wassereinwirkung,  wenn  sich  derselben 
ein  grösserer  Block  oder  auch  vielleicht  ein  Rasenstück,  selbst  eine  Baum- 
gruppe an  der  Oberfläche  hemmend  in  den  Weg  stellt.  Dann  üben  diese 
der  darunter  befindlichen  Schuttmasse  gegenüber  einen  Einfluss,  wie  ein 
Regenschirm  aus.  Sie  schützen  diese  vor  der  zerbröckelnden  Abnagung 
des  Wassers,  und  während  ringsum  oder  doch  auf  einer  Seite  die  Schutt- 
masse weggewaschen  wird  und  zerfällt,  bleiben  je  nach  dem  Umfang  und 
der  Gestalt  des  schützenden  Deckelsteins  oder  Rasenstückes  unter  dem- 
selben bald  kegel-,  bald  pyramidenförmige  Erdpfeiler,  einzeln  oder  grup- 
penweise je  nach  der  ursprünglichen  Vertheilung  der  grösseren  Blöcke 
erhalten.  Von  imposanter  Höhe  sieht  man  diese  Pfeiler  oft  200  Fuss  hoch 
etwas  oberhalb  der  zum  Schloss  Tirol  führenden  Brücke  und  unterhalb 
Schloss  Auer,  viel  grossartiger  als  die  vielgerühmten  Erdpyramiden  bei 
Lengmoos  unfern  Bötzen.   Am  grossartigsten,  aber  nur  einseitig  ausge- 


326 


bildet,  sind  die  Pfeiler  an  der  Steilwand,  auf  deren  Spitzen  gleichsam  die 
Burg  Tirol  aufgebaut  ist. 


Ferd.  v.  Richthofen:  über  den  chinesischen  Löss.  (Verh.  d. 
k.  k.  geol.  Reichsanst.  1872.  No.  8.)  —  Der  im  nördlichen  China  sehr  weit 
verbreitete  Löss  gleicht  genau  unserem  deutschen  Löss.  Er  ist  gelb,  zer- 
reibt sich  zu  sehr  feinem  Pulver,  von  dem  ein  Theil  Sand  ist,  ist  stark 
kalkhaltig,  sehr  porös,  von  feinen,  häufig  mit  Kalk  ausgekleideten  Röhr- 
chen durchzogen,  enthält  Mergelknauern  in  wechselnder  Menge,  führt  Ge- 
häuse von  Landschnecken,  auch  Knochen  von  grösseren  Thieren  und  ist 
durchaus  ungeschichtet;  d.  h.  keiner  seiner  Bestandteile  hat  eine  Nei- 
gung zu  horizontaler  Anordnung.  In  unmittelbarer  Nähe  des  Gebirges 
sind  Bänke  von  Löss  durch  Lagen  von  Gebirgsschutt  geschieden.  Der 
Löss  ist  sehr  fruchtbar  und  beherbergt  Millionen  von  Menschen,  die  in 
dicht  bevölkerten  Gegenden  in  Höhlen  im  Löss  leben. 

Über  die  Entstehung  des  Lösses  äussert  sich  v.  Richthofen  in  folgen- 
der Weise :  Er  ist  kein  Meeresabsatz,  keine  Süsswasserablagerung,  es  lässt 
sich  die  für  den  rheinischen  Löss  aufgestellte  Gletscherschlammtheorie  auf 
ihn  nicht  anwenden,  sondern  ein  subaerisches  Gebilde.  Die  Haupt- 
factoren für  seine  Bildung  waren :  Verwitterung  der  Gebirge,  Wind, 
Wasserüberspülungen  und  Vegetation. 

Ein  weiterer  Beitrag  zu  dieser  Theorie  wird  von  Dr.  Stur  in  No.  9, 
1872  derselben  Verhandlungen  S.  184  gegeben. 


Dr.  A.  Baltzer :  über  den  natürlichen  V erkohlungsprocess. 
(Vierteljahrsschr.  d.  Zürcher  naturf.  Ges.  1872.  23  S.)  —  Über  diese  Ab- 
handlung geht  uns  von  competenter  Seite  folgende  Bemerkung  zu:  Auf 
Grund  der  bei  Reactionen  auf  aromatische  Säuren  auftretenden  Umsetzungen 
wird  eine  Erklärung  für  den  Vermoderungsprocess  als  Grundlage  der  Braun- 
und  Steinkohlenbildung  versucht,  die,  unter  Einführung  chemischer  Strue- 
turformeln  darauf  hinauskommt,  dass  Sumpfgas,  Kohlensäure  und  Wasser 
hierbei  als  die  hervorragendsten  Zersetzungsproducte  neben  dem  Ver- 
moderungsrückstande  selbst  auftraten.  So  verdienstlich  derartige  Leistun- 
gen sind,  so  weit  entfernt  zur  Zeit  uns  die  Annahme  ihrer  Consequenzen 
von  der  Wahrheit,  wenn  zumal  Demjenigen,  welcher  derartige  Hypothesen 
versucht,  das  literarische  Quellenmaterial  über  den  bearbeiteten  Gegen- 
stand zum  Theile  fremd  geblieben  ist.  Aus  dem  von  dem  Verfasser  Mit- 
geteilten ergibt  sich,  dass  ihm  die  Existenz  des  Werkes  über  die  Stein- 
kohlen Deutschlands  und  anderer  Länder  Europa's  und  alle 
an  dasselbe  sich  reihenden  Arbeiten  der  letzten  6  Jahre  vollständig  un- 
bekannt sind,  sonst  würde  ihm  die  grosse  Mannichfaltigkeit  der  Stein- 
kohlen nicht  entgangen  sein  und  er  würde  erkannt  haben,  dass  sich  die 
graphische  Wiedergabe  der  chemischen  Zusammensetzung  der  fossilen 
Brennstoffe,  wie  solche  von  Fleck  sowohl  in  dem  oben  genannten  Werk, 


327 


und  zumal  in  seinen  späteren  Arbeiten  (Dingler's  polytechnisches  Journal, 
1866)  versucht  worden  ist,  so  lange  empfiehlt,  und  für  die  Beurtheilung 
der  verschiedenen  Kohlensorten  nach  ihrer  technischen  Verwerthbarkeit 
besonders  praktisch  herausstellt,  als  uns  nicht  durch  ganz  bestimmte  che- 
mische Vorgänge  der  volle  Werth  der  von  Baltzer  versuchten  Structur- 
formel  geboten  ist.  Nach  Hinwegnahme  dieses  von  dem  Verfasser  ge- 
machten aber  nicht  gelungenen  Versuches  bietet  allerdings  die  Arbeit  nichts 
Neues,  wohl  aber  steht  zu  erhoffen,  dass  es  Ersterem  gelingen  werde, 
durch  recht  vielseitiges  Studium  der  europäischen  Kohlensorten  und  durch 
Auffindung  charakteristischer  Umsetzungserscheinungen  derselben,  der  che- 
mischen Formel  im  Sinne  seiner  Arbeit  eine  Berechtigung  auf  dem  noch 
chemisch  wenig  erforschten  Gebiete  zu  verschaffen. 


Dr.  J.  A.  E.  Köhler:  die  Eruptivgesteine  des  sächsischen 
Voigtlandes  mit  Berücksichtigung  einiger  angrenzenden  Vorkommnisse. 
Reichenbach,  1873.  8°.  80  S.  —  Wir  haben  zu  wiederholten  Malen  Ge- 
legenheit gehabt,  zu  bemerken,  wie  der  Verfasser  als  Oberlehrer  an  der 
Realschule  zu  Reichenbach  bemüht  ist,  die  in  der  Nähe  seines  Wohnortes 
zur  Geltung  gelangten  naturwissenschaftlichen  Verhältnisse  und  Erschei- 
nungen nach  verschiedenen  Richtungen  hin  zu  ergründen  und  öffentlich 
Rechenschaft  darüber  zu  geben.  Kaum  kann  es  für  einen  Lehrer  ^er 
Naturwissenschaften  eine  bessere  Verwendung  seiner  freien  Zejtf.  gfififity 
Dieses  Schriftchen  behandelt  die  Eruptivgesteine  des  säclisjs,cjjien  yoigtj- 
landes  wiederum  in  einer  praktischen,  namentlich  für  ^^rz^w^^^^eei^- 
neten  Weise,  und  zwar:  die  granitisehen  Gest^^^l^^^^«^^ 
artigem  Granit,  Halbgranit  oder  Greisen,  T^^alinJ^^7Jp|)i:a^j[^9|er^r 
die  verschiedenen  Porphyre,  G r. Ana ^^(^^Sjkh^^k  M%$f 
und  ihren  versteinerungsführenden  Tjßffe^  Jg>  j£ b der  .^e]a- 
phyrgruppe  mit  Oligoklasporphvr,  un4  ^jfäoyfrjfo  ^yffie$%$&\fä 

schen  Gesteine.  j(  { ^gilüwisv  nammuS  nedoihsbiohs  * u*2° sih 

Allgemeinen  Jem^^  J^g^ 
stehungs^ei^j^Y^r^tun^,  UWimu%b  unÄ/;R§MmÄr  b$Fs-fta> 
Steffi $Mtötä®-  4iW  ßtitö^llfä  nYMft%^teifie^%Wflif# 

angeführt  hat.  ,  r   .  , 

Hoxlosigolo^  9ih  tioX  'latenten  rri  doh  ntubl^w  ni  .iwhm«*M  mb  n! 


328 


Batavia,  1872.  4°.  119  p.  avec  Atlas  in  Fol.  —  Im  Auftrage  des  Nieder- 
ländischen Ministeriums  der  Colonien  ist  bei  Grissee  auf  Java  an  der  Meer- 
enge von  Madura  ein  artesischer  Brunnen  von  747  Meter  Tiefe  gebohrt 
worden,  mit  dessen  Ausführung  P.  van  Dijk  als  Bergingenieur  und  Major 
J.  P.  Ermeling  betraut  waren.  Der  erstere  behandelt  in  dieser  Schrift 
den  geologischen,  der  letztere  den  technischen  Theil  des  Unter- 
nehmens. Dazu  dienen  geologische  Karten  und  Profile  auf  PI.  IIIa  1  u. 
2,  die  von  den  Alluvionen  bis  zum  unteren  Tertiär  herabreichen,  und  2 
Tafeln,  PI.  Tl  und  lla  mit  photographischen  Abbildungen  der  bei  dieser 
Bohrung  gefundenen  Versteinerungen ;  12  andere  Tafeln  enthalten  Details 
über  den  technischen  Theil  der  Bohrung  selbst,  die  mit  dem  Freifallbohrer 
durchgeführt  worden  ist. 

In  dem  ersten  Theile  der  Schrift  gibt  van  Dijk  unter  anderen  eine 
Beschreibung  sämmtlicher  bis  zu  747  m.  durchschnittener  Gebirgsschichten 
mit  den  darin  vorkommenden  organischen  Überresten,  über  welche  letztere 
er  sich  am  Schlüsse  noch  specieller  verbreitet. 


Dr.  Albert  Orth:  Geognos tische  Durchforschung  des  Schle- 
sischen  Schwemmlandes  zwischen  dem  Zobtener  und  Treb- 
nitzer Gebirge,  nebst  analytischen  und  petrographischen  Bestimmun- 
gen, sowie  einer  Übersicht  von  Mineral-Gestein-  und  Boden- Analysen. 
Vom  landwirths chaftlichen  Verein  zu  Breslau  gekrönte 
Preisschrift.  Berlin,  1872.  8°.  361  S.  —  Das  Interesse  an  einer 
Wissenschaft  wird  stets  ein  um  so  allgemeineres  sein,  je  mehr  ihre  Re- 
sultate sich  in  der  Praxis  verwerthen  lassen  und  von  dieser  auch  wirk- 
lich verwerthet  werden.  Dies  hat  sich  in  neuester  Zeit  wieder  •  sehr  deut- 
lich bei  den  Berathungen  über  die  Herstellung  einer  neuen  geologischen 
Karte  des  Königreiches  Sachsen  in  dem  Maassstabe  von  1  :  25,000  her- 
ausgestellt, wozu  die  im  Januar  1872  tagenden  Kammern  mit  Freuden 
die  dazu  erforderlichen  Summen  verwilligten,  da  die  Königliche  Staats- 
regierung nicht  nur  im  Interesse  der  Wissenschaft,  sondern  auch  der 
Land-  und  Forstwirthschaft ,  des  Verkehrs  und  zahlreicher  Zweige  der 
technischen  Betriebsamkeit  handeln  wolle,  wenn  sie  Einleitung  zur  Bear- 
beitung einer  neuen  geologischen  Karte  trifft.  In  früheren  Zeiten  hat  die 
Geologie  vorzugsweise  dem  Bergbau  gedient  und  zu  seinen  gegenwärtigen 
Resultaten  verholfen;  in  neuerer  Zeit,  wo  das  Ingenieurwesen  durch  An- 
lagen von  Eisenbahnen,  Tunneln  u.  s.  w.  zu  einer  so  hohen  Geltung  ge- 
langt ist,  hat  auch  wiederum  die  Geologie  in  sehr  vielen  Fällen  wesent- 
liche Dienste  geleistet,  was  man  wohl  zuerst  in  England  richtig  zu  wür- 
digen verstand,  wo  der  verstorbene  Captain  Boscawen  Ibbetson  längere 
Zeit  mit  der  Function  betraut  war,  alle  neueren  Eisenbahndurchschnitte 
geologisch  aufzunehmen. 

In  den  Maassen,  in  welchen  sich  in  neuester  Zeit  die  geologischen 
Studien  gerade  den  jüngsten  Erdschichten  zugewendet  haben,  ist  aber  auch 
der  Landwirth  für  ihre  Resultate  empfänglicher  geworden,  und  das  Ver- 


329 


langen  nach  guten  Bodenkarten  tritt  von  dieser  Seite  immer  mehr  und 
mehr  hervor. 

Fallou's  Arbeiten  über  diesen  Gegenstand  in  Sachsen  haben  bereits 
einen  guten  Grund  hierfür  geschaffen.  Bei  Berathung  über  die  neue  geo- 
logische Karte  von  Sachsen  schlug  die  in  der  zweiten  Kammer  erwählte 
Deputation  daher  vor:  „die  Kammer  wolle  im  Verein  mit  der  ersten 
Kammer 

A.  bei  der  hohen  Staatsregierung  beantragen : 

1)  mit  Bearbeitung  einer  geognostischen  gleichzeitig  die  einer  boden- 
kundigen Karte  über  die  Beschaffenheit  der  tragbaren  Oberfläche 
Sachsens  zu  verbinden, 

2)  über  deren  Anfertigung  Begutachtungen  von  Sachverständigen  der 
geognostischen  und  bodenkundigen  Wissenschaften  einzufordern,  und 

B.  den  durch  die  Anträge  unter  1  und  2  in  dieser  Finanzperiode  ent- 
stehenden Mehraufwand  aus  den  verfügbaren  Beständen  zu  entnehmen 
und  seiner  Zeit  zu  verrechnen."  (Bericht  der  zweiten  Deputation  der 
zweiten  Kammer  (Abth.  A.),  eingeg.  am  31.  Jan.  1872.)    —  (G.)  — 

Die  vorliegende  Schrift  von  Dr.  Orth,  Professor  an  d.  K.  Universität 
und  am  landwirthschaftl.  Lehrinstitut  zu  Berlin,  ist  ein  trefflicher  Weg- 
weiser zur  Orientirung  über  alle  die  Anforderungen,  welche  die  Land- 
wirthschaft  an  die  Geologie  zu  machen  hat,  und  in  gleicher  Weise  ein 
Sporn  für  einen  rationellen  Landwirth,  die  von  der  Geologie  gewonnenen 
und  noch  zu  gewinnenden  Resultate  sorgfältig  zu  studiren  und  mit  Um- 
sicht zu  nützen. 

Die  reiche  Fülle  des  von  ihm  dargebotenen  Materials  ist  in  folgender 
Weise  geordnet: 

Einem  umsichtigen  allgemeineren  Vorberichte  folgt  die  Geognos ti- 
sche Durchforschung  des  zwischen  dem  Zobtener  und  Treb- 
nitzer Gebirge  befindlichen  schlesischen  Schwemmlandes. 
Unter  Schwemmland  begreift  er  wie  gewöhnlich  Diluvium  und  Alluvium. 

In  der  hierzu  gegebenen  Einleitung  werden  Verwitterungsverhältnisse 
der  krystallinischen  Gesteine,  Methode  der  Bodenuntersuchungen  u.  a. 
wichtige  Gegenstände  besprochen. 

Bei  den  als  Sand  und  Kies  abgeschlämmten  Materialien  werden  fol- 
gende Grössen  festgehalten: 

feinsandig  (incl.  Staubsand)  .    0,05  —  0,25  mm. 

mittelsandig  0,25  —  2,5  „ 

grobsandig  0,5—1,0  „ 

sehr  grobsandig  (Grand)   .    .    1,0  —  3,0  „ 

Kies,  über  3,0  mm. 

Der  erste  Abschnitt,  S.  12,  gibt  eine  kurze  Übersicht  über  die 
Schwemmlandsbildungen  in  Norddeutschland ; 

der  zweite,  S.  21,  beschreibt  die  verschiedenen  Formen  des  Schwemm- 
landes zwischen  dem  Zobtener  und  dem  Trebnitzer  Gebirge; 

der  dritte,  S.  56,  bietet  eine  Zusammenstellung  der  Lagerungsver- 
hältnisse und  der  hauptsächlich  bezeichnenden  Eigentümlichkeiten,  woran 


330 


die  verschiedenen  Formen  des  Schwemmlandes  erkannt  und  wodurch  sie 
unterschieden  werden  können; 

in  einem  vierten  Abschnitte,  S.  67,  wird  der  Einfluss  der  geognosti- 
schen  Gliederung  auf  die  Zusammensetzung  der  Ackerkrume  und  des  Un- 
tergrundes dargethan,  hierzu  dienen  85  abgedruckte  Profile  von  Oberkrume 
und  Untergrund. 

Die  eingehende  Kenntniss  von  beiden  bis  auf  grössere  Tiefe  macht  es 
leicht,  die  Massregeln  zu  finden,  wodurch  verändernd  auf  die  Substanz  des 
Grund  und  Bodens  und  meliorirend  eingewirkt  werden  muss.  Die  Wissen- 
schaft hat  hier  die  Leuchte  zu  sein,  welche  auch  die  oft  dunkel  und  un- 
bedeutend scheinenden  Schichten  unter  der  jährlich  vom  Pfluge  bewegten 
oberen  Schichte  ihrem  Wesen  und  ihrem  Werthe  nach  zu  erhellen  vermag. 

Ein  fünfter  Abschnitt  ,  S.  93,  gibt  die  Resultate  der  pedologischen 
Untersuchung  der  charakteristischen  Bodenarten  zwischen  dem  Zobtener 
und  Trebnitzer  Gebirge,  nebst  Erläuterungen  über  Eigentümlichkeit  und 
Vorkommen. 

Hier  ist  eine  grosse  Reihe  mechanischer  Analysen  mit  petrographi- 
schen  Bestimmungen  von  89  verschiedenen  Fundorten  zusammengestellt, 
die  aus  dem  Sandboden,  lehmigen  Sandboden,  sandigen  Lehm- 
boden, Lehmboden,  Thonboden  (z.  Th.  aus  der  Tertiärformation), 
Mergelboden  und  Humusboden  des  Diluviums  und  Alluviums  stammen. 

Der  sechste  Abschnitt,  S.  181,  bietet  eine  Zusammenstellung  von 
Analysen  von  Mineralien,  Gesteinen  und  ihren  Verwitterungs-  und  An- 
schwemmungs- ,  resp.  daran  geknüpften  Neubildungsproducten,  nach  ver- 
schiedenen älteren  und  neueren  Autoren.  Es  soll  von  diesen  327  verschie- 
denen Analysen  und  Untersuchungsreihen  nur  die  THAER'sche  Ackercia  s- 
sification  (Beispiele  an  Bodenarten)  wiedergegeben  werden,  da  auch  in 
dem  N.  Jahrbuch  auf  diese  Classification  mehrfach  Rücksicht  genommen 
worden  ist. 


Thon 

Sand 

Kalk 

Humus 

Proc. 

Proc. 

Proc. 

Proc. 

Klasse  I.    Starker,  reicher,  in  jeder  Hin- 
sicht fehlerfreier  Boden. 

1)  Niederungsboden.  Humoser  Thon-, 
humoser  Mergel-  und  thoniger,  am  besten 
mergeliger  Humusboden. 

Beispiele : 

b  

d  

2)  Höhenboden.  Reicher  Thon-,  reicher 
Thon-  und  Lehmmergelboden. 

67  lk 
81 
85 
73 

79 

773/i" 

14  »/2 
2^2 

3 

12 
ß22i9b 

rfoniws 
Jigfe  i 
ha«-  9= 

18 

16  V* 
9 

9b 

r  7  2 

9^83/4 

äioffcäd 

331 


Ihon 

O  1 

band 

Kalk 

Humus 

Proc. 

Proc. 

Proc. 

Proc. 

d   . 

76 

6'/4 

72/5 

10 

60 

11 

9 

20 

Klasse  II,  ist  eine  Abstufung  von  Kl.  L 
Beispiele  des  Höhenbodens : 

OK  1  1 

85 

1311, 
10/2 

9 

A 

71 

9£. 

A 
t 

7b 

1  Ol/„ 
LZ  i2 

O  jl 

TT"  1                         T  FT         T       1                       1                  1  •  Till 

Klasse  III.  Lehm  und  sandiger  Leninboden, 

meist  mit  etwas  Kalk,  zureichendem  Hu- 

mus. 

a.  , 

45 

774 
'  /* 

33/4 

b  

41 

51 

4 

3  72 

c                                          .  . 

35 

60 

5 

d  

30 

64 

2 

4 

32 

61 

3 

372 

Klasse  IV.    Thoniger  Boden ,  nicht  durch 

Humus  genugsam  kräftig  und  gelockert. 

Ort 

i  ß 

l 

0 
0 

h 

ÖD 

O  /2 

Q 

272 

91 
Z  L 

2 

9.9, 

9 

21li 

ji-itttsbt;  v.   odnuigcr  juenm  mit  1  \i — o  xioc. 

Humus. 

a  

25 

73 

2 

b  

21'  2 

75 



2  /j 

c  

16l/2 

79 

2 

d.     '  .   .  .  

50 

21 

27 

2 

Klasse  VI.  a)  Thonboden  mit  wenig  Humus, 

oft  nass,  sauer,  undurchlassend. 

OD 

1  Ol/« 

Q 
O 

1 1/, 

1  /2 

b 

QO 

O 

c  

72 

27 

1 

VT   Yi\  TiPbmifPr  Sanri  urpwnTinlipVi 

mit  wenig  Humus. 

•     3?*.. 0JlTrt?'°i  V'".!:  v.  nyAl^  -y- 

24 

_ 

1 

b  

19V-2 

79 

172 

30 

59 

10l/4 

3/4 

Klasse  VII.  Lehmiger  Sand  mit  mehr  Sand 

und  weniger  Humus  als  Kl.  VI  b. 

20*2 

79 

72. 

14 

84»/2 

— 

I72 

Klasse  VIII.    Reicher  Sandboden. 

7 

90 

— 

3 

b.   (Humus  adstringirend)     .    .  . 

5 

89 1/2 

a  t  / 
672 

Klasse  IX.    Sand  mit  wenig  Humus  (drei- 

jähriger Roggenboden). 

5 

94 

1 

b  

9 

91 

Klasse  X.   Geringster  Sandboden. 

332 


Von  ganz  besonderem  Interesse  ist  der  siebente  Abschnitt  des  Wer- 
kes, S.  347,  Rückblick  und  Folgerungen  für  den  praktischen  Ackerbau. 
Der  mit  seinem  Stoffe  so  vertraute  Verfasser  gibt  hier  treffliche  Winke 
für  die  Ameliorisirung  des  Bodens,  die  allerdings  nur  in  den  Händen  des- 
sen zur  vollkommenen  Geltung  kommen  können,  der  auch  in  dem  Felde 
der  Naturwissenschaften  mehr  bewandert  ist,  als  diess  noch  jetzt  oft  der 
Fall  ist.  Hierzu  kann  namentlich  der  Geolog  von  Fach  wesentlich  mit- 
wirken. Wir  schliessen  mit  des  Verfassers  Worten:  Die  Förderung  der 
Bodencultur  und  Bodenproduction  gehört  sowohl  zu  den  wichtigsten  Auf- 
gaben der  Einzelwirthschaft  als  des  Staates.  Denn  die  Landwirthschaft 
ist  das  erste  allgemeinste  und  wichtigste  Gewerbe  seiner  Bewohner. 


C.  Paläontologie. 

Dr.  Cl.  Aug.  Schlüter:  über  die  Spongitarien-Bänke  der  obe- 
ren Quadrate  n-  und  untere nMu er  onaten-Schichten  des  Mün- 
sterlandes.  Bonn,  1872.  8°.  38  S.,  1  Taf.  —  Diese  der  Deutschen 
geologischen  Gesellschaft  zu  ihrer  allgemeinen  Versammlung  im  September 
1872  in  Bonn  gewidmete  Arbeit  enthält  neue  Studien  des  geschätzten  Pa- 
läontologen über  die  in  Westphalen  so  mannichfach  ausgebildete  Kreide - 
formation.  Sie  begreifen  die  unteren  und  oberen  senonen  Ablagerungen, 
welche  vom  Verfasser  in 

Sandige  und  mergelige  Schichten  mit  Belemnitella  quadrata, 

I.,  Sandige  Schichten  mit  Scaphiies  binodosus, 

IL,  Mergel  mit  Bechsia  Soekelandi, 

Kalkig-thonige  Schichten  und  Mergelsandsteine  mit  Belemnitella  mu- 
cronata, 

III.,  Helle  kalkig-thonige  Mergel  mit  Lepidospongia  rugosa  zerfallen. 
Aus  der  ersten  dieser  drei  Zonen  wurden  folgende  fossile  Reste  ge- 
wonnen : 

Callianassa  antiqua  Otto,  Podocrates  Dülmensis  Becks,  Hoploparia 
heterodon  Schlüt.,  Enoploclytia  heterodon  Schlüt.  ,  Ammonites  bidorsatus 
A.  Rom.  ,  A.  Dülmensis  Schlüt.  ,  A.  pseudogardeni  Schlüt.  ,  A.  obscurus 
Schlüt.,  Scaphites  inflatus  A.  Rom.,  Sc.  binodosus  A.  Rom.  ,  Cr  iocer  as  cin- 
gulatum  Schlüt.,  Baculites  cf.  Knorri  Desm.,  Nautilus  Westphalicus  n. 
sp.,  Belemnitella  quadrata  Blainv.,  Natica  acutimargo  A.  Rom.,  Pleuroto- 
maria  sp.,  Turritella  sexlineata  A.  Rom.,  Ostrea  armata  Goldp.,  Exogyra 
laciniata  Nilss.,  Vola  quadricostata  Sow.,  Pecten  cf.  arcuatm  Sow.  (wahr- 
scheinlich P.  curvatus  Gein.  d.  R.),  Lima  canalifera  Goldf.,  Inoceramus 
Gripsi  Mant. ,  In.  cf.  Lingua  Goldf.,  Modiola  n.  sp. ,  Trigonia  Umbata 
d'ÜRB.,  Crassatella  arcacea  A.  Rom.,  Goniomya  designata  Goldf.,  Phola- 
domya  caudata  A.  Rom.,  Anatina  cf.  lanceolata  Gein.,  Bryozoen,  stellen- 


333 


weise  sehr  häufig,  verschiedene  Echinodermen,  namentlich  Cardiaster  gra- 
nulosus  Goldf.  sp,  etc.  —  Spongien  sind  in  diesen  Schichten  unbekannt. 
—  Von  den  genannten  Arten  treten  nur  6—7  mit  in  die  folgende  Zone 
über:  Bei.  quadrata,  Amm.  obscurus ,  Inoc.  Cripsi,  Goniom.  designata, 
Crassatella  arcacea?,  Apiocrinus  ellipticus  und  Cardiaster  granulosus.  — 
Die  Zone  I  enthält,  wie  man  sieht,  im  Allgemeinen  die  Fauna,  wie  sie  bei 
Kieslingswalda  im  Glatzischen,  bei  Kreibitz  in  Böhmen  und  am  Salzberge 
bei  Quedlinburg  an  der  Basis  des  oberen  Quadersandsteines  angetroffen 
wird. 

(H.  B.  G.) 

Aus  der  zweiten  Zone  werden  aufgeführt: 

Coeloptychium  agaricoides  Goldf.,  C.  cf.  ineisum  A.  Rom.,  C.  lobatum 
Goldf.,  C.  sulciferum  A.  Rom.,  Camerospongia  cf.  monostoma  A.  Rom.,  C. 
eximia  n.  sp. ,  G.  megaStoma  A.  Rom.  ,  Becksia  Soekelandi  Schlüt.  ,  hier 
durch  schöne  Abbildungen  erläutert,  Gribrospongia  Decheni  Goldf.  sp., 
Goscinopora  infundibuliformis  Goldf.,  C.  Murchisoni  A.  Rom.,  Pleurostoma 
expansum  A.  Rom.,  Apiocrinus  elliptieus,  Ecliinocorys  vulgaris  Breyn 
(=  Ananchytes  ovata  Lam.),  Cardiaster  granulosus  Goldf.  sp.,  Hemiaster 
Begulusanus  cI'Orb.,  Brissopsis  minor  Schlüt.,  Ostrea  vesicularis  Lam.  häufig, 
Vola  quinquecostata  Sow.  häufig  (während  V.  quadricostata  hier  nicht 
mehr  vorkommen  soll),  Lima  semisulcata  Nilss.,  L.  granulata  Nilss.,  Ino- 
ceramus  Cripsi  Mant.,  Belemnitella  quadrata,  selten,  Ammonites  Lettensis 
Schlüt.,  A.  obscurus  Schlüt.,  Ancyloceras  retrorsum  Schlüt.  etc. 

Debey's  Gyrolithen-Grünsand  bei  Aachen  entspricht  ohne  Zwei- 
fel diesem  Niveau. 

Aus  der  dritten  hier  in  das  Auge  gefassten  Zone  der  unteren  Mucro- 
naten-Schichten  oder  der  Zone  der  Lepidospongia  rugosa,  welche  Schlüter 
hier  genauer  beschrieben  und  abgebildet  hat,  werden  hervorgehoben :  Coe- 
loptychium agaricoides  Goldf.,  C.  cf.  ineisum  A.  Rom.,  C.  lobatum  Goldf., 
G.  sulciferum  A.  Rom.,  Camerospongia  fungiformis  Goldf.  sp.  und  Game- 
rospongia  megastoma  A.  Rom.  ,  Gribrospongia  micromata  A.  Rom.  sp. ,  C. 
longiporata  Pusch  sp.,  Goscinopora  infundibuliformis  Goldf.,  Betispongia 
Oeynhausi  Goldf.,  Gupulospongia  Mantelli  Goldf.,  einige  Anthozoen,  fer- 
ner Diplotagma  altum  Schlüt.  ,  Bhymosoma  Königi  Des.  !,  JEcliinocorys 
mdgaris  Breyn  und  E.  granulosus  Schlüt.,  Offaster  corculum  Goldf.  sp., 
Micraster  glyphus  Schlüt.,  Epiaster  gibbus  Lam.  sp.,  Cardiaster  mäximüs 
Schlüt.,  Brissopsis  brevistella  Schlüt.,  Crania  Parisiensis  Defr.,  Terebra- 
tula  obesa  Sow.,  Ostrea  vesicularis  Lam.,  Vola  quinquecostata  Sow.,  an- 
geblich häufig,  Beeten  trigeminatus  Goldf.,  P.  membranaceus  Nilss.,  P. 
cretaceus  Nyst,  Lima  semisulcata  Nilss.,  L.  granulata  Nilss.,  Inoceramus 
Cripsi  Mant.,  überall  in  der  Belemnitellenkreide,  Avicula  coerulescens 
Nilss.,  Cardium  (Pholadomya?)  decussatum  Goldf.,  Pholadomya  Esmarki 
Pusch,  Neaerea  caudata  (üorbula  caudata)  Nilss.,  Panopaea  Beaumonti 
Mün.  (-  P.  Jugleri  A.  Rom.),  Trochus  granutäiüs  Goldf.,  Ammonites 
Coesfeldiensis  Schlüt.,  A.  Stobaei  Nilss.,  A.  costulosus  Schlüt.,  A.  pata- 
giosus  Schlüt.,  A.  obscurus  Schlüt.,  Scapkites  gibbus  Schlüt.,  Sc.  spiniger 


334 


Schlüt.,  Hamites  obliquecostatus  Schlüt.,  H.  rectecostatus  Schlüt.  und  Be- 
lemnitella  mucronata  Schloth. 

Von  den  genannten  Organismen  sind  für  die  unteren  Mucronaten- 
schichten  wahre  Leitfossilien:  Amm.  Coesfeldiensis,  A.  patagiosus,  Scaph. 
gibbus,  Trochus  granulatus ,  Pecten  cf.  striatissimus ,  Micraster  glyphus, 
Cardiaster  maximus ,  Phymosoma  Koenigi,  Cupulospongia  Mantell i  und 
Lepidospongia  rugosa,  indem  sie  nicht  allein  hier  zuerst  auftreten,  sondern 
auch  durch  Häufigkeit  des  Vorkommens  und  Deutlichkeit  ihrer  Charaktere 
sich  auszeichnen. 


0.  C.  Marsh:  über  eine  neue  Unterklasse  fossiler  Vögel 
(Odontornithes).  (Amer.  Joum.  of  Science  a.  Arts,  1873.  Vol.  V.)  —  Der 
wichtigen  Entdeckung  ausgestorbener  Vögel  mit  biconcaven  Wirbeln  (Icli- 
ihyomidae)  durch  Marsh  in  der  Kreideformation  von  Kansas  wird  jetzt 
noch  das  Vorhandensein  von  Zähnen  an  einem  Typus  derselben  nach- 
gewiesen, woraus  sich  der  neue  Vogeltypus  Odontornithes  (oder  Aves  den- 
tatae)  ergibt,  welche  noch  mehr  als  bisher  die  Lücke  zwischen  Vogel  und 
Reptil  ausfüllen. 


0.  C.  Marsh:  über  die  gigantischen  fossilen  Säugethiere 
aus  der  Ordnung  Dinoce  r  ata.  (Amer.  Joum.  of  Sc.  a.  Arts,  Febr. 
1873,  Vol.  V,  p.  117.  Taf.  1,  2.)  —  Unter  den  vielen  ausgestorbenen 
Säugethieren,  welche  in  tertiären  Schichten  der  Rocky  Mountains  entdeckt 
worden  sind,  gibt  es  kaum  merkwürdigere  Formen,  als  jene  aus  dem  Eocän 
von  Wyoming.  Dieselben  gleichen  an  Grösse  dem  Elephant  und  nähern 
sich  in  ihren  Gliedmassen  überhaupt  den  Rüsselthieren,  ihr  Schädel  bietet 
jedoch  eine  merkwürdige  Vereinigung  von  Charakteren  dar.  Er  ist  lang 
und  schmal  und  trägt  3  getrennte  Paare  von  Hörnern.  Sein  Scheitel  ist 
stark  vertieft  und  an  seinem  Seiten-  und  Hinterrande  erheben  sich  ein 
enormer  Kamm. 

Die  typische  Art  der  Gruppe  ist  Tinoceras  anceps  Marsh,  1872,  wel- 
ches 1871  von  ihm  als  Titanotherium  anceps  beschrieben  worden  ist. 

In  dem  folgenden  Jahre  benannte  Cope  einen  Praemolar,  wahrschein- 
lich derselben  Thiergruppe:  Loxolopliolon  semicinctus ,  während  Leidy  im 
August  1872  für  ihre  Reste  die  Namen  Uinthatherium  robustum  und  Uin- 
tamastix  atrox  aufstellte.  Später  schlug  Cope  dafür  den  Gattungsnamen 
Eobasileus  vor  *. 

Man  erhält  hier  von  Marsh  eine  genauere  Beschreibung  nebst  Abbil- 
dungen des  wohlerhaltenen  Schädels  von  Dinoceras  mirabilis  Marsh  in  Vs 
und  1  9  natürl.  Grösse,  welcher  hiernach  bis  76  cm.  Länge  erreicht  hat. 
Auf  demselben  vertheilen  sich  die  3  Hornpaare  der  Art,  dass  ein  Paar 
kurzer  Hörner  auf  dem  Nasenbeine,  ein  Paar  längerer  über  dem  Eck- 

*  Vgl.  Edw.  D.  Cope:  on  the  new  Perissodactyles  from  the  Bridger 
Eocene  (Read  before  the  American  Phil.  Soc.  1873.) 


335 


zahne  und  die  grössten  auf  dem  Kamme  des  Hinterhauptes  gesessen  haben. 
Das  Thier  ist  ferner  durch  zwei  riesige  P^ckzähne  ausgezeichnet,  die  aus 
dem  Oberkiefer  gegen  22  cm.  lang  herabragen,  während  obere  Schneide- 
zähne fehlen.  In  dem  Kiefer  sind  6  kleine  Praemolaren  zu  zählen,  wäh- 
rend wirkliche  Backzähne  nicht  beobachtet  wurden. 


P.  deLoriol:  D  escription  de  quelques  Aster  ides  du  terrain 
neocomien  des  environs  de  Neuchätel.  (Mem.  Soc.  Sc.  Nat.  de 
Neuchätel    T.  V.  Dec.  1872.)    4°.    19  p.,  2  PI. 

Dem  Neokom  aus  den  Umgebungen  von  Neuchätel  entstammen  die 
meist  prächtig  erhaltenen  Seesterne,  welche  hier  als  Astropecten  Desori 
de  Lor.,  A.  porosus  Ag.,  Coulonia  neocomiensis  de  Lor.  und  Rhopia  prisca 
beschrieben  werden.  Unter  ihnen  ist  von  ganz  besonderem  Interesse  Cou- 
lonia neocomiensis  wegen  ihrer  unverkennbaren  Ähnlichkeit  mit  Stellaster 
Scliulzei  Cotta  u.  Reich  in  Geinitz,  Elbthalgeb.  IT,  1,  p.  15.  Taf.  5,  fig.  3, 
4  aus  dem  oberen  Quadersandstein  des  sächsischen  Elbthaies. 

■■ 


Miscellen. 

Grosser  Diamant.  —  Ein  Diamant  von  288 1  2  Karat  Gewicht  und 
vom  reinsten  Wasser,  wurde  am  6.  Nov.  1872  bei  Waldeck's  placer  am 
Vaal  river  in  Süd-Afrika  durch  Robert  Spaulding's  Genossenschaft  ge- 
funden. Er  besitzt  l'/s  Zoll  Durchmesser  und  hat  die  Gestalt  eines  un- 
regelmässigen Octaeders.  [The  Amer.  Journ.  of  sc.  a.  arts,  April,  1873, 
p.  313.) 


Der  Jb.  1873,  S.  861  erwähnte  Pterodactylus  mit  wohlerhaltenen  Flug- 
häuten aus  dem  lithographischen  Schiefer  von  Eichstädt  ist  für  den  an- 
sehnlichen Preis  von  2000  fl.  rhein.  für  Yale  College  in  Newhaven,  Conn. 
angekauft  worden  und  bereits  an  seinen  neuen  Bestimmungsort  abgegangen. 


Die  Californische  Akademie  der  Wissenschaften  hat  von  Herrn  James 
Lick  ein  prachtvolles  Grundstück  in  der  Stadt  San  Francisco  im  Werthe 
von  100,000  Dollars  zum  Geschenk  erhalten,  worauf  unter  gewissen  Be- 
dingungen ein  Gebäude  für  die  Akademie  erbaut  werden  soll.  {The  Amer. 
Journ.  of  sc.  a.  arts,  Vol.  V.    No.  28,  p.  321.) 


L.  Agassiz,  der  seine  ganze  Zeit  auf  die  Vergrösserung  und  Berei- 
cherung seines  ber